Ausgabe 
30.7.1926
 
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zur Wertbeständigteck zu schaffen. Gleichzeitig wird gebeten. Schritte zu tun. daß Frankreich das Saargebiet in vollem Umfang bei der Kre­ditgewährung mit dem übrigen französi­schen Währungsgebiet gleich behandelt. An die Wirtschastskreise des Saargebiets wird der Appell gerichtet, im Interesse des allgemeinen Wohls durch keine übereilten Maßnahmen die Lage noch zu verschärfen.

England annektiert Deutsch-Ostasrika.

Das Wesen der Völkerbundsmandate.

Berlin, 30. Iuli. ($11.) Die Koloniale Reichsarbeitsgemeinschaft hat an den Reichskanzler eine Eingabe gerichtet, in der es u. a. heiß : Rach Zeitungsnachrichten hat der englische Kolonialminister Amery in öffent­licher Rede erklärt, daß das Schutzgebiet von Deutsch-O st afrika durch den Ber- sailler Vertrag in den dauernden und un­widerruflichen Besitz von England übergegangen sei, lediglich belastet durch ein Servitut zugunsten des Völkerbundes. Diese Erklärung enthält eine neue Theorie über den rechtlich so bestrittenen Charakter des Man­dats. Sie stellt den Begriff einer Vormund­schaft auf, die lediglich beschränkt ist durch die Verpflichtung, über die Führung der Vormund­schaft dem Völkerbund alljährlich einen allge­meinen Bericht zu erstatten. Es wird also mit dürren Worten ausgesprochen, daß das Mandat nichts itcr ist als eine Annexion ohne Entschädigung. Diese Theorie steht ganz zweifellos im Widerspruch mit dem Wortlaut und donr Sinn der ganzen Völkerbundsfahung, insbesondere mit dem Artikel 22. Die Koloniale Deichsarbeitsgemeinschaft hat stets den Stand- punlt vertreten, daß der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund nur erfolgen darf, wenn vor­her eine klare Regelung der kolo­nialen' Frage entsprechend der Zusage, die Deutschland vor Abschluß des Waffenstillstandes gerecht worden ist, erfolgt ist. Wir bitten des­halb die Reichsregierung nochmals und dringend, den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund von einer ilaren Regelung der kolonialen Frage ab­hängig zu machen.

Keine Aussicht auf Streikende in England.

London, 29. Iuli. (WTB.) Rach Beendt- gung der Rachmittagssihung des Vollzugsaus­schusses des Bergarbeiterverbandes erklärte der Sekretär Cook, mit Ausnahme eines Berg­werkes in Warwickshire ruhe allenthalben die Arbeit, abgesehen von den Arbeiten zur Instand­haltung der Gruben. Die äußerste Grenze dessen, zu dem die Führer der Bergleute gehen wollten, sei die Annahme einer gemeinsam mit Vertretern der Kirchen aufgeftellten Denkschrift unter klarer Auslegung der letzten Klausel dieser Denkschrift wegen einer schiedsrichterlichen Entscheidung über die künftigen Arbeitsbedingungen nach Ablauf von vier Monaten, während deren die Arbeits­bedingungen aus der Zeil vor dem Ausstand gewährt werden müßten. Eine Verlängerung der Arbeitszeit komme nicht in Frage. In diesem Punkte dürfe es keine schiedsrichter­liche Entscheidung geben. Die Führer der Berg­leute scheinen mit der Fortdauer des Streikes für mehrere Wochen zu rechnen.

Fremdensteuer in Belgien.

Brüssel, 29. Iuli. (Havas.) Der Minister­rat hat beschlossen, dem König vorzuschlagen, eine Aufenthaltstaxe einzuführen, die alle Personen zu entrichten hätten, die nicht den Rachweis erbringen, daß sie in Belgien oder in noch zu bestimmenden Ländern mit niedrig stehen­der Währung ihren legalen Wohnsitz haben. Die gesetzliche Aufenthaltstaxe ist von 10 auf 20 Prozent erhöht worden.

In einer kleinen vlämischen Stadt wurden ausländische Fleischeinkäufer, die wie üblich zum Viehmarkt erschienen waren, von Brüsseler Metzgern tätlich an­gegriffen und zum Teil niedergeschlagen und verwundet. Unter den Ausländern befanden sich mehrereHolländer und ein Deutscher. Die Polizei griff nicht ein. Die Brüsseler Metzger waren verärgert über eine neuerliche Steigerung des Kilopreises für Fleisch um drei Franken.

Abessinien und der Völkerbund.

Genf, 29. Juli. (WB.) Der Generalsekretär des Völkerbundes erklärte in seiner Antwort an den Regenten von Abessinien, er läge die in Gens eingelaufene Protestnote gegen das zwischen Großbritannien und Italien getroffene Abkommen über ihre Interessen in Abessinien als Wunsch Abessiniens aus,, es möchte diese Angelegenheit auf einer der nächsten Völkerbundsoersammlungen zur Sprache kommen. Wenn die Angelegenheit in der am 2. September 1926 beginnenden Tagung behandelt werden solle, so müsse die abessinische Re­gierung diesen Wunsch telegraphisch präzisieren.

Amerikanische AufwerLungs- sorderungen.

Reu York. 29. Iuli. (WB.) WieAsso­ciated Preß" aus Washington meldet, bestürmen Tausende amerikanischer Besitzer deutscher auf Pa piernrark lautender Werte den Kongreß, in der nächsten Tagung ein Gesetz zu beschließen, durch das ihnen die erlittenen Ver­luste erseht werden sollen. Die Besitzer füh­ren an, daß die amerikanische Regie­rung n: o r a l i s ch verantwortlich sei, da die amerikanische Regierung sie e r m u t i g t habe ihr Geld in deutschen Werten anzulegen, da die Vereinigten Staaten versucht hätten, Deutschland auf eine gesunde finanzielle Basis zu stellen. Der republikanische Abgeordnete Hawleh er­klärte, die Besitzer deutscher Werte könnten wähl ForderungengegenüberDeutschland haben, aber sie könnten von den amerikanischen Steuerzahlern nicht einen Ersah für spe­kulative Verluste verlangen. Derartige Forderungen müßten auf diplomatischem Wege geltend gemacht werden. Wenn aber Deutschland die in Papiermarkwerten ausgegebenen Billio­nen einlösen wollte, so müßte das ganze deutsche Volk den Besitzern der Wertpapiere überantwortet werden.

Oesterreichs Entwaffnung

Keine Aufhebung dcrMilitärkontrolle?

Wien, 30. Iuli. (SIL) Die Bots chaf ter- konfereng hatte einem aus militärischen Sach­verständigen bestehenden Ausschuß den Auftrag gegeben, ihr einen Bericht über den Stand der österreichischen Entwaffnung vor­zulegen. Dieser Bericht ist nunmehr fertiggestellt und behauptet, baß Oesterreich tatsächlich noch nicht sämtliche B e st i m m u n g e n des Friedensvertrags erfüllt habe. Ins­besondere wird hervorgehoben, daß für die Ver­nichtung der staatlichen Munitions­fabrik noch nicht die geringsten Vorkehrungen getroffen worden/ feien. Außerdem wird darauf hingetviesen, daß die zahlreichen in Oesterreich bestehenden Sportvereine durchaus nicht immer sportliche Ziele verfolgen, sondern auch der militärischen Ausbildung der I u g e n d dienen. Auf Grund dieses Berichts derSachverständigen vermutet man in informierten politischen Kreisen, daß die Aufhebung der inter­alliierten Milltärtontrollkoinmission zunächst nicht erfolgen werde.

Die Ermäßigung der MehlMe.

Annahme im Reichstat.

Berlin, 29. Iuli. (BDZ.) In feiner öffent­lichen Vollsitzung am Donnerstag stimmte der Reichsrat der Vorlage der Reichsregierung zu, die vom 1. August ab bis auf weiteres nie­drigere Mehlzollsätze und zwar für Mehl aus Hafer und Gerste und für Müllereierzeugnisse aus Gerste 14 Mk., für sonstige Mehle und son­stige Müllerei,-Erzeugnisse 10 Mk. pro Doppel­zentner festsetzt. Ein Antrag des bayrischen Ge­sandten v." P r e g c r, der Die 10-Mark-Zollsätze auf 12,50 Mk. erhöhen wollte, wurde in na­mentlicher Abstimmung mit 38 gegen 28 Stim­men abgelehnt. Das gleiche Schicksal hatte ein württem bergisch er Antrag, der über den bayrischen hinaus die 14-Mark-Zollsätze auf 17,50 Mk. erhöhen wollte Für die höheren Zölle stimmten u. a.: Ostpreußen, Brandenburg, Pommern, Bayern, Württemberg, Thüringen und Bremen. Annahme fand nur noch ein Antrag, wonach die Reichsregierung den Zeitpunkt des Außerkrafttretens der ermäßigten Zölle nicht allein, sondern nur im Benehmen mit den Instanzen bestimmen darf, die bei der Einfüh­rung dieser Zölle mitgetoirtt haben.

Mecklenburg-Strelitz.

Ein Lcinderstrcit.

Reustrelih, 29. Iuli. (SU.) Das Land Mecllenburg-Strelih hatte seinerzeit gegen das Land Mecklenburg-Schwerin Feststellungsklage er­hoben, ob Schwerin berechtigt sei, drei Klö­st e r, die vor der Revolution der Versorgung von Töchtern des mecklenburgischen Adels dien­ten, aufzuheben und die betreffenden Vermögen e i n z u z i e h e n. Das Land Mecklenburg-Schwe­rin hat Gegenklage erhoben unö um Feststellung ersucht, ob das Land Mecklenburg-Strelitz Land im Sinne der Reichsverfassung fei, da es nach dem Tod des letzten Strelitzer Groß- Herzogs am 23. Februar 1918 in Erbfolge an den damals regierenden Großherzog von Mecklen­burg-Schwerin gefallen sei. Diese Feststellungs­klage wurde von dem Staatsgerichtshof dahin entschieden, daß Mecklenburg-Strelitz ein Land im Sinne der Reichsverfassung fei. Der Vor­sitzende des Staatsgerichtshofes hat der Strelitzer Regierung mitgeteilt, daß daraufhin in nächster -Zeit mündlicher Termin in der Angelegenheit der Aushebung der Klöster durch Mecklenburg- Schwerin angesetzt werden würde.

Ablösung derGemeindeanleihen in Preußen.

Berlin, 29. Iuli. (SU.) In einem Rund­erlaß des preußischen Ministers des Zirnern an die Ober- und Regierungspräsidenten werden die Landräte die Gemeinden und Gemeindever­bände auf die vierte Verordnung zur Durchfüh­rung der Ablösung der Markanleihen dec Ge­meinden, Gemeindeverbände und sonstigen öffent­lich-rechtlichen Körperschaften vom 10. Iuli d. 3. besonders hingewiesen. Der wesentliche Inhalt der Verordnung ist der, daß

der Attbesih an Kommunalanleihen

in der Zeit vom 2. August bis 1. Rovember d. 3. zum Umtausch anzumelden ist. Im übri­gen entspricht das Ablösunasverfahren dem Ver­fahren bei den Reichsanleihen, nur daß hier die Aufgaben der Reichsbank vom deutschen Spar­kassen- und Giroverband und den Girozentralen übernommen werden. In den allgemeinen Aus­führungen des Erlasses wird der Erwartung Ausdruck gegeben, daß die Gemeinden im Rah­men des ihnen möglichen über das gesetzlich vorgeschriebene Maß hinaus ihren Gläu­bigern Entgegenkommen beweisen. Aus den einzelnen Ausführungen deS Erlasses teilt der Amtliche Preußische Pressedienst fol­gendes mit: Kleingläubiger sowohl Alt- wie Reubesiher von Markanleihen von Gemeinden und Gemeindeverbänden mit einem Goldwert von weniger als 500 Reichsmark können nach dem Anleiheablösungsverfahren gründsählich kei­nerlei Ansprüche auf Grund ihrer An leih- stücke erheben. Aus Billigkeitsgründen wird den Gemeinden (Gemeindeverbänden) jedoch emp­fohlen, den bedürftigen, im Inlande wohnenden Altbesihern mit deutscher Reichsangehörigkeit unter diesen Kleingläubigem in Anlehnung an das Vorgehen des Reiches eine Barabfindung in Höhe von 15 v. H. des Goldwertes ihrer Anleihen bei einem Jahreseinkommen der Gläubiger von nicht mehr als 800 Reichsmark und in Höhe von 8 v. H. bei einem Einkommen von nicht mehr als 1500 Reichsmark zu gewähren.

Jnslationsanleihen.

Da die nach dem 30. Juni 1920 begründeten An­leihen nach dem Anleiheablösungsgesetz fast stets als Reubesitz anzusehen sind, obwohl wenigstens bei den ersten Erwerbern dieser Anleihen ein spekulativer Erwerb regelmäßig nicht vorliegt, da ferner für diese Inflationsanleihen bei der Berechnung des Goldwertes Härten nicht stets vermieden werden können, wird sich bei der Be­handlung dieser Anleihen eine freiwillige Mehrleistung der Gemeinden empfeh­len. Der preußische Staat wird die ganz oder teil­weise in der Zeit zwischen dem 1. Iuli 1920 und dem 30. Juni 1922 aufgenommenen Markanleihen

mit 5. v. H., diejenigen Anleihen, die ausschließ­lich nach dem 30. 3uni 1922 ausgenommen worden sind, mit 12V2 v. H. ihres Goldwertes bar ab» lösen. Der Minister empfiehlt den Gemeinden (Gemeindeverbänden), falls es mit ihrer Finanz­lage vereinbar ist, dem Beispiel des preußischen Staates insoweit zu folgen und für diese Anleihen auf Grund des § 32. der Vierten Verordnung zur Durchführung der Ablösung der Markanleihen der Gemeinden usw. eine entsprechende Bar- abfin&ung anzubieten. Falls eine sofortige Bar- ablösung bei einzelnen Gemeinden nicht möglich sein sollte, wird empfohlen, diese Anleihen jeden­falls so zu tilgen, daß die bezeichnete Ablö­sungsgrenze (5. v. H. und 12' 2 v. H. des Gold­wertes) im Ergebnis erreicht werden.

Lammelanleihe.

Eine wesentliche Verbesserung der Lage der Anleihegläubiger läßt sich ferner, dadurch herbei- führen, daß die Gemeinden (Gemeindeverbände) sich an der vom deutschen Sparkassen- und Giro- verbande herausgegebenen Sammelablösungs- anleihe beteiligen. Während die eigenen Ab­losungsanleihen und Auslösungsscheine der Ge­meinden wegen ihres verhältnismäßig geringen Rennbetrages nur in den seltensten Fällen bör­senfähig fein werden, wird sich die Sammel­ablösungsanleihe des deutschen Sparkassen- und Giroverbandes als ein zum Dörsenhandel geeignetes und daher voraussichtlich für den Gläubiger weitaus vorteilhafteres Papier er­weisen. Für die Gemeinden selbst bringt die Be­teiligung an dieser Sammelanleihe den erheb­lichen Vorteil einer einfacheren Verwal­tung mit sich, da sie es anstatt vieler einzelner Gläubiger nur mit einem Gläubiger (dem deutschen Sparkassen- und Giroverbande) zu tun haben werden.

rNeistbsgünsligungscecht der Sparkassengläubiger.

Zum Schluß weist der Minister darauf hin, daß nach der ersten Verordnung zur Durchfüh­rung der Aufwertung von Sparkassenguthaben vom 24. Oktober v. I. auch die Guthaben bei den Sparkassen mit mindestens dem Hundertsatz aufgewertet werden müssen, der sich aus dem AnleiheablösungSgeseh des Gewährsverbandes er­gibt, und daß zur Sicherstellung des allgemeinen 12' -prozentigen Aufwertungs-Satzes auch bei den leistungsschwachen Sparkassen die Hälfte des Betrages der für eine über I2V2 v- H. hinaus- gehende Aufwertung der Sparkassenguthaben er» forderlich ist, von den zu einer günstigeren Auf­wertung befähigten Sparkassen an einen Spar- kassenausgleichsstock abzuführen ist. Das Meist­begünstigungsrecht der Sparkassengläubiger hat seine Grundlage in den reichsgesetzlichen Vor­schriften des Aufwertungsgesehes und trägt der sozialpolitischen Rotwendigkeit Rechnung, die Sparer als die kleinsten Gläubiger der Gemein­den durchweg nicht schlechter als deren Anleihe­gläubiger zu stellen.

Kleine politische Nachrichten.

Reichswehrminister Dr. Geßler traf Mitt­woch abend im Ohrdruffer Lager ein. Gr begab sich Donnerstag morgen auf den Sport­platz der Infanterieschule, um den sportlichen Hauptkämpfen der Schule beizuwohnen. Freitag finden die Hauptkämpfe für Leichtathletik statt. Am Rachmittag wird der Minister den Reitsport- Veranstaltungen beiwohnen. Der Reichswehr­minister wird Ende der Woche nach Berlin zurückkehren. Wie wir erfahren, wird die Hee ° reskammer auf Anfang Oktober zu einer längeren Sitzung im Reichswehrministerium ein­berufen. Zum Besuch derGesolei" traf am Dienstag Generaloberst v. Seeckt in Düsseldorf ein, der am Abend an der Begrüßung der Rheini­schen Filmwoche teilnahm, zu der zahlreiche Künst­ler und Künstlerinnen erschienen. Gestern besich­tigte der Generaloberst dieGefolei" und nahm am Rachmittag am zweiten Gesolei-Renntag teil. Der Generaloberst ist am Donnerstag von seinem Urlaub, an dem sich eine mehrtägige Dienstreise nach dem Truppenübungsplatz Senne anschloß, nach Berlin zurückgekehrt, um Anfang August größeren Sruppenübungen beizuwohnen, die auf dem Uebungsplatz Döberih und dessen Umgebung stattfinden werden.

Die Frankfurter Verbindungs­stelle der Reichswehr ist jetzt endgültig auf­gelöst worden. Der Leiter der Verbindungs­stelle, Oberst v. R e 11 b e r g ist unter Verleihung des Charakters als Generalmajor verab­schiedet worden. Als einzige militärische Dienststelle befindet sich jetzt in Frankfurt nur noch eine Militärpaßstelle der Reichswehr zu Erledigung von ®iiireifeanträgen ' von Ange­hörigen der Reichswehr in das besetzte Gebiet,

Im Reichswirtschaftsministerium hat die ab­schließende Besprechung über den von den Ham­burger Exporteuren angeregten Plan einer Ex­portkreditversicherung ftattgefunöen. Die neue Einrichtung wird in kürzester Zeit praktisch in Sätigfeit treten können. Versiche­rungsanträge der einzelnen Exporteure sind bei der Hermes Kreditversicherungsbank A. G. Ber­lin, Iägerstraße 27, und bei der Frankfurter Allgemeinen Kreditversicherungs-A.-G. Frankfurt am Main einzureichen.

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Der Reichsinnenminister ist mit Arbeiten be­schäftigt, die die Schaffung eines Reichs­kriminalpolizeiamts zum Ziele haben. Ueber die staatsrechtliche Seite der Angelegenheit haben bereits Verhandlungen mit dem Reichs« finanzminister stattgefunden.

Frau Geheimrat Rathen au, die Mutter Walter Rathenaus, des 1922 ermordeten Reichsministers des Auswärtigen und Präsi­denten der A. E. G., ist im Alter von 82 Iahren auf ihrem Schloß Freienwalde gestorben. Reichs­innenminister Dr. Külz hat den Hinterbliebenen das Beileid der Reichsregierung ausgesprochen.

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Wie die Havasagentur mitteilt, ist der Bürger­meister von Pisdorf im Unterelsaff, Würtz, "egen Unterzeichnung des autonomistischen Mani­festes des Heimatbundes von feinem Amte enthoben worden.

Im Unterhaus hat der Staatssekretär für das Kriegswesen Worthington Evans mitge­teilt, daß bis Ende v. 3. 6 48 Ehen zwischen deutschen Frauen und im besetzten Gebiet stehenden englischen Soldaten geschlossen wurden.

Aus aller lE-elt.

Schnee in den bayerischen Bergen.

Die für diese 3ahreszeit ungewöhnliche Kälte hat im Gebirge zu ausgiebigem Reuschnee ge­führt. Die Schneegrenze ist im allgemeinen bis auf 1400 Meter heruntergegangen. Aus den Bergen um Obersdorf liegt sie sogar bei 900 Meter, bei Immen st adt um 1200 Meter. Auch die tieferen Lagen des Karwendel- und Wetterst eingebirges zeigen das im 3uh ungewöhnliche Bild einer Winterlandschaft. So ist auch das Kreuzeck mit Schnee be­deckt, ebenso wie die Wallgauer Berge.

Unwetter in Italien.

Mittwoch gingen in ganz Ober- und Mittelitalien überaus schwere Unwetter nieder. Bei Venedig haben Stürme und Hagelschläge auf den Fluren schweren Schaden angerichtet. Die Temperaturen fielen auf 15 Grad. Die Berg- anhänge waren bis tief hinab im Schnee begraben. Auf der Valsugana-Bahn stürzte eine Lawine von 30 Kubikmeter auf das Bahn- gelänöe herab, als der Zug SrieftMünchen die Strecke passierte. Die Passagiere kamen mit dem Schrecken davon. 3n Toscana gingen zahlreiche Hagelschläge nieder. Bc^ Ge n u a hat der Sturm mehrere Häuser abgedeckt. ^FnF r i a u l frat die Höhe der Hagelkörner fünf Zentimeter erreicht. Die Weingärten wurden beträchtlich be­schädigt, ebenso die bei Verona. Hier wurde ein alter Mann vom Sturme umgeworfen und getötet.

Ueberschwemmungskatastrophe in Japan und Korea.

Die Provinz Riigata in 3avan ist von einer großen Ueberschwemmungskatastrophe heim­gesucht. Das Land ist meilenweit in einen See verwandelt. Bis jetzt sind 100 Personen er­trunken. Eine große Anzahl Häuser ist in der Stadt Riigata eingestürzt. Auch der Rorden Koreas wurde von verheerenden Ueberschwem- mungen heimgesucht. Sieben Personen wurden getötet unö 70 verwundet, während noch weitere 80 vermißt werden. 1300 Häuser wurden zerstört. Bei einem Erdrutsch, der durch Wolkenbrüche verursacht wurde, kamen 36 Personen ums Leben, 170 wurden verletzt. Ueber 100 Bewohner wer­den noch vermißt itnö mehr als 1000 sind obdach­los. Drei Dörfer wurden zerstört.

Tragischer Ausgang einer Hochzeitsfeier.

In Dattenberg bei Linz a. Rh. nahm eine goldene Hochzeitsfeier einen tragischen Ausgang. Leim Abbrennen von Feuerwerk schlug eine Ra­kete quer über den Marktplatz in das Fenster des Festhauses und tötete das Enkelkind der alten Leute. Zwei andere Personen wurden durch Brandwunden leicht verletzt. Der Feuerwehrmann, der die Rakete abbrannte sowie seine daneben stehende Frau erlitten einen Nervenzusammenbruch. Der Mann konnte nur mit Mühe davon abgehalten werden, sich das Leben zu nehmen.

Flugzeugunfall.

3n der Rähe von Gerbrunn (Unter- franken) verunglückte Der Münchener Flug­schüler Hans Englert. Bei der Ausführung einer Landung ging sein Flugzeug in Stum­mer. Der junge Pilot erlitt so schwere Ver­letzungen, daß er kurz nach der Ueberführung in ein Krankenhaus verstarb.

Eine Glashütte niedergebranut.

3n der vergangenen Rächt entstand in der Herdemühle r Glashütte (Lausitz) ein Großfeuer. Aus einer undicht gewordenen Schmelzwanne ergoß sich ein gewaltiger Strom des glühenden flüssigen Glases durch die Fabrik­räume. 3m nächsten Augenblick stand das ge­samte Werk in Flammen. Gegen 3 Uhr nach­mittags brach trotz sofort einsetzender Lösch­arbeiten der Giebel der Fabrik zusammen. Erst nach fünfstündiger Arbeit konnte das Feuer auf feinen Herd beschränkt werden. Die Fabrik bildet einen ungeheuren Trümmerhaufen, so daß für lange Zeit an eine Wiederaufnahme der Arbeit nicht gedacht werden kann. Der Sachschaden be­läuft sich auf mehrere hunderttausend Mark.

Niedergang belgischer Freiballons.

3n R 0 rdach bei Hersfeld ging ein bei» gischet Freiballon mit zwei 3nsassen nieder. Sie waren tags zuvor in Gent aus Anlaß eines Wettfluges aufgestiegen und durch den Sturm hierher verschlagen worden. Die Heimreise wurde nach Feststellung des Tatbestandes veranlaßt Auch in Esprode (Kreis Homberg) ist ein Ballon niedergegangen.

Dorfbrand in Tirol.

3m Dorfe Rinn im Innsbrucker Mittelgebirge brach in der Mitte des Ortes ein großer Brand aus, der sofort große Ausdehnung annahm. Vier Bau­ernhäuser wurden vollständig eingeäschert, andere Häuser sind teilweise zerstört worden. Die Feuer­wehr der ganzen Umgegend war aufgeboten, um den Brand, der noch immer andauert, zu lokali­sieren.

Raubüberfall auf einen Eisenbahnzug.

Ein verwegener Raubüberfall in einem Eisenbahnzuge wurde von zwei Banditen in der Mhe der Station Salisbury bei Boston (Mass.) verübt. Sie begaben sich zunächst in Den Gepäckwagen, warfen sich dann plötzlich mit vorgehaltenem Revolver auf den Gepäckmeister und seinen Gehilfen und raubten eine Anzahl Postbeutel, die insgesamt 65 000 Dollar enthiel­ten. Mit der Beute sprangen sie aus dem fah­renden Zuge und entkamen.

Fords Flugzeugbauprogramm.

Präsident C 0 0 l i ö g e empfing Edsel Ford, den Sohn Henry Fords, welcher ihm die Fortschritte der Fordgesellschaft auf dem Gebiete des Baus von Handelsflugzeugen dar- legte. Edsel Ford erflärte, die Fordgesellschaft sei bestrebt, Flugzeuge zu möglichst niedri­gen Preisen herzustellen, um den Betrieb von Handelsflugzeugen rentabel zu gestalten. Während gegenwärtig ein G anz metall - Eindecker mit drei Motoren 37 000 Dollar kostet, würde es möglich sein, die Produktionskosten nach dem Bau der ersten hundert Flugzeuge um 25 Proz. herabzusehen.

Wettervoraussage.

Wenig warmer, noch vorwiegend wollig, ver­einzelt schwacher Regen.

Das Wetter unseres Gebietes steht noch unter dem Einfluß eines östlichen Wirbels, der allmählich nach Rußland weiterzieht. Bei der anhaltenden Westströmung und Öen bestehenden Temperaturgegensätzen ist jedoch die zu erwar­tende Aufbesserung noch gering.

©eitrige Tagestemperaturen: Maximum 18,0 Grad Celsius, Minimum 12,6 Grad Celsius. Riederschläge: 0,3 Millimeter. Heutige Morgen­temperatur: 14,3 Grad Celsius.