Ausgabe 
30.3.1926
 
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Nach dem vom Vorstandsmitglied Haber­mehl erstatteten Bericht über die Geschäfts- ergeb nisse hat sich der ibnfalj auf 61 Mill. Mark erhöht, d. h. auf ungefähr das Doppelte der vorjährigen Summe. Die Bilanzsumme ist von 993 178 Mark auf 2 038 000 Marl ge- siegen. Das Spareinlage konto hat sich von 449 164 Mk. auf 1 120 000 Mk. erhöht. Die Mitgliederzahl hat sich von 754 auf 787 mit 1018 Geschäftsanteilen vermehrt. Stadtv. Krauß dankte dem Vorstand für seine vorsichtige Ge­schäftsführung, vor allem auch namens der hie­sigen Geschäftswelt für die trefflichen Dienste, die die Volksbanl leiste. Eine rege Aussprache über die Zinspolitik schloß sich an, an der sich verschiedene Vorstands- und Aufsichtsratsmit­glieder und auch Bürgermeister Dr. K a h s e r beteiligten. Der Reingewinn beträgt 45 249 Mark, der wie folgt verteilt wird: An Dividende werden 12 Prozent mit 7961,23 Mk. ausgezahlt: auf neue Rechnung vorgetragen werden 6589,77 Mark, während 1000 Mt. für gemeinnützige Zwecke bestimmt und 3000 Mk. auf Immobilien obzuschreiben sind. 26 698 Mk. wandern den Reserven zu. die insgesamt auf etwas über 190 000 Mark angewachsen sind. Auch die P f en n i g s p a r k a s s e, über die Vorstandsmit­glied Stamm berichtete, zeigt einen günstigen Abschluß. Es wird erwartet, daß das Klein- Iparwesen auch weiterhin Förderung findet, namentlich auch in den Schulen. Bezüglich der aufzunehmenden fremden Gelder wurde nach einem Referat von Vorstandsmitglied Haber- m e h l einstimmig beschlossen, den in 1923 fest­gesetzten Betrag von 2 Mill, auf 3 Mill. Mark zu erhöhen.

pb. Butzbach, 29. Mörz. Dieser Tage sand im kleinen Rathaussaale eine Sitzung statt, in wel­cher die N e u a u s r i ch t u n g der cingegangenen freiwilligen Sanitätskolonne vom -q o t e n K reuz beschlossen weurde. Als Vorsitzen- dcr wurde Beig. P l o ch , als Kolonnenarzt Dr. med. Hau gewählt. Die neugegründete Kolonne zählt z. Z. einschließlich Vorstand 16 Mitglieder.

1). 21 u 6 der mittleren Wetterau, 29. März. Begünstigt durch die trockene Witte­rung der letzten Wochen wird hier in der Oster­woche die Frühjahrsbestellung der Fel­der mit Hafer und Gerste ziemlich zu Ende gehen. Häufiger als in früheren Jahren hat man in diesem Frühjahr den brounährigen Sommer­weizen, der nicht nur auf dem Lehmboden, sondern auch aus der leichteren Qtcfererbc der Wetterau recht befriedigende Ernten liefert, an­gesät. Der Wintersaat nicht zusagend war die in letzter Zeit bis auf minus 6 Grad herab­sinkende Nachttemperatur und die am Tage auf­tauende Sonnenwärme, wodurch die Wurzeln der schwachen Saatpflanzen gelockert wurden. In den Gärten sind bereits die Beete mit Karotten, Lattich. Spinat, Ziebeln, Lauch, roten Rüben und Römischkohl bestellt.

Krcis Büdingen.

L N idda , 29. März. Zum würdigen A b - s ch l ii ß des Schuljahres veranstaltete die hie- ge Realschule i. E. im Gambrinus eine öffent­liche S ch l n ß f e i e r. Durch eine recht reichhaltige Vortragsreihe war es vielen Schülern ermöglicht, eine kleine Probe ihres Könnens außerhalb der Schulräume abzulegen. Lieder des Schülerchors, Deklamationen, Mulikvorträge für Klavier und Vio­line einzelner Schüler und die Aufführungen eines Schwanks sowie eines Märchenspiels ernteten bei den Zuhörern vollen Beifall. Studienrat Lauck- Hard hielt als Leiter der Anstalt an Eltern und Schüler eine eindrucksvolle Ansprache. Gendar- merie-Oberwachtmeister Port wurde von hier als Polizeikonimissar nach Bingen versetzt. In der I'isherigen Stellung war er über 10 Jahre hier tätig.

Hirzenhain, 29. März. Bedingt durch die Buderusschen Eisenwerke, die zur Zeit etwa 950 Arbeiter beschäftigen, fjat sich auch in der Nachkriegszeit unser Gemeinde­wesen gut entwickelt. Eine Anzahl neuer Wohnhäuser wurde erbaut, und das Dorf nimmt von Iahr zu Iahr mehr das Gewand eines aufblühenden Industrieortes an. Das Werk un­terhält eine eigene Kantine mit großem Speisesaal und gut eingerichteten Nebenräumen, außerdem ein Konsumgeschäft. Der ©tau- weiher des Lißberger Elektrizitätsweihers, der sich unmittelbar an den Dorfrand anlehnt, er­höht den Reiz des an dieser Stelle besonders schmalen Riddatales und trägt viel zur Verschö­nerung des Dorfbildes bei. Zur Zeit geht ein mehrstöckiger Erweiterungsbau des Eisen­werkes seiner Vollendung entgegen. Landwirt­schaft hat unser Dorf nur in ganz geringem Matze aufzuweisen. Die Bevölkerung seht sich in der Hauptsache aus Arbeitern und Angestellten zusammen.

Streik Schotten.

Schotten, 29. März. Aus der letzten G c - meinderatssitzung ist zu berichten: Als wich­tigster Gegenstand lag dem Gemeinderat die Be­schlußfassung über den Gemeindevoran­schlag für 1 9 2 6 vor. Die Rechnung für 1924 hat sehr gut abgeschnilten, so daß einige Schulden getilgt und das Betriebskapital auf 20 000 Mark erhöht werden konnte. Der Ueberfchuß betrug noch über 7000 Mk. Die Einnahmen der Stadt find im kommenden Jahr durchweg etwas geringer einge­stellt. Die Holzpreise sind niedriger, vor allem ist mit einem viel niedrigeren Betrag an Steuerüber­weisung seitens des Reiches an die Gemeinden zu rechnen. Gegen 26 000 Mk. Einnahmen an Reichs- fteuerüberroeifung sind in 1J?26 nur 18 000 Mk. ein­gestellt. Andererseits sind manche Ausgaben gewach­sen, besonders die Kosten für Armenpflege, soziale Fürsorge, Erwerbslosenfürsorge belasten die Ge­meinde, wie allgemein, ungeheuer. Die Kosten für diese drei Kapitel belaufen sich auf über 26 000 Mk., wenn auch manche Beträge hier wieder ersetzt, wer­den. Die Straßenunterhaltung verursacht 9000 Mk., Kanalisation 1500 Mk., Wasserleitung ca. 10 000 Mark, die Schulen 18 000 Mk. Trotz dieser erhöhten Anforderungen glaubte der Gemeinderat dock, im Hinblick auf die derzeitig außerordentlich schwere wirtschaftliche Notlage die Gemeindeumlagen um 10 Prozent herabsetzen zu sollen. Es weredn anstatt 30 000 Mk. im vergangenen Jahr für das kommende Jahr nur 27 000 Mk. erhoben. Der Voranschlag balanciert in Einnahmen und Ausgaben mit je 135 000 Mk. Die 1924er Rechnung wurde vom Ge­meinderat gutgeheißen. Eine Polizeiverordnung wurde für die Stadt bejchlossen, nach der die Höchstgeschwindigkeit für Fuhrwerke, Kraftwagen, Räder aller Art auf 15 Km. und für Lastkraftwagen auf 10 Km. pro Stunde innerhalb aller Straßen der Stadt festgesetzt wurde. Entsprechende Warnungstafeln werden angebracht werden. Die F u h r l e i st u n g e n für die Stadt wurden neu vergeben, als Preise festgesetzt: Ein­spänner 1 Mk. pro Stunde, Zweispänner 1,40 Mk.,

I Leichenwagen 6 Mk. Alle im Jahre 1926 begoii- I neuen Neubauten werden entsprechend einer ! Verfügung des Reichsfinanzministers, von der g e meindlichen 03 r u n b ft e u e r befreit. Das Telegraphenamt beabsichtigt, eine neue K a - belli nie uom Postgebäude bis zumDarmstadter Hof" zu legen. Der Gemeinderat ist einverstandm unter der Voraussetzung, daß die Wiederherstellungs­arbeiten auf Kosten der Telegraphenverwaltung von der Stadt selbst ausgeführt werden.

b. S ch o 11 e n, 29. März. Die M ädchenfort- b i l d u n g s s ch u l e hatte die Eltern und sonstige Interessenten zum Besuch einer Siu Stellung eingeladen, um zu zeigen, welch reichhaltige Arbeit im Lauf des letzten Schuljahres auf dem Gebiet des .Handarbeitsunterrichtes und des Kochunterrichtes von den Mädchen geleistet worden ist. Alle Arten schönster und einfachster Handarbeit waren zu bc wundern, appetitliche Speisen, Torten, Platten u. dgl. mit möglichst geringen Kosten hergestellt worden. Der Leiterin des Unterrichtes, Frl. Böß, gebührt aufrichtiger Dank! Die Stadt hat die Räume der Schützenhalle für Abhaltung dieses Unterrichts ge­mietet und für das nötige' Inventar gesorgt. Die Mädchen widmen sich außerordentlich gern diesen neuen Fächern.

X!X Schotten, 29. März. Dieser Tage fand unter dem Vorsitz des Geheimerats B o e ck m a n n eine Bürgermeister Versammlung statt. Veterinärrat Dr. Schmidt- Schotten sprach zu­nächst über die Schafhaltung, Einrichtung ört- ttcher Viehkassen, Förderung der Schweinezucht. Die Schafzucht sei seit 1860 dauernd zurückgegangen. Im vergangenen Jahre habe die Leberegelseuche in einzelnen Gemeinden ganz erhebliche Verluste ge­bracht. Der Kreis Schotten eigne sich sehr für die Schafzucht. Es müsse eine bessere Zuchtrichiung ein- gcführt werden, damit bessere Wolle erzeugt werde. Die Gemeindeschäferei verdiene den Vorzug vor der Gesellschaftsschäferei. Referent empfahl weiter die Gründung örtlicher Viehkassen mit einfachem Ver­fahren. Die Kreisoiehversicherungskasse Biedenkopf arbeite sehr gut. Der Redner sprach dann weiter über die Schweinezucht. Diese verdiene größere Beachtung. Die Vorbedingungen seien erfüllt: Klein­bäuerliche Betriebe, Molkereien, Kartoffelbau. Re- gierungsrat Weber sprach über I a g d Pacht­verträge. Geheimerat Boeckmann machte den Gemeindevertreterä größte Sparsamkeit zur Pflicht. Wo es irgend ginge, müßten die Ge­meindesteuern reduziert werden: Benutzung der Er werbslosen zu Feldweg- und Straßenbau, nötigen­falls auch Heranziehung der Ortsbürger. Vermei­dung der Kapitalanleihen: rechtzeitige Einbringung der Steuern und Gemeindegesälle. Nach dem Vor­trag des Vorsitzenden nahm die Versammlung ein­mütig Stellung zu der Forderung der Finanzämter, Gemeindewasserleitungen zur Aufbrin­gung der I n d n st r i e b e l a ft u n g (Dawesabkom- men) heranzuziehen. Die Wasserleitungen seien keine werbenden, sondern gemeinnützige Anlagen. Es wurde eine Entschließung angenommen, worin ver­langt wird, daß zum Schutze der Gemeindewege gegen Beschädigung durch schwere Holz- und Stein- fuhrwerke eine dem Art. 16 des Kunststraßengesetzes entsprechende Bestimmung gesetzlich vorgesehen werde. Nach Schluß der Versammlung sand eine Be­sichtigung des Ehrenmals der gefallenen hessischen Forstleute auf dem Altenburgskopf statt.

Rainrod, 28. März. Der etwa 45jährige Abdecker Grimm aus Schotten wurde am ge­strigen Abend in der Nähe des Dorfes von einem Spätzuge überfahren und sofort ge­tötet. Ob ein unglücklicher Zufall ober Absicht vor­lag, den Tod zu suchen, dürfte schwer zu entschei­den sein.

Kreis Alsfeld.

W- Alsfeld, 29. März. Die hiesige Stadt­schule veranstaltete einen wohlgelungenen El­ternabend in Form einer Abendfeier. Der große Saal desDeutschen Hauses" war bis auf den letzten Platz gefüllt, die Galerie war überfüllt. Die Darbietungen der einzelnen Klassen in gesanglichen und deklamatorischen Vorführungen standen auf be­achtenswerter Höhe. Die auf der neuen Bühne des Saales in sehr wirksamen Beleuchtungseffekten vor­geführten Reigen und Tanzbilder entzückten das Publikum ganz besonders. Den musikalischen Teil des Abends bestritt die unter der Leitung von Leh­rer Dotter stehende Jugendkapelle, deren flottes und sauberes Zusammenspiel lebhaften Beifall fand. Am Abend vorher fand im Singsaal der Oberreal­schule ein Elternabend für die Oberreal - s.ch u l e statt, der besonders mit der Vorführung von Hans-Sachs-Spielen die Zuhörer entzückte. Ein recht geschickt gespieltes MarionettentheaterDr. Fausts Fahrt in die Hölle" verdient besonders hervor- gehoben zu werden. Den musikalischen Teil bestritt auch hier die Jugendkapelle Dotter, die Mozarts Kleine Nachtmusik" und eine Fantasie ausMi­gnon" mit Cellosolo besonders schön herausbrachte.

Kreis Lauterbach.

hml. Lauterbach, 29. März. Die hiesige R e - alschule hielt ihre S ch l u ß f e i e r , zu der sich die Eltern und Angehörigen der Schüler cingefunbcn hatten. Die Schülerchöre, Gedichtvortrag sowie zwei Theateraufführungen waren auch in diesem Jahre wieder auf der Höhe und lohnten die aufgewendete Mühe und Geduld. Studiendirektor Stein gab einen kurzen Ueberblirf über die Ereignisse nnb die Arbeit der Schule im abgelaufenen Schuljahr. Am Ende des Schuljahres war die Anstalt von 126 Schülern besucht. Davon waren 100 aus Lauter­bach und 26 aus anderen Orten des Reiches. 16 Se­kundaner, unter denen 8 Mädchen waren, erhielten die Reife für die Ober-Sekunda einer Oberrealschule. Studiendirektor Stein richtete an die scheidenden Schüler und Schülerinnen ernste und beherzigens­werte Abschiedsworte.

I. Grebenhain, 29. März. Im Saale des Gastwirts Ganß hierselbst fand ein Lichtbilder- oo r trag über dieChampagne- und Somme- Schlacht" statt. Die Mitglieder des Krieger- vereins mit ihren Familien hatten sich hierzu so zahlreich eingefunden, daß der Saal bis auf den letzten Platz besetzt war. Pfarrer Frank (Crain­feld) zeigte die Bilder, Lehrer M ö n i g erläuterte sie. Die Pausen wurden durch Konzertstücke und Märsche des hiesigen Musikvereins ausgefüllt. Der Bezirksvorsitzende des Bezirks Herbstein Dille- m u t h überreichte dem Verein in Anbetracht seines schon über 50jährigen Bestehens im Auftrag des Präsidiums derHassia" einen silbernen Fahnen­nagel.

Eisenbahn- und Postwünsche im südlichen Oberhessen.

Stockheim, 29. März. In dankens­werter Weise hoben sich in letzter Zeit die ver­schiedensten Verbände und Personen, sowie auch die Presse für eine Verbesserung der schlechten Eisenbahnverbindungen Oberhessens eingesetzt, bis jetzt iffiber noch mit sehr schlechtem Erfolg. Die Reichsbahn­

direktion stellt sich immer wieder auf den D c r r c b v t c n Standpunkt, daß erst die Rentabilität eines Zuges nachgewiesen fein muß, anstatt den Zug zunächst einmal einzuführen und dann abzuwarten, ob sich nicht mit besserer Zug- Verbindung auch eine bessere Benutzung der ein­zelnen Züge zeigen wird. Im übrigen dürfte so mancher Schnellzug auch nicht rentieren, er wird aber trotzdem gefahren. Gespart wirdGimmer in erster Linie auf den Nebenbahnen und auf dem Lande. Die Frage der Rentabilität dürste auch nicht in Bezug auf einen einzelnen Zug, sondern auf eine ganze Strecke vzw. einen ganzen Bezirk gestellt werden. Und hier Dürfte doch gewiß die Strecke Frankfurt V i l b c lS t ockhei m© edern Ü a u 1 r - bad), von der hier die Rede sein soll, rentieren. Man lieft z. B. davon, daß der Bahnhof Stock­heim ganz bedeutend erweitert werden soll, auch bei anderen Bahnhöfen ist eine solche Vergröße­rung notwendig geworden. Da kann dock nicht im Ernst behauptet werden, daß unsere Strecke nicht rentiert. Besonders schlecht ist es um die Strecke S t o ck h ei m-G e d e r n-L a u t e r b a ch bc- stellt, einer der Hauptzufahrtswege zum Vogels­berg, den aber fein Mensch an Werktagen oder Sonntagen in der Frühe erreichen kann, weil jede Verbindung fehlt. An Werktagen muß jeder Reisende schon um 5 Uhr nachmittags aus Franl- surt abfahren, weil ein späterer Zug fehlt. An Sonntagen fehlt zwischen 8 Uhr morgens und 6 Uhr abends jede Verbindung nach Frankfurt, Gießen usw. Auf der Strecke FrankfurtStock­heim laßt man abends innerhalb 4 Stunden vier Züge laufen, führt aber nur einen bis Lauterbach, einen zweiten bis Gedern durch. Durch den Oden­wald scheinen jetzt sogar Gilzüge zu gehen, den zahlreichen Reisenden, die die Strecke Frank­furtGedern oder umgekehrt ost täglich benutzen müssen, mutet man aber eine mehrstündige Reise mit Aufenthalt auf jeder kleinen Station und zu­letzt oft noch einen 40minutigen Aufenthalt in Stockheim zu, bis sie endlich zum Ziel gelangen, nachdem sie den Tag zur Hin- und Rückreise beinahe acht Stunden gebraucht haben. Ein C i I- zugspaar wäre dringend nötig. Die zuständi­gen Stellen und Personen, insbesondere auch un­sere Landtags- und Reichstagsabgeordneten, die Vertreter im Cisenbahnrat und in der Handels­kammer, die Vertreter der Wander- und Sport­vereine, die Leiter der verschiedenen Schulen werden daher gebeten, nicht eher zu ruhen, bis unser Bezirl die ihm gebührende bessere Ver­bindung erhält.

Auch die p o st a l i s ch e n Verhältnisse bedürfen auf dem Lande einer Verbesse­rung. Der S ch a l t e r d i.en st darf nicht von 11 bis 3 Ahr, wie bei manchen Aemtern, ge­schlossen sein, da sonst die Landleute stundenlang warten müssen. Auch der F e r n s p r e ch d i e n st bedarf abends einer Erweiterung.

Starkenburg.

WSN. Offenbach, 29. März. Wie die städt. Nachrichtenstelle mitteilt, hat das schwere A u to­nn g l ii ck, das sich am Samstag bei Bieber er­eignete, ein weiteres Opfer gefordert. Der Schmied Burggraf von Bieber, der mit schweren Verletzungen im Krankenhause eingeliefert wurde, ist dort feinen Wunden erlegen. Ein dritter Mann wurde leicht verletzt. Durch den Unfall sind zwei Fa­milien ihrer Ernährer beraubt worden. Ueber die Schuldfrage konnte noch nichts festgestellt werden.

Rheinhessen.

WSN. Worms, 27. März. Die seit einem Men­schenalter in Gang befindlichen und fast vollendeten Wiederher st ellungsarbeiten am Dom SU Worms sind in ihrer Fortsetzung bedroht. Wenn nicht in letzter Stunde Mittel aufgebracht werden können, besteht die Gefahr, daß nicht nur offene Bauteile schutzlos aller Unbill der Witterung preisgegeben werden müssen, sondern daß die jetzt noch zu behebenden Schäden in kurzer Zeit zu einer ernstlichen Gefährdung ganzer Bauteile und der Ge­wölbe führen. Da die endgültige Sicherung des Domes mit verhältnismäßig sehr bescheidenen Mit­teln durchgeführt werden kann und ein baldiger Ab­schluß der Bauarbeiten zu erwarten ist, hofft man, daß es noch gelingen wird, die fehlenden B a u - gelder mit öffentlicher Unter st ützung S" erhalten. Ein Versagen der erwarteten Hilfe würde die Gefahr heraufbeschwören, daß durch diese Ausbreitung der Schäden in kurzer Zeit namhafte Summen nötig würden, um die bauliche Sicherheit zu gewährleisten, die jetzt noch mit geringen Mitteln erreicht werden kann.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

00 Lützellinden, 29. März. Der ftarfe Sturm, der in der letzten Zeit oft auftrat, hat in dem in der Gemarkung Großen-Linden bclegenen Markwald der hiesigen Gemeinde großen Schaden angerichtet. DerWindfall" ist so groß, daß die im Markwald beschäftigte Holzhauerrotte einige Wochen zu tun haben wird, um das Holz zu bearbeiten und aufzusetzen. Die Unsitte, daß junge Burschen aus einem fremden Dorfe von den einheimischen Burschen verprü­gelt werden, wenn sie zu einheimischen Mädckien gehen, ist in letzter Zeit auch hier eingerissen. So wurden junge Burschen von Leihgestern auf dem Nachhausewege von ihrenFreiersgängen" von hiesigen Burschen recht unsanft behandelt. Die An- gelegenheit dürfte ein polizeiliches Nachspiel haben.

O Hochelheim, 29. März. Die hiesige, der Firma Rinn & Cloos zu Heuchelheim gehörige Zigarrenfabrik hat bisher ihren Betrieb auf- rechterhalten können, ohne zur Entlassung von Ar­beitern und Arbeiterinnen schreiten zu müssen. Die Herabsetzung der wöchentlichen Arbeitsdauer von 48 auf 40 Stunden dient der A r b e i t s st r e ck u n g.

O- Niederkleen, 29. März. Die hiesige G e tneinbejagb ist in einem Bezirke dem Höchstbietenden, Bauunternehmer Ludwig Kreh zu Butzbach, auf fein Gebot von 1730 Mk. zu- geschlagen worden. Mitpächter sind Fabrikant Tröster und Lehrer Lind von Butzbach. Unter Hinzurechnung der Kreisjagdsteuec und des Iagd- pachtstempels dürften die Pächter jährlich den Betrag von rund 2000 Mk. aufzubringen haben. Für das erste Pachtjahr kommen außerdem noch die Kosten der Bekanntmachung der Verpachtung im Betrage von etwa 150 Mk. hinzu. Bet einer Ackerverfteigerung wurden durch­schnittlich 75 Pf. je Quadratmeter erzielt. Der geringe Preis legt Zeugnis davon ab, daß die Grundstückspeise noch immer im Sinken begriffen find.

<> Aus dem Kleebachtal, 29. März. Das günstige Wetter der letzten Tage hat in den Ge­meinden des Kleebachtals die Frühjahrs­

best c l l n n g s o i b e i t e n beginnen lassen, lieber- all kann man auf den Feldern beobachten, das; die Landwirte mit dem Säen des Hafers beschäftigt sind. Die Aussaat der Gerste dürfte in Kittle folgen. Auch die Wiesen zeigen sich bereits in ihrem grünen Kleide.

Tilttrcis.

WSN. Dillenburg, 29. März. Im Stäbti- d)cn Kurhaus fand auf Veranlassung des Nassaus- chen Veriehrsverbande: eine W e st c r w a I d k o n - c i >i ; statt, an der Berti te> ? Ql r« ise >, ^rr drei Städte sowie verschiedener Ortschasten des Westerwaldes, der Oborpostdirektion in Frankfurt am Main, der Presse und anderer Interessentenkreise teilnahmen. Leider war die Reichsbahndirektion nicht vertreten. Der Vorsitzende des Nassauischen Verkehrs- uerbanbes, Dr. R ösel - Frankfurt a. M., der stell­vertretende Vorsitzende des Dillkreivausschusses .9 u p f t i a n nnb der Vorsitzende bes Dillenburger Verkehrsausschusses Dr. Don g c Dillenburg brachten Wünsche vor. Es handelte sich im wesent­lichen um bessere Zugverbindungen nach dem D i l l k r e i s und im D i l l k r e i s. Man einigte sich dahin, die Dillenburger Handelskammer zu ersuchen, im Verein mit den Magistralen von Dil­lenburg, Herborn und Haiger die Wunsche schriftlich niederzulegen und dem Nassauischen Verlehrsver- band zur weiteren Verfolgung zu übermitteln. Es handelt sich dabei in erster Linie um die Einstellung eines T r i e b m a g c n > in Herborn ober Dillenburg zur Herstellung einer Verbindung zwischen diesen beiden Städten im Anschluß an Züge, die nur bis Dillenburg gehen ober erst von Dillenburg abgelassen werden, sowie zur Einrichtung eines P e n b c f u c r - 1 e h r s auf ben von den beiden Städten ausgehen- btn Nebenbahnen. Es wurde fcfigcficllf, daß dort die Züge teilweise in siebenstündigem Abstand vonein­ander fahren. Erstrebt wird weiter die Einlegung eines neuen beschleunigten Personen- zuges, der gegen 9 Uhr von Frankfurt o. M. nach Hagen fahren müßte. Ist das nicht zu erreichen, dann soll die Einlegung eines Trieb­wagens im Anschluß an die Ankunft des O - Z u - ge s F r a n k f n r t Ka s f e 1^ in Gießen um 11.30 Uhr nachts erstrebt werden. (Großer Wert wurde auf die Herstellung b e s s e r e r A n s ch 1 ü s s e an die Züge der L a h n b a h n in Wetzlar ge­legt. Für den Dillkreis ist von besonderer Wich­tigkeit, daß auf der Strecke Dillenburg Strafjebcrsbarf) entweder eine Vermehrung der Züge eintrift, ober daneben eine A u t o l i n i e unterhalten wird, und daß auf der S ch e l d e b a h n auch Sonntags wieder Zuge fahren. Bezüglich der Sonntagskarten wurde gefordert, daß solche nicht nur von Siegen nach Dillenburg, sondern auch von Dillenburg und Herborn nad) Siegen aufgelegt werden. Die Herausgabe eines F ii hrers durch den W e st e r w a 1 d wurde allseitig begrüßt und tatkräftige Unterstützung bei diesem Unternehmen zu- gesagt.

Konnnuttistifcher Hnfiiq in einer Kirche.

WSN. Höchst a. M., 29. März. Gestern fand hier ein sogenannter Oi o t e r Front- lämpfertag stall, an dem sich etwa 600 chis 700 kommunistische Parteigänger ans Franksurl. Offenbach, Hanau, Worin« nnb anderen Orten beteiligten. Hierbei kam es zu einem Zu - fammenstoh mit der Polizei, als nach­mittags gegen/23 Uhr ein Trupp Roter Front- tämpfer, die in der Nähe der evangelischen K i r ch e, in der gerade die VorsteUung der Kon­firmanden stattfand, eine Versammlung abhielten, das Läuten der Kirchenglocken ver­hindern wollten. Dem Eingreifen der Po-' lizei gelang es, dieses Vorhaben zu verhindern. Gin weiterer Trupp drang während der gottesdienstlichen Handlung in die Kirche ein und wollte dort Flugblätter ver­breiten lassen. Einer der Eindringlinge spuckte dabei vor dem Geistlichen aus. Der Polizei ge­lang es schließlich, die Eindringlinge aus der Kirche zu entfernen und die Demonstranten aus­einanderzutreiben.

Rundfunk-Programm

deck frankfurter Senders.

(2luS der »Radio-Umschau".)

Mittwoch, 31. Mörz:

33.30 Uhr: Die Stunde der Jugend. 3.30 bis 4 Uhr:Ins Leben hinein!", ein Wort an die Schul­entlassenen von Rektor Wehrhan. 4.205,45 Uhr: Konzert des Hausorcheftors: Russische Musik. 6.15 bis 6.45 Uhr Übertragung von Kassel: Dr. Heinrich Schleichcrt überPassion und Auferstehung als Ge- meinschaftserlebnis im dramatischen Spiel des Mit­telalters". 6.457.15 Uhr:Orientalischer Humor", Vortrag von Dr. Ludwig Harald Schütz. 7.157.45 Uhr:Kleiner kunstgewerblicher Hausrat", oorge- tragen von Frau Dr. Keil. 7.458.15 Uhr. Schach- stunde. 8.159.45 Uhr: Klassische Operetten: Lieder und Duette. 9.4510.45 Uhr: Chorkonzert des Clubs Harmonie" e. V., Rüsselsheim.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum ge<i.:nüber Icinerte' 'v inttoorfting.) Eine Klage und Anfrage aus dem Schisfenberger Tas.

Auf die unter dieser Ueberschrift vorgebrachte Beschwerde können mir zur Beruhigung der An­wohner des Schiffenberger Tals mitteilen, daß die Müllabfuhr" so gut wie beendet ist und eine saubere Oberschicht denVerwesungsgeruch" bald zum Verschwinden bringen wird. Unserem Ziel, der Jugend eine Stätte körperlicher Ertüchtigung zu schaffen, muß infolge der gegenwärtigen wirtschaft­lichen Not mit den einfachsten Mitteln nachgestrebt werden. Wie dankbar wir der Stabt sind, daß diese uns die Auffüllung nnseres Geländes überhaupt er­möglichte, kann der Einsender vielleicht gar nicht er­messen. Wir bitten die Anwohner des Schiffenberger Tales, welche die gemeinnützigen Bestrebungen des Männerturnvereins wohl auch kennen werden, noch ein wenig Rücksicht zu üben, und hoffen, daß'ste in einigen Wochen recht oft die Fenster nach den Wiesen öffnen werden, um sich an der froh tummelnden Ju­gend (unserer einzigen Zukunftshosfnung), der wir unter Zurückstellung eigener Wünsche stets unsere ganze Unterstützung gewähren sollten, zu erfreuen.

Mehrere Männerturner.

Das Batten am Karfreitag.

Die Evangelischen haben mit Entrüstung gelesen, daß am kommenden Karfreitag im Bäckereigewerbe gearbeitet werden soll. Es ist damit dem eoangell- schen Empfinden, das im Karfreitag den ernfteften Tag des Jahres und höchsten Feiertag sieht, viel zu- gemutet. Es wird diese Neuerung nicht über sich er­gehen lassen. Ich mache namentlich den hiesigen Zweigverein des Evangelischen Bundes, der ja stet* mit Tatkraft für die evangelischen Belange eintritt, auf diese unglaubliche Sache aufmerksam.

Ein Evangelischer.