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Nacht passiert, währerrd wir auf dem Dalle waren", stöhnt fterr Fips und fängt ichwerkällig an. mit Hilfe seiner Kanin da- Bett wieder gebrauchsfähig ju gestalten. Als sich beide nach langen Bemühungen endlich zur Ruhe begeben, bemerkt er schwennnttq: Das ist dieNacht", in der ich einmal ausgiebig schlafen wollte!"Nein, lieber Pann," weist ihn 5rau Fips mit feinem Lächeln zurecht,du sagtest: Ich gehe früh schlafen! Und dos tust dn doch jetzt aach!" Tacho.

Prof. Dr. Walter Brehmer f.

3m Anschluß an die gestrige Nachricht über den frühen tob dieses Selehr!en ist noch zu be- richten: Der Forsche-, itigkeit Dr-, 2V. Dreh, me r 6 verdanken wir u. a. auch die Erforschung des ft einzeitlichen Dorfes bei Oberstadt (Kr. Gießen), das er auf Kosten des Oberhesftschen Veschichtsvereins (Gießen) and mit Unterstützung des hesjifchen DenkmalSpflegerS tn den Jahren 1911 und 1912 untetfud-le. 3tt den Mitteilungen des Oberheffischen GcfchichrSverelnS (20. Band, 1912) bringt der Forster einen interessanten De- richt über Sbcrstadt. Ausführlicher noch sind die Forschungsergebnisse in einer größeren Arbeit Eberstadt, ein steinzeitliches Dorf der 'Settetau bärge stellt, die im V. Jahrgang der Prähistori­schen Zeitschrift und auch als Sonderdruck 1913 erschienen ist. Außerdem hat Walter Brehmer stoch zahlreiche Arbeiten zur Erforschung unserer engeren Heimat auSge führt und bamit der Wissenschaft und der Heimatkunde unschätzbare Dienste geleistet. Die Mitteilungen deS Oberh. GeschichtSverein- enthalten wertvolle Beiträge und Fundberichte von ihm- so einen Aussatz über Römi'ches au8 der nördlichen Wetterau", der für die ältere Ge'chichte der lSrüninger und Eberstädter Gegend besonders wertvoll ist, fer­ner unter anderen Fundberichten einen solchen über die Ausgrabungen im GießenerStadt» Wald im Avril 1912, die mit einer zum römi- schen-germanischen Gräb^rfelde gehörigen Wohn­stätte bekannt machten. So trauern die Wissen­schaft und die an der volkstümlichen Heimat- lorschung interessierten Streife um den Derluh dieses hoffnungsvollen Gelehrten: in 0 herben en und besonders auch in Giehen, wo Oder- hessisches Museum und Gail'sche Sammlungen Walter Brehmer manche Bereicherung ihrer Be­stände verdanken, wird man dem treuen Hei­matforscher allezeit tn Dankbarkeit ein ehren­des Andenken bewahren.

Varabfindung für Gemeinde- anteihen.

Wit dem Ablaus der Frist für die Anmeldung von Markanleihen alten Besitzes der Länder, Gemeinden, Gemeindeverdände und ande­rer rechtlicher Kbrper'chtsten am 3 0. QI ob cm - bet 1 926 endigt auch die SinlösungSsrist für die Barablöfung der Markanleihen genannber Schuldner, soweit nicht diese Frist nach dem Angebot deS Anleiheschuldners auf einen späte­ren Tag festgesetzt ist.

Die Darabstndnnq erstreckt sich auf Mark- cmleihen der Gemeinden und Gemeindeverbänden mit einem Goldwert von weniger als 500 Reichsmark, für die grundsätzlich nach § 40 deS AblSsunpögesetzeS keinerlei Ansprüche geltend gemacht werden können.

3n Anlehnung an das Vorgehen des Reiches (§47 Abs.2 und 3 d. Äni. Ml. Ges.) ist den @e^ meinden (Demeindeverbänden) empfohlen worden, au8 BilligkeitSatünden den Klein­gläubigem Darab'indung zu gewähren.

'Die Gewährung der Qkirab inbung ist von den einzelnen Gemeinden (Gemeindeverbünden) veüchieden beschlossen wordett. So gewähren ein­zelne Gemeinden eine Darabsindung für Klein» besitz (b. f. Altbesitzanleihen von weni­ger als 500 Mark), dann für Spitzenbeträge (d. s. nicht durch 500 Mark teilbare Anleihcbe- träge und endlich für Inflationsanleihen. Andere Gemeinden gewähren für Spihenbe­te ä g c keine Barab indung Auch wird von den einzelnen Gemeinden die Gewährung derBar- abfindung von der Bedürftigkeit (§ 19 d. Anl. WI. Ges.) abhängig gemacht.

Cs wird sich daher empfehlen, spätestens bis 3 0. November 1 9 2 6 Anträge auf Barabfin- dung unter Beifügung der Schuldurkunden nebst Nachweis des Altbesitzes (Schlußnoten, Abrechnung gen) bei den einzelnen Schuldnern zu stellen, um eine evtl. Ausichlutzfrist nicht zu versäumen.

Für die Reichsanleihen (Kriegsanleihen) kommt diese Regelung nicht in Frage. Hierfür liegen zur Zeit dem Reichsrat die Ausführungsbestimmun­gen vor.

Die Stadt Gießen hat bisher nur die I n - flationsonleihen zur Einlösung aufgerufen.

Vornotizen.

Tageskalender für Freitag. Stadttheater: 7.30 Uhr,Der alte Textor" (Ende nach 10 Uhr). D. H. E.: Hotel Hoofeld, Monats- Versammlung. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße. Die drei Mannequins". Astoria-Lichtspiele: Amor im Wolkenkratzer".

Der Vortrag über Trier, den Prof. Dr. Löschte hält, wird im heutigen Anzeigenteil angekündigt. Interessenten seien hieraus besonders hiNgewiesen.

Milrtär-Streich-Konzert im Kath. DereinShaus. Man schreibt uns: Für daS am Sonntag, 23. Hob., abends 8 Uhr im Kckth. Deoei nshauS stattfindendc Militär-Scteich- Konzert bet Kapelle deS I. (Hess.) Bataillons, hat Obermusikmeister Lobet ein in jeder Be­ziehung aut gewähltes Programm aufgestellt. "Heben Ouvertüren und Bruchstücken aus Opern von Wagner. Verdi, Boieldieu, tommen Solo­stücke für Violine aus Faust, Diolincello.« Flöte, Trompete und Xylophon zum Vortrag Ein neues Schlager-Potpourri und ein Militärisches Ton- gemälde beschließen die DortragSfolge.

LU. Universität s-Soltesdien st. Am Sonntag, 28. November (1. Advent), vormittags 11.15 Uhr, findet In der Neuen Aula ein Universi­tätsgottesdienst statt, zu dem in erster Linie die Angehörigen der Universität eingeladen sind. Selbst- rerständlich hat aber auch tzkder andere Zutritt. Die Predig: hält Professor Dr. Hans Schmidt.

Städtebau und Landesplanung.

Das Staats- und Wirtschaftsleben der Welt steht fett dem ftriege unter dem Zwange der Konzen­tration aller Kräfte auf nächstliegende Aufgaben, die früher bei dem allgemeinen Drang nach fernliegenden Zielen vernachlässigt wurden. 8 roße tmb nenn' Länder sind eifersüchtig bestrebt, sich in ihrer Nahrungsmittel-, wie Rohstoffbeschaf- rang mbalichst von aller Einfuhr unabhängig zu machen. Zum Teil ttt das die Folge des wachsenden Diderstnnder, den die Bevölkerung voUtifch oder wirtschaftlich rückständiger Länder den Bestrebungen fengc-dfrittcner Staatswesen bietet, vermöge der Handelsverträge sich fremde Natur- imb Arbeu:- kräfte masienhait dienstbar zu machen. In Europa hat ferner die allgemeine Verschuldung die Tendenz, die Nötigung zu stärkerer Inanspruch­nahme heimischer Kraftquellen noch ju ftrierrn. Ä, derselben Richtung wirken die über­seeischen Einwanderungsbeschränkungen, die die dichtbevölkerten Länder Europas vor die.schwierige Aufgabe stellen, auch noch für viele Millionen, die ohne jene Beschränkungen auswandern würden, möglichst Beschäftigung im Inlands zu finden.

Ein Ergebnis dieser gleichartigen Entwicklung?- umftände ist auch der einheitliche Zug, der tn den modernen Staaten mehr und mehr alles 6 i e b - lungstneftn erfaßt hat. Die zentralisierenden Kräfte einer Zeit, wo der Erporttndustrialismus bas System der Zusammenballung großer Menschen- maffen in Mietfafernen begünstigte, werden allmäh­lich abgelost von solchen, die die Entstehn na neuer Wohn- und Werkstätten in mög­lichste Harmonie mit allen Entwicklungsmöglichkeiten der ganzen Landschaft zu bringen suchen. Das ur­sprüngliche, von England ausgegangene Gartenstadt- ideal beschränkte sich darauf, moderne Großstädte durchSatellitenstädte" entlasten zu wollen. Das praktische Leden selbst hat seitdem dazu geführt, den Schwerpunkt der Gartenstadtbewegung von den überkommenen Großstadtgebilden in die so­genannte Landesplanung zu nerlegep. die auch die Aufbauelemente alles künftigen Städtebaues or­ganisch aus dem Charakter der gesamten Landschaft hervorwachsen lassen will. Einespezielle Lan­desplanung" ist da am Platze, wo Industrie, Ge­winnung von Bodenschätzen oder Handel eine Zu- sammenballund der wirtschaftlichen Betätigung, ver­bunden mit emer Konzentration der Bevölkerung, verursacht haben, und wo infolge, ber Betonung von Sonderintereffen wechselseitige Störungen einreten. Da handelt er sich banmi, planmäßig jedem Zweige der Gesamtwirtscyaft, und zwar einschließlich des Wohnungswesens und der Volkrerholung, Fläche und Raum zu geben, wo sich Industrie, Handel und Verkehr in erster Linie ungehindert in freier Indi oidualität zweckmäßig und praktisch entwickeln können. Diese spezielle Landesplanung ist bei uns zuerst im Ruhrkohlenbezirk inausgedehnter Form durchgeftihn und gesichert worden. Ein from­mer Wunsch ist dagegen vorläufig noch dieallge­meine Landerplanung", die die Zwecke der 'spe­ziellen Landesplanung einer strengen Ordnung der gesamten Volkswirtschaft anzupassen und gemein­

samen Leitgedanken zv unterwerfen hätte. The Lau- bc»Planung im Ruhrkohlenbezirk durch den Ruhr­siedlungsoerband beruht auf gesetzlicher Grundlage, während im mitteldeutschen In - dustriegebiet kleinere Dkrtschaftsgediete in ehrenamtlichen Ausschüssen zusammen- geschlossen sind. Die vom RuhrsiedlungLverband nicht erfaßten Stadt- und Landkreise der Regierungs­bezirks Düsseldorf haben sich km Jahre 1925 zu einem freien Landesplanungsver- band zusammengeschlossen. Solche Bestrebungen sind ferner im Gange im Münsterlande, bei Aachen, in Weftsachsen, in Öftthüringen, bei Magdeburg und in Oberschlesien.

Außerhalb Deutschlands macht die Landes­planungsbewegung, besonders in den Vereinigten Staaten, in England und Holland. Fortschritte. Bei Neunork ist ein Gebiet von L3 Millionen Hektar, dar in drei Staaten mit 420 Gemeinden liegt, der Kontrolle eines Siedlungsverbandes unterworfen, an besten Spitze Fachleute stehen, die von einer Stiftung bezahlt werden. In England gibt cs etwa 30Joint Town Planning Comittces", die annfi- hernd 400 Lokalbchörden mit 14 Mill. Einwohnern umfassen. Die Verbände unterstehen dem Gesundheits­ministerium, das keinen Bebauungsplan genehmigt, der nicht mit den Absichten der Plan-Kommimonen im Einklang steht. In Holland ist im Umkreise der Städte Amsterdam, Haarlem, Utrecht, Rotterdam, Haag und Scheveningen mit Landesplanungen be­gönnen worden.

Die Landesplanung weist den Weg, die Miß­stände der Großstadt im Rahmen des Möglichen zu bekämpfen. Die Ziehung einer starren gesetzlichen Grenze, nm die Großstadtbildung zu verhindern, ist, wie Verbandsdirektor Dr. Schmidt, Esten, in einem auf einer Tagung verschiedener Organisa­tionen städt. Beamten in Danzig gehaltenen Vortrage betonte, zwecklos:In dem Zeitraum von 1871 bis 1911 hat sich die Einwohnerzahl Berlins auf das Zweieinhalbsache, die der Vororte auf das 27fache erhöht: im Ruhrkolenbezitk wachsen die Städte von Dortmund bis zum Rhein immer mehr zu einer Stadterscheinung zusammen. Allerdings gegenüber Berlin in dem viel günstigeren Streu ä) uralter der Gejamtcmlage, wie überhaupt eine dauernd brauchbare Lösung nur durch Verlassen der zentralen Stadtbildung und durch An- streben desStreucharakters" im Sinne der Wirtschaftspläne erreicht werden kann. Das Ziel muß also jein, den Städtebau In Form auf- gelockerter Pläne im Rahmen der allgemei­nen Landesplanung zu entwickeln und die zwischen- aemeindlichen Lösungen im Rahmen der speziellen Landesplanung über einheitliche Wirtschaftsgebiete hinweg." Der Kampf gegen die Mißstände der Groß­städte mutz eben hauptsächlich auf der Linie der Vermeidung des i in in e r wieder Neu- entstehens solcher Miß st 8nde geführt wer­den: erst in zweiter Linie kommt nach Maßgabe ver­fügbarer Mittel auch eine Beseitigung ober Mil­derung der aus planlos arbeitenden Vorgängen ent­standenen Mitzstände in Betracht.

* * Für die Rotstandsarbeiten der Erwerbslosen unserer Stadt hat der Fi- nanzau^ schuß der Staktveroröncten-Versammlung, vorbehaltlich deren späterer Zustimmung, tn seiner Sitzung Vvm Mittwochabend den Betrag von 140 000 Mark bewilligt. Die Arbeiten füllen be­kanntlich Planierungen an Steinbruchgelände und auf dem Trieb, Instandsetzung von Anlagen, Herrichtung und Rigolen von Gräberfeldern auf dem Alten Friedhof und den Ausbau von Stra­ßen umfassen. Man hofft, damit den Erwerbslosen der Stadt in den bevorstehenden Wintrrmoncklen eine schätzenswerte Derdwnstmöglichkeit zu bieten.

** Anträge auf L eg i ti mati o n s ka r- t e n. Die Industrie- und Handelskammer Gießen macht darauf aufmerksam, daß die Anträge auf Er­teilung von Legitimationskarten baldigst bei den Polizeirevieren zu stellen sind, damit die Antrag­steller Ende des Jahres im Besitz der Legitimations­karten find.

** Sperrung der StraßeAm Kugelber g". Wegen Vornahme von Straßen- bauatbeifen ist die StraßeAm Kugelberg" zwischen Licher Straße und dem Haus Am Kugel­berg Ar. 53 für jeglichen Fährverkehr bis auf werteres gesperrt worden.

*e Zentralheizungsanlagen b e t Aeu- ober Umbauten sind genehmi­gungspflichtig! Der hessische Minister des Innern weist in einem Rundschreiben vom 20. Oktober besonders darauf hin, dah nach Art. 64, Ziffer 3 der Allgemeinen Bauordnung die Ge­nehmigung der Baupolizei zu erwirken ist, wenn eine feste Feuerstätte errichtet, ober eine berits vorhandene cm einen anderen Ort verlegt oder abgeänbett werden soll, insoweit es sich nicht lediglich um daS Setzen von Oefen und Herden zum häuslichen Gebrauch an bestehenden Schorn­steinen handelt. Die Aufstellung eines Zentral- heizungslcsselS mit den damit verbundenen Reben- anlagen ist ebenfalls genehmigungspflichtig. Es ist deshalb erforderlich, daß bei dem Antrag auf Genehmigung zur Errichtung eines Aeubaues oder Umbaues, sofern die Gurrichtung einer Zentralheizung dabei geplant ist, auch Pläne über diese der Baupvlizeibchörde zur Genehmi­gung vorzulegen sind. 3n diesen Fällen hat die Baupolizei mit der Prüfung der Baupläne gleich­zeitig die Prüfung der vorgelegten Pläne hinsicht­lich der Heizungsanlage vorzunehmen.

WSN. Neue Beamtenwohnungen in Hessen. Nachdem vom He fischen Landtage die Regierungsvorlage betr. Errichtung von Beamten­mietwohnungen durch den hessi chen Staat angenom­men worden ist, sollen im Lau e des Jahres 1927 in Stabt unb Land 120 Beamtenwohnungen errichtet werden. Der bewilligte Kredit beträgt 3 200 000 Rm.

WSA. Warnung vorPaßvergehen. Das französische Militärgericht in Mainz ver­urteilte dieser Tage wieder 24 Einwohner aus dem besetzten und unbesetzten Gebiet, u. a. aus Frankfurt, 5 atmftabt, Mainz und Wiesbaden, zu Geldstrafen, weil sie im besetzten Gebiet ohne Personalausweis angetroffen wurden. Also Vorsicht!

Große Straffammer Gießen.

Gin Landwirt aus Obrthefsen ist des Ver­brechens der Rotzucht im Sinne des § 177 StGB, beschuldigt. In erster Instanz hatte der Ange­klagte jeden näheren Verkehr mit dem betreffen­den Mädchen geleugnet. Das Schöffengericht hielt jedoch die Angaben des letzteren für durchaus glaubhaft und verurteilte den Angeklagten unter Zubilligung mildernder Umstände zu einem Jahr Gefängnis. Gegen ditzfes Urteil ver­folgte der Angeklagte Berufung. In zweiter Instanz gelangte das Gericht nach längerer Ver° Handlung zur Freisprechung Mangels aus­reichenden Beweises dafür, dah der Angeklagte mit Gewalt vorgegangen sei. Trotz der Frei­sprechung müsse aber die Art feines Vorgehens gegenüber dem kaum 16 Jahre alten Mädchen aufs schärfste verurteilt werden.

Büchertisch.

WaIther Siegfried: Aus dem Dilderbuch eines Lebens. 320 S. 8°. Mit 2 mehrfarbigen und 21 einfarb grn Abbildungen. Verlag Aschmann & Scheller, Zürich und Leipzig. - Der schweizerische Dichter Walther Si'gfried (1924 ausgezeichnet mit dem schwe.zeri cherrDchiller- pceis) bietet in diesemV'.ldcrbuch eines Lebens" das sein jahrzehntelanges Verweilen inmitten deS besten geistigen und künstlerischen Deutschland umfaßt ein eigenartiges Kunstwerk. Ein Werk, das neben dem außergewöhnlichen Reiz der per­sönlichen Färbung den Wert elireL Kulturdoku- menles besitzt. Plastisch ziehen Lebenszustände, Persönlichkeiten und Geschehnisse vorüber, von einem Künstler geschaut, von einem Psychologen ersaht, das Gewichtige immer wieder durch Humor und reizvolle Anekdoten aufgebellt, in fesselnder Folge, wie ein besonderer Lebensgang sie den Autor schauen lieh. Der heute gebotene Band enthält in natürlicher, höchst fesselnder Folge die Bilder schweizerischen Lebens, das glänzende Knlturgemälde von Paris, überleitend nach Deutschland ein gleiches von Weimar, und schließ­lich die reich und breit angelegte Schilderung Münchens. An jedem Orte auf intime Weise in den Kreisen geschöpft, in Berührung mit Persön­lichkeiten erlebt, die für das geistige Gepräge ihrer Zeit und Umtoelt bezeichnend waren. Der Reichtum an Gestalten umfaßt alle Schichten vom Voll bis zu den Gefürsteten auf Thron und Parnah. DaS liefere aber: Dieses Buch kommt zur richtigen Stunde, weil es mit der allent­halben auswachenden Sehnsucht zusanunentrifft, aus dem verflachten, mechanisierten, seelenarmen Leben der Gegenwart hinaus, zu neuer Verinner­lichung! 23 fein gewählte Dilderbeigaben voll­enden aufs erwünschteste die ße&enbigfeit der Schilderungen. Dieses Lebsnsb.kderbuch weist es wieder einmal überzeugend, wo unverrückbar die wahren Grundwerte des Lebens liegen, und wie durch alle Lagen und Erlebnisse hirwurch, wider­strebende wie fordernde, der Mrnfch es in der

eigenen Hand hat. die Persönlichkeit zu werden, zu der das Zeug in ihm liegt. 645

2R ö r b e t i n?! Der Roman eine# Ver­teidigers von Walter Bloem (in der Ro- inamxitc ..Schattenbilder de Lebens") Verlag von Otto Liebmann, Berlin W 57, 2. Auslage Ist der Dichter bisher vorwiegend durch seine vaterländischen Romane bekanntgeworben, so hat er hier einen Kriminalsatt zu einem reifen Kunst- wcrt gestalt ei. Ein grober Chirurg hat sich er- fchvtten. Gin hinterlassener Bries an feine junge Gattin verrät die Arsache: Fiircht vor der her­annahenden Geistesumnachrung! Plotzllch wird die junge Witwe verhaftet. Ihre Zofe bezichtigt sie unerhörter Tat: Sie habe ihrem Manne den Todescntfchluß und ben zu seiner Erklärung be­stimmten Briet in der Hypnose suggeriert. In ihrer Rot wendet sie sich an einen Rechtsanwalt. Durch die verschlungenen Pfade eines Kriminal- verfahrens. deffen Wechselfälle ben Leser aus fieberhafter Spannung nicht eine Sekunde loS- lassen, geleitet uns die Erzählung bis zur dra­matischen Schwurgerichtsverbandlung und zur Losung des Rätsels. 711

Elsa von Donin: Borwin Lübe- t in g 6 Kamps mit Gott. Roman. 299 S. 8U. Ganzleinenbaiib RM. 6 50. Verlag der I. G. Evttaschen Duchhandlung Rachfolger, Stuttgart und Berlin. Sie Verfasserin hat sich im Lause weniger Jahre durch eine Aizadl feinsinniger Romane, unter denen nameml-.J) ihr Derk ..Die Sohne" hervorragi, einen geschätzten Ramen ge­macht. In ihrem jüngsten, aus dem Leben unserer Tage begriffenen Werke will sie tiefe innere Gegensätze zwischen Kopf unb Herz auf zeigen, wie sie als Folge unserer Ruhelosigkeit im Inner» führender Persönlichkeiten unserer Tage schlum­mern. Eine Fülle fchaks geseheirer und klar fest- gehaltener Erscheimi ngcn des modernen GeschäftS- unb Vergnüguiigslebens sind um die Haupt­gestalten des bedeutenden, tiefen unb doch span­nenden WerTdS gestellt. Der Roman wurde, als da«Hamburger Fremdenblatt" und die ..Mün- chetter Reuefteii Rachrichten" ein Roman-PreiS- ausschreiben erließen, von den Pre Srichlern (u. a. Ricarda Huch, Bernhard Ketterniann und Gustav Frensscii) unter 350 eingegang nen 'Wer­ken einstimmig mit dem ersten Preise aus­gezeichnet. 580

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber i inerlci Verantwortung.)

Autlet, mehr Rücksicht nehmen!"

Der Schreiber des unter obiger Llebcrschrift erschienenen Eingesandt hat nicht ganz Unrecht. Ich erlebe es selbst als Autler, daß ein entgegen- lommender Kraftwagen nachts erst so spät ab­blendet, dah ich im Moment des Zusammen- trefsens mit ihm noch geblendet bin. Immerhin sind diese Fälle verhältnismäßig selten gegen­über der Tatsache, dah man nach Einbruch bet Dunkelheit nicht nur aus bet Landstraße, sondern auch in geschlossenen Ortscha'tm zahlreichen Rad­lern und Pferdefuhrwerken begegnet, die ohne Licht fahren. Rur den guten Autoscheinwerfern von heutzutage ist es zu verdanken, daß nicht zahlreiche Zusammenstöhe mit diesen unbeleuch­teten Fahrzeugen Vorkommen. Bei dem gerade in Hessen so auherordentlich beliebten Links- fahren der Pferde- und Kuhfuhrwetke ist es leider nur zu oft notwendig, mit vollem Licht bis kurz vor diese Fahrzeuge hinzufahren, bis man klar erkennt, ob diese sich überhaupt auf der rechten Straßenseite befinden, was besonder« in Kurven schwierig ist, auch wenn man nicht in rasender Fahrtt' daherkommt. Wer nach Ein­bruch der Dunkelheit sein Fuhrwerk nicht be­leuchtet, setzt sich mit eigener Schuld Unfällen aus. Dah man von der Dunkelheitüberrascht" wird, ist keine Entschuldigung. Ein erwachsener Mensch weih doch, wann in dieser Jahreszeit die Dunkelheit einbricht, und lieber sollte man einmal überflüssigerweise eine Laterne mitführen, als sich mit unbeleuchtetem Fuhrwerk einem Un­fall aussehen.

Dah sich die Autlet meistens als Allein­herrscher auf der Landstrahe betrachten, wird so­lange nicht recht glaubhaft sein, als eS einem paffiert, dah man als Autler einen ganzen Rach- miitag lang keinem einzigen rechts fahrenden Gespann begegnet. Und daS kommt mehr als ein­mal vor. Wenn es einem weiterhin passiert, daß ein Rosse- oder Kuhlenket trotz aller Hupen­signale. hartnäckig auf der linken Strahenfeite bleibt, wenn man ihn eingeholt hat, unter höhni­schem Blick noch mehr nach links steuert und einen dazu noch mit schimpfendem Zuruferfreut", so möchte man an der Möglichkeit verzweifeln, dah sich bas Verhältnis zwischen Auto unb Fuhr^erl jemals bessern wird. Ich meine also, die Rücksichtnahme mühte eine gegen­seitige fein.

Eine erstaunliche Rücksichtnahme in der Ma­nier der StrahenauSbesferüng kann man auch bei einzelnen Gemeinden und Kreisen beobachten. Richt nur Schlaglöcher, sondern auch längere Strecken werden einfach mit scharfkanttgem Schot­ter oder mit grasdurchsetzten Lehm beworfen. Der Autler genießt bann neben dem Vorzug, dah er Steuern zahlt, noch die Ehre, mittels seiner Gummibereifung die Rolle der Dampf­walze spielen zu dürfen. G.

Ihre Nachbarin

ist gesund und frohe­

ste trinkt aber auch täglich

den gesunden u. wohlschmeckenden

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