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Estland.

Von unserem ^.-Korrespondenten. Nachdruck verboten.

Reval, Mitte Januar.

Genau wie in Litauen und Lettland ist auch die Wirtschaft Estlands durchaus auf der Land­wirtschaft als dem Grundstock des ge­samten Wirtschaftlebcns ausgebaut. Nur ist die Lage der Landwirtschaft hier noch um ein beträchtliches schlechter und damit auch die gesamte Lage in Estland ungünstiger zu beurteilen. Als reiner Agrarstaat mit einer gering entwickelten eigenen Industrie hat Estland unter den Mißernten der vergangenen Jahre sehr stark zu leiden gehabt. Zudem ist die Produktionskraft der Landwirtschaft noch durch das Agrargesetz, das eine Enteig­nung des Großgrundbesitzes vorschrieb, stark geschwächt worden. So sind durch das Enteig- nungsgesetz, das in erster Linie die Deutschbalten betraf, von den 5 Millionen Hektar, die das gesamte Estland ungefähr umfaßt, über 2.4 Millionen Hek­tar Land Staatsbesitz geworden. Aus diesem Land- fvnds hat man unter gewaltiger Belastung der Staatskasse neue Kleinsiedlerwirtschaften geschaffen, deren Produktionskraft sich mit dem des früheren Großgrundbesitzes auch nicht int entfenteften meßen kann. Da neuerdings die weiteren Kredite und Darlehen an diese Kleinbauern von Staats wegen haben gesperrt werden müssen, da sie eine über­mäßige Belastung des Budgets darstellten, befindet sich die Landwirtschaft hier in einer fast verzweifel­ten Lage. Ueberdies ist naturgemäß durch den Uebergang des Landes von deutschen in estnische Hände die kulturelle Höhe der Landwirtschaft ge­sunken und damit auch die Produktion erheblich zurückgegangen?

Auch die zur Unterstützung dieser neuen Bauern geschaffenen landwirtschaftlichen Genosienschaften. die hier nach der Landenteignung wie Pilze aus der Erde schossen, haben den inneren verfall der Landwirtschaft nicht aufhalten können. Ihre Zahl hat sich im Laufe von vier Jahren um fast 100 Prozent vermehrt, wobei besonders die landwirt­schaftlichen Maschinengen vssenschcisten stark in den Vordergrund traten. Besonders an Maschinen und Geräten der Landwirtschaft ist hier ein großer Mangel zu bemerken, ohne daß genügende Kapital» kraft vorhanden wäre, um hier grundlegend Wan­del zu schaffen.

Der Uebergang der Laadwirtschaft Estlands vom Großbetrieb zur Mittel- und Kleinwirtschaft ent­spricht auch die Steigerung der Ausfuhr von Pro­dukten der Viehzucht, die nach der Revolution ein­setzte. Die hauptsächlichsten Exportartikel der estnischen Landwirtschaft find demgemäß: Flachs, Butter, Eier und Fleisch. Der Flachs, dem eine gute Qualität nachgerühmt wird, und der besser als der von Litauen und Lettland sein soll, geht vor­nehmlich nach England, Belgien und Frankreich. Für das estnische Fleisch ist England rast der allei­nige Abnehmer. Dagegen gehen Butter und Eier speziell nach Deutschland und sind, wie ich mich selbst habe überzeugen fönreen, von sehr guter Be­schaffenheit. Besonders der Butterexport hat sich in den letzten Jahren zu einem bedeutenden Posten 'm estnischen Außenhandel entwickelt, sind doch im letzten Jahre über 7 Millionen Kilogramm Butter mit einem Geldwert von über 2 Milliarden Eesti- mark ausgeführt worden. Im Vergleich zu den Butterexportzahlen des Jahves 1922 ist eine 23er- grötzerung um das Siebenfache festzustellen.

Neben der Landwirtschaft als Hauptproduk- tionsquelle besitzt die Holzindustrie für Est­land hervorragende Bedeutung. Auf dem Gesamt­territorium des Landes sind über 840 000 Hektar Wald vorhanden, von denen jährlich einige Tausend azt werden. Zum Export kommen vornehmlich «holz, Bretter und fertige Holzfabrikate, von denen sich besonders das erstere in England eines guten Absatzes erfreut. Sonst ist auch auf dem hiesigen Holzmarkt eine Niederkonjunktur zu ver­zeichnen.

Seitdem Estland ein eigener Staat ist, hat be­sonders die Papierindustrie eine sehr gün­stige Entwicklung genommen und in ihrer Produk- ~ tion bereits die Vorkriegsnorm überschritten. An­fangs ergaben sich nach der Abtrennung Esttands von Rußland erhebliche Organ^ationsschwierigkei- len innerhalb dieses Industriezweiges, die aber jetzt als behoben angesehen werden können. Gegenwär­tig hat sich das estnische Papier auf dem Weltmarkt einen festen Kundenkreis geschaffen. Der Haupt­abnehmer der estnischen Papierindustrie ist Ruß­land, sodann neuerdings England, Japan und Amerika.

Für Deutschland ist besonders der Verkehr in Textilprodukten von Bedeutung, Estland exportierte Rohstoffe und Halbfabrikate, 'besonders Flachs und Baumwollgarn nach Deutschland und nimmt dafür fertige Produkte der Textilindustrie

Anekdotisches von Mozart.

(Zu ।einem HO. Geburtstag am 21. Januar.) Zuscunrnengestellt von Heinz Berger.

-Unter ber Fülle der Mozart-Anekdoten fin= ben wir vornehmlich solche, die uns erzählen, wie rasch und leicht Mozart komponieren konnte, aber auch, welch emsiger und eifriger Arbeiter er gewesen ist. Donat Müller erzählt uns in seinem BuchDer amerikanische Postillon" vom Fahr 1841, wie die Ouvertüre zumDon Juan" entstanden ist.

Diese Oper der Opern wurde bekanntlich von dem großen Meister während seines Auf­enthaltes in Prag (1787) für die Gnardasanische italienische Operngesellschatt komponiert und in Szene gesetzt. Der für die erste Ausführung vonDon Giovanni" bestimmte Tag, der 3. No­vember, war vor der Ture und Mozart hatte noch immer keine Ouvertüre geschrieben! Guar­dasani drängte, seine Freunde redeten ihm zu Mozart lachte nur und sagte:Ich werde sie diesen Nachmittag schreiben!" An demselben Nachmittag machte er aber einen Ausflug aufs Land. Guarüasani war in Verzweiflung. Er sandte nach allen vier Wcltgegmden Boten aus. Mozart war nirgends zu finden und Strobach mußte versprechen, im Fall der äußersten Rot die Ouvertüre zum Idomeneas aufzufühven. Es war Mitternach, als Mozarts Wagen vor seiner Wohnung hielt,' seine Freunde, Guardasani an der Spitze, umringten ihn sogleich und über­schütteten ihn mit Klagen und Vorwürfen. Der Meister sprang aus dem W gen:Laßt mich nur in Ruhe, ich werde jetzt wahrhaftig sogleich an die Arbeit gehen" Er ging in das Haus, schloß die Ture hinter sich ab, warf sich auf seinem Sih am Schreibtische und fing an In wenigen Minuten fuhr er jedoch auf und sagte mit lachender Miene zu seiner Frau: will

jetzt nicht gehen! Ich will mich ein Stündchen ans Bett legen; wecke mich dann und mache mir

auf. Im letzten Wirtschaftsjahr weist dieser deutsch­estnische Handel in Textilien bedeutende Rückgänge auf, da sowohl die Ausfuhr deutscher Tex­tilien nach Estland wie auch die Einfuhr von est­nischem Flachs und Baumwollgarn abgenommen hat. Der Grund für diese Erscheinung ist neben einer allgemeinen Wirtschaftsdcpression darin zu sehen, daß die Zollfrage zwischen beiden Staaten eine end­gültige Reglung noch nicht gefunden hat, so daß der Warenverkehr durch den Autonomzoll eine starke Belastung erfährt. Im Interesse der Stärkung des deutsch-estnischen Handels wäre eine baldige Rege­lung der schwebenden Zollfragen, die den Handels­verkehr stark behindern, dringend zu wünschen.

'Nach langandauernder Depression im estnischen Wirtschaftsleben hat sich die Konjunktur in der letzten Zeit allmählich etwas gebessert. Die Sage be Industrie ist besonders schwer, da ein großer Kapitalmangel herrscht. Neben dem zu teuren Kre­dit leidet die hiesige Industrie an Absatzmangel und zu hoher steuerlicher Belastung. Die staatlichen Subventionen für die neugeschaffenen Kleinbauer­stelle.' haben das Staatsbudget jahrelang übermäßig belastet und eine hohe Steuerlast entstehen lassen, ohne daß es gelungen wäre, die steigende Ver­armung der Kleinbauern, die immer deutlicher in die Erscheinung tritt, aufzuhalten. Trotzdem die letzt- jährige Ernte hier durchaus mittelmäßig war und sich vorteilhaft von den beiden Vorjahren unter­schied, ist Estland, das seinen Bedarf an Brotge­treide aus eigener Ernte nicht zu decken vermag, auf Einfuhr besonders in der ersten Hälfte des Jah­res durchaus angewiesen. Die letzthin stattgehabten russischen Roggenexporte nach Estland haben den Preis des estnischen Roggens, der nach oben ten­dierte, gedrückt und damit die Lage der hiesigen Landwirtschaft nur noch weiterhin verschlechtert. In Anbetracht der schlechten Lage der Landwirtschaft konnte der Msatz von Landmaschinen, an dem be­sonders Deutschland interessiert ist, in den letzten Jahren in Estland nur relativ gering fein. Die mittelgute Ernte des letzten Jahres macht wieder ge­wisse Anschaffungen in beschränktem Umfange mög­lich. Ein besonderes Interesse ist hier in land­wirtschaftlichen Kreisen für kleinere Antriel^- motore vorhanden, deren Export nach Estland sich fraglos lohnen würde. Die letzthin zu bemer­kende Besierung der wirtschaftlichen Verhältnisse in Estland, an der auch die Landwirtschaft durch ver­mehrte Ausfuhr ihrer Produkte Teil hat, läßt hier aüoemein die Nachfrage nach Jndustrieprodukten unter günstigen Zahlungsbedi ungen reger werden. Die eigene geringwertige Industrie kann diesen Be­darf nicht im entferntesten decken, so daß man nach wie vor auf Import angewiesen ist. Zudem kann aus verschiedenen Gründen mit einer baldigen grundlegenden Besserung in der eigenen Industrie Estlands kaum gerechnet werden. Es ist vielmehr eine langsame und stufenweise Aufwärtsbewegung zu erwarten.

Aus handelspolitischen Gründen erstrebt Estland eine Zollunion mit Lettland, was fraglos nicht nur für diese beiden Staaten von Vorteil wäre. Polen bekämpft diese Pläne einer Zollunion der bal­tischen Staaten, da dieser Dreibund gegen Polen ge­richtet fein könnte. Neuerdings ist man auf polnischer Seite wieder recht nervös geworden, da die lange Zeit zwischen Estland und Rußland vorhanden ge­wesene Spannung mittlerweile beseitigt worden ist und Rußland sich langsam zu dem bedeutendsten Ab­nehmer der estnischen Jnduftrieerzeugnisse wie Pa­pier, Leder usw. entwickelt. Auch der estnische Tran- fithandel nach Rußland über Estland zeigt im letzten Jahr eine bedeutende Besserung.

Die von der Eesti-Bank vor ein paar Tagen neu festgesetzten Zins, und Diskontsätze bringen auf dem Gebiete der Zahlungswirtschaft und des Kredit­wesens bedeutende Erleichterungen, so daß mit einer Wiederbelebung des estnischen 'Marktes zu rechnen ist. 2Iuf dem Markt für landwirtschaftliche Maschinen hat sich diese in den leisten Monaten etwas gehobene Wirtschaftslage schon durch verstärkte Nachfrage be- mertbar gemacht. Trotz englischer und skandinavischer Konkurrenz ist Deutschland als das bedeu­tendste Importland Estlands, noch im­mer erster Lieferant für industrielle Erzeugnisse. Hoffentlich tritt hierin keine Aenderung ein.

Politik und Schule.

(£iite Antwort des Landesamts für das Bikdurrqstvesen.

Die Fraktion der Deutschen Bolts- Partei hatte am 12. November folgende An­frage eingebracht: In Rr. 250 der ..Darmstädter Zeitung" vom 26. Oktober 1925 erschien mit der LieberschriftVaterländischer Block in Gießen" ein durchaus tendenziöser Bericht über eine Veranstaltung der Vaterländischen Ver­bände in Gießen. Dieser Bericht hat daS Landes­amt für das Dildungswesen veranlaßt, die Gic-

Punsch." Ohne sich zu entkleiden, warf er sich auf das Bett. Konstanze bereitete den Punsch und nctch einer Stunde gingsie an ihres Mannes Dett. um ihn au wecken. Aber er schlief so süß, daß sie es nicht über das Herz bringen konnte, seine Buhe zu stören. Sie lieh ihn noch eine Stunde liegen und weckte ihn bann, da die 3eil drängte. Mozart rieb sich die Augen, schüttelte sich uod sammelte fein-' Gedanken, und f>ann begann er ohne weiteres sein Werk. Kon- stanze reichte ihm den Punsch, setzte sich an seine Seite und fing, um ihn bei munterer Laune ju erhalten, an, ihm allerhand spaßige und grauenhaste Historien von Blaubart, von der schönen Mogelone usw. zu erzählen, bis Mozart, immerfort schreibend, lachte, daß ihm die 'Tränen die Bocken herunterliefen. Um 4 41hr lag es fit rmd fertig auf dem Tische. Der Meister stand auf; er konnte sich kaum aufrecht halten.

Für diesmal getan!, murmelte er,aber ich werde es nicht noch einmal probieren!" und legte sich nochmals zur Ruhe nieder. Um sieben Uhr holte der Kopist die Roten ab; aber et wurde mit dem Ausschreiben der Stimmen nicht eher fertig, als gegen halb 'acht Uhr abends, so daß die Aufführung bis um 8 Uhr hinaus- geschoben werden mußte. Roch naß und mit Sand bestreut, wurden die hastig abgeschriebenen Stimmen in das Orchester gebracht und dort verteilt. Die seltsame G schichte d:r Komposition der Ouvertüre war bald wie ein Lauffeuer unter der ganzen Versammlung verbreitet. Als Mozart in das Orchester tarn, wurde er von dem übervollen Hause mit donnernden Bravos be­grüßt. Er verbeugte sich tief und sprach dann, indem er sich an die Musiker wandte:Meine Herren, wir sind nicht im Falle, eine Probe der Ouvertüre geh b zu haben aber ich weiß, was tch mit Ihnen ristieren tarnt Also schnell aus Werk I" Er ergriff den Takt stock, gab daS Zeichen, und tote ein Donnergebrause mit Trompeten­klang vermischt, rauschte der erste Akkord des

ßener Schulleiter zu einem dienstlichen Bericht darüber aufzufordern, welche Vereine an der Veranstaltung beteiligt waren, ob Schüler anwesend waren, die dabei na­mentlich festgestellt werden sollten, endlich ob und welche Lehrer teilnahmen.

Wir fragen an:

1. Glaubt die Regierung durch solche Unter- suchungsmethoden den Geist des Vertrau­ens zwischen Schule und Elternhaus, zwischen Schülern und Lehrern und zwischen Leh­rern und Schülern einerseits und der Regierung deS hessischen Dolksstaates andererseits stärken zu können?

2. Sieht die Regierung nicht ihre Aufgabe darin, die vertrauensvolle Zusammen­arbeit zwischen den ebengenannten am Er­ziehungswesen beteiligten Faktoren zu pflegen?

3. Ist die Regierung der Auffassung, die Staatsgesinnung in Schülerschaft Eltern­schaft und Lehrerschaft durch derartige engherzige, an den Polizei st aat ältesten Stils erinnernde Untersuchungsmethoden fördern zu können?

Auf diese Anfrage ist am 18. Dezember folgende Regierungsantwort erteilt, die soeben durch die Landtagsdrucksachen zur Kenntnis der Oeffentlichkeit gebracht wird:

Auf das Schreiben vom 13. Rovember, das dem Landesamt für das Dildungswesen am 21. zuging, beehre ich mich, dem Sferrn Präsidenten des Landtags nachfolgende Aeußerung in dop­pelter Ausfertigung vorzulegen.

Durch die vom Landtag beschlossene Ver­ordnung vom 26. August 1922 über das Ver­hältnis der Schulen zum republika­nischen Staat ist den Schülern die Mitglied­schaft und die Teilnahme an den Veranstaltungen gewisser Vereine verboten. In dem Bericht derDarmstädler Zeitung" Rr. 250 über eine Veranstaltung des ..Vaterländischen Blocks" in Gießen am 25. Okt. tarnen nun die Stellen vor:

I.Die jungen Leute des vaterländischen Blocks zum größten Teil noch wahlunmündig".

2. ..Einige Unbekannte fingen vor Beginn der Versammlung das Hakenkreuzlied".

3.Dann folgt noch das Pereat der Iuden- republik".

Da war es Pflicht der Regierung, festzu­stellen, ob verbotene Vereine betei­ligt waren, besonders weil immer wieder von diesen Vereinen, auch von Abgeordneten dör Wunsch ausgesprochen worden ist, das Vereins- verbot aufzuheben. Es war notwendig, zuver­lässige Augen- und Ohren zeugen zu ermitteln, um festzestellen, ob der Artikel tendenziös" sei oder Tatsachen berichte, das Ganze vom Standpunkt der Schule und nicht von dem her Polizei gesehen.

Deswegen wurden die Gießener Direk­tionen und das Stadtschulamt zum Bericht aufgefvrdert. Rach dem Wort­laut der Verfügung sollten dabei nicht die an­wesenden Schüler feftgestellt werden, sondern nur Schüler, d. h. einige. Ebenso war's mit den Lehrern gemeint. Es handelte sich nur um die Ermittlung von Ohrenzeugen und nicht um eine hochnotpeinliche Untersuchung. Wenn dieser Anschein bei der Ausführung der Ver­fügung des Landesamtes erweckt worden ist von Untersuchung steht überhaupt nichts in der Verfügung so beruht das darauf, daß d i e Verfügung mißverstanden worden ist. Die Direktionen berichten ja auch über Schüler­vereine statt über die veranstaltenden politischen Vereine.

Im übrigen stellt die Anfrage Dingeldeh in Wirklichkeit keine Fragen, sondern trägt Grund­sätze über Vertrauen vor, die für das Landesamt für das Vildungswesen immer selbstver­ständlich waren und nach denen es gehandelt hat. Darauf hier einzugehen, dürfte sich er­übrigen. _

Amtsgericht Meßen.

* Gießen, 21. Ian. Ein Landwirt E. wohnt bei einem hiesigen Autohändler I. zur Miete. Zwischen den beiden sind namentlich da­durch Streitigkeiten entstanden, daß ersterer mit seinem Fuhrwerk die mit Plättchen versehene Einfahrt für Automobile benutzt, weil die andere Einfahrt angeblich zu eng und zu unbequem ist. grau 3. rief nun dem E., als er wieder einmal die Einfahrt für Autos benutzte, eine Reihe von Schimpfworten zu und beleidigte auch dessen Frau und Tochter durch ähnliche Aeußerungen. Als F. mit seinem Wagen zurückkam, hielt Frau I. sein Pferd am Zügel fest und ließ es trotz Zurufs nicht los. Daraus schlug E.. wie er behauptet, nach seinem Pferd, tote Frau I. und mehrere Zeugen dagegen behaupten, nach ihr ehrsuwhtgebietenden Am Dies sowohl

als das darauffolgende Allegro wurde von dem Orchester mit bewunderungswürdigem Geiste ex­ekutiert. Als die Ouvertüre zu Ende war, ging der Applaus in einen wahryaften Sturm über. ..Es sind doch ein paar Roten unter das Pult gefallen, sagte Mozart lächelnd zu Strobach, aber das Ganze ging prachtvoll von statten. Ich bin diesen Herren höchlich verbunden." Wie während der Oper selbst der Beifall von Szene zu Szene wuchö, wie das FinH'han dal vino von seiner ersten Aufführung an bis auf den heutigen Tag enthusiastische Dacapos hervorrief und noch immer hervorruft, das ist nicht allein dem braven Prager Dolle bekannt, sondern auch der ganzen gebildeten Welt.

Bekannt ist auch, daß Mozart das so berühmt gewordeneKegelstett-Lrio" während einer Ke­gelpartie komponiert hat, und in Linz soll Mo- Kart gar eine Sinfonie komponiert haben, deren Partttur er gar nicht erst niederschrieb: er schrieb einfach die Stimmen der Reihe nach nieder, und noch naß wurden die Blätter zum Einstudieren abgehvlt und unter die Musiker verteilt, die sie am Abend spielen sollten. Richt viel anders ging es mit dem .Priestermarsch" im zweiten Akt der 3auberf[ötc'. Dieser wurde erst während der Generalprobe geschaffen, weil Schikaneder der Meinung war, es müsse beim Auftreten der Prie­ster irgendeine markante Musik da sein. Mozart, der am Pult stand, rief den Musikern einfach zu:So gebt's her Eure Käszetteln" Um) schrieb auch hier direkt die Stimmen nieder.

Recht amüsant ist die Geschichte, wie Mozart gezwungen wurde, zu tomponieren. Gr wohnte während seines Aufenthaltes in Prag in der Villa des ihm befreundeten Künstlerehepaares Duschck. bei denen er auch einige Rummern des ..Don Iuan" komponierte. Zu dem Park dieser Villa gehörte ein Hügel, auf dessen Gipfel sich ein Pavillon befand. In diesen sperrte eines Tages Frau Duschet den großen Mozart ein und

und traf sie angeblich. Die Folge dieser Vor­fälle sind Privattlagen des E. gegen Frau I., und dieser gegen E. Rach längerer Beweis­aufnahme wurden beide Klagen dahin verglichen, daß Frau I. ihre Beleidigungen zurücknahm und Herr E. erklärte, sich nicht bewußt zu fein, Frau I. mit der Peitsche geschlagen zu haben. Sollte er dies in der Aufregung trotzdem getan haben, so bedauere er dies. Frau I. übernahm sämt­liche Kosten in beiden Sachen, außerdem das Sonderhonvrar deS gegnerischen Anwalts in der einen Sache, während Herr E. das Sonder- Honorar in der andern Sache selbst trägt.

Oberhessen.

Lanskreis Metzen.

* Klein-Linden. 25. Ian. Am gestrigen Sonntag fand hier im Gasthaus zur Deutschen Eiche eine gut besuchte Versammlung der Hand­werker und Gewerbetreibenden unseres Ortes statt, zwecks Gründung ei n^s^H a nbtoer * fe r» und G ewerbe v e re in s , dessen Aus­gabe der Kampf für die Interessen des Klein- handwerkS und Gewerbes fein soll. Herr Albin K lein. Gießen, Mitglied des Landesverbandes für Handwerk und Gewerbe, legte in einem mehr­stündigen, sehr lehrreichen Vortrag die heutigen, äußerst schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse des Klern-Handwerks und Gewerbes dar, und nahm vor allem schärfste Stellung gegen gesetzgeberische Maßnahmen, durch die die berechttgten Inter­essen des Handwerks und Gewerbes bedroht er­scheinen. Es konnte die Gründung eines Hand­werker- und Gewerbevereins mit großer Mehr­heit festgestellt werden, die endgültige Beschluß­fassung soll am Mittwochabend in einer weiteren Versammlung stattfinden.

s. A 11 e n - B u s e ck, 25. Ian. Am Sonn­tag abend veranstaltete der hiesige Mando­linenverein einen Dnterhaltungsabend. Der geräumige neue Saal am Dorfausgang war dicht besetzt von Gästen aus unserem Dorfe und dem nahen Trohe. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand das TheaterstückToni" von Theodor Kör­ner und einige humoristische Szenen. Die musi­kalische Leitung des Abends lag in den Hän­den des Spielleiters Ludwig Schreiner, der auch mit der Sängervereinigung zwei Chöre zum Vortrage brachte. Das hiesige Mandolinen- orchester war verstärkt durch 3 Spieler aus Treis a. d. Lda. und dem Gitarrespieler W. Faber aus Reiskirchen. Die Darbietungen zeich­neten sich durch gute Auffassung und strammen Takt aus.

: Beuern. 26. Ian. Um zu neuem Geben zu erwachen, hielt der seit einigen Iahren nur noch dem Rainen nach bestehende hiesige Kriegerverein einen Werbeabend ab. Der Vorstand hatte dazu alle Kameraden und Freunde und deren Familien in den Saal des Karl Dietrich eingeladen. Der Vorsitzende, Ludw. Stein II., begrüßte die Erschienenen und ge­dachte der alten wahren Kameradschaft, die in Rot und Gefahr während des Krieges geschlossen worden war. Er ermahnte namentlich in der heutigen Zeit, der Zeit der großen Gegensätze in den einzelnen Bevölkerungsschichten, diese alle gute Kameradschaft nicht zu vergessen und sich gegenseitig wieder achten und lieben zu lernen. Sodann ergriff Lehrer Schmoll von Elpenrod das Wort. Er sprach über die Bedeutung der Kriegervereine in der heutigen Zeit und über die gemeinschaftliche Rot aller Schichten des Volkes, die doch endlich alle Deutschen einigen und sich gegenseitig wieder näherbringen möge. In seinem zweiten Teil sprach er an der Hand vieler Lichtbilder überDie Eroberung der Luft Vom Heißluftballon bis zum Lenkballon." Besonders gedachte er des deutschen Erfinders der Lenkballone, des großen Grafen Zeppe- l i n. Ein klares Lebensbild zeigte uns in Zeppe­lin den Mann, der selbst in größter Rot dey Mut nicht verloren hat, und dadurch war ja nur sein großes Werk möglich. Leider waren gerade die neuesten Bilder, die die Ozeanfahrt des an Amerika abgelieferten Luftschiffes zeigen sollten, dem Redner von der Zeppelingesellschaft' noch nicht zugegangen. Reicher Beifall lohnte die trefflichen Ausführungen des Vortragenden. So­dann sprach Pfarrer Wagner als Mitglied des Kriegervereins und ermunterte die alten Kameraden, zufammenzuhalten und dem Verein die Treue zu bewahren, damit er mit dazu bei­tragen könne, an dem Wiederaufstieg unseres Vaterlandes mitzuhelfen. 3m Laufe des kommen­den Sommers soll ein Scheibenschießen durch ben Verein abgehalten werden.

v. A 11 e r t sh a u s en, 26. Ian. Am Sonn­tag nachmittag starb nach längerem Kranken­lager Lehrer P. Kloos. Er hat 43 Iahre segensreich zum Wohle her Gemeinde hier ge-

erflärte ihm mit schelmischen Lächeln, sie würde ihn nicht eher freilassen, bis er ihr die Arie Mia fiamma, addio" geschrieben hätte, die er ihr versprochen habe. Mozart fügte sich; um sich aber zu rächen, brachte er in der Arie ver­schiedene schwierig zu intonierende Liebergänge vor und drohte der Künstlerin, er werde Mo Arie sofort vernichten, wenn es ähr nicht gelänge, das Werk aus dem Stegreif fehlerlos zu fingen. Ein Glück, daß Frau Duschet gut bei Stimme war, sonst hätten wir den Verlust dieser liebens­würdigen Arie zu beklagen.

Auch Kaiser Iosef II. trat mit Mozart häufig in nächste Verbindung, so bei der Auf­führung des ..Don Iuan" in Wien, der dort weniger starken Beifall fand als in Prag. Der Kaiser sagte zu dem Textdichter Lorenz da Ponte: Die Oper ist vortrefflich und wahrscheinlich noch schöner alsFigaro", aber sie paßt halt nicht für die Gaumen meiner guten Wiener". Als Mozart von diesem Gespräch erfuhr, sagte er:Oh, da muß man ihnen eben nur Zeit geben, sie gut zu tauen".

2lach der ersten Aufführung von Mozarts Entführung aus dem Serail" machte der Kaiser die Bemerkung, sie fei sehr hübsch, aber sie habe KU viele Roten. Da antwortete Mozart:Gerade so viele Roten hat sie, als nötig sind". Der Kaiser nahm den Widerspruch nicht ungnädig auf, sondern lachte und sagte:Er hat recht, lieber Mozart, er muh das auch besser verstehen als ich".

Mit inniger Rührung sehen wir, daß Mo­zart auch noch in seiner Sterbestunde rastlos tätig war. Seine Schwägerin Sophie Weber berichtet an Rissen darüber:Da war Süß- mayr bei Mozart am Bette. Dann lag auf der Decke das belannte Requiem und Mozart explizierte ihm, wie feine Meinung sei, daß er es nach seinem Tode vollenden soll... Sein Leytes war noch, wie er mit dem Munde öte Pauken in feinem Requiem ausdrücken wollte: das höre ich noch jetzt."...

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