Gerade die Jugend der heutigen Zeit Habe schon in frühester Zeit die Verpflichtung, sich vertraut in machen mit den politischen Vorgängen in unserem Volk. Dar verschieden sind die Wege, He die einzelnen Richtungen der in Deutschland besteheriDen Jugendbewegungen einschlagen. Der Ausgangspunkt wird stets in der Erziehung der jungen Menschen zu suchen sein, in der Fa- .n Ute, der er entstammt. -Uns als Jugend der Deutschen Dolkspartei muh die Ehrfurcht vor dem Gewordenen und der feste Wille, der Vergangenheit eingedenk, Einfluß auf die Gestaltung unseres Staatslebens zu gewinnen, in erster Linie in unserem Handeln bestimmen. Aus der Vergangenheit müssen wir lernen, es darf nicht wieder vorkommen, dah sich eine Generation den Anforderungen, die der Lag an sie stellt, nicht gewachsen zeigt.
3m Landes-Beomtcnausschutz
sprach der Vorsitzende des Beamtenausschusses des Wahlkreises Hessen-Nassau, Rechnungsreoijor Bee- res (Frankfurt a. M.). Das Berufsbeamtentum muß unter allen Umständen erhalten werden. Die Gehaltsneuocdnung darf nicht länger hinausgeschoben werden. Zunächst muß der Versuch gemacht werden, daß die beabsichtigte Gewährung einer einmaligen Nothilfe nicht bei den unteren Gruppen haltmacht. Auch der mittlere und Teile des höheren Beamtenstandes befinden sich in Notlage. Die Schwierigkeiten einer Abhilfe liegen nicht beim Reiche, sondern bei den Ländern. Es ist bedauerlich, daß die Reichsregierung der Wiedereinführung der vierteljährlichen Gehaltszahlung einen so starken Widerstand entgegensetzt. Das wäre eines der Mittel, die der Verschuldung der Beamten entgegenarbeiten und sie vor den „Abzahlungen" bewahren könnten, die doch am Ende zur schweren Schädigung des Beamtenhaushalts führen. Wir verlangen, daß auf Länder und Gemeinden ein Druck ausaeübt wird, daß sie Zioildienstberechtigten aus dem Militärstand in einem Maße einstellen, daß diese Leute bald zur Anstellung kommen.
3m Landcsausschutz für Landwirtschaft
sprach Reichstagsabgeordneter Landwirt C r a m m - Timmerlah in längeren Ausführungen über die Lage der deutschen Landwirtschaft unter besonderer Berücksichtigung der Lage in Hessen. Er führte aus, die Landwirtschaft sei die Grundindustrie des Staates. Die Siedlungsfrage mit allen ihren 'Auswirkungen, die Finanzsanierung, die Steuern, die hart auf dem Bauer lasten, Der Rübenbau, die Zuckersteuerherabsetzung und die notwendige Zuckerzollerhöhung, die Erziehung der bäuerlichen Jugend und die soziale Frage, boten Stoff zu außerordentlich interessanten Darlegungen, die häufig von lebhaftem Beifall unterbrochen wurden. Auch die Frage '6er Erwerbslosen in den Landbezirken wurde ausführlich erörtert, wobei seine Rede in der Forderung der Einführung der Arbeitsdienstpslicht gipfelte. Er schloß seinen Vortrag mit dem Worte Friedrich des Großen: Wer es fertig bringt, da zwei Aehren wachsen zu lassen, wo bisher nur eine wuchs, der hat seinem Vaterlande gedient.
3m Landes-Schulansschuß
erklärte Oberstudiendirektor Dr. Keller- Büdingen zur Frage der Simultanschule, daß diele keine Bedeutung mehr für den Lehrer habe, sooald sie zur Freidenkerschule geworden wäre. Die Deutsche Volkspartei halte unter allen Umständen an der christlichen Simultanschule fest. Die höheren Schulen hätten in letzter Zeit schwer zu kämpfen gehabt. Man müsse sich gegen die Angriffe wenden, in diesen Lehranstalten werde Politik getrieben. Die Kapitolswächter der deutschen Republik sähen überall Gefahr, wo für den deutschen Gedanken gesprochen werde. Für die Freiheit der Wissenschaft trete die Deutsche Volkspartei ein und vertrete den Standpunkt, daß in die Selbstverwaltung der Schulen nicht zuviel hineingeredet werden dürfe. Es wurden die nachstehenden Entschließungen angenommen:
„Die Deutsche Volkspartei steht auf dem Boden der Simultanschule. Sie verlangt jedoch, daß ihr ursprünglicher Charakter im Sinne des Gesetzes von 1874 gewahrt bleibt und erhebt Einspruch gegen die zahlreichen Versuche, die Simultanschule ihre? ursprünglichen Charakters zu entkleiden. Die Deutsche Volkspartei denkt nicht daran, den Staatsbeamtencharakter und dis sich daraus ergebenden Rechte der Volksschullehrerschaft anzutasten."
Am Sontnagvormiltag sprach in oer Hauptversammlung über die Deichspolitik der Reichs» tagsabgeordnete
ReLchsnnnister a. d. Dr. Becker.
In der Außenpolitik sehen wir noch viele Wünsche vor uns: Politik mit den Mitteln, die heute einem Außenminister zur Verfügung stehen, kann nicht von heute auf morgen Früchte tragen, denn dazu sind Jahre, Jahnzehnte nötig. Aber Erfolge haben wir errungen. Wer im Jahre 1919 im besetzten Gebiet tätig war, der kann ermessen, was für das besetzte Gebiet erreicht worden ist. Wir dürfen jetzt aber nicht nachlassen mit unseren Forderungen und Wünschen. Doch immer ist nicht eine Verminderung der Truppen- zahl eingetreten, wie wir sie wünschen: noch immer sind viele Wohnungen durch französisches Militär beschlagnahmt. Auch ist die Gendarmerie und ihre gefährliche Stiefschwester, die Geheimpolizei immer noch nicht verschwunden. Manches ist in wirtschaftlicher Beziehung besser geworden: besonders das Ministerium für das besetzte Gebiet ist sehr entgegenkommend, nicht aber so das Finanzministerium.
Unsere Partei stellt die Frage der Staats- for m nicht in den Vordergrund: ihr ist der Staat die Hauptsache, ihm w.ll sie dienen. Wir suchen unsere Arbeit im Wiederaufbau. Auch in Opposition wird unsere Politik von der Verantwortlichkeit getragen sein.
Wir lehnen jede wirtschaftliche Betätigung öffentlich rechtlicher Verbände ab. soweit fie sich nicht aus Eisenbahnwesen ufto. bezieht. Auch darf der polizeiliche Zwang nicht allzusehr in das Wirtschaftsleben eingreifen. Die Wohnungs- Zwangswirtschaft Hal dem Wohnungsmangel nicht abgeßolfen. Wenn der Zwang abgebaut wird, so werden sich wirtschaftliche Schwierigkeiten einstellen: es darf daher nur langsam abgebaut werden. Es ist in den wirtschaftlichen Verhältnissen besser geworden, wenn auch die Zahl der Arbeitslosen noch groß ist. Aeichswirtschafts- minister Curtius hat große Summen in die Wirtschaft gesteckt, um sie zu beleben. Abwärts gegangen ist es mit der Landwirischast: sie kann unter feiern Am ständen aus die Schutzzölle verzichten. Bei den Handelsverträgen wünscht die Deutsche Volkspartei einen Ausgleich zwischen Landwirtschaft und Industrie. Ein Führer 6er Industrie, wie Generaldirektor Vogler, weist immer wieder auf die Bedeutung des Binnenmarktes für die Industrie hin
In Worms hat Freih. v. Heyl schon Sozialpolitik getrieben, bevor sie gesetzliche Form erhalten hat. Heute wird in der Sozialpolitik mehr als früher schematisiert. Es darf nicht sein, daß ein Er- werbslöstr mehr erhält als ein landwirtschaftlicher Arbeiter Tariflohn bekommt; auch darf ein Erwerbsloser nicht mehr erhalten als wie die unteren Klassen der Beamten: damit soll nicht gesagt sein, daß sie zuviel erhalten, sondern es ist der Vorwurf der Schematisierung dagegen zu erheben.
Sparsamkeit in Reich, Ländern und Gemeinden ist die erste Forderung. Wer die 'Ausgaben macht, muß auch für die Einnahmen sorgen, sonst ist kein Sparsamkeitstrieb da.
Der Redner streifte dann Koalitionsfragen, die nur taktische Fragen wären. Wenn die Sozialdemokratie die Staatspolitik der Parteipolitik ooranstellt, so kann man mit ihr Zusammengehen; bis jetzt hat sie das nicht getan.
Landlagsabg. Dingeldey erklärte dann zur Hessischen Landespolitik. daß der Parteitag die Vollspartei in einem heftigen Kampfe sehe. Die Partei wäre, weil fie in der Opposition stand, ohne Einfluß auf die Geschicke Hessens gewesen. Die Personalpolitik, die Gesinnungsschnüffelei und die Finanzpolitik sind von uns bekämpft worden. Die Finnnzpolitic ist wie ein Koloß auf tönernen Füßen. Wenn wir auf der anderen Seite die Vot der Wirtschaft sahen, so haben wir uns gesagt, daß eine außergewöhnliche Lage auch außergewöhnliche Mittel erfordert, um Die Mißstände abzustellen. Wir können Den Kamps nicht isoliert führen, Darum haben wir das VüuDnis geschlossen. Wir wollen nicht, Daß durch Zersplitterung im Bürgertum das Volk um Die Früchte Der Arbeit gebracht wird. Die Wirtschaft ist nicht mehr imstcude die Lasten zu tragen; wir haben Den Dotruf i.er Wirtschaft ausgenommen. Wenn die Wirtschaftsktzek.se in Die Opposition gedrängt worden sind, so ist das durch Die verkehrte Politik der Gegenseite geschehen zwischen Staatsapparat und Wirtschaft muß ein gesundes Verhältnis bestehen. Wir bekämpfen die bisherige Personalpolitik und treten für Die ungeschmälerten Rechte der Beamten ein, namentlich treten wir gegen Die Gesinnungsschnüffelei auf. Wenn der Staatspräsident es als seine Aufgabe erklärt hat, die Republik in eine sozialistische Republik zu verwandeln und wenn er sich als den sozialistischen Staatspräsidenten bezeichnet hat. so ist er noch weit von der Auffassung entfernt, daß ein Staatspräsident, Staatspräsident aller Hessen sein muß. Wir kämpfen für die Schulpolitik, die Jugenderziehung und Die Kulturpolitik, die tpir als Erbe der Rationalliöeralen Parier übernommen haben. Wir lämpfen für Den liberalen, den freiheitlichen Gedanken gegen die, die unter Der Waske des Liberalismus Den Hwang aufgerichtet haben. Wir sind die Porter, die sich fühlt als Die Schützer derer, die die treuesten Diener des Staates waren. Wir müssen ausfprechen, daß die Zwangswirtschaft im Wohnungswesen versagt hat, wir muffen aber auch Schutz- und UebergangSbeftimnumgen verlangen.
Die Wvhnungszwangswirischaft ist ein Zustand, der zur Demoralisierung des Volles geführt hat. Schwierigkeiten haben sich in Württemberg aus der Lockerung der Zwangswirtschaft nicht ergeben. Sin großer Teil des Derufsbeanttentums hat stets in den Reihen der Deutschen Dolkspartei gekämpft; sie würde sich gegen ihre Tradition versündigen, wenn sie nicht für das Derufs- leamtentum und seine verfassungsmäßigen Rechte eintrete. Vicht einmal, sondern zweimal hat der Führer der Sozialdemokratie Hessens die Umwandlung des Beamtenverhältnisses in ein Angestelltenverhältnis im Hess. Landtag verlangt. Ein inneres Bekenntnis zum Einheitsstaat läßt sich nicht dadurch erzwingen, daß man den Ländern den Brotbeutel höher hängt.
Das Programm der D. D. P. fordert in gewissen Dingen den Einheitsstand: wir im kleinen Hessen können ihn nicht erreichen, der hessische Finanzminister sollte hessische Geschichte und nicht deutsche Geschichte machen. (Lebh. Beifall.) Der Finanzmiulster verlangt wegen der Besetzung Hessens eine besondere Entschädigung durch das Reich: auch wir stehen auf diesem Standpunkt. Der Redner faßte dann nochmals alle Punkte zusammen, Die den Volksentscheid und die Volksabstimmung herbeigeführt haben. Vicht aus Fi- nanznot wollen totr unseren Staat nicht aufgeben, sondern wir wollen unsere Finanzen sorgsam verwalten und unser Haus sauber halten. (Lebhafter, anhaltender BeisÄl.)
Äachdem Generalsekretär K o l l b a ch pen Geschäftsbericht der Partei gegeben hatte, wurde nach Schlußworten des Landtagsabgeordnetrn Scholz der Parteitag geschlossen.
Das Reich und Hessen.
Ein Brief des Reichsfinanzministers.
WSV. D a r m st a d t, 20. Aov. Aeichsfincmz- minister Dr. Reinhold hat an den hessischen Finanzminister Henrich folgendes Schreiben gerichtet:
..Wie ich aus der Presse ersehe, ist in Hessen in Der Öffentlichkeit ein Streit entstanden, welchen Grund und Zweck die mit der hessischen Regierung bei meiner Anwesenheit in Darmstadt getroffene Vereinbarung hat, daß eine aus Vertretern des Reiches und des Landes be- ftef:cnDe Prüfungskommission die hessische Finanzlage untersucht.
Ich erlaube mir deshalb zur authentischen Klarstellung dieser Vereinbarung darauf hinzu- weisen, daß nach meiner Lleberzeugung das, wie ich höre, in Hessen gebrauchte Wort ,.G e - schäftsaufsicht" Den Sachverhalt in keiner Weise trifft. Die Kommission hat nach unseren Vereinbarungen (einerlei diktatorische Vollmachten: sie soll vielmehr lediglich prüfen, ob die vom Reiche anerkannte Finanznot Hessens zum überwiegenden Teil auf die Besatzungskosten oder auf andere Gründe zurüctzusühren ist. Von dem Ergebnis dieser Prüfung wird es abhängen, ob das Reich dem Lande Hessen Die zur Erfüllung seiner staatspolitischen, insbesondere seiner i ulturellen und sozialen Verpflichtungen nötige Summe, die es aus eigenen Mitteln bei spar- lamer Verwaltung nicht aufbringen kann, gesondert ^ur Verfügung stellt.
Ich habe den Gedanken dieser Kommission deshalb mit besonderer Freude aufgenommen, weil meiner LieberZeugung nach ci.ic sachlichePrü » fung die Möglichkeit gibt, die im Streit der politischen Meinungen hart umkümpsten Fragen wirklich zu klären und, falls sich ergibt, daß die Besetzung eines großen Teiles des Landes Die Hauptursache Der schlechten Finanzlage ist, dem Lande Hessen von Reichswegen zu helfen.
Das SchundMeratur- Gesetz rm Reichstag.
Berlin, 27. Noo. Die zweite Lesung des Gesetzes zur Bewahrung der Jugend d o r Schund- und Schmutz schriften wird fott- gesetzt.
Abg. Dr. H e u B (Dem.): Für die demokratische Fraktion sei das Gesetz Dann unannehmbar, wenn Landesprüf st eilen mit Wirkung für das Reich bleiben. Der Redner empfiehlt, auf die Landesprüfstellen aanz zu verzichten. Lor Mißbrauch sei das Gesetz sicherlich nicht geschützt. Das sei aber auch bei keinem anderen Gesetz der Fall, das vom Reichstag bisher beschlossen wurde. Es werde feinen Weg unter der öffentlichen Kontrolle gehen und seine Wirkung werde sein, daß sich in wenigen Jahren die Schundverleger umgestellt haben werden. Dann sei der Weg frei gemacht für aktive Arbeit, in der sich privater Enthusiasmus und öffentliche Verantwortung finden sollen.
Abg. P e tz o l d (W. Äg.j erflärt.. daß seine grab tion vollkommen auf dem Boden des Gesetzes stehe, wie es aus dem Ausschuß gekommen ist. Zu begrüßen sei die Zusicherung des Ministers, ein Gesetz über die positive Arbeit zum Jugendschutz vorzulegen. Bedauerlich sei, daß Die Aufsichtsbehörde zu nachsichtig, z. B. gegen Bohnhossbuchhandlungen, oorgingen, obwohl Dort die Schmutzliteratur in periodischen Zeitschriften reichlich vorhanden sei.
Abg. Frau Lang -Bru mann (Bahr. Vp.) ertlärt, Daß ihre Partei Dem Gesetz zustimmen werde, ohne AenDerungsanträge zu stellen, obwohl fie wüßte. Daß Die Vorlage ihre Mängel habe. Sie Landesprüfstelle fei Die beste Lösung. Berlin fei nicht der richtige Boden, um in Fragen der Sittlichkeit Richtlinien für das ganze Reich aufzustellen.
Abg. Cube (Völk.) Das Gesetz ist kein Angriff gegen Die deutsche Geistesfreiheit, eL will nur den niederträchtigen Dreck von unserer Ju- 'genö und unserem Volke femhalten. Äns Döl- lischen paßt es durchaus nicht, wenn ein Blatt, das sich national nennt, wie die Vachtausgabe des „Tag", einen so schlechten Roman bringt. Wir wollen Freiheit für Die wertvolle deutsche Kunst und Literatur.
In der Einzfberatung begründet Abg. Dr. Löwenstein (S.) sozialdemokrattsche Anträge, Die den positiven Jugendschutz durch die Einrichtung guter Jugendbüchereien in allen Gemeinden verlangen.
Abg. Fleiß ner (S.) begründet den sozialdemokratischen Antrag, Die Länderprüfstellen durch eine oder mehrexe Leichsprüfstellen zu ersetzen. Aach einem weiteren sozialdemokratischen Antrag soll eine Schrift nur bei Einstimmigkeit der Prüfstelle in die Liste ausgenommen werden. Sie vom Ausschuß beschlossene Einfügung, daß als Sachverständige besonders Vertreter der Kirche berufen werden sollen, müsse gestrichen werden.
Demokratischer Reichsparteitag. ReichsministerDr. Külz über die Aufgaben seines Ressorts.
Berlin, 28. Vov. (WB.) Der Reichsparteitag der Deutschen demokratischen Reichs- tagsfraktton trat heute vormittag zu einer Sitzung im Reichstag zusammen, die unter Vorsitz des ReichsmiMers a. D. Erich Koch erl- malig wieder stattfand. Rcichsmnenminister Dr. Kürz äußerte sich über den Gesetzesplan des Reichsinnenministeriums. wobei et zur Frage der Wehrverbände erklärte, ihre generelle Auflösung sei nicht zulässig. Wo man aber den An- sche'n militärischer Betätigung vermute, müßten diefe restlos aufgelöst werden. In der Frage ter Fürstenabfindung hoffe er, daß die Verlängerung des Sperrgesetzes die Beteiligten veranlassen werde, auch in Thüringen und in anderen Ländexn zu einer Einigung zu gelangen. Die Frage der Titel und Orden bedürfe einer Klärung. Der Minister kam dann auf Die Finanzreform zu sprechen und betonte, daß dec Finanzausgleich ohne die Verwalt ungs° ref orm nicht mpglich sei. Es sei in Deutschland ein Liebel, daß wir 2000 Abgeordnete und 60 Minister hatten. Ein neues Wahlgesetz fei dem Kabinett zugegangen, Hluch ein Ausfüh- rungsgefetz nach Artikel 48 der Aeichsversassung sei m Vorbereitung.
Der Minister ging dann auf das Schund- und Schmutzgesetz ein. Die harte Kritik an dem Gesetz nehme er nicht übel. Es handele sich bei Dem Gesetz lediglich um die Legalisierung einer starken Ve vegung. Die Freiheit der Kunst werde in keiner Weise berührt. Zum Schluß besprach der Minister das neue Schulgesetz, bas er in den nächsten Tagen einbringen werde. Man dürfe von ihm nicht allzuviele kulturpolitische Entscheidungen erwarten. Es müsse eine Organisation der Volksschule gewährleistet werden. die Der Schule die notwendigen Entwicke- lungsmöglichksiten gäbe, sie fie in Interesse des Kindes, des Staates und des Volles brauche. Die staatliche Aufsicht dürfe nicht angetastet werden. Jede Zerspli terung des Schulwesens sei zu verhindern. An die Referate schloß sich e'.ne längere Aussprache an, nach deren Beendigung eine Entschließung angenommen wurde, in der die Fraktion ersucht wird, auf die Abstellung der Mängel in der Reichswehr und auf die Sicherung des republikanischen Charakters der Reichswehr zu drängen. In einer zweiten Entschließung lehnt man die Vorlage über den Schutz der Jugend vor Schund und Schmutz in der jetzigen Fassung ab.
Chinas Uanips gegen dienernden
Bor neuen Streiks in Hankau.
Schanghai, 23. Vov. (WTD.) Vach Privatnachrichten aus Hanlau sind dort zahlreiche Streiks unter den Arbeitern ausgebrochen. Es machte sich bei ihnen eine feindselige Stimmung gegen die Arbeitgeber und gegen die Ausländer geltend. Besonders Die Japaner würden bovkottiert. Der Streik soll sämtl'.che bei Ausländern arbeitende Chinesen, die Dureau- an gestellt er» und das Hauspersonal umfassen. Die in Hankau ansässigen Engländer haben sich an das Auswärtige Ami in London gewandt, um eine Ergänzung Der bereits getroffenen Schatz- maßnahmen zu erbitten. Außerdem sind Vorbereitungen getroffen, um eine freiwillige Polizei zu organifieron, da die Agitatoren die chincsckchen Pol.ze.k rüste einschüchtem, indem sie ihnen drohen, sich an ihren Familien zu ver- greisem Von französischer Se.te wird eine besonders entschlossene Haltung eingenommen, was bereits zu dem Erfolg geführt hat, daß ein
chinesischer Soldat und ein anderer Chinese, die gestern abend im fra.izösischen Konzesswnsgebiet sich Ausschreitungen er.aub. haben, auf e.n. Beschwerde bei den chines.schm B.-Hörden h n heute morgen hingerichtet wurden. In verschiedenen Ausländerkonzessionen ist man dabei, 2 c- bensmittelvorräte aufzuspeichern.
Die mexikanische Petrole Umgesetzgebung.
Washington, 27. Vov. lWTB) Vach Vachrichten. Die der hiesigen mexikanischen Botschaft zugegangen sind, haben sämtliche englische Petroleuminteressenten in Mexilo sich Den Bestimmungen des mexikanischen Petroleumgesetzes unterworfen, das, wie be- tamrt, Gegenstand eines seit längerer Zeit währenden diplomatischen Meinungsaustausches zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko ist. Wie verlautet, haben Die Vertreter der ,Com- pania Wexicana De Petrvleo"", die sämtliche englische Petroleuminteressen umfassen soll. Dem Ministerium für Industrie, Handel und Arbeits- frage-n eine Petttion unterbreitet, in der sie in Liebereinstimmung mit den mexikanischen Gesetzen eine Bestätigung ihrer Bohrkonzessionen erbitten. Die Zahl Der Fundstellen, für die Konzesfionsbestättgungen nach gesucht wurden, wird aus 401 veranschlagt. Dies entspricht einem Gebiet von 250 Millionen Acres. Ebenso haben nach weiteren telearaphifchrn Meldungen die große holländische Gesellschaft La Corona sowie andere Gesellschaften, darunter auch einige amerikanische, bereits den Ur'oröerniffen der Petroleumaes^e entsprochen. Die amerikanischen Oelgesellschaften scheinen dagegen nicht geneigt, die neuen mexikanischen Gesetze anzunehmen oder auf den Schuh Amerikas zu verzichten. Wenn sie auf dieser Haltung weiter bestehcm Dann besteht Aussicht, daß ihre Haupt- konkurrenten in Mexiko nach dem 1. Januar im Einverständnis mit der mexikanischen Regierung Darauf hinarbeiten würden, daß die amerikanischen Gesellschaften der Beschlagnahme verfielen.
Aus aller Welt.
Tagung des Roten Kreuzes.
Auf Der in Berlin abgehaltenen diesjährigen Mitgliederversammluna des Roten Kreuzes. Die uom Präsidenten Des Deutschen Roten Kreuzes eröffnet wurde, ergab der vom Generalsekretär vorgelegte Jahresbericht interessant« Zahlen über Die verflossene Jahrestätigkeit des Deutschen Roten Kreuzes. Der Berband zählt über eine Million Mitglieder, 7000 Schwestern und über 89 000 Sanitäts- mgnner; 449 OOOmal ist Die erste Hilfe der Sanitäts- folonnen in Aktion getreten. Es wurde Bericht stattet über das hohe Ansehen, das die Deutsche Rot-Kreuz-Arbest im Auslande genießt. Das Ergebnis der Mitgliederversammlung war das einmütige Bekenntnis zur unbeirrten Weitersührung der Rot- Kreuz-Arbeit auf dem Boden der unbeschränkten Neutralität für alle Schichten unseres Volkes.
50 3ahre Raiffeifenorganifation.
Die Verwaltungsorgane der Gcsamtorgani- faiion der Vaiffeisenvereine haben beschlossen, daß die Daiffeisen-Jubiläumstagung im Juni 1927 im Rheinland ftattfinDen soll. Als Ort Der Tagung wird aller Wahrscheinlichkeit nach Heu- w ie d, jene Stadt, in der „Vater Raiffeisen" gewirkt und gelebt hat, von wo aus der große Raiffeisengedanke seinen Weg in alle deutschen Gaue und Darüber hinaus gefunden hat, bestimmt werden.
Grohfeuec in Sindolsheim.
In Der Vacht zum Samstag brach in Sin- dolsheim am Buchen ein Grobfeuer aus. das zwei Wohnhäuser und acht Scheu.en in kurzer Zeit vollständig in Asche legte. Den Feuerwehren der ganzen Llmgeg.nd gelang es sch.ieß- lich, das Feuer einzudämmem Mehrere Schwe.ne und zahlreiches Geflügel sind in Den Flammen umgekommen. DaS Großvieh konnte noch gerettet werden.
Ein russisches Dorf durch eine Feuersbrunst zerstört.
Das im GLuvLm.rn.nl Minst ge.egene Dorf Shalischa ist durch eine Feuersbrust völlig zerstört worden. 188 Häuf er sind vollständig abgebrannt. Der größte Teil des Viehbestandes sowie alle Kornvorräte sind vernichtet worden.
Schlagwetterexplosion auf der Zeche de Wendel.
Auf der Zeche de Wendel bei Hamm fand in der Nacht vom Samstag zum Sonntag eine Schlagwetterexplosion statt. Hierbei wurden Brei Berg. Ieute getötet, fünf wurden schwer und zehn leicht verletzt. Der Herd der Explosion war anscheinend ein Abbaubetrieb in dem Fettkohlenslötz. Durch Selbstenzündung der Kohle war ein kleiner Brand entstanden, der die Schlagwetter entzündet hat. Die Explosion ist durch die vorhandene Ge- sternftaubsicherung auf ihren Herd beschränkt ge« blieben.
Ausbruch des Befuos.
Nach einer Mitteilung des Desuv-Observatoriums hat sich der Eruptionskegel am Nordhang geöffnet und einen ftarfen Lavostrom ousgewor- fen, der die ganze nördliche Hälfte des großen Kraters bis zu der Stelle ausgefüllt hot, wo der Rand des Kraters am niedrigsten ist. 500 Meter breite Laoaftröme haben sich durch das Höllental ergossen. Aus einem kleinen Eruptionrkegel von ungefähr 60 Meter Durchmesser wird eine weiß- glühende Masse ausgeworfen. Es handelt sich um die gewöhnliche Zunahme der vulkanischen Tätigkeit, die alljährlich nach der Regenperiode eintritt.
Frecher Raubüberfall in Berlin.
Die „B. Z." berichtet von e.ncm Dreisten Raubübersatt ip einer Geflügel-Großhanblung in der Vähe des A l e x a n D.e r p l a tz e s. Als während der Mittagszeit nur ein AigestMer im Kontor war, drangen plötzlich zwei Männer in den Raum, bedrohten den Angestellten mit der Pistole setzten ihm einen Knebel in den Mund und fesselten ihn. Daraus kamen noch zwei weitere Männer, Die alle Behältnisse durchwühlten. Den Räubern fielen 1000 Mark in bar und 800 Mark in Schecks in die Hände.
Wettervoraussage.
Aach vereinzelten Viederschlägen und geringer Mckdcrung bei östlichen b.s nordckHen Winden erneuter Tempcralursall bis zu leichtem Vachfrost.
Gestrige Tagestemperat '.ren: Maximum 2L, Minimum 0,4, heutige Morgentemperatur: 13 i Grad Celsius


