Treuhänder ernannten Mitgliedern u. <i. \ Miller-München und Bergmann aus- ccloft. Wahrscheinlich wird di« Reichsregierung mit dem Treuhänder Delacroix in Fühlung treten, da eine Ernennung von sechs neuen Persönlichkeiten alS Ersatz für die ausgelosten Persönlichkeiten, die in hohem nationalen An- sehen sichen, schwierige Derhandlun- g e n erforderlich machen würden. Wie die Tel- union erfährt, ist man auch in Kreisen der preußischen Regierung entschlossen, die Reichsregierung bei dem Plan der Wieder- Dahl aller von der Reichsregierung zu be- nennenden Mitglieder zu unterstützen, um dadurch den Trerchänder zu veranlassen, auf sein ihm statutenmäßig zustehendes Recht zu verachten, anstelle der ouSscheidenden reichsdeutschen Mitgl eder ausländische Derwaltungsrats- .nitalieder zu bestellen. Die alte Streitfrage zwischen Reich und Preußen wäre damit bis zur nächsten, erst in zwei Jahren stattsindenden Au-lvsung vertagt.
Deutscher Reichstag.
B e rlin, 25. Rov. Die außenpolitische Aussprache zum Rachtragsetat für 1926 wird fortgesetzt.
Abg. Rosenberg (Komm.) bezeichnet den vom Abg. v. Frehtag-Loringhoven gestern begründeten Antrag auf Klärung der Kriegsschuld- lrage als die vollkommenste Form des Dürger- blvcks. Die Rede des Abg. Müller-Franken war nur ein Parteigesecht mit den Deutschnationalen, während tatsächlich die reinste Dertretung des Großkapitals die Deutsche Dollspartei ist. pBit dieser aber lebt die Sozialdemokratie in stiller Koalition. Warum gibt Dr. Stresemann so viel Mb für die .,D. A. Z." aus? Der ..Vorwärts" lostet gar nichts und schreibt durchaus im Sinne StresemannS. (Heiterkeit.) Die Koalierung der Sozialdemokratie mit der Dolkspartei ist eine Preisgabe des Sozialismus und der Interessen VeS Proletariats.
Abg. v. Gräfe «Doll.) tritt für den Antrag feiner Freunde ein. der die Kündigung der Lo- arnover.räge und Den Austritt auS dem Völker» öund verlangt. Die Deutschnationalen trieben eine Politik der Täuschung, indem sie sich im Lande als nationale Opposition aufspielten und im Reichstag den draußen belämpften Ministern Freibriefe ausstellten. Das sei illoyal. Durch solche Taktik würden die Wähler auS den Politik scheu Parteien hinaus und zur Freude von Dr. Bredt in die rein wirtschaftlichen Interessenvertretungen hinaingetrieben, die eine Krank- heitSerscheinung am BolkSlorper seien.
2lbg. Schiele (Dn.): Ich stelle fest, daß die Be- )auptüug bce Abg. Dr. Wirth, meine deuischnatio- lalen Kollegen im Reichskabinett und ich hätten Lo- :arno zugestimmt, den Tatsachen widerspricht. Das Gegenteil ist schon so oft in der Oestenilichkeii nachgewiesen worden, daß ich mir eine Wiederholung ersparen kann. Dagegen richte ich an di« Reichsregie- rung die wiederholt ausgesprochene Forderung, zur Feststellung des Sachverhalts endlich die Protokolle der entscheidenden Kabinettssitzungen zu veröffentlichen. oder mich von der Schweigepflicht, an die ich mich trotz aller unwahren Angriffe gebunden halte, zu entbinden. (Beifall bei den Deutschnationalen.)
Abg. Graf Westarp (Dn.) erklärt, er müsse die ungeheuerlichen und unritterlichen Angriffe des Wehrministers gegen den hochverdienten General Walter zurückweiien. Bei der Abstimmuna über )ie Mißtrauensanträge würden die Deutschnatio- lalen trotz ihrer sachlichen Gegnerschaft gegen die etzige Außenpolitik sich der Stimme entgälten. weil.sie sich die Takttk nicht von andern Parteien vorschreiben lassen wollten.
In einfacher Abstimmuna werden die kommunistischen und völkischen Mihtrauensanträge gegen - die Antragsteller bei Stimmenthaltung der Deutsch- nationalen abgelehnt. Gegen Völkische imb Kommunisten wird auch der völkische Antrag auf Kündigung der Locarnoverträge abgelehnt. Der . Antrag auf Prüfung der Kriegsschuld- frage wird gegen Sozialdemokraten und Kommu- f- nisten angenommen.
Damit ist die erste Beratung des Nachtraasetats ' für 1926 erledigt. Der Nachtragsetat ist dem Haupt- ausschuß überwiesen. Es folgt die erste Beratung der N o v e11e zum Pr eß g e setz . die verbieten will, daß
Abgeordnete als verankworkliche Ze'kungs- rebafteute
zeichnen.
Abg. Landsberg (Soz.) bedauert, daß die Reichsregierung nickt selbst diese Gelegenheit benutzt habe, um den ZeugniSzwang für Redakteure zu beseitigen. Genau so wenig wie Abgeordnete dürfe man Redakteure zur Preisgabe ihrer Gewährsmänner zwingen rönnen. Alle anständigen Redakteure werben eine solche Preisgabe als schimpflich und unehrenhaft betrachten. Der Rechtsausschuß des Reichstages werde diese Lücke auSfüllen müssen.
Auf Antrag des Abg. Landsberg wird die Vorlage dem Geschäftsordnungsausschuh überwiesen. Als nächster Punkt steht auf der Tagesordnung der Gesetzentwurf zur Bewahrung der Jugend vor Schmutz - und Schundschriften.
Abg. Schreck (Soz.) beantragt die sofortige Zurückverweisung der Vorlage an den Ausschuß angesichts der sehr beachtenswerten Bedenken, die von führenden Stellen der Kunst und Wissenschaft gegen den Entwurf erhoben worden seien.
Reichsinnenminister Dr. Äaia meint, der Reichstag stelle sich ein Armutszeugnis aus, wenn er noch immer nicht Stellung nimmt zu einer Vorlage, die den Ausschuß über ein volles Jahr beschäftigt habe.
Der Antrag Schreck wird gegen die Sozialdemokraten und Kommunisten abgelehnt.
Abg. Frau Dr. Matz (D. Vp.) berichtet über die Beratung der Vorlage im Ausschuß für Bildungswesen. Sie weist daraus hin, daß in der Weimarer Verfassung ein gesetzlicher Schuh ter Jugend vor Schmutz und Schund verheißen sei. Diese Verheißung wolle der Gesetzentwurf erfüllen. Eine brauchbare Definition der Begriffe „Schund und Schmutz" sei dem Ausschuß leider nicht gelungen. Die Ausschuhmehrheit fei sich bewußt, kein Idealgesetz vorzulegen, weil die Fassung geistiger Formausdrücke in eindeutige Gesetzesformeln sehr schwierig war. Man wolle nicht ein Pvlizeigeseh, sondern ein Kulturgeseh schaffen.
Weiterberaiung Freitag.
DasSchundliteraturgesetz
Berlin, 25. Rov. (Wolff.) Die Sektion für Dichtkunst der Preußischen Akademie der Künste gibt au dem Entwurf des Gesetzes ■i,\ Bewahrung der Jugend vor Schund- und Sä muhfchriften ein Gutachten ab. in dem cs heißt: Die Sektion für Dichtkunst würde nichts freudiger begrüßen, als die Austilgung alles Schundes und Schmutzes ün Schrifttum. Sie könne aber in dem vorliegenden Gesetzentwurf e i n unmöglich geeignetes Instrument zur Erreichung dieses Zieles erblicken. So scheine der Sektion schon die zweckdienliche Zusammensetzung der vorgesehenen Prüfstellen mit zu großen Schwierigkeiten verbunden zu sein. Außerdem würde das vorgesehene Abstimmungsverhältnis Gefahren in sich schließen: ferner sei in der großen Anzahl der Länderprüfstellen, beren Urteil für daö ganze Reich gleich bindend sein soll, eine Quelle bauernber Änzu- träglichkeiten zu erbllcken. Der 'Begriff „Schund und Schmutz" werde in dem Gesetz nicht umrissen, so daß das deutsche Schrifttum einer willkürlichen Auslegung jeder einzelnen Prüfstelle ausgeliefert sei. Der Entwurf enthalte unübersehbare Gefahrenmomente für die Geistesfreiheit in der deutschen Republik. Es sei zu vefürchten, daß wirkliche Kulturwerke aus den Index kommen. Das Gesetz sei auch überflüssig, denn die bestehende Gesetzgebung reiche vvlllvmmen aus, um den wirllichen Schund und Schmutz zu treffen. Im Falle einer Annahme deö Gesetzes würden beträchtliche Summen für unproduktive Zwecke ausgewendet werden, mit denen gute Volksbücher und Volksbüchereien geschaffen und so Schund und Schmutz durch schöpferische Leistungen verdrängt werden formten.
*
Wie die Blätter bemerken, dürfte das Schicksal der Vorlage noch ungewiß sein. Die Entscheidung dürfte erst zwischen der zweiten und dritten Lesung falle... lieber die_ Haltung der einzelnen Fraktionen teilen die Blätter mit, daß die Deutschnationalen die Bayerische Volkspartei unb die Zentrums- fraktivN für den Gesetzentwurf stimmen werden. Die Zentrumsfraktion, hat bereits ihre Haltung festgäegt. Innerhalb der Fraktionen der Deutschen Volkspartei und der Demokraten sind die Meinungen geteilt.
Preußens Wohnungsbauprogramm.
Der Wohnungsausschuß des Preußischen Landtags setzte die Beratung eines preußischen Wohnungsbauprogramms für 1927 fort. Dabei »erlangte Abg. Dr. K a u s h o l d (Dn.) schleunigen Abbau der Hauszins st euer, die, solange sie bestehe, allein für den Wohnungsbau verwendet werden müsse, nicht für den Finangbedarf. Zeder bauluftige Staatsbürger müsse eine Hauszinssteuer- hypothe'k erhalten können. Abg. Drögemüller । Soz.) meinte, daß eine Steigerung der Baumaterialpreise voraussichtlich nicht zu befürchten sei. Abg. Dr. S p i e ck e r n o g e l (2). 93.) stimmte dem von der Regierung zum Ausdruck gebrachten Gedanken einer Inlandsanleihe zur Förderung des Wohnungsbaues grundsätzlich zu. Abgeordneter Schmidt-Conz (Zentr.) hielt eine (ang-- riftige Anleihe für notwendig und wünschte größere Förderung des Wohnungsbaues auf dem Lande awie die baldige Verabschiedung des Wohnungsbauprogramms. Wohlfahrtsminister H i r t f i e f e r erklärte, daß man unbedingt dahin streben müsse, 1927 wenigstens etwa 150000 Neubauwohnungen zu schaffen. Die Förderung des Wohnungsbaues auf dem Lande müsse im Vordergründe stehen. Zu begrüßen wäre, daß in den g e - meinnützigen Ballgesellschaften mehr und mehr die Kreise des Mittelstandes vertreten inb. Abg. Bertemeyer D. 93.) trat dafür ein. daß ein Teil der beabsichtigten Mieterhöhungen dem- H a u s b e s i tz zugute komme, und Abg. Hoff (Dem.) hob hervor, daß die Hauszinssteuermittel für den allgemeinen Finanzbedarf, namentlich auch zur Unterstützung von Kriegs- und Inflationsopfern, gebraucht würden. Mit Rücksicht auf die schwebenden Verhandlungen mit der Reichsregierung wurde die Weiterberatung auf Nächste Woche vertagt. Voraussichtlich wird ein Unterausschuß gebildet, der das preußische Wohnungsbauprogramm für 1927 endgültig festzulegen haben wird.
Kleine politische Nachrichten.
Der Herr Reichspräsident hat dem deutschen Botschafter in London, Dr. Styamer, in einem persönlichen Schreiben seine herzlichsten Glückwünsche zum 70. Geburtstag ausgesprochen.
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Reichskanzler a. D. Dr. Luther unternimmt z. Z. einen mehrtägigen Rundflug durch Brasilien. Er wurde überall von den brasilianiso'en Regierungsverlretern und von den deutschen Kolonien herzlichst begrüßt.
Der Reichsaroeitsminister hat durch Anordnung vom 25. Rovember die Kurzarbeiter- sürsorge unverändert bis zum 31. März 1927 verlängert.
Das Schulschiff des Deutschen Schuischifssvereins „Großherzogin Elisabeth" ist am 24. November wohlbehalten in Bahia (Brasilien) angekommen und wird am 1. Dezember noch St. Franzisko du Sul weitersegeln.
Außer den D e u t s ch n a t i o n a l c n hat sich auch die sozialdemokratische Fraktion des Reichstags gegen die Vorlage der Reichsrsgie- rung über den Ankauf des Hotels Kaiserhof durch das Reich ausgesprochen.
In Berlin vollzog sich unter Führung HauensteinS, eines früheren Mitgliedes der nationalsozialistischen Partei Hitlers, die G r ü n- düng einer unabhängigen nationalsozialistischen Part ei Deutschlands. Die neue Partcigründuug stellt die Berliner Opposition der nationalsozialistischen Partei dar. Ihr sind auch die ehemaligen nationalsozialistischen Ortsgruppen von Halle (Saale) und Teile der Leipziger und anderen Ortsgruppen beigetreten.
Am 27. und 28. Rovember tritt der BundeS- ausschuh Les Bundes Deutscher Miete r- vereine e. V. in Dresden zu einer Tagung zusammen. Delegierte aus allen Teilen des Reiches werden zu den wichtigen WvhnungS- und mieterpolitischen Fragen Stellung nehmen.
Das Preußische Kabinett hat beschlossen, die in der Strafsache gegen Schirrmann und Gen. (Fememordprozeh Pannier) gegen Benn, Stein, Aschenkamp und Schirrmann verhängten Todesstrafen bei Benn in lebenslängliche, bei Stein in 15jährige, bei Aschenkamp und Schirrmann in je 10jährige Zuchthausstrafe umzuwandekn.
Die Münchener Poli^eidireklion ha», den von der Fiimp'rüfstelle freigegebenen russischen Film „Der schwarze Sonntag" kurz vor der Uraufführung mit der Begründung verboten, er sei ein politischer Hetz- film und geeignet. Unruhe zu schaffen. Die Münchener Polizeidirektion hat ferner an die Filmoberprüfstelle ein Ersuchen gerichtet, die Freigabe dieses Films arttzuheßen.
Rach der amtlichen Statistik ist die Bevölkerung Italiens seit dem 31. 12. 1921 von 38 790 000 auf 40 548 000 am 31. 12. 1925 gestiegen. Die Zahl der Analphabeten, die 1872 653A Prozent betrug, ist auf 13,83 Prozent im Laufe des Jahres 1924 getunten.
Sir Austen Chamberlain wird, begleitet von seinem Privatfekretär Selby, am 2. Dezember London verlaßen, um nach Genf zu reifen. Er wird für 48 Stunden in Paris Aufenthalt nehmen. Der Besuch Chamberlains ist in der Hauptsache privater Natur.
Das Pattstr Zivilgericht hat die Klage der Frau L a in d r i n o gegen den früheren Kronprinzen Carol von Rumänien abgelchnt. Der Sohn der Frau ßambrino darf also in Frankreich nicht den Namen Hobenzollern führen, und Frau Lam- brino erhält nicht die von ihr beanspruchten zehn Millionen Entschädigung.
Bci den Verhandlungen zwischen den Vertretern der schottischen Bergleute und den Derg- werksbesitzern wurde ein Abkommen erzielt, das den beiderseitigen Organisationen vorgelegt werden wird. Die neuen Bedingungen sehen u. n. den achtstündigen Arbeitstag vor.
Aus aller Welt.
Heuer Schnee im Schwarzwald.
Freiburg, 26. Rov. (WTB. Funkfpruch.) Rächt em bereits die letzten Tage aus den Höhenlagen des Schwa«waldes Schnee gebracht hatten, gingen gestern uno in der vergangenen Rächt bei 5 Grad Kälte weitere Schneefälle nieder. Der Feldberg meldet eine Schneehöhe von 17 Zentimeter. Die Schn: es alle sind diesmal bis aus Höhenlagen von 800 Meter herabgegangen.
Die Amvetterschädeu in Oberifaflen.
Der Po hat in der Provinz Cremona ttn einer Stelle die Ilmmauerung eingerissen irnb weite Strecken überschwemmt. Auch aus denjenigen Ortschaften der Provinz Emilia, die am Po gelegen sind, kommen immer neue Rackrichten brm Verwüstungen. Bet G ua- stalla ist bte ganze Gegend In einen großen See verwandelt, dessen Wasser stellenweise z w e_i Meter tief ist. DaS Wasser stelzt stündlich um 13 Zentimeter. Aus dem Dintschgau werden verschiedene Brückenein- stürze und Strahenverwüstungen gemeldet. DaS Wetter hat sich gebessert, so daß im Augenblick keine weitere Gefahr besteht.
Branbft!(hingen in Schlesien.
Aus der Provinz Schlesien werden eine Anzahl Schadens. uer gemeldet, die zum großen Teil auf Brandstiftung zurückzuführen sind. So brannte in der Rächt zum Sonntag eine Scheune in Lissa (Kreis Görlitz) mit Grntevorraten nieder. Es ist dies in kurzer Zeit das dritte Schadenfeuer im Kreise Görlitz. Durch ein Grohfeuer wurde in F r i e d e r s d o r f das Anwesen eines Handelsmannes eingeäschert. Am Sonntag ist die große Scheune der Domäne ^Amalien- Hof" bei QYic'atoe mit wertvollen Inhalt nieder- gebrannt. Ebenfalls ging bei Königsfeld eine mit Ernievorräten gefüllte Scheune in Flammen auf. Am Montag brannte das AuSgedinge- baus des Gemeindevorstehers in Rüstenwal- dau Nieder Es handelt sich auch hier um Brandstiftung.
Acht läge im Bergwerk eingeschlossen.
In Hazleton (Pennsylvania) sind fünf von sechs verloren geglaubten Bergleuten im Bergwerk „Tomhocken" lobend geborgen worden. Sie waren am 16. Nooemder durch Wasfereinbruch im Bergwerk abgeschnilien worden.
Dec Dortmunder Schwindler.
Der Schwindler, der am vergangenen Samstag die Stationskasse deS Dortmunder Haupl- bahnhofes um 48 000 Wart prellte, ist alS der bereits mehrfach vorbestra te Schuhmacher Wiehe fesigestellt worden. Der junge Mann, der den Betrag bei der DiScontobank abhob, ist anscheinend fein Schwiegersohn gewesen.
Das Spielen mit Schleßwaffen.
Als in Reuenschwand das sechsjährige Töchterchen des Landwirtes DöSl und ihr zehnjähriger Bruder Stoffreste in einer Schublade suchen wollten, fanden sie dort eine seit 8 Jahren verwahrte Pistole. Der Knabe tzantierte an der versicherten Pistole herum, ein Schuß trachte und das Mädchen war im Rücken tödlich ge- t r o s f e n.
Unfall des Kammersängers (Erb.
Einen schweren älirfall hat in Bremen der Kammersänger Karl Erb erlitten, der mit seiner 5tau Maria Ivogün ein, Konzert dorl geben wollte. Beim Verlassen des Hotels zog sich der Künstler einen Beinbruch zu, der die lieber» fü Heang trt dn Krankenhaus notwendig machte.
Zu Tode gehört.
In Hüll wurde der jugendliche Boxmeister George Hart, der den englischen Schulermsister- tuet für bai Jahr 1922-23 erworben gatte, mm dem Cardiffer Wilson m der vierten Runde k o geschlagen. Hart wurde bewußtlos aus dem' Ring getragen und ist eine halbe Stunde nach dem Kampf gestorben.
Wettervoraussage.
Morgens stellenweise dunstig, tagsüber vorwiegend wolkig, etwas kühler und meist trocken.
Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 5,4 Grad Celsius, Minimum: 2,7 Grad Celsius.
I Heutige Morgentemperatur: 1,4 Grad Celsius.
Aus der provinzialhauptstadk.
Gießen, den 26. Rovember 1926,
Unser neuer Roman.
Wir beginnen heute mit dem Abdruck eines neuen großen Romans. Wir haben diesmal ein Werk gewählt, das uns nach der ersten Lektüre allen Anforderungen zu entfpredjen schien die wir an einen guten und einwandfreien Zeitungsroman zu stellen gewohnt find. Das Buch stammt au» England, dem klassischen Lande des Kriminalromans: fein Autor ist der Träger eines berühmten Namens, und wir möchten fast glauben, der Dichter von „Ben Hur" hätte sich seines nachgeborenen Namensvetters nicht zu schämen brauchen.
„Der Frosch mit der Matzke" vonLdgarWalloce
ist ein Werk, in dem sich Scharfsinn und Phantasie in überraschendem Einklang verbinden, in dem eine Handlung von außerordentlicher Spannung den Leser sofort gefangennimmt, mitreibt und bis ins letzte Kapitel hinein nicht mehr frei gibt. Dom Inhalt sei nur erwähnt, daß eine stimmungsvolle Liebesgeschichte in die abenteuerliche Dramatik rätselhafter Ereignisse verflochten ist, die sich erst ganz am Ende in einer verblüffenden Wendung entschleiern.
Wenn man früh schlafen gehen will . . .
Als Frau Fips mittags ihrem Manne ben ge- üllten Suppenteller vorsetzi. greift er mich!, wie gewöhnlich nach dem Lössel, sondern hält andauernd und nachdrücklich die Hand vor den Mund, west ihn ein förmlicher Gähnkramps erfaßt hat. Dann kommt er wieder zu sich und will mit dem Essen beginnen; da lacht seine Frau laut auf, denn er hat au» 93er- sehen die Gabel in die Suppe getaucht. Aergerlich sicht er die Stirn in Falten: „Es ist ganz überflüssig, daß du lachst," knurrt er, „ich bin müde, niederträchtig müde!" — „Natürlich, Männe," sagt Frau Fipe sanft, ,,-ch spüre die ungeschlasenen «tunden auch, wir sind ja die letzten vier Tage Jfaum ins Bett gekommen!" — „Ja. das ist wahr," brummt er bereits etwas freundlicher, „manchmal kommt man monatelang nirgends hin, und dann ist jeden Abend was anderes los! Aber das sage ich dir — eine Stimme schwillt drohend an — „heule abend ;ehe ich früh schlafen, komme was will!" — „Damit >in ich sehr einverstanden," sagt sie, „ich richte das Abendessen so zeitig, daß wir gleich bei, deiner Heimkehr mit dem Essen beginnen i’önnen."
Als Herr Fips am Abend die Wohnung betritt, wartet zwar nicht der gedeckte Tisch aus ihn, sondern Tante Minchen, die aussichtsreichste Erbtante der Familie, und seine Frau sitzt zur Unterhail-uig bei ihr. Sauersüß begrüßt sie Herr Fips und erkundigt sich eingehend nach ihrem Wohlbefinden, wahrend seine Frau schnell in der Küche verschwindet, um endlich das Abendessen vorzubereiten. Als sie damit fertig ist, fragt sie Tante Minchen sehr freundlich, ob sie mithalten wolle. „Wie, ihr wollt setzt schon essen, so früh?" staunt Tackle Minchen. „Jawohl, liebes Tantchen," beeilt sich Herr Fips zu sagen, „ich muß nämlich nachher noch in eine Sitzung!" — „2lh sooo, nein, da will ich euch nicht länger auf« hatten, ich komme halb mal wieder. Kurz daraus ist Tante Minchen von der Bildfläche versckwunden.
„Das ging aber noch gut ab", freut sich Herr Fips, und läßt sich behaglich mit feiner orau am Tisch nieder. „Brrr" macht die Klingel. Fips sehen sich entsetzt an. „Wir machen nicht aus", schlägt er vor. ,Za, wenn man nur wußte, wer es ist," überlegt sie, „ich sehe mal nach und hoffe, daß mir eine paffende Ausrede einfällt!" Sie kommt bald wieder zurück: „Denke nur, es war ein Glück, daß ich öffnete. Tante Minchen hatte ihren Schirm ftchcn lassen!" Na. so was, die alte--" — ,Brrr"
macht die Schelle wieder. „Sieh' doch erst hier mal nach, ab Tante Minchen noch etwas vergaß ', rät er. Aber diesmal itt's 93erter Fritz. „Ich habe heute Pech mit meinem Besuch," sagt er gleich nach der Begrüßung, „Tante Minchen hat mir schon erzählt, daß du heute abend in eine Sitzung mußt!" — „3a, ja, natürlich muß ich hin", druckst der Herr Fips heraus. „Vielleicht kann ich dich ein Stück Wegs begleiten. Ich werde nachher mal Paul und Meta überallen!" — „L> weh. da ist's nichts mü dem gemein- amen Gang, ich muß gerade an das entgegengesetzte Ende der Stadt und werde mit der Tram fahren, mell ich schon sd spät bin!" — „Schön, ich bringe dich dann zur Haltestelle", saut Vetter Fritz gemütlich, während Herr Fips verzweifelt auf die bereits angelegten Hausschuhe blickt. „Ach, du hast ja noch keine Schuhe an", sagt seine Frau resolut, holt ihm ein Paar herbei und eilt geschäftig nach Hut und Mantel. Da kommt Herr Fips wieder zu sich, spielt die Komödie weiter und verabschiedet sich gleich darauf mit Fritz und einem vielsagenden Bim.
Frau Fips räumt den Tisch ab, ordnet hier uno da noch etwas und will gerade nach dem od)mf- zimmer gehen, als es an die Wohnungstür Hopft tzs ist das Mädchen des Hausherrn. „Eine schöne Empfehlung von Herrn Mayer und das Treppen- aelönder wurde statt morgen schon heute abend ge- strichen der Anstreicher hat das Datum verwechselt und ist' eben qekommen." „Danke, uns macht das nichts aus, mein Mann kommt gleich heim." Nun begibt sich Frau Fips ins Schlafzimmer und legt sich schließlich mit einem spannenden Roman bewaffnet zu Bett — und lieft . . .
Inzwischen hat 93etter Fritz seinen Plan mit Paul und Meta angegeben, er will nun Oniel Eduard besuchen, weil dieser in derselben Gegend wohnt, in der Herrn Fips' Sitzung obgehalten wird. Derart in die Enge getrieben, beichtet Fips noch in der Straßenbahn, da er sich nicht mehr zu helfen weih. Vetter Fritz lacht so unbändig, daß alle Fahr- aaste nach ihm schauen: „Freundchen, der Jux muh begossen werden, jetzt kommst du mir nicht auS, sonst erzähle ich's bei der nächsten Gelegenheit Tante Minchen!" Herrn Fips' Sträuben ist umsonst, in einem gemütlichen Lokal kommt er aber doch bald über seinen Merger und sein riesenhaftes Ruhebedütf- nis hinweg.
Einige Stunden später schleicht er leise die Treppe hinauf, sich mühfcun am Geländer hochziehend, denn dis Müdigkeit ist setzt stärker denn je — und her Wein war schwer. Ohne abzulegen, geht er ns Schlaszimmer. Was ist denn das, da brennt ja noch Licht — und seine Frau schläst mit dem Buch in der Hand? Behutsam will er es ihr abnehmen und streckt die Hand danach aus--ja, träumt er oder sieht
er in Wirklichkeit so aus: Die Hände und die ganze linke Seite des hellgrauen Ueberziehers — alles ist, schwarz! O weh!
Gerade, als die Hähne ihre Stimm« ^erheben, wankt Herr Fips frisch gereinigt und todmüde nach seinem Bett unb läßt sich schwer darauf nieder- fallen — da, ein Krach, daß selbst die in totenähnlichem Schlafe liegende Gattin erwacht — das Bett ist durchgebrochen! „Warum ist bas nicht in der


