Ausgabe 
30.3.1926
 
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zunächst versuchsweise bis 28 März zugelassene Benutzung der Schnellzüge mit Sonntcrgskarten gegen Zuschlag ist in dem bisherigen Umfange bis zum 14. Mai ein sch l. ausgedehnt worden. Die mit Inkrafttreten des Sommerfahrplans am 15. Mai zu erwartende Regelung wird noch bckanntgegeben. Heber Ostern gelten die Sonn­tagstarten bekanntlich vom Gründonnerstag mittag 12 Uhr bis einschl. Ostermontag. Die Reichsbalmdirektion wird zur Bewältigung des Osterverlehrs Ergänzungszüge fahren lassen, die nach Bedarf eingelegt werden.

- Die Arbeiter- Samariter-Kolonne Gießen schreibt uns: Durch die Genehmigung der etabt zur Benutzung der städtischen Krankenautos und durch die Beschaffung einer neuzeitlichen Kran- lenfahrbahre ist es der Kolonne Gießen des Ar­beiter-Samariterbundes möglich, alle Krankentrans- porte,_aud) von außerhalb, durch ärztlich ausgebil­dete eamariter oder Samariterinnen auszuführen. Die Arbeiter-Samariter-Kolonne ist, wie in der ge­strigen Anzeige mitgeteilt wurde, telephonisch unter Nr. 2409 oder 1010 zu erreichen, wobei besonders anzugeben ist, ob die Entsendung eines Samariters oder einer Samariterin gewünscht wird.

RDB. Frische Milch in den Bahn- Wirtschaften. Ruf Beranalassung der Haupt­verwaltung der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft wird atlleir Bahnwirten jetzt die Bereithaltnng frischer Milch zum Verkauf an Reisende zur Pflicht gemacht. Demgemäß wird § 18 der All­gemeinen Bedingungen für die Verpachtung cher Bahnwirtschaften dahin abgeändert, daß darin hinter Tee nochfrische Milch" als alkoholfreies Getränk besonders aufzuführen ist.

t Der Grünberger Viehmarkt fällt aus. Infolge der Maul- und Klauen­seuche, die neuerdings in Lumda ausgebrochen ist, fällt der für morgen, Mittwoch, in Grünberg vorgesehene Viehmarkt aus.

** Die Maul- und Klauenseuche ist in Beuern, Eberstadl, Ober-Hörgern, Stein- beim (Kreis Gießen), Büdingen, Ortenberg (Kreis Büdingen) und Laufdvrf (Kreis Wetzlar) er­loschen? In Büches und Wolf (Kreis Büdingen) ist die Seuche ausgebrochen.

Vornotizen.

Tag eskalender für Dienstag. Stadttheater: 1l/2 Hhr:Die letzte Rächt". (Ende gegen 10 Ähr.) Oberrealschule Gießen von 11 Ähr vormittags bis 6 Hhr nachmittags Zeichen-Ausstellung.

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Nachdem letztes Jahr BjörnsonsHeber die Kraft" in seinem ersten Teile zur Aufführung gelangt ist, wird dieses Jahr der zweite Teil, der sich zwar als' Fortsetzung des ersten Teiles, aber auch zugleich als selbständiges, für sich allein verständliches, gewaltiges Schauspiel darstellt, gegeben werden. Die Erstaufführung findet unter Spielleitung von Oberregisseur Teleky am ersten Osterfeiertag statt. Das figurenreiche Stück erfordert außer dem gesamten Herrenpersonal noch die Heran­ziehung auswärtiger Hilfskräfte.

Evangeliseher Kirchengesang verein. Mittwoch, 31. März, abends 7.30 Hhr, in der Stadtkirche, Passionsfeier. Näheres im gestrigen Anzeigenteil.

Oberhesfen.

Landkreis Gießen.

f. K l e i n - L i n d e n, 29. März. In der jüng­sten öffentlichen Gemeinderatssigung wur­den P a ch t n a ch l ä s s e für geleistete Meliorations­arbeiten an Grundstücken hinter dem Friedhof be­schlossen, und zwar für drei Antragsteller je 8 Mk. und für einen 10 Mk. An Beihilfen zu den Rosten einer Badekurfürdrei kranke Kin­der bewilligte man die Summe von 134 Mk. Ein Gesuch des Kaufmanns Anton Lenz- Betzdorf um Genehmigung zur Anlage einer Privat ft raße auf seinem Grundstück an der Wetzlarer Straße wurde erneut abgelehnt, weil die Gemeinde den Aus­bau des Pfingstweideweges beschlossen hat und bann die Bautiefe an beiden Straßen zu gering wäre. Der Beitritt der Gemeinde zum K r e i s - O b st - und Ga-rtenbauverein wurde aus Sparsamkeits- cücksichten abgelehnt. Einen Antrag auf Tauj ch - pacht für Gelände zu beiden Seiten des Flut­grabens hinter dem Friedhof ab Frankfurter Straße wurde stattgegeben unter Berechnung von 2 Pf. pro Quadratmeter auf jederzeitigen Widerruf. Zum Zwecke der Neuregelung der Gebühren­sätze für Feldgeschworene hat das Kreis- emt um Vorschläge über die Höhe der Gebühren er­sucht. Der Gemeinderat beschloß folgendes: b'2 zu 2 Stunden 1,50 Mk., 4 Stunden 3 Mk., 6 Stunden 4,50 Mk., über 6 Stunden 6 Mk. Vergütung. Am Freitag hielt die hiesige Gemeinnützige D o u ge­il o s s e n s ch a f t e. G. m. b. H. ihre diesjährige außerordentliche Generalversamm­lung ab. Aus dem Bericht des 1. Vorsitzenden war zu entnehmen, daß die Mitgliederzahl im Geschäfts­jahr dieselbe blieb. An Immobilienwerten sind etwas über 60 000 Mk. vorhanden. Eine teilweise Hypo­thekentilgung und Zurückzahlung einzelner aufge­werteter Baudarlehen konnten vorgenommen wer­

den. An Miete für 3 Doppelmohnhäuser gingen rund 2600 Mk. ein. Die Eisenbohnverwaltung verzichtet vorläufig auf Rückzahlung ihrer gegebenen Darlehen bei Berechnung eines ganz niederen Zinsfußes, be­hält sich dafür aber einen gewissen Einfluß bei Ver­mietungen im Interesse Eisenbahner aus. Ein Mit­glied hat sein neuerstelltes Wohnhaus zum Ge- stehungspreis der Genossenschaft zum Kauf ange­boten. Der Vorstand soll darüber verhandeln.

* Leihgestern. 29. März. Zum Be­dauern der Gemeinde hat gestern die Wirksam­keit unserer Schwester Minna Bürg­st a h l e r hier ihr Ende gefunden. Nach sechs­jähriger segensreicher Tätigkeit ist sie nach Eich Worms abberufen worden. Mit größter Treue in ihrem schweren Beruf war sie unfern Kleinen eine rechte Erzieherin und Lehrerin. Die besten Wünsche der ganzen Gemeinde be­gleiten sie in ihre neue Heimat. Vom Mutter­haus Nonnenweiher wurde Schwester Elfriede O k o l o w i h, seither in Geisenheim (Kreis Gr.- Gerau), als ihre Nachfolgerin bestimmt.

al. A l l e n d o r f (Lahn), 29. März. Durch die Einstellung der Zigarrenfabrik Gail dahier sind über 50 weibliche Zigarren- und Wickel­macherinnen aus hiesiger Gemeinde arbeitslos geworden. Außerdem sind noch 200 männliche Er­werbslose hier vorhanden. Man hofft, daß mit dem Beginn des Frühjahrs mehr Arbeitsgelegenheit ge­boten wird.

: Beuern, 29. März. Im festlich geschmück­ten Schulsaal der Oberklasse fand am Samstagabend, wie alljährlich üblich, die Entlassungsfeier für den ober ft en Jahrgang der hie­sigen Volksschule statt. Die Feier war um­rahmt von dreistimmigen Liedern des Schülerchores und Gedichten der Konfirmanden. Im Mittelpunkt stand eine Ansprache des Klassenlehrers. Eine kleine Schülerkapelle, bestehend aus drei Zupfinstrumenten, trug viel zur Verschönerung der Feier bei. Die am Sonntag stattgefundene A u s st e l l u n g der Zeichnungen und Handarbeiten der hiesigen Volksschule erfreute sich eines guten Besuches. Besonders angenehm überrascht waren die Besucher von der Tatsack)e, daß die ge­zeigten Handarbeiten auch wirklich nützliche Gegen­stände sind, die im Leben tatsächlich verwendet wer­den können. Die Zahl der Erwerbslosen ist gegen die vorige Woche um die Hälfte herunter­gegangen und beträgt heute noch 18. Am Sams­tagabend wurde im Saale des Gastwirts Karl Kaspar Sommerlad l. eine zweite öffentliche Versteigerung von Wiesen - und Acker­land vorgenommen. Die Wiesen, im ganzen 84 Ruten (je 27,5 Qabratmeter) erzielten etwa 300 Mark mehr als bei der ersten Versteigerung und brachten insgesamt rund 1200 Mk. ein, so daß also der Morgen (2500 Quadratmeter), allerdings guter Qualität, auf etwa 1300 Mk. zu stehen kam. Das vier hessische Morgen zählende Ackerland, eben­falls meist guter bis bester Qualität und Lage, brachte gegen die erste Versteigerung etwa 700 Mk. mehr ein und erzielte einen Gesamtbetrag von rund 5100 Mk. Danach käme der Morgen Ackerland auf etwa 1275 Mk. zu stehen, ohne die nicht unerheb­lichen Kosten, die von den Käufern zu tragen sind. Ein Gärtchen, nahe am Dorf gelegen und 10 Ruten groß, erzielte als Höchstgebot 250 Mk. Die als verhältnismäßig sehr hoch zu bezeichnenden Preise für Acker- und Wiesenland haben ihren Grund darin, daß in unserem Dorf meist mittlere bis kleinere Bauerngüter bestehen (8 bis 20 Mor­ien), die ihren Besitzer nur knapp ernähren können. Infolgedessen wird durch die Leute jede Gelegenheit benutzt, durch Kauf neues Land zu erwerben.

t Grünberg, 29. März. Bei der in Bel­tershain abgehaltenen Holzversteigerung des Forstamts Grünberg wurden folgende Durch­schnittspreise erzielt: Stämme je Fstm., Buche: 3. Klasse 33,60 Mk, 4. Ksasse 27,30 Mk.: Eiche: 2. Klasse 75,80 Mk., 3. Klaste 65,80 Mk.. 4. Klasse 57,40 Mk.; Kirschbaum: 4. Klasse 27,60 Mk.; Fichte: 3. Klasse 29 Mk, 4. Klasse 22 Mk., 5a-Klasse 19,80 Mark, 5b-Klasse 19,10 Mk.; Derbstangen je Fstm. Fichte: 1. Klasse 20,90 Mk., 2. Klasse 15,80 Mk.; Nutzscheiter je Rm.: Eiche: 2. Klasse 25 Mk; Nutz­reisig: Fichte je Rm. 3,30 Mk. Brennholz "je Rm.: Scheiter: Buche 11,95 Mk.; Hainbuche 14,60 Mark; Eiche 8,10 Mk.; Kiefer 6,80 Mk, Fichte 4,20 Mark; Knüppel: Buche 9,95 Mk; Hainbuche 7,65 Mark; Eiche 5 Mk.; Aspe 3,75 Mk.; Kiefer 5,70 Mk.; Lärche 4,20 Mk.; Fichte 3,80 Mk. Reisig: Buche 2,95 Mark; Hainbuche 1,90 Mk.; Eiche 1,35 Mk. Stöcke: Buche 5,10 Mk.; Hainbuche 3,45 Mk.; Eiche 3,50 Mk. Der Käuferandrang war sehr stark, der Verkauf leb­haft.

Ettingshausen, 29. März. In einem hie­sigen Stein b rud) ereignete sich dadurch ein U n = glückst all, daß zwei Arbeiter eine Spreng­ladung, die nicht losgegangen war, ausbohren woll­ten. Der Schuß ging während der Arbeiten los, und die Arbeiter Karl G ö r n e r t und Ernst Keil wur­den erheblich verletzt, ersterer im Gesicht, letzterer an der Hand.

J) Qid), 27. März. In der jüngsten Sitzung des Stadtvorstandes brachte der Bürgermeister den Voranschlag für das Rechnungs­jahr 192 6 zur Vorlage. Die Gesamtsumme der Einnahmen und Ausgaben beträgt 257 000 Mk. Davon entfallen auf die Detriebsrechnung 203 500,

Der Eierschieber.

Eine Dfteranefbote von Carl Ferdinands.

Im Rheinland besteht ein alter Osterbrauch; die Kinder treiben mit den hartgekochten bunten Oster­eiern eine Art Glücksspiel, das eine schlägt mit der Spitze seines Eis auf die Spitze des gegnerischen Eies, eins von beiden zerplatzt hierbei und gehört dem, dessen Ei ganz blieb. In der richtigen Gegend, um Bonn, Köln und am Niederrhein, gibt es Jungen, die mit diesemKippen" dreißig und vierzig Eier gewinnen, aber sehr selten so viele, Denn schließlich geht auch die härteste Schale einmal ,3't Bruch, so daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen. In der schlimmsten Zeit, als Frau Valuta herrschte und ein Ei Tausende, Zehntausende ober Millionen wert war, wollte einer, daß sie doch in den Himmel wüchsen und ihm Milliarden in den Schoß würfen, was aber schließlich nicht geriet.

Damals hauste in einem Dorf auf dem Vorge­birge zwischen Köln und Bonn, das nicht an der Eisenbahn liegt, ein landfremder Mensch namens Stabinsky, der irgendwie mit der Besatzung ge­kommen war, wenig arbeitete und mit seiner ver­schüchterten Frau und seinem fixen, zwölfjährigen Sohn Marian allerhand Geschäfte betrieb, hinter die man nicht recht blicken konnte. Der Marian, bei der Dorfjugend, die gutmütig war wie alle rheinische Jugend, gelitten, ohne daß er gerade gute Freunde gehabt hätte, kam am Ostersonntag mit einem grünen Ei, schob sich an eine Gruppe kippender Jungen heran, sah dem Spiel eine Zeitlang zu und tat schließlich mit, der Erfolg war ungeheuer­

lich, er gewann in kurzer Zeit alle Eier, die feine Mitspieler bei sich hatten, feine Taschen strotzten wie Milchferkel. Man sagte ihm ins Gesicht, daß er ein Lege-Ei genommen habe, aber Marian krauste die niedrige Stirn, sträubte seinen dichten, schwar­zen Haarschopf und wies mit einer großen Geste, wie ein Volksredner, diese schnöde Verdächtigung ab; zum Beweise zeigte er auch fein Ei, ließ sogar zu, daß cs genau betrachtet, sogar in der Hand flüch­tig gewogen wurde. Und es war wahr, die Sach­verständigen konnten an dem Wunderei keinen Fehl finden. Die Schale war echt, es hatte das nötige Gewicht und auch eine Verletzung zeigte sich nicht. Do. mußten die Mitspielenden betrübt abziehen und dem Marian ihre sechsundzwanzig Eier lassen; das war noch vor dem Hochamt und Marian verschwand eiligst.

Ehe das Amt richtig anfing, hatte er mit seinem Mirakel schon hundertdreiundzwanzig Eier; nachher, als die Kirche aus war, blühte in dem wohlhaben­den Dorf noch hier und da sein Weizen, und es flieg die Strecke auf zweihundertoierunddreißig. Nachmittags, als die Heimat ausgeplündert war, verlegte er sein Geschäft in die umliegenden Dör­fer; hatte er die Taschen voll (er nahm sich auch, wie damals üblich war, einen alten Rucksack mit), so raste er nach Hause und brachte die Beute in ein Verbörgnis. Denn Vater Stabinsky sollte von der Finanzoperation seines Sprößlings durchaus nichts erfahren, da dieser das Geld, was er zu erlangen hoffte, in besonderer, dem väterlichen Eingriff ent­zogenen Weise anlegen wollte; Vater Stabinsky war nur gut dazu gewesen, vermittelst einer alten verrosteten Blumenspritze, die der ehrliche Marian irgendwo aufgegabelt hatte, heißes Paraffin durch

auf die Vernwgcnsrechiiung 53 500 Mk. Das Ge­samtbild ist im allgemeinen dasselbe wie im vorigen Jahre. Im einzelnen ist folgendes be­merkenswert: Ein bei Abschluß der Rechnung für das Jahr 1924 verbliebener Barbestand von 30 106,90 Mk. wird mit 25 000 Mk. als Betriebs­kapital verwandt, so daß für das Jahr 1926 ein noch verfügbarer Rechnungsrest von 5106,90 Mk. verbleibt. Die Einnahme aus Gebäuden und Grundstücken beträgt 9029,03 Mk.. denen 9160 Mk. Ausgaben gegenüberstehen. Diese Aus­gaben sind bedingt durch größere bauliche Hrtter- haltungsarbeiten; u. a. soll auch der Stadtturm einer Reparatur unterzogen werden. Die hierfür erforderlichen größeren Mittel will der Bürger­meister im Laufe von vier Rechnungsjahren an- sammeln und dann die Arbeit vornehmen lassen. Die erste Rate ist bereits im Rechnungsjahr 1925 zur Kapitalisierung gelangt. Die Einnahme aus 6en städtischen Waldungen beträgt rund 82 000 Mk. Die erzielten Erlöse des Nutzholzes sind gegenüber dem Vorjahre wesentlich zurück- gegangen. Die Ausgaben sind ganz bedeutend. An den Staat werden bezahlt für Kosten der Forst­verwaltung 11 143.80 Mk. Die gleichfalls auf dem Walde ruhenden Steuern, einschließlich der Hm- satzsteuer betragen säst 7000 Mk. 18 000 Mk. wer­den für Holzhauerlöhne, 9331 Mk. für Kosten der Nebennuhungen und Betriebsausgaben benötigt. Unter letztere Kosten fallen Neuanpflanzungen und Wegbaukosten. Rechnet man den zur Aus­zahlung des Ortsbürgernutzens benötigten Betrag von 12 000 Mk. hinzu, dann kommt man auf die erstaunliche Summe von fast 57 500 Mk. An Jag dpa cht werden 2204 Mk. eingenommen. Bei der Schäferei beträgt die Einnahme 1100, die Ausgabe 1750 Mk. Die Einnahme an W a s s e r g e l d beträgt rund 12 000 Mk. und ist dem vorjährigen Ergebnis gegenüber gleich- bleibend. Ihr stehen rund 4500 Mk. Ausgaben gegenüber. Die Wasserversorgung, die früher Zuschußbetrieb war, ist jetzt infolge Ent­wertung der Anleiheschulden zu einem H e b e r s ch u ß b e t r i eb geworden. Die Aus­gabe für die AllgemeineVerwaltung be­tragt unter Absetzung der Einnahmeposten rund 26 000 Mk., für die öffentliche Sicherheit 8100 Mk. Für die öffentliche Gesundheitspflege sind 3255 Mark angefordert. Als größerer Ausgabeposten erscheint hier die Instandsetzung der Bade­anstalt mit 2000 Mk. Für Feuerlöschzwecke werden 850 Mk. benötigt. Die allgemeine Armen- pflege erfordert 10 000 Mk. gegenüber 9200 Mk. im Vorjahre. Die sachlichen Schul kost en be­tragen 10 800 Mk. Das Schulgeld für die aus­wärtigen Fortbildungsschüler ist auf 10 Mk. pro Schüler jährlich festgesetzt. An Aufwendungen für die evangelische Kirche sind 1300 Mk. notwendig. Die Hnterhaltung des Friedhofs er­fordert rund 750 Mk. Größere Mittel sind für Straßenunterhaltung ausgeworfen. Für Verbesserung des Feldwegnehes beträgt der Vor­anschlag 4000 Mk., während für die Straßen und Fußsteige innerhalb der Stadt 3500 Mk. und für die Straßenbeleuchtung 3700 Mk. vorgesehen sind. Die Gesamtaufwendungen in dieser Rubrik be­tragen einschließlich kleinerer Vorsehungen 11 900 Mark. Zur Hnterhaltung der Kanäle sind 2540 Mk. erforderlich. Die Ausgaben für land­wirtschaftliche Zwecke beziffern sich auf rund 15 000 Mk. Für Parzellenhandrisse und Fortführung des Ortsbauplans, Hnterhaltung der Meßgeräte und geometrische Arbeiten sind 1000 Mark vorgesehen, ebenso für Aufwendungen an Bächen und Gräben 1000 Mk. Hnter der Bezeich­nung soziale Fürsorge werden dieHnter- stühungen für Klein- und Sozialrentner, sowie die Anteile für Kranken-. Invaliden- und Er­werbslosenversicherungsbeiträge der städttschen Arbeiter verrechnet. Hier beträgt die Ausgabe 10 200 Mk., von der der Kreis und Staat 4725 Mk. wieder zurückerseht. Der Ertrag der Hunde­steuer ist mit 1800 Mk., derjenige der Grund- erwerbsteuer und der Vergnügungs­steuer mit 2000 Mk. eingestellt, während die von der Stadt zu leistenden Steuerzahlungen 9300 Mk. betragen. Die voraussichtlich zur Heber- Weisung kommenden Reichs steuern sind schätzungsweise mit 27 000 Mk. angenommen. Als Reservefonds ist ein Betrag von rund 4000 Mk. vorgesehen. Für Verzinsung alter und neuer S t a d t a n l e i h e n ist ein Be­trag von 13 837,40 Mk. erforderlich. Zur Schul­dentilgung werden 1730 Mk. benötigt. Die zur Erhebung beschlossene Hmlage einschließlich der Sondersteuer vom bebauten Grundbesitz hat eine Hohe von 45 000 Mk. Sie soll aufgebracht werden durch folgende Ausschlagsähe: a) Sondersteuer 491 Pf. auf je 100 Mk. Steuerwert, Aufkommen 20 000 Mk., b) Gebäude und Bauplätze 10 Pf. je 100 Mk. Steuerwert, Aufkommen 4600 Mk., c) Land- und forstwirtschaftlich genützte Grund­stücke 20 Pf. für 100 Mk. Steuerwert, Aufkommen 10 400 Mk.. d) Gewerbliches Anlage -und Be­triebskapital 20 Pf. für 100 Mr. Steuerwert, Aufkommen 2800 Ml., e) Gewerbeertrag 34 Proz. Zuschlag zu den Einkommenssteuervorauszahlun- gen. Aufkommen 7200 Mk. In der Ver­mögensrechnung sind verrechnet 11 000 Mk. zur Fertigstellung des Vierfamilienwohnhauses

ein kleines, haarfeines Loch in das vorher ein wenig I ausqefogene Innere des Eies zu besorgen, was nach einem sorgfältigen Versuche diesem Erzeugnis des Hühneroogels eine verruchte Härte, Elastizität und Dauerhaftigkeit verlieh.

Als Marian im Kaninchenstall abends feine Sammlung betrachtete, waren es unzählige Eier, Eier nicht nur aus feinem Heimatdorf, sondern auch aus Hemmerich, Batzdorf, Brenig, Rösberg, Mer­ten, der halbe Landkreis Bonn war da vertreten. Aber wie das höllische Spiel das mit sich brachte, keines gan.?, alle mit zerklitfchter Schale, so daß sie sich im besten Falle nur ein paar Tage halten konn­ten. Als er nun am folgenden Morgen den Raubzug fortfetzen wollte und seine Hoffnungen bereit waren, auf hundert Grad zu steigen, zeigte es sich, daß ein jäher Umschwung in der Konjunktur eingetreten war. Sobald er mit seinem grünen Wunderei kam, lachten ihn die Jungen aus und riefen ihm anzüg- j liche Reden nach. Marian schloß daraus mit Recht, daß auch in Hemmerich, Batzdorf, Rösberg und Merten kein Geschäft mehr zu machen, daß in der ganzen Umgebung ein übles Gerede entstanden fei.

Er ging also in den Kaninchenstall und überlegte, ahnte aber nicht, daß auch die ganze Dorfjugend, alle Jungen, die feine Opfer geworden waren, zu­sammen faßen und überlegten. Und die hatten im Haufe nebenan einen scharfen Beobachter, der ein Rad besaß und zu melden bereit war, wenn Marian sich aufmachte. Denn das war klar, er wollte die Eier, die damals einen tüchtigen Wert befaßen, ver­kaufen; soweit kannte man ihn. Man wußte nur nicht, ob Vater Stabinsky mit im Bunde fei.

Wie nun in der grauen Frühe des nächsten Morgens Marian, ehe fein Vater erwacht war, mit

am Schwanensee, 4000 Mk. Deihilfedarlehen zur Förderung des Wohnungsbaues und 4500 Mk. für die Instandsetzung der Obermühle, für Kana­lisationszwecke 10 000 Mk. und für Straßen­herstellungen 12 500 Mk. Diese Beträge sollen im Anleiheweg beschafft werden. Zur Kapitali­sierung kommen als Wasserleitungsfonds 1000 Mark, als Friedhofsfonds 200 Mk., als Kanali- sationsfonds 500 Mk. und als Mvbiliarerneue- rungsfonds 200 Mk. Der Stadtvorstand nahm im allgemeinen fast debattelos die von dem Bürgermeister gemachten Ansätze an.

ds. Langsdorf, 29. März. Mit Beginn des neuen Schuljahres wird diesmal wieder ein starker I a h r g a n g von 32 Abcschützen aus­genommen. Die Lücken, welche die Kriegsjahre ge­rissen haben, werden so von unten auf wieder ver­stopft, und die teils leerstehenden Bänke besetzt. Mit dieser Zahl von Schulrekruten erreicht die hiesige Schule wieder die V o r k r i e g s k l a s s e n st ä r k e. Die Oberklasse hat bann 42, die Unterklasse 43 Schü­ler. Ans der Schule entlassen wurden 10 Schüler, die am Sonntag nach Ostern konfirmiert werden.

I. H u n g e n , 29. März. Aus der jüngsten G e - meinderatss itzung ist zu berichtenden Fir­men, die bei der N n tz h o l z v e r ft c i g e r it n g am 20. März die Höchstgebote eingelegt hatten, wurde der Zuschlag erteilt, mit Ausnahme einer Firma, die bei ihrem Angebot besondere Bedingungen ge­stellt hatte. Die Vergebung der Fuhr- und Ar­beitsleistungen während des Rechnungsjahres 1926 für die Gemeinde wurde genehmigt. Dem Turnverein wurde unter besonderen Voraus­setzungen der bisher gewährte Zuschuß weiter be­willigt. Zur Förderung des Obst- und Gartenbaus wurde der nach der Einwohnerzahl als Beitrag ent­fallende Betrag für den Kreisobst - und Gar­tenbauverein Gießen bewilligt, obenfo ein Betrag für die Zeppelin-Eckener-Spende aus der Gemeindekasse. Um die Bauwirtschaft zu be­leben, wurde auf eine Anregung des Kreisamts be­schlossen, Wohnungsbauten, die am Kalen­deruhr 1926 begonnen werden, für das Jahr der Fertigstellung und für die nächsten 5 Rechnungsjahre auf Antrag gründ steuerfrei zu lassen. Mit der Belassung der derzeitigen Feldgeschworenen erklärte sich der Gemeinderat einverstanden. Die Mitglieder der Landwirtschaftskommifsivn, der Wasserkommis- sion, des Wiesenvorstandes, der Kommission zur Be­kämpfung der Obstbauschädlinge und des Schulvor­standes wurden neugewählt. Auf der Südseite des Baublocks, westlich der Moltkeftraße, soll die Vor- gartenlinie in einer Tiefe von 4 Meter angelegt wer­den, da das Ministerium einer solchen von nur drei Meter seine Zustimmung versagt hat.

bs. Langd, 29. März. Hier fand eine gut be­suchte Protest Versammlung gegen den beab­sichtigten Abbau einer hiesigen Volks­schulklasse statt. Lehrer Müller von hier führte aus, daß bei Klassenstärken von 6070 Kin- ' dem das allgemeine Bildungsniveau finken müsse. Einstimmig wurde folgende Entschließung ge­faßt:Die stark besuchte Protestverfammlung der Bürgerschaft der Gemeinde Langd erhebt stärksten Widerspruch gegen den Abbau im Volksschulwesen. Dadurch werden die einzigen Bildungsmöglichkeiten des flachen Landes beengt in einer Weise, die von recht denkenden deutschen Staatsbürgern nicht zu ver­antworten ist." Diese Entschließung wurde der Re­gierung, der Volkskammer und dem Kreisschulamt übermittelt.

Kreis Friedberg.

* Friedberg, 29. März. Da das Seminar bis auf eine letzte kleine erste Klasse eingegangen ist, hat damit auch die Seminarschule ihre Da- seinsberechtiguna verloren und wird auf Anord­nung der Behörde von Ostern 1926 an n i ch t m e h r weiter geführt. So bedeutete diesmal der Schluß des Schuljahres zugleich das Ende für diese kleine, aber doch für viele,so wertvolle Anstalt. Man hatte bet der Schlußfeier den Eindruck, daß hier etwas Wertvolles zu Ende gehe. Die Feier stand unter dem Zeichen Schillers. Seine Gedichte, feine Lieder, Szenen aus feinen Dramen, Worte feiner Lebensweisheit kamen zu eindrucksvollem Vortrag. Die frisch und lebensvoll vorgetragenen Lieder stell­ten eine schöne Probe dar von dem, was auf musi­kalischem Gebiet unter der feinsinnigen Leitung des Lehrers H e b e r e r an der Schule geleistet worden ist. Der zweite Teil der Schlußfeier wurde von den Kleinen bestritten, die unter der Anleitung von Leh­rer Braun ihr Bestes boten in prachtvollem Bu- benübermut und in mädchenhafter Sinnigfeit und Frische. Zum Schluß sprach Rektor Koch; er gab einen geschichtlichen lleberblirf über Entstehung und Bedeutung der Seminarschule und verlieh den Ge­fühlen, die alle Beteiligten erfüllten, beredten Aus­druck. Oberstudiendirektor Dr. Faber gedachte mit warmen Worten der Verdienste der an der Seminar­schule tätigen Lehrer um die Ausbildung der fast 400 Junglehrer. Aus der Reihe der Eltern sprach Professor Werner den Dank der Eltern aus für alles Wertvolle, was ihre Kinder in der nun zu Ende gehenden Schule empfangen haben.

Bad-Nauheim,. März. Eine gün­stige Entwicklung hat die hiesige Volksbank im abgelaufenen Jahr genommen, wie die unter dem Vorsitz von Notar Stahl stattgefundene 90. ordentliche Generalversammlung erwies.

einer schweren Kiepe in der Richtung nach der Eisen­bahn sich durchs Dors schleichen wollte, hinderte ihn daran niemand. Kaum war er aber um die Ecke, rannte die ganze Jungenschaft hinterher, man ließ ihn durch den Wald bis dicht vor das nächste Dorf keuchen, denn ein Ei hat schließlich auch fein Ge­wicht, da plötzlich stehen rechts und links und vorn und hinten handfeste Jungen mit Masken vor, still­schweigend zieht man dem Ueberraichten, Kreischen­den, Tobenden die Hose aus, und nachdem man ihm aus der Ferne noch den löblichen Rat:So, nun fahr nach Bonn!" zugerufen hat, verschwindet man/ mit dem kostbaren Kleidungsstück in den Wald.

Trotz des laulichten Wetters konnte sich Marian mit seiner Kiepe ohne Beinkleidung in den dicht- bewohnten Dörfern an der Eisenbahn nicht sehen lassen, er trat daher den Rückweg an, keuchender als vorher, da er so früh wie möglich nach Hause wollte. Wenn ein Mensch kam, duckte er sich, ins Gebüsch, und durchs Dors sprang er wie ein gehetzter Fuchs. Schließlich kam er an und fand an der Tür feine Hose vor, allerdings ohne das grüne Wunderei, das in der rechten Hosentasche gesessen hatte und der unbegrenzten Möglichkeiten wegen mitgenommen worden war; nun besaß es die feindliche Jugend und untersuchte sein Inneres.

Da beriet sich Marian mit feinem Vater, aber der fürchtete die Nachbarschaft und wollte die kostbare Last auch nicht forttragen, die Frau erst recht nicht. So hieß es durchhalten und nicht verzweifeln und essen, essen, offen. Es verlautet aber, daß Stabinskys nachher jahrelang keine hartgekochten Eier sehen mochten.