Ausgabe 
29.4.1926
 
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Nr. 99 Erstes Blatt

176. Jahrgang

Donnerstag, 29. April 1926

Erscheint täglich, nutzer Sonntags und Feiertag».

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Die Scholle

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Chefredakteur

Dr Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein: für den An- zeigenteil Hans Füstel, iämtltd) in Gietzen.

Deutschland und die Weltwirtschaft.

Reichskanzler Dr.Luther auf dem Industrie- undHandelstag zurWirtfchaftslage.

Berlin, 28. April. (LU.) Unter starker Veteiltgung auS dem ganzen Reich trat heule der Deutsche Industrie- und Handelskammertag zu seiner 46. Dollversammlung zusammen. Dom Reichskabmett waren der Reichskanzler, lowte die Minister Dr. E u r t i u S, Dr. Rein- hold und Dr. H a S l i n d e, vom preußischen Kabinett Handelsminister Dr. Schreiber er- chienen. Ferner bemerkte man u. a. den Präft- benten der Reichsbank Dr. Schacht und den Vizepräsidenten des Reichstages Dr. Riefer. Rach kurzen Degrüstungsworten des Präsidenten Franz von Mendelssohn nahm

Reichskanzler Dr. Luther au folgenden bedeutsamen Ausführungen daS Wort.

Wenn wir, so führte er auS, den allgemeinen Zustand von heute in Politik und Wirtschaft mit den Derhältnissen einerseits bei Beendigung des Weltkrieges, andererseits beim Ende des Ruhr- kampfes vergleichen, so sehen wir, dah in einer weltgeschichtlich nicht langen Zeit die Lage Deutschlands erheblich verbessert worden ist. Dieser Feststellung steht indessen ebenso sicher eine andere gegenüber, die sich besonders deutlich au6 den gegenwärtigen Rotständen der deutschen Wirtschaft ergibt: dah wir nämlich von einer wirklichen Besserung unserer Lage och weit entfernt sind. Die Zahl der 2rbeitSlosen und Kurzarbeiter spricht eine er- ichreckende Sprache, und die Eingliederung unserer Wirtschaft in das Welthandelsgetriebe ist noch weit von dem notwendigen Zustand entfernt. Wir brauchen, um die und auferlegten Lasten dem Ausland gegenüber abzudecken und die Zinsenverpflichtungen zu erfüllen, die sich aus der unvermeidlichen Derschuldung der letzten Zähre ergab, auf die Dauer eine aktive Handelsbilanz. Run ist eine gewisse Ver­schiebung unserer Handelsbilanzverhältnisse un­verkennbar, und zwar eine Verschiebung, die nicht irur auf verringerter Einfuhr beruht Schon feit Ende 1925 ist die Ausfuhr Deutschlands im Steigen begriffen. Dabei bleibt aber die Tat- ache bestehen, dah am Welthandel Deutschlands Anteil, der 1913 ein Achtel umfaßte, bei der Ausfuhr 1925 nur noch ein Vierzehntel beträgt. Die Ziffer der Erwerbslosen und Kurzarbeiter hat eine Höhe erreicht, die der Zahl am Ende deS Ruhrkampfes und der unter den tiefsten Rachwirkungen der Inflation nicht viel nachgibt. 3n anderen Jahren war in dieser Jahreszeit die Besserung des Arbeitsmarktes schon fühl­barer als jetzt. Dennoch wäre es das Aller- verkehrteste, wollte man darum mutlos werden.

Gerade angesichts der ungeheuren Erwerbs- tosenzahl Ist es Pflicht jedes verantwortlichen, nicht in kleinlichem Eigennutz zurückzustehen bei der Mitwirkung am Reuaufbau der Wirtschaft, sondern unter Einsatz aller Kräfte daran mitzu­arbeiten. Ls ist auch nicht richtig, daß irgendeine neu hinzugekommene zerstörende Ursache diese Krisis hervorgeruscn hätte. Rur die Schleier find gefallen, die durch die Inflationserfcheinun- gen verschiedener Art über den wahren Tat­bestand gelegt waren. Wir gehen jetzt mit dem Vewuhtsein an die Arbeit heran, dah wir nicht mehr auf Sand bauen.

Rottoendig ist eine Hebung der Spar­tätigkeit, auf der unser Geld- und Kredit­wesen aufgebaut ist. Die Höhe der Bareinlagen ift Ende 1925 auf 21/. Milliarden gestiegen und hat sich damit in einem Iahr mehr als ver­doppelt. Auch die Dank- und Depositeneinlagen haben zugenommen, an Pfandbriefen und anderen Depositen sind vom Kapitalmarkt 450 Millionen m Jahre 1925 aufgenommen worden. Auf die- 'em Weg weiter vorwärts zu gehen, muß unser Bestreben sein. Don der fortschreitenden Gesun­dung der gesamten Kreditmarktlage legt auch der linkende Unkostenfatz für Geld und Kapital Zeugnis ab. ES war vielleicht nicht unnatürlich, dah bei der obwaltenden Kapital- entleerung zunächst ein hoher Zinssuh auf der deutschen Wirtschaft lasten muhte, und es lag wohl auch im Interesse der Gesamtwirtschaft, dah die Banken einen ganz besonderen Wert zunächst einmal auf ihren Wiederaufbau legen wühlen. Heute scheint mir aber der Zeitpunkt ge­kommen, wo von der Wirtschaft jede nicht un­bedingt erforderliche Delastung genommen wer­den muh. Ich begrüße jede Senkung des ZinS- und Provisionsstandes »ad hoffe, dah auch auf diesem Wege weiter kräftig voran geschritten wird. (Beifall.)

Die Gefahr, die von den neu entfalteten Aufwertungsbestrebungen ausgeht, Wünsche, die ja so menschlich erschütternd sind, die aber gänzlich unerfüllbar sind (sehr richtig), hat die Reichsregierung durch den Ihnen Mannten Gesetzentwurf zu vermeiden gesucht. Die Vorlage will sicherstellen, dah der in der Verfassung zum Ausdruck gekommene Grundge­danke, dah nicht ein Teil der Volksgesamtheit die Initiative ergreifen solle, um zu Ungunften des anderen Teiles über die Verteilung wirt­schaftlicher Lasten Bestimmungen zu treffen, auch gerade auf die infolge der Geldentwertung er­gangenen Gesetze Anwendung findet (sehr richtig).

Ziel der gefamfen Regierungspolttik Ist, in der Innen- und Außenpolitik beruhigte Verhältnisse zu schassen, damit nicht nur das inländische, sondern auch das ausländische

Kapital sich langfristig und zu tragbaren Be­dingungen bereit findet, am Wiederaufbau der deutschen Volkswirtschaft mttzuwirken. Die Her­beiführung einer allgemeinen Beruhigung in der Politik ist das Erheblichste, was die Reichs- regierung überhaupt zum Wiederaufbau der

Wirtschaft tun kann.

Vor dem Kriege hatten wir eine blühende Weltwirtschaft, an der alle Völker teilnahmen und die durch einen organischen Werdegang er­reicht war. Im Gegensatz dazu besteht jetzt ein Zustand, der durch Vermehrung und durch Ver­schiebung der Staatsgrenzen die wirtschaft­lichen Zusammenhänge zerrissen und die Gebiete ungehemmten inneren Warenaustau­sches verkleinert hat. Die Verlängerung der Zollgrenzen und die politische Reugestaltung be­läuft sich in Europa auf 7000 Kilometer. Diese politische Reugestaltung hat die Aufgabe ge­schaffen, die Vinnenwirtschaft nach Möglichkeit zur Belebung des inneren Marktes anzuhalten. Ganz selbstverständlich ist dabei, dah gerade Deutschland, dem landwirtschaftlicher Boden und Rohstoffe in großem Umfange weggenommen worden sind, von sich aus alles tut, um d i e Er­nährung des eigenen Dolles aus eigenem Boden sicherzustellen. Wir müssen diesem Ziel um so mehr nachstreben, als die uns auferlegten Reparationsverpflichtungen so­wieso nur auf dem Wege der Ausfuhr gedeckt werden können, und als die politischen Schwierig­keiten, zum Abschluh von Handelsverträgen zu kommen, für uns unvergleichlich größer sind als für die Siegerstaaten des Weltkrieges. Es ist auch eine logische Folge, dah die deutsche Politik nach einer Stärkung des inneren Marktes drängt. Gerade hier, im Deutschen Industrie- und HandelStag, möchte ich mit Befriedigung fest- fteilen, bah das vorige Iahr unS eine Ernte gebracht hat, die ganz deutlich macht, welche starken Möglichkeiten in der deutschen Landwirt­schaft stecken.

Iedec Industrielle weist ja auch, daß eine ge­sunde und leistungsfähige Landwirtschaft den besten Absatzmarkt darstellt, und daß die alte Volksweisheit wirklich richtig ist: hat der Bauer Geld, hal's die ganze Welt! Es wird deshalb auch gerade In den Kreisen bes Industrie- und handelstogs auf größtes Jnteresie flohen, nenn ich die Ansicht der Reichsregierung, die Land­wirtschaft in ihrer Bedrängnis nach Möglichkeit zu Helsen, nochmals unlerslreiche.

Alle solche Maßnahmen können aber nicht dahin führen, daß wir uns von der Einfuhr von Lebens- nritteln freimachen. Wir müssen gleichzeitig alles tun. um uns in den weltwirtschaftlichen Waren­austausch so stark wie irgend möglich wieder ein­zufügen. Hierzu gibt es drei Wege: das sind die Handelsverträge, die allgemeinen Bestre­bungen auf internationale Verständi­gung und besonders private Verständi- gungsmahnahmen, die auf dem Gebiete des Kali und der Glühlampen bereits zu einer Ver­ständigung geführt haben und sich auf den anderen Gebieten im Zustande ernsthafter Verhandlungen befinden. Auf allen Wegen muß tatkräftig vorcrn- gef4)ritten werden. Den Arbeiten der W e 11 - wirtschaftskvnferenz ist vom deutschen Standpunkt aus bester Erfolg zu wünschen.

Auf dem Gebiete des eigentlichen Wirtschafts­lebens handelt es sich nicht darum, nur den früheren Zustand wieder herzustellen, denn auch die Wirtschaftsaufgaben Deutschlands haben sich nicht unwesentlich verändert. Dabei bleibt für Deutschland im Vordergründe die Pflege der Qualitätsarbeit als beste Grundlage für eine Sicherung des Auslandsgeschäfts.

Die Steigerung der Produkttonsmöglichkeit aller Länder, ja die Ueberfteigerung im Verhältnis zur Absatzmöglichkeit wirkt im Zu­sammenhang mit den Fortschritten der wirt­schaftlichen und technischen Zivilisation sich dahin aus, dah immer mehr Länder ihren Bedarf selbst zu decken unternehmen. Dabei spiell der Mangel an kolonialem Land für Deutschland eine große Rolle. Alle Länder müs­sen ihre Ausfuhrindustrie umstellen, wenn sie lebensfähig erhalten werden soll. Die Reichs­regierung geht dem Ziele nach, die deutsche Aus­fuhr nach aller Möglichkeit zu steigern. Dies ist selbstverständlich, weil nur eine Wirtschaft be­stehen kann, die nicht mehr ausgibt, als sie ver­einnahmt. Ebenso selbstverstärrdlich ist, daß die Ausfuhrmöglichkeit nicht durch Hochhaltung der inländischen Preise gewonnen werden darf. Hier liegen besonders schwierige Aufgaben vor für das Zusammenarbeiten der öfsentllchen Gewalten mit ben Wirtschastskreisen. Die Aufgaben, die der Volkswirtschaft auch schon vor dem Welt­kriege gestellt waren, haben so lange ihr beson­deres Gesicht, als mit künstlich gesenkten Aus- landpreisen gerechnet werden muß, wie eS durch die Kohlenunterstühungspolitik Englands und durch die Inflation anderer Länder gegeben ist. Darum hat sich die Reichsregierung zu Steuer­senkungen entschlossen, die bis an die Grenze der Möglichkeit gehen. Es wäre besser gewesen, die Realsteuern zu senken. Da aber diese zur Zuständigkeit der Länder und Gemeinden ge­hören und dem Reiche keine Handhabe gegeben ist zur Aenderung dieses Zustandes, so mußte das Reich die Steuern senken, die eS in eigener Gewalt hat. Werden diese Mittel der Wirtschaft belassen, so würde sich nach dem Gutachten des Reichswirtschaftsministeriums der Betrag er­

geben, daß im Laufe des Iahres 250 000 Ar­beiter wieder eingestellt werden können. In stärkstem Maße sehnen wir uns nach einer

Vereinfachung der öffentlichen Verwaltung in Reich, Ländern und Gemeinden. Alle öftent- lichen Stellen werden mit doppelter Aujmerk- fcnnkeit zu prüfen haben, welche Vereinfachung in ihrer Verwaltung möglich sind. Auch die ver- minoerung der Verwaltungsausgaben muh mit aller Kraft erstrebt werden, besonders in dem Sinne, dah die Kapitalien, die aus dem Inland und Ausland der Wirtschaft neu zusliehen, im weitestgehenden Maße nur für wirtschaftliche

Zwecke verwendet werden.

Die Nationalisierung ist Vorbedingung zu neuen Arbeitsmöglichkeiten. Das deutsche Volk, das zu oller seiner körperlichen und seelischen Not nun auch die große Erwerbslosigkeit zu tragen hat, muß misten, daß dos eigentliche Ziel aller Verantwort­lichen ist, mögliche bald wieder olle Volksgenossen an die Arbeit zu bringen. Bei solcher Betrachtungs- art wird es sicherlich möglich sein, den weitaus größten Teil der Streitpunkte in unserem Wirt» schaftsleben durch gegenseitige Verständigung zu lösen.

Der Kanzler lern dann auf die Preissen­kungsaktion der Reichsregierung zu sprechen, die nicht den ungeteilten Beifall aller Wirtschafts­kreise gefunden habe. Es sei gewiß richtig, daß Preissteigerungen auf verschiedenen Gebieten cin- getreten seien. Das dürfe aber nicht darüber Hinwegtäuschen, dah die Aftion im allgemeinen gute Wirkungen gezeitigt habe. Dah sie erfolg­los gewesen sei, fDime nur behaupten, wer der Regierung politisch ent gegentret en wolle. Der Kanzler nannte zum Beweise den gesunkenen Lebenshaltungsindex und besonders die erhebliche Senkung der Preisspanne zwischen Diehpreisen und Fleischpreisen. Auf die Verminderung sol­cher Spannen komme der Erfolg der Preissen­kungsbewegung heraus. Die Bemühungen der Reichsr?gierung feien nicht nur darauf gerichtet, alles zum Wiederaufbau der Wirtschaft zu tun, sondern fie wolle auch die ileberjeugung in den Wirtschaftskreisen stärken, daß es wirklich aufwärts gehe. Solche Ueberzeugung sei not­wendig, damit nicht durch unberechtigte Zurück­haltung objektive Möglichkeiten verpaht wür­den. Sie sei auch begründet, weil trotz aller Rot der Gegenwart die Anzeichen für ein Doran­schreiten deutlich erkennbar seien, allerdings nur langsam und schrittweise, aber nachdem alle In- flattoirserscheinungen beendet seien und nachdem dis weltpolftische Beruhigung zunehme, auf nunmehr hoffnungsvolleren Bahnen. (Lebhafter Beifall.)

Im Namen der preußischen Staatsregierung Überbrachte der

Handelsminister Dr. Schreiber

Grüße und aufrichtigen Dank für die wertvolle Mit­arbeit der Industrie- und Handelskammern im ver­gangenen Jahre. Er betonte auf dem Industrie- und 'Handelstag, das vergangene Jahr fei ein Jahr der Rationalisierung der deutschen Wirtschaft gewesen. Es habe mit der Götterdämmerung größ­ter Konzerns begonnen, um allmählich in einen

Berlin, 28.April. (I1L) Die Verhandlungen des Rechtsausfchuffes über das Fürsten- kompromiß sind am Mittwochnachmittag nach sehr bewegter Debatte für unbestimmte Zeit unter­brochen worden. Der Vorsitzende, Abg. kahl, faßte das Ergebnis der heutigen Aussprache am Schluß der Sitzung in folgender Erklärung zusam­men: Man dürfe den wert der ftomprom^acbcit in keiner Weise unterschätzen, wie sich die Dmge in allernächster Zeit entwickeln würden, könne niemand voraussehen. Er für feine Person glaube, daß die Zeit gekomen wäre, wo der Reichstag wieder a u f die unentbehrliche Arbeit der Kom­promißparteien angewiesen fein wird. In der Spannung des gegenwärtigen Augenblicks fei es allerdings richtig, dem Antrag auf vorläufige Vertagung und Unterbrechung der Verhandlungen dem Rechtsausschuh zuzustimmen. Er fasse den ihm als Vorsitzenden zugedachten Auftrag dahin auf, dah er nach Vereinbarung mit den Obmännern der Par­teien die nächste Sitzung unter eigener Verantwort­lichkeit für diese Fragen einzuberusen habe. Der verkagungsantrag wurde daraus angenommen.

Das Enteignungsgesetz vor dem Reichstag.

Berlin, 28. April. (DDZ.) Auf dem Platze deS Abg. Bock (Soz.), der heute seinen 80. Ge­burtstag feiert, steht ein riesiger Strauß roter Relken. Präsident L ö b e beglückwünscht unter Beifall den Alterspräsidenten und betont dabei, dah Abg. Dock dem Reichstage seit 42 Iah - ren angehört.

ES folgt die erste Beratung des durch Dolks- begehren an den Reichstag gekommenen Gesetzes über die Enteignung der Fürstenver- mögen. Auf Antrag des Abg. Dr. Frick (Dölk.) wird damit die Beratung eineS völkischen An­

allgemeinen, noch nicht völlig abgeschlossenen Aus- scheidungsprozeß überzugehen. Im ganzen habe dieser Vorgang unseren Produktions» und Dertei- lungsapparat wirtschaftlicher und damit gesünder gemacht. Das Ziel aller Bemühungen müsse die Verbilligung der Produktion, vor allein durch die technische und organisalo» rische Rationalisierung, sein. Damit diese zu vollkommenem Erfolge führen könne, müsse man auch noch eine weitereSenkung der offen t» lichen ßaften erstreben. Dies sei aber nur durch eine wesentlich einfachere ©eftaltung des behördlichen Derwaltungsapparates möglich. Es fei nicht notwendig, daß die Zentral­instanzen über jede Kleinigkeit selbst die letzte Ent­scheidung fällen. Der Selb st Verwaltung müsse wieder weiterer Spielraum gewährt werden.

Dr. F. C. v. Siemens

führte dann über die Rationalisierung und ihre wirtschaftliche Form etwa folgend-s aus: Die Rationalisierung oder Anwen­dung von Mitteln zur Erhöhung des wirtschaftlichen Nutzeffekts sei seit jeher die Grundlage der deutschen Wirtschaft. Deutschland könne auf feine technischen und wirt­schaftlichen Erfolge stolz sein. Die Elektrotechnik habe erreicht, daß man heute gegenüber 1900 für die Erzeugung einer Lichteinheit nur e n Achtel an Kohle und für den Derbrauch nur ein Drittel an Geld aufzuwenden habe. Für eine reine Stahlerzeugung benötigte man 1900 pro Tonne Stahl noch 6600 Kilogramm Koks, heute infolge des Zusammenarbeitens der Zechen und Hütten nur noch 10 Kilogramm. Auf derartigen Fortschritten beruhe letzten Endes die Steige­rung der Lebenshaltung. Aber aus dem reichen Deutschland sei ein kavitalarmes Land geworden, dessen Produktionsleistung pro Kopf bei gleichzeitiger Erhöhung der ilnfoften ver­mindert sei. Fords fließende Fabrika­tion, als einer der neuen Wege zur Verbilli­gung der Fabrikatton, sehe die Herstellung von großen Massen gleichartiger Gegenstände voraus, ein ilmftanb, dem die viel stärkere Individualität des Deutschen widerspräche. Man dürfe jedoch in der Befriedigung individueller Wünsche nicht zu weit gehen

Durch di« Umwandlung in einen fordisierten Be­trieb unter der Bedingung genügender Aufträge gleicher Art könnten die Arbeitsvorgänge unmittel­bar hintereinander geschaltet werden, so daß das Arbeitsstück ohne Aufenthalt in Zwischenlägern un­mittelbar von einer Maschine zur anderen wandere. So wäre es möglich, Zeit und Material, d. h. Un­kosten an Kapital, zu sparen. Bei Ford brauche em Gußstück vom Hochofen abgerechnet, bis es in die Maschine ausgebaut ist, etwa acht Tage, in einer deutschen Maschinenfabrik etwa zwölf Monate. Wir müßten den in den amerikanischen Verhältnissen liegenden Kern fruchtbringend für uns gestalten, von unten anfangen und zunächst die Ele­mente vereinsachen, welche die Bausteine für jedes Endprodukt bilden. Die Fertigindustrie sei bereits eifrig bemüht, den ersten Ansatz zur fließenden Fer­tigung zu machen. Nur bei übersehbaren und gleich- bleibenden Verhältnissen könne die sehr konzentrierte und scheinbar kleinliche Einzelarbeit geleistet werden, welche aber letzten Endes den Erfolg bringe. Die notwendige völlige Einheit gäbe nur eine Fusion, in welcher nicht nur die Fabrikation. sondern auch Konstruktions- und Forschungsarbeiten, Vertrieb und allgemeine Verwaltung zusammengefaßt wer- den könnten.

träges verbunden, der die Enteignung derBank- und Börsenfürsten" fordert.

Abg. Dr. Rosenfeld iSoz.) bezeichnet es als einen Triumph der Sozialdemokratie, daß beim ersten Volksbegehren 12'/, Millionen Stim­men für den Enteignungsantrag abgegeben wur­den. Viele dieser Stimmen seien von Wählern aus den Parteien der Rechten gekommen. Die Wähler hätten sich in diesem Falle emsichis- voller gezeigt als die Parteiführer. (Unruhe und Widerspruch rechts.) Die unerhörte Habgier der Fürsten, die durch die Iustiz noch unterstützt wurde (große Unruhe rechts), habe dem Volks­begehren viele Stimmen aus allen Parteien zu­geführt. Wenn je die Enteignung berechtigt ist, dann gegenüber den deutschen Fürsten. Sie haben das deutsche Doll in den Krieg gestürzt (Lärm bei den Deutschnationalen und Rufe:Schämen Sie sich! Geschichtslüge!) Sie sind haftbar für bai Unglüd, das Sie über das deutsche Doll gebracht haben.

Abg. Graf Westarp (Shx.): Die Sozial­demokraten berufen sich auf die 12Millionen! Stimmen für das "Volksbegehren, sie erwähnen aber nicht die 21 Millionen, die sich nicht ein­gezeichnet haben, die dagegen sind. (Wicerspruch links.) Mit faustdicken Lügen ist die Agitation ist die Fürstenenteignung getrieben worden. Wenn QTbg. Dr. Rosenfeld behauptet, die deuttchen Für­sten hätten uns in den Krieg gestürzt, so drückt er damit Deutschland das Brandmal der Schuii> lüge auf. (Pfuirufe rechts, Lärm links.) Die Lüge und Derleurndung. mit der Sie (nach links) ar­beiten. erfüllen uns mit Ekel. (Lärm und Erregte Zurufe links.) Diese Revoluttonsgewinn!«: zeigeir sich in ihrer jämmerlichen Niedrigkeit. Wenn ihre Romen längst vergessen sind, werden die Rcmren unserer deutschen Fürsten 7wch in Hellem Glanze strahlen. lHändellatschen bei den Deutschnatto- nalen, Pfuirufe links.)

Die Fürstenabfindung.

Abbruch der Kompromihverhandlungen im Rechtsausschuh.