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Das ist ja nun freilich auch ein Witz, ein Wik der Zeitgeschichte, und fein schlechter. Nur schade, daß die Händler damit fein Geschäft machen. Eines nach dem andern sind die Blätter vom Baume des Humors gefallen, und die amtsschimmeligen hebt fein Mensch mehr auf.

Schwarzseher verleitet dieser Herbst zu der Mei­nung, der Regierung werde es nicht besser gehen als ihren Wikläden, denn eine Herrschaft, die feinen Spaß verstehe, fönne sich unmöglich auf die Dauer halten. Mussolini dagegen glaubt an eine fünfzig­jährige Dauer des Regimes. Wir werden ja bald sehen, wer Recht behält.

Oberhessen.

Landkreis Gießen.

sf. Burkhardsfelden, 27. Ott. Recht bös­artig tritt hier die Maul- und Klauen­seuche auf. Bis jetzt ffhb weit über 50 Gehöfte verseucht, und unter den Viehbeständen ist schon großer Schaden entstanden. Gegen 2 0 Stück G r o^ß v i e h sind bereits verendet, und noch ist die Seuche im Fortschreiten begriffen. Einzelne Landwirte, denen mehrere Stück Großvieh gefallen sind, wurden besonders hart betroffen. Da bei uns nur landwirtschaftlicher K l e i n b e s i tz besteht, sind die Folgen dieser Verheerung für den einzelnen Landwirt gar nicht abzusehen.

t. Lindenstruth, 27. Oft. Die Vor­arbeiten zur Verlegung ber Wieseck ha­ben den ganzen Sommer in Anspruch genom­men. Die so notwendige Regulierung kann jedoch nicht erfolgen, solange nicht die Gemeinde R e i s - f i r d) e n in dem anschließenden Teil des Wie- sengrundes ebenfalls eine Verlegung vornimmt. Dor kurzem hat nun der Gemeindevorstand zu Reiskirchen ebenfalls die Dachregulierung beschlossen, und damit sind dir Vorarbeiten so weit beendet, daß demnächst mit den eigentlichen Arbeiten begonnen werden kann. Anfang Ro- vember sollen die Eroarbeiten vergeben werden. Wenn die Witterung günstig ist, finden viele Arbeitslose auf einige Zeit Beschäftigung.

A: L i ch, 27. Oft. In den letzten Jahren hatte sich hie. immer mehr die Gepflogenheit eingebür­gert, in den Bäckereien und Metzgereien abends, namentlich an Samstagen, bis 9 oder 10 Uljr einzukaufen. Gegen diese Gewohn­heit der Käuferschaft ist jetzt die Polizei vor- gegangen. Sie Hal den Ladenschluß all­gemein auf 7 ÜIHr abends festgesetzt und sieht streng auf die Innehaltung dieser Vorschrift. Infolgedessen waren cun letzten Samstag alle Geschäfte um 7 Ahr abends geschlossen, so daß die Geschäftsleute nunmehr auch in den Genuß einer ungestörten Abendruhe kommen. Mit dieser Regelung ist die Geschäftswelt einverstanden, und auch das Publikum wird sich zweifellos von der früheren unliebsamen Gepflogenheit frei­machen. Es ist wohl anzunehmen, daß nun auch auf die strenge Einhaltung der Sonntags­ruhe, namentlich in den Bäckereien und Metz­gereien, gesehen wird.

T) L i ch, 27. Oft. Der Stadtvorstand beschäftigte sich in feiner jüngsten Sitzung zunächst mit einem Gesuch der ButzbachLicher Eisenbahn um Erlaß von Obliga­tion sz in sen. Der Antrag wird damit be­gründet, daß ein Gewinn aus dem Bahnbetrieb nicht erzielt worden sei. Der Bürgermeister teilte hierzu ergänzend mit, daß am 9. Oktober bereits eine Besprechung der Bürgermeister der betei­ligten Gemeinden in Butzbach stattgefunden habe tund daß sich die dort versammäten Bürger­meister in überwiegender Mehrheit dafür aus­gesprochen hätten, daß die Zinsen nachge­lassen werden. Diese Regelung soll sich vor­läufig nur auf das Jahr 1926 erstrecken, nur dann Gültigkeit haben, wenn der Fahrplan in vollem Amfange aufrechterhalten bleibt und Einheitlichkeit in der Beschlußfassung der Gemeinderäte der Anliegergemeinden besteht. Der Stadtvorstand stimmte nach kurzer Debatte dem Vorschläge zu. Sodann gab der Bürger­meister die einschlägigen Bestimmungen des Ge­setzes über das Strahenwesen in Hessen 'vom 15. Juli 1926 bekannt. Seitens des Stadt­dorstandes wurde es für dringend erwünscht er­achtet, daß die mit einem sehr schlechten Voll­pflaster versehenen Ortsdurchfahrten mit Kleinpflaster angelegt werden. Der Bürger­meister wurde beauftragt, nach Maßgabe dieses Gesetzes bei den zuständigen Regierungsstellen einen Antrag auf Amänderung des bestehenden Pflasters und Bewilligung eines Zuschusses zu

Wie die ersten Erfindungen gemacht wurden.

Die Entdeckungen und Erfindungen, die der Mensch der Arzeit machte, bedeuten einen gewal­tigen Fortschritt im Aufstiege der Kultur, und so selbstverständlich uns heute das erscheint, was damals in unvordenklichen Zeiten dem Menschen­geist gelang, so dankbar haben wir doch diesen Arvätcrn unserer Wissenschaft und Technik zu sein.

Die 3 Dee einzelner Werkzeuge, die der vor­geschichtliche Mensch erfand, ist schon in den natürlichen Organen verwirklicht, so z. B. der Gedanke des Faustkeils in der Faust, der des Stockes im Arm. Eines der Arwerkzeuge, der hölzerne Stock, eignete sich auch zum Wurf auf kurze Entfernungen, und als einmal ein Vor­fahr der heutigen Australier einen solchen, etwas stärker gekrümmten Stock nach einem Vogel schleu­derte, das Ziel verfehlte und zu seiner Ver­wunderung den Stock wieder zurückfliegen sah, da war die sonderbare Wckiie, der Dumerang, erfunden, dessen wahre Wirkungsweise erst durch die Theorie des Kreises verständlich wird. Will man den feineren Formen des Erfindergeistes beim Urmenschen auf die Spur kommen, so muß man sich bei den Kindern Rat erholen. Es gibt viele Kinder, die in ihrem Spiel ganz aus sich heraus Erfindungen machen und originelle Lei­stungen vollbringen. Ernst Mach, der auf diese Bedeutung der Kinderpsychologie für die Erhel­lung der fernsten Vergangenheit hingewicsen hat, veranlaßte einen seiner Söhne, der schon in frühester Jugend eine bedeutende mechanische Veranlagung zeigte, seine damalige Entwicklung aus der Erinnerung darzustellen. Dabei zeigte sich,daß die gewaltigen, unauslöschlichen, dyna­mischen Empfindungserfahrungen jener Zeit uns mit einem Male auch dem instinktiven Ursprung aller Behelfe, wie Werkzeuge, Waffen und Maschinen, näherrücken". Eine der ältesten, wenn nicht die älteste Maschine ist der Hebel. Die Erleichterung beim Erfassen des längeren Hebel­arms ist eine Empfindung, die sich dem Aatur- menschen ganz von selbst aufdrängen mußte. Die

stellen. Aach einer Vorlage des Bürgermeisters sind für das Dierfamilienhaus am Schwanen see noch folgende Arbeiten erforder­lich: Anbringung eines Vordaches über der Haus- türe, eine Hofbefestigung und eine Einfriedigung. Der Stadtvorstand beschloß, diese Arbeiten aus­führen zu lassen. An Stelle der vollen Einfriedi­gung soll je ein Tor am Haus nach der Mittel- gasse und dem Schwanensee angebracht werden. Da das Aachbargrundstück bereits eingefrlebigt ist, würde hiermit eine zweckentsprechende Hof- einfriedigung geschaffen sein. Die Hofbefestigung soll mit Zementplatten ausgeführt werden. Gin weiterer Punkt, dessen Beratung längere Zeit in Anspruch nahm, war von erheblicher Bedeu­tung. Cs wurden die Grundsätze für die Er­hebung des Wassergeldes im Rech­nungsjahr 1 9 2 7 beschlossen. Anterschieden nach 6 Klassen, entsprechend der Große der be­nutzten Wohnungen (Klasse 1 bis zu 2 Zimmer mit Küche, Klasse 2 3 Zimmer und Küche, Kl. 3 4 Zimmer und Küche, Kl. 4 5 Zimmer und Küche, Kl. 5 6 Zimmer und Küche, Kl. 6 7 und 8 Zimmer und Küche) zahlen einzelstehende Per­sonen jährlich 3, 3,60, 4,80. 6, 7,20, 9 Mk., 2 Personen 4,20, 4,80, 6, 7,20, 9, 10,80 Mk., 3 Personen 5,40, 6, 7,20, 8,40, 10,80, 12,60 Mk.: 4 Personen 6, 7,20, 8,40, 9,60, 12,60, 14.40 Mk.: 5 Personen 6,60, 8,40, 9,60, 10,80, 14,40, 16,20 Mark: 6 und mehr Personell 7,20, 9,60, 10,80, 12, 16,20, 18 Mk. Für größere Wohnungen bilden 50 Mk. die Höchstgrenze. Für die Wasserver­sorgung von Badeeinrichtungen ist pro Kopf ein Betrag von jährlich 1 Mk. zu entrichten. Der gleiche Grundsatz gilt für Wasserspülklosetts. Für Gewerbebetriebe, wie Wirtschaften, Bäckereien, sind besondere Zuschläge, die sich zwischen 1 bis 20 Mk. bewegen, zu zahlen. Für ein Stück Groß­vieh im Alter von über 6 Monaten werden 1,60 Mk., für ein Schwein 80' Pf. und für c'ne Ziege 40 Pf. berechnet. Für Hausgärten wird ein Wassergeld von 2 bzw. 1 Pf. pro Quadrat­meter Gartenfläche, für Wasserstrahlpumpen 1 Mk., für Kraftfahrzeuge 15 Mk. und für Bau­zwecke je 100 Mk. Bauwert ein Zuschlag von 5 Pf. erhoben. 3m Falle der Wasserabgabe nod; Messung werden neben der üblichen Wasser­messermiete für jeden Kubikmeter 16 Pf. be­rechnet. Die Wassermessermi'de für kleine Wasser­messer beträgt monatlich 30 Pf., für mittlere 50 Pf., während größere käuflich zu erwerben sind. Falls die Wasserabnehmer mit den ge­nannten Sähen nicht einverstanden sind, ist ihnen die Berechtigung zugestanden, sich aus ihre Kosten einen Wassermesser sehen zu lassen. Lediglich größeren Wasserabnehmern wird folgende Ver­günstigung zugestandcn: Für d'e ersten 9000 Kubikmeter ist der übliche Kubrkmeterprcis von 16 Pf., für die nächsten 3000 je Kubikmeter 14 Ps. und für alle weiteren Wassermengen je Kubik­meter 12 Ps. zu zahlen. Die Wassergeldfest­setzung für das Jahr 1927 ist gegenüber dem Vorjahre durchschnittlich um 25 Proz. geringer. Friedrich Groh ist nach auswärts verzogen und hat sein Wohnhaus in der Braugasse der Stadt zur Miete angeboten. Aach den Aus­führungen des Bürgermeisters sind in dem Hause drei Wohnungen vorhanden, die an hiesige Woh­nungsuchende weitervermietet toTbcn können. Der Mietpreis soll insgesamt 75 Mk. pro Monat be­tragen und für einige Zeit seitens der Stadt im voraus an den Vermieter entrechtet werden. Die Gebäudeunterhaltung obliegt dem Hausbesitzer. Der Mietvertrag soll zunächst auf 2 Jahre abge­schlossen werden. Die herrschende Wohnungsnot in unserer Stadt veranlaßte den Stadtvorstcrnd, fast debattelos dem Anträge zuzustimmen, zumal hier größere finanzielle Opfer nicht erforderlich sind. Verschiedene Gesuche gemeinnütziger Vereine um äl nt er st ützun g verfielen in­folge der Häufigkeit, mit der derartige Gesuche an die Stadt herankommen, der Ablehnung. Weiter wurde beschlossen, das den Bauxit- werken A. G. in Gießen zur Bauxitgewm- nung verpachtete Waldgelände im Klein­häuserberg unter Einhaltung e'ner vierteljährigen Kündigungsfrist zu kündigen. Zustimmung fand ein Antrag eines Pächters, die Pacht für die Grasnutzung auf dem Friedhof von jährlich 10 auf 5 Mk. heraHzusehen. Vom kommen­den Jahr an soll das Gras auf dem Friedhof durch städtische Arbeiter mehrmals abgeerntet werden und im Faselstall Verwendung finden. Durch diese Maßnahme komme man in die Lage, das Gras Immer kurz zu halten und dadurch einen schon oft unliebsam empfundenen Mißstand zu beseitigen.

ägyptischen Bauleiter waren dann wohl die ersten, die erkannten, daß der Weg, den unsere am Hebel anfallenden Hände zurücklegen, zweimal so groß ist wie der Weg, den die Last bet der Hebung durchmißt: das Produkt aus Kraft mal Weg auf der einen Seite, und Last mal Weg auf der anderen Seite ist gleich groß.

Wie dieses wichtige Prinzip der Mechanik sich aus den elementarsten Erfahrungen heraus- bildete, so sind auch aus solchen unbewußten: Keimen der ülrzeit allmählich andere wissen­schaftliche Erkenntnisse entstanden.Wie kaum bewußte Empfindungen beim Laufen, Springen und Gleiten in der allerfrühsten Zeit eine rich­tige Taxierung des eigenen Körpers lehren," sagt Mach,so vermitteln die Augen und der Muskel­sinn unterschiedslos jedem Jndividum eine Reihe von Empfindungen und Erfahrungen, die sowohl vom Kinde als auch vom primitiven Menschen richtig bewertet werden und erst durch die späte Kultur sich in die Begriffe Masse, Trägheit, Geschwindigkeit, lebendige Kraft usw. umsehen." Den ersten Grund für unsere geometrischen Vor­stellungen legen unsere Tastwerkzeuge, und es ist einFingerspihen-Gefühl", das allmählich das Bild der Kugel, des Zylinders, des Prismas von den unklaren Formen deutlich abhebt. Solche zunächst unbewußten Erkenntnisse lassen auch die verhältnismäßig frühe Erfindung der recht kom­plizierten Schraube verständlich erscheinen. Untere eigenen spielenden Finger vermitteln uns in frühester Kindheit das Wesen der Schraube: irgend etwas von schraubenförmiger Struktur gerat uns in die Hände, und indem wir es mit Den Fingern der linken Hand umklammern, mit der rechten im Spiele drehen, fühlen wir, wie es sich in die Handfläche einbohrt. Die primi­tiven Menschen hatten bereits im Pflanzenseil oder der Darmsaite uralte Gebrauchsgegenstände, die die Eigenschaften der Schraube aufweisen. So mag sich die Schraube im Laufe riesiger Zeit­räume ganz von selbst in das Leben unserer Vorfahren eingeschlichen haben. Eine allgemeine und umfassende Anwendung hat dieses wichtige Mitte! der Technik erst sehr spät gefunden. Das liegt hauptsächlich an der Schwierigkeit der Her­stellung der Schraubenmutter, ohne die die

Kreis Friedberg.

sf. Friedberg, 27. Oft. Der Fried­berger Herbstpferdemarkt, verbunden mit Prämiierung, der in diesem Jahre zum ersten Male auf der Seewiese abgehalten werden'sollte, muhte des andauernden Regenwetters wegen wieder In die Allee auf der Kaiserstrahe und an den Platz der Stadtkirche verlegt werden. Der Markt war mit ganz vorzüglichem Material sehr gut beschickt, wie es nach der Aussage von Fachleuten bis jetzt noch nicht geboten wurde. Es waren besonders der schwere belgische und niederrheinische Schlag, die mit schönen Exem­plaren vertreten waren. Zur Prämiierung wur­den etwa 150 Pferde vorgeführt, von denen in den verschiedenen Klassen 104 Pferde prämiiert werden konnten: u. a. formten auch seitens des Landespferdezuchtvereins mehrere Ehrenpreise und vom Warmblüterverband für Hessen vier goldene Plaketten verliehen werden. Der Handel war ziemlich flau.

sf. Friedberg, 27. Oft. In der Mit­gliederversammlung der Bezirkssparkasse M a t h i l d e n st i f t", die von Vertretern aller zugehörigen Gemeinden zahlreich besucht war, wurde Amtsgerichtsrat Thum einstimmig zum Direktor der Kasse gewählt. Der im vorigen Jahre gewählte Geh. Justizrat Wart horst mußte dieses Amt aus Gesundheitsrücksichten wieder niederlegen, hat aber der Kasse, be­sonders bei den Aufwertungsverhandlungen, sehr wertvolle Dienste geleistet, was von dem Vor­sitzenden des Aufsichtsrates, Bürgermeister Dr. S e y d, in warmem Worten anerkannt wurde. Aus dem Jahresbericht läßt sich fest­stellen, daß die Entwickelung der Kasse im ver­flossenen Geschäftsjahre eine durchaus erfreuliche war: die Sparkassenguthaben betragen jetzt schon wieder über 3>/2 Millionen. Der Reingewinn beläuft sich auf über 29 000 Mark, der Reserve­fonds auf über 35 000 Mark. Auch die seit­herigen Beamten, der Kontrolleur E l b e r t und Rechner Henrich wurden wiedergewählt. Der Aufsichtsrat wurde durch die Wahl einiger im Dienste befindlichen Gemeindebeamten teilweise erneuert, da nach den Bestimmungen die Hälfte der Aufsichtsratsmitglieder Gemeindebeamte sein sollen.

a Vilbel, 27. Oft. Am Sonntagvormittag war unser Städtchen zum erstenmal seit De- stehen Der Wasserleitung ohne Wasser. Dem Vernehmen nach war das Pumpwerk ohne elektrischen Strom, wodurch das liebel verursacht wurde. Allenthalben war man in großer Verlegenheit, zumal die Brunnen nur noch in geringer Zahl intakt sind. Schon früh­morgens begann ein geschäftiges Treiben auf den Straßen nach Den benachbarten Brunnen. Selbst mit Fässern wurde Wasser herbeigeholt. So konnte man erleben, Daß Vilbel, das durch seinen Mineralwasserreichtum weit bekannt ist, trotzdem in Wassernot geraten kann.

Kreis Büdingen.

WSA. Büdingen, 27. Off. Im benach­barten Eckartshausen erkrankte das elf Monate alte Kind des Ehepaares G i o r an spinaler Kinderlähmung. Das Kind wurde sofort in die Klinik nach Gießen überführt. Ein Opfer seines Berufes wurde der Maurer Friedrich Altenburg aus dem be­nachbarten Hainchen. Vor etwa 14 Tagen wurde er auf seiner Arbeitsstelle in Bruchköbel durch herab stürzen de Steinmassen verschüttet. Aach 14tägigem Krankenlager erlag er gestern seinen Verletzungen. Er hinter­läßt Frau und vier Kinder.

a Aus dem A i d d a t a l, 27. Oft. Zur Zeit hört man allenthalben seitens Der Fischerei­besitzer Klagen über ein starkes Fisch­st e r b e n in Der Aidda. Man vermutet, daß wieder giftige Abwässer dem Bach zugeleitet worden sind. Der Leib der toten Fische ist stark aufgetrieben.

Kreis Scholten.

° Schotten, 27. Oft. Auf Veranlassung des Kreisdirektors trat hier gestern ein Ausschuß zu­sammen, um über die Errichtung einer Kleinkinderschule zu beraten. Es stellte sich in der Besprechung heraus, daß der Gemeinde- rat Schotten zwar nicht für eine Kleinkinder­schule von Gemeinde wegen ist, aber bereit ist, jede Organisation zu unterstützen, die für diesen Zweck gegründet wird. Von kirchlicher Seite wurde mitge­teilt, daß die Kirchen gemeinde Schotten sich bereits mit dem Plan zur Errichtung einer Kinderschule befaßt habe. Cs stünden für diese An- Schraube technisch ohne Bedeutung ist. Die Aegypter Der Pharaonenzeit kannten Die Schraube nicht, Die Griechen und Römer verwendeten sie nur bei Wein- und Oelpressen. Erst Die Stahl- iechnik ermöglichte die Herstellung Der klein­kalibrigen Schrapben, die Die Grundlage des Maschinenbaus bilden.

Uraufführung

am Mainzer Stadltheater.

Karl A e u r a t b s rheinisches Lustspiel'S) i e goldene Gazelle" gelangte am 26. Oktober im Mainzer StadtiHeater zur Uraufführung. Wan spürt in Dem Stück, das durch Die exakte An­ordnung des Stoffs überrascht, den lebendigen Atein Der Gegenwart und echte deutsche Ge- finnung. Ungezwungen, ohne den Anspruch zu erheben, funstrevolutionär zu wirken, baut sich die Handlung auf, hübsche Einfälle sind humor­voll aneinandergereiht. Unter der Spielleitung von Paul Petersz nahmen die Künstler mit großem Eifer sich ihrer Rollen an. Als ge­wandte, sympathische Darsteller traten Paul Krohmann (Forstmeister Hellwig), Willy ilmminger (Papiers ibri ant Schnorr.nb.' g r\ Johanna Beck (Gertrud Hellwig) hervor. Der Beifall war stärk. Paul Petersz dankte für Den durch Krankheit am Erscheinen verhinderten Autor. A. B.

Die Mainzerin."

Die mit Der Eröffnung Der neuen Mainzer Kunsthalle in Der durch zweckmäßigen Innen- umbau neuhergerichteten alten Hauptwache am Liebfrauenplatz verbundene Ausstellung bedeutet ein Ereignis, wie es die Geschichte des Mainzer Kunstlebens im besonderen und die des hessischen im allgemeinen seit langem nicht zu verzeichnen hat. Sie ist betiteltD i e M a in z e r i n und darf nicht nur auf Grund der außerordentlich freizügig und gepflegt geleiteten Anlage ihrer Gestaltung, sondern vor allem auch in der geist­vollen Dlrfprünglichkeit ihrer Erfindung als un­gemein anregend und nachahmenswert bezeichnet werden. Veranstalterin ist die Vereinigung Mainzer bildender Künstler, die schon des öfteren

statt und andere damit zu vereinigende kirchliche Zwecke etwa 6000 Mark zur Verfügung. Der Aus­schuß beschloß, an die Kirchengcmeinoe heranzu- treten, damit diese durch eine öffentliche Versamm­lung die Angelegenheit in die Wege leitet.

= = Schotten, 27. Oft» Auch in diesem Sabre will der Ausschuß für Handar« beitshilfe wieder eine Verlosung von Kleidungsstücken ftattfinben lassen, Die von Mittelständlern hergestellt wurden. Die Ver­losungen erfreuen sich von jeher einer großen Beliebtheit, zumal sie durch den billigen Lospreis auch Minderbegüterten eine Beteiligung ermög­lichen und neben dem guten Zwecke, Dem sie Dienen, gar manchen in Den Besitz eines wohl­feilen Kleidungsstückes sehen.

Laubach, 27. Oft. Gestern mittag be­suchte in Begleitung von Baurat Rodnagel- Schotten der Hessische Denkmalpfleger Geheimer Baurat Prof. Walde unsere Stadt. Er be­sichtigte das aus Dem Jahre 1593 stammende Haus des Philipp P i st o r i u s (in der sog. Planke", neben Du chb i n dermeist er Göbel), welcher 1610 Den Feldzug in Den Riederlanden als Feldprediger des Grafen Albrecht Otto l. zu Solms-Laubach m.tmachte, der noch in diesem Jahre vor der Festung Bre­de n b e n d fiel. Der Denkmalpfleger erklärte das Haus als architektonisch interessant und gab Rat­schläge zu seiner Erhaltung, da es stark aus dem Lot^ getreten ist. Sodann besichtigte er den ,,D ü r g e r t u r in", der in feinem oberen Teil schadhaft ist. Er empfahl, im oberen Teil statt Der Holz-Jalousien Fenster e'nzusetzen, um Ge­legenheit zu geben, den wundervollen Ausblick zu genießen. Sodann gab Pros. Walbe noch Ratschläge zur Erhaltung desK-sa h s ch e n Haus esim grünen Meer". Dieses ist zweifel­los das älteste Haus von Laubach und stammt noch aus Dem 15. Jahrhundert. Es zeigt deutlich noch gotische Motive und bildet Den ilcbergang zur »Wildemanns-Bauart". Hier­auf gab Der Denkmalpfleger sein Urteil ab über Die von den konkurrierenden Künstlern einge­sandten Entwürfe für das Ehr endenkmäl des Weltkriegs. Prof. Walbe empfahl in erster Linie das von Bildhauer Arnold in Beuern bei Gießen geschaffene Modell, das einen Krieger in Feldrüstung inmitten einer halbkreis­förmigen Almmauerung darstellt. Das Denkmal soll auf Der Westseite des Schloßgartens Auf­stellung finden.

== Gedern, 27. Oft. Im hiesigen Berg- wirtshaus tagte Der Dezirkslehrerver- ein Gedern, dessen Mitglieder trotz der wenig einladenden Witterung fast vollzählig erchienen waren^ Im Anschluß an einige geschäftliche Mit­teilungen des Dortttzenden, Lehrer Keller (Oberseemen), hielt Lehrer Sauer (Ober-Said) auf Grund eingehenden Aktenstudiums als Fort­setzung eines im vorigen Jahre gehaltenen Refe­rates einen längeren Vortrag über die Ge­schichte des EisenwerkesHirzenhain, und zeigte, daß auch für Die Lokalgechichte Der umliegenden Orte daraus wertvolle Erkenntnisse gewonnen werden können. Reicher Beifall lohnte Den Redner für seine tiefgründigen und anregen­den Ausführungen.

Kreis Alsfeld.

Alsfeld, 27. Okt. Aus der S t a d t v o r - standssitzung. Die Wasserleitungsar. beiten in der Siedlung Nambach, in der Hort­gasse und im Burgmauerweg wurden dem Wenigst- nehmenden Justus W e r l e und die Jnstallations- arbeiten der Firma H. & A. Rößner übertragen. Mit der Ausführung der Arbeiten soll alsbald-be­gonnen werden. Anläßlich des letzthm in der Alt- stadt stattgefundenen Brandes in der Schnufuß- gaffe wurde zur Verbesserung der dortigen Verhält­nisse auf Vorschlag des Stadtbauamtes die Fest- setzuna einer Baufluchtlinie in dem Bau­block zwischen Ritter- und Schnufußgasse, wie aus dem vorgelegten Pla-n ersichtlich, beschlossen. Da sich bei dem letzten Brande herausstellte, daß das Schlauchmaterial der Feuerwehr bei größeren Bränden nicht ausreicht, wurde auf Antrag des Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr die Anschaff wng von weiteren 30 0 Meter Schläuchen in 52 Millimeter Weite beschlossen und die Lieferung den Gothaniawerken in Gotha zu ihrem Angebot von 964 Mark übertreten. In­folge der Zunahme des Dienstbetriebes auf dem Rathause reichen die jetzigen Räume nicht mehr aus. Es wurde daher auf Vorschlag des Bürger­meisters im Eiverständnis mit dem Denkmalpfleger beschlossen, das Registraturzimmer zu teilen und zwei Räume daraus zu machen. Umbau

seit ein"gen Jahren auf Dem Gebiete kulturellen Vorkämpfertums und D:r Nutzbar- uaD De> ständ- lichmachung künstlerischer Werte für D e Allge­meinheit als bedeutende Institution hervor- getreten ist. D e Ausstellung bringt ein.' schier unübersehbare Sammlung von malerischen und plastischen DilDnissen Mainzer Frauen und Mäd­chen feit Dem Anfänge Des vorigen Jahrhunderts. Die wohl alle ohne Ausnahme, sei es Durch Den Wert Des Kunstwerks, sei es Durch Den Reiz oder Die Einprägsamkeit Des Dargestellten Ob­jekts im höchsten Grabe Interesse und Wohl­gefallen zu erregen imstande sind. Mit seltener Greifbarkeit erhellt aus ihr Die Tatsache, daß auch feit Dem Versiegen Der großen und unge­hemmten Tradition Der heiteren Kurfürstenkunst Des 18. JahrhunDerts noch allerlei Bewunderns- wertes Durch das bescheidenere, bürgerliche Ge­meinwesen gepflegt und geleistet worden ist, wie die nicht minder erfreuliche Einsicht, daß der alte Ruf schätzbarster Anmut und Liebenswürdigkeit «auch für Die Mainzerin der Gegenwart noch Durchaus zu Recht besteht. Des weiteren bietet sie sowohl für Den Kunstwissenschaftler, wie für Den Rafsekundigen ausgiebigstes Material zur Erforschung unD Herauscirbeitung eines mainzeri- schen, bzw. mittelrheinischen Frauenthpus und seiner Erfassung und Verarbeitung in Der heimi- fchen und fremden Kunst. P.

Konzert in Darmstadt.

Die städtische Akademie für Tonkunst (Lei­tung Musikdirektor Wilhelm Schmitt) veran­staltete am Montag ein Konzert, das einen un­gewöhnlich starken Erfolg hatte. In Dem Gast, Kammersänger Richard Tauber, Berlin, war ein Sänger gewonnen, wie man ihn tn Konzerten hier nur selten einmal zu hören bekommt. Tauber, der über eine außerordentlich kultivierte Tenor­stimme verfügt, fang mit tiefem Empfinden einige Opernarien. Sein 'Begleiter am Klavier war Professor Karl Beines, der damit auch als Liederkomponist vor Die Oessentlichkeit trat. Kammersänger Tauber fang mit nicht geringerem Erfolg mehrere von ihm vertonte, Der Gegen­wartslyrik entnommene Texte. E. B.