Nr. 2Z9 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Montag, 29. November 1926
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Zeilungsfchau.
Sie Veröffentlichung der Denkschrift des Hochmeisters des Iungdeutfchen Ordens, Archer Mahraun, die zu der unerquicklichen Debatte im Reichstag und Angriffen der Linkspresse gegen ben Reichswehrminister führte, findet in den Blättern der Rechten aller Schattierungen eine wenig günstige Beurteilung. Do schrerbt die deutschnationale „Deutsche Tageszeitung": „Bei der Debatte konnte der Reichs- Wehrminister natürlich leicht nachweisen, daß es sich hierbei entweder um Lügen und planmäßige Entstellungen oder aber um Dinge handelt, dre 'eit langem völlig erledigt sind. Wir haben aber ein Wort von ihm an die Entente vermißt, daS feststellte, wer die eigentliche Schuld für etwaige verzweifelte deutsche Rotwehrverbände tragt. Das wäre zweifellos passender und charaktervoller gewesen als die Preisgabe deS verdienstvollen Eenerals von Watter an die heulende Meute der Linien. Jedes andere Parlament der Welt hätte sich im übrigen grundsätzlich zu dem Rotwehr- recht des eigenen Volkes bekannt, auch wenn es sinnlose Dotwehrpläne selbst verworfen hätte. Riemand im Deutschen Reichstag schien mehr zu wissen, daß Frankreich damals in deutsches Gebiet einaebrochen war, als General von Watter, der Befreier des Ruhrgebiets, sich .t Plänen für einen Angriff auf die französischen Besahungstruppen getragen haben soll. Aber auch diese „Enthüllungen'" find der deutschen Linkspresse eben recht, um sie in sensationellster Ausmachung und ohne Zucücksührung auf ihren wirklichen Kern dem Publikum be- lanntzugebcn. Was schert es sie, daß all diese Dinge w. Helios dem deutschen Außenminister in der enlstellenden Fassung der deutschen Linken entveaeugehalten werden, wenn eS sich um die Entscheidung über die Kontrolle Deutschlands handelt! Leider hat auch die Tätigkeit des Hochmeisters des Iungdeutschen Ordens. Wahraun, der Linken und der Entente in breiten Strömen Wasser auf ihre Mühlen geleitet. Wie völlig unkrittsch und unpolitisch Mahraun ist, das geht ja schon daraus hervor, daß er die ebenso phantastische wie törichte Idee A. Rechbevgs, einen gemeinsamen deutsch-französischen Generalstab zu bilden, ernst nimmt und sie für die eigentliche Lösung des deutsch-französischen Problems halt. Es ist uns unverständlich, wie es möglich ist. daß Mahraun auch heute noch, nachdem er längst erkannt haben muh, welchen unermeßlichen Schaden er nicht nur der nationalen Bewegung, sondern auch dem Vaterland selbst ununterbrochen Kufügt, sein Treiben fortsetzt. Hjer fehlt es an irder Selbstkritik, jeder Llebersicht und letzten Endes doch auch an reifem nationalen Verantwortungsgefühl. Es muß nochmals betont werden, welches unerhörte Versagen dieses Reichstags darin liegt, daß der Reichswehrminister in diesen Tagen (unb ausgerechnet bei Gelegenheit der außenpolitischen Debatte) sich vor Angriffen von links kaum retten kann, uni) daß all diesen Angriffen eine Fülle von angeblichem Deweismaterial zugrunde gelegt wird, das geradezu eine Fundgrube für jene Organe Frankreichs ist, die täglich nach Vorwänden zur Verlängerung der Militärkontrolle suchen. Seit langem haben wir keine so traurigen Szenen im Deutschen Reichstag mehr erlebt. Ist das die demokratische Erziehung zur Selbständigkeit und zur Selbstverantwortung? Cs ist kein Wunder, daß die Entwicklung in Den verschiedensten Staaten Europas über den Parlamentarismus hin- weggeschrttten ist.
Di« „Deutsche All gern. Ztg.". das Blcrtt der Reichsregierung, schreibt: „Der Reichs- wehrmintster steht unantastbar da. Er faxt vor der Denkschrift Mahrauns bereits seine Maßnahmen getroffen, jede Einmischung nichtmilitärischer Stellen und Organisationen in die Reichswehr auf das schärfste zu bekämpfen. Er lehnt es fernerhin ab, sich in die private Angelegenheit zwischen den Verbänden irgendwie hinernziehen zu lassen, und er vermeidet es endlich. denOrdens- hochmeister etwa zu einer Aussagenverweigernng zu veranlassen, was ihm ja von mancher Seite sofort als Zeichen des bösen Gewissens ausgelegt Worten wäre. (Inzwischen hat der Minister seine Stellungnahme noch einmal in den letzten Reichs- tagssiyungen energisch präzisiert.) Trotz dieses
AktivumS ist die Tatfach.' >er Derössentlichungen zu bedauern und aufs schärfste zu mißbilligen. Der Wunsch, sich einem kleinen Kreise gegenüber zu rechtfertigen, dürfte niemals ein Grund fein. Dinge in die Oefsentlichkeit zu tragen, die, heute bereits völlig belanglos, dennoch im Inland wie im Ausland propagandistisch zum Schaden Deutschlands ausgeschlach'.ct werden körne-'. Hat Herr Mahraun nicht bedacht, daß er dr. uhe i noch genug Stimmen gibt, die jede Gelegenhc... auch die unmöglichste, beim Schopfe fassen, den Der- l.ändigungSwilleu Deutschlands in Abrede zu stellen und die sich anbahnrnde Konsolidierung im Verhältnis Deutschlands zum Ausland zu verschütten? Hat er nicht daran g-dacht, daß er im Innern sich mit seiner Veröffentlichung Pser'.do- perbündete lchafft. Denen jedes Mittel recht ist, Reichswehr und Reichswehrminister zu v rdächti- gen und sie in ihrer überparteiischen Aufbauarbeit zu stören? Herr Mahraun hat mit seinem Schritt in die Oesientlichkeit der deutsche-. Sache zweifellos einen schlechten Dienst erwiesen. Alm die Ehrlichkeit seiner Gesinnung, die ihm gar nicht abgesprochen werden kann, zu beweisen, brauchte er nicht Spukgestalten einer Vergangenheit zu beschwören, die schon zu ihrer Zeit nur wenig Gläubige fanden und jedenfalls zur Gegenwart keinerlei Beziehungen mehr haben."
Die volksparteiiiche Tägliche Rund- I'chan" schreibt: „Wenn die Ordensleitung sich so angestrengt bemüht, alle Rebensüchlichkriten rich- ttgzustellen, in denen sich der Reichswehrminister nach ihrer Ansicht geirrt oder unkorrekt aus- gedrückt hat, so erreicht sie damit nur zweierlei: erstens entsteht dadurch der Eindruck, daß sie sich an dem Kesseltreiben gegen den verdientcn Minister beteiligen will und jede Kleinigkeit benutzt, ihm eine Grube zu graben, und zweitens wird dadurch der Anschein erweckt, als steckte hinter den unliebsamen Vorkommnissen, die ein irregeleiteter Patriotismus verschuldet hat. etwas weit Ernsteres und Bedeutungsvolleres, als der Wirklichkeit entspricht. Wir glauben Herrn Mahraun gern, daß er das Beste gewollt hat, als er das Reichswehrministcrium auf gewisse Dinge aufmerksam machte und seine Angaben schließlich auf Wunsch des Ministeriums in einer Denkschrift zusammen iahte. Wir haben ebenso Verständnis dafür, daß er sich nach dem ungewollten Dekannt- werden dieser Tatsachen — womit er übrigens hätte rechnen müssen, denn das kommt heutzutage immer vor — gegen den Vorwurf der Angeberei verteidige will. Als Politiker muß er aber wissen, wenn eS Zeit ist, Schluß zu machen, wo ungewollte Wirkungen eintreten, die dem Ganzen schaden. Leider ist es ja der typische Verlauf solcher Auseinandersetzungen im deutschen Vaterlande, daß jeder durchaus in jeder Kleinigkeit recht behalten will und darüber den Augenblick verpaßt, wo ihm die Dinge ans der Hand gleiten und das Vaterland die Zeche für den ganzen Handel bezahlt"
Die gleichfalls dec Deutschen Dolkspartei nahestehende „Kölnische Zeitung" schreibt:
„Die Taktik, die der Zungdeutsche Orden mit seinen Veröffentlichungen übt, zeigt, ein wie großes Maß politischer Unbesonnenheit selbst in Kreisen herrscht, denen eine wahre Vaterlandsliebe nicht abzustreiten ist, die aber au8 Rechthaberei die Interessen ihres Landes in einem Augenblick schädigen, wo die allergrößten Lebensinteressen des Volkes auf dem Spiel stehen. Es wird sich daher leider nicht vermeiden lassen, daß von amtlicher Stelle erneut zu den Veröffentlichungen des Iungvoutschen Ordens Stellung genommen wird."
In dec iinksdemokcatischen „V 0 s s i s ch e n Zeitung" wird daS Gespräch eines Mitarbeiters des Blattes mit Mahraun selbst veröffentlicht, in welchem dieser sich scharf gegen die sogenannten „nationalen" Verbände ausspricht, die nicht national, sondern reaktionär seien. Auf die Frage: Wie steht der Zungdeütsche Orden zur Republik? antwortete Mahraun: Wir erstreben die Errichtung des Volksstaates in der Fortsetzung dec Steinschen Lehren. Wir fordern die Verwirklichung solcher demokratischen Grundsätze, welche dem Empfinden des deutschen Volkes mehr entsprechen, als die heutigen. Wir fühlen uns als Kämpfer für die Reform unb Fortentwicklung des
heutigen Staates In außenpolitischer Beziehung mache Mahraun nicht jene nationale Bewegung mU. die für die Pflege des Rachegeistes um jeden Preis eir.trete.
Turnen. Sport und Spiel.
Fuhball und Schule.
Wem die Jugend gehört, brr hat die Zukunft. Deshalb müßen alle diejenigen, die für die Förde rung des Sports und die Vertiefung der (portlitben Idee wirken, ihr Hauptaugenmerk darauf richten, daß sie die Schule für den Sport gewinnen. Cs wäre ein großer Irrtum, wollte man glauben, daß dies bereits überall geschehen sei. Das Gegenieu davon ist der Full. £cr Grund dafür ist wohl in erster Linie darin zu suchen, daß das Wese» des Sports, soweit er als Erziehungsmittel für die Schuljugend dienen soll, non der Lehrerschaft in ihrem überwiegenden Teil noch nicht recht otrfton- den, meist direkt verkannt wird. Es ist desyalb Sache der Sportoerbände, dafür zu sorgen, daß in den Kreisen der Lehrer und Schulleiter eine andere, rich' tige Auffassung über die Grundzuge und Ziele der einzelnen Sportarten Platz greif:.
In recht iiltcressanteu Ausführungen äußert sich Oberstudiendirektor Dr. W. Erbach- Krefeld in einem Aufsatz am Jahresbericht 1925 26 des Deutschen FußvaU-Bundes über das Thema „Schule- Fußballspiel-D. F. B". Er stellt zunächst fest, daß Direktoren, Lehrer lind Eltern in ihrer großen Mehrheit die Hauptaufgabe des Deutschen Fußball- Bundes irrtümlich in der Festsetzung und Veranstaltung non Meifterschafts- und Länderkämpfen sehen, unb der Meinung sind, darüber werde das Geistige der Erziehung durch Leibesübungen vergessen. Dazu komme vielfach die Anschauung, daß das Fußballspiel „ausländisch" und ,,roh" fei. Bis jetzt müsse sich naturnotwendig die Meinung bilden, daß Fußball wie Boxen und Radfahren Berufssport sei, ein Schaustück für die Masse, aber kein Er- ziehungsfakwr, eine Geldeinnahmeguclle, ein Geschäft. Wolle man dieses Urteil über den Wert des Fußballspiels ändern und wahrhaft gestalten, so müsse der Deutsche FußbaUbund seine Werbearbeit danach cinrichten Insbesondere müsse der DFB. ein Arbeitsgebiet verbreitern, sich zu einem „Bund ür Leibesübungen" erweitern und das in allen einen Maßnahmen und Veröffentlichungen betonen. Das Geistige sei bewußt neben und über das Kor- liche, das Nationale über das Internationale zu stellen. Die Jugend werde bann schon kommen, benn sie liebe den Fußball. Gewiß gehöre zu dieser Arbeit Geduld, aber auch der aufgabenfreie Spielnachmittag habe erst mühsam erkämpft werden müssen.
Es ist für den obfeftfven Lehrer und Schulleiter keine Frage, daß für viele Schuler der höheren vchulen — und für diese allein kommt ja die Einfügung des Fußballspiels in den Unterrichtsplan der körperlichen Erziehung in Frage — der Sport alle anderen Interessen überwuchert. Es droht die Gefahr, daß die Schüler der Spottpsychose erliegen. Das weiß die Schulverwaltung und glaubt deshalb den turnerischen und sportlichen Wünschen Der Schüler nach freier Betätigung In den Leibesübungen außerhalb der Turnstunden am besten in besonderen Schüler-Turn- und -Sportvereinen Rechnung zu tragen. Sind nun Schülervereine wirklich die glücklichste Lösung? Dr. Erbach sagt auf Grund seiner Erfahrungen „nein", er hält Die Betätigung der Schüler in Vereinen außerhalb der Schule für besser, allerdings nur, wenn gewisse Doraussetzungen erfüllt sind. Zu diesen Vorbedingungen gehört, daß die Vereine gut geleitet sein müssen, was leider nicht immer der Fall ist. Es tft verantwortungslos, wenn ein Verein hinter dem Rücken der Schule Jugendliche von ihrer eigentlichen Aufgabe abzieht, um sie zur Erringung von Punkten zu gebrauchen, verantwortungslos, wenn beobachtet werden muh, dah in Vereinen tätige Schüler ihre einfachsten Pflichten gegen die Schule auf gröblichste verletzen. Leibesübungen, insbesondere der Spott, können nur bann an der Erziehung der Jugend wirklichen Anteil hoben, wenn alles chößlichc daraus verschwindet. Schule und Elternhaus bestehen mit Reckt darauf, daß ein Schuler nicht durch allzu große Beanspruchung seitens der Vereine in seinem Fortkommen behindert wird, daß ihre Zöglinge so erzogen werden, wie es die Verantwortung für deren Zukunft erfordert, daß die Gesundheit durch die Ausübung von Leibesübungen nicht Schaden leidet. Man wähle also den Besten des Vereins zum Iu-
OerFrofch mit derMaske
Roman von Edgar Wallace.
2. Fortsetzung. Nachdruck verboten
Gordon blickte nach dem Manne und durch ihn hindurch. „Ich glaube, Sie hätten auf das Auto vorbereitet sein müssen", sagte er. „Wenn Sie Genters Botschaft für wohlbegttinbet hielten und er den Fröschen auf der Spur war, wie Sie sagten, so hätten Sie das Auto erwarten müssen. Nehmen Sie Platz, Wellingdale."
Der grauhaarige Mann gehorchte. ,Zch versuche nicht, mich zu entschuldigen", sagte er. „Die Frosche haben mich überrumpelt. Früher habe ich sie als einen Spaß betrachtet."
„Es mag fein, daß wir klüger wären, wenn wir sie auch jetzt noch als einen Spaß betrachteten", meinte Dick und biß das Ende seiner Zigarre ab. „Sie mögen nichts sein, als ein verrückter geheimer Verein. Schließlich dürfen sogar Stromer ihre Vereinslokale haben, ihre Losungsworte, Griffe und Zeichen."
Wellingdale schüttelte den Stopf. „Sie kommen über den Rekord der letzten sieben Jahre nicht hinweg", sagte er. „Es ist nicht nur die Tatsache, daß Kber zweite Strahenrouber, den wir einfingen, Öen Frosch auf dqs Handgelenk tätowiert hatte, das mag bloße Nachahmung fein und auf jeden Fall haben alle Gauner von niedriger Mentalität Täto- toierungszeichen. Aber in diesen sieben Jahren hatten wir eine Serie der unangenehmsten Verbrechen. Zuerst Den Angriff auf den Charge d’affaires von der Gesandtschaft der Vereinigten Staaten, den sie im Hyde-Park niederfchlugen. Dann den Fall des Präsidenten der Northern Trading Co., der mit einer Keule getötet wurde, als er aus feinem Auto in Park-Lane ausstieg. Dann das große Feuer, das Rohaummi im Werte von vier Millionen Pfund in Rauch aufgehen machte. Es war sicherlich das Werk von etwa einem Dutzend Bomben, denn die Lagerhäuser bestanden aus sechs großen Wagenschuppen und jeder einzelne wurde gleichzeitig an beiden Enden angezündek. Wir fingen zwei Leute aus der Gummiasfäre. Beide waren Frösche, beide trugen das Totem ihres Stammes. Sie waren Ex- Sträflinge und einer von ihnen gab zu, daß er
Instruktionen gehabt hätte, um diese Arbeit auszuführen, aber er nahm seine Worte am nächsten Tage sogleich wieder zurück. Ich habe nie einen geängstig- teren Mann gesehen als ihn. Ich konnte Ihnen noch Dutzende von .Fällen anführen. Sie wißen, daß Genier jetzt seit zwei Jahren auf ihrer Spur ist. Aber was er in diesen zwei Jahren hat erdulden müßen, das wissen auch Sie nicht. Er Hai im Lande herumvagabundiett, hat hinter Hecken geschlafen, hat sich mit jeder Art von Landstreichern befreundet unb hat mit ihnen gestohlen und geraubt. Als er mir schrieb, daß er mit der Organisation in Verbindung getreten fei und eingeweiht zu werden hoffe, dachte ich, er wäre jetzt nahe daran, sie zu haben. Ich hebe Genter bewachen laßen, seit er in die Stabt zurückgekommen ist. Aber der heutige Morgen hat mich ganz krank gemacht."
Dick Gordon öffnete eine Schublade feines Pultes, entnahm ihr eine Ledermappe und wendete die Blatte'' um, die sie enthielt. Er studierte sie so sorgfältig, als sähe ec sie zum ersten Male. In Wahrheit hatte er diese Gefangenenprotokolle durch Jahre hindurch fast Tag um Tag geprüft Es waren Hand- Sclenksphotoaraphien vieler Männer. Er schloß nach- enklich die Ledecmappe und legte sie in die Schublade zurück. Ein paar Minuten lang saß er still unb trommelte mit ben Fingern auf den Rand fernes Schreibtisches. Ein Schalten zog über feine Stirne. „Der Frosch ist immer auf das linke Handgelenk tätowiert, immer ein wenig schief unb immer ist ein kleiner Punkt barunter gesetzt", sagte er. „Scheint Ihnen bas irgenbwle bemerkenswett?" Aber ber Dberinlenbant fanb keineswegs etwas Merkwürdiges darin.
in.
Der Frosch.
Es dunkelte bereits, als zwei Landstreicher, die bas Dorf Morby umgangen hatten, wieder auf bie Poststraße kamen. Die Umgehung bes Ottes war für sie ein mühevolles unb anstrengenbes Unternehmen gewesen, denn der Regen, der den ganzen Tag hindurch gefallen war, hatte die gepflügten Felder In zähe braune Moorstrecken verwandelt, wodurch die Fußwanderung zu einer Gednldprobe wurde.
Der eine ber Lanbftreicher war groß, unrafiett, schäbig. Er trug ben verschoßenen braunen Rock
bis zum Kinn zugeknöpft, ben nlederhängenben, eingedrückten Hut auf den Hinterkops zurückgeschoben. Mit ihm verglichen schien sein Gefährte nur von kleinem Wuchs, obgleich er übermittelgroß unb ein wohlgewachfener, breitschultriger Mann war. Währcnb sie fo aus ber lehmigen Landstraße bahin- ftapften, sprachen sie fein Wort. Der kleinere Mann blieb zweimal stehen und sah in ber zunehmenden Dunkelheit umher, als ob er nach einem Verfolger ausspähe. Und einmal ergriff er des großen Mannes Arm und zog ihn hinter bie Busche, die die Landstraße umgrenzten. Dies geschah, als unter Getose und Aufspcitzen des naßen Schlammes ein Auto an ihnen oorbeirafte. Nach einer Weile bogen sie von der Straße ab, überquerten ein Feld und tarnen an den Rand eines unbebauten Landstriches, über den eine alte Wagenspur hinfühtte.
„Jetzt sind wir bald da", brummle der kleinere Mann, und der andre grunzte seine Zustimmung. Trotz all feiner anscheinenden Gleichgültigkeit nahmen seine Augen jede Einzelheit der Szenerie auf: ein einsames Gebäude am Horizont, das wie eine Scheune aussah,--Grafschaft Essex--wie
er nach der Nummerbezeichnung des' Autos vermuten mußte, die er vermerkt hatte, als der Wagen an ihm Dorbeifaufte. Unbebautes Land,--wahr
scheinlich zu einer nicht mehr in Betrieb stehenden Lehmgrube führend,--oder war es ein Stein
bruch? — Nahe dem Tor, durch welches die Wagen- spur hinlief, war an einem wackligen Pfosten ein altes Ankündigungsbrett befestigt. Es war zu finster, um die verwischte Inschrift zu lesen, aber er nahm das Wort „Stall" aus. — Kalkstein?" — Es würde ein Leichtes sein, dies fpater zu ergründen. Die einzige Gefahr für ihn bestand nur in der möglichen Ueberzahl der Frösche. Unter dem Schutze seines Ueberrodes fühlte er nach dem Browning und ließ ihn in seine äußere Tasche gleiten. Hilfe gab es nicht, und er erwartet« sie auch nicht. Carlo hatte ihn im Weichbild der Citn in sein elendes Auto ausgenommen und hatte iyn kreuz und quer durch ben Regen geführt, indem er Nebenstraßen folgte und Stabte unb Dörfer vermied so daß Genter, wäre sein Platz auch an der Seite des Führers gewesen, sich nicht hätte zurechtfinden mögen. Aber er war in die Finsternis des kleinen Wogens gesetzt worden und hatte nichts gesehen. Wellingdale und dessen Beobachter, bie ihn bewacht hatten, waren auf bas
genbieitel Dieser stelle ein festes Programm auf, trete Damit an Den Leiter der Schule heran unb bitte ibn um seine Unterstützung. Mon versichere sich ferner ber chilse eines Sportarztes, treffe Abmachun- gen. bic Garantien geben für bie Vecmeibung oon Uebcrbürbung, für bie moralische unb gesundheitliche Sicherung ber Schüler. Man begegne ber Schule mit Vertrauen unb erwarte Vertrauen. Nur gut geleitete Iugenbabteilungen finb Werbemittel mit Aussicht auf Erfolg, alle äußere Propaganbaarbeit ist zwecklos. Schule unb Lehrerichalt müßen burch eigene Beobachtung sich davon überzeugen tonnen, daß der Sport ein gewaltiger v rvebungsfaflor ist und dah in ben Iugendabteilungen ber Spottoerei ne mich wirkliche Erziehungsarbeit geleistet wirb. N.
Der I-uhbaU von gestern.
Bayern.
Wacker — Bayern München 1:1. Spiel Deren* gung Sürth — D. f. B. Fürth 2:0. 1. F C. Nürnberg- F. C. Sürth 3:0. 1. F. C. Bayreuth—A. 6. D. Nürnberg 1:5
Württemberg-Baben.
Spott-Ciud — Stuttgarter Kickers 12. S C. Freiburg—Sportfreunde Stuttgart 2:1. Phönix Karlsruhe—Union Böttingen 3:0. D. f. B. Stuttgart—1. F. E. Freiburg 3:1 B. f. R. Heilbronn— Karlsruher F. D. 0:2.
ZNainbczirk
F. S. V. Frankfurt—Osfenbacher Kickers 1:0. P. f. L. Neu-Isenburg—Union Niederrad 2:1. Germania Frankfurt—Viktoria 94 Hanau 0:0. Viktoria Aschaffenburg—Eintracht Frankfurt 2:1. F. C. Hanau—Rot Weiß Frankfurt 2:2.
Rheinbezirk
SB. f. R- Mannheim—S. B. Walbhof Mannheim 2:1. F. C. Pirmasens-V. f. L. Neckarau 2:1. Sp. Dgg. Sandhofen—Phönix Mannheim 2:2. Phönix Ludwigshafen—1903 Ludwigshafen 2:0. F. V. Speyer—S. V. Darmstadt 6:1.
Rheinhessen-Saar.
F. S. D. Mainz—Normatla Worms 4:1. 1. F. E. Idar—S. D. Wiesbaden 1:0. F. D. Saarbrücken- Eintracht Trier 1:3. Borufsia Neunkirchen—Saar 05 Saarbrücken 2:2. Hassia Bingen—Alemannia Worms 2:2.
Hessen-Hannover.
Sport Kpßel—S. Vg. Göttingen 21. Einbeck 05—6. B. Kassel 2:10. 6. Vg. Münden—Tura Kassel 1:9. Hermannia Kassel—E. Vg. Marburg 3:1. D. f. B. Gießen—Borussia Fulda 1:1.
Neuer Schwimmrekord Heinrichs-Leipzig.
In einem vorn Schwimmklub Halle 96 veranstalteten Schwimmfest gelang es Heinrich (Paseidon Leipzig), feinen eigenen 3 00-Meter-Rekord von 3:53,4 um 2 Sekunden auf 3:51,4 Minuten heraufzndtticken.
Amtsgericht Gießen.
' Gießen, 26. Nov. Eine Frau aus Wie- ieck hat einer andern nachgefagt, diese habe ihr Sachen entwendet. Daraufhin hat der Ehemann der letzteren Prioatklage gegen die erstere wegen Be leidiguna erhoben. Nunmehr hat diese bie von ihr des Diebstahls bezichtiate Fron bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. Gemäß gesetzlicher Vorschrift muh deshalb bas Prioatflageoersahren wegen Beleidigung so lange ausgesetzt werdgn, bis bas eingeleitete Verfahren wegen Diebstahls beenblgl ist.
Als ein Mann von Wieseck, ber früher an der Bahn beschäftigt war und bann abgebaut machen ist, tm letzten Sommer seinen Weizen aus dem Selb rach Hause jcchr, rief ihm ein Bahnarbeiter von da Jftu „Du Nichtsnutzcr, du Faulenzer, du Tagbieb, eubllch habe Ich dich einmal!* Der Belelbigte war so vernünftig, fein Wort darauf zu erroibetn, er erhob aber gegen ben Beleibiger Privatflagc. Dieser ließ zunächst bestreiten, irgenbwelche Belelbigungen ausgesprochen zu haben, gab aber nach ber Ver- nehmnng eines Zeugen klein bei. Es kam alsbann zu einem Vergleich, inbem ber Angeklagte seine Aeußerungen mit Bedauern zurücknahm unb sich zur Zahlung sämtlicher Kosten einschließlich eines Sonderhonorars in Höhe von 35 Mk. verpflichtete.
Auto nicht vorbereitet gewesen. Ein Vagabund mit einem Auto war eine Ungeheuerlichkeit. Er selbst, Genter, mar zuruckgezuckt, als ber Wagen beim Gehsteig anhielt, roo er mattend gestanden hatte, und Carlos Stimme zischelte: „Steig ein!" Sie überquerten nun den Stamm einer mit Untraut über» mudjerten Anhöhe. Unter sich sah Genter verrostete Eisenkarren, burcheinandergeworfene Eijenbahn- schienen, ba zwischen tiefe, regenerfüllte Sprenglöcher. Jenseits, auf der scharfen Linie des Stein- brnchrandes, stand eine winzige Holzhütte, und zu dieser lenkte Carlo seine Schritte.
„Nervös, was?" fragte er, und es klang rote Spott in feiner Stimme.
„Nicht sehr", sagte der andere kühl. „Vermutlich sind bie Frösche in ber Bube ba brunten?" Carlo lachte leise.
„Es sind keine ba", sagte er. „Nur der Frosch allein. Er kommt vom Steinbruch herauf. Es ist da eine Treppe unter ber Hütte. Guten Einfall, was? Die Hütte hängt gerade über dem Abgrund, und die Stufen kann man nickt einmal sehen, wenn man sich auf dem Bauche vorschob und über den Rand hin- unterschaut. Ich habe es einmal versucht. Die werden Ihn nie fangen, nicht wenn sic Millionen von Spitzeln daherschicken!"
„Nun, und wenn sie den Steinbruck umringen würden?" meinte Genter. Aber der Mann wehrte ab.
„Du glaubst doch nicht, daß der es nicht weih, wenn er gefangen werden soll? Er weiß alles, der Frosch." Er sah auf des andern Mannes Hand herab. „Weh wird's nicht sehr tun", sagte er. „Unb es steht bafür. Du wirst nie mehr ohne Kollegen fein, Harry. Wenn bu in eine Patsche kommst, zieht oich ber erste Abvokat raus. Wir suchen solche Burschen wie bu einer bist, es gibt so massenhaft kleine Halunken, — bie wegen so ganz kleiner Sachen sich schon efnbilben, bah sie zu uns gehören. Aber bu wirft große Arbeit machen unb wenn bu für ihn etwas Besonberes zu tun hast, setzt« es Hunberte unb Hunberte von Pfunben für blch. Wenn bu krank wirst, ober du bist hungrig oder so, so werden die Frösche zu dir kommen und dir helfen. Das ist doch schön, gelt?"
(Fortsetzung folgt)
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