Oberhessen.
Landkreis Gießen
£ Wieseck, 28. März. Beim Futterholen st ü r z t e der hochbetagte Landwirt Reuter vom Heuboden und zog sich eine schwere Gehirnerschütterung zu. Ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, ist der Verunglückte seinen schweren Verletzungen erlegen.
—Watzenborn-Steinberg, 27.März. 2luS der letzten Gemeinderatssitzung ist zu berichten: Die Feldbereinigungsarbeiten in der Feldgemarkung Obersteinberg sind soweit gediehen, daß eine Wiedergabe der Grundstücke durch die Feldbereinigungsgesellschaft voraussichtlich noch im Laufe dieses Jahres erfolgen dürfte. Ein Wunschtermin der Grundstücksbesitzer dieser Gemarkung hat vor kurzen bereits stattgefunden. 3n seiner Sitzung legte daher auch der Gemeinderat die Wünsche der Gemeinde hinsichtlich deren Gelände fest. — Wegen Ermäßigung der Grundsteuer für Neubauten, die dieses Jahr erstellt werden, schloß sich der Gemeinderat dem Vorschlag bcd' Kreisamts an. — Einer weiteren Verlängerung des Rohrnetzes im „Penz" wurde zugestimmt. Ferner beschloß der Gemeinderat noch die Herstellung der Wasserleitung und der Kanalisation auf dem neubebauten fiskalischen Gelände vor der Zahlgasse. — Die Erbauung der Straße vor den dort errichteten Häusern wurde vorläufig zurückge- st e l l t. Zurückgestellt wurde ferner ein Antrag der hiesigen Gesangvereine auf Errichtung einer Dolkshalle unter Beteiligung der Gemeinde. Als wünschenswert könnte eine solche Errichtung wohl angesehen werden, wenn man berücksichtigt, daß in der über 2000 Einwohner- umfassenden Gemeinde kein Raum zur Abhaltung einer größeren Veranstaltung zur Verfügung steht. Bei Veranstaltungen der Vereine sind die Säle meistens überfüllt, viele Leute bleiben weg, um dem Gedränge zu entgehen. Aus diesen Erwägungen heraus war der Plan zur Errichtung einer Volkshalle gereift. Anschließend an die bekannte „Mockswies" an der Derbindungs- straße zwischen Watzenborn und Steinberg hatte man einen Platz in Aussicht genommen. Sollte die Halle nach den an sie gestellten Anforderungen hinsichtlich Gröhe und Bauart zur Ausführung kommen, so könne mit einem Kostenaufwand von 70 000 bis 80 000 Mark gerechnet werden. Ob und wann der Plan einmal zur Durchführung kommt, wird nicht allein von den Gemeindegliedern, sondern nicht zuletzt auch von den allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnissen ab- hängen.
t Grünberg, 27. März. Bei der vom Forstamt Rieder-Ohmen in Merlau abgehaltenen Holzversteigerung wurden folgende Durchschnittspreise pro Raummeter erzielt: Scheiter: Buche 13,40 Mk., Hainbuche 13,75 Mark, Eiche 9,10 Mk., Birke 10,90 Mk., Kiefern 7,20 Mk.. Fichte (l.Kl.) 6,80 Mk., (2. Kl.) 4,50 Mark. Knüppel: Buche 10 Mk., Hainbuche 8 Mk., Eiche 5,70 Mt., Esche 5,80 Mk., Kiefern 5L0 Mk., Fichte 5,50 Mk. Knüppelreisig: Kiefern 2,10 Mk., Fichte 2,30 Mk. Reisig: Buche 2,05 Mk., Eiche 1,70 Mk. Stöcke: Buche 6 Mk., Eiche 4,40 Mr.. Kiefern 5 Mk. und Lärche 5 Mk.
}) Lich, 28. März. Der beliebte L i ch e r Ostermarkt muß infolge der im Kreise Gießen herrschenden Maul- und Klauenseuche a u s f a l l e n.
df. Langsdorf, 27. März. Wie schon früher berichtet, hatte der Gemeinderat am 8. Februar den Bau der Wasserleitung von Inheiden l nach Langsdorf beschlossen. Auf das Ausschrei- ben der Arbeit hatte eine große Anzahl von Firmen ' ihr Angebot eingereicht. Der Voranschlag lautete . auf 160 000 Mk. Es wurden Angebote eingereicht in einer Höhe von etwa 130 000 bis über 300 0Ö0 Mk. Gestern fand nun im Beisein eines Vertreters vom Kreisbauamts eine nichtöffentliche Gemeinderatssitzung statt, die über die Arbeitsvergebung beschloß. Die ganze Arbeit ist in drei Lose eingeteilt, die alle drei an die Firma Karl und Christian Fan in Lich vergeben wurden. Los 1: Strecke Inheiden bis Hochbehälter für 27 488 Mk., Los 2: Hochbehälter, fassend 400 Kubikmeter, für 17 378,50 Mark, und Los 3: Ortsnetz und Kanalisation für .S4 911 Mk., also insgesamt für 129 777,50 Mk. Die Rohre zur Wasserleitung sind vorhanden, die Kanalisationsrohre, Senkkasten u. dgl. sind vom Unternehmer zu liefern. An der Ausführung der Arbeit, mit der sogleich nach Ostern begonnen wird, sind
Die tolle Herzogin.
Roman von Ernst Klein.
Copyright by Carl Duncker, Verlag, Berlin.
28. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Der Inspektor riß ein paar sehr erstaunte Augen auf.
„Nein," brummte er, „das Geschoß hat min- bestens 38 Kaliber, und das ist hier 24. Also zwei Schüsse? Wo ist der zweite Schuß? Aha, in der Uhrl' Sie haben wohl vorhin, Sir Walter, das Geschoß gesucht?"
„Stimmt. Vielleicht haben Ähre Leute mehr Glück als ich. Ich denke, die Kugel hat die Uhr durchschlagen, muh aber bann irgendwo zur Seite abgelenkt worden sein. Bei einem Fenster müßte sie liegen."
Die Kriminalbeamten machten sich an die Arbeit.
„Die Sache kompliziert sich also", faßte Sir Walter die bisherigen Ergebnisse zusammen. „Eine Frau kommt in das Haus, augenscheinlich von Las Valdas erwartet. Ein Mann, der irgendwie zu ihr in Bezi»hund steht, bringt von unten her ein. Zweifellos hat die Frau geschossen, aber ihre Kugel ist es nicht, die Las Valdas getötet hat, sondern die andere, die meiner Meinung nach aus einer automatische Pistole stammt. Wer hat nun diesen zweiten Schuß abgefeuert?"
„Doch wohl der Mann, der nach der Frau hier eingedrungen ist."
Sir Walter Ryce wollte etwas antworten, doch im selben Moment ertönte bas Telephon.
Der ins Ritz entsanbte Detektiv war am Apparat.
„Ein Herr 6t. Aubain aus Paris hat vorhin angerufen. Er ist bereits feit zwei Wochen hier und hat vielfach den Besuch des Grafen Las Valdas empfangen. Gegenwärtig hält er sich mit seinem Sekretär auf fernem Zimmer auf."
St. Aubain? Zu Sir Walter Ryces Pflichten gehörte es, alle bedeutenden Persönlichkeiten in der Well wenigstens dem Namen nach zu kennen. Er kannte den Namen St. Aubain, wußte nur im Moment nicht, wo er ihn hinzutun hatte.
St. Aubin? Mit gerunzelter Stirn starrte er den dicken Smyrna auf dem Fußboden an, als könnte
hiesige Firma weitestgehend beteiligt, und zwar die Firmen: Fabian & Jung, Friedrich Thörner, Hermann Lehrmund, Georg Rühl, Karl Jakob. Laut Vertrag mit dem Unternehmer soll die ganze Arbeit bis 31. August vollendet sein. Der Ban der Wasserleitung dürfte manchem Arbeitslosen unserer Umgebung eine willkommene Arbeitsgelegenheit bieten, auch mancher andere kann sich hierbei ein schönes Stück Geld verdienen.
Kreis Büdingen.
— — Ortenberg. 27. März. Die diesjährige (51.) Generalversammlung des hiesigen Vorschuß- und Creditvereins findet Mitte April statt. Dem Jahresbericht entnehmen wir. daß das abgelaufene Geschäftsjahr trotz der immer mehr sich ver- schärfendes Wirtschaftskrise eine zufriedenstellende Entwicklung nahm. Die Ein- nahmen und Ausgaben schließen mit 2 476 469,08 Mk., die Bilanz mit 205 669,44 Mk. ab. Eine an und für sich notwendige Erhöhung des Aktienkapitals soll wegen dec augenblicklich schlechten allgemeinen Geschäftslage und der damit zusammenhängenden Geldknappheit erst der nächstjährigen Generalversammlung vorgeschlagen werden.
)( Ortenberg. 27. März. Gestern siedelte Lehrer Kraft von hier nach Dleichenbach über. Aus diesem Anlaß versammelten sich der Stadt-, Schul- und Kirchenvorstand in der Wohnung des Scheidenden. Rach einem Gesang der Schulkinder unter Leitung von Lehrer Roh sprach Pfarrer Kahn Worte des Dankes und des Abschieds an den verdienten Lehrer, der 4 2 Jahre in der Gemeinde wohnte und außer 2 Monaten am Anfang seiner Lehrtätigkeit in Rixfeld seine ganze aktive Amtszeit im Dienste der Gemeinde und Jugendbildung von Ortenberg stand. Die Gemeinde ließ ihrem beliebten Lehrer ein Diplom und einen Sessel übereichen. Mit bewegten Worten häufte Lehrer Kraft allen Beteiligten, insbesondere auch den Schulkindern, die mit Gesang die sinnige Feier beschlossen.
Kreis Schotten.
—.— Gedern, 27. März. Die hiesige Prämienmarktslotterie wurde vom Ministerium genehmigt. — Der Gemeinderat hat beschlossen, den zur Zeit unpassierbaren Erlesweg in gebrauchsfähigen Zustand zu sehen. Außerdem soll die Brücke im Erles ein ®e> länder erhalten, damit Unfälle vermieden werden. — Das Wiesengelände am Fichtenbaum wurde in einzelne Morgen eingeteilt und ein Weg ausgemessen, damit das Heber- fahren der Wiesen in Zukunft unterbleibt. An Stelle des Fichtenbaums, der wegen Blitzschlag gefällt werden muhte, soll eine Gruppe Douglas- fichten angepflanzt werden.
Kreis Alsfeld.
M Alsfeld, 27. März. Stadtvor - standssitzung. Der erste Punkt der jüngsten Sitzung war eine Eingabe der Eltern der Schülerinnen der Höheren Bürger- Mädchenschule. Sie beantragten, den im Jahre 1924 von der Stadt gefaßten Beschluß, wonach die ungedeckten persönlichen Kosten von den Eltern getragen werden müssen, einer Rachprüfung zu unterziehen, da das erhöhte Schulgeld auf die Dauer von vielen Eltern finanziell nicht getragen, werden könne und her Bestand der Schule dadurch gefährdet sei. Rach einer längeren Debatte, in der von sozialdemokratischer Seite die Schule als überflüssig und als eine Standes- schule bezeichnet wurde, beschloß man gegen die Stimmen der Linken, entsprechend dem Vorschläge der Finanzkommisiion, daß die Eltern zur Tragung der ungedeckten persönlichen Kosten einen monatlichen Zuschuß von 3 Mk. zu dem normalen Schulgeldsatz für höhere Lehranstalten zu leisten haben. Der hiernach noch verbleibende Rest wird vom Rechnungsjahr 1926 ab bis auf weiteres auf die Stadtkasse übernommen. — Festsetzung der Gebäudewerte für die Be- rechnung der Kanalbenutzungsgebühren. Seither wurde der Erhebung der jährlichen Kanalbenutzungsgebühren der Brandversicherungswert der einzelnen Gebäude zu Grunde gelegt. Da sich in der Praxis aus dieser De-- rechnungsgrundlage Ungerechtigkeiten ergeben haben insofern, als oft die älteren Häuser verhältnismäßig zu niedrige Gebühren zahlen im Vergleich zu den neueren Häusern, ist mit ministerieller Genehmigung die Gebührenordnung da-
er aus seinen Mustern ■ die Antwort herauslesen. St. Aubin — St. Aubain? Natürlich —
„Wißen Sie, wer das ist?" wandte er sich zu Gernot.
„Das ist der Präsident der (Kompanie Internationale de Naphte. Ein großer Macher in allen Petroleumfragen. Aber was in aller Welt hat der mit Las Valdas zu tun?"
18. Kapitel.
Gleich darauf trat der Konstabler ein, der an der Eingangstür Wache hielt und meldete, der Diener Las Valdas' sei nach Hause gekommen.
„Herein mit ihm!"
Ein kleiner schmächtiger Mann mit braunem Gesicht wurde hereingeschoben. Entsetzt starrte er auf das Bild, das sich ihm bot. Seine Knie begannen zu zittern, und krampfhaft drehte er den Filzhut zwischen den Händen.
„Sie finden Ihren Herrn ermordet," sagte Sir Walter zu ihm, „fassen Sie sich zunächst einmal, bann werde ich einige Fragen an Sie zu richten haben! Wie kommt es, daß Sie heute abend nicht zu Hause waren? Hatte Ihr Herr Sie fortgeschickt?"
jawohl, mein Herr. Der fterr Graf kehrte heute nachmittag um halb vier Uhr von Burnham zurück."
„Von Burnham Tower? Wie kam er dorthin? Wie lange war er dort?"
„Er war von Lady Grace, der Tochter Lord Burnhams, vor zehn Tagen zu ihrer house party eingeladen worden. Zwischendurch aber kam er in die Stadt zurück und hielt sich hier vier Tage auf, um bann wieder nach Burnham Tower hinunterzufahren."
„Wissen Sie, weshalb er in die Stadt zurück- tam?"
„Er hatte wohl dringende Geschäfte auf der Gesandtschaft."
„Empfing er nicht häufig den Besuch eines französischen Herrn, eines Herrn St. Aubain?"
„Ganz recht, Herr St. Aubain war ein-, zweimal hier, doch ich glaube, der Herr Graf hat mehrfach mit ihm im Hotel Ritz konferiert."
„Worüber? Das roiffen Sie wohl nicht?"
Der Mann, der sich langsam und mühsam faßte, schüttelte ben Kopf.
„Also weiter! Sie sagten, Graf Las Valdas sei gestern nachmittag um halb vier Uhr von Burnham Tower zurückgekehrt. Soviel ich weiß, ist die house
hin abgeändert worden, daß künftig der Gebäudewert der Berechnung der Gebühren zu Grunde zu legen ist. Die Festsetzung der Gebäudewerte erfolgt durch den Stadtvorstand oder die von diesem dazu ermächtigte Daukommission. Demgemäß wurde das borqclcgte Hebei!egister mit den entsprechenden Festsetzungen genehmigt und die Daukommission ermächtigt, künftig die Festsetzung der Gebäudewerte selbständig vorzunehmen. .Als Mindestbetrag des Gebäudewertes einer Hofreite wurde ein Wert von 5000 Mk. festgesetzt. Es werden erhoben auf je 100 Mk. Gebäudewert 10 Pfg. Gebühren. — Erweiterung des Stadtmauerwegs: Zum Ausbau dieser Straße, der mit Erwerbslosen als öffentliche Rotstandsarbeit ausgeführt wird, ist noch teilweise ein Gebäudeerwerb von den Anlegern erforderlich. Die hierüber mit den Besitzern getroffenen Vereinbarrmgen wurden genehmigt. Als Preis für das zur Straßenerweiterung benötigte Gelände werden durchweg pro Quadratmeter 2 Mk. vergütet, für Versehen von Einfriedigungen, Garteichütten usw. werden besondere Entschädigungen geleistet. — Anträge der Erwerbslosen: Die Erwerbslosen haben den Antrag gestellt, ihnen Brennmaterial zu verbilligtem Preise, Holz zum Tarifpreis abzugeben und ihnen den zulässigen Zuschlag zur Pflichtarbeit zu gewähren. Entsprechend dem Vorschlag der Finanzkommission wurde dieser Antrag abgelehnt, gegen die sozialdemokratischen Stimmen. Auf ein weiteres Gesuch der Erwerbslosen, ihnen eine Ost erbeih iffe zu bewilligen, wurde unter Ablehnung der von sozialdemokratischer Seite gestellten Anträge, die weiter gingen, beschlossen, den Erwerbslosen eine Oster- beihilfe von 20 Mk. zu gewähren, nebst 1 Mk. Zuschlag für jeden zuschlagsberechtigten -Unter- stühungsempfänger. Die Ausgabe erfolgt auf Gutscheine.
— Groß-Felda, 26. März. Bei der ersten hiesigen Holzoer st eigerung konnte man größere Zurückhaltung beobachten, als bei ben Versteigerungen in ber Umgegenb; eine Folge der Gelb- knappheit. Diele Leute hier finb auch bereits in großem Umfange zum Brennen mit Briketts uber- gegangen. So hat die Geschäftsstelle bes Raiffeisen- verbandes während des Winters mehrere Waggons Briketts kommen lassen, ebenso auch bie hiesige Firma Weifenbach & Lißberger. Die Buchenscheiter 1. Klasse kamen über ben Tarif. (4 Rm. auf 45 bis 46 Mk.), währenb Buchenknüppel 1. Klasse im Durchschnitt zum Taris, 4 Rm. also zu 34 Mk. abgesetzt würben. Sehr gesucht war Reisig. — Im hiesigen Gotteshause veranstalteten Pfarrer Weber unb Lehrer Rayh wieber einen Lichtbilder- abend. Es waren Passionsbilber, die an unserem Auge vorüberglitten.
Kreis Lauterbach.
WSN. Lauterbach, 28. März. Aus den in bei letzten Woche stattgefundenen amtlichen Lehrerkonferenzen wurde als Tag der Rheinfahrt ober hessisch er Schüler und Schülerinnen der 5. Juni festgesetzt. Man rechnet mit einer Beteiligung von 1200 bis 1500 Kindern unb Erwachsenen. Die Dampferfahrt geht von Mainz über Rübesheim— Bingen nach Koblenz. Die Rückfahrt wirb mit Sonberzug burch bas Lahntal erfolgen. — Regierungsrat a. D. Müh.ling, ehemals Leiter der Station Ambarn in Kamerun, hielt in der vergangenen Woche in Lauterbach sowie zahlreichen Orten in Oberhessen Lichtbildervorträge über unsere ehemaligen Kolonien. Es sei unsere Pflicht, mit allen verfügbaren Mitteln sich für bie Rückgabe unserer Kolonien einzusetzen. Der Reinertrag der Vorträge wirb zu wohltätigen Zwecken verwanbt.
WER. Lauterbach, 27. März. Der 30- jährige Landwirt Adam Tränker aus Q ueck, der mit sein ein Rade zwecks (Erledigung von Geschäften gefahren war, geriet bei der Rückfahrt am Bahnübergang bei der Hohmühle, wo keine Bahnschranke vorhanden ist, aus jetzt noch unbekannter Ursache unter den vorbeifahrenden Personenzug und wurde übersah- r en. Der Tod trat auf der Stelle ein. Das Rad blieb eigentümlicherweise unversehrt.
hAltenschlirf, 27. März. Die am 4. Jan. eröffnete Kraftpost Lauterbach — Landenhausen — Stockhausen — Altenschlirf — Freiensteinau hat nach einer Mitteilung der Oberpostdirektion Darmstadt ein sehr ungünstiges Ergebnis gehabt. Im Monat Februar hat sich ein Fehlbetrag von 1796 Mk. ergeben. Die genannte Behörde hatte deshalb vor
party dort noch nicht abgebrochen. Wissen Sie, warum der Herr Graf gestern schon wieder nach London kam?"
„Er hatte sich am Knie verletzt unb wollte, wie er mir sagte, seinen Gastgebern nicht lästig fallen."
„War bie Verletzung schwer?"
„Es scheint so, denn ber Herr Graf konnte nur mit Hilfe bes Chauffeurs aus dem Auto steigen, unb mir mußten ihn beide bie Treppe heraufhelfen. Nichtsbestoweniger fuhr er gleich daraus wieder fort. Vorher aber sagte er mir noch, ich könnte ben Abend für mich benützen, da er für acht Uhr Besuch erwartete."
„Sie waren wohl derartige Urlaube gewöhnt?"
Ein schwaches Lächeln glitt über die verängstigten Züge des Dieners.
„Sehr wohl, mein Herr", antwortete er. „Der Herr Gras pflegte öfters Besuch zu empfangen, ben nicht einmal ich sehen durfte."
„Wissen Sie, wen er gestern erwartete?"
Der Mann schüttelte ben Kopf. Er warf einen scheuen Blick auf bie Gestalt seines toten Herrn — eine große Träne rollte langsam über seine braunen Wangen herab.
„Vielleicht weiß ber Chauffeur etwas", meinte Inspektor Gernot.
„Der Chauffeur? Der Mann schläft wohl in der Garage?"
„Ganz recht. Sie ist nicht weit von hier, gleich in Davies Street", gab der Diener Bescheid.
Ein Konstabler wurde abgeschickt, um den Chauffeur zu holen. Der Diener durfte sich zurückziehen.
Inzwischen hatten die Leute Gernots ununterbrochen gesucht unb einer von ihnen fanb auch enblich ganz in ber Ecke am linken Fenster bas kleine plattgebrückte Geschoß, bas bie Uhr durchschlagen hatte.
„Sehen Sie," sagte Sir Walter zum Inspektor, „daß ich recht gehabt habe. Die Frau hat geschossen. Zweifellos in ber Absicht, ben Gentleman hier auf bem Sofa zu töten. Aber sie hat nicht getroffen. Es wäre nur bie Frage, wo bie Uhr gestanden hat. Lassen Sie mir noch einmal ben Diener rufen!"
Der Mann kam zu Tobe erschrocken zurück, doch Ryce, ber jeben nach seiner Art zu behandeln verstand, beruhigte ihn:
geschlagen, diese Linie a u s z u h eb e n. oder sie auf eine Teilstrecke einzuschränken. In der unter dem Vorsitz des Kreisdirektors Dr. Wichel aus Lauterbach stattgehabten Versammlung der Bürgermeister der interessierten Gemeinden wurde beschlossen, die Linie auf die Teilstrecke Lauterbach — Stockhausen e inz usch rän ken. Mit Rücksicht daraus, daß die Linie auch preußisches Gebiet durchfahre, wurde weiter beschlossen, bei der Oberpoftdirek- tion zu becnrtragen. daß für die Benutzung der Post der in dem Oberpostdirektionsbezirk Kassel giftige Tarif von 8 Pf. — anstatt 10 Pf. — zur Anwendung komme. Man hofft dadurch eine stärkere Inanspruchnahme und eine bessere Rentabilität des linterneymens zu erreichen und die Ausdehnung der Linie für spätere Zeit ins Auge fassen zu können.
Starkenburg.
Bieber bei Offenbach, 27. März. (Wolff.) Heute nachmittag gegen 2.30 Mr ereignete sich am Gasthaus „Zur Krone" in bei sogenannten S-Kurve in Bieber ein schwerer ^Autoun- fall. Ein Lastauto des Spediteurs Müller, Offenbach a. M., das von dem Geschäftsinhaber selbst gesteuert wurde, überfuhr einen Arbeiter des Offenbacher Gaswerkes, der auf der Stelle getötet wurde. Ferner wurde der Schmiedemeister Burggraf schwer verletzt. Er wurde sofort in das Städtische Krankenhaus nach Offenbach verbracht. Heber die Ursache des schweren Huglücksfalles konnte noch nichts in Erfahrung gebracht werden.
Rheinhessen.
WSN. Worms, 28. März. Auf bem hiesigen Wochenmarkt hat sich am Samstag ein schrecklicher Vorfall ereignet. Der Arbeiter Karl Theis wollte von dem Gemüsehändler Bauer Gemüse kaufen, konnte mit ihm aber über ben Preis nicht handelseinig werben. Der Hänbler weigerte sich, bem Verlangen des Theis auf Preisherabsetzung nachzugeben, worauf Theis zum Messer griff unb Bauer einige Stiche in bie Brust versetzte. Bauer brach blutüberströmt zusammen unb mußte nach bem Krankenhause verbracht werben, wo er halb darauf gestorben ist.
Preußen.
Kreis Wetzlar. " t
WSR. Wetzlar, 28. März. Zwischen W eh- l a r und Braunfels ereignete sich am Freitagnachmittag ein schwerer Automobilunfall. An der steilen, unübersichtlichen sog. Steindorfer Kurve wurde der 43jährige Kaufmann Weih aus Tlnruhstadt (Kreis Domst im früheren Regierungsbezirk Posen) von einem aus Wetzlar kommenden Automobil überfahren und schwer verletzt. Kurz nach seiner Einlieferung im Wetzlarer Krankenhaus ist er gestorb.en. Der Verunglückte war ait der Kurve plötzlich vor das Auto geraten, so daß ein Ausweichen unmöglich war. Eine Schuld des Autoftihrers scheint ausgeschlossen. Der Verunglückte, der von den Polen vertrieben war, hatte sich in der hiesigen Gegend ansässig gemacht, war aber seit längerer Zeit arbeitslos.
3 Wetzlar, 28. März. Am heutigen Palmsonntag fand im Dom die Konfirmation der Konftrmanden des Ost- und Westbezirks von Altwetzlar statt. Zusammen sind es in diesem Jahr 84 Knaben und 1 02 Mädchen. Zwei Kinder, die vor einigen Tagen nach Südamerika ausgewandert sind, sind bereits am Sonntag, 7. März, konfirmiert worden.
XX Wetzlar, 27. März. Die hiesige landwirtschaftliche Winterschule hat ihren diesjährigen Kursus beendet. Im November wurde der Tlnterricht mit 31 Schülern er-, öffnet, darunter besuchten 9 die Anstalt im zweiten Jahr. Insgesamt 28 Schüler gehörten dem Kreise Wetzlar und 3 dem Kreise Biedenkopf, und zwar den Rachbargemeinden Hermannstein und Waldgirmes, an.
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„Können Sie mir sagen, wie bie Uhr hier auf bem Schreibtisch gestanden hat?" fragte er ihn.
„Genau in ber Mitte hinter bem Tintenfaß", lautete bie Antwort.
Sie Waller stellte die Uhr auf ben angegebenen Platz unb trat bann an bie Türe, bie zu dem Vorderzirnrner führte. Abermals maß sein Blick Entfernungen unb bie daraus sich ergebenden Möglichkeiten.
„Danach müßte," sagte er, „bie Frau, als sie den Schuß abfeuerte, ungefähr hier geftanben haben. Las Valdas muß neben der Chaiselongue gewesen sein, als ihn der Schuß traf, — man sieht es hier an den Falten des Teppichs. Dann ist er zurückgetaumelt. Wo hat also der eigentliche Mörder gestanden?"
Von einer plötzlichen Idee erfaßt, wandte er sich zu O'Neill:
„Sagen Sie einmal, haben Sie, als Sie in bas Haus kamen, einen Schuß gehört?"
Der Konstabler dachte einen Augenblick nach unb verneinte bie Frage.
„Nichts habe ich gehört, Sir Walter, ber Regen planschte gerabe so heftig nieber, daß einem bie Ohren davon voll waren."
„Merkwürdig", brummte Sir Walter vor sich hin. „Die beiden Schüsse müssen gleichzeitig gefallen fein, denn sonst hat ja die Veranstaltung dieses Schnellfeuers gar keinen Sinn. Wie geht ber Schußkanal, Herr Doktor, in ber Wunbe?"
Der Arzt beugte sich über den Toten und untersuchte nochmals bas Loch in besten Brust.
„Der Schußkanal ist ganz gerade," erwiderte er bann, „bas Geschoß muß also birett von vom gekommen sein."
„Der Mann ist doch nach ber Frau ins Haus gebrungcn", reflektierte Sir Waller, stellte sich erst an die Tür, die von der Hall hereinführte und hierauf an die Tür zum anderen Zimmer. Dabei streifte er an den Kelim, der hier hing. Hob ihn auf. Ließ ihn kopfschüttelnd wieder fallen---
Ein Konstabler trat ein.
„Sir Walter, der Chauffeur ist da."
Der Mann trat ein. Ein großer, junger Bursche. Intelligentes Gesicht, stramme Haltung — aber ver^ schlafen, wie eben jemand, den man ohne viel Formalitäten ans dem Bette holl.
(Fortsetzung folgt.)


