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Die befreite türtifche Zrau.

Von Dr. med. Saft 6 A l i.

Der interessante Aufsatz, den uns unser ständiger Korrespondent in Konstantinopel vermittelte, entstammt der Feder der ersten türkischen Aerztin, die seit einigen Jahren mit großem Erfolg in Konstantinopel ihre Praxis ausübt. Frau Dr. Safis Ali. die einer der an« befehenften türkischen Familien entstammt, studierte in Deutschland und legte 1920 in Würzburg das medizinische Staatsexamen ab.

D. Red.

Der 4. Oktober 1926 wird in der Geschichte der Freiheitsbewegung der orientalischen Frau mit gol­denen Lettern verzeichnet sein. An diesem Tage trat in der Türkei das neue Zivilrecht in Kraft und es wurde so dem türkischen Volke anstatt des alten, aus islamischen Religionsgrundsätzcn begrün­deten Gesetzbuches (medschellS) ein bürgerliches Ge- fejzbuch beschert, das dem nach allermodernften Rechtsbegriffen ausgebauten schweizerischen Gesetzbuche nahezu völlig gleichlautend ist. Eine be­merkenswerte Umwälzung hat sich damit vor allem im Leben der türkischen Frau vollzogen, denn durch die Einführung des neuen Ehegesetzes wird ihr jenes Maß der p e r's ö n l i ch e n F r e i h e i t gesichert, das ihrer westeuropäischen Schwester seit Jahrhunderten als etwas Selbstverständliches galt. Es wird jetzt endgültig mit der stillschweigenden Duldung der Polygamie ein Ende gemacht, jenes un­würdigen, durch das Religionsgesetz erlaubten Zu­standes, der bis in die neueste Zeit ein Ehe- und Familienleben nach westeuropäischen Grundsätzen erschwerte.

Die Mehrehe, die immer nur als Ausnahme be­standen hat, war in den letzten Jahrzehnten ohne­dies äußer st selten geworden. Es mag das zum Teil an dem unaufhaltsamen Eindringen höherer westlicher Kulturformen und Lebensauffassung lie­gen, größtenteils waren es jedoch auch wohl prak­tische Gründe, die von einer Mehrehe abhielten. Nur ganz reichen Männern wäre es möglich ge­wesen. mehrere Frauen zu unterhalten, deren jede für sich einen eigenen Haushalt mit eigenen Dienstboten zu beanspruchen hatte. Der sogenannte Harem, der in den orientalischen Märchen und in der Phantasie des Europäers eine so große Rolle spielt, hat in Wirklicykeit in dieser Weise i m Volke n i e bestanden. Etwas anders lagen die Ver­hältnisse auf dem Lande im Inneren Kleinasiens, hier bedeutete die Mehrehe eine Mehrung der Arbeitskräfte. Der Hauptgrund zur zweiten Verheiratung lag jedoch zumeist in der Kinder - l o s i g f e 11 der ersten Frau. In vielen Fällen wurde die erste Frau beim Eingehen einer weiteren Ehe nicht einmal davon benachrichtigt. Der Mann erschien eines Tages zu Hause mit der Nachricht' Ich habe dir eine Schwester mitgebracht." Oft ge­nug ergab sie sich in das Unvermeidliche, besonders, wenn sie durch Geschenke und hier stets begehrte Schmucksachen versöhnlicher gemacht war. Ein Recht der Scheidung stand ihr ja nicht zu. Die jüngere Frau nannte die ältere ,.abla" (ältere Schwester) und nur zu oft herrschte in solchen Ehen gute Ein­tracht, es wurde ein Bündnis gegen den Mann ge­schlossen. der dann in jeder Hinsicht weidlich aus­genutzt wurde. Oft jedoch spielten sich hinter ver­gitterten Fenstern kleine Tragödien der Eifersucht ab, das zerrüttete Familienleben führte früher oder spater den wirtschaftlichen Ruin herbei und hier, wie überall in der Welt, hatten die Frauen am meisten unter der Not des Daseins zu leiden und den Alltag des Lebens zu tragen.

So leicht die Eheschließung für den Mann war, er brauchte nur zwei Zeugen und einen Imam, ein öffentliches Aufgebot kannte man nicht, so leicht war für ihn auch die S ch e i d u n g. Er hatte nur in Gegenwart von Zeugen auszusprechen:Ich scheide mich von dir", und die Ehescheidung war recytlich vollzogen. Der Mann zahlte daraufhin die im Ehe­kontrakt festgesetzte Summe, die oft nur für mehrere Wochen ausreichte und die Frau war schutzlos entlassen, die Sorge für die Kinder blieb zu­meist vorwiegend ihr überlassen. Eines besonderen Grundes für die Scheidung bedurfte es für den Mann nicht, während der Frau das Recht der Schei- , düng nicht zustand, selbst wenn Gründe dafür vor­handen waren. Um die Frau wenigstens einiger« X maßen sicherzustellen, war in den gebildeteren Krei­sen in den letzten Jahrzehnten der Brauch aufge« F" kommen, im ^iratsfontrafte den Mann zu ver­pflichten, keine weitere Frau zu ehelichen. Verstieß ** der Mann gegen diese Klausel, so stand der Frau das Recht der Scheidung unter Anspruch auf die ver­einbarte Abfindungssumme zu.

Es ist leicht zu begreifen, daß die Unsicherheit dieser bisher bestehenden Verhältnisse wie ein böser Alpdruck auf dem Familienleben der türkischen Frau lastete, die nur zu oft in banger Sorge für ihre Jinb ihrer Kinder Zukunft (eben mußte. Daß die Ehe trotzdem in den meisten Fällen zu einenrBunbe für das ganze Leben würbe, liegt nicht zuletzt an man­chen guten Eigenschaften der türkischen Frau, bie durchweg eine gute Mutter ist, in vorteilhafter Weise einen Einfluß auf den Mann auzuüben ver­stand und oft ihrer Persönlichkeit in kluger Weise Geltung zu verschaffen wußte. Die Achtung vor der Frau, vor allem vor der Mutter, ist daher in der Türkei weit größer, und Unhöflich­keiten Frauen vor allem der eigenen Frau gegenüber, wie ich sie in Westeuropa nur zu oft beobachtete, sind hier auch heute noch eine Unmöglichkeit.

Es ist daher auch durchaus nicht zu befurchten, das; bie türkische Frau mit ihrer Freiheit werbe nichts anzufangen wissen- unb der plötzliche Wechsel nur zu Schaden führen könne. Die' unerläßliche innere Wandlung der türkischen Frau hat sich bereits seit Jahren vollzogen unb sie, die bis vor einem Jahrzehnt vom öffentlichen unb gesellschaft­lichen Leben völlig ausgeschlossen war, hat inzwi­schen Beweise genug dafür geliefert, baß sie ihrer westeuropäischen Schwester zum mindesten gleich zu stellen ist. Die türkische Frau, die früher ihr Leben in Müßiggang unb Nichtstun verbringen mußte, ifinben wir heute mit Erfolg in allen für Frauen nur geeigneten Berufsklassen mit Erfolg tätig.

Der Weltkrieg hat hier bie erste Wandlung ge­schaffen jjnb der Mangel an männlichen Arbeits­kräften und bie Not ber verwaisten Familien rückte die Erwerbsfrage für bie Frau in den Vordergrund. Unb dann kam Kemal Pascha! Mit dem ihm -eigenen Scharfblick erkannte er, baß eine freie Türkei nur in der Freiheit ber türkischen Mut- 1 e r beruhen könne. Mit energischer Hand zerriß er den Vorhang alter überlieferter religiöser Vor­urteile, bie wie ein bunfler Schatten schwer auf der türkischen Frauenwelt lasteten. Der unerläß­liche Schleier fiel auf seinen persönlichen Wunsch und mit ihm die streng vorgeschriebene nonnenhafte dunkle Kleidung mit Schulterkrägelchen (tscharschaff), die bis über die Ellenbogen reichen mußten und deren Länge von der Polizei noch vor 10 Jahren peinlich genau nachgemessen wurde. Als Kuriosum

Die Wohlfahrts- und Gesundheitspflege.

Von Geh. Regierungsrat Dr. jur. Max Seidel, Verwaltungsrechtsrat, Berlin-Friedenau.

(Schluß.)

In ber Gesundheitsfürsorge, bei ber Bekämpfung ber großen Volksseuchen, sind Methoben unb Orga« nisationsfonnen vielfach vorbildlich vorhanden und Beratung unb Fürsorge für Lungenkranke, Ge­schlechtskranke. Alkoholkranke. Krüppel sind hier zu erwähnen. Unmittelbar schließen sich an bie Auf­gaben auf dem Gebiete ber Jugenbwohlfahrt, wobei Jugendämter von den Kommunalverbänben nicht nur zu errichten, sondern auch zu unterhalten sind. Die Durchführung ber Berufsvormundschaft, die Aufsicht über die Halte- oder Kostkinder wird am besten mit der Säuglingsfürsorge, der Berufsvor- munbldjaft ober ber Armenkinberpflege verbunden Die Mutterfürsorge wird durch die Wochenhilfe er­möglicht. Säuglingsfürsorge, Unterhaltung von Kinderhorien, Schulkinderfürsorge in Horten, Er­holungsfürsorge in Ferienheimen, Solbädern, Er­holungsstätten usw. ist in den letzten Jahren wieder gepflegt unb entwickelt worben. Dazu kommt bie Fürsorge für bie gefährbete Jugenb, wobei alle Einzelfragen burch geschulte Organe planmäßig zu behanbeln sind, ^weckmäßigerweise in Verbindung mit Eltern unb todjulc.

In dem Bestreben, statistische Einzelheiten zu vermeiden, wird man in diesen Fragen doch nicht ganz ohne Ziffern auskommen. In den Darstel- (ungen ber erwähnten Ausstellung in Düsseldorf ist Material enthalten, bas vom Deutschen Stäbtetag gesammelt unb veröffentlicht worben ist*). Daran finb 169 Stäbte mit zusammen 22,4 Millionen Ein­wohnern beteiligt.

In der Durchführung ber Fürsorgepflichtverord­nung wurden im November 1925 fast 1 Million Personen laufend unterstützt, davon 32 v. H. So­zialrentner, 17 v. H. Kleinrentner, 5 o. H. Kriegs­beschädigte, 46 v. H. sonstige Unterstützte, einschlieh- lich der ausgesteuerten Erwerbslosen. Dazu waren nötig 22 Millionen Mark, das sind immerhin erst, auf den Einwohner gerechnet, jährlich 12 Mk.

Die Erwerbslosenfürsorge können wir dabei gelten, da inzwischen die neueren Zahlen bekannt geworben finb. In der Arbeitsvermittlung fanden sich fast 4 Millionen Fälle und in ber Berufsbera­tung fast 400 000 Fälle. Bei ben Volksspeisungen würben im Dezember 1925 von 299 Volksküchen fast 14 Millionen Portionen ausgegeben (im Jahre 1919 waren es fast 70 Millionen): aber im Jayre 1925 finben sich auch mehr als 66 Millionen Por­tionen, bie in ben städtischen Schulkinberspeisungen gegeben würben. In ber Schulgesundheitspflege würben 2,5 Mill., also 103 Proz. der beteiligten Ein­wohnerzahl überhaupt gezählt, davon 1,6 Millionen untersucht, bas sind 66 Proz. der Schulkinderzahl, in Heilanstalten, Erholungsheimen unb auf dem Lande wurden 230 000 Schulkinder untergebracht. Städ­tische Erholungsstätten (Kindererholungsheime) waren 88 vorhanden mit 7040 Betten, wozu noch 2495 Plätze in Walderholungsstätten usw. zu zählen sind. In der Krüppelsürsorge wurden mehr als 45 000 Krüppel beraten und bei mehr als 42 Proz. der beratenen Krüppel ein Verfahren durchgeführt, die Verkrüppelung zu beseitigen (Entkrüppelungs- vcrfahren).

In den städtischen Fürsorgestellen wurden mehr als 1 Million Säuglingsberatungen durchgeführt. Spezialfürsorgerinnen für Säuglingspflege sind allerdings nur in 46 Städten vorhanden, aber in 135 Städten wird an unbemittelte Wöchnerinnen unentgeltlich Milch abgegeben.

Die Sterblichkeit der Säuglinge beträgt in den kleineren unb mittleren Städten etwas mehr als 10 Proz., in ben großen Stabten von mehr als 100 000 Einwohnern etwas weniger als 10 Proz., eine Beobachtung, bei der man zunächst einen Irr­tum vermutet.

In den Fürsorgestellen für Tuberkulose wurden fast 400 000 Kranke laufend kontrolliert. In ärztlich geleiteten Tuberkulosen-Heilstätten ober Genesungs­heimen sind 6814 Betten verfügbar, davon 875 Bet­ten in Kinderheilstätten. In fast 17 000 Fällen wur­den von ben Fürsorgestellen Heilverfahren bei Er­wachsenen burchgesührt unb bie Kosten zu etwa zwei Drittel von den Städten getragen. Die Zahl ber auf städtische Kosten im Jahre 1925 in Anstalten verschickten tuberkulösen Kinder betrug mehr als 31000.

In der Trinkerfürsorge standen 28 500 Alkohol­kranke unter Aussicht ber städtischen Trinkerfürsorge­stellen. Mehr als 2000 wurden in Anstalten unterge­bracht.

In ber Geschlechtskrankenfürsorge wurden mehr als 75 000 Personen in Geschlechtskrankenfürsorge-

*) Bearbeitung und Veröffentlichung dieser Dar» fteüungen erfolgte im Auftrage bes Deutschen Städtetages durch den Stadtmedizinalrat Dr. W c n- denburg in Gelsenkirchen.

sei hier das Kleidungsedikt des Scheich-ül-Jslamat vom 26. März 1914 im Auszüge angeführt:

Die Tscharschaff haben allmählich ihre Form verändert und sind ber Mode gefolgt und rufen daher bei allen vernünftigen Menschen einen tiefen Eindruck hervor. Alle Mohammedanerinnen, denen an Bewahrung ihrer Frauenehre, Würde und Keuschheit liegt, müssen sich solcher unanständiger Kleidung enthalten. Sie haben deshalb, um sich nicht gerichtlicher Verfolgung auszusetzen, darauf zu achten, daß ihre Verhüllung dem Scheriat (Re- ligionsgeseh) entspricht."

Das war vor 12 Jahren! Inzwischen ist eine neue freiere Türkei erstanden und Kemal Pascha, ber den Freiheitskampf siegreich burchführte, hat jetzt sein Werk damit gekrönt, datz er jetzt der türkischen Frau die völlige persönliche Freiheit gab, deren sie bedarf, um am schwierigen Werke des Wiederauf­baus ihres Vaterlandes mitzuarbeiten. Die Mor­genröte der Freiheit ist damit für die Frau des islamischen Orients angebrochen, die schwer um 'hre Befreiung ringt und durch die Vorurteile der will­kürlich ausgelegten islamischen Religionsvorschriftcn mehr geknechtet ist, als sie es in der Türkei jemals gewesen. Was heute in der Türkei ber Frau an be­rechtigter Freiheit gewährt ist, kann ben Frauen ber anberen islamischen Länder, denen die Türkei als Bordild dient, auf die Dauer nicht vorenthalten werden.

Schöffengericht Gießen.

Gießen, 25. Oft. Ein wegen Diebstahls bereits bestrasler Viehschweizer aus Reutlingen hatte unter falschem Qtamcn bei einem Landwirt in Kloppenheim Stellung genommen. Aach einiger Zeit begab er sich mit einem bei dem gleichen Landwirt befindlichen Dienstknecht, mit dem er sich angefreundet hatte, aus den Dilbeler

stellen beraten, die von den Städten oder'mit städti­schen Unterstützungen unterhalten werden.

Zwangsheilungen wurden mehr als 33 000 auf Kosten der Stäbte durchgeführt.

Die Zahl der Aerzte im offenen Fürsorgedienst betrug hauptamtlich 469, nebenamtlich 1192, ber Fürsorgerinnen hauptamtlich 3037.

Krankenanstalten, nicht mitgerechnet bie Heil­stätten, Siechenhäuser, aber einschließlich ber Spe­zialkrankenhäuser unb ber Kinberkliniten, halten fast 90 000 Betten verfügbar, mit mehr als 2600 Aerzten unb fall 35 000 Pflegepersonal usw. Reichlich bie Hälfte Der vorhanbenen Betten entfallen auf Spe­zialkrankenhäuser: für Haut- unb Geschlechtskrank­heiten, Säuglinge unb Kinber, Nervenkrankheiten, Tuberkulose, Infektionskrankheiten, Geburtshilfe, Augenkrankheiten, Ohren-, Nasen- unb Rachenkrank- hcitcn usw. Rechnet man zu ben oben erwähnten Betten in stäbtischen Krankenanstalten noch bazu bie in Heil-, Genesungs- unb Erholungsheimen, Säug­lingsheimen, Waisenhäusern, Kinberheimen, Sie­chenhäusern, Altersheimen, Lebigenheimen, Mäb- chenschutzheimen unb anberen stäbtischen Anstalten vorhanbenen 94 000 Betten, so kommt man zu ber Gesamtzahl von 184 000 Betten.

3m Krankentransportwesen, das in 118 Stabten eingerichtet ist, wurden 1925 mehr als 364 000 Transporte ausgesiihrt, die Aettungs- wachen in mehr als 200 000 Fällen in An­spruch genommen.

Das Desinfektionswesen ist so durchgeführt, daß die deutschen Städte auf 100 000 Einwoh­ner durchschnittlich 3 Desinfektoren beschäftigen.

3n den städtischen Aahrungsmittelunter- suchungsämlern oder solchen mit städtischer Unter­stützung, wurden 500 000 Aahrungsmittelunter- suchungen ausgeführt, rund 10 Prozent aller entnommenen Proben wurden beanstandet.

Offene Badeanstalten, Fluß- und Seebade- anstalten, wurden im Jahre 1925 besucht von mehr als 17 Millionen Personen, die geschlos­senen städtischen Badeanstalten von fast 22 Mil- lionen Personen, die Wannenbäder von fast 12 Millionen Personen 13 Prozent der Schul­kinder haben am Schwimmunterricht teilgenom- men.

Die Stadien. Spiel- und Sportplätze, Sport­hallen und Luftbäder, eingerechnet die nicht- städtischen, umfassen eine Fläche von 54 Millionen Quadratmeter, davon sind mehr als 30 Millionen städtisch.

Die Gesamtfläche der städtischen Park- und Gartenanlagen einschließlich der darin gelegenen Spiel- und Sportplätze und Waldparks, aber ohne die forstwirtschaftlich benutzten Waldbestände, machten 2,2 Millionen Ar aus. Die Gesamtfläche der Schrebergärten betrug 3,5 Millionen Ar, die Zahl der Schrebergärtner 760 000. Die Gesamt­fläche aller Park- und Gartenanlagen, Schreber­gärten, Spiel- und Sportplätze ergaben 639 Mil­lionen Quadratmeter, säst 30 Quadratmeter auf den Kopf der Bevölkerung.

Man könnte in diesem Zusammenhang noch die 63 000 Wohnungen erwähnen, die von den Städten selbst oder mit städtischen Zuschüssen ge­baut worden sind, obgleich wir wissen, daß hier nur ein Bruchteil von dem geschehen ist, was noch zum Wohle der gesamten Bevölkerung geleistet werden muß.

Für Feuerlöschwesen, Straßenreinigung und Müllabfuhr usw. ließen sich gleichinteressante Ziffern beibringen. Wir begnügen uns mit den gebrachten Beispielen und stellen nur noch fest, wie sich die Kosten der Wohlfahrtspflege stellen und werfen dabei auch einen Blick auf Die betei­ligten Städtegruppen.

3n 156 Städten mit fast 22 Millionen Ein­wohnern betrug der städtische Zuschuß für die ivirlschaftliche, erzieherische und gesundheitliche Fürsorge 1925 fast mehr als 404 Millionen Mark gegen 120 Millionen Mark im 3ahre 1913.

1925 entfielen auf 100 000 Einwohner für Städte mit 25 000 bis 50 000 Einwohnern 1,14 Millionen Mark, für Städte mit 50 bis 100 000 Einwohnern 1,37 Millionen Mark, für Städte mit mehr als 100 000 Einwohnern 2,8 Millionen Mark. Die Erwerbslosenfürsvrge ist hierbei nicht mitgerechnet.

Man sieht nicht nur aüs diesen Gesamt­ziffern, sondern auch aus den einzelnen Ergeb­nissen bei den verschiedenen Gruppen, um welches weitverzweigte überaus wichtige Gebiet der ge­säurten städtischen Arbeit es sich bei diesen Fragen handelt und wie notwendig es ist, auch in Zu­kunft diese Gebiete weiter zu pflegen und weiter zu entwickeln, wobei der intertommunale Er­fahrungsaustausch wertvolle Dienste leisten kann.

Markt: gegen Abend erklärte er, er müsse einmal Weggehen, werde aber gleich wiederkommen, und blieb dann verschwunden. Als der Dienstknecht sein Zimmer wieder betrat, das er abgeschlossen hatte, entdeckte er. daß sein Koffer mit Kleidern und Geld gestohlen war. Der alsbald steckbrieflich verfolgte und verhaftete Angeklagte war unter dem Druck der Beweise im wesentlichen geständig. Obwohl ihm nichts abging und er in ungekündigter Stellung war, hatte er durch E in st e i g e n in das verschlossene Zimmer die Sachen g e st o h l e n, das Geld verbraucht und die Kleider versetzt. 41m ihn seiner Jugend liegen noch einmal vor dem Zuchthaus zu bewahren, wurden mildernde 4lm- stände angenommen, aber auf eine empfindliche Strafe ein Iah r Gefängnis erkannt.

Ein wegen Betrugs und Unterschlagung mehr­fach vorbestrafter junger Mensch hatte einer ihm bekannten Frau 5 Mk. abgeschwindelt Er war geständig und erhielt wegen Bückfallbelrugs die gesetzliche Mindeststrafe von drei Monaten Gefängnis.

Rundsunk-Drogramm.

Mittwoch, 27. Oktober.

12 bis 1 Uhr: Mittagsstündchen des Haus­orchesters. 4.30 bis 5.45 Konzert des Haus­orchesters: Georges Dizet. 6.15 bis 6.30 Uhr: Die Bücherstunde. 6.30 bis 7 Uhr:Die gegen­wärtige Lage und die Aussichten der deutschen Wirtschaft", Dortrag von Dr. Linse, Syndikus des Verbandes Mitteldeutscher Industrieller. 7 bis 7.30 Uhr: Die Schachstunde. 8 bis 8.15 Uhr: Eine Viertelstunde Naturkunde (Sencken­berg-Viertelstunde) unter Leitung von Pros. DrevernmnnKennzeichen und Wesen des Lebens", Vortrag von Dr. W. C. A n k e l, Gießen. 8.15 Uhr:Medea", ein Trauerspiel in fünf Aufzügen von Frz. Grillparzer.

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

:: Beuern, 25. Oft. Die Wahlbeteili­gung bei der am gestrigen Sonntag vorgenom- menen Wahl eines Gemeinderechners war außerordentlich start. Bon rund 690 Wahl­berechtigten schritten 557, das sind 80 Prozent, zur Wahlurne. Es entfielen die meisten Stimmen, nämlich 295, aus Landwirt Daniel Ludwig S o m m e r l a b, der damit zum Gemeinderechner gewählt ist. Der Gegenkandidat erhielt 240 Stim­men. Ungültig waren 22 Stimmen.

: L i ch, 25. Oft. Die Nachrichten, die man in der letzten Zeit aus verschiedenen Teilen Deutschlands über Typhusepidemien las, wecken die Erinnerung an frühere Zeiten, in denen die heimtücki'che Krankheit auch bei uns noch häufiger auftrat. Die Alten gebrauchten für den Typhus den Ausdruck Aervensieber. Man kannte Desinfektion und sanitäre Schutzvorrichtungen noch nicht: der Verbreitung der Seuchenkrankheiten stand kein Hindernis im Wege. So hatte fast jeder Ort in früheren Zeiten ab und zu seine Typhusepidemien. Die Ueberlieferung er Zählt hier noch von den. starken Auftreten des Typhus 1814/15, und die Sterberegister, in denen ber EintragAm Vervenfieber gestorben" uw diese Zeit des öfteren wiederkehrt, bestätigen dies. Die Aussen, die von Aovember 1813 an auf dem Zuge Blüchers nach dem Rhein und Frankreich durch Oberhessen kamen, brachten die Seuche mit; an verschiedenen oberhessischen Orten, so in Gießen und Kloster Arns­burg. muhten Lazarette eingerichtet werden, die bei dem damaligen Stand Sanitäts- Wesens eine Gefahr für Leib und Leben der Bevölkerung bedeuteten. Aeltere Bewohner können sich noch gut des letzten epidemischen Auftretens des Typhus in unserer Stadt er­innern. Es war im Nachwinter des Jahres 1870, als ein Stadtteil, die Oberstadt, von der Krankheit heimgesucht wurde. Bis in den Som­mer hinein währte damals die Epidemie, deren Ursache zurückgeführt wurde auf die Verunreini­gung zweier Brunnen. Die Krankheit trat in diesem Stadtteil damals äußerst hartnäckig auf. ganze Familien wurden davon betroffen, und auch der Tod hielt reiche Ernte, starben doch in ganz kurzer Zeit 10 Personen verschiedenen Alters an der heimtückischenNervenkrankheit", in einigen Häusern je zwei Personen. Die beiden Aerzte Dr. K ä s m a n n und Dr. Z h r i n g versuchten alles, um die Verbreitung der Krankheit zu ver­hindern, in auswärtigen Schwestern stand ihnen erfahrenes Hilfspersonal zur Seite. Wenn seit­dem der Typhus hier nicht mehr epidemisch aus­getreten ist, so hat daran mit das größte Der dienst unsere Wasserleitung, die uns mit sehr gutem Trinkwasser versorgt. Wir wollen dankbar sein aber auch der ärztlichen Wissenschaft, die in restlosem Streben auf dem Gebiete der Verhütung von Volksseuchen gerade in den letzten Jahrzehnten gewaltige Fortschritte gemacht hat.

ri. Niederbessingen, 25. Oft. Ein Fest­tag, an dem sich bie ganze Gemeinde beteiligte, war die K i r ch'e n v i s i t a t i o n , die gestern hier durch den geistlichen Oberhirten des Dekanats Hungen Dekan Engel von Obbornhofen, abgehaltei'. wurde. Im Festgottesdienst hielt der Ortsgeistliche. Pfarrer Schorlemmer von Lich, die Liturgie und die Predigt, der Dekan richtete eine Ansprache an die Gemeinde. Im Anschluß daran fano eine Besprechung mit der Kircheng: neindevertretung über Fragen und Aufgaben ber Gemeinde statt. An Nachmittag zogen die Schultinder mit dem Dekan und Ortsgeistlichen unter Glockengeläut in die Kirch, ein, wo sie von dem Organisten, Schulverwaliei Achard, mit Orgelspiel begrüßt wurden. Am kerzenleuchtenden Altar hielt der Pfarrer mit des Kindern bas feierliche Ehorgebet ber Kirche. Darm schloß sich bie Religionsprüfung ber Kinber uv christenlehrvflichtigen erwachsenen Jugend. Den Be schluß machte eine Sitzuna des Kirchenvorstandes in der das Ergebnis der Visitation festgestellt wurde Eine Sammlung für dieZuflucht" in Gießen, dar neuerbaute Heim für gefährdete und verlassene Mädchen, ergab den schönen Betrag von beinahe 20 Mark.

Kreis Büdingen.

Bingenheim, 25. Oft. Zu dem Bericht über die Einweihung des imLcrngenbau" des hiesigen Schlosses hergerichteten Kreis» klnderheims (Gieß. Anz. Ar. 247 vom 21. Oktober) sei noch folgendes nachgetragen: Die Mittel zum Bau hatte der Kreis zur Verfügung gestellt. Die Bauleitung lag in den Händen des Hochbauamtes zu Büdingen, da das Schloß sts- kalischer Besitz ist und vom Staat zum Zwecke des Kinderheims überlassen wurde. Die neu entstandenen Bäume imLangenbau" sind mit Zentralheizung, Warmwasserbereitung und allen sonstigen Errungenschaften der Aeuzeit aus- geftattet. Ebener Erde befindet sich die Waschküche mit maschinellem Betrieb samt Bügelzimmer, die sehr geräumige Koch- und Spülküche mit Speise­aufzug, große Speisekammer, Zimmer der Wirt­schafterin, Speiseraum für die Schwestern, Jsolier- raum für Kranke usw. 2m ersten Stock schließen sich die große Speisehalle, das Untersuchungs- zimmer, das Zimmer der leitenden Schwester, die Schlaf- unb Spielsäle für die Kinder an. 3m Dachstock sind die Schlafzimmer für die Schwestern eingebaut. Ein sonniger Spiel Hof mitPlantsche- tarium" grenzt an das Haus. Bei der Besichti­gung konnte man sich davon überzeugen, daß aus dem ehemals nutzlos liegenden alten Dau durch praktisches und geschmackvolles Herrichten der alten Baume ein neues prächtiges Heim ent­standen ist, das vielen Kindern im Sommer und Winter die gewünschte Erholung gewährt. Durch das harmonische, fördernde Zusammenarbeiten von Schwestern und Bauleitung konnte in der kurzen Zeit der heutige Abschluß erreicht toerben, so daß das Kinderheim jetzt ständig über 30 Kreiskinder und ebensoviel Kinder vom Roten Kreuz aufnehmen kann. Der Bauleitung, den Handwerkern und Arbeitern, sowie der beraten­den Mitarbeit der leitenden Schwester des Heims gebührt Anerkennung für das erstandene. Werk

Kreis Schotten.

" Schotten, 25. Oft. Die Feuerwehr hielt gestern ihre H e r b st ü b u n g ab. wobei auch die in dem Stcrdtbach neugeschaffenen Stau­vorrichtungen ausgeprobt wurden. Der Stadtbach ist völlig in Beton gefaßt worden, ein glattes Ab fließen ist dadurch gesichert und eine Ablagerung von Schmutz verhindert. Der Dach wird zugelegt werden, i>e.i angrenzenden Besitzern wird das Gelände pachtweise zur Anlage von kleinen Gärtchen u. dgl. überlassen werden. An mehreren Stellen des Daches sind Staueinrichtun- gen für Feuersgefahr geschaffen worden. Wie man hört, plant die Kreisverwaltung die Anschas-