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Wirtschaft.

Die deutsche Konjunktur.

Das Snftiiut für Konjunkturforschung gibt etzl sein drittes Vierteljahrsheft heraus, in dem Sie deutsche Konjunktur und die Konjunkturent- (Didhing im Auslände eingehend behandelt wer- *>en. Als Ergebnis der Untersuchungen wird fest- 'tellt, daß sich die deutsche Wirtschaft nach illen Barometern zur Zeit (Mitte November 1926) im Beginn eines Aufschwunges lefindet. Nicht nur der Effektenmarkt ist in voller Hauste begriffen, auch die Warenpreise sind deut­sch aufwärts gerichtet: zwar ist die Bewegung frier nicht einheitlich, aber die aufwärtsführende Tendenz ist unverkennbar. Ebenso fügt sich die noch anhaltende, aber in der Hauptsache nicht coeiter zunehmende Flüssigkeit des Geldmarktes, auch nach früheren Erfahrungen, in das Bild des beginnenden Aufschwunges ein. Der Geldmarkt öefindet sich jedoch gleichsam in einem Zustand erhöhter Gefechtsbereitschaft: denn seine Mittel sind über den Kapitalmarkt hinweg zu einer Verstärkung der Kassenhaltung und der liquiden 'Reserven der Erwerbswirtschaften vorgerückt. Be­sonders deutlich wird der Uebertritt in die Phase des Aufschwungs, wenn man die Gütererzeu­gung und die Güt^rbewegung betrachtet. Auf der ganzen Lime ist hier eine Wendung wahrzunehmen. Der Verkehr (Eisenbahn, Post und Handel) hat zugenommen, die Produktion wichtiger Grundstoffe ist gestiegen. Die Ar­beitslosigkeit hat sich beträchtlich ver­mindert, und zwar auch noch in den letzten Wochen, obwohl hier saisonmähig eine Zunahme zu erwarten gewesen wäre. Die Einfuhr ist we­sentlich gewachsen: die Ausfuhr hat unter Schwankungen eine leicht steigende Tendenz. Heber die Dauer des Konjunkturaufschwunges läßt sich nichts Bestimmtes sagen. Soviel freilich scheint sestzustehen, daß er zwar durch äußere Momente (englischer Kohlenstreik usw.) ausgelöst worden ist, daß er aber auch durch innerwirtschaftliche Triebkräfte bedingt ist und daher bei einem Wegfall der äußeren Momente nicht ohne weiteres zum Stehen kom­men dürfte.

Eine bemerkenswerte Stellungnahme findet sich in dem Bericht über die Bewegung an den Effektenmärkten. Während von vielen Seiten aus der starken Aufwärtsbewegung seit Januar gefolgert wurde, daß ein allgemeiner Aufschwung begonnen habe, nahm das Institut an, daß hier nur eine Sondererscheinung vor­liege. Jetzt tritt mit aller Deutlichkeit hervor, daß es sich damals in der Tat nicht um eine konjunkturelle, sondern um eine strukturelle Ent­wicklung, d. h. sozusagen um einen neuen Aufbau des Effektenmarktes gehandelt hat. Dafür spricht außer sonstigen Ueberlegungen die Tatsache, daß die Aufwärtsbewegung der Effektenkurse unauf­haltsam weitergegangen ist. Jetzt aber dürfte die Effektenhausse konjunkturellen Charakter tragen.

Bon den Schlachtviehmärkien.

An len Schlachtviehmärkten der vorigen Woche hat sich die Marktlage für alle Gattungen kaum t erändert: der Grundton bleibt nach wie vor unter mittelmäßig, lebhafte Märkte sind nur recht vereinzelt registriert. Die Auftriebsziffern waren allgemein etwas höher als in der Vor­woche. Die Preisbildung war in den einzelnen Gattungen uneinheitlich. Bei Rindern waren die Schwankungen ganz minimal, bei Kälbern da­gegen recht beträchtlich, und zwar nach beiden Seiten. Bei Schafen wiederum waren die Schwankungen in den Preisen unwesentlich. Bei Schweinen war die Tendenz entschieden zur Schwäche neigend.

Aus len nachstehenden Märkten wurden für 1 Pfund Lebendgewicht in Pfennig notiert:

Rinder

Kälber

Schafe <

Schweine

Berlin

22-60

40-90

30-60

65-77

Bremen

22-55

45-85

3 >50

60-75

Breslau

17-58

45-75

26-53

62-79

Ehemnih

20-62

50-75

38-48

65-81

Dortmund

25-60

48-90

30-45

67-77

Dresden

25-60

55-80

35-60

66-82

Düsseldorf

25-64

52-88

62-80

Elberfeld

25-62

55-88

65-80

Essen

28-60

50-105

30-50

60-78

Frankfurt M.

20-61

54-78

28-42

65-78

Hamburg

16-58

30-93

23-54

60-76

Hannover

18-56

40-85

21-50

60-77

Husum

18-58

36-46

Karlsruhe

2055

60-74

25-40

76-81

Kastel

20-58

43-67

69-83

Kiel

17-49

31-110

24-52

49-74

Köln

30-62

47-105

30-43

62-81

Leipzig

25-59

42-80

28-51

62-80

Magdeburg

20-58

30-70

22-44

60-79

Mannheim

10-60

50-76

30-44

75-81

München

18-61

48-76

56-73

Stettin

18-56

35-85

15-50

67-80

Stuttgart

13-58

50-72

58-81

Zwickau

15-55

60-80

25-48

74-83

Süddeutscher Produktenmarkt.

swd. Das Geschäft der vorigen Woche war, besonders in ihrem Anfang, auf die unsichere Haltung der überseeischen Märkte uneinheitlich und Schwankungen unterworfen. Im Verlaufe und besonders gegen Ende der Woche konnte sich eine festere Tendenz durchsetzen, die jedoch am Markt kaum zu lebhafteren Umsätzen führen konnte. Der Handel scheint gut eingedeckt und ist nur schwer zu Käufen zu bewegen. Gefragt blieb jedoch weiterhin nahe Ware, vor allem in Brotgetreide, da das Angebot nach wie vor nicht drängend ist. Ausländischer Weizen 32 bis 33.25, inländischer Weizen 30 bis 30.25, hessischer Rog­gen 25.25 bis 25.50; für Pfälzer Roggen wurde bis 26 verlangt, jedoch dürsten diese Preise ledig­lich dem Saargebiet und Frankreich konvenieren. Auch das Mehlgeschäst hat toenig Anreiz. Weizenmehl (Spezial 0) 41.50 bis 41.75, Roggen- mehl 35 bis 37 ab süddeutschen Mühlen, Weizen­brotmehl 31.50 bis 31.75. Das Geschäft in Gerste war ruhig bei kleinen Umsätzen. Braugerste 26 bis 29, Futtergerste 21 bis 22. Auch in Hafer waren besondere Umsätze nicht festzustellen und die inländischen Provenienzen stellten sich je nach Qualität auf 19 bis 20 Ml. Ausländischer Hafer war wieder mehr gefragt und die Preise notierten mit 20 bis 24 Mk., Mais unverän­dert 19 bis 20. Auch vorn Markte der Futter­mittel ist eine wesentliche Aenderung gegenüber Der Vorwoche nicht zu berichten. Die Preise konnten sich behaupten. Weizenkleie fein 11 bis 11.50, grob 11.75 bis 12, Weizensuttermehl 14.50 bis 14.75,Weizennachmehl 22.25 bis 22.75, Oel- luchen ebenfalls unverändert. Crdnutzkuchen je nach Termin 20.25 bis 20.75, Rapskuchen 16.25 bis 16.50, Biertreber 16.50 bis 17, Malzkeime 15 bis 15.50.

DSrfmVMe.

(Ohne Gewähr.)

Frankfurt a-M.

Berlin

5d)lu;j» i-Ubr- flur» flut«

Schluß-Äufanci flirrtinre

Datum:

27. 1L j 21 11

27. 11. ; 29- 11.

5°/, Deutsche Reichsanleibe . r Teuksche Reich4cnleihr 37a°/n Teulschc Reichsanleihe 3% Deutsche RcichSan leihe . Deutsche Lvarvrumienanleihe 4'7o Uttcuvische Ztonsols . - 4uo Hessen...........

Hessen

3% Hessen........

Deutsche Gerlb. Dollar-Anl- dio-Doll.-Schatz-Anrreisug- .

4°/o Zolltürken.........

5% Golvmexikaner......

Berliner Handelsgesellschaft - kommen und Privat-Bank. Tarmst. und Nationalbank . Deutsche Bank.........

TiSkonto Commandit .... Dresdner Bank........

Metallbauk...........

Mitteldeutsche Kreditbank. . Destei rcichische Kreditanstalt. ReichSbank..........

Bochumer Guß ....... Buderus............,

Caro..............

Deutsch Luxemburg......

Gelsenkirchener Bergwerke. . Harvener Bergbau......

Kaliwerke Aschersleben. . . . Kaliwerk Westeregeln.....

Laurahütte...........

.".anneSmann.........

Mansleldcr...........

Oberbedarf...........

Pdonir Bergbau.......

Rheinische Braunkohlen . . . Rheinstahl...........

Riebest Montan TeÜus Bergbau........

Bereinigte Stahlwerke ....

Hamburg Amerika Paket. . . Norddeutscher Lloyd.....

Cheramische Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Holzmann......

Anglo Cent Guano.....

Chemische Mayer Alapin- . . «Goldschmidt..........

Holzverkohlung.........

I G Karben-Industrie. . . Rütgcrswerke.........

Scheid, anstatt.........

Allg- Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann...........

Elektr. Lieferungen......

Licht und Kraft........

Mainkrastwcrke........

Schustert............

Siemens & Halske Adlcrwerke Kleyer ...... Daimler Motoren..... .

Heyligenstacdt Meg ui ki.............

Mannheimer Motoren . . . .

frankfurter Armaturen . . Konservenfabrik Braun . . Metallgescll choft Frankfurt. Pct. Union A -G........

Schnhiabrik Herz Sichel..............

Zellstoff Aschaffenburg.... Zellstoss Waldhof Zuckeriabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel . . .

i) 76-5

0.79

0,7605

0.775

0.71

0.7005

0.72

0.71

3,7005

0.71

0.83

0.87

0.80

0.80

0,44

0 46

-

0 66

0,7002

0.705

0.65

0.65

_

0,65

0,65

95

17,25

17.12

17

42.87

43.5

43.5

262

262.5

187

184

187

185

259 5

250.5

259

251

179

177

178.5

177

171.5

170

170.5

169,5

159

1575

159

157,5

176.75

172

177

171

148

146

7.9

7,65

7.9

7.5

159.75

158.5

157,75

172

174

169.2

112

HO

111

108

173

173.5

169

174 75

171.5

174.5

170,5

186

183,75

186 75

183

142

141.5

140 5

155

150,5

153.75

151,7.

81.75

S1

74.5

190,75

185.25

190

185

133

129 9

131.75

129 5

110.75

112

110,75

130.9

129

130.12

128.12

239

232.5

240

234

200.5

193

201

192

177.5

172,5

177

170,5

98,76

-

144.25

144.25

112

170

166

168.5

166.5

164.25

159,75

162

168

90

_

_

125.5

124.5

154

1.55,75

-

-

104.5

-

138.5

135,25

135.5

62

324.25

314.5

324

312,75

135

130.5

135.75

174

173.75

-

161

156,5

160

156

156,5

157

152.5

147

149

152

153,25

150

158

155

158.9

153

196

191,25

196,75

191,5

111

108

110,9

108,5

107

105,25

11)9.75

105,5

38 5

-

-

53

56.25

38,75

-

15,75

55

177,75

172

120

121

62,5

66,25

5

145,5

143

145

.27.25

224.5

227

224

97,5

97

94.5

118.4

121.5

118,62

Devisenmarkt BerlinIrankfrrrt a. M.

Telegraphische Auszahlung.

27. Novbr.

29. Novbr.

Amtliche Geld

Hoti rung Briet

Sinnliche Notierung

Geld ! Brief

Anist.-Ron

168.04

168,46

168.09

168,51

Buen.-AireS

1.708

1.712

1,711

1,715

Brss.-Antw

58.465

58.605

58,46

58,60

Christiania.

107.07

107.33

106.35

106.61

51 open bei (je ii

111,96

112.24

111,96

112,24

Stockholm .

112,11

<12,39

112,19

112.47

Helstngforö.

10.575

10.615

10.572

10,612

Italien. . .

17,82

17.86

17.91

17.98

London. . .

20.383

20.435

20.389

«1,441

Ncuyork . .

4.2035

4,2135

4,2035

15.39

4,2135

15,43

Ports....

15.175

15,215

Schwei; . .

51,075

81,275

81.125

81.325

Spanten.

63.67

63,83

63,62

63.78

Japan . . .

2.063

2,067

2,063

2,067

Rio de Jan

Wien in D--

0.519

J. 521

J.520

0.522

Ceft. abgcfi

59.32

59.46

59,32

59,46

Prag ....

12.44 7

12,487

7,432

12,447

12,487

Bel jrad .

7.412

7,415

7,435

Budapest. .

5.891

3,911

0,891

3,911

Bu arten

5.035

3.045

21.575

3.032

3,043

Lissabon . .

41.525

21.595

21,645

Danzig. . .

81,58

81.78

»1,60

81.80

Konst .ntin

2.112

2,122

2,107

2,117

Athen. . .

5.25

5.27

5,25

5,27

Canada .

4.21

4-22

4.21

1.22

Uru uay- -

4.175

4.185

1.175

4.185

Cairo . .

20,911

20.963

20,914

20,966

Banknoten.

Berlin, 27 Novbr

Geld

Briet

4,195

4.215

Belgische Noten...... .

58.34

58.64

Tcinssche Noten........

111.67

112,23

Englische Noten........

20,357

20,45 7

Französische Noten......

15.155

15.235

Holländische Noten......

167.73

168,57

ssienische Noten ......

17.75

17,83

Norwegische Noten......

106.83

107,37

Deutsch Tcstcrr, ä 1Ö0 Kronen

59.21

59.51

Rumänische Noten......

2 26

2.30

111,92

112.48

Schweizer Noten.......

80.85

81.25

Spanische Noten.......

63.39

63.71

Tschechoslowakische Noten . .

12,42

12,48

Ungarische Noten.......

6.86

5.90

Fast 3 Milliarden Rm. Inlands- Emissionen in den ersten 9 Monaten 1 9 26. Die in den ersten 9 Monaten 1926 auf dem inländischen deutschen Kapitalmarlt auf­genommenen neuen Kapitalien werden im neuen Vierteljahreshest des Institut für Konjunktur­forschung mit fast 3 Milliarden Rm. errechnet. Von den Emissionen entfallen 872 Mill. Am. auf Anleihen und öffentliche Körperschaften, 1147 Mill. Rm. auf Schuldverschreibungen der Grund- lreditanstalten (Pfandbriefe), 153 Mill. Rm. auf sonstige Schuldverschreibungen. 605 Mill. Rm. auf Aktien, wozu noch 31 Mill. Rm. auslän­discher, im Jnlandsmarkt begebener Werte treten. Eine Zusammenfassung aller Kapitalaufnahmen im deutschen Jnlandsmarkt seit April 1924 ergibt einen Gesamtbetrag von 6411 Mill. Rm. Einer vierteljährlichen Durchschnittsziffcr von 641 Mill. Rm. in dieser Zeit steht die Durchschnittsziffer der Jahre 1907 bis 1913 mit 924 Mill. Rm. gegenüber.

Mannesmannröhren-Werke in Düsseldorf. Wie bereits gemeldet, wird die Gesellschaft erstmals seit der Stabilisierung für das am 30. Juni 1926 beendete Geschäftsjahr wieder eine Dividende auf die Stammaktien ver­teilen, und zwar in Höhe von 5 Prozent. In der Gewinn- und Verlustrechnung wird der Roh­gewinn mit 27 058 348 RM., also niedriger als im Vorjahre (28 695 607 RM.) angegeben. Ge­genüber steht ein gegenüber dem Vorjahre wesent­lich erhöhter Reingewinn im Betrage von 8 804 987 (2 737 156) RM., aus dem neben der 5proz. Divid ende auf die Stammaktien die übliche Dividende von 6 Prozent auf die Vorzugsaktien ausgeschüttet werden soll.

Frankfurter Börse.

(Eigener Drahtberichk desGießener Anzeigers".) Frankfurt a. M.. 29. Nov. Tendenz: Schwach. D e Börse eröffnete die neue Woche in unsicherer und abwartender Hal­tung. Bereits vorbörslich war einiges An­gebot herausgekommen, das später einen größe­ren Umfang annahm und eine erneute Senkung des Kursniveaus veranlaßte. Das Geschäft hielt sich in den engsten Grenzen und nahm nur auf einigen wenigen Gebieten einen etwas leb­hafteren Charakter an. Scharf gedrückt waren I. G. Farben, die mit einem Kursverlust von 10 Prozent eröffneten. Am Montanmarkr zeigte sich das Bestreben, die am Ende der Vor­woche eingegangenen Engagements wieder zu re­alisieren. Die Kursverluste betrugen bei: Rhein­stahl 7.5 Prvz., Rhein. Braunkohle 6,5 Proz., R eoeck-Montan 5 Proz., Mannesmann und Kali- Aschersleben je 4,5 Proz.. Gelsenkirchen 3,2 Proz., Mansfelder 3 Proz., Harpencr 2,25 Prcz., Phö­nix 1,8 Proz., Buderus 2 Proz. Einen recht un­günstigen Eindruck hinterließ die Meldung von den u n w i r t s ch a f t li ch e n Verhältnissen bei der Firma Krupp. wodurch sich die Abgobeneigung der Spekulation noch verschärfte. Sehr schwach lagen auch die Werte des Metall- bankkonzems, die etwa 5 Prozent einbühten. Schiffahrtsaktien gingen um 4 bis 5 Pro­zent zurück. Der Elettromarkt hatte be­trächtliche Abschwächungen aufzuweisen. AEG. minus 4,5 Prozent. Schuckert minus 3 Prozent, Siemens minus 4.25 Prozent. Am Bank­aktienmarkt erlitten . Darmstädter eine sehr starke Einbuße von 9 Prozent, während die anderen Werte dieser Gruppe sich nur um 1 bis 2 Prozent abschwächten. M o t o r e n a k t i e n setzten 3 bis 4 Prozent niedriger ein. Hansa Lloyd blieben gehalten. Bau- und Zell­st o f s a k t i e n verloren 1 bis 2 Prozent bzw. bis zu 3 Prozent. Maschinenaktien gaben etwa 1 Prozent nach. Auch O e tatt i e n tendierten beträchtlich niedriger. Eine Ausnahme bildeten nur Zuckeraktien, die in der Befestigung fortschreiten konnten. Frankenthal plus 1,5 Pro- zent, Heilbronn plus 3 Prozent, Offstein plus 2 Prozent. Deutsche Renten lagen freund­lich auf die Meldung, daß die Reichs- finanzverwaltuna sich mit dem Gedanken trage, die Ablös un^anleihe durch eine

4,5prozentige Anleihe umzutauschen, wo­

durch die Besitzer nicht bis zur Verlosung zu warten brauchen. Daraufhin wurden nament­lich Ablösungsanleihen stärker gefragt und höher (350). Auch Kriegsanleihe und die anderen hei­mischen Vorkriegsanleihen der Länder konnten von dieser Aufwärtsbewegung profitieren. Don ausländischen Renten tagen Ungarn fest, die andern Werte dieser Gruppe waren wenig verändert. 3m weiteren Verlaufe machte die Ab­schwächung an den Aktienmärkten weitere Fort­schritte. I. G. - Farben gingen bis auf 310 Proz. zurück, auch Kriegsanleihe gaben etwas nach. Das Geschäft blieb lustlos. Der Geldmarkt ist wieder flüssiger geworden. Tagesgeld 5 bis 6 Prozent, Monatsgeld 5,5 bis 7 Prozent, Waren­wechsel 4,87 Prozent, Privatdiskonten 4,5 Proz. 2m Devisenverkehr ging Paris auf 133 Prozent, Mailand auf 113,5 mäßig zurück. Lon­don stellte sich gegen Kabel auf 4,85, die Reichs­mark auf 4,21.

Berliner Börse.

(Eigener Drahtbericht desGießener Anzeigers".)

Berlin, 29. Nov. Die Tendenz des Effek­tenmarktes stellte für die Spekulation eine Enttäuschung bar. In J.-G.-Farben trat in­folge der Patentklage gegen die Zeche Mont Cenis starkes Angebot hervor, da die Bedeutung der neuen Konkurrenz doch erheblich größer ist, als man zugeben möchte. Ein weiteres B a i f j e m o t i v lag in der endgültigen Verständigung im englischen Kohlenstreit. Der M o n t a n in a r 11 eröffnete da­her in ausgesprochen flauer Haltung. Kohlenaktien erlitten Verluste von 5 bis 8 Prozent, Eisenwerte von 3 bis 5 Prozent. Die matte Tendenz der Far­ben- und Montanaktien gab der Gesamtbörse ein recht schwaches Gepräge, so daß andere Spezialwerte, wie Schiffahrtsaktien, Spritwerte, Oelaktien usw. Kurseinbußen von 3L bis 5 Prozent zu verzeichnen hatten, wäh­rend sich die Kursrückgänge bei den übrigen Werten auf etwa 3 Prozent beschränkten.- Nur verschiedene Nebenwerte, wie Hirsch-Kupfer, Hugo Schneider, Baltimore u. a. hatten etwas freundlicheres Aus­sehen, was aber für die allgemeine Tendenz ohne Einfluß blieb. Auch heimische Staatsren- t e n tagen günstig und konnten sich befestigen. Am Geldmarkt trat stärkere Nachfrage nach kurz­fristigen Mitteln hervor. Der Satz für Tagesgeld zog auf 5,5 bis 7 Prozent, Geld für einige Tage über den Ultimo 6 bis 7,5 Prozent, Monatsgeld unverändert 6 bis 7 Prozent. Trotz der Versteifung der Sätze war eine Verknappung nicht zu verzeich­nen. Im Devifenverkehr lag Paris gegen London freundlich mit 132,50, Mailand mit 113,50. Oslo etwas schwächer mit 19,15 gegen das Pfund. Die übrigen Valuten zeigten keine nennenswerten Veränderungen.

Frankfurter Getreidebörse.

(Eigener Drahtbericht des ..Gießener Anzeigers"^ Frankfurt a. M., 29. Nov. Es wurden no­tiert: Weizen, Wetterauer, 29,50 bis 29,75 Mark: Roggen, inländischer, 24,50 bis 24,75; Sommergerste für Brauzwecke 24 bis 26,50; Hafer, inländischer, 19,50 bis 19,75; Mais, gelb, 19,25 bis 19,50; Wei­zenmehl, inländisches, Spezial 0, 41,25 bis 41,75; Roggenmehl 35 dis 35,75; Weizenkleie 11,50; Rog­genkleie 12; Erbsen 40 bis 70; Linsen 50 bis 90; Heu, süddeutsches, gut, trocken, 8,75 bis 10; Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreßt, 4,50 bis 5, gebün­delt 4 bis 4,25; Treber, getrocknet, 17,25 Mark. Tendenz: ruhig.

Frankfurter Schlachtviehmarkt.

(Eigener Drahtbericht desGießener Anzeigers" )

Frankfurt a. M., 29. Nov. Auftrieb: 1276 Rinder, darunter 309 Ochsen, 41 Bullen, 552 Kühe. 323 Färsen; 366 Kälber; 305 Schafe und 4366 Schweine. Es notierten: Rinder: Ochsen: voll- fleischige, ausgemäftete höchsten Schlachtwerts: jün­gere 58 bis 62 Mk., ältere 55 bis 59; sonstige voll- fleischige 48 bis 54; fleischige 44 bis 47. Bullen: jüngere, uollflcifdjige höchsten Schlachtwerts 50 bis 55; sonstige vollfleischige oder ausgemästete 44 bis 49. Kühe: jüngere, vollfleischige höchsten Schlacht­werts 50 bis 54; sonstige vollfleischige oder aus­gemästete 43 bis 49; fleischige 32 bis 49; gering genährte 20 bis 31. Färsen (Kalbinnen und Jung­rinder): vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlacht- werts 56 bis 57; vollfleischige 50 bis 55; fleischige 34 bis 49. Kälber: beste Mast- und Saugkälber 73 bis 77; mittlere Mast- und Saugkälber 62 bis 72; geringe Kälber 54 bis 61. Schasc. Mastlämmer und jüngere Masthämmel (Weidemast) 38 dis 43;

mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und güt genährte Schafe 32 bis 37. Schweine: Fett­schweine über 300 Pfund Lebendgewicht 75 bis 77; vollfleischige von etwa 240 bis 300 Pfund Lebend­gewicht 75 bis 78; von etwa 200 bis 240 Pfund 76 bis 78; von etwa 160 bis 200 Pfund 75 bis 77; fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund 72 bis 75; Sauen 65 bis 70 Mark. Markiverlauf: Rin­der bei regem, Kälber und Schafe bei langsamem Handel ausverkauft. In Schweinen ruhiges Ge­schäft und Ueberftanb. In der Woche vor und nach Weihnachten werden die auf Donnerstag, 23., und Donnerstag, 30. Dezember, fallenden Märkte auf Mittwoch, 22. Dezember, und Mittwoch, 29. Dezem­ber, verlegt. Die Mvntagsmärkte werden unver­ändert abgehalten.

Büchertisch.

- Vom alten G e rmanien zum neuen Reich. Zwei Jahrtausends deutscher Geschichte. Von Richard du Moulin Eckart. In Ganzleinen gebunden 30 RM. Union Deutsche Verlagsgesellschast, Stuttgart. Die Kenntnis der Geschichte des eigenen Volkes ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Aber es ist nicht jeder­manns Sache, trockene Geschichte zu studieren man will die Vergangenheit erzählt haben. Packend geschieht das in dem neuen Werke des Münchener Historikers du Moulin Eckart:Vom alten Germanien zum neuen Reich", auf dessen erste Lieferungen wir bereits hingewiesen haben. In großen Zügen schildert er fesselnd zwei Jahr­tausende deutscher Vergangenheit, er läßt uns hineinschauen in die Welt unserer Vorfahren, in Wesen, Eigenart und Schicksale unseres Stammes von den ältesten Zeiten bis zur- 4&>genroart Der Autor steht in der Vergangenheit auf so festem Boden, fühlt so stark aus der Zeit heraus in die Gegenwart hinein, daß er Geschehnisse des Mittelalters, ja der frühesten germanischen Epochen, mit einer leidenschaftlichen blut vollen Unmittelbarkeit zu schildern weiß, die uns Zeit und Zeitschicksale lebendig und wirklich erscheinen lassen. Das Werk ist keine bloße Chronik der Zeiten es bringt nicht die Stufen deutscher Zeit- geschicyte, sondern belebt den schicksalvollen Weg mit weiten Ausblicken auf die dichterische, künsb- lerische und wirtschaftliche Entfaltung des deut­schen Volkes. Und weil nichts geeigneter ist als das Bild, die Freude am geschriebenen Wort zu erhöhen und geschichtliche Vorgänge auch dem Auge lebendig werden zu lassen, wurde den Ab­bildungen ein großer Raum zugeteilt. Das groß- angelegte Weick ist ein gut deutsches Buch und ein Weihnachtsgeschenk für alle, die deutsch fühlen unb denken. 735

D i e merkwürdig st en Begeben­heiten und Abenteuer aus dem sehr bewegten Leben des Heinrich Fried­rich Wilhelm Achaz v. Bismarck. Don ihm selbst erzählt. Mit einem Nachwort von Dr. Mario Krammer. (Dolksverband der Bücher­freunde, Wegweiser-Verlag G. m. b. H. Perlin. Die Aufzeichnungen des schon etwa 30 Jahre vor dem großen Kanzler Otto von Bismarck auf die Welt gekommenen Heinrich Achaz von Bis­marck sind in ihrer ungeschminkten Frische und Natürlichkeit ein wichtiges Kulturdokument der Zeit der Befreiungskriege. War der Verfasser auch eine leichtsinnige Natur, so hat er doch die Welt mit klaren Augen angesehen und lebendig zu schildern verstanden. Der Band, in dauer­haftem Halbleder gebunden, kostet für die Mit­glieder des Dolksverbandes der Bücherfreunde 2,60 Mark. Der D. d. B. erhebt keinen Mitglieds­beitrag, und stellt seinen Mitgliedern völlig freie Buchwahl aus seinem reichen Erscheinungs- bestände von bereits weit über 250 Werken an­heim. Uebet die literarische Vielseitigkeit des Verbandes unterrichtet das neueste Heft der Vierteljahresblätter". 716

Alfons Paquet: Kamerad Fle­ming (Verlag Deutsche Buchgemeinschaft, Ber­lin.) Im Juli 1909 brach als Folge der spanischen! Niederlagen in Marokko, in Katalanien, dem ständigen Herd revolutionärer Umtriebe, der Auf­stand los gegen die konservativ-klerikale Regie­rung Maura. Der Aufstand wurde nach blutigen Kämpfen ni eher gerungen und der von der Re­gierung als Anstifter angesehene Direktor der modernen Schulen, F e r r c r, in Darzelona zum Tode verurteilt und am 14. Oktober erschossen. Ein Sturm der Empörung wühlte die demo­kratisch-sozialistischen Kreise aller Länder auf. Auch in Deutschland fanden Protestkundgebungen statt, von deren Ausmaß man sich heute noch keine Vorstellung zu geben vermag. Besonders krasse Form nahm diese Protestversammlung in Paris an; es kam zu förmlichen Strahen- tampsen zwischen den unter Jaurös Führung stehenden Sozialisten und der Polizei. Die eigent­lichen Drahtzieher waren die Anarchisten, die mit dem RusHoch Ferrer" die Massen auf die Straße trieben. Ein zweiter Kommuneaufstand schien vor der Tür zu stehen. In diese schwulen Tage versetzt uns Paquets Roman. Ein junger deutscher Student gerät schier zufällig den anar­chistischen Führern ins Garn, wird als Führer der deutschen Kampfgruppe benutzt, wendet sich aber bald voll Grausen ab; zu spat, er ist als Spitzel verdächtigt und fällt der Kugel eines dieser Fanatiker zum Opfer. Außerordentlich packend schildert Paquet diese Pariser Zeit, das Ringen des jungen Fleming um Klarheit, seinen inneren Sieg und die Vollendung seines Geschicks. Hans Martin Elster fügt dem Roman ein inter­essantes Lebensbild des unseren Lesern ja aus vielen Aufsätzest bekannten Dichters an. 436

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