oic enge Fühlungnahme mit England nicht zu verlieren, egoistische Motive unterschrieben. Die englische Haltung gesellt sich den rnancherlei Anzeichen zu, die darauf hindeuten, daß die Ententepolitik ihren Höhepunkt überschritten hat, und daß wir einer Neuorientierung der englischen Politik entgeaensehen dürfen, wenn es uns gelingt, ohne Konflikte aus der geaenwür- tigen Krisis yerauszukommen. Er handelt sich natürlich um Entwicklungen, die sich in den ersten Anfängen befinden, und die einer gewissen Zeit bedürfen werden, um zu reifen. Line gemalt- same Lösung aber — selbst wenn manche Interessen der österreichisch - ungarischen Monarchie auf eine solche hinvrängen sollten — in einem Augenblick herbeizuführen, in dem sich uns eine wenn auch nur entfernte Aussicht eröffnet, den Konflikt unter für uns wesentlich günstigeren Be- dingungen auszutraaen, würde ich für einen Fehler von unermeßlicher Tragweite halten.--
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Noch Ende Februar 1913 empfahl dann auch Kaiser Wilhelm in einem Schreiben an den österreichischen Thronfolger eine allmähliche Rückführung der österreichischen Rüstungen und Sicherheitsmaßnahmen, falls Rußland dasselbe zu tun bereit sein würde. Am 11. März kam es zu dem Einvernehmen zwischen Wien und Petersburg, die an den Grenzen der beiden Reiche ongeordneten Mobilisierungen rückgängig zu machen. Dies brachte dann endlich in den durch den Balkankrieg bedrohlich gewordenen österreichisch-russlschen Be- Ziehungen Entspannung.
Das Reichsbühnengesetz.
Die Theaterunternehmungen sind, rechtskundlich gesprochen, unfrei, d. h. sie unterstehen der genehmigenden und beaufsichtigenden Gewalt des Staates. Diese „Unfreiheit" des Theaters gründet sich geschichtlich auf den im Ursprung staatlich-gottesdienstlichen Charakter des Theaters, der allo in seinen einzelnen Erscheinungsformen beobachtet werden muhte. Das griechische Theaterrccht und das Theaterrecht des europäischen Mittelalters (bis zum 15. Jahrhundert) ist fast ausschließlich öffentlicher Art, da sa das damalige Theater überhaupt eine Angelegenheit des staatlichen bzw. staatskirchltchen Re- giments ist, also g. B. auch die Schauspieler eigentlich unmittelbare Staatsdtcner sind usw. Anders ist es im römischen und in dem ganz ähnlich verlaufenden neuzeitlichen Theaterrecht. Immer mehr traten das Privattheater und der Bühnenautor als private und geschäftlich interessierte Persönlichkeit in den Vordergrund — so muß im modernen Theaterrecht eine Scheidung zwischen öffentlichem und privatem Theaterrecht stattftnden.
Wie steht es nun mit dem Theaterrecht unserer Feit und zugleich: was ist an ihm unvollkommen, was treibt — schon seit langem — zll Besserungo- Vorschlägen?
Das Deutsche Theaterrecht ist nur zu einem Teil reichsgesetzlich festgelegt: und zwar im öffentlichen Tl)«aterrechl: und auch in diesem nur, was die Kon- Zession angeht, d. h. die Erlaubnis, die einem Theaterunternehmer erteilt wird, Schauspiele irgendwelcher Art öffentlich aufzuführen. Die Sptelge- uehmigung ist ein Glied der Reichsgewerbeordnung! Wenn man nur einen Augenblick die |a eigentlich lächerlich selbstverständliche Erwägung anstellt, daß Theater eine Kunst ist, vollends aber, wenn man bedenkt (die neuzeitliche Wissenschaft tut die» in gesteigertem Maße), wie schwer ps»)chologisch ergründ- bar die Bühnenkunst und der Büynenmensch ist und in wie diffiziler Welse das Theater in alle ferner oder näher benachbarten Gebiete menschlichen Geistes- und Gefühlsauedrucks übergreift, dann wird man sich dagegen wehren wollen, daß einer der wichtigsten Belange des Theaterlebens, nämlich die Direktion einer Bühne gemeinsam mit „anderen Gewerben" in der „Gewerbeordnung" ihren Platz hat. Aber immerhin: die Konzession ist reichsgesetzlich ge- ordnet. Die anderen wichtigen Bestandteile des öffentlichen Theaterrechts aber, die Kontrollpolizel, d.- h. die Ueberwa'chung der Theaterunternehmungen aus die Einhaltung der obrigkeitlichen Gebote hin, unh die Theatersicherheitspolizei, in deren Gebiet
AerFrosch mit derMaske
t Roman von Edgar Wallace.
\'3. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Genter schwieg. Sie waren letzt etwa zwölf Schritte von der Hütte entfernt, einem starken Gebäude, aus kräftigem Bauholz gezimmert, mit einer Türe und einem geschlossenen Fensterladen. Der Mann, der sich Carlo nannte, machte Genter ein Zeichen zu verweilen, er selber ging vorwärts und klopfte an die Türe. Genter sah, wie der Mann zpm Fenster trat und dessen Laden um eines Zolles Breite sich öffnete. Es schien ein langes Gespräch im Flüstertöne zu folgen, dann kam Carlo zurück.
„Er hat gesagt, baß er Arbeit für dich hat, die dir Tausende einbringen kann. Du hast wirklich Glück! Kennst du Roche-More^"
Genter nickte. Er kannte diese Vorstadt der Aristokraten.
„Es wohnt ein Mann dort, der um die Ecke gebracht werden soll. Er kommt jede Nacht mit dem 11.50-Zug aus seinem Klub und geht zu Fuß nach Hause. Es steigt eine dunkle Straße an und mit einem Knüttel kann man ihn ganz ohne Mühe erwischen. Bloh ein Schlag und es ist aus mit ihtp. Das heißt noch nicht töten, verstehst du?"
„Warum will er ober, daß ich das tue?* fragte dec große Vagabund neugierig. Die Erklärung, die er erhielt, war logisch.
„Alle Neuen müssen etwas tun, um ihren Mut 'zu beweisen. Also, was meinst du dazu?" Genter hatte nicht gezögert. „Wird besorgt!" sagte er.
Carlo kehrte zum Fenster zurück und hieß seinen Gefährten nachfolgen.
„Bleib hier stehen und steck den linken Arm durchs Fenster", sagte er.
Genter streifte die Manschette seines durchnäßten Acrmels zurück und streckte seinen nackten Arm durch die Spalte. Seine Hand wurde mit festem Griff erfaßt und soaleich fühlte er, wie etwas Weiches und Nasses sich gegen sein Handgelenk preßte. — Ein Gummistempel, dachte er und wappnete sich gegen den Schmerz, der nun folgen mußte. Er kam wie das schnelle prickelnde Stechen von
auch die Theaterzensur fiele (fiele, wenn man ste nicht über Bord geschmissen hätte!) — harren noch der reichsgesetzltchen Festlegung.
Gar nicht reichsgesetzlich festgelegt ist aber das gesamte private Theaterrecht. Unter das „private* Theaterrecht fällt zunächst das Arbeitsverhältnia de» Schauspieler, zum Direktor' als des Angestellten oder Arbeitnehmers zum Direktor als dem Arbeit- gebet — das sogenannte Engagements- ober Büb- nenoertragsrecht —, ferner das rechtliche Verhältnis des Billettkäufers zur Direktion — der „Tyeater- besuch" —, sodann die Geschäftsregelung '.wischen Theaterdichter und der sein Werk aufftiyrenden Bühnenleitung, endlich die Verträge der Theater- ogenturen, der Mittelsmänner zwischen Schauspieler und Direktor.
Um dem Mangel einer gesetzlichen Festlegung der Privatrechte der Bühnen-Engagierten wenigstens einigermaßen. abzuhelfen, haben die Bühnenvereine, die Direktorenverbände also, und die Verbände der künstlerischen und technischen Engagierten einen T a ■ r i f ausgearbeitet, der zunächst ble August 1927, jedenfalls bis zur Durchbringung eines Reichstheater- gesehev, natürlich ohne eigentliche Gesetzeskraft al» Norm, gewissermaßen als verabredetes Regulativ von Arbeitgebern und Arbeitnehmern befolgt wer-
Oeftereich hat ein Reichs-Theatergesctz, allerdings zunächst auch nur für das private Recht. Wir aber warten noch auf da» Neichs-Theatergcsetz öffentlichen und privaten Rechts. Der Berliner Oberregierungsrat Kurt von Glasenapp hat die Wirksamkeit fast seines ganzen Arbeitslebens an die Durchbringung des Reichs-Theatergesetzes gesetzt. Jetzt stehen er und wir, denen es um ein gesundes Wachsen des Theater» zu tun ist, hoffentlich nahe vor der Erfüllung. Der Entwurf eines Reichsbühnengesetzes ist vom Reichsinnenministerium dem Reichslabinett zugeleitet worden und wird von dort aus dem Reichsrat weiter- aegeben. Noch muß also der Inhalt der Vorlage geheimgehalten werden. Um so mehr steigern sich unsere Hoffnungen auf eine weise Durchführung. Aus dem Bann des „Gewerbe"-Begriffs wird ja nun erfreulicherweise die Konzessionserteilung heraustreten. Aber wohl gemerkt: man unterscheide bei der Genehmigung wirklich zwischen Künstlern und immer noch Gewerbetreibenden, zwischen ernsten und — unanständigen Menschen. Man mache endlich Ernst mit Der auf dem Papier sich so schön ausnehmenden Sortierung der „moralischen Zuverlässigkeit" der Bäh- nenleitungen. Man lasse Schund und Schänd' auf den Bühnen die immer ehrlicher sich bemühende reine Kunstsehnsucht nicht überwuchern. Videant consules: nicht durch die Polizei als das Mädchen für alles, nicht vom Standpunkt engerer politischer oder religiöser Rücksichten, sondern vom Standpunkt eines gesunden Gewissens! — Was das private Theaterrecht angeht, so kann Im besonderen der vorläufige Reichstarif und die Resultate der Schiedsgerichte als Grundstock genommen werden und, was das Bühnenengagement angeht, nicht genug Wert gelegt werden auf eine künstlerisch angemessene und menschenwürdige Beschäftigung des Schauspielers, aber auch — ich denke da gerade an die Star-Gaaen — an eine menschenwürdige Stellung der „Kollegen* zueinander.
Neueste Gesundungsbestrebungen des Theater- lebens, Besucherorganisationen und Laienspiel etwa, seien ausdrücklich und eindringlich berücksichtigt!
lieber allem aber schwebe die Mahnung, daß bei der Theatergesetzgebung Tore offen gelassen werden für das — seweillae — Recht, „das mit uns geboren ward", auf daß lebendiges Kunstleben nicht durch geschriebenes Wort eingesargt »werde! „ Dr. I. G.
Oberhefsen.
Landkreis Gießen.
X Klein-Linden, 29. Nov. Am 1. Dezember begeht der Lokomotivführer Alb. Manns sein 25jähriges Eisenbahnbien st jubi- l ä u m. — Nachdem im vorigen Jahre die Westseite der Umgehungsbahn mit großen Kosten an den durch die rutschenden Erbmassen ge= ährdeten Stellen mit E n t w ä s s e r u n g s rigolen und Stützmauern versehen wurde, werden etzt auf der Nordselte gleiche E n t w ä s s e - rungsa n logen hergestellt. Als Befestigungs
Material wird brauner Sandstein verwendet. Bekanntlich läßt Da» zur Aufschüttung des hohen Dammes verwendete Material, das stark mit Lette vermischt ist, diesen nur schwer zur Ruhe kommen.
I». Steinbach, 29. Nov. Eine Kulturpflanze, die während des Kriege» in unserer Gemarkung wieder in verstärktem Maße angebaut wurde, ist jetzt au» unseren Fluren nahezu verschwunden. Es ist dies der Winterrübsen oder Wintersamen, wie er hier genannt wird. Vor etwa dreißig Jahren waren in unserem Orte vier Oelmühlen, die den Samen wagenweise in den umliegenden Dörfern abbolten. In den letzten Jahren waren nur noch zwei In Tätigkeit, die ihren Betrieb infolge des starken Andranges während de» Krieges elektrisch einrichten mußten, da Pferdekrast nicht mehr ausrelchtc. Heute stehen auch diese beiden Mühlen still, die Besitzer beabsichtigen, die elektrischen Mo- toren zu verkaufen. Der Grund für den zurück- gehenden Anbau der Oelfrüchte liegt vor allem darin, daß der 2(nbau anderer Feldfrlichte lohnender ist.
J Treis a. d. Lda., 29. Nov. Unter starker Beteiligung der ganzen Gemeinde rourbc am Samsttm Altbürgermeister Wilhelm Benner zur letzten Ruhestätte getragen. Kirchen-. Gemeinde- und Schulvorstand, denen der Verstorbene während langer Jahre angehört hatte, sowie Turn-. Krieger-u. Gesangverein legten Kränze an seinem Grabe nieder. wobei die Verdienste, die der Entschlafene sich um die ganze Gemeinde erworben hat, von berufener Seite gebührende Würdigung fanden.
v. Londorf, 29. Nov. Gestern wurde das langjährige Vorstandsmitglied der israelitischen Religionsgemeinde Londorf, Markus R o t, ch i l d, unter großer Beteiligung z u Grabe getragen, wobei Provinzialrabbiner Dr. Sander- Gießen eine ergreifende Grabrede hielt.
Kreis Büdingen.
nd. Nitida, 29. Nov. In unserem evangelischen Kirchspiel Darben Im verflossenen Kirchenjahr 40 Personen. Davon waren 28 aus Nidda, 7 aus Unter-Schmitten, 3 aus Michelnau und 2 aus Kohden. Ein Alter über 70 Jahren erreichten 26 der Verstorbenen.
„?" Nidda, 29. Nov. Der Obst- und Garte n b a u d e r c i n des Kreises sucht durch Vermittlung geeigneter Äetzreben das Bepflanzen der Häuser mit Weinreben anzureaen. Abge- ehen davon, daß das Weinlaub ein schöner Hauschmuck ist, gedeihen angepaßte Rebsorten in den ge- chützten Dörfern des Kreises gut, und die Trauben .kommen fast immer zur Reife.
bs. Nidda, 29. Nov. In Ausführung her Beschlüsse, die in der Dorstandssitzung des Sängerbundes „Mittleres Niddatal" vor vier- zsbn Tagen gefaßt worden waren, fand hier eine Dirigenten Versammlung unter dem Vorsitz des Lehrers Lentz von Geiß-Nidda statt. Wie schon bekanntgegeben, findet das nächstjährige Bundesfsst in Fauerbach bei Nidda statt. Der dortige Gesangverein verbindet damit die Feier des 40jährigen Bestehens. Das Bundesfest soll ganz im Zeichen des Rhein» stehen. Jedem der 10 Bun- desoereine ist aufgegeben worden, zwei Rhetnlieder nach freier Wahl zum Vortrog zu bringen. Die jetzige Tagung galt hauptsächlich der Auswahl dieser Chöre. Der Bundesdirigent batte etwa 100 Partituren zur Ansicht kommen lassen und bereits eine Sichtung vorgenommen. Auf Grund der beim diesjährigen Wertunasstnaen gemachten Erfahrungen soll im kommenden Jahr von einer Wertung der gesanglichen Leistungen abgesehen werden.
bs. O d e r - W1 d ti e r s h e i m, 29. Nov. Die Erweiterung »arbeiten des Hartba- faltwerkeo Johs. Nickel werden jetzt unterbrochen, um im kommenden Frühjahr fortgesetzt zu werden. Geplant ist, den alten Brecher durch einen neuen mit doppelter Leistungsfähigkeit zu ersetzen. Da die Nachfrage nach Schotter, Kleinschlag und Kleinpflaster immer mehr zunimmt, werden dauernd Arbeitskräfte eingestellt, so daß jetzt die Belegschaft des Werkes auf 86 Mann gestiegen ist. Die soziale Fürsorge der Firma für ihre Arbeiter spricht sich besondero Im Bau von Arbeiter- Wohnungen aus. Ein Doppelhaus mit je drei
Zimmern ist gegenwärtig im Rohbau vollendet, während ein weiters» im Entstehen begriffen ist. Die Steine sind aus eigens dazu hergeftellten Basalt* grus gegossen. Das Baukapital wird von den Woh. nungsinyabern zum Frictiensttnssatz van 5 Proz. verzinst, und es kann In kieimtcn Teilbeträgen abgetragen werden. — Auch der frühere Gemeinde- 1t e i n b r u d), der jetzt an eine G. m. b. H. L u p p, Abt u. Genossen verpachtet ist, arbeitet feit Wochen im Baubetrieb. Da eine Kippanlage nicht vorhanden ist. müssen bie Erzeugnisse mit Fuhrwerken zur Bahn gebracht werden. Wie man hört, planen die Pächter die Anlage einer Drahtseilbahn.
Krci4 Schotten.
„•?" Eichelvdorf J29. Nov. DieWeihedsr neuen Glocke fand gestern In festlichem Gottes- tiieuftc statt, der von Schülerchören umrahmt und durch die Darbietungen eines gemilchten Chores und des Mufikvereins Obcr-Schmitten usr- schönt wurde. Nach der durch dcn Ortsaeistllchcn vollzogenen Weil-e wurde erstmalig die Glocke geläutet. Sie klingt voll und weich und verstärkt wesentlich da» seitherige Geläute. Eine Nachfeier am Abend, die von beiden Gemeinden de» Kirchspiel» stark besucht war, führte die Bedeutung der Glocken im allgemeinen In Lied, Wort und Spiel vor Augen. Der Redner des Abends mar Pfarrer Köhler. Nitida. Lieder des hiesigen Gesangverein», Gedichte und ble Aufführung eines Glocken- weihespiels halfen mit, den Tag der Glockenweihe wirkungsvoll zu beleben, daß er litt öemclntieleben in denkwürdiger Erinnerung bleiben wird.
♦ Ralnrod, 29. Nov. Unsere allf einer Anhohe gelegene geräumige und olelfenftri^S i ra)e ist lm Winter sehr kalt. Um diesem Uebclstand abzu- helfen, wird nun das Gotteshaus mit einer elektrischen Heizanlage versehen, die von der Firma Imhof (Schotten) eingebaut wird. Man ist sehr^pannt, wie sich die neuartige Heizvorrichtung
Kreta Altzfeld.
>*> Alsfeld, 29. Nov. Auf Einladung der hiesigen Dürergesellschaft hielt Prtoattiozent Studienassessor Dr. Mencr-Backhausen aus Marburg am Samstagabend im Physiksaal der Ober-Real schule einen Lichtbiltieroortrag über „Alsfelder Fachwerkbauten vom 15. biö 3 u m 19. Jahrhundert". Der Vortragende, der unter dem Tite! „Alte Städte zwischen Main unb Weser" eine Reihe von Monographien hauptsächlich hessischer Städte herauszugeben bcab» sichtigt, ist gegenwärtig damit beschäftigt, ein Werk über die Stadt Alsfeld zu vollenden. Aus dem von ihm für Alsfeld zusammengestellten Material gab der Vortragende einige sehr interessante Proben in seinem Dortrage. Er mies an zahlreichen Lichtbildern nach, wie sich gerade In Alsfeld di- Entwicklung des Fachwerkbaues vom 15. bis zum 19. Jahrhundert besonders gut verfolgen lasse, da Alsfeld, abgesehen von der Beschießung im Jahre 1646, von größeren verheerenden Bränden verschont geblieben fei. In den 60 vorgeführten, vom Verfasser selbst autonom- menen Lichtbildern führte dieser die wesentlichsten künstlerischen unb historischen Wert» der wtatit Alsfeld eindrucksvoll vor, wobei er die geschloffene historische linö künstlerische Einheit In der Entwicklung unb dem Bestand der alten Bauten der Stadt nach- zuwelsen vermochte. Die zahlreich erschienenen Zu- Hörer dankten für den interessanten Vortrag mit sehr lebhaftem Beifall. Derartige Vorträge und Ar- beiten verdienen weitestgehende Förderung, um den Stadtbewohnern die Augen zu öffnen für die künstlerischen Werte ihrer Umgebung, für dl« Schönheit alter Stratzenbilder, deren Fortbestand aber Der» nichtung so häufig von dem Verständnis der Be- wohner abhängt. Hierdurch würde allen Heimat- kundlichen Bestrebungen sowie dem neu erwachenden Heimatgefühl ein fester Mittelpunkt geschaffen. Die Stadt Alsfeld hat für das von Dr. Meyer-Back- haufen geplante Werk über Alsfeld 1000 Mark bewilligt.
----- Ober-Ohmen, 29. Nov. Der G e - meinderat hatte kürzlich beschlossen, die Mindestquote für den Bezug elektri schen Kraft- st r o m » auf 80 Kilowattstunden festzufetzen. Gegen diesen Beschluß wurde Einspruch erhoben, so daß
tausend Nadeln. Dann ließ der Griff nach, Genter ritz seine Hand zurück und starrte verwundert auf die verwischte Zeichnung von Tinte unb Blut, die der Tätowierende auf seiner Hand zurückgelassen hatte.
„Wischt es nicht ab!" sagte eine erstickte Stimme aus der Finsternis der Hütte her. „Unb jetzt kannst du hereinkommen."
Der Fensterladen schloß sich unb wurde von innen verriegelt, dann kam das Knarren eines Schlüssels, der sich im Schloß drehte unb die Türe öffnete sich. Genter trat in die pechschwarze Finster- nia ein unb vernahm, daß die Türe der Hütte von dem unsichtbaren Insassen derselben verriegelt wurde.
„Deine Nummer Ist K. 971," saate die hohle Stimme, „und wenn du sie in den Personalnach- richten her Times siehst, so berichtest du hierher, wo immer du auch bist. Nimm das---"
Genier streckte seine Hand aus unb ein Brief- Umschlag wurde In sie gelegt, — es war als ob der geheimnisvolle Frosch selbst In dieser Finsternis zu sehen vermöchte.
„Das ist dein Reisegeld und eine Landkarte der Gegend. Wenn du das Geld für dich verbrauchst oder nicht dorthin kommst, wo man deiner bedarf, wird man dich töten. Hast du mich verstanden?"
„Jawohl."
„Du wirft weiteres Geld erhalten, das du für deine Ausgaben verwenden kannst. Hör mich jetzt an. In Roche-More, Nr. 7, Park Avenue wohnt Hallwell Jone», der Bankier----"
Er mochte gefühlt haben, daß der Rekrut überrascht zusammenfuhr. „Du kennst ihn?"
„Ja, ich habe vor Jahren für ihn gearbeitet", sagte Genter. Er zog seinen Browning au» der Tasche unb machte mit dem Daumen die Siche- nmg los.
„Zwischen heute und Freitag muß er niedergeschlagen werden. Du brauchst ihn aber nicht zu töten. Wenn es geschieht, so macht es nichts au». Aber ich vermute, daß fein Schädel zu hart sein---
Genter hatte nun festgestellt, wo der Mann stand, da seine Augen sich an das Dunkel zu gewöhnen begannen. Seine Hand griff plötzlich zu unb erfaßte den Arm de» Frosches.
IV.
„Ich habe eine Pistole", sagte er zwischen den Zähnen. „Ich bin Inspektor Genter von der Polizeidirektion und wenn du dich zur Wehr setzest, so töte ich dich.
Eins Sekunde lang herrschte Totenstille. Dann fühlte Genter, wie die Hand, die die Pistole hielt, mit schraubengleichem Griff umfaßt wurde. Er schlug mit der andern Faust zu, aber ber Mann bückte sich unb der Schlag fuhr in ble Luft. Dann würbe bic Pistole mit unerträglicher Drehung aus Genters Hand gewunden unb er kam mit seinem Gefangenen in ein Handgemenge. Dabei berührte sein Gesicht das des Frosches. War cs eine Maske, die jener trug? Er spürte die kalten Glimmerbrillengläser auf feiner Wange. Die» erklärte die erstickte Stimme. So kräftig Genter auch war, er konnte sich aus den ihn umklammernden Armen doch nicht befreien unb sie schwankten In der furcht- baren Finsternis hin unb her. Plötzlich hob der Frosch den Fuß, unb, um dem uorausgefehenen Stoß zu entgehen, machte Genter eine heftige Wendung. Das Splittern von gebrochenem Glas ward hörbar, und ein scharfer, kalter, durchdringender Geruch drang auf den Detektiv ein. Er versuchte tief zu atmen, aber er meinte zu ersticken, und seine Arme fielen schlaff und machtlos herab.
Der Frosch hielt die gebeugte Gestalt eine Ml- nute lang, dann ließ er sie mit einem dumpfen Geräusch zu Boden fallen.
Am Morgen fand die Londoner Polizeipatrouille Inspektor Genter im Garten eines leeren Hauses liegend und rief die Retlungsgssellschaft an.
Aber ein Mann, ber mit konzentrierten Blau- säursdämvfen vergiftet worden ist, stirbt sehr schnell. Zehn Minuten nachdem ber Frosch den Glas- zylmdsr, den er für ähnliche Notfälle in der Hütte vorbereitet hielt, zerbrochen hatte, war Genter eine Leiche.
Elk.
Auf ber ganzen Welt gab es keinen Detektiv, der weniger nach entern Volizeiofflzier — unb einem recht klugen Polizeiofftzier — aussah, wie Elk. Er war groß unb hager, und eine etwas krumme Haltung verstärkte noch den Eindruck seiner Äümmer- lichkeit. Seine Kleider schienen schlecht zu passen unb
hingen mehr an ihm herunter, als daß sie ihn kleideten. Winters und Sommers trug er einen schmutzigen, rehfarbenen Ueberzleher, der unveränderlich zugeknöpft blieb unb den gleichen gelbbraunen Anzug trug er feit iedermanns Gedenken. Wenn Regen fiel, bann glanzte sein schwarzer, steifer Hut vor Nässe, aber Elk spannte den Regem schirm nicht auf, der schlecht gewickelt und plump ihm vom Arme hing. Niemals batte jemand diesen Gebrauchsgegenstand geöffnet gesehen. Elko leichen- farbiges Gesicht trug unentwegt den Ausdruck tiefster Düsterkeit und seine Vorgesetzten fanden seinen Ein- fluh deprimierend, denn seine Zutunstsaussichten waren durch fein Mißgeschick bei der Beförderung beeinträchtigt. Zehnmal hatte er — unweigerlich be« demselben Gegenstand: Geschichte, versagt. Dick Gor- don, der Elk besser als feine unmittelbaren Vorgesetzten kannte, vermutete, daß dieses Mißgeschick ihn gar nicht so sehr bekümmere, als man annahm. Dick entdeckte sogar einen düsteren Stolz in Elks Unfähigkeit, den historischen Daten gegenüber, und einmal, in einem Augenblick erstaunlicher Vertrauensseligkeit hatte Elk ihm gestanden, daß die Beförderung nur Aum Hindernis eines Mannes mit beschränkter Erziehung werden könne.
„Die armen Sünder haben auf Erden keine Ruhe", seufzte Elk und nahm auf dem ungebotenen Sessel Platz. „Ich dachte, Herr Gordon, ich würde wenigstens nach meiner Reise nach U. S. A. Ferien von Ihnen bekommen."
„Lieber Elk, ich möchte womöglich alles über Lola Baslano erfahren", sagte Dick. „Wer Ihre Freunde sind, warum sie sich so plötzlich an Rap Bennett angeschlossen hat, der ein kleiner Beamter bei den Vereinigten Maitlands ist. Besonders aber, warum sie ihn gestern nachts an der Ecke von St. James toguare abgeholt und nach Horsham gefahren hot. Ich sah sie durch Zufall, als Ich aus meinem Klub kam, und folgte ihnen. Sie faßen fast zwei Stunden in ihrem Kupee ungefähr hundert Meter von Bennetts Hous entfernt und sprachen mitein- ander. Ich stand im Regen hinter dem Wagen und lauschte. Wenn er ihr Den Hof gemacht hätte, so hätte ich es verstanden. Ader sie redeten unb redeten nur von Geld. Und dabei hat der junge Bennett keinen Pfennig in der Tasche."
(Fortsetzung folgt.)
CREME MOUSON


