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kicher Literatur beschäftigt, statt seine Weisheit aus mehr oder minder doktrinären Laienbroschüren und politischen Zeitungsaufsätzen zu schöpfen, die oft unter dem Mantel der Nächstenliebe oder eines falsch verstandenen Freiheitsideals an der Hand von Einzelfällen über Strasrechtstheorien dozieren. Es wäre erfreulich, wenn ein so ernstes und erschöpfen­des Buch, wie das soeben von Geheimrat Dr. Robert H e i n d l im Pan-Verlag Rolf Heise, Charlotten- burg 2 (Preis Mk. 27.) erschienene WerkDer Berufsverbrecher" die Aufmerksamkeit weite­ster Kreise auf die dort behandelten Dinge lenken wurde. Heindl gilt heute in der internationalen Kriminalistik als eine ihrer ersten Autoritäten. Er hat unter dem berühmten Berttllon bei der Pariser Polizei gearbeitet. Durch längeren Studienaufenthalt bei den Polizeibehörden Englands, Amerikas und Australiens lernte er die Verbrecherwelt dieser Länder genau kennen und besuchte auf Forschungsreisen die französischen, anglo-indischen und spanischen Straf­kolonien. Als Kriminalpolizeichef in Dresden, als Ministerialrat im sächsischen Innenministerium und im Reichsdienst hat er gründliche Erfahrungen auf allen Gebieten der polizeilichen Organisation und Gesetz­gebung sammeln können. Seine außerordentlichen Kenntnisse legt er nun in diesem fesselnd geschrie­benen Werk mit einem überaus reichen, interessant zusammengestellten Anschauungsmaterial nieder. Dem Werk kommt deswegen erhöhte Bedeutung zu, weil es berufen ist, aus die nsue Strafrechts­reform und die Entwicklung des Strafvollzugs maß­gebenden Einfluß zu gewinnen. In überzeugender Beweisführung verteidigt Heindl seinen Grundsatz von der Existenz des Berufsverbrechertums, dem man nach den Erfahrungen in den französischen und britischen Verbrecherkolonien und den gleich trau­rigen Lebensläufen der meisten dieserProfessio­nellen" mit Erziehungsmitteln kaum beikommen wird. Heindl weist an Hand zahlreicher Beispiele nach, daß die Berufsverbrecher aller Zonen in ihrem ost recht langen Leven ein Verbrechen an das andere reihen und instinktmäßig, ohne dazu durch wirt­schaftliche Not gezwungen zu sein, zu neuen Ver­brechen schreiten, sobald das Zuchthaus sie einmal

aus seinen Mauern entlassen hat. Es handelt sich bei dieser Derbrecherkategorie nicht um eine Rückfüh­rung in das bürgerliche Leben, sondern um den dauernden Schutz der bürgerlichen Gesellschaft vor Elementen, die. zunftmäßig organisiert, ausschließlich und grundsätzlich vom Verbrechen leben und sich bewußt außerhalb der bürgerlichen Rechtsordnung stellen. Besonders interessant und aktuell ist die Kritik, die Heindl in diesem Zusammenhang an dem deutschen Gesetzentwurf $ur Sicherungsver­wahrung der Berufsverbrecher übt. Er weist auf die Notwendigkeit hin, bei der Straf­zumessung in jedem einzelnen Falle die gesamte Persönlichkeit des Missetäters, das ganze Milieu des rechtsbrecherischen Verhaltens zu berücksichtigen, d. h. die Strafe auf einen wirklichen Menschen von Fleisch und Blut zuzuschneiden und nicht auf kalt konstruierte Tatbestandsbegrifse, auf ein philosophisch ausgetüfteltes Gerschtigkeitsfchema. Heindl verteidigt mit großer Schlagkraft die lebenslängliche Sicherungsverwahrung der Gewohnheitsverbrecher gegen die Richtung, die trotz aller gesammelten Er- sahrunAen auch heute noch an der reinen Rechts- strafe festhält und von der als Rückfall in den Polizeistaat betrachteten unbestimmten Sicher- heitsverwahrung nichts wissen will. Der deutsche Entwurf von 1925 scheut sowohl die lebens­längliche Sicherheitsverwahrung als auch die Vorschrift, diese barte Maßnahme in zwingen­der Form auszuspitzchcn. Damit wird nach der Ansicht Heindls das ganze, für die Bekämpfung des Berufsverbrechers dringend notwendige Gesetz illu­sorisch, denn es schreibt ja nur einNachsihen", das in der Praxis drei Jahre, meistens noch kürzer dauern wird, vor, um dann den gefährlichen und nach allen bisher gemachten Erfahrungen unheilbaren Gewohnheitsverbrecher wieder auf die Menschheit loszulassen. Es wäre dringend erwünscht, wenn das ungemein packende Werk Heindls nicht nur in die Hand jedes Richters käme, sondern das; sich auch jeder für die Entwicklung unseres Rechtslebens sich verantwortlich fühlende Staatsbürger damit befaßte.

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Rußland und die

Jt

erwirtschaft.

Von The Right Honourable Philipp Snowden

Es ist äußerst schwierig, eine unbeeinflußte und doch maßgebliche Ansicht über Rußland zu erhalten oder zu geben. Die menschlichen Leiden­schaften sind in den letzten neun Jahren außer­ordentlich aufgewühlt worden. Mensch«: sowohl wie Rationen sind willens, ihre materiellen Interessen gegen Grundsätze, die sie als richtig anerkannt zu haben glauben, zu opfern. Das konnte man in den Beziehungen Rußlands zu der übrigen Welt feit der Revolution von 1917 in außerordentlich drastischer Weise verfolgen.

Aber die Zeit läßt die menschlichen Leidenschaften abklingen, die materiellen Interessen machen sich allmählich in erhöhtem Maß« geltend. Das trifft auch für Rußland zu. Der tragische Fehlschlag eines Versuches, ein starres System kommunistischer Dogmen einem Volle aufzuzwingenr und Verhältnisse, die voll­kommen für ein solches System ungeeignet find, in einen Zwangsrahmen hineinzupressen, hat all­mählich zu der Aufgabe des Versuches geführt. So ist Rußland denn in den letzten neun Jahren, nachdem es durch den Kommunismus hindurch- gegangen ist, zu dem staatlichen Kapita­lismus übergegangen und es stellt sich nun­mehr, wenigstens soweit sein innerer Handel davon berührt wird, auf den privaten Unter» rwhmungsgeist, das heißt die Kapitalwirt- fchaft um.

Das schließt indessen noch nicht ein, daß die kommunistischen Theorien von den Führern vollkommen aufgegeben sind. Wirtschaftliche Rot- Wendigkeit hat die Annahme der Leninschen Politik eines strategischenRückzuge's not» wendig gemacht, aber nur, um für einen neuen Vorstoß gestärkt und gekräftigt zu sein. Das ist die wichtigste Tatsache, die man sich stets vor Augen halten muß, wenn man die Zukunft > Rußlands überdenkt. Andererseits muß man sich die gleichfalls außerordentlich wichtige Tatsache F vor Augen halten, daß jede Ausdehnung der Handelsinteressen mit der übrigen Welt und jede '» Besserung der wirtschaftlichen Sage in Rußland durch die Hilfe anderer Länder, die Möglichkeit einer Rückkehr zur ursprünglichen und rohen Form des Kommunismus gezeigt hat, schwächt. 3m ganzen scheinen daher die Entwicklungs- Möglichkeiten für die Zukunft ziemlich stabile Wirtschaftsverhältnisse in Rußland zu begünsti­gen, und zwar mit einer allmählichen Annähe-

tung seines wirtschaftlicher: und handelspoliti­schen Systems an das System, das bei anderen Ländern, mit denen Rußland in Handelsbeziehun­gen steht, herrscht. Falls diese Analyse richtig ist, so ist damit der Pfad einer Zusammenarbeit zwischen Rußland und der übrigen Welt im Interesse eines Wiederaufbaus der Weltwirt­schaft vorgezeichnet. Vertrauen in die Sta­bilität der russischen Regierung und in seine Gut­gläubigkeit sind natürlich absolute Voraus­setzungen für eine solche Zusammenarbeit.

Rußland ist ein außerordentlich entwicklungs­fähiger Markt für die Fertigfabrikate der Welt- industrie, seine Wirtschaftsentwicklung wird die Entwicklung und den Fortschritt der hochindu­strialisierten Länder nur fördern, nicht etwa hemmen. Auf ®eneratitmen hinaus wird Ruß­land ein ungefährlicher Wettbewerber auf dem Weltmarkt bleiben. Auch wird es nur in sehr unvollkommenem Maße in der Lage sein, die Be­dürfnisse seiner großen ausgebreiteten Bevölke­rung an Fertigsabrrkaten aus eigener Fabrika­tion zu befriedigen. Sein Wert für die Welt wird weiterhin in seiner fast unerschöpflichen Lebensrnittel- und Rohstvfferzeu- gung liegen, die es im Aust a,usch gegen Fertigfabrikate hingibt

Die Notwendigkeit der Entwicklung des Han­dels mit Rußland wird in alten handeltreibenden Ländern nunmehr in weitesten Kreisen aner­kannt. Wirklich fortschrittliche Geschäftsleute tu England, Deutschland und Amerika haben den ausgesprochenen Wunsch, wieder mit Rußland in Handelsbeziehungen zu treten. Der Wille zur Entwicklung der Handelsbeziehungen ist sogar noch größer auf feiten Rußlands. Aber es be­stehen gewisse Hindernisse und Schwierigkeiten! in dem Ausbau seiner Handelsbeziehungen, die erst behoben sein müssen, bevor sich die wechsel­seitigen Beziehungen zwischen Rußland und der Weltwirtschaft gegenseitig befruchtend aus wir­ken können.

Eines dieser Hindernisse ift die Tatsache, daß kein absolutes Vertrauen in die Stabilität der gegenwärtigen rus­sischen Regierung besteht. Die Streitig­keiten, die sich zwischen den einzelnen Ver­tretern des russischen Kommunismus entwickelt haben, finb sicherlich beunruhigend. Falls die Extremisten die Oberhand gewinnen sollten, so

besteht die neue Gefahr einer erneuten Ab­lehnung der Vorkriegsschulden und einer aber­maligen Annullierung der gewährten Konzesiio- neu. Die Gefahr einer Rückkehr zur Frühpolitik der Bolschewisten wird durch die bauernde Pro paganda der russischen Konununisten und durch ihre offene und geheime Hetzpropaganda in an- deren Ländern verstärkt. Solange diese Taktikers weiter verfolgt werden, muß notwendigerweise das den Handelsbeziehungen so abträgliche Miß­trauen in die Zünftige Entwicklung Rußlands weiter sortbestehen.

Das zweite Hindernis ist die Frage des konfiszierten Privateigentums. Die russischen Staatsschulden aus der Revolutionszeit sind von dem Standpunkte des kommerziellen Vertrauens aus betrachtet, nicht so wichtig. Aber annulliert resp. das Privateigentum, das damals konfisziert wurde, müssen entschädigt werden, ehe die privaten Schulden, die bei der Revolution das Vertrauen in den guten Willen Rußlands wieder hergestellt werden kann.

Eine dritte Schwierigkeit auf dein Wege des Wiederaufbaues des russischen Außenhandels ist die Unfähigkeit Rußlands, seinen Exporthan­del bis zu einem Grade zu steigern, der zur Be­zahlung seiner gesteigerten Einfuhr yerangezo- gen werden könnte. Rußlands nationale Produk­tton liegt noch erheblich unter den Vorkriegs-- ziffern. Seine Exporte werden im laufenden 3ahre, soweit sich bisher übersehen läßt, nur ein wenig mehr als 50 Prozent des Dorkriegsbe­trages ausmachen.

Der Aufstieg Rußlands hängr vor allen Din­gen von der Ernte ab und wird auch in Zu­kunft von ihr abhängen. -Die Aussichten für einen bedeutenden Exporttiber schuß für 1926 sind keineswegs günstig. Der Ausfall erklärt sich vor­wiegend aus dem Widerstreben der Bauern, die Anbauflächen zu erweitern, weil sie keine (Garantie für einen vernünftigen Gewinn haben. Zwar sind die Handelsschulden, die sich aus dem Einfuhrüberschuß ergeben, von der gegenwärtigen Regierung bisher stets bezahlt worden. Es ist auch sehr wahrscheinlich, daß diese Schulden, so­weit sie kleinere Beträge ausmachen, weiterhin beglichen werden. Aber sowoh l die Frage, einer Kreditg «Währung an Rußland als auch der Ausbau seines Außenhandels hängt von einer erhöhtenGxpvrtproduk- t i o n ab. Die russische Regierung macht tatsäch­lich große Anstrengungen, dieses Ziel zu erreichen, aber mit dem besten Willen der Welt kann sie dieses Ziel erst in einem langwierigen Prozeß erreichen. Dis es erreicht ist. besteht feine Mög­lichkeit einer neirnenswerten Erhöhung des inter­nationalen Handels mit Rußland, da dieses Land nicht in der Lage ist, einen größeren Import-- handel zu finanzieren. Langfristige Kredite sind unmöglich, so lange die gegenwärtigen Ver- hälttrisfe in Rußland unsicher bleiben und so lange die innerrussische Produktivi­tät sich nicht weiter erhöhen läßt. Aber die Aus- dehnung des Kredites in bescheidenen Grenzen und zwar nicht über die Exportfähigkeit des Landes hinaus ist äußerst wünschenswert und kann auch auf kurze Fristen ohne besonderes Risiko gegeben werden. Auf solche Weise würde sich vielleicht der Welthandel mit Rußland all­mählich steigern lassen.

Kleine Straffammer Wetzlar.

Q Ein 5rtfeur aus Dillenburg hatte von einer Frankfurter Firma Waren (Lebensmittel) auf Kredit bezogen. Die Lieferfirma sicherte, sich, indem sie sich bis zur endgültigen Bezahlung des Kauf­preises das Eigentumsrecht vorbehielt. Trotzdem ver­kaufte der Friseur die Waren anderweitig und steckte den Erlös in seine Tasche. Auf Anzeige der geschä­digten Firma wurde der Friseur wegen Unterschla­gung zu 20 Mk. Geldstrafe, Hilfsweise vier Tage Gc- ängnis, verurteilt. Dieses Urteil focht der Angeklagte >urch Berufung an. Er gab den Sachverhalt zu, hielt edoch den Eigentumsvorbehalt der Firma infolge der Möglichkeit des Verderbens der Waren für un­berechtigt. Er habe die Absicht gehabt, die Firma zu entschädigen, dies sei ihm aber nicht inöalich ge­wesen, da er in Vermögensoerfall geriet. Das Ge­richt gelangte zur kostenlosen F rei sv re ­ch u n g, da dPN Angeklagten die Absicht der Unter» schlaguna nicht nachzuweisen war..

Ein Kaufmann aus Frankfurt a. M. war be­schuldigt, vier Personen bei einem Gastwirt in Albshausen einloaiert zu haben unter dem Vor­geben, für die entstehenden Kosten auszukommen, was er aber nicht tat, sondern unter Hinterlassung von 44,50 Mark Schuld abreiste. Seitens des Gast­wirts erfolgte unter dieser Schilderung des Sach­verhalts Anzeige, anschließend daran Bestrafung des

Herborn im Dilltal.

Don Carl Birkenholz.

Unfere nassauische Heimat ist reich an Schön­heiten der Ratur. Doch oft muß es der Zufall mit sich bringen, daß man wieder ein herrliches Fleckchen Heimaterde entdeckt und von neuem be­geistert ist von der Lieblichkeit einer Landschaft.

So ist der Wanderer, der das Dilltal durch­zieht, enfzückt über die an Idyllen reiche Gegend, deren sanft anschwellende Hügel und kühn ge­schwungene Höhenzüge, dazu im Dal ein kleiner Wasserlauf inmitten grünet Wiesen, eine stille Romantik atmet.

Ein wenig abseits der großen Verkehrsstraße liegt das Dilltal. Das ist wohl auch der Grund, weshalb weniger bekannt ist. Die Straße führt von Wetzlar in Richtung Dillenburg. Kleine Ort­schaften liegen hier, von denen Sinn durch seine berühmte Industrie, das Glockengießen, weit über die Grenzen Nassaus bekannt ist.

Gin interessantes, gewerbereiches Städtchen ist Herborn. Bewaldete Hohen, fruchtbare Aecker und grüne Wiesen umgeben es, und diese ganze Umgebung stimmt zu dem Bilde einer alten Stabt mit hochragender Burg, engen Gassen und alten Fachwerkbauten. Die Altertümlichkeit hat sich Herborn in seiner Altstadt bewahrt. Die enaen Gäßchen und anziehenden Winkel, die überhän­genden Stockwerke mit ihren Erkern geben diesem Teil der Stadt auch heute noch ein mittelalter­liches Gepräge. Schöne Schnitzereien an hoch- giebeügen Häusern lassen uns die Kunst des 15. wnö 16. Jahrhunderts schauen. Für den Freund eines alten Baustils find ganz besonders das alte RathauS, in dem jetzt ein gut etnge- richtetes Altertumsmuseum untergebracht ist,Die Hohe Schule" sowie Bauten auf dem alten Markt, platz und Kornmarkl sehenswert.

Einst war Herborn der Sammelplatz deS geistigen Lebens in Nassau. Graf Johann VI. von Nassau-Dillenburg errichtete dort im Jahre 1584 dieHohe Schule". Sie diente zur Aus­breitung und Vertiefung der Reformation und

erlangte im Verlaufe der Jahre immer mehr Anfehn und Zustrom. Aus allen Gegenden Deutschlands, aber auch auS dem AuSlande, be­sonders den reformierten Ländern Europas, aus der Schweiz, Frankreich, den Niederlanden, aus England und Schottland strömten Studierende hier zusammen. Zu den berühmtesten Schülern ist der mit dem Gründer verwandte Gras Philipp Ludwig von Hanau zu nennen, der von 1589 bis 1590 sogar honoris causa die Würde des ersten Rektors Magnificus belleidete, und später nach Herborner Muster eine ebensolche Hochschule in Hanau gründete. Bekannter aber ist der Name eines anderen Schüler-, des späteren berühmten Pädagogen Johann Amos Comemus auS Mäh­ren, des Mystikers. Auch der Pädagoge Adolf Diesterweg (1808) hat auf derJohannea" gehört. Gottesmänner wie Piscator, der durch feine erste vollständige Bibelübersetzung nach Luther bekannt ist und Olevian, der Verfasser des reformierten Heidelberger Katechismus, haben hier gewirkt. Auch nach einer anderen Seite hin bat die Herborner Hochschule eine geisteswissenschaftliche Bedeutung erlangt. Aus der mit ihr feit der Gründung verbundenen Druckerei find unzählige Werke hervorgegangen, die sich auf alle wissen­schaftliche Gebiete erstrecken und da- geistige Leben weit über die Grenzen Nassaus angeregt und befruchtet haben. Wir kennen heute etwa 3000 Herborner Drucke, darunter fast 300 Disser­tationen. Hms Jahr 1820 herum wurde die Hohe Schule" aufgehoben, nur dieSchola Classica, das Pädagogium der theologischen Fa- fnltöt, blieb bestehen. Auch heute noch bereiten sich die jungen Theologen an dem Seminar auf ihre praktische Tätigkeit vor.

Doch bei aller architektonischen Schönheit der alten Straßenviertel berührt es den Beschauer angenehm, zu sehen, wie sich die kleine auf­strebende Stadt in die Neuzeit eingepaßt hat. Die breiten sauberen Straßen, die schnmcken Dil­len und der Gewerbefleiß seiner Bewohner, dazu ringsum eine anmutige Umgebung, geben dem Städtchen Schönheit und Eigenart.

Verständigung der Ameisen.

Heber daS Mitteilungsvermögen der 3n- feften find grundlegende Forschungen angeftettt worden, und man hat erkannt, daß es sich dabei nicht um etwas handelt, das mit der menschlichen Lautsprache verglichen werden kann. Es handelt sich vielmehr um eine instinktive Zeichensprache, die hauptsächlich auf den Trieb zurückgeht, die eigenen Gefühlszustände und Bewegungsimpulse auf andere Individuen der sozialen Gemeinschaft zu übertragen. Legt man ein Nahrungsstück, etwa ein totes Insekt, in der Nähe eines Ameisen­nestes aus, so wird ziemlich bald eine der heraur- streifvnden Ameisen das Beutestück finden; sie belastet zunächst ben Fund und versucht ihn fortzuschleppen. Gelingt ihr dies, so kehrt sie nach kürzerer oder längerer Zeit mit der Beute ins Nest zurück, wobei ihr nod) andere Ameisen, die sie unterwegs trifft, behilflich sind. Wählt man das Futterstück so schwer, daß die Finde- ameife es nicht allein vom Platz bewegen kann, so bemüht sie sich zunächst längere Zeit ver­gebens, die Last fortzubewegen, hat sie die Un­möglichkeit erfannt, dann kehrt sie auf dem kür­zesten Wege zum Nest zurück und unterrichtet die anderen Ameisen von ihrem Funde. Kennzeichnet man die Findeameise durch einen Farbfleck, so kann man ihr Benehmen genau beobachten. Sie läuft im Nest aufgeregt herum und kreuzt nut ihren Kameraden die Fühler. Die fo Benach- richttgten eilen sofort zum Nestausgang und fol­gen der Finderin auf dem Fuße, vielleicht sogar in direktem Fühlerkontakt mit ihr. So kann man einen ganzen Zug von Ameisen verfolgen, die der Finderin anhängen und alle Krümmungen des Laufes genau mitmachen. Meist genügt der erste Marrn noch nicht, die Finderin kehrt ins Nest zurück und holt neue Hilfe. Der Alarm erfolgt mit den Fühlern und zwar stet- nur in den oberen Nestpartien, wo eine gaiue Anzahl von Arbeitern untätig petumlaufen und offenbar auf die Benachrichtigung durch eine erfolgreiche Streifameife warten, um bann sofort an die

Angeklagten durch gerichtlichen Strafbefehl mit 150 Mark Geldstrafe, hilfsweife 30 Tage Gefängnis, wegen Betrugs. Der Einspruch des Angeklagten hiergegen hatte keinen Erfolg, denn bei der Verhandlung vor dem Einzelrichter verblieb es bei der gleichen Strafe. Gegen diese Enticheidung legte dc. Angeklagte Berufung ein. Er bestritt, irgendwelche Abmachungen mit dem Gastwirt wegen der fraglichen vier Personen getroffen zu haben. Die Leute will er zu der fraglichen Zeit erst kennen­gelernt haben. Das Gericht beschloß, zwecks weiterer Beweisaufnahme die Sache zu vertagen.

Oberheffen.

Landkreis tokfeni.

00 Klein-Linden, 2.5. Rov. Wohl feine andere Straße im Kreise Gießen ist einem solch starken Verkehr ausgesetzt wie die Frank­furter Straße, direkt am Südausgaug der Stadt Gießen nach Klein - Linden zu. Die Straße ist auch insofern noch doppelt belastet, als sich auf ihr mehr als einen Kilometer weit der Verkehr nach Wetzlar abwickelt. Erst in unserem Ort zweigt die Wetzlarer Straße von der Frank­furter Straße ab. Kaum ist die Straße in Ord­nung gebracht, so werden durch die vielen Kraft­wagen, die diese Strecke befahren, wieder tief« Löcher aufgerissen. So kann man gerade am Süd- ausgang der Stadt Gießen beobachten, daß nur noch wenige Stücke der eigentlichen Fahrbahn vorhanden sind, Die bis heute ohne Beschädigung geblieben finb. Innerhalb unseres Dorfes wird gegenwärtig wieder versucht, die Schäden zu beheben. Die aufgewühlten Mulden werden mit Kies unter ZujaZ. von Teer fest eingeftampft. Aber nur wenige Tage mfflT die Besse­rung zu spüren sein, denn die schweren Kraftwagen reißen, oft schon an demselben Tage, begünstigt durch die gegenwärtige starke Feuchtigkeit,' wieder die alten Löcher auf. Nur ein Mittel kann hier Ab­hilfe schaffen, und das ist die Durchführung der Kleinpflasterung auf her besonders belebten Strecke.

W i e s eck, 25. Nov. Der gestrig« Abend der Volkshochschule war für die Hörer ein voller Erfolg. Rektor Dr. Rein sprach über Hygienisches Wohnen und Bauen". Unterstützt wurde der sehr lehrreiche Vortrag durch eine große Reihe Lichtbilder des Hygiene-MuseumS in Dresden. In seiner überzeugenden Vortrags­weise behandelte der Redner zunächst die unter­schiedliche Bauweise in der Qlixlage von Städten in Deutschland und dem Ausland. Das zur Ver­fügung stehende bildlich dargestellte Ma ter tat zeigte daß Deutschland hierin im Nachteil Ift Die Folgen zwingen zu einer Aenderung. man geht heute mit Energie daran, dir Großstädte aufzulockern". In der Neuanlage txnt Straßen mache es die Sorge um die Volksgesundheit not­wendig, nicht am Straßengelände zu 1 baren. Einen Blick in geradezu erschütternde Wohn­verhältnisse bot der weitere Teil des Dor trag-. Unendlich viel gibts auf diesem Gebiet noch zu bessern. Reichhaltige Tafeln über den Einfluß des ungünftigert Wohnens auf Volksgesundheit und Kriminalistik unterstrichen die «Forderung nach günstigeren Wohnverhältnissen. Ein beson­deres Augenmerk müsse in den Städten lund auch in manchen Landorten) der Anlage von reichlich großen Kinderspielplätzen, wenn möglich mit Planschbecken, zugewandt werden, um die Kinder vor dem infolge des sich mehr wib mehr steigernden Verkehrs immer gefahrvoller wer­denden Aufenthalt auf der Straße zu bewahren. Bei diesem Lichtbildervortrag konnte der neu beschaffte moderne Lichtbild apparat, den die Firma Leitz-Wetzlar geliefert hat, zum erste «mal in Benutzung genommen werden. Die vielseitigen Verwendungsniöglichkeiten werden den Apparat der selbstredend auch unserer Volksschule zur Verfügung steht, bald zu einem unentbehr­lichen Instrument der Volkshochschule machen. Die Zahl der Hörer hat sich nunmehr auf 110 erhöht, ein Beweis, wie tief der Gedanke der Dolkshochschulbewegung in unserer Gemeinde Wurzel geschlagen hat.

1 Treis, 25. Nov. Gestern verstarb in Ka­tholischen Schwesternhaus in Gießen, wohin er sich zur Vornahme einer Vlasenoperation be­geben hatte, im Alter von 71 Jahren der hie- fige Altbürger meiste rs"2Dilßtlm Ben- n e r. Beinahe 30 Jahre lang hat der Ber storbene als Nachfolger seine- Vaters das Amt des Bürgermeisters der Gemeinde Trei- beklei­det. Wahrend seiner Amtszeit wurde die Bahn­strecke LollarLondorf erbaut, und erhielt un­ser Dorf Wasserleitung und elektrische- Licht. Die Kriegs- und Nachkriegszeit mit ihren vielen Neuerungen in der Verwaltung stellten die aller­größten Anforderungen an die Hinsicht und Ar­beitskraft des damalic^n Bürgermeisters. Sein

Arbeit zu gehen. Der Erfolg eines solchen Manns ist ganz erstaunlich, und man kann manchmal die Ameisen in dunklen Scharen geradezu aus der Neftöffnung herausquellen sehen, bald sind sie alle, von der Führerin geleitet, bei der Deute und suchen sie zu bewältigen; ist der Nahrungs­fund so groß, daß er auch von vielen Kräften nicht fortbewegt werden kann, fo bildet sich alt mqhlich vurch die zunehmende Konzentration der Geruchssährtcn eine Amcisenstraße zwischen Nest und Fundort. Trifft eine Ameise, die einen Fund gemacht hat. unterwegs zufällig mit einer anderen Ameise zusammen, so benachrichtigt sie diese so­fort durchFühlerschläge" und veranlaßt sie, ihr zu folgen. Ist die Deute so beschaffen. daß sie von der Finderin allein in wiederholten Gän­gen ins Nest getragen werden kann, so benach­richtigt sie keine anderen Qlmeifen, sondern kehrt solange zurück, bis nicht- mehr da ist. Die Futter­stückchen werden In der Regel gleich am Nest- eingang an eine Kameradin abgegeben, und diese trägt dann die Deute ins Nesnnnere. Der Fleiß und die Geduld der Findeameise ist unermüdlich, und solange sie nicht den Eindruck gewinnt, daß die Deute für sie zu groß sei, kehrt sie immer wieder zurück und holt ein neues Stück. 3a, sie kehrt sogar zum Futterplah zurück, wenn da- letzte Stück fortgetragen ist. denn sie kann auch be­urteilen, ob der Platz leer ist und sucht den Fundort fo lange ab, bis sie sich endgültig über­zeugt hat, daß nichts mehr zu holen ist. 3n dieser Sorgfalt läßt sie sich auch nicht stören, wenn man ihr aus dem Weg von der Nahrung-- stelle zum Nest ein andere- Futter hinlegt. Dietet man der Ameise auf dem Rückwege vom Nest zum Futterplatz ihre LieblingSspeife, einen Trop­fen Honig, so betastet sie den Honig, leckt auch ein wenig daran, wird aber immer wieder un­ruhig, verläßt mehrmals unsäMssig dir ver­lockende Nahrung und kehrt dann, dem Gebot derPfticht" gehorchend, geradeswegs zum Fund­ort zurück. Erst nachdem fte das letzte Stückchen der Beute eingebracht hat. geht sie zum Honig und sättigt sich.