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Donnerstag, 28. Moder 1926

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)

Nr. 255 Zweites Blatt

preußischen Zahlen ausgenommen sind:

1,18.

der Mittel-

weitaus

7,21

20,46

10,77

sonstige Berufe und Erwerbslose

3,10

1,74 0,58 0,18 0,51

6,84

3,24

15,18 10,48

2,53 8,27

7,33

1,18

die antithetische Schlagkraft (die aus einem ernst zu nehmenden Gegenspiel erwachsen könnte) und vor allem die dynamische, aus den agierenden Ge­stalten unausweichlich und geradlinig hervor­gehende Entwicklung und Lösung der Ereignisse. Die Vorbilder des Personals können allerdings und mit Recht auch über Frankfurt hinaus Be­achtung und Interesse beanspruchen: sie gehen im Grunde jeden geistigen Deutschen an. Was sie aber getan und gelassen haben, wie sie von innen und außen beschaffen waren, ist längst an anderer Stelle verzeichnet: in der Müllerschen LokalschilderungDer Stadtschultheih von Frank­furt", bei Bettina, dem Briefwechsel-Kinde und endlich bei dem, der am Ende des fünften Aktes mit dem Glockenschlage zwölf" auf die Welt tommt.

Der Stoff ist episch-chronikalisch, in tiefstem Grund« undramatisch. Aus solchem Stoff greift Geisows (Stiid fünf Bilder heraus. Fünf lebende Bilder aus der vormals freien Reichsstadt, aus dem guten, alten, behäbigen Frankfurter Bürger- leben, in breiten Strichen hingepinselt, in wasch­echtestem Frankfurter Dialekt erzählt: aber eben nur erzählt. Was gegeben wird, bleibt eine dialogisierte Familienchronik des Goetheschen Haüses. (Die Frankfurter Aufführung seinerzeit wurde ganz im Dialekt gespielt; darüber hinaus hat der Autor eine halbhochdeutsche Druckfassung gegeben, um demAlten Textor" auch außerhalb Frankfurts die Wege zu ebnen. Dadurch ist eine starke Llneinheitlichkeit in den Gesamtstil ge­bracht worden, der die Wirkung beeinträchtigt. Wer sich in die Mundart nicht hineinfinden kann, dem ist eben nicht zu helfen. Die Lokal­tönung durch alle Szenen scheint uns durchaus glücklich und dazugehörig. Die Regie des Stadt­theaters hatte verständigerweise dem Ganzen das mundartliche Kolorit bewahrt, ohne das es blaß und fremd wirken würde.)

Der Inhalt ist schnell erzählt. Akt eins:^Der alte Textor daheim. Stadtgewaltiger und i-ramuien- oberhaupt. Aber er kann den Zunftmeistern, die dem Kaiser Karl den Kredit weigern, besser den Star stechen, als seinem naseweisen Töchterchen,

Witzen gestattet.

An dem Dackel freilich könnt« sich der Italie­ner auch mit dem besten Willen nicht reiben. So ein Mistvieh gibt es hier nicht. Ich ent­sinne mich noch wohl, wie ich eines Tages durch einen abenteuerlichen Zufall einen echten Dackel in Rom sichtete, stehenden Fußes kaufte und im Triumphzug nach Hause führte die Leute blieben auf der Straße stehen und bogen sich vor Lachen über die vermeintliche Miß­geburt. Aber einen Witz brachten sie doch nicht fertig.

'Rein, nicht das bayerische Wappentier ist das Sinnbild des italienischen Humors, sondern der ruppige Köter desSimplizissimus", die Bulldogge, die politische. Sie beweist, daß der Italiener zwar durchaus Sinn für Witz hat, aber nur für solchen mit konkretem Kern, für die Satire, die bestimmte Erscheinungen und Persönlichkeiten zielsicher auss Korn nehmen kann. Iahrhunderte hindurch blieb der HanS Sachs Italiens, der spottende Schuster Pas- quino, berühmt, immer und überall, wo und wann die freie Meinung unterdrückt wurde,

1. höhere Beamten des Reichs, der Länder, der Gemeinden

i 2. mittlere Beamten

3. untere Beamten

4. Angehörige freier Berufe mit akademi­scher Vorbildung

5. Angehörige freier Berufe ohne aka­demische Vorbildung

6. Offiziere und höhere Militärbeamten

7. sonstige Militärpersonen

8. Großlandwirte

9. Kleinlandwirte

10. Besitzer und Direktoren von Fabriken, Aktiengesellschaften ujro.

11. Handel- und Gewerbetreibende

12. selbständige Handwerksmeister

13. Prioatangestellte in leitender Stellung

14. sonstige Prioatangestellte

15. Arbeiter

16. sonstige Berufe und Erwerbslose

Gießener Stadttheater.

Hans Geisow:Der alte Tcxtor".

Geisow, der sich mit fernen Arbeiten über Dante einen guten Rainen gemacht hat, unter­nimmt mit diesem Stück einen Vorstoß in die Goetheschen Familiengeschichte. Das Ganze, als Festspiel zu Goethes 175. Geburtstag gedacht, wurde vor zwei Iahren in Frankfurt urauf­geführt. Dieser Anlaß hätte natürlich nrcht zu­gleich eine Beschränkung zu bedeuten brauchen, dergestalt, daß man das Stück, wenn es über Iben Dag und das lokale Interesse hinaus dauernde OB orte aufzuweisen hatte, in die Mottenkiste getan hätte bis zum nächsten An­laß. (Im Gegenteil: wir haben all« Ursache, uns über jeden Gedenktag solcher Art zu freuen, der nicht nur Festspiele und theatralische Me­morabilien entstehen läßt, sondern Dichtungen, die sich über die gute Gelegenheit eigenkrästig Hinwegsehen und behaupten.)

Dieses Stück entbehrt aber der Eigenschaften, die es über seine Zweckgebundenheit hinaus­heben könnten. Man stutzt beim Lesen schvn auf der ersten Seite:eine Charakterkomödie in fünf Akten". Die Begriffsverwirrung in den Art­bezeichnungen der deutschen Dramaturgie ist heute weniger gebändigt, als je zuvor. Was heißt Charakterkomödie? Eine Komödie hat es immer und notwendig mit Charatteren, also mit Men­schen (nicht Typen, Schemen, Figurinen oder Karikaturen) zu tun. Rehmen wir an, es sei eine Komödie gemeint gewesen, das heißt man kann es gar nicht ost genug wiederholen das vorwärtstreibende, von innen her ent­wickelte Spiel und Gegenspiel lebendiger Kräfte, die vornehmste und von elementaren Rottven- digkeiten scharf bestimmte Form des heiteren, besser gesagt: des nicht ausschließlich und beknn- yungslos ins Tragische hin stilisierten Dramas war eine Komödie gewollt, so ist zu sagen, daß Wollen und Können in diesem Stück weit aus­einander liegen.

Zur Komödie fehlt den Personen Vas dramattsche Schwergewicht, der Handlung

Demnach stellt der Mittelstand den größten Teil der Schüler und Schülerinnen der höheren Schulen; in beträchtlichem Abstand kommen erst die verschiedenen höheren Stände, deren Be­teiligung nur unwesentlich höher ist als die der dichtauffolgenden niederen Stände.

Die Sichtung des auf den hessischen Frage­bogen vorliegenden Zahlenmaterials unter dem Gesichtspunkt der Verteilung der Kinder der ein­zelnen Berufe auf die verschiedenen höheren Schularten ergab im Einklang mit früheren Fest- Stellungen vom Gymnasium bis zur Realschule eine sozial absteigende Linie.Die Beteiligung der oberen Klassen wird geringer, die der unteren größer, je realistischer die Anstalt ist. Diese Tatsache erklärt sich daraus, daß die wichtigste Vorberei- tungsanstalt für die Universität immer noch das Gymnasium ist, während die realistischen Slnjtalten ihre Schüler mehr an die praktischen Berufe ab­geben. Laß die Kinder aus dem Mittelstand und vor allem aus den unteren Klassen sich aber mehr

( zusammen ,100

Rach dem Maß der Beteiligung steht also der mittlere Beamtenstand an der Spitze; auf ihn folgen die Handel- und Gewerbetreibenden, denen sich die unteren Beamten und dann die selbständigen Hand­werksmeister anschliehen. An fünfter Stelle sieben die Privatangestellten, an sechster Stelle die Ar- beiter, an siebenter Stelle erst die höheren Beamten.

Das Bild wird noch deutlicher, wenn man die Berufsarten 1 bis 15 in drei große Gruppen zusarn- menfaßt. Zur Gruppe 1 (höhere Ber-ufsarten) rech­nen wir höhere Beamte, Angehörige freier Berufe mit akademischer Vorbildung, Offiziere und höhere Mili- tärbeamte,.Droßlandwirte, Besitzer und Direktoren von Fabriken, Aktiengesellschaften usw., Privatange- stellte in leitender Stellung. In der Gruppe II (mittlere Berufsarten) fassen wir zusammen mittlere Beamte, Angehörige freier Berufe ohne akademische Vorbildung, sonstige Militärpersonen, Kleinland­wirte, Handel- und Gewcrbetreibede,^ Privatange­stellte in nichtleitender Stellung, selbständige Hand-

turelle Momente, vielleicht bis zu einem gewissen i Grad auch die Vererbung, nicht zuletzt aber auch die finanzielle Leistungskraft sind nach Keller die Ursachen, die hier ihre Einslüsse ausüben. Es ist aber auch die Feststellung am Platze, daß gerade der Mittelstand, trotz mißlichster finanzieller Lage, kein Opfer für die Erziehung seiner Kinder scheut, während bei der Gruppe III noch häufig die Ansicht vorherrschend ist, die Kinder so bald wie möglich als Verdiener zur Unterstützung der Familie heran- zuziehen. Es mag weiterhin bei der Gruppe III eine gewisse Scheu vor der höheren Schule bestehen eben in der falschen und irrigen Auffassung, die die höhere Schule immer noch als Standesjchule stempeln will. Dieser Ansicht muß entgegengetreten werden. Die höhere Schule jeder Art ist eine Schule des Volkes im besten Sinne geworden. Wir Lehrer der höheren Schule freuen uns über jeden begabten und leistungsfähigen Schüler, woher er auch kom­men mag. Kommt der Begabte aus unteren Schichten, so werden Mittel und Wege gefunden werden, ihn im weitesten Maße zu unterstützen. Gerade für die Schüler der höheren Schule gilt das SchlagwortFreie Bahn dem Tüchtigen" in einem Maße, wie sonst nirgends." Hh.

Das Land ohne Witz.

Don unserem römischen ^-Korrespondenten.

Rom, Mitte Oktober.

ImHumor des Auslandes" ist Italien nicht vertreten. Ieder Zeitungsleser kennt aus der Lustigen Ecke und es gibt sympathische Leute darunter, die weit lieber so etwas als Politik lesen die guten Witzblätter des Aus­landes wenigstens den Ramen nach. Von Ame­rika nach München, von Zürich nach Kopenhagen schlingt sich jene endlose Schnur, auf der Tag ür Tag die internationalen, jedermann Der« ländlichen Heiterkeitsperlen aufgereiht werden; die Lieferanten sind bekannt wie gute Likör­marken. Können Sie sich aber erinnern, jemals unter einem guten Witz den Ramen eines italie­nischen Witzblattes gelesen zu haben?

In Italien ist der Familienwitz so spärlich vorhanden wie das Verständnis dafür. Für das, was wir Witz, Scherz und Humor nennen, kann die schöne Sprache Petrarcas zwar mit unmäßig vielen Umschreibungen, nicht aber mit einem einzigen treffenden Ausdruck aufwarten. In der Umgangssprache muß für alles der Scherzo her­halten, der Bierwitz wie die heitere Sonate, und die Etymologen mögen sich über die Heimat des Wortes streiten. Ist der lachende Himmel vielleicht der Feind der lachenden Seele? Oder gedeiht das Pflänzlein Hunwr im schattigeren Rorden besser, weil man's dort nötiger hat und infolgedessen besser pflegt? Wie dem auch sei, der Italiener hat jedenfaNs keine Fliegenden Blätter, obwohl es, wie mir versichert wird, auch hierzulande Schwiegermütter und zerstreute Professoren gibt. Der Mann, der seinen Regen­schirm vergißt, ist eben ein bedauernswerter Mensch, ein Gegenstand des Mitleids, nicht des Spottes, und die suocera, die fast regelmäßig mitgeheiratet wird, führt mit der gewöhnlich im Plural auftretenden zia, der gleichfalls mit« geheirateten Tante, ein Regiment, das hoch­achtungsvoll von dem Schwiegersohn hinzu­nehmen ist und ihm keine Zeit zu dummen

in Italien leben müssen.

Dock das wäre noch nicht das Schlimmste, em Land ohne Witz. Viel Schrecklicheres kam: der Witz wurde befohlen. Von oben herab. Der Witz ist von jeher die Waffe der Opposition ge­wesen, ja, diese Stellung wird ihm geradezu von seinem Charakter auferlegt. Nach unten herunter zu witzeln ist genau so schwer wie nach oben hin.'.uf zu imponieren. Nicht mehr der Bürger, dieses un­verschämte Individuum, macht Witze auf den Amtsschimmel, sondern bite sich vorzustellen! umgekehrt. Die Witzblätter wurden, als handle es sich nur um Tageszeitungen, plötzlich umgrup- piert, unbefohlen. Sie muffen jetzt aber es ist nicht zu schildern. Der Menschheit ganzer Jammer faßt mich an. wenn ich so einen behörd­lichen Pasquino sehe. Er ist die verkörperte Um- kehr des Humors. Ach, Bajazzo, wie gut hast du es noch! Ach, du glücklicher HofnarrI Sie mtffen doch: Ein Fürst fragte einmal seinen Narren, wer der unglücklichste Mensch auf der Welt sei, und meinte damit sich selber, weil er sich grundhäßlich suhlte. Aber der Narr fand, da sei er doch noch un- gücklicher daran, denn er müsse ja den Häßlichen anschauen. In Rom soll es nun gar noch Witzbolde geben, die faszistiscbe Witze auf diejenigen machen müssen, die nichts sagen dürfen.__

Sind die höheren Schulen Hessens Standesschulen?

Man schreibt uns:

Als zu Beginn dieses Jahres die Gesundung der zerrütteten hessischen «taatsfinanzen in erster Lime auf Kosten der Einrichtungen des Erziehungs- und Bildungswesens vorgenommen wurde, nahm in oer Debatte über diese kurzsichtige Politik die Frage nach dem Wert der einzelnen Bildungsmstttute und der Erziehung überhaupt «'nen breiten Raum cm Bei diesen Erörterungen wurde gelegentlich den höheren Schulen teils versteckt teils osten der alte Vorwurf gemacht, daß sie Standesschulen seien. Dabei ist jedem, der. die Verhaltmsft einigermaßen kennt, klar, daß die verdächtigende Behauptung, d e höhere Schule werde ausschließlich oder auch nur vorwiegend von den Kindern der höheren Stande besucht, nur einer bedauerlichen Unkenntnis des Sachverhalts oder geradezu der bestimmten Absicht böswilliger Verdrehung der Tatsachen entspringen tanSie Haltlosigkeit der Behauptung wird nun noch einmal überzeugend durch zwei eben erschienene gründliche Untersuchungen dargetan. Die Inan­spruchnahme der höheren Schulen Hessens durch die verschiedenen Stände und Berufsklassen erörtert Studienrat Diemer, Mainz, in den Sudwestdeut­schen Schulblättern 1926 Nr. 8/9, während ungefähr gleichzeitig Regierungsrat Dr.'Keller im 65.Jahr- qang der Zeitschrift des Preußischen Statistischen Landesamtes die Frage nach der sozialen Herkunst der Schüler der höheren Lehranstalten Preußens beantwortet. Die so dargelegten hessischen und preußischen Verhältnisse geben mannigfachen Anlaß zu interessanten Vergleichen.

Diemers Feststellungen betreffen nur die staat­lichen höheren Lehranstalten und lassen die privaten Anstalten unberücksichtigt. Sie beruhen auf Frage­bogen, Vie mit größter Gewiffenhaftigkeit für lebe Anstalt gesondert ausgefüllt wurden. Abgesehen da­von, daß bei einzelnen Berufsarten, etwa zwischen höheren, mittleren und unteren Beamten, in man- chen Fällen die Grenzlinien nicht ganz scharf zu ziehen waren, stützen sie sich auf sichere und ein­wandfreie Unterlagen.

Die Väter der 14 209 Schüler, die die staatlichen höheren Knabenschulen Hessens besuchen, verteilen sich danach folgendermaßen auf die einzelnen Be­rufsstände:

ammennöte und Feuerspritzenrebellion in der Stadt geben die episodische Verbrämung, bis mit dem Glockenschlage zwölf der junae (erst totgeglaubte) Weltbürger dem hilflosen kaiserlichen Rat als ein Steckkissenbündel in die Arme gelegt wird: der Stern geht auf. Aber den Haderkatz, den Stänker, hat's endgültig erwilcht. Wenn er lang genug auf der Hauptwache gesessen hat, kriegt er einen Stüm­per, daß er ins Hessische hinüberfliegt. Dieser letzte Akt ist der undramatischste von Den fünfen.

Volcks Regie hatte sich des Ganzen liebevoll angenommen, traf den Lokalton und Zeitstil vor­trefflich und brachte stimmungsvolle Szenenbilder heraus. Von Löfflers Entwürfen gefielen be- sonders die bürgerlichen Stuben bei Textors und im Hirschgraben, dieBlaue Henne" und der Stadt- Prospekt. Im vierten Akt hätte man etwas mehr Garten" erwartet. Einige Kürzungen (außer dem Strich zu Anfang des dritten Aktes) wären zu empfehlen.

Volck spielte auch den Stadtschulcheißen; und zwar so gut, daß man oft übersehen und überhören konnte, wie die Gestalt, dramatisch betrachtet, saft völlig leerläuft. Sein Textor war ein bürgerlicher Patriarch von Würde, Geradheit und Festigkeit, mit gesundem Mutterwitz begabt, mit Mund und Herzen auf dem rechten Fleck. Die Textorin, L. Jüng­ling, eine muntere, beweglich-schwatzhafte Bürgers- frau; im Dialekt nicht ganz taktfest. Alix K rah­me r, vorwitzig und schnippisch, und Jngeborg Scherer, frisch und abrett, waren die beiden Textortöchter. Cornelia Goethe, A. M a r ck s, er- schien als eine sanfte Matrone und ehrsame Wittib voll milder Mütterlichkeit; Johann Caspar, der Sohn (Lenau) machte eine gute Figur und sprach mit Anstand die kurzen Partien, die ihm seine un­aktive Rolle bietet. Sehr hübsch gab ©effers den huldvollen Monarchen; gut auch TeIeky, der kümmerliche, schleichende, feigherzige Winkelrevolutio- när; entzückend endlich das Eppelwoi-Terzett der mißvergnügten Bürger: Goll, Stichel und W - h r l.

Die Aufnahme des Stückes war sehr freundlich. Auch der Autor konnte zuletzt für lebhaften Beifall danken. Dr. Th.

macht« sie sich inPaSquillen" Lust. Während der französischen Revolution, um Rapoleon her­um erreichte das System der Pasquinaden seine Blütezeit die faszistisch« Revolution, der neue Rapoleon, erstickte auch das. Der Herkules im Palazzo Chigi tötete die Schlang«, indem er ihr den schwarzen Fes aufdrückt«. Ietzt ringelt sie sich um das Liktvrenbündel wie die andere um den Aeskulapstab und läßt den letzten Humor sterben. .,

Dor Mussolini gab es eine ganz« Reche von satirischen Witzblättern, die ihren Mann nährten und ernsthaften Menschen als Lektüre dienten. Bei einfachster Ausstattung, meist nur aus Zeitungspapier gedruckt und mit Strichzeichnungen belebt, kosteten sie nicht mehr wie eine Tageszeitung und erreichten auch deren Auslage, ja, eines konnte sich einer Millionen­ziffer rühmen. Dabei dienten ihm von der ersten bis zur letzten Seite nur bekannte Persönlich­keiten und durch sie veranlaßte, weniger be­kannte Vorgänge als Futter: es bildete den beißenden Extrakt der Politik. Der Duce wurde o wenig geschont wie der stupide älnterbeamte, )ie intimsten Eigenschaften der Herren Abgeord­neten lernte man durch diesen satirischen Aus­schank kennen. Wessen Füße nicht gerade nach Lavendel dufteten, wer Trauerränder trug und die Seife als Teufelserfindung verabsck>eute, wurde uns für die deutsche Zunge oft mit barbarischem Geschmack im Bilde vorgeführt. Farinacci mit seiner mangelhaften Schulbildung war zu einer stehenden Rubrik geworden. Kein Wunder, daß die noch feuchten Rummern den Ausschreiern aus den Händen gerissen wurden -- hier konnte man doch lesen und sehen, was die Tagespresse nicht bringen durfte. Ganz Italien lag luftschnappend am Sonntag um dieses Ventil der unterdrückten öffentlichen Meinung. Denn auch die zeichnerischen Glossen der versteckt saszistenfeindlichen Zeitungen fielen der Zensur zum Opfer. .

Es war die Zeit, wo auch em Mussolini noch die Rotwendigkeit einer Opposition Der« küpdete und im Parlament noch Männer der anderen Meinung saßen.

Ietzt ist das alles aus. Das Parlament stirbt an Monotonie und Langeweile, denn nie­mand ist mehr da, der behaupten könnt«, der Faszismus sei der schwarze Punkt, wo der Hund im Pfeffer liegt, oder Mussolinis Arbeitsgesetz sei ein totgeborenes Kind, das sich bald int Sand« verlaufen werde. Eine treffliche Zeitung, dasPaefe", das jeden Tag «ine gelungene Karikatur gebracht hatte, wurde bei der Ein­nahme R«ns durch die Schwarzhemden «tnge- äschert. Aus der Asche stieg das faszistische Ruovo Paese" hervor, dessen Führer jetzt als erstes Opfer auf di« A«chtungsliste gesetzt wurde. Wie Mussolinis einstmals allmächtiger Presse­chef, wie sein aus der Schul« plaudernder Prwat- sekretär Dumini, der Mörder Matteottis. wurde kurz nach dem Prozeß aus freien Fuß gefetzt, als er aber unvorsichtigerweise eine be­leidigende Aeutzerung gegen den Duce fallen lieh, auf vierzehn Monat« ins Zuchthaus ge­worfen. Sic transit gloria mundi, zu Deutsch: Das sind die Witze, von denen wir augenblicklich

ten entfallen:

63,87 °/0 auf Gruppe II

19,33 I

15,58 III

1,22 auf sonstige Berufe.

werksmeister. Für die Gruppe III (niedere Berufs­arten) bleiben bann Arbeiter und untere Beamten.

Da sich auch hier die Grenzen von ber ersten zur zweiten Gruppe, noch mehr aber von ber zweiten zur britten verschieben, kommt bie letzte Gruppe zu kurz. Es kann daher nicht ber Einwanb erhoben werben, ^dah bie Zusammenfassung zu größeren Gruppen zugunsten bes Nachweises ber höheren Beteiligung ber mittleren unb unteren Gruppen

das dereinst bestimmt ist, einen berühmten Mann zur Welt zu bringen. Unb wenn Johann Wolf­gangs Hausfrau vom Besuch bei ber Witwe Cor­nelia Goethe heimkommt, ahnt man schon ein glück­liches Enbe.

Akt zwei: Der alte Textor beim leutseligen Kaiser Carolus. Eine abendliche, inoffizielle Aubienz. Die Majestät will bem Alten für geleistete Dienste unb treue Freundschaft ben Abelsbrief ein« hänbigen. Aber ba reckt sich ber ganze republi- kanisch-bürgerliche Stolz bes Frankfurters hoch: er will basvon" nicht. Der Kaiser nimmt's nicht krumm, unb bem Textor gehen ein paar Lichter auf: über bie Schwärmerei seiner fünfzehnjährigen Elisa- beth unb über bie Schwiegermutterprojekte seiner Frau. (Uebrigens finden sich hier Wieberholungen, bie ben epischen Charakter bes Stückes noch unter­streichen.)

Akt brei: Ein hübsches Intermezzo. Das gestörte Eppelwoiibyll in berBlauen Henne", roo ein intri­ganter Stänker, Lizentiat Haderkatz, in österreichi­schen Diensten, drei kleine Bürger mit revolutio­nären Brandreden aufstiftet. Aber der alte Textor hebt (auf dem Heimweg vom Kaiser) das G'ftnest mit eigener Hand aus und schafft Ordnung.

Akt vier: Im Schultheißengarten. Goethes kom­men zu Besuch. Hier liegen die Keime zu der wirk­lich dramatischen Gestaltung der Dinge. Das erste Zusammentreffen des Schultheißen mit Dr. Goethe lag hinter der Szene und wurde nur erzählt. Jetzt erweist der sich als ein fast ebenso unaktiver Wider­part und Gegenspieler, wie zuvor der zusammen- gcflappte Revolutionär Haderkatz. Immerhin: Hier wird der Bund Goethe-Textor (obschon über die Köpfe ber Beteiligten hinweg) geschlossen. Unb ber gute Kaiser erscheint noch einmal unb brückt gleich­sam bas Siegel barauf: bie Bestallung bes Johann Kaspar zum Kaiserlichen Rat. Die bramatische Szene zuvor zerfließt freilich wieder in Erzählung unb Bild.

Akt fünf: der alte Textor in denGroßvater- wehen". Und bie Geburt des jungen Johann Wolf­gang nebenan, in bem das prophetische Gemüt des Stadtschultheißen bereits den bald über ganz Deutschland leuchtenden Stern aufgehen sieht. Heb-

sassenden Sätzen:

Die vorliegende Statistik zeigt klar, daß die Bezeichnung der höheren Schule in Hessen als Standesschule völlig unhaltbar und ohne jede Be­gründung ist. Alle Berufsschichten sind bei uns oer- treten, nur daß bie eine Gruppe biefen, bie anbere jenen Typ ber höheren Schule bevorzugt. Aber bas ist ein gutes Recht; baraus irgenbwelche Folge­rungen zuungunsten einer bestimmten Schulart zu ziehen, wäre eine soziale Ungerechtigkeit. Wir müssen weiter zugeben, daß die Gruppe I und besonders die mittlere Gruppe stärker an ber höheren Schule beteiligt sind als die Gruppe III. Dafür mögen mancherlei Gründe maßgebend sein. I Familientradition, erhöhtes Bildungsbedürfnis, tut«

vorgenommen wurde.

Nun ergibt sich folgendes BiUp in das auf Grund der Kellerschen Statistik die entsprechenden

praktischen Berufen als wissenschaftlichen Berufen zuwenden, ist eine Erscheinung, zu der vermutlich mehrere Gründe zusammenwirken: von den Var- fahren ererbte natürliche Begabung, Familientradi­tionen und die Einkommens- und Vermögensver­hältnisse der Ellern." Was Keller hier von den Kindern des Mittelstandes sagt, läßt sich nicht ganz in Einklang bringen mit den Zahlen, die Diemer für die hessischen Gymnasien mitteilt. Danach stellen auch an den hessischen Gymnasien die Kreise des Mittelstandes die beträchtliche Mehrheit ber Scbü- lerzahl; erfreulicherweise sinb sogar noch bie niebe« ren Berufsstände mit fast 10 Prozent an ben hessi­schen Gymnasien beteiligt. Diemer schließt seine interessante Untersuchung mit folgenben zusammen-

In Hessen unb Preußen stellt also ftanb ben größten Teil ber Schüler ber höheren Schulen; barauf folgt in Hessen bi« Gruppe III, der bei uns ein größerer Prozentsatz zufallt als m Preußen; bie Gruppe I rangiert in Preußen in Der Mitte, in Hessen erst am Schluß. Währenb also in Hessen bie nieberen Berufsarten eine größere An- zahl von Schülern der höheren Knabenschulen stellen als bie höheren Stände, kommen wir auch in Hessen zur Reihenfolge Gruppe II, I, III, wenn wir die Schülerinnen der höheren Mädchenschulen in bie Rechnung einbeziehen. Daß am Besuch ber höheren Mädchenschulen bie Berufsarten ber Gruppe III ge­ringer beteiligt sinb, wirb nicht wunbernehmen, wenn man bebenft, bah biese Kreise bie vorhan- benen Mittel in erster Linie zur Ausbildung der Söhne verwenden. Von der Gesamtzahl der Schüler und Schülerinnen der hessischen höheren Lehranstal-

Hessen °/o

Preußen °/o

Gruppe I

17,17

22,18

Gruppe II

63,55

67,94

Gruppe III

18,10

9,88