Ausgabe 
30.8.1926
 
Einzelbild herunterladen

wurde. Kronprinz Rupprecht von Bayern ist inzwischen eingetroffen, ebenso Prinz Oskar von Preußen, Generalleutnant von C r a-- m o n , Admiral Scheer, General der Infanterie von Francois, General von Hutier, General der Artillerie von Gallwitz, Vize­admiral vonTrvtha, Admiral v. Schröder, Generaloberst von Einem und viele andere.

Der Sonntagabend vereinigte die Festteil- nehmer im größten Saal Nürnbergs zu einem offiziellen Festakt, bei dem in Borträgen und Aufführungen die Taten des alten Heeres und der Marine gewürdigt und der im Weltkrieg Gefallenen gedacht wurde. Sn der großen Halle des Luitpoldhains. wo Tausende von ehemaligen Kriegskameraden beieinander waren, hielten Feld­marschall Mackensen und Kronprinz Rupprecht die mit großem Beifall aufgenommenen Anspra­chen. Sm Kulturverein entwickelte sich ein sehr reichhaltiges und großes Programm. Am Sonn­tag, in den frühen Morgenstunden, entwickelte sich reges Leben und Treiben. Mit klingendem Spiel zogen die einzelnen Gruppen ihrem Auf- stellungsplahe zu, um sich zum F e st z u g e zu formieren. Pünktlich um 11 Hhr trafen dce Spitzen des Zuges auf dem Hauptmarkt ein. Tausenhe von Menschen umsäumten die Straßen, winkten den Borbeimarschierenden zu und über­schütteten sie mit Blumen. Unter den Klängen der alten Armeemärsche entwickelte sich em farben­prächtiges Bild. Drei Stunden dauerte der Bor­beimarsch, mit dem dann die Beranstaltung chr Ende erreichte. Den Rachmittag benutzte man z- sportlichen Wettkämpfen, zum Besuch von ' Heatern und Museen, zur Besichtigung der vie­len historischen Sehenswürdigkeiten, sowie zur Erneuerung von im Felde geknüpften Freund­schaftsbanden. Heber dem Flugplatz brachte Oberleutnant II d e t besondere Flugleistungen zur Schau.

Der Schutz

der Schienenwege.

Berlin, 29. August. (TU.) Aus Anlaß der in letzter Zeit häufiger aufgetretenen verbrecherischen Anschläge gegen ~ die Eisenbahnanlagen hat i m Reichsoerkehrsministerium eine Aus­sprache mit der Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahngesellschast stattgefunden unter Zuziehung der beteiligten Reichs- und preußischen Ressorts. Im Reichsoerkehrsministerium besteht nach dem bis­herigen Ergebnis der Untersuchung kein Zweifel darüber, daß der Unfall bei Leiferde auf einen verbrecherischen Anschlag zurückzufuhren sei. Auch die Kriminalpolizei steht auf demselben Standpunkt. Die Besprechung ergab Einverständnis darüber, daß eine Vermehrung der planmäßigen Streckenbegehung keine Aussichten bieten würde, derartige Vorkommnisse hintanzuhalten. Reben die­sen planmäßigen Begehungen wird im Bereich der Deutschen Reichsbahnoerwaltung schon seit Jahren ein besonderer Streifdienst zu unvermuteter Ueberwachung der Bahnanlagen ausgeübt. Es ist bereits vor einigen Monaten Anordnung getroffen, diesen Dienst auf besonders wichtigen oder besonders gefährdeten Strecken entsprechend zu v e r st ä r k e n. Diese Maßnahme wurde auch bei der Besprechung als durchaus zweckmäßig anerkannt. Rach dem Er­gebnis der letzten Wochen hat die Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahngesellschast erneut eine Ver schärfung des Streifdienstes angeordnet. Bei der Verfolgung der einzelnen verbrecherischen Anschläge wird aus ernstes Zusammenarbeiten zwischen dec Kriminalpolizei, die durch namhafte Vertreter an der Besprechung beteiligt war, und der Deutschen Reichsbahngesellschast größter Wert gelegt.

Kunst und Wissenschaft.

Gesellschaft für Volksbildung.

Eine Unterstützung von 40 000 Bän­den stellt die Gesellschaft für Volks­bildung, Berlin NW 40. Lüneburger Str. 21, aus der von chr verwalteten Rickert-Stif­tung unbemittelten Volksbüchereien, die Mitglieder der Gesellschaft sind, unentgeltlich zur Verfiigung. Von den gebundenen Büchern ist der Einband zu entschädigen. Die Stiftung be­steht seit 1903 und hat bisher 7191 Büchereien mit sehr erheblichen Düchermengen unterstützt. Sm Sahre 1926 wurden bisher Bücher im Werte von 17 727,06 Mk. an 334 Büchereien abgegeben. Für wenig bemittelte kleinere Büchereien wird auf diese Weise wirksame Hilfe geschaffen.

Eine Ziegelbau-Ausstellung in Leipzig.

Die im Rahmen der Baumesse aus der Leipziger Herbstmesse zum erstenmal veranstaltete Ziegelbau- Ausstellung wurde mit einer Ansprache ihres Schöpfers, des Architekten Fritz Hoeger (Ham­burg). des Erbauers des Chile-Hauses, eröffnet. Die Ausstellung will einerseits den Architekten g e - Signetes Ziegelmaterial und dessen Zweckmäßigkeit vor Augen führen, auf der andern Seite sollen die Ziegelfabrikanten zu neuem Schaffen angeregt werden. Mit der Ziegelbau-Ausstellung verbunden ist eine Ausstellung deutscher und ameri­kanischer Architektur, die durch Geheimrat Schüler (Berlin) und Professor Wach von der Technischen Hochschule Charlottenburg gesammelt wurde. Aus Anlaß der Ziegelbau-Ausstellung hält der Reichsoerbond der deutschen Zie­ge l i n d u st r i e seine diesjährige Wanderoersamm- lung in Leipzig ab, zu der 700 bis 800 Teilnehmer erschienen sind.

Ehrung der deutschen Wissenschast.

Sn Tihcmy am Plattensee wurde im Beisein fast sämtlicher Mitglieder der Regierung mit dem Ministerpräsidenten Grafen Veth len an der Spitze die Ungarische Biologische Ver­suchsanstalt eröffnet. Kultusminister Graf Klebelsberg kündigte in seiner Eröffnungs­rede an, daß auf Einladung der ungarischen Re­gierung der internationale biologische Kongreß im nächsten Sahre in Ungarn tagen wird. Klebelsberg dankte dem preußischen Kultus­minister Becker, dem Staatsminister Schmidt- O 11 und der Äotgemeinschaft der deut­schen Wissenschaft für die tatkräftige För­derung seines kulturpolitischen Programms. Preußens Verdienst sei es, daß es neben den bis­herigen drei Typen der höchsten Kultur Hni- versität, Akademie und Museum anläßlich der Zentenarfeier der Berliner Universität mit deut­schem wissenschaftlichen Organisationstalent einen vierten Grundtyp, das wissenschaftliche Forschungsinstitut, geschaffen hat, das ausschließlich der Forschung dient Im Gegensatz zu den älniversitätslaboratorien, wo Forschung und Unterricht parallel betrieben werden.

Aerztllcher Fortbildungskursus in Bad kiffingen.

Dom 1. bis 4. September findet in Bad Kisfingen ein ärztlicher Fortbildrrrgskursus statt

wie er im vorigen Sahre von über 150 Teil­nehmern aus ganz Deutschland besucht war. Den Teilnehmern wird eine Preisermäßigung für Hntcrtunft und Verpflegung gewährt. Aerzte, die an dem Kursus teilnehmen wollen, erhalten nähere Auskunft durch den Kurverein Bad Kissingen.

Aus aller Welt.

Gertrud Ederle in Neuyork.

Die Anteilnahme der Reuhorker Bevölke­rung an den Empfangsfeierlichkeiten für Gertrud Ederle übertraf alle Erwartungen. Sn dem Fest­zug sah man zah lreiche Bayern, Schwa­ben und Hessen in ihren Rational­trachten. Ungezählte Zuschauer bereiteten den einzelnen Gruppen, die Fahnen in ihren Landesfarben mit sich führten, begeisterte Ova­tionen. Die englisch-amerikanische Presse erwähnt in ihren Berichten über den Empfang den Riesenanteil der Deutsch- Amerikaner an der Demonstration kaum oder überhaupt nicht. Dagegen berichtet sie mit offen» ichtlicher Freude folgenden Vorfall, der sich an Bord derBerengaria" abspielte. Als der Richter Oberwag^r im Rainen der Deutsch-Ameri­kaner Gertrud Ederle in seiner Begrüßungs­ansprache aufforderte, stets ihrer deutschen Abstammung zu gedenken, so sehr sie sich auch als Amerikanerin ftihle, unterbrach der Manager Eberles den Redner brüsk und for­derte die Presse auf, über diese Worte nicht zu berichten. Oberwagner protestierte energisch dagegen. Gertrud Ederle trifft für diesen pein­lichen Vorfall keine Schuld. Als sie dem Ober­bürgermeister auf seine Begrüßungsansprache ant­wortete, stattete sie besonders den Deutsch- Amerikanern den Dank für den Empfang ab.

Der Kanal abermals bezwungen.

vo. Aus England kommt abermals die Nachricht, daß es einer Schwimmerin gelungen ist, den Kanal zu durchqueren. Diesmal war es wieder eine Amerikanerin. Frau Corson, eine geborene Dänin, die sich später naturalisieren ließ, startete in der Nacht zum Freitag bei Cap Gris Nez. Nach 15 Stunden 38 Min. war ihr die Bezwingung des Kanals gelungen, während Gertrud Ederle 14 Sümden 39 Minuten gebraucht hatte. Die Durch- chwimmung des Kanals durch Frau Corson war nird) anhaltend schönes Wetter bei fast völliger Windstille ausgezeichnet. Die Schwimmerin wurde bei ihrer Landung begei- tert begrüßt. Sie äußerte den Pressevertretern gegenüber, sie freue sich, daß ihr das Unternehmen gelungen sei, aber nicht um eine Million Dollar würde sie es wiederholen.

JubilättmstagungdesZeutralverbands christlicher Textilarbeiter.

Der Zentralverband christlicher Textilarbeiter Deutschlands feierte in Aachen fein 25jähriges Bestehen. Am Sonntagvormittag fand eine große Kundgebung statt, zu der u. a. der preußische Wohlfahrtsminister Hirtsiefer, Ministerprä­sident a. D. Stegerwald, Bertteter des Reichsarbeitsministeriums, des Snternationalen Bundes christlicher Gewerkschaften und vieler ausländischer Brudergesellschaften erschienen waren. Die vieltausendköpfige Versammlung nahm nach voraufgegangenen Dvrttägen eine Entschließung an, in der sie auf das schärfste verurteilt, daß auch die verheiratet« Frau in die Fabrikarbeit hineingezogen werde und gelobt, alle Mittel anzuwenden, um dem Hebelstande abzuhelfen. Am Rachmittag fand eine Führertagung statt, auf der Ministerpräsi­dent a. D. Stegerwald "über das Thema Aufstieg und Führung der Arbeiterschaft" sprach.

Der deutsche Ostasienftug Berlin Mukden".

Die beiden Verkehrsflugzeuge der Deutschen Lufthansa landeten am Sonntagmittag glatt auf dem Flugplatz in Mukden. Die deutschen Füh­rer betonen, nach Passieren der chinesischen Grenze auf keinerlei Schwierigkeiten gestoßen zu fein und großer Freundlichkeit der chinesischen Luftbehörden begegnet zu fein. Die Begrüßungsreden stellen eine Vertiefung der deutsch-chinesifchen Freund­schaft durch den Luftverkehr und die technischen Anregungen fest. Die Ausnahme durch die deutsche Gemeinde in Mukden war äußerst herz­lich. Der Weiterflug findet am Montag statt. Das End'iel ist Peking.

Verschiebung des Atlantikfluges.

Wie demReuyork Herald" aus Reuyork gemeldet wird, sind unter den Förderern des Versuchs des französischen Hauptmanns a. D. 8 o n cf mit dem Flugzeug den Atlanttschen Ozean zu überqueren. Meinungsverschieden­heiten entstanden. Die geplante Expedition werde vollkommen abgeändert werben. Richt französische Flieger, sondern eine rein ame­rikanische Mannschaft soll an Bord des bereits gebauten Riesenflugzeuges, mit dem Fonck bereits einen Probeflug gemacht hat. die Heber- querung unternehmen. Der Flug soll auf das kommende Sahr verschoben werden und wahr­scheinlich wird der amerikanische Oberst Byrd, der den Rordpolflug unternommen hat, den Be­fehl über das Riesenflugzeug übernehmen.

Goethefeler auf der Jahrhundertausslellung in Philadelphia.

Philadelphia, 28. Aug. (WB.) Aus der Ausstellung anläßlich des 150. Sahrestages der amerikanischen Hnabhängigkeitserklärung wurde zu Ehren Deutschlands der Geburts­tag Goethes alsDeutscher Tag" fest­lich begangen. Von der deutschen Botschaft in Washington waren Botschaftsrat Dr. Dieck- Hoff und Legattonssekretär Dr. v. S e l z a m anwesend. Auf dem Verwaltungsgebäude der Ausstellung und im Ehrenhofe weht die deutsche Flagge. Die Mitglieder der deutschen Botschaft wurden bei der Ankunft in Philadelphia von der bärtigen Marinestation mit einem offi­ziellen Salut empfangen und von den Marineoffizieren begrüßt. Sie besuchten dann noch das Anthony Wahne Lager auf dem Aus­stellungsgebäude, wo sie der Kommandant der dort stationierten Regierungstruppen begrüßte und einen öffentlichen Salut feuern lieft. Der Rest des Tages war dem Besuch der Aus­stellung gewidmet.

25 Jahre Berliner Sängerbund.

Sonntag vormtttag fand im Saale der Sing­akademie der Festakt des Berliner Sängerbundes zur Feier seines 25jährigen Bestehens statt. Ober­präsident Meier überbrachte die Glückwünsche der preußischen Regierung, Oberbürgermeister Böß die der Stadt Berlin. RachmittagS ver­

einigte ein Festzug ungefähr 9000 Teilnehmer. 13 Festwagen und 120 Dereinsbanner und Fah­nen wurden gezählt. Den Schluß bildete ein Festkonzert des Berliner Symphonievrche- sters in der Reuen Automobilhalle.

Schweres Dooksunglück auf der Elbe. Vier Personen ertrunken.

Zn Hamburg hat sich am Sonntagnachmittag gegen 3 Uhr auf der Elbe ein schweres Bootsunglück ereignet, bei dem von den neun Insassen vier er­tranken. Das Unglück soll darauf zurückzuführen sein, daß einer der jungen Leute in dem überladenen Boot Dummheiten getrieben hat.

Tödlicher Mokorradunfall.

Auf der Straße nach Wartenberg (Pfalz) stürzte der etwa 25 Sahre alte Lehrer Adolf Korrell von Kriegsfeld vom Soziussitz eines Motorrades. Der Hnfall ereig­nete sich dadurch, daß ein Hund in das Motorrad sprang, so daß der Fahrer rasch bremsen mußte, wodurch Korrell heruntergeschleu- dert wurde. Hnglücklicherweise schlug er dabei an einen Baum und erlitt einen Schädelbruch. Sterbend wurde er ins Kaiserslauterner Kran­kenhaus verbracht, wo er alsbald verschied. Der Führer des Motorrades, ebenfalls ein Lehrer, kam mit leichteren Verletzungen davon.

Eisenbahnunglück in helsingfors.

Vom Wyborger Morgenzug fuhren infolge Versagens der Luftbremse Lokomotive und drei Wagen mit 50 Km. Geschwindigkeit kurz vor der Einfahrt im Helsingforser Bahnhof über den Bahnsteig ins Bahnhvfgebäude. 13 Per­sonen wurden schwer verletzt.

Schweres Automobilunglück.

Auf der Chaussee WeselGahlenKirch- Hellen wollte das Automobil des Fabrikbesitzers Karl Söhnen an einer unübersichtlichen Stelle einen auf der Chaussee haltenden Heuwagen überholen, als von der anderen Seite ein Fuhrwerk entgegentam. Da ein Ausweichen auf der schmalen Straße nicht möglich war, fuhr der Chauffeur mit voller Kraft in den haltenden Heu wagen hinein. Der An­prall war so start!, daß der beladene Wagen in den Straßengraben hineingeschleudert wurde. Die vier Snsassen und der Chauffeur des Autos wurden aus dem offenen Wagen auf die Straße hinausgeschleudert und erlitten zum Teil sehr schwere Verletzungen.

Großseuec in Kaiserslautern.

Sn der Rächt zum Freitag brach kurz nach 1 Hhr in der Stallung des der Stadt gehörigen Dremerhofes Feuer aus, das sich durch das im Stall aufgestapelte Heu und Stroh außer­ordentlich rasch ausdehnte. Das Feuer griff so­gar auf das Kurhaus über, so daß die Kur­hausgäste nur mit Mühe ihr Leben retten konn­ten. Das Vieh konnte bis auf ein Pferd gerettet werden. Heber die Entstehungsurfache ist noch nichts bekannt, doch ist Brandstiftung zu ver­muten. Snfolge Wassermangels gestalteten sich die Löscharbeiten sehr schwierig, da der Druck der Wasserleitung zu schwach war, mußte mit Eimern gearbeitet werden.

Unwetter in Oberschlesien.

In der Gegend von Oppeln, (Suttentag und Groß-Strelitz wütete ein kurzes, aber schweres Un° wetter im Verein mit einem furchtbaren Orkan und mit Hagelschlag. Aus einen fahrenden Personenzug stürzte ein Baum und zerschlug sämtliche Fenster der Lokomotive und der ersten drei Personenwagen. In Vossowska wurden alle Häuser mehr oder weniger beschädigt. In Zawdzki wurden Bäume von 15 Meter Höhe geknickt, Fernsprechleitungen zer­stört, Bauern auf dem Felde samt Pferd und Wagen umgeworfen. In der elektrischen Zentrale des Ortes stürzte ein Mast um und erschlug zwei Monteure. Die Straßen und Chausseen wurden mit Baumstämmen und abgebrochenen Aesten so über­sät, daß jeder Verkehr unmöglich wurde. In Gut- tentag richtete die Regenmenge besonders großen Schaden an. Licht- und Fernsprechleitungen sind zerrissen. Aus den Feldern kamen viele Leute wäh­rend der Arbeit schwer zu Schaden.

Erdstöße im Vogtland.

Am Mittwochnachmittag zwischen 2 und 3 Hhr wurde mehrmals ein unterirdisches, wellen­förmiges Schwanken wahrgenommen, das in der Richtung von Südwesten nach Rordosten verlies. Das Beben wurde von vielen Einwohnern be­merkt. Auch der Seismograph verzeichnete einige Erdstöße.

> Orkan über Kanada.

Heber dem Erie- und Ontariosee hat ein furchtbarer Sturm gewütet, der beträchtlichen Schaden angerichtet hat. Auch Reuschottland ist von einem heftigen Orkan heimgesucht worden. Bisher wurden 50 Todesopfer festgestellt. Der Sachschaden ist auch dort sehr erheblich.

Großer Waldbrand in Kalifornien.

Die berühmten Riesenexemplare der Sequoia­bäume im Nationalpark bei San Franzisko sind von einer Feuersbrunst bedroht. Das in der Nähe der Stadt Badger ausgebrochene Feuer, das bereits 60 000 Morgen mit Buschwerk und Hochwald be­standenen Landes verwüstet hat, nähert sich dem Walde von Redwood.

Absturz.

Der 20jährige Student der Hniversität Zürich Max Girsberger aus Hausen im Rheinland stürzte beim Aufstieg gegen den Kucher über den Grasmetgrat eine Feldwand hinab. Die Leiche wurde nach Amsteg gebracht.

Die höchste Taufe.

Ein Höhenrekord bei der Taufe von Kindern wurde während einet Zeremonie erreicht, die sich in dem Sungfrau-Hotel in einer Höhe von 3780 Meter abspielte. Ein Geistlicher aus Bern hielt einen Gottesdienst in dem großen Saal des Hotels, zu dem sich mehrere hundert Touristen versammelt hatten. Sm Anschluß daran wurden drei Kinder, deren Väter Schweizer Alpinisten sind, in dieser Höhe getauft. Das Wasser, mit dem diese künftigen Bergbezwinger geweiht wur­den, rührte von geschmolzenem Gletschereis her.

Das große Los in einer Familie.

Die Abteilung des Großen Loses von 500 000 Mark, die uad) München gefallen ist, wurde mit allen vier Vierteln von den Familienmit­gliedern eines Münchener Buch­druckers gespielt.

Wettervoraussage.

Noch meist heiter und tagsüber warm, jedoch Gewitterneigung.

Gesttige Tagestemperaturen: 20,4 Grad Celsius Maximum, 6,6 Grad Celsius Minimum. Heutige Morgentemperatur 11,2 Grad Celsius.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 30. August 1926.

Die Mitnahme von Hunden in Personenzügen.

Von demHubertus", Verein weidgerechten Säget, Sih Gießen, wird uns geschrieben:

Angesichts des Aufganges der Hühnerjagd ist es von Wichtigkeit, daß die Cisenbahndirek- tion Frankfurt die Bestimmungen über die Mitnahme von Hunden in P er- sonenzügen einer Aenderung unterzogen hat. Danach dürfen Hunde jeder Größe in Per­sonenwagen mitgeführt werden, wenn den Be­sitzern ein besonderes Abteil zur Verfügung ge­stellt werden kann. Sn der Zeit vom 20. Septem­ber bis 31. Sanuar werden solche Abteile in bestimmten Zügen ständig eingerichtet und durch Schilder gekennzeichnet. Außerhalb dieser Zeit wird dies nur bei eintretendem Bedarf geschehen, also wenn wirtlich Reisende mit Hunden an­wesend sind. Die Mitnahme kann in 3. und 4. Klasse geschehen, natürlich nur gegen Lösen einer Hundefahrkarte. Sollte Platzmangel die Mitnahme im Personenwagen nicht gestatten, so müssen die Hunde im Hundeabteil des Pack­wagens untergebracht werden. Sedoch kann auch ausnahmsweise dienstlich reisenden Polizei^ und Militärpersonen mit Hunden, sowie Sägern ge­stattet werden, mit ihren Hunden im Packwagen Platz zu nehmen, wenn wegen dessen Ladung keine Bedenken bestehen. Die Direktion nimmt an, daß aber ein solcher Platzmangel im allge­meinen nicht eintreten wird. Die Mitnahme in Schnellzügen bleibt weiterhin unterlagt

Diese Bestimmungen bedeuten gegen den seit­herigen Zustand eine begrüßenswerte Verbesse­rung. Sollten sich in der Praxis noch Wünsche, und Beanstandungen ergeben, so ist der Cßerein,. der die Verhandlungen mit der Direktton geführt hat, für Mitteilung dankbar. H.

Bornotizen.

Tageskalender für Montag. Freiwillige Gailsche Feuerwehr: 8.15 Uhr Haupt­übung. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Die Strafte des Vergessens". Astoria-Lichtspiele:Die Jagd nach den Dokumenten".

Aus dem Stadttheaterbureait wird uns geschrieben: Es muß immer wieder betont werden, daß der Sommerspielplan des Stadttheaters auf die heitere Kost eingerichtet werden muß, die das Badepublikum in Bad-Rau­heim bevorzugt, und daß daher auf literarische Darbietungen erst vom Beginn der Winterspiel­zeit (5. Oktober) ab wieder gerechnet werden darf. Hnter diesem Gesichtspunkte ist die Aufführung vonO, diese Bubiköpfe" zu bewerten, die nach der Uraufführung in Bad-Rauheim auch im Kurtheater Bad Homburg einen starken Heiterkeitserfolg davongetragen hat. Die Haupt- träger des Erfolges waren die Hauptdarsteller, die Herren Goll, V o l ck (zugleich Spielleiter der Aufführung), Schwanneke. Geffers und die Damen Süng ling, Marcks, Kr ahme r und Andrä.

*

** Das Gießener Krematorium auf dem Neuen Friedhof, das jetzt feit zwei Wochen in Betrieb ist, hat bereits rege Inanspruchnahme gefunden. Es wurden bis heute acht Einäscherungen vorgenommen, davon drei an einem Tage allein. Die Mehrzahl der Feuerbestattungen betraf Gieße­ner Bürger. Das Krematorium ist in der Lage, innerhalb 24 Stunden bis zu 18 Einäscherungen zu leisten.

** Bilder vom Deutschen Turnfest in Amerika sind in dem Bilderaushang an unserem Geschäftshaus gegenwärtig zu sehen. Be­kanntlich hat die Amerika-Riege der D. T. bei dieser Veranstaltung in Louisville im Vordergründe des öffentlichen Interesses gestanden. Der Präsident des veranstaltenden nordamerikanischen Turnerbundes, George S e i b e l, hat im letzten Winter auch unsere Stadt besucht und war hier der Gegenstand allge­meiner Zlufmerksamkeit. Die beiden hiesigen Turn­vereine ehrten den liebenswürdigen und verdienten amerikanischen Turnerführer bekanntlich durch Ueberreichung ihrer Vereinsnadeln. Unsere Gießener Turner dürften sich für die gut geratenen Bilder sicherlich besonders interessieren.

* Personalien. Ernannt wurde der Anstaltsarzt Dr. Wilhelm Bausch zu Gießen zum leitenden Arzt der Hellstätte für Nerven­kranke bei Gießen mit der Amtsbezeichnung Medizincklrat" mit Wirkung vom 1. August 1926. Durch Entschließung des Ministeriums für Ar­beit und Wirtschaft ist dem mit Versetzung der Stelle eines Feldbereinigungskommissars beauf­tragten Regierungsassessor Richard Ohly zu Lauterbach die LlmtsbezeichnungRegierungsrat" verliehen wordem Dem Pfarrverwalter Fer­dinand K n e 11 in Lauterbach wurde die dortige zweite evangelische Pfarrstelle übertragen.

WSR. Ein Sonntags-Sonderzug nach Kassel. Am nächsten Sonntag, 5. Sep­tember, verkehrt von Frankfurt a. M. aus ein Sonderzug mit nur 4. Wagenklaffe nach Kassel. Der Zug fährt um 6,27 vor in. in Frankfurt. 6.52 in Vilbel-Rord, 7.15 in Friedberg, 7,24 in Bad-Rauheim. 7.40 in Butzbach, 8.01 in Gießen ab. Die Ankunft in Kassel erfolgt um 10.15 vorm. Den Teilnehmern werden in Kasse» Führer un­entgeltlich gestellt. Für den Rachmittag ist die Besichttgung von Wilhelmshöhe vorgesehen. Die berühmten Wasserkünste sind von etwa 3.30 bis 5 Hhr nachm. zu sehen. Die Rückfahrt wird von Kassel aus um 7.56 nachm. angetreten. Ab­fahrt in Wilhelmshöhe um 8.03 nachm.: Ankunft in Gießen 10.06, in Butzbach 10.28, in Bad- Rautzeim 10.40, in Friedberg 10.47, in Dllbel 11.06. Der Fahrpreis, der um ein Drittel des gewöhnlichen Fahrpreises 4. Klasse ermäßigt ist, beträgt von Vilbel 8,30 Mark, von Friedberg 7,50 Mark, von Butzbach 6,90 Mark, von Bad- Rauheim 7,30 Mark, von Gießen 6,10 Mark.

* Der verlorengegangene Poli­zeiausweis des Polizeiwachtmeisters Peter Mark art hat sich, wie das Polizei-amt mit- teilt, wieder vorgefunden. Die am 17. d. MkS. erlassene Verlustanzeige hat deshalb hiermit ihr« Erledigung gefunden.

* Druckfehler haben sich in dem Aufsatz Friedrich von Oppeln-BronikowskisFriede- ricus Rex im Reglig6", Familienblätter Rr. 66 vom 17. August eingeschlichen. S. 262 Spalte 1 Zeile 53 lies lindern statt liebem, S. 263 Spalte 1 Zelle 37 lies Alk mene statt Allmann, Zelle 41 liesdie Schwartze Mene" statt neue.

Hessischer Sanitatskolonnen- tag. Die hessischen Freiwilligen Sanitätskolonnen! vom Roten Kreuz, die im vorigen Sahre in Dad-Rauheim tagten, halten ihren diesjährigen