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Püttchen unter dem Apfelbaum.

Von Dorothea Hollatz, Darnrstadt.

Püttchen stand unter dem Apfelbaum und freute sich. Unbeweglich stand sie da, in dem roten Rock- chen und dem enzianblauen Mieder. Die dicken kurzen Beine standen wie Säulen im hohen Gras, und die weichen Wurstelsinger lagen zu Fäusten geballt aus dem Rücken. Die widerspenstigen Krm- aellocken waren über dem Nacken in ein winziges Zöpfchen gebannt, das kurz und steif und geringelt vom Köpfchen abstand. Dieser Kopf, mit zwei tiefen blauen Augen darin, einer winzigen Nase und einem trotzigen Mund, war in dauernder Bewe­gung, und die Augen erspähten rechts und links, üben und unten immer neue Schönheiten, wunder­bare Sachen, wie sie wunderbarer nicht hätten sein können. Da war oben der Himeml, der so blau wie ihr Mieder war. Und an dem Blau des Him­mels hingen weiße bewegliche Wolken, die wie Sonntagsspaziergänger gemütlich und langsam da­hergingen. Manche machten ernste Gesichter, manche lachten, und alle hatten sie schöne weiße Kleider an. Wiedersehen, liebe Wolke!" rief Püttchen und winkte mit der kleinen dicken Pfote. Und unten war das Gros, das hohe grüne Gras, das ihr bis zum Knie reichte. Manche Gräser waren schon braun, denn es war Herbst, und deshalb auch lag es wie Spinnweben über oer Wiese, und die San­dalen des Püttchen wurden seucht. Aber was fd)abete das! Auf dem höchsten Grashalm saß ein mächtiger Heuschreck und reckte die Fühler. Er zuckte jnit den Flügeldecken, setzte an und hupp, war er

Nr. 22 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen) Mittwoch, 27. Januar 1926

... Hin n.......

Aus dem Reiche der Frau.

Das Fragen der Kinder.

Von Lehrer Konrad, Klein-Linden.

Es ist selbst für gebildete Eltern und Erzieher keine leichte Aufgabe, alle Fragen der Kinder jeder­zeit gut und richtig zu beantworten. Deshalb wer­den uns diese Frage der Kinder nur zu leicht und zu oft lästig, und so kommt es häufig vor, daß die ungeduldigen Eltern ihre Kleinen mit Worten wie Das weiß ich nicht, laß mich in Ruhe!" ober Frage boch nicht anbauernb soviel!" abspeisen wollen. Wenn bie Eltern wüßten, welche Fehler sie da begehen, wenn sie so antworten, sie würben viel­leicht williger bie Fragelust ber Kleinen zu befrie­digen suchen. Eine ber wichtigsten Aufgaben ber Erziehung ist bas richtige Beantworten ber Kinder­frauen. Man kann aus Den Fragen der Kleinen sehr viel über ihre Wesensart erfahren. Ein flatterhaftes Kind fragt, in einem Atemzuge nach den verschie­denartigsten Dingen, ohne recht auf die Antworten zu achten: ist diese gegeben, dann folgt auch schon die neue Frage. Es ist dann wohl Ausgabe des Gefragten, auf die Fragen näher einzugehen, das Kind mit dem Gegenstand der Frage zu beschäftigen und es anzuhalten, nicht an der Oberfläche der Dinge haften zu bleiben. Freilich find solche Kinder, ob­wohl sie viel fragen, die bequemsten, weil man ihre Fragen schnell und leicht beantworten kann.

Die ernster veranlagten Kinder, bei denen die Denktätigkeit schon begonnen hat, sind schwerer zu befriedigen. Sie fragen nach dem Wie und Warum, sie lassen sich nicht mit oberflächlichen Antworten abspeisen, sie merken sofort das Unzuläntzliche in der Antwort. Und oft kann man ihnen keine aus­reichende Antwort geben, weil man vielleicht selbst nicht auf dem Gebiete Bescheid weiß, dann auch, weil man die Dinge dem kindlichen Geist nicht nahe zu bringen vermag, oft aber auch, weil es sich um übersinnliche Dinge handelt, die man mit einem Kind noch nicht gut zu besprechen vermag. Nun ist dann nichts verkehrter, als zu antworten:Ach, das weiß ich selbst nicht!", um bie kleinen Quälgeister loszuwerben. Eltern unb Erzieher müssen alles wissen, wenn sie bas Vertrauen bes Kindes nicht verlieren wollen. Man weiß, welches unbegrenzte Vertrauen das Schulkind in das oft recht begrenzte Wissen eines Lehrers setzt. Diese Autorität müßten sich die Eltern auch zu 'wahren suchen. In solchen Fallen ist es dann weit besser, zu antworten:Das kann ich dir noch nicht beantworten, das verstehst du noch nicht! Um dir das erklären zu können, muht du viel größer werden und schon viel gelernt haben!" Indessen soll man sich auch bemühen, dem Kinde so viel wie möglich zu beantworten. Wenn es sich bloß um Dinge handelt, die man nur des­wegen nicht beatroortet, weil man selbst über den Gegenstand nicht unterrichtet ist, so wird man gut tun, sich bei dem Kinde Bedenkzeit auszubitten.Ich habe jetzt nicht Zeit, dir das zu erklären, erinnere mich morgen daran!" Inzwischen kann man sich wohl selbst anderweit erkundigen. Man muß wohl bedenken, daß es dem ernsthaften Kinde mit all den Fragen sehr wichtig ist, daß ihm alle die Dinge, nach denen es fragt, sehr am Herzen liegen, so sehr wie uns Erwachsenen unsere Angelegenheiten, über die wir näher unterrichtet sein möchten. Die Kinder werden daher die Fragen, die wir ihnen nicht beant­worten, anderen vorlegen. Wie sehr aber wird das Vertrauen in den Vater, in die Mutter erschüttert, wenn irgendein anderer die Frage beantworten konnte vielleicht gar schlecht und falsch, was ja das Kind nicht zu beurteilen vermag, die jene nicht lösen konnten!

Ader am falschesten ist es, die Fragen ber Kin­der zu belachen ober zu verspotten. Jede Frage eines Kinbes ist ernst zu nehmen, und wenn das Kind falsch fragt, einen verzeihlichen Fehler der Logik begeht, so muß man es auf den rechten Weg leiten. Dabei wird man aber nicht selten bemerken, daß Kinder oft logischer sind, als Erwachsene, weil sie keine angewöhnten Sprachbilder gebrauchen. Ein Knabe zeigte einem etwas älteren Mädchen seine Spielsachen, worunter sich auch ein Reisen befand. Ich habe auch einen Reifen," sagt das Mädchen, aber ich habe ihn schon viele Jahre, und er ist mir schon zu klein geworden."Ja," sagt der Knabe ganz erstaunt,können Reifen denn kleiner wer­den?" In diesem Fall war das Kind logischer als wir Großen, wenn wir sagen:Mein Rock ist mir zu eng geworden!" anstatt:Ich bin für diesen Rock zu dick geworden!"

In solchem Falle ist es nun schwer unb wohl auch falsch, einem Kinbe ben Weg zur richtigen Logik zu weisen. Das falsche Sstrachbild, bas wir gebrauchen, wirb ihm mit ber Zeit boch geläufig, unb es gewöhnt sich so baran, wie wir Großen daran gewöhnt sind. Richtiger ist da wohl, ben kleinen Frager vom eigentlichen Gegenstanb ber Frage abzulenken, inbem man ihn barauf hinweist, wie nur Lebendes sich verändern unb wachsen, Leb­loses roeber größer noch kleiner werden kann, das

Mädchen also größer werde, wodurch ihm dann der Reifen zu klein fei. Auch über manch andere Frage kommt man mit solchen Ablenkungen leicht hinweg. Vor allem darf man die Fragen nicht mit Nein unb Jo abtun, fonbern man füge eine Erklärung über bas Warum ein. Man gewöhnt badurch das Kinb aus Nachbenken unb daran, selbst über bas Wesen der Dinge nachzuforschen. Ein Kind richtete an mich einmal folgende Fragen:Kann ein Fisch ein Mensch werden?" undGibt es Zwiebäcke, so groß wie Menschen?" Die erste Frage war offenbar an­geregt burch die Erkenntnis, daß aus einem Kind ein Erwachsener wird. Das Kind dachte wohl, au ein Fisch könne soviel wachsen. Ein bloßes Nein würde dem Kinde nichts gevoten haben, während eine Unterhaltung über den Unterschied von Tier und Mensch unb Pflanze unb Stein bie ersten Keime bes Beobachtens ber Naturwelt in bas Kind legten. An bie zweite Frage aber liefen sick Betrachtungen über bie Unzweckmäßigkeit eines Zwiebacks in Menschengröße anschließen, die ben Beobachtungssinu bes Kindes auf anberc Seiten des Lebens lenkten.

Gewiß, ein Nein wäre schneller unb bequemer gewesen, aber wir haben au* Pflichten gegen unsere Kinber: und unsere Bequemlichkeit zur Zeit, ba bie Kinber jung finb, kann recht unbequem werben, wenn sie ben Kinberjahren entwachsen.

Muhestunden.

Es ist eine Kunst, auch einmal zur rechten Zeit die Hände in den Schoß legen zu können. Einen Ruhepunkt zu finden, wo die vielbeschäftigte Frau des Hauses einfach eine Stunde oder zwei zu sich selbst kommt. Sie mag ruhig um ein Weniges mehr voraus schaffen, was getan werden muß, sie soll es aber irgendwie ermöglichen, diese eine oder zwei Stunden ganz für sich frei zu machen: denn sie braucht sie sogar notwendig. Sie muß sich in diesen Mußestunden erholen von all den Widerwärtig­keiten bes Alltags unb allen Unannehmlichkeiten, die im Laufe des Tages zu kommen pflegen.

Du gehst in bas Wohnzimmer. Draußen regnet es ober schneit cs vielleicht, aber brtnncn ist es ge­mütlich. Du legst noch ein paar Kohlen, ein paar Scheite Holz nach und benutzest deine Mußestunden dazu, einmal zu kramen. All bas, was so au alten Erinnerungen in Fächern unb Schubkasten herum- liegt, an Briefen, Bildern unb Kleinigkeiten, bas bringst bu an bie Oberfläche, spinnst dich ein in bie Vergangenheit, wo bich biefer ober jener Brief fand, wo bich bieses ober jenes Stück Stoff glücklich machte. Kleine Schmucksachen in längst vergessenen Schächtelchen unb sonstige kleine Ueberraschungen von Erinnerungen lauern in Truhen, Kasten unb Schränken auf beine fortierenben Hände. So ein träumerisches Kramen, wo nur bein Ich spricht unb allerhand längst begrabene Hoffnungen unb Sehn­süchte, belebt dich, gibt dir ein erlösendes Lächeln oder ein befreiendes Gott fei Dank auf die Lippen ober füllt sich mit Träumen, denen bu nachhängst.

Oder du kauerst bich in einen tiefen Stuhl ober in eine Ottomanenecke so recht kuschlig ein, hast vielleicht auch etwas zum Knabbern in irgendeiner Büchse gefunden und wühlst dich wohlig zurecht mit einem guten Buch unb braufeen fließt bie Zeit vorbei unb bas Lärmen bes Tages bu aber hältst mit allen Nerven selig beine Mußestunde. Sie gibt bir bas Lächeln, ben Gleichmut, mit dem du bann alles weit besser ertragen kannst, als wenn bu es unterläßt, dich auszuruhen.

Oder du hast von den Eltern her noch dein Kla­vier mit in die Ehe gerettet, auf dem du als junges Mädchen spieltest und herumphantasiertest. Du kommst nie dazu, dich einmal daran zu setzen und zu probieren, wieviel von deinem Spiel du noch kannst. Warum nicht? Deine Mußestunde gibt dir auch am Klavier neue Kräfte. Denn gerade Musik solltest du nicht vernachlässigen. Dir kann gerade ber einfache Satz eines Liebes ober einer Sonate, bie bu allein für bich spielst, womöglich noch nicht fehlerfrei, unter allen Umftänben besser tun als das größte Sinfoniekonzert. Deine Nerven wollen ja nur ausruhen, sich einwiegen lassen, du willst ein­mal ganz allein sein mit dir, dich seelisch gehen lassen, unb bas ist ebenso notroenbig wie Speise unb Trank

Du willst doch nicht vorzeitig altern? Also, dann gönne deinen Nerven und deinem Gemüt bie Pflege, inbem bu deine Mußestunden zur Regel machst. Ge­rade du als fleißige Hausfrau müßtest es fertig bringen, diese Mußestunden einzuhalten und in ihnen zu tun, was bu am liebsten mochtest: träu­men, lesen, musizieren, kramen, bir über manches klar werben. Es rächt sich alles, auch die Arbeits­wut, bie bas Tempo nicht wechselt, keine Pause, keine Fermate zuläßt. Ich sagte schon: Die Stille unb Erholung deiner Mußestunde holt das viclsach wieder ein, was du dem Tag rein zeitlich fortge­nommen hast: vergiß nicht, daß die innere Har­monie des Menschen sich immer in Stunden und

Minuten des Alleinseins aufbaut. Und horchst du nicht auf dein Inneres, wird ber Alltag bich halb so überrannt haben, baß bir beine Pflichten nackt unb spitz erscheinen unb du bich nervös unb gereizt zur Wehr setzest. Halte deine Seele jung und elastist' laß sie ausruhen, gönne ihr die Mußestunden, die sie benötigt, und setze diese Mußestunden in deinen Wochenvlan ein, wie du etwa Wasch- und Plätt- tage einsetzest. E. J

Sportlehrerin und Sportärztin.

Zwei neue Frauenberufe.

Von Frau Dr. med. H. I u n k e r s >K u t n e w s k y.

Wo es gilt, ein Neues zu gestalten, da ist die Jugend am rechten Ort. Noch nie zuvor ist Leibes­übung so Herzensangelegenheit junger Menschen ge­wesen wie heute Aus dem Gebiete des Turnens und Sportes ist alles im Zustand der Gärung be­griffen. Körpererziehung ist dos Gespräch des Ta­ges. Sportliche Ereignisse haben den Charakter von Erlebnissen für die ganze Welt. Und diese Bewe­gung obgleich vom Manne ausgehend scheint doch keineswegs auf ihn beschränkt bleiben zu kön­nen. Im Gegenteil, auch das weibliche Geschlecht nimmt regen Anteil und bekundet Verlangen, daß ber Körperschulung auch in ber Mäbchenerziehung ber Platz eingeräumt werbe, ber ihr gebührt. Be­reits ist vom deutschen Reichsausschuß für Leibes­übungen ein Gesetzentwurf ausgearbeitet worben, ber ähnlich bem bes ungarischen Parlaments im Mai 1924 bahin zielt, das Sportpflichtgesetz für beide Geschlechter in Kraft treten zu lassen. Dann wird es eine Selbstverständlichkeit sein, daß eine Frau, die etwas auf sich hält, mindestens einem Sporte huldigt, mehr noch eine Forderung ber allgemeinen Volkserziehung. Seit ber Orünbung ber Deutschen Hochschule für Leibesübungen, Berlin, 1920, nehmen eine nicht kleine Anzahl Frauen an ben Kursen zur Ausbildung von Turn- unb Sport­lehrerinnen teil. Im Sommer 1924 setzte sich bie Stubentenschaft ber Hochschule bereits zur Hälfte aus Frauen zusammen, unb ihre Zahl ist ständig im Wachsen begriffen. Wenn auch vieles noch Zukunftsmusik ist, bie Zeichen finb boch allzu beut lich, als baß sich nicht voraussagen ließe, welch wei­tes Felb sich jeber Frau zu erschließen im Begriff steht. Es handelt sich schon jetzt darum, einen Stab von Sportlehrerinnen heranzubilden, der imstande sei. dank seiner gründlichen, sowohl theore­tischen wie praktischen Ausbildung auf dem Gebiete der Körpererziehung der Frau Neues zu schaffen und zu fördern.

Vor allem: Hebungen, die der Sonderheit des weiblichen Körpers entsprechen: nicht die, die vom Männerturnen her in ben Mädchenschulen übernom­men wurden, ohne Prüfung gutzuheißen und da­mit zugleich eine ber Frauenseele entsprechende Aus­zugsmöglichkeit zu gestalten, Frauenkultur und das ist unser aller Ziel. Das Bestreben, den männlichen Einfluß aus ber Frau immer mehr unb mehr auszuschalten, würbe, burch ben Frauenlehr­gang in Wyk auf Fohr, ben bie Deutsche Hochschule für Leibesübungen im vergangenen Frühjahr ab- hcilten ließ, öffentlich anerkannt unb bamit zugleich die Notwenbigkeit betont, bie Körperschulung der Frau ganz aus ihren bejonberen anatomischen, phy­siologischen unb psychischen Bedingungen zu ent­wickeln. Hier liegt bie praktische unb ideelle Auf­gabe bes merbenben Berufes.

Haben bie Frauen erstmals diese hohe Aufgabe erkannt, so werben immer mehr unb mehr sich bem Berufe einer Sportlehrerin wibmen wollen. Die Ausbilbungsmöglichkeiten bazu sind schnell darge­legt. Am besten bewegen sie sich zur Zeit in folgen­den Bahnen: Absolvierung eines in Spanbau an ber preußischen Hochschule für Leibesübungen all­jährlich ftattfinbenben zwölfmonatigen Lehrgangs unb Ablegung bes borkigen Schlußexamens, wo­durch bie betreffenbe Hörerin die Befähigung zur staatlichen Turn- unb Schwimmlehrerin bescheinigt erhält. Daran anschließenb noch vier Semester Stu­dium an ber Deutschen Hochschule für Leibesübun­gen in Berlin. Währenb dieses Studiums ist be­sonderer Wert auf Sonberausbilbung in rhyth­mischer unb orthopäbischer Gymnastik zu legen. Deutlich erobert sich rhythmische Gymnastik mehr und mehr Boden. Sie bietet ber Frauenseele bie Möglichkeit, sich in edlen, aus dem Innern des In­dividuums aufsteigenden, körperlich empfundenen Tanzformen zu offenbaren. Daher steigert sich täg­lich das Interesse an rhythmischen Gymnastikkursen und überwiegt noch gegenüber allen anderen sport­lichen Unterrichtsfächern der Frau. Die zur Zeit darin tätigen Lehrerinnen können den Anforderun­gen nicht genügen. So bietet sich hier den Frauen als Selbstunternehmerinnen ein sehr günstiges Feld. Das gleiche kann man nicht so ohne weiteres für die anderen Zweige des Sportlehrerinnenberufs sagen. Immerhin, früher oder später wird auch für die Frauenabteilungen ber Turn- und Sportvereine

der Rus nach Vereinslehrerinnen einsetzen. Schon heute steigt in dem Maße, wie Sport und Turnen an Beliebtheit gewinnen, merklich die Nachfrage nach Sportlehrerinnen. Die Zeit ist nicht fern, wo auch in ben Schulen Turnen seine Rolle als unter« georbnetes technisches Fach immer mehr verloren hat unb zu einem Hauptfach ber Erziehung, sowohl bes Körpers, wie auch bes Charakters, geworben fein wirb.

Mit ber mehr sportlichen Einstellung bes Turn­unterrichtes wirb auch bie Schulärztin an Be- bcutung gewinnen unb von ihr bie Kenntnisse ber Sportärztin geforbert werben. Mit der Sportaus- übung größeren Umfanges ijt ja schon heute bie Voraussetzung zu sportärztlicher Tätigkeit gegeben. Durch bas lebhaft empfunbenc unb vielfach ge­äußerte Bebürsnis (porttreibenber Verbänbe nach ärztlichem Rat eröffnet sich ber Aerzteschaft bie Möglichkeit, sich ein an Umfang unb Bebeutung be- beutenbes Gebiet zu erschließen.

Der im Sommer 1924 gegrünbete Aerztebunb zur Forberung ber Leibesübungen hat bereits bie Richtlinien aufgcftcUt, an bie bie Genehmigung $u sportärztlicher Tätigkeit geknüpft werden soll. Tell- nahme an einem praktisch und theoretisch durchge­führten, anerkannten sportärztlichen Fortbildungs­kursus. Nachweise halbjähriger aktiver Mitglied­schaft in einem Sportverein. Es versteht sich von selbst, daß Frauen, die sich sportcirzhcher Tätigkeit widmen wollen, sich den gleichen Bedingungen und Ausbildungsvorschriften zu unterziehen hätten, wie der Sportarzt. In dem Maße, wie die deutsche Frauenbewegung im Sport wächst, neuzeitliche Ge­sichtspunkte sportlicher Hygiene an Bedeutung ge­winnen, muß sich auch das Bedürfnis nach der Sportärztin steigern. In solcher Erweiterung ihrer Tätigkeit erschließt sich der Frau ein neuartiges, ge­waltig ausgedehntes Arbeits- und Einflußgebiet von größtem praktischem Wert. Schon einmal hat eine Aerztin auf bem Gebiete ber Körperschulung schöpfe­rische Arbeit geleistet: Frau Mensenbieck. Unter Leitung ber erfahrenen, sachverstänbigen Aerztin können Körperüvung jeben schwachen Organismus mittels gesteigerter Anforberung erstarken lassen ohne ihm irgenbwie zu schaben.

Hier ist Zukunft! Ungeahnte Möglichkeiten zum Wohle ber Gesamtheit, zur Gesunbung unserer Frauenwelt!

Praktische Winke.

Bettfedern reinigen. Die Federn werben zu diesem Zwecke in einen ledernen Beu­tel geschüttet unb darin unter öfterem Drehen und Drücken 1 dis 2 Stunden getodjt; sie werden bann in einen Korb geschüttet, erst mit warmem, bann mit kaltem Wasser übergossen und, wenn alle Seife entfernt ist, auf ben Boden geschüttet unb unter häufigem ilmtoenben getrocknet.

Das Fensterleder, das gewaschen werden soll, reibt man in sehr starkem Salzwasser ohne jeden weiteren Zusah tüchtig aus. Man wird erstaunt sein, wie leicht der Schmutz sich entfernt und tote weich das Leber bleibt.

Auffrischen von Lebermöbeln. 2e- dermöbel, die unansehnlich geworden sind, reibe man mit einer Mischung von einem Teil Aether unb vier Teilen Terpentinöl ab. Das Tuch, mit dem man abreibt, darf nicht zu naß sein.

Milchzurn Entfernen von.Tinten- flecken. Ein gutes Mittel, um jegliche Tinten­flecke auch aus ben empfindlichsten Stoffen zu entfernen, ist Milch. Man gießt etwas Milch in eine ilntertaffe und legt ben fleckigen Stoff darüber, dann tupft man so lange mit dem Finger, bis der Fleck ganz verschwunden ist. Gegebenenfalls wird bie Milch einigemale er­neuert.

QBieentferntman Flecke ausObst- messern? Obstsäureflecken aus M ssern ent­fernt man sehr leicht durch Abreiben mit Steinkohlen-Asche.

Behandlung von weißen Flausch­und Flanelldecken. Weiße Flausch- unb Flanell decken soll man damit sie weich und flockig bleiben nur in Wasser waschen, dem etwas Salmiakgeist zuge^etzt ist.

Auffärben von rohseidenen Lei­nenkleibern. ilm rohseidene ober beim Waschen verblaßte beigefarbene Leinenkleiber wieder im Haus bequem unb fast kostenlos auf­zufärben, genügt ein starker Tee-Aufguß nach dem Waschen.

weg! Ohne sich von ber Stelle zu rühren, schaute Puttchen bem entfchwunbenen Prinzen nach. Wo war er nun hin? Einfach weg: bas hohe Gras hatte ihn verschluckt. Er hätte wenigstens einmal trillern können, meinte Püttchen. Rechts war bas Haus. Es war furchtbar groß, unb bie Eltern wohnten burin unb Brüderchen. Aber, bu lieber Gott, Brü­derchen war so klein, so winzig unb paßte gar nicht zu Püttchen, benn Püttchen war boch eigentlich schon recht groß. Sie schaute befriebigt an ihrem halbmeterlangen Körper herab unb dachte voll Mit­leid an Brüderchen. Wie mußte ihm zumute sein, ihm, der noch kaum einen Schritt gehen konnte unb zum Geburtstag eine Klapper unb ein paar Jäck­chen bekommen hatte. Keine Bonbons, keine Scho­kolade! Püttchen seufzte tief im Mitgefühl für bas arme Brüberchen. Da links am Gartenzaun bie Schnecke! Sie trug ihr Haus wahrhaftig auf dem Rücken und wanderte damit vergnügt ihres Weges. Wenn etwa Püttchen ihr fdimeres steinernes Haus auf den Rücken nehmen wollte . . . Nein, das war nicht auszudenken. Aber Püttchen war ja schließlich auch keine Schnecke. Gotllob. Unb diese Schnecke, die also ihre Wohnung immer mit sich herumtrug, die, wenn es regnete, flugs ins Stübchen kriechen konnte, diese Schnecke hatte Augen, die sie auf Stie­len aus dem Kopf herausstrecken konnte. Wie Fah­nenstangen, bemerkte Püttchen weise, die kein gro­ßes Zeichentalent hatte. Nach allen Seiten ließen sich die Augen drehen, und wenn man auch noch so leise daran tippte, flogen sie nur so in ben Kopf zurück. Püttchen puhlte aufmerksam an ihrem eige­nen Augapfel, aber sie fand keinen Stil zum Her­

ausstrecken: sie war eben keine Schnecke. Schabe! Wenn Püttchen nicht so beharrlich faul gewesen wäre, hätte sie ja wenigstens bas geringelte Häus­chen einmal angetippt, aber sie blieb, wo sie stand, wie eine Puppe, die man zur Zierde in den Garten gestellt hat.Man zu! Schnecke!" rief sie ermun­ternd und ballte die Hände wieder auf dem Rücken. Die Sonne war warm und gemütlich wie im Sommer. Püttchen zog den Kopf zwischen die Schultern unb blinzelte nach oben. Da wisperten unb fächelten bie Apfelbaumblätter im leichten Winb, unb mitten in ben Blättern hing verlockend ein kleiner Apfel, ber eine rote unb eine gelbe Backe hatte. Er nickte freunblich zu Püttchen herunter, unb Püttchen antwortete:Tag, alter Apfel." Merkwürbig, sie konnte ihren Blick nicht von bem fanften Runb dieses Apfels wenden.Ach . . . seufzte sie und machte runde begehrliche Augen, unb bie Hänbe lösten sich vom Rücken unb legten sich gespreizt in Entzücken über bas Bäuchlein. Der Apfel war wie ein blanker Ball, unb bie Blätter unb ber Himmel unb die Wolken spiegelten sich barin. Wie wunberbar bas war! Unb bie Sonne tupfte einen glanzhellen Kler dem kleinen Apfel mitten ins (Besicht. Der Apfel nieste unb wackelte an seinem dünnen Stengel.Ach . . .

seufzte Püttchen unb konnte ben Blick nicht von ihm roenben.Wenn er bod) käme . . ." So klein noch, unb boch schon so töricht, bas Schönste für sich be­sitzen zu wollen, war Püttchen. Da nieste ber Apfel wieber, schüttelte sich unb sprang keck hinunter in bie blaue Herbstluft, nach ber er sich gesehnt hatte. Aber nickst in das weiche Gras, mit dem

er geliebäugeü hatte, fiel er, sondern hart und lieb­los mitten auf Püttchens Nase, von ba aus auf bie Schnalle ber lebernen Saubale unb bann erst, ver­bogen unb verbeult, ins hohe Gras, wo er sich scheu versteckte, ernüchtert von ber Erbbekanntschast. Püttchen war zu Tobe erschrocken. Anfangs staub sie ba, wie ein Gebilde aus Stein, stocksteif, mit weit von sich gestreckten Armen unb starr vor­gebeugtem Kopf, entsetzt, beleibigt, empört. Dann jedoch verzog sich der trotzige Mund zum Quadrat, die mißhandelte Nase legte sich in winzige Falten, unb, ein barbarisches Konzert anftimmenb, stampfte Püttchen wütend durchs kniehohe Gras dem Haus zu, wo sie sich an die Kellertreppe kauerte und brüllte. Aber sie mochte bald eingesehen haben, daß Brüllen sich nur für Brüderchen schickte, denn, das Geheul jäh abbrechend, formte sie die Lippen zu bem pathetischen Ausspruch:Pfui, Apfel!" Entrüstung unb Ueberleaenheit brachte sie barin be­glückt zum überzeugten Ausdruck. Aber es blieb doch ein Schatten über diesem schönen Herbsttag, und vergessen waren die Himmelswolken, ber Heu­schreck unb bie Schnecke, vom Apfel gar nicht zu reben. Doch am nächsten Morgen schon war alles wieber gut, unb Püttchen hatte es nicht erfaßt, baß bas Schönste oft nur aus der Entfernung unb in ber Sehnsucht so schon ist, unb baß es häufig Ent­täuschung unb Schmerzen gibt, wenn bas Heiß­ersehnte unerwartet in unsere nächste Nähe rückt. Wie oft muß ihr noch ein Apfel auf bie Nase fallen, bis sie klug wird?