Ausgabe 
30.7.1926
 
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Hessentreue, Heimatliebe in der Ferne.

Wie überall in Öen Großstädten unseres Vaterlandes sich Vereine bilden, die Sitten und Gebräuche ihrer engeren Heimat pflegen, so be­steht auch seit 1913 in Leipzig ein H essen­der ein, der allmonatlich an einem Abend zwanglos zusammenkommt, Geselligkeit pflegt, liebe Heimaterinnerungeu austauscht und bei guten Vorträgen, teils mit Lichtbildern, der alten, guten Zeiten in der Heimat gedenkt. Klein ist der Kreis (der Verein zählt ca. 120 Mitglieder), jedoch um so enger sind die Bande verknüpft.

Wohl haben die Kriegs- und die Vachkriegs­jahre auch diesem Verein schwere Verluste und Rückgang des Vereinslebens gebracht. Jedoch durch emsige Tätigkeit der wenig noch vorhan­denen Mitglieder, durch die alte Hessentreue und durch die tiefgehenden und aufmunternden Veden des damaligen Vorsitzenden, des Pfarrers M ü hl- hausen, war es möglich gewesen, das Bestehen des Vereins aufrechtzuerhalten. Allmählich wurde der Kreis wieder größer, und es konnte wieder an größere Aufgaben gedacht werden. So wurde 1923 an größeren Veranstaltungen außer einem glänzend verlaufenen Rhein- und Ruhrabend das zehnjährige Bestehen des Vereins begangen. Auch in der Oeffentlichkeit hat sich der Verein gezeigt. 3m Frühjahr 1924 und 1925 fand je ein Hessen- Konzert statt, worüber sich 5ie anwesende Presse sehr anerkennend äußerte.

Bemerkenswert ist, daß der Verein es sich zur Aufgabe stellt. Landsleuten mit Rat und Tat beizustehen und finanziell Mitglieder zu unter­stützen, die unverschuldet in Rot geraten. So fließen 25 Prozent aller Rettoeinnahmen der Llnterstühungskasse des Vereins zu. Ein heraus­gegebenes Gedenkbüchlein gibt über das ganze Vereinsleben ein vollständiges Bild. Dankbar werden Stiftungen jeder Art, sei es in Gedicht­form oder in Heimatbildern, angenommen.

Jederzeit sind Landsleute im Verein herzlich willkommen. Wer einmal in Leipzig, z. D. wah­rend der Messen, zu tun hat, der findet stets guten Anschluß an alte treue Landsleute. Dies­bezügliche Anfragen leitet bereitwilligst Herr Julius K u tz e r aus Gießen, wohnhaft Leipzig- Schleutzig, Schnorrstr. 13, weiter. Begeistert wird jeder zur Heimat zurückkehren mit dem Bewußt­sein: In Leipzig wird die echte Hessentreue und die wahre Heimatliebe gehegt und gepflegt.

Schirm dich Gott, mein Heimatland, Dorf und Wald und Auen.

Segen über jeder Hand, Die dein Glück will bauen. Du im Kranze deutscher Lust Immergrüne Ranke, Bist und bleibst in meiner Brust Innigster Gedanke. I. K.

Unter Mordverdacht verhaftet.

Frankfurt a. M., 29. Juli. (WSR. Die Frankfurter Polizei hat vor einigen Tagen den Chauffeur Ernst Schwing fe st genommen, der im Verdachte steht, im Jahre 1922 in Bad-Rauheim einen Oberleutnant a.D. Wagner ermordet zu haben. Wagner wurde seinerzeit von unbekannten Tätern über­fallen und in einen Teich geworfen, konnte aber noch gerettet und ins Rauheimer Krankenhaus eingeliefert werden. Rach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus ist Wagner spurlos ver­schwunden. Man nimmt an, daß er von Schwing, der einer rechtsradikalen Organisation angehört haben soll, aus politischen Gründen getötet wurde. Auch an dem bis jetzt noch unaufgeklärten Tode des Marineoffiziers Tacken­berg, der seinerzeit auf dem Bahnkörper zwischen Bad-Rauheim und Butzbach tot i aufgefunden wurde, soll Schwing beteiligt sein. Ursprünglich glaubte die Staatsanwaltschaft, daß f Lackenberg aus dem Zuge gefallen sei. Die älntersuchung geht zwecks Aufklärung weiter, ob - ein Änfall oder Verbrechen vorliegt.

Wirtschaft.

* D i e amtliche Grohhandels- indexziffer. Die auf den Stichtag des 28. Juli berechnete Großhandelsindexziffer des Statistischen Reichsamts ist gegenüber dem 21. Juli um 0,4 v. H. auf 126,8 gestiegen. Von

den Hauptgruppen hat die Indexziffer der Agrar­erzeugnisse um 0,7 v. H. auf 128,5 angezogen, während die Indexziffer der Industriestoffe um 0,2 v. H. auf 123,7 nachgegeben hat.

* Vom Siegerländer Eisenstein- verein. Die Mitgliederversammlung beschloß, die zur Zeit geltenden Verkaufspreise und -bedin- gungen auch für August unverändert bestehen zu lassen. Die Förderung hat seit Juni eine erfreuliche Steigerung erfahren, nachdem mehrere Bergwerke den Betrieb wieder ausgenommen ha­ben. Die Gruben der Vereinigten Stahlwerke sind dem Verein neu beigetreten.

* Frankfurter Herb st messe 192 6. Die Frankfurter Messe findet in den Tagen vom 26. bis 29. September statt. In Ergänzung der Textilmesse wird eine Maschinenausstellung im Betrieb zu sehen sein, die der Händlerschaft die Herstellung und die Verarbeitung von Ge- wehen jeder Art, von der Faser bis zum fertigen Erzeugnis, praktisch vorführen wird. Eine ,.Braune Woche" wird zu derselben Zeit die Tabakindustrie und ihre Interessenten in Frankfurt versammeln. Aus Anlaß der Messe veranstalten die maß­geblichen Verbände in der Zeit vom 24. bis» 29. September eine Werbewoche für den Kon­sum von Tabak und Zigarren. Die Tabakmesse dürfte aus diesem Grunde besonders umfangreich werden.

* Z u den Arbeiterentlassungen in denHöchster Farbwerken. Wie Wag­ners Südwestdeutscher Rachrichtendienst vom Ar­beitgeberverband der chemischen Industrie er­fährt, fanden gestern früh über die Arbeiterent­lassungen in den Höchster Farbwerken unter dem Vorsitz deS Regierungsrats Dr. Waßmuth (Wies­baden) in Anwesenheit des Höchster Landrats und des Bürgermeisters Dr. Müller Ver­handlungen zwischen der Direktion und dem Betriebsrat statt. Es wurde über die zu treffen­den Maßnahmen ein völliges Einverständnis erzielt. Danach werden die zu entlassenden Ar­beiter in einem größeren Zeitraum zur Ent­lassung gebracht.

* Motoren-Werte Mannheim, A. - G., vorm. Benz, Abteilung stationä­rer Motorenbau in Mannheim. Für 1925 wird keine Dividende verteilt werden. Der Gesellschaft sind in letzter Zeit wieder Aufträge, namentlich aus dem Auslande, zugegangen, so daß das Wert voll beschäftigt ist.

frankfurter Börse.

Frankfurt a. M., 30. Juli. Tendenz: Unsicher. Trotz der morgigen Unterbrechung des Verkehrs erhielt sich vorbörslich auch heute die freundliche Veranlagung der Börse, doch hatte der Geschäftsumfang eine fühlbare Einschränkung zu verzeichnen. Bei Beginn des amtlichen Verkehrs kam infolge der zweitägigen älnterbrechung etwas Material heraus: auch älltimo-Glattstellungen und Reali­sationen drückten das Kursniveau ziem­lich beträchtlich herab. I. G. Farben­aktien, die vorbörslich bis auf 256,5 Proz. anzogen, senkten sich im späteren Verlaufe auf 253,5 Proz. Phönix erreichten als Anfangskurs 120 Proz.. Gelsenkirchen 170 Proz., mußten aber später ebenfalls auf 117 bzw. 169 Proz. nach­geben. Auch die anderen Montanaktien wiesen Einbußen auf. die sich jedoch im allge­meinen in bescheidenen Grenzen hielten. Buderus minus 1 Proz.. Deutsch-Luxemburger minus 1,5 Proz., Harpener minus 1 Proz., Mannes­mann minus 0,25 Proz. Riebeck-Montan waren scharf gedrückt und verloren 5,75 Prozent. Auch Kaliaktien hatten größere Verluste. Don Chemiewerten senkten sich Holzver­kohlung auf 48,50. Goldschmidt minus 2 Proz. (Sieftroafticn lagen dagegen überwiegend fester, -nur AEG. schwächten sich mäßig ab. Berg­mann plus 1,75. Lahm eher plus 1, Felten plus 0,5. Schuckert plus 0,5 Proz. Bankaktien? konnten sich behaupten, teilweise leicht befestigen. Schiffahrtsaktien lagen ruhig und kaum verändert. Die Werte des Metallbau k- konzerns konnten ihre Steigerung fortsehen: Metallbank plus- 0,5, Scheideanstalt plus 1,5, Metallgesellschaft plus 1,25 Proz. Sehr fest lagen Zuckeraktien. Badischer plus 1,5, Offstein und Rheingau plus je 3 Proz. Don Maschinen­werten konnten Karlsruher um 1.5 Proz. an- ziehen, während Frankfurter Maschinen ange­boten waren und 3 Proz. niedriger wurden.

Deutsche Anleihen und ausländische Renten blieben vernachlässigt. Kriegs­anleihe gaben leicht nach. Ausländische Renten blieben gehalten. Der 5 r e t b e r - kehr hatte lustlose Haltung. Becker Stahl 22,5, Benz 85, Brown Boveri 115 Prozent, Entreprise 7, Frankfurter Handelsbank 85, Growag 60. Ufa 44,5, Ufra 90, Rastatter Waggon 14 Prozent. Der weitere Verlauf zeigte große Unsicherheit, und die Stimmung wurde schwan­kend. Rach mäßigen Befestigungen, die die Kurse an die Basis der gestrigen Adendbörse heran- sührten, setzten infolge Realisationen erneut Ab- schwächungen ein, wodurch das Kursniveau einen neuen Druck über sich ergehen lassen muhte. Am Geldmarkt hat sich die R a ch f r a g e g e st e i g e r t, ba Wochen- und Monatsschluß heute zusammenfallen. Tagesgeld 5.5. Monats­geld 5,25 bis 7,5 Prozent je Adresse. Industrie­akzepte 5,25 Prozent, Privatdiskonten 4,5 Proz, Im Devisenverkehr konnte Paris seine Erholung behaupten. Die Pfundparität wurde mit 202,5 genannt. Brüssel war auf 190,5 und Mailand auf 149 gegen London befestigt.

Börsenkurse.

(Ohne Gewähr.)

Datum:

5% Deutsche NeichLauleihe . 4% Deutsche NcichSanleihe . 8'/,°/« Deutsche Reichsanleihe 3% Deutsche Reichsanleihe Deutsche Svarpramienanleihe 4°/0 Preußische Konsols . 4% Hessen ... ... ... 3*/a% Hessen 3°/e Hessen Deutsche Wertb. Dollar-Ant. bto. Doll-Schatz-Auweilng.'! 4°/0 Zolltürkeu 5°/0 Gold Mexikaner . . . .

Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- und Privat-Bank Sann ft. und Nationalbank . Deutsche Bank Deutsche Dereinsbauk .... DiSconto Commandir . . Metallbank...........

Mitteldeutsche Credttbank . . Oesterreich.ische Creditanftalt. Weltbank..........

Bochumer Guß ......

Buderus . . . ..

Caro . ...........

Deutsch-Luxemburg ..... Gelsenkirchener Bergwerke. . Sarpener Berabau Kaliwerke Aschersleben...» Kaliwerk Westeregeln .... Laurahuttc Oberbedars .......... Phönix Bergbau ...... Ryeim'tahl .. .. Rieben Montan Tellus Bergbau .

Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd ..... Chcramische Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . , . Philipp Holzmann.....

Anglo-Cont.-Guano . . . . Chemische Mäher Alapin . . I. G. Farbenindustric, A.-G. Goldschmidt Holzverkohlung Rütgerswerkr Schetdeanstall US- Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann ..........

Mamkraftwerke ....... Schuckert ...» Siemens 4 Halsd Adlerwerte .filetier ...... Daimler Motoren. ...... Kehligen stacd, ....... Motorenwerk M amt beim Frankfurter Armaturen . . Konservenfabrik Braun . . . Metallgcsellicbast Frankfurt. Pet. Union A.-G Schudtabrik Her; . . ...

Sichel... .......

Zellstoss Waldhof Zuckerfabrik Frankenthal . , Zuckerfabrik Waghäusel . . .

Frankfurt a.M.

Berlin

Schluß. Kurs

1-Uhr. Kur«

Schlich.! Anfang

Kurs Kurs

29. 7.

30.7.

29. 7.

30. 7.

0.501

9.495

0,50

0.50

0.455

0.4475

0,4525

0,4525

0,465

0,52

0,5225

0.525

0,26

0.28

0,4575

0,4525

0,46

0,46

_

0,45

0.43

96,25

97,1

13.75

13,5

13,4

_

44,5

185

183*

184,7*

136*

137*

137,2*

137*

184,2*

187,5*

187

185,5*

169.7*

169,7*

168,5*

170*

90,5

154.7*

156*

154,5*

156,2*

123,5

124

124.5

124,5*

129

7,3

1 ."J

7,35

7.5

-

143*

142.7*

142,7*

144,7*

99,75

93,4

93

93

77

58,5*

79,75*

148*

147*

148,9'

148.9

169,9'

169*

169.5

169*

154,7'

153,5*

154. r

154,5

136,25

135.2*

135,5

135,5*

144,12

146

145

147,5

59

57,75

58

69,75

69'

68,5*

117,7

117,7*

117,7*

117,9*

140,2*

140*

140

147,75

145,9'

145,5

70

-

149,5'

149,5'

149

150*

144,2*

144*

144*

146*

_

_

109,75

110

84,9

85,75

84,75

78

80

256.5

253.5*

255*

254.7*

93,9

93

94,5

94.9

50

48.5

104.5

107,75

104

108.9

140

141.5

142.2*

141.4'

142.9*

141

130

131,7*

130'

130,9

95,5

126*

125,4'

125*

124,5*

168.2*

169*

168,7*

167.9*

78,5

80

79,75

80

88

88

87,25

86,65

24,5

43

48,5

37

15

36,5

134,75

134,75

_

82

84,5

37,75

35

154

156.25

154

157

67

68,5

66

78,75

81,5

78

Berliner Börse.

Berlin, 30. Juli. Rach den jüngsten Kurs­steigerungen verlief die heutige Börse zum ersten Male wieder ruhiger, da durch die heu­tigen Prämienerklärungen einiges Material her­auskam und gleichzeitig die heutige Börse in­folge der morgigen ilnterbredjung die letzte in dieser Woche darstellt. Die Spekulation zeigte sich daher zurückhaltend, so daß sich die Bes­

serungen zunächst zum Stillstand ge­kommen sind. Die ersten Kurse wiesen nur unwesentliche Veränderungen auf. Am Ban­ke n m a rk t setzte sich der Kamps um die höchsten Kurse fort. Eine Sonderbewegung hatten Rüt- gerswerke zu verzeichnen. Hier wollen die Gerüchte über eine bevorstehende Transaktion der Farbengruppe nicht verstummen: außerdem verlautete, daß sich bei der Gesellschaft im lau­fenden Jahre das Geschäft gehoben habe. Die mit den Rütgerswerken zusammenhängenden Erdöl-Aktien profitierten jedoch hiervon nichts. Am Geldmarkt ist der Bedarf etwas stärker geworden, wurde aber durch ein halb­öffentliches Institut befriedigt. Tagesgeld 5 bis 6 Prozent, Geld einige Tage über den Ultimo 5,'.> bis 6*/2 Prozent. Im internationalen De­visenverkehr lagen die lateinischen Valuten leicht befestigt, und zwar nannte man gegen London: Paris 201,75, Brüssel 191,50, Mailand 149,25.

Devisenmarkt BerlinFrankfurt a. M.

Telegraphische Auszahlung.

(Ohne Gewähr.)

Banknoten.

29 Juli.

30. Jlllt.

Amtliche Notierung

Geld 1 Brief

Amtliche Notierung

Geld Brief

Amst.-Nou. Buen-AireS Brss.-Antw- Christiania. Kopenhagen Stockholm . Helsingfors. Italien. . . London. . Neuyork . . Paris. . . Schwei; . . Spanien . . Japan .. . Nio de Jan. SBte» in D-- Okst. obgest. Prag .... Belgrad . . Budapest. . Bulgarien . Lissabon Danüg. . . Konstantin. Athen. . Canada. . . Nruguav . .

168,59 1,699 10,33 91,88

111,21

112,36

10,548

13,56

9,91

81,14

64,17 1,980 0,645

59,31

12,418

7,405

5,872

3,04

21,425

81,60

2,335

5,69

4,198

4,135

169.01

1,703

10,37

92,12 111,49 112,54 10,588

13,60 20,443

4,205

9,95

81,34

64,33 1,984 0,647

59,45 12,458

7,425

5,892

3,05 21,475 81,80 2,345

5,71 4,208 4.145

168,.W* - 1,69S 10,57 91,88

111,26

112,26

10,55 13.50

-0,394 4,195

10,085

81,13

64,52 1,977 0.643

59,35

12,418

7,39 5,872

8,03 21,455

81,60

2,35

4,79

4,198

4.155

_ 160,96 1,702 10,61 92,12

111,64 112,54

10,59 13,54

20,446 4,205

10,125 81,33 W 0.645

59,49 12,453 Äl -Ä 81,80 2,36 4,81

4.208 4.165

Berlin, 29. Juli

Geld

Brief

Amerikanische Note».....

4,181

4,201

Belgische Noten........

Dänische Noten . .......

10,42

110,75

10,48

111,35

Englische Noten........

20,357

20,457

Französische Noten......

10.27

10,33

Holländische Noten .....

168,20

169,04

Italienische Noten......

Norwegische Noten......

Dcutsch-Oestcrr.äioo.Kronen

14,96

14,14

91,75

92,25

59,40

69,70

Rumänische Noten......

Schwedische Noten......

111,95

81,45

63,64

112,55

81,85

63,96

«schweizer Noten......

Spanische Noten.......

Tschechoslowakische Noten . .

Ungarische Noten.......

12,52

5,81

12,68

5,85

Frantfurter Getreidebörse.

Frankfurt a.M., 30. Juli. Cs wurden notiert: Weizen (Wetterauer) 32 (nominell), Roggen (inl.) 22 bis 22,25, Hafer (ausl.) 21,25 bis 23, Mais (gelb) 18,25 bis 18,50, Weizenmehl (inl., Spezial 0) 42,75 bis 43,75, Roggenmehl 31,50 bis 32, Weizenkleie 9,25, RvggenKeie 11. Tendenz: Fest.

Rundfunk-Programm

des Frankfurter SenderS.

(Aus der »RaLio-Amschau".)

Samstag, 31. Juli.

3 bis 3.30 Ufjr: Die Stunde der Jugend. 4 älhr: Uefeertragung von Weimar:Der Bären­häuter", Dühnenspiel in drei Akten von Siegfried Wagner.

Kirchliche Nachrichten.

Israelitische Gemeinden.

3fr. Religionsgemelnde. Gottesd. i. d. Synagoge (Südanlage). Samstag, den 31. Juli 1926. Dorabd. 7.30, morgens 8.30, abends 8.25 u. 9.05.

Gottesdienst der isr. Religionsgesellschaft. Sabbatfeier, den 31. Juli 1926. Freitag aböd. 7.20, Samstag vorm. 8.00, nachm. 4.30, Sabbatausg. 9.05. Wochengottesdienst: morg. 6.30, abds.7.15.

Die Krummhölzer.

Roman aus den bayerischen Bergen.

Von Michael Wagner.

18 Fortsetzung. Nachdruck verboten.

In Tonis Augen bedeutete der Hof wohl ein ansehnliches Gut, das bei richtiger Bewirtschaftung seine anständige Rente abwarf Heimatscholle aber war er ihm nicht. Da er häufig in Geschäften auswärts zu tun hatte, überließ er auch weiterhin dem Vater die Leitung, bei dem er sie in besten Händen wußte. Und Uracher, dessen Haare seit Veris Untergang den Silberreif des Alters trugen, schaffte trotz Uebergabe und Austrag wie ehedem und regierte den Hof für Toni.

Den Dienstboten war das nur lieb, denn beim Bauern" brauchte man nur seine Arbeit recht­schaffen zu verrichten, dann hatte man seinen Fried', und von Kommandieren war feine Rede.

Anders beim Toni: Er duldete als Gutsbesitzer nicht das traulicheDu", wie es feit altersher zwi­schen Bauer und Ehhalten der Brauch. Er war der Herr" und beschrankte seine Tätigkeit daraus, an den wenigen Tagen, an denen er nicht in Ge­schäften abwesend war, mit den Händen in den Taschen, gelbe Ledergamaschen um die mächtigen Waden, die Zigarre im Munde, durch die Stallun­gen oder über die Gründe zu schlendern. In barschem Zone gab er Weisungen oder forderte Auskunft.

Uracher ließ den Toni ruhig seine herrischen Sprüche machen, wenn es auch dann und wann über solcheSpinnereien" in seinem Innern grollte. Er schwieg dazu und ging seinen freiwillig über­nommenen Pflichten nach, während der eigentliche Bauer irgendwo mit seinesgleichen Geschäfte machte oder das Weinglas schwang.

Während an Toni des' jüngsten Bruders jam­mervoller Untergang oorüberging, ohne ihn im ge­ringsten irgendwie tiefer zu erregen, legte der Vater seither ein gar eigenes Wesen an den Tag. Wohl war er schon von Natur aus feiner von den Gesprächigen gewesen, nun aber wandelte sich feine angeborene Wortkargheit zeitweise in finstere brü­tende Verschlossenheit.

Zenos begründete Mahnungen waren nicht um­sonst gewesen, mußte er sich gestehen. Der Wurm des Selbstvorwurfes fraß an ihm, aber der alte

Urachertrotz und -stolz verwehrte ihm, sich mit Zeno auszureden. Verschlossen und trotzig trug er seinen Harm und Kummer mit sich herum, abweisend nach außen gegen alles, was den Anschein von Senti­mentalität hatte.

Zeno, in schmerzlicher Betroffenheit, wich zurück und seine Besuche auf dem Hof wurden immer seltener. Dazu gesellte sich das gespannte Verhältnis zu Toni alles Gründe, die Zeno mählich dazu führten, sich einzig und allein feinem Schaffen zu widmen.

Uracher kümmerte sich niemals um Tonis Ge­schäfte. Nur ab und zu glomm es wie Freude in ihm auf über den sichtlich wachsenden Wohlstand des neuen Krummholzers, wie Stolz, daß er sich in ihm nicht getäuscht.

Wie und auf welche Art aber Toni sein Geld verdiente, danach vergaß Uracher zu fragen.

Der verstand nach seiner Ansicht das Leben zu meistern, und darum gehörte ihm seine Sympathie vor dem stillen Zeno. Sein natürlicher Sinn für Rechtschaffenheit ließ nie in i.hm einen Argwohn auffommen, daß Toni krumme Wege gehen könnte.

Für ihn war Toni nicht bloß Bauer und neuer Hofbesitzer, sondern darüber hinaus einer, der mehr konnte, als sich breit und feist auf den reichen Hof zu setzen, einer, der, ohne es gelernt zu haben, große Geschäfte zu machen verstand, die ihm viel Geld einbrachten.

Gefühlsmomente spielten dagegen bei Uracher feine Rolle. Zeno war versorgt, Toni Herr des Hoses und konnte somit tun und lassen, was ihm beliebte: er selber: Uracher, behielt freiwillig die Zügel in der Hand. Damit war nach streng bäuer­lichen Begriffen alles ins reine gebracht. Dessen­ungeachtet aber war ihm die Zwietracht zwischen den Brüdern ein Dorn im Auge. Er hätte gern ge­habt, daß sie sich vertrügen oder noch lieber, wenn ßch Zeno trotz seiner Selbständigkeit freiwillig Toni untergeordnet hätte.

Ebenso selten nun, als Zeno zum Krurnm- holzerhof hinaufstieg, kam Vater Uracher zu ihm hinunter. Dann und wann nur ging er über das hergebrachte kurze Zusammenstehen auf dem Kirch- platj nach dem sonntäglichen Gottesdienste hinaus und folgte Zenos stets gleich -herzlicher Einladung auf ein halbes Stündchen in dessen Heim. Nie mehr aber mar er dazu zu bewegen, einmal zumSanntag- effen dazubleiben, wie es ansänalicb bin und wieder

geschah. Immer wieder war es dasselbe: nach einem kurzen Diskurs, den er in feiner ruhig-ernsten Art mit Sohn und Schwiegertochter pflog, stand er wieder auf, griff nach seinem Hut und sagte:Zeit werd's wieder zum Hoamgehn!"

Er sprach nie von Veri oder Toni und dessen Handelschasten, ließ sich auch niemals in ein dahin­zielendes Gespräch em.

Solcherart waren die Wandlungen, die sich unter den Krummhölzern ergeben, feit der letzte Schnee geschmolzen.

Unten im Tale schaffte emsig Zeno, und trug als ständig schmerzenden Stachel die Frage mit sich herum, warum zu seinem häuslichen Glücke sich nicht äuch ein friedliches Nebeneinanderleben mit Vater und Bruder gesellen konnte.

Oben im Krummholzerhose werkte Vater Uracher für den Sohn weiter, statt einen geruhsamen, wohl­verdienten Austrag zu genißen.

Und zwischen den beiden lebte seist und gut der Toni, gedieh an Leib und Gut, und machte seine Geschäfte ...

Acht Tage vor Michaeli.

Ein schöner Spätsommermorgen.

2keit und behäbig, wie der Hof, zu dem sie gehört, liegt die Alm Krummholzer-Niederleger zwischen den grünen Bodenwellen. Da uyd dort durchbricht nackter, bleicher Fels das weiche Grün der Matten.

Weit herauf steigt der Bergwald und umfängt mit mächtigen Armen den lieblich grünen Alm­grund, als wollte er ihn schützend an seine dunkle Tannenbrust drücken. Oben dann, wo das Grün spärlicher wird, setzen der schüttere Bannwald und breite Krummholzfelder die treue Hege fort, stets wachsam und bereit, den tückischen Steinschlag aus dem unheimlich stillen, von düsteren Felswänden umflammerten Gamskar abzuwehren und aufzu- fangen.

Eben steigt die Sonne über die hohen Fels­köpfe herauf, in wundervollen schrägen Strahl-m schießt gleich tausend goldenen Lanzen ihr leben­weckendes Licht auf die grünen Gründe und den Bergwald hernieder. Da beeilen sich die Margen- nebcl, hinter Felsrippen ober -im dunklen Tannen- gemipfel letzte Zuflucht zu suchen, bis sie auch hier von der unermüdlichen Sonne ausgestöbert und un­barmherzig in eip Nichts aufgelöst werden

In dicken, quecksilbrigen Tropfen hängt der Tau im Gras. Das sprüht hoch auf wie glitzernde Dia­manten in dsr Sonne, wie nun das Vieh hindurch­watet. In mannigfacher Melodie klingt das Herden­geläute vom Gefels nieder und schwingt sich gril» tzend zu Tal ...

Die Alm selber, Stube und Milchkammer waren blitzsauber gehalten. Solche appetitliche Sauberkeit ist der Stolz und Ehrgeiz jeder richtigen Sennerin und war auch der Sporn der Nandl, die schon seit über zehn Jahren den Krummholzer-Hochleger und -Niederleger bezog.

Die Nandl verstand ihr Handwerk von Grund aus, war als tüchtige Almerin überall hochgeschätzt und führte überdies ein scharfes Regiment.

Zum ersten dieserhalo, zum zweiten wegen der bei Personen des zarten Geschlechts immerhin sel­tenen Wuchtigkeit, und zum dritten, weil der Bergler überhaupt gern frozzelt, hatte man der Nandl den SpitznamenSchwerreiter-Nandl" an­gehängt.

Und der blieb ihr.

Die Nandl hatte sich längst damit abgesunden, denn trotz aller äußerlichen Derbheit war sie doch eine harmlose und gutmütige Seele. Sie setzte sich auch ruhig über die mancherlei anderen luftigen Bosheiten hinweg, welche man ihr nachsagte, so z. B.: daß ihr Bauer jedes Jahr auf Nandls Almen neue Böden ein^iehen lassen müsse, weil die alten von der Sennerin durchgetreten worden seien, daß ihr einmal eine Kuh davon- und heimgelaufen sei, weil sie von der Sennerin geohrfeigt worden war, daß die Nandl ganz bestimmt noch eine Jungfrau sei, trotz ihrer vierzig Jahre, weil bisher es noch lein Bursche wagte, sich von ihrer chriftbaumbrettl- grdßen zarten Hand in sanfter Liebkosung eine Ge­hirnerschütterung anstreicheln zu lassen.

Wie gesagt, die Nandl ließ die Boshaften und Frozzler reden und dachte sich:Auf meinem breiten Biickl hat viel Platz!" Höchstens, daß sie einmal einem gar zu Fürwitzigen etwa einen Milchkübel nachfeuerte. Und fragte man sie nach ihrer Meinung über die Frozzler, dann erhielt man die stereotype Antwort:Wie i nach a klans Dirndl war, hat unser Herr Pfarrer ahn predigt: Lasset die Men­schen reden, und lasset die Hunde bellen! Und so halt i's a!" Eigentlich sagte sie nicht bellen, sondern pehlen". Aber das tut weiter nichts zur Sacke ...

(Fortsetzung folgt.)