Turnen, Sport und Spiel.
Leichtathletik.
Turngau Hessen (D. T.) Frühjahrswaldlauf des 5. Bezirks km Turngau heften.
bpw. Dad-Rauheim, 25. Aprtt. Das Publikum nahm regen Antett an der Veranstal- hmg, die unter Leitung des Bezirkswarts für das Dbssturnen Gabler (Friedberg) heute einen tvvhlgelungenen Verlauf na^nt 90 Läufer toacen am Start, eine Anzahl, tote sie noch in keinen Jahr zuvor erreicht worden ist. Als Gelände wurde, wie in den Vorjahren, wieder der hiesige Hlxbwald oewählt. Gelaufen wurde über 5 Kilometer (Surret), 2> Kilometer (Jugend-Oberstule) und l1 . Kilometer (Jugend-älnterstufe). Es wurden durchweg gute Leistungen geboten, in der Turnerstufe waren sie um 6 Sekunden belfer als beim vorjährigen Frübjahrsgeländelauf. Rach Beendigung des Wettlaufs stellte sich der Bezirk noch in den Dienst der Reichsges u n b - heitswoche: ein gestaffelter Lauf sämtlicher Teilnehmer durch die Stadt vollzog sich in belfer Ordnung äußerst eindrucksvoll und gestaltete sich so zu einer Werbeveranstaltung im besten Sinne des Wortes. Rachfolgend bringen wir aus der Siegerliste einen Auszug, der jeweils die drei ersten Sieger enthalt und weiter noch die Ramen der Preisträger mitteilt, die den im Kreise Gießen gelegenen Bezirksvereinen angebdren:
Surncrftu f e (16 Bewerber. 11 Sieger): 1. Sieg G. Becker, Tv. Gambach. 18 Minuten 21 Sek; 2. 3. Wolf, Tv. Aieder-Morlen. 18 Min. 23 Sek.: 3. Karl Lüdge, Tv. Lang-Göns. 18 Min. 26 Sek.: 4. Rudolf Kuhl, Tv. Eberftadt: 7. Karl Kuhl, Tv. Eberftadt; 10. Hrch. Rery, Tv. Eber- stadt.
3m Mannschaftskampf wurden Sie- gerch 1. Tv. Gambach: 2. Tv. Eberstadt: 3. Tv. Rieder-Wöllstadt.
3ugendturner-Oberstufe (17 Bewerber, 11 Sieger): 1. Sieg 3. Lehr, Tgm. Friedberg, 8 Min. 281 3 Sek.: 2. A Sonruerlad. Tv. Ostheim, 8 Min. 29 Sek.: 3. H. Schneider. Tv. Ostheim. 8 Mm. 31 Sek.: 5. Friedrich Röhrig, Tv. Holzheim.
3m Mannschaftslauf kam Tgm. Friedberg an die erste. Tv. Steinfurth an die zweite Stelle.
3ugendturner-^Interstufe (57 Bewerber, 28 Sieger): 1. E. Sommerlad, Tv. 1860 Bad-Rauheim. 4 Min. 35 Sek.: 2. H. Reuter, Tv. Rieder-Mörlen. 4 Mm. 36 Sek: 3. K. Bretthauer. Tgm. Friedberg. 4 Min. 37 Sek.: 5.Willi Lauber. Tv. Lang-Göns: 7. Erich Merz, Tv. Lang-Göns: 12. Artur Wedemann, Tv. Sber- stadt: 13. Daul v. Diemar, Tv. Eberstadt: 18. Karl Müller. Tv. Lang-Göns: 21. Wilh. Dreier, Tv. Lang-Göns; 22. Hrch. Müller, Tv. Holzheim; 23. Karl Reitschmidt, Tv. Eberstadt: 25. Willi Dem, Tv. Lang-Gons: 28. Rudolf Gorlach, Tv. Holzheim.
Die Mannschaftssiege fielen folgenden Vereinen zu: 1. Tgm. Friedberg: 2. Tgm. Friedberg: 3. Tb. Lang-Gons: 4. Tv. Eberstadt. Wettkämpfe in Frankfurt a. M. do. Den Abschluß des Olympia-Vorbereitungs- kurfes für Sprinter, den die Deutsche Sportbehörde vom 21.—24. April in Frankfurt a. M. durchführte, bildeten die leichtathletischen Wettkämpfe im Frankfurter Stadion. Im 100-Meter-Trainingslauf (mit Vorgabe) war die Zeit 11,2 des deutschen Meisters C o r t s - Stuttgart die beste, der Berliner Malis; lief 11,4, Houben 11,6 — jeweils die beste Zeit eines Laufs. Die 4mal 100-Meter-Staffel Hauben- Schüller-Düchner-Corts lief die aanz ausgezeichnete Zeit von 41,6. Ein 200-Meter-Trainings- laufen gewann der Leipziger Wege in 22,2 vor Rappard (Karlsruhe) und K l ä h n (Frankfurt), lieber 800 Meter (mit Borgabe) erzielte der deutsche Meister Peltzer (Stettin) die Zeit 1:58,2.
Fuhball.
Wetzlarer Sport.
tz. Ec beschränkte sich am Sonntag auf Fuß- unb Handball. Auf dem F. C.-Plah hatten sich bei heißem, schwülem Wetter nur wenige Anhänger des Lederballes eingefunden, die zunächst ein recht interessantes 3ugendspiel zwischen dem Plahverein und V. f. B. Gießen mit ihren ersten 3ugcndmannschasten zu sehen hatten. Rach besserem Spiel gewannen die F. C.er 3: 0.
Das anschließende Ligaspiel F. C. — Oberursel war alles andere als eine Augenweide. Mit auf beiden Seiten schwachen Leistungen war „vrobenimhohenvogelsberg.
Don Karl Rudolf Fischer.
Grüne Heide am Berge, Weiße Birken im Tal, Rote Wolken am Himmel Und Nachtigallschall ....
Hoch oben in den Bergen liegt fernab von den Wegen der Menschen eine einsame Bergheide. Selten verliert sich ein Wanderer hierher, und geschieht dies einmal, so kebrt er bald um. Es wird ihm zu unbequem, durch sumpfige Heide und über Geröll gehen zu müssen. Dorthin bin ich ost gegangen.
Scheint die Sonne warm und hell vom Blau- Himmel, liege ich hinter den Wacholdern, sehe mit dem Fernglas den Kiebitzen zu, die auf dem Heid- gründ umhertrippeln, beobachte ihre Flugziele und freue mich über die Steinschmätzer auf den Findlingen. Ist es aber zu heiß, dann lege ich mich längelang in das Moos, lasse mich brennen uno träume. Meine Gedanken zerschwimmen so formlos wie die Wellen der See an den Strandklippen oder Hetzen weit hinaus in die Ferne, wie die weißen Wölkchen am Himmel es tun.
Es ist noch nicht lange her, daß ich diese Heid- hügel kenne. Sie sehen nicht anders aus als oll die andern Triften im Vogelsberg. Und alle Winkel der Bergwelt sind schön. Aber einen besonderen Reiz haben sie doch für mich. Denn ick habe dort einmal ein Erlebnis gehabt, über das id) heute noch lachen muß. Und das kam so:
Es war in den naßkalten Dorsommerlagen des vorigen Jahres, als wochenlang die scharfe Gebirgswitterung anhielt, die Regenstürme im Overwald die Aeste von den Bäumen brachen, und die Bergbauern in den Oberwalddörfem noch Stockfeuer im Kachelofen brannten. Wir hatten eine mehrtägige Wanderung verabredet, lagen in Schotten und warteten auf befteres Wetter. Schon zweimal hatten
die Zugkraft und die Schönheit des Spieles dahin. Endresultat 2:2.
Die Polizei Wehlar lieferte in Babenhausen gegen ihre Kollegen das Rückspiel im Handball. Cs gelang ihnen, das Torverhältnis des Vorspiels, das für sie mit 4:11 verloren ging, um ein Tor zu verbessern. Diesmal blieb also Babenhausen mit 5:11 Sieger.
Aus dem Arbeiter-Turn- und Sportbund.
wieseck I — Gießen I 0:5 (Ecken 2:7).
£ Das warm? Frühlingswetter hatte eine recht stattliche Anzahl Spcrtanhänger aus Wieseck und Gießen nach dem Wiefecker Waldsportplatz gelockt, um dem mit Spannung erwarteten Spiel obiger Mannschaften beiznwoonen. Das Schlußergebnis bedeutet eine große Lleberraschung, denn niemand, auch Gießen nicht, hatte mit einer derart hohen Riederlage Wiesecks gerechnet. Die Wiefecker Mannschaft machte nicht den Eindruck, daß sie sich in einem Verbandsspiel befindet. Gießen dagegen zeigte eines seiner besten Spiele, die Mannschaft war tote aus einem Guß, jeder einzelne füllte feinen Platz voll und ganz aus. Rach dem Spielverlauf hätte Wieseck 2 bis 3 Tore verdient, die teilweise äleberlegenheit Gießens wäre dairn noch genügend zum Ausdruck gekommen. Beiden Mannschaften gebührt für ihr mustergültiges sportliches Verhalten ein Gesantt- lob, sie machten dem sehr korrekten Schiedsrichter seine Ausgabe recht leicht, die toenigen verhängten Strafstöße wurden unverschuldet verwirkt. Das Sdiel wurde beiderseits aufgeregt begonnen: de Aufregung legte sich bei Gießen zuerst, das dann auch stark nach der Führung drängte. Wieseck wehrte sich mit Erfolg, leitete seinerseits schöne Angriffe ein, die aber trotz der anfänglich etwas unsicheren Gießener Verteidigung ohne Erfolg blieben. Gießen drückte nun stärker, erzielte nach 20 Minuten Spieldauer das 1. Tor, 20 Minuten spater das zweite und nach 3 Minuten das dritte. Rach der Pause zeigten beide Mann» schaften ein noch vollkommeneres Spiel. Die ersten 20 Minuten drückte Wieseck wiederholt, konnte aber feine der reichlichen Torgelegenheiten aus- nutzen. Auch eine .Umstellung der Mannschaft änderte an dem verhängnisvollen Pech nichts. Gießen dagegen lief zu immer besserer Form auf, die ganz hervorragend arbeitende Wiefecker Hintermannschaft konnte das 4. Tor nicht verhindern. Eine Viertelstunde vor Schluß konnte Gießen in prächtiger Man er eine Ecke zum 5. Tor verwandeln? Der Rest gehörte fast ausnahmslos Wieseck. das unter allen Umständen wenigstens zum Ehrentor kommen wollte: aber alle Anstrengungen waren umsonst, es sollte eben nichts werden. Reidlos trennten sich zum Schluß zwei Gegner, von denen der bessere gewann.
Alsfeld I — Wehlar I 3:4.
Die von einem hartnäckigen Pech verfolgte Alsfelder Erste mußte auch in diesem Spiel die Vunkte hergeben. Der knappe Vorsprung des Siegers beweist die Richtigkeit unserer Vorhersage. daß der Glücklichere getoann.
Marburg I — Lollar I 4:2.
Einen unglücklichen Tag hatte auch Lollar. Leider ereignete sich in dem Spiel ein schwerer Unglücksfall, indem sich ein Spieler Lollars durch einen unglücklichen Sturz einen komplizierten Armbruch zuzog. Eine Schuld an dem Vorfall trifft niemand, da der Spieler über den Ball stürzte. Selbstverständlich wirkte das bedauerliche Vorkommnis auf die Mannschaft nieder- drückend, so daß die Marburger das Spiel, das zunächst günstig für Lollar stand, mühelos für sich entscheiden konnten.
Wieseck II — Gießen I (Jugend) 2:6.
Eine Bravourleistung vollbrachte die Gießener 3ugend, indem sie die neuaufgestellte Wie- secker Zweite, die ein noch unfertige^ Spiel zeigte, in einwandfreier Weise abfertigen konnte. Bis Halbzeit führte Gießen 1:0, kurz nach der Pause konnte Wieseck ausgleichen, muhte aber Giehen bald darauf abermals die Führung überlassen, um dann seinerseits durch einen verwandelten Strafstoß abermals auszugleichen. Zufolge seines technisch vollkommenen Spieles konnte Gießen in kurzer Aufeinanderfolge 4 weitere Tore erzielen und so seinem überlegen durchgeführten Spiel auch den zahlenmäßigen Ausdruck verleihen. Das Spiel wurde als Gesellschaftsspiel durchgeführt.
Alsfeld II — Rodheim I 1:0.
Beide Mannschaften lieferten sich ein gleichwertiges Spiel. Rodheim, das die stärkere Mann-
wir versucht, unseren Plan zur Ausführung zu bringen, aber immer mußten wir bis auf die Haut durchnäßt zurück. Am dritten Tage endlich schien der Himmel ruhig, wenngleich er noch in das undurchdringliche Grau gehüllt war, und wir zogen los, hinauf in die Berge, um nach der Reiherkolonie Umschau zu halten und die legten Wiedehopfpaare aufzujuchen.
„Droben im hohen Vogelsberg, ei, da ist's so wunderschön", das alte lustige Iagerlied will mir nicht aus dem Kopfe. Schon drei Tage spukt mir die Melodie im Hirn herum, und ich summe sie, wenn ich hinter den Fenstern meines Gastfreundes sitze, meine Pfeife qualme und Gott einen guten Mann sein lasse und mich so wohl fühle wie nur möglich, während draußen die Aeste der Hoflinde, vom Sturm mißhandelt, aufschreien und stöhnen und ächzen und knarren, und der Rorwestwind schwere Tropfen gegen die Scheiben schleudert, und der Regenschauer, vermischt mit Schlackschnee gegen die Mauern klatscht, und jetzt flöte ich laut vor mich hin, als ich auf den Hof trete, mein Rad aus dem Schuppen hole und meines Freundes Motorrad vorspannen lasse, das uns die Oberwaldchaussee hinaufziehen soll. Und dann geht's los; ich stecke die Pfeife in meine langen Transtiefel, ziehe den Hut ins Gesicht, fasse die Zugleine um die Lenkstange und haue ab. Herrlich ist das, durch den Oberwald 3U„ gondeln, ohne sich die Knochen lahm treten zu muffen. „Da macht' ich Oberjäger fein, schießen, das ist meine tfreub’." Ich kann mir nicht helfen, ob ich will oder nicht, das alte Schelmenlied kommt mir nutzt aus dem Sinn.
Doch auf einmal bricht das Verhängnis herein. Der Rebel braute den ganzen Morgen schon in den Waldschluchten, und die bleischweren, rurssen Wolken schlichen immer tiefer über die Bergkämme; jetzt flötet der Regenpfeifer sein erntomges „2rief“ in den Fichten, und der Wind, der oben aufkommt, weht naßkalt. 3ch krempele den Hutrand über das Gesicht, klappe den Rock-
schast stellle, begann das Spiel mit einem scharfen Tempo, dem Alsfeld, das mit nur 10 Mann spielte, ein besseres technisches Können entgegen» stellte. Die erste Halbzeit, in der Alsfeld verschiedene günstige Torgelegenheiten auslieh, verlief torlos. Die zweite Halbzeit brachte zunächst offenes Feldspiel, bis es endlich Alsfeld gelang, an dem herausgelaufenen Rodheimer Tormann vorbei zum einzigen Erfolg zu gelangen. Die nun härter werdende Spielweife Rodheims vermochte an dem Resultat nichts zu ändern. Das Eckenverhältnis stellte sich 10:1 für Alsfeld.
Leun I — Gießen Ila 2:5.
Den erfolgreichen Tag der Gießener vollendete die Iw-Mannschast, indem sie in Leun dem Platzverein eine verhältnismäßig hohe und nicht vorausgesehene Riederlage beibrachte.
Wetzlar II (Jugend) — Wieseck (Jugend) 0:3.
Die Ehre des Vereins rettete die Wiefecker Jugend, inöem sie das Spiel in Wetzlar einwandfrei für sich entscheiden konnte. Angeschlagen bildet sie nach wie vor mit der Gießener 3ugend die Spitzengruppe.
Marburg (Jugend) — Lollar (Jugend) 1:1.
, Beide Mannschaften lieferten sich ein gleich - we'.uges Spiel. Beide müssen noch viel lernen, zeigten aber trotz der kurzen Zett ihres Bestehens schon recht zufriedenstellende Leistungen. Das Resultat entspricht dem Spielverlauf.
Handball.
Um die Weftdeutsthe Meisterschaft der D. T.
c. Wiesbaden, 25. April. Dos Wiesbadener Stadion hatte heute feinen großen Tag. Hier wurde der Endkampf um die Westdeutsche Meisterschaft D. T. ausgefochten. Das Ergebnis war folgendes:
T.B. Seckbach—T.D. Krefeld-Oppum 1894 4:2 (3:1).
T. G. Eintracht Frankfurt a. M.—T. D. 1855 Krefeld 4:0 (1:0).
Boxen.
Stadtewettkampf Bietzen - Butzbach.
Mit einem Punkt Unterschied gewinnt Butzbach.
Vor einer großen Zuschauermenge sand dieser Kampf am Samstagabend in der Turnhalle der Stadtknabenschule statt. Sportlehrer Schneider gab zunächst in kurzen Umrißen die Regeln bekannt, ebenso wurden die verbotenen Stöße und Schlage gezeigt. Mit Spannung verfolgten die Zuschauer die einzelnen Kampf- handlungen.
Cingelelket wurden die Kampfe durch das leichteste Gewicht (Tütengewicht 60 Pfd.). Besonders hervorgehoben werden mutz der Kampf Bormuth (Gießen) gegen 3ung (Butzbach). S r e p h a n verstand es, durch seine flinke Kamp- sesweise sich die Sympathie des Publikums zu erwerben. V o l p e r t muhte den Kampf schon nach der ersten Runde äusgeben. Größere Kampferfahrung im Ring und ein Gewichtsunterschied des Butzbacher Gegners mit 14 Pfd. ließen für Dolpert keine Ehancen auftommen. Der Kampf Linkmann (Butzbach) gegen Döring (Gießen) stand zuerst sehr im Zeichen Linkmanns, und Döring muhte in der ersten Runde sehr viel Schläge einstecken. Döring konnte aber seinen Gegner in der zweiten Runde bis über 10 Sekunden zu Boden zwingen. 3n den Haupt- kampf des Abends, Rehr en (Gießen) gegen Euler (Butzbach) verschafften größere Kampferfahrungen Euler ein gewisses Plus. Euler hat seit 4 Wochen anscheinend nichts anderes getan, als sich auf den Kampf gegen Rehren dorzubereiten. Hinzu kommt noch, daß Euler über 13 Pfund schwerer ist als Rehren. Die ritterliche Kampfesweise, die Rehren bei seinem Kampf gegen Euler zeigte, machte ihn bei den Zuschauern beliebt. Entgegengesetzt zu Euler, der durch einige unerlaubte Schläge, Genickschlag, Tiefschlag und Rierenschlag sich von der unfairen Seite zeigte. Dir Zuschauer entrüsteten sich über diese Kampfesweise, und Euler mußte unangenehme Bemerkungen hören. 3n der ersten Runde griff Rehren mit diel Schneid an und konnte die Runde als für sich getoonnen buchen. Bei der zweiten 'Runde erhielt er dann einige Tiefschläge und Rierenschläge, die wohl für sein weiteres Kämpfen von ausschlaggebender Bedeutung waren. Euler wurde dreimal gewarnt. 3n der dritten Runde gab Rehren den Kampf auf. Die Rachwirkung eines Tiefschlags mag ihn Wohl dazu veranlaßt haben. Rachfolgend die Resultate der Kämpfe: 1. Hartmetz (Gießen) — Müller (Butzbach) Sieger Müller nach Punk
ten, 2. Braun (Gießen) — 3ägcr (Butzbach) unentschieden, 3 Stephan (Giehen) — Langbein (Butzbach) Sieger Stephan nach Puntten, 4. Bormuth (Gießen) — 3ung (Butzbach) Sieger Bormuth nach Punkten, 5. Volpert (Gießen) — Bopf (Butzbach) Sieger Dopf nach Puntten, 6. Döring (Gießen) — Linkmann (Butzbach) Sieger Döring durch k. o., 7. Wendler (Giehen) — Dauer (Butzbach) Sieger Bauer, 8. Rehren (Gießen) — Euler (Butzbach) Sieger Euler.
Schwimmen.
Rademacher und Frölich in Berlin.
Die deutsche Meisterfchtoirnmer Rademacher und Frölich sind am Montagvormittag per Flugzeug von Hamburg kommend in Berlin eingetragen. Rademacher wird am Mittwoch vom Reichspräsidenten v. Hindenburg empfangen.
Od erliessen.
Landkreis Gießen.
s. Alt en-Bus eck, 26. April. Am Sonntagabend fand im Saale des Gastwirts Rühl ein Lichtbilder Vortrag üb.r „Deutsches Land und deutsche Burgen" statt, zü i>em Kaufmann Kostorz, Gießen, die Begleitworte ach. Der hiesige M a n b o I i n e n b e r i"N ^spielte einige Stücke. Einleitend sprach der Vorsitzende des L. H. B. über die deutsche 3ugendbeweguna.
* Grotzen-Buseck. 26. April. Die Beuerner Straße ist wegen Vornahme von Kanalarbel ten für ' e i Durchgangs c.uehr bis auf weiteres gesperrt. Der Verte?r naa) Beuern wird über Reiskirchen—Bersrod und umgekehrt geleitet.
:—: Beuern, 26. Apr il. 3m ah en Schulsaal fand am Samslagabend eine öffentliche G e- meinderatssitzung statt. Zunächst wurde bera en ü6er d e Gründung einer öffentlichen Wasfergenofsenschaft zur Trockenlegung der Flur V. 3n dieser Flur, dem sog. „Lützelseld", ersaufen rund 20 Morgen guten Ackerlandes, die sich auf etwa 50 Besitzer verteilen. Roch heute stehen dort ganze Aecker tm Wasser. Durch einen Vortrag des Kulturbau- amtes Gießen am letzten Mittwoch waren unsere Landwirte über den Wert der Dränage belehrt worden. Etwa 12 Landwirte stellten schriftlich den Qlntraa auf Bildung der Wasser- genossenschaft. Ilm 6en nicht anwesenden interessierten Landwirten die Möglichkeit zu geben, diesen Antrag zu unterstützen, -oll auf der Bürgermeisterei eine Liste zur Ein eichnung offengelegt werden. Auf Grund dieses Antrags bewilligte der Gemeinderat vorlagsweise die Mittel, die nötig sind, um die Vorarbeiten, wie Aufstellung eines Lageplanes durch das Kulturbauamt Gießen, durchzufuhren. Rach Gründung der Genossenschaft übernimmt diese die gesamten Kosten. Der Preis der Trockenlegung betragt für den Quadratmeter etwa 3 bis 4 Pfennige, also für den hessischen Morgen (2500 Quadratmeter) rund 100 Mark. Bei der Ausführung der Dränagearbeiten sollen namentlich hiesige Arbeitskräfte, insbesondere die Mitglieder der Genossenschaft beschädigt werden. Als passive Mitglieder gelten solche Lanöv irte, deren Aecker we> e - trockener Lage innerhalb l es zu dränierenden Geländes von der Dränage ausgenommen werden. Diese Mitglieder müssen jedoch gestatten, daß die Hauptentwasserungsstränge durch ihre Aecker gelegt werden. Es entstehen ihnen aber keinerlei Unkosten. Als nächster Punkt stand auf der Tagesordnung die Änterstühung d e s L u- pusheimsin Giehen. Ein i.nmi; be_t. i te der Gemeinderat für dieses 3nftittit die Sum ne von 50 Mark. Am Schlüsse der öffentlichen Sitzung machte der Vorsitzende, Bürgermeister Li n d e n st r uk h, die Mitteilung, daß die Deutsche Reichsbahngesellschaft interessiert ist an der Errichtung einer Autobuslinie von Beuern nach Großen-Buseck, die als Zubringerlinie an die Eisenbahnstation gedacht ist. Bürgermeister Lindenstruth wird die notwendigen Schritte unternehmen zur Verwirklichung dieses Gedankens. — Die Zahl der Erwerbslosen ist in der letzten Woche weiter gestiegen auf 30 Hanpt- unterstützungsempsänger und 27 unterstützungsberechtigte Familienangehörigen.
v. Londorf, 26. April. Bei der diesjährige Aufnahme in der hiesigen Volksschule wurden 25 Abc-Schützen, 16 Knaben und 9 Mädchen, aufgenommen.
d. Kesselbach, 26. April. Durch die Inbe- triebnayme des ca. 120 Mann beschäftigenden Basaltwerkes oberhalb unseres Dorfes ist die Zahl der Arbeitslosen stark zurückge-
fragen hoch, stopfe mir eine Pfeife, schlage Feuer auf den Zunderlappen und dampfe weiter. Dann aber öffnet der Himmel alle Schleusen, so heftig, als wollte er den ganzen Oberwald hinweg- schwemmen, so jäh, als sollten die Berge versinken. Schlimmer kann das Unwetter nicht über die römischen Legionen im Teutoburger Walde hereingebrochen sein. 3m Ru waren wir nah bis auf die Haut, sodaß uns das Wasser in Strömen am Leibe herunterlief. 3n meinen Reitstiefeln gluckste das Wasser. Wir mußten zurück. Aber das Maß des llngludä war noch nicht voll. 3n dem aufgeweichten Boden rutschte die Maschine meiner Freundes ab, obwohl er ganz langsam durch die Kurve fuhr, weil die Regenmassen ihn keinen Meter weit sehen ließen. Die scharfe Wendung zerrte mein Rad hinüber auf die frisch gedeckte Straße mit den spitzen Steinen, — „Peng" sprach mein Rad und nötigte mich zum Absteigen. An eine gemeinsame Heimfahrt war nicht mehr zu denken. Aus meine dringenden Bitten fuhr mein Freund allein weiter, toä^renb ich „platt" nachkam. Herrgott, war das eine Arbeit. Rach fünf Minuten hatte mich der weiche Dreckboden dermaßen zugerichtet, daß ich aussah, als hätte ich drei Tage lang Honig gerührt. Am nächsten Berg flieg ich ab und drückte mein Rad hinauf. Als ich glücklich oben war, drehten sich die Räder nicht mehr. 3ch warf das Rad in den Wassergraben, fuhr mit dem Tannenbesen in die Speichen, schwenkte mit Wasser nach und brachte es wieder zur Manöverierfähigkeit. Bergab würde es jo gut gehen. Bevor ich in den Sattel stieg, wollte ich mir eine neue Pfeife laden. 3ch kramte die Streichholzschachtel heraus und fanb nur rot» verklexle und verwaschene Hölzer: unbrauchbar! Dabei kam mir zum Bewußtsein, daß eine durchaus nicht christliche Redensart rings gehört worden war. Sann suchte ich nach dem Zunder. Als ich meine Hand glücklich mit Ach und Krach in
die nasse Westerttasche gezwengt hatte, zog ich sie mit sichtlichem Abscheu zurück, denn ich dachte, ich hatte in einen „Schnägel", genannt Wegschnecke, gegriffen. Als ich auf Grund einet näheren Untersuchung den wissenschaftlichen Beweis für diese Annahme zu erbringen versuchte, fand ich, daß dieses dreimal schauderhafte Etwas die sterblichen Reste meines verweichten Zunders waren. Barmherziger Himmels nun war s aus mit meiner Pfeife. Was sollte ich nun tun? Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und hängt an Aeußeickichkeiten, muß also Unterhaltung haben. Was Wunder, daß mir da auf einmal wieder das alte Vogelsberglied in den Kopf kam? Tlnd daran klammerte ich mich. Hatte ich nichts zu rauchen, so wollte ich etwas zu pfeifen haben. And ich psisf, was ich nur pfeifen konnte, während ich die Straße hinabfuhr. Kurz vor dem Ziel kam mir ein Bauer, naß wie ein Sack, der vier Wochen im „Pitzefaß" lag, und dreckig, entgegen. 3ch merkte schon von weitem, daß er Interesse für mich hatte, denn auf achtzig Meter blieb er stehen. Daß so ein Saukerl auch noch pfeifen konnte, war ihm zu rund für seinen eckigen Koj>f. Er kratzte sich in der Wolle, spuckte seinen Pprem gegen den nächsten Baum und dachte: „Entweder bin ich verrückt oder der." Das merkte ich, hatte meinen Spaß daran und begann laut singen: «Droben im hohen Vogelsberg, ei, da ist's so wunderschön." Das war ihm ein Schlag ins Kontor, lind als ich vorbeikam, rief er mir einen herzhaften Gruß zu: „Oh haalt's Maul, bau Rarr, eich mahn, bau mißt die Roase voll genuch hawe."
So etwas war ihm in seinem Leben noch nicht vorgekommen. Als ich mich nach zehn Minuten umdrehte, stand er noch dort oben und sah mir nach, lind der Milchkutscher, der zwei Stunden später dort vorbeikam, erzählte mir, er Habs immer noch da gestanden.


