Gierung und dem Kohlensyndikat einerseits, und der französischen Regierung andererseits schwebenden Meinungsverschiedenheiten sind durch das Abkommen aus dem Wege geräumt. Hm ein derartiges Abkommen zu ermöglichen, hat das Koh- ilensyndilat sowohl der deutschen als auch der französischen Regierung gegenüber auf einen Teil der ihm zustehenden Preisansprüche verzichtet. Es hat einen Ausgleich für diesen Verzicht darin gefunden, daß nach Beseitigung aller Reibungen seine Ausfuhr nach Frankreich sich günstig ent- wickeln werde. Das Abkommen liegt der deutschen und der französischen Regierung zur Genehmigung vor.
Die Durchführung des Hohenzollernvergleichs«
Berlin, 26. Ott. (Wolff.) Im preußischen Finanzministerium ist man mit den Arbeiten zur Durchführung des Vertrags mit dem Hohen- zollernhause beschäftigt. Dor allem muh der neue Staatsbesitz in den übrigen Staatsbesitz organisch eingegliedert werden. Die F o r - st en und Domänen werden in Zukunft vom Landwirtschaftsministerium mit verwaltet werden. Für die Museenund Schlösser wird vom 1. April nächsten Jahres ab eine besondere Verwaltung, die „Verwaltung der staatlichen Schlösser und Gärten", beim Kultusministerium eingerichtet werden. Im Berliner Kronprinzen-Palais soll die Generalverwaltung der preußischen Staatstheater untergebracht werden.
Gegen die Betätigung der öffentlichen Hand im Erwerbsleben.
Berlin, 23. Ott (TU.) Der Deutsche Industrie- und Handelstag, die Hauotgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels, der Reichsausschuß der deutschen Landwirtschaft, der Reichsverband der Deutschen Industrie, der Reichsverband der Privatversicherung, der Reichsoerband des deutschen Handwerks, der Zentraloerband des Deutschen Bank- und Bankiergewerbes und der Zentralverband des Deutschen Großhandels haben im Hinblick auf die Gefahren, die der Wirtschaft aus der zunehmen- den Betätigung der öffentlichen Hand im Erwerbsleben drohen, beschlossen, am 10. November im Plenarsitzungssaal des Vorläufigen Reichswirtschaftsrates eine gemeinsame Kundgebung zu veranstalten, m der der Präsident des Reichsverbandes der Deutschen Industrie, Geheimrat D u i s b e r g, den Voftitz führen wird.
Kleine politische Nachrichten.
Der Herr Reichspräsident empfing den Reichsverkehrsminister Dr. Kröhne zum Vortrag, ferner nahm er die Meldung des neuernannten Chefs der Heeresleitung, Generalleutnant Heye, entgegen.
Der Herr Reichspräsident hat auf Grund einer Verordnung über Richtlinien zur Milderung von Disziplinarstrafen für Reichsbeamte im Anschluß an die Amnestie vom August 1925 das gegen den Schwiegersohn des verstorbenen Reichspräsidenten Ebert, Jänicke, gefällte Disziplinarurteil aus Zahlung eines Betrages in Höhe von einem Drittel seines Monatsgehaltes auf dem Gnadenwege erlassen. Die in dem Disziplinär- urteil gleichfalls ausgesprochene Versetzung kommt insofern nicht mehr in Frage, als am 1. November Dr. Jänicke aus dem diplomatischen Dienst austritt und in die preußische Verwaltung übergeht.
Der deutsche Kreuzer „Hamburg" ist auf seiner Weltreise am Montag In Belawan, dem Hafen von Medan auf der niederländisch-indischen Insel Sumatra eingetroffen und wird am 4. Nov, nach Sabang an der Nordspitze Sumatras in See Hetzen.
Wie aus Konstantinopel gemeldet wird, wird der persische Vertreter Mirka Khan, der sich jetzt auf dem Wege nach Genf befindet, Verhandlungen zum Abschluß eines Vertrages zwischen der Türkei, Persien und Sowjetrußland einleiten.
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Die Berliner Vertretung der Telegraphenagentur der Sowjetunion ist zu der Feststellung ermächtigt, daß die Meldung der „Chicago Tribüne" aus Warschau, wonach die Sowjetunion eine A b - änderung der Staatsflagge der U. S. S. R. beabsichtige, in allen Punkten erfunden ist.
Kunst und Wissenschaft.
Ehrung eines deutschen Professors.
Die Universität R o ch e st e r verlieh bei Gelegenheit der Einweihung des neuen medizinischen Instituts Professor Friedrich v. Miller von der Münchener Universität den Titel eines Ehren-Doktvrs.
Professor Ehrmann (Wien) f.
Der Dermatologe der Wiener Universität, Professor Dr. S. Ehrmann, ist am Montagnachmittag gestorben.
Gesellschaft der Bibliophilen.
Die Gesellschafr der Bibliophilen hielt ihre Hauptversammlung in Leipzig im Lesesaal der Deutschen Bücherei ab. Der Vorsitzende Fedor von Zobeltitz sprach Worte der Begrüßung und wies auf die Aufgabe der Gesellschaft hin. Der Direktor der Deutschen Bücherei Dr. Hhl en dal wies auf die zu Ehren der deutschen Bibliophilen veranstaltete Sonderausstellung hin. Der Schriftführer der Gesellschaft, Dr. Höfer (Erfurt), erstattete den Kassen- und Jahresbericht und gab die Pläne der Gesellschaft für 1927 bekannt. Heber den Ort für die nächste Hauptversammlung ist man sich noch nicht klar: Einladungen liegen vor aus Berlin, Hamburg und Karlsruhe.
Reichsverband Deutscher Tonkünstler und Musiklehrer.
Der Reichsverband Deutscher Tonkünstler Und Musiklehrer E. V. hielt seine von n ihezu 300 Delegierten aus dem Reiche beschickte ordentliche Hauptversammlung in Halle (Saale) in Verbindung mit einem großen Musikfest ab. Der Ehrenvorsitzende, Prof. Dr. Max v. Schi l l i n g s, eröffnete die „Festliche Tagung", an der eine Anzahl führender Tonkünstler, wie S. R. v. Reznicek. Prof. Dr. Georg Schumann, Prof. Dr. H I. Moser. Kammersänger Prof. Albert Fischer, Prof. Dr. H. W. d. Walters hausen, Musikdirektor Carl
Hottschneider, Prof. Fritz Kauffmann und Prof. Kurt Schubert als Vorstandsmitglieder teil- nahmen. Die beiden Vorsitzenden des „Reichsver- bandeS". der Komponist Arnold Ebel und die Seminarleiterin Maria ßeo, unter deren Leitung die bedeutsame Tagung einen glänzenden Verlauf nahm, wurden einstimmig wiedergewählt, ebenso wie der geschäftsführende Vorsitzende Willy Rott und die übrigen Mitglieder des Vorstandes. Die Tagung erledigte wichtige soziale und pädagogische Derufsfragen und beschäftigte sich eingehend mit dem „Preußischen Erlaß" über den Privat-Musikunterricht. dessen Wert und Bedeutung auch jetzt wieder anerkannt wurde, für den aber vom Kultusminister in einer dringenden Resolution noch notwendige Ausführungsbestimmungen verlangt wurden. Die eindrucksvollen Konzerte der „Festlichen Tagung" standen unter der mustergültigen Leitung des Hallischen Generalmusikdirektors Erich Band, der neben wertvollen Werken von Georg Schumann, Waldemar v. Daußnern, E. R. v. Reznicek einem neuen Orchesterwerk „In memoria m“ des jugendlichen Komponisten H. Rehan und einem „Symvhoni- schen Prolog" von Eduard Behm zum Erfolge verhalf. Ramhaste Solisten, wie Prof. Albert Fischer, Julius Weismann (der ein vorzügliches eigenes Klavierkonzert spielte), Prof. Dr. H. I. Moser, Stefan Frenkel und ein Berliner Klavierquintett mit Georg K n i e st e d t und Josef Schwarz machten sich um neue Werke von Hugo Kann, Phllippine Schick, Gustav Geierhaas, Kurt Weill, Eberhard Wenzel, Paul Klehki und Felix Woyrsch verdient.
Aus aller Welt.
Der Siegeszug des Kinos.
In dem vergangenen Vierteljahrhundert hat das Kino eine Entwicklung sondergleichen genommen. Es ist heute das Dergnügungs- und auch Dildungsmittel fast aller Bevölkerungsschichten geworden Rach den Wanderkinos setzte 1900 in Würzburg und Hamburg die Gründung der ersten ständigen Kinos ein. Im Jahre 1913 gab es in Deutschland bereits 2370 Kinos, im In- flationsjahr 1923 erreichte die Zahl ihren Höchststand mit 4017, um 1925 auf 3600 herabzusinken. Im gleichen Jahre kamen auf 1 Million Einwohner 58 Kinos, oder au f 17 000 Einwohner ein Kino. Mit der Zahl wuchs auch die Größe. Während 1910 die vorhandenen 1000 Lichtspieltheater im ganzen 200 000 Sitzplätze — durchschnittlich 200 pro Kino — aufwiesen, betrug 1925 die Gesamtplatzzahl der 3600 Kinos 1 275 000 (durchschnittlich 355 Plätze pro Kino). Heute kommt -aus jeden 4 9. Einwohner ein Sitzplatz. Die Annahme, daß die Großstädte verhältnismäßig die meisten Kinos hätten, trifft nicht zu, vielmehr besitzen sie entsprechend der Devölkerungszahl etwa ein Viertel. Während die rheinischen Industriestädte auffallend wenig Theater aufweisen, sind andere wie Hannover, Mannheim und insbesondere Aviesbaden sehr gut versorgt. Die Höchstzahl der auf 1000 Einwohner entfallenden Sitzplätze im Reich weist Wiesbaden mit 38 (insgesamt 3900 Sitzplätze) auf. Es folgen Berlin, mit 31 (124 000), Mannheim mit 25 (6100), Frankfurt mit 21 (9700), Mainz mit 21 (2300), Karlsruhe mit 19 (2700), Köln mit 18 (13 400), Nürnberg mit 18 (6900), Stuttgart mit 18 (6200), Kassel mit 17 (2900), Aachen mit 14 (2200) und Ludwigshafen mit 13 (1300). Auf dem Kontinent weist Deutschland die größte Zahl der Kinoplähe mit 21 auf. Es wird sonst nur von England (26) und besonders Amerika (77) übertroffen.
Der Weltbeftand an Kraftwagen.
Die Produktion an Kraftwagen (Personen- und Lastkraftwagen) hat in der Rachkriegszeit eine unerhörte Steigerung erfahren. Den Rekord stellt Amerika mit 20 Millionen Kraftwagen. In weitem Abstand folgen dann die andern Länder, Großbritannien mit 900 000, Frankreich mit 735 000, Canada 720000, Deutschland 296000, Australien 291 000, Argentin.ien 178 000. Die europäischen Länder gruppieren sich in folgender Reihe: Italien 178 000, Belgien 93-000, Schweden 93 000, Spanien 82 000, Riederlande 56000, Schweiz 38000. In dem Verhältnis des Bestandes zur Einwohnerzahl ergibt sich eine zum Teil völlig andere Reihenfolge, wobei Deutschland wesentlich ungünstiger abschneidet. Amerika steht naturgemäß an erster Stelle. Auf einen Wagen entfallen in Amerika 6 Einwohner, in Canada 12, Reuseeland 13, Australien 20, Großbritannien 49, Dänemark 51, Frankreich 54, Argentinien 54. Rach Schweden (74), Belgien (82), Schweiz (102) und Holland (121) folgt in weitem Wstand an viertletzter Stelle in der Welt Deuts ch - land mit 211 Einwohnern auf einen Kraftwagen. Weniger weisen in Europa lediglich Spanien (286) und Italien (346) auf. Bei dieser Aufstellung ist dabei die Bevölkerungsdichte und die Dichte des Eisenbahnnetzes zu berücksichtigen, die beispielsweise für Argentinien und Deutschland das umgekehrte Verhältnis zeigt.
Sturm und Schnee in Frankreich und England.
Längs der französischen Küste, am Kanal und am atlantischen Ozean, herrschen seit Montag Stürme, verbunden mit einer starken Abkühlung. Besonders bei B r e st wüteten Stürme bis ins Innere des Landes hinein. In der Rächt zum Montag wurde hie für diese Jahreszeit besonders niedrige Temperatur von minus 7 Grad Celsius festgestellt. In höher gelegenen Gegenden ist bereits Schnee gefallen. Auch in London fiel Montag der erste Schnee. S ch ot t l a n d wurde von schweren Sturmwettern heimgesucht. In verschiedenen Teilen Schottlands tum es auch zu Gewittern.
Unwetter auch in Italien.
Schwere Hnwetter haben in den letzten Tagen besonders an der Westküste Italiens großen Schaden angerichtet. Die Hafenanlagen in Via- reggto, Livorno. Triest wurden von den Sturmwellen überflutet. In Venedig standen der Markusplah und alle tiefer gelegenen Punkte bis Mittwoch unter Wasser. Der neue italienische Panzerkreuzer „Triefte", der Sonntag in Triest vom Stapel gelassen worden war, wurde durch das Hnwetter so gefährdet, daß er von Schleppern in Sicherheit gebracht werden mußte. In C a p r i wurde am Samstag eine Deutsche vor den Augen ihres Gatten ins Meer gerissen und ertrank.
Schwere Unwetter in den vereinigten Staaten.
Die Staaten Neuyork, Neu-Jersy, Pennsyl- vanien, Massachusetts und Rhodeisland wurden von ortanartigen Stürmen heimgesucht. In der Nähe
von Neuyork wurden drei Personen getötet und viele durch herabfallende Fensterscheiben verletzt. In über 20 Städten wurde beträchtlicher Sachschaden angerichtet. Der Wind erreichte eine Ge- scywindigkeit von 75 Meilen. Der Verkehr im Hafen von Neuyork wurde lahmgelegt.
600 Tote auf Kuba.
Die Zahl der bei dem Wirbelsturm in der vergangenen Woche ums Leben gekommenen Menschen beläuft sich nach einer nunmehr eingegangenen amtlichen Statistik auf 600. Die Zahl der Ver- letzten beträgt 9000 und die Zahl der Obdachlosen 6000.
Einsturz einer Rutschbahn.
In Freiburg im Dreisgau wurde am Montagabend durch einen plötzlich auf getretenen Sturm auf dem Mchplatz die Rutschbahn zum Einsturz gebracht. Dabei kam ein Student ums Leben. Ein 12jähriger Knabe erlitt einen Schädelb ruch und dürfte kaum mit dem Leben davonkornrnen. Außerdem wurden ein weiteres Kind schwer und drei Personen leicht verletzt.
Gras Luckner in Neuyork.
Der durch seine kühnen Kreuzerfahrten im Weltkrieg bekannte Graf Luckner ist auf feiner Weltumfeglung in Reuyork angekommen, wo ihm zu Ehren ein Deutscher Tag veranstaltet wurde, der glänzend verlief. Graf Luckner wurde überall mit großer Begeisterung begrüßt, besonders als er in seiner Rede erklärte, daß er Amerika sehr genau kenne, denn er habe hier vor 26 Jahren Kuhställe ausgemistet und Türklinken geputzt. Großen Beifall erntete er auch, als er ausführte, daß er der Welt bewiesen habe, wie man Krieg führen könne, ohne dabei Menschen zu töten. Verschiedene hohe Vertreter der amerikanischen Marine und des Heeres waren erschienen, um den auch in Amerika wohlbekannten Seehelden zu begrüßen. Der Oberbürgermeister Walker pries den Anteil der Deutschen am Aufbau Amerikas. Die Feier, die mit dem Deutschlandlied eingeleitet und auch mit diesem Liede geschlossen wurde, verlief außerordentlich eindrucksvoll.
Tödlicher Absturz im Wettersleingebirge.
Der Münchener Hochalpinist Sattler ist im Wettersteingebirge tödlich abgestürzt. Die Leiche wurde geborgen und dabei auck die Leiche des seit dem 14. August vermißten Angestellten Brunner gefunden.
Gletschersturz im Zillertal.
Vom Großen ©reiner ist ein riefens Hafter Gletscherabsturz, der sich über eine Breite von 300 Metern erstreckt, erfolgt. Der Talabschluh liegt voll Eismassen. Im hintersten Zemmtal ist infolge des Gletscherabsturzes eine große E i s° latoine niedergegangen.
Flugzeugunglück.
Im Altvatergebirge, einem Ausläufer der Sudeten, stürzte ein Flugzeug der von einer französischen Gesellschaft betriebenen Linie Paris—Bukarest ab. Der Pilot war sofort tot. Einem anderen Franzosen, der als Fahrgast mitreifte, mußte ein Bein amputiert werden.
Ein neuer Flugzeugrekord.
Ein französisches Flugzeug hat die Sttecke Algier — Marseille in 4x/2 Stunden zurückgelegt und damit sämtliche Heberquerungsrekorde geschlagen. Trotz starken Windes konnte d^ls um 7.30 Hhr gestartete Flugzeug bereits um 12 Hhr mittags in Merignan bei Marseille landen.
Drei Wochen Gefängnis wegen Gotteslästerung.
Im Feuilleton der Münchener „Arbeiter- Zeitung" war von dem Schriftleiter ein von Katt Zuck m eher verfaßtes Gedicht wieder- gegeben, das eine Stelle enthielt, die zur Erhebung der Anklage wegen Gotteslästerung gegen den verantwortlichen Schriftleiter Karl R i k o 1 a u s führte. Rikolaus wurde vom Schwurgericht zu drei Wochen Gefängnis verurteilt. ,
Zuchthaus für einen Eisenbahnaklentäter.
Das Hirschberger Schöffengericht Derurt eilte den Landarbeiter Alfred G r ä b e l wegen vorsätzlicher Gefährdung eines Eisenbahntransports zu iy8 Jahren Zuchthaus. Gräbel hatte einige Wochen nach dem Leiferder Eisenbahnunglück auf der Strecke Petersdorf—Schreib erhau einen schw eren Felsblock auf die Gleise gewälzt und sich in unmittelbarer Rahe hinter einem Strauch verborgen, um den Erfolg seiner Tat zu sehen. Er wurde entdeckt und gab an, er habe den Felsblock auf die Schienen gewälzt, um einmal ein richtiges Eisenbahnunglück zu sehen.
Schreckenstat eines Geisteskranken.
Der geisteskranke 20jährige Schlosser Hoffmann aus Tittmoning (Oberbayern) erlitt bei seiner Heberführung in die dortige Krankenanstalt einen Lobsuchtsanfall. Er schlug eine alte Frau zu Boden und warf einen 79 Jahre alten Invalidenrentner über das Geländer eines Steges in einen sieben Meter tiefen Graben. Der Rentner starb kurz darauf an den schweren Verletzungen. Der Tobsüchtige konnte schließlich überwältigt werden.
Lin Betrüger.
Ein durch seine auffallende Reklame bekannt gewordener Berliner Grundstückmäkler Meyer- seid ist wegen vielfacher Betrügereien verhaftet worden. M., der zum Teil geständig ist, wird beschuldigt, in verschiedenen Fällen Anzahlungen auf Grundstücke entgegengenommen zu haben, die ihm gar nicht gehörten und mit deren Verkauf er auch nicht beauftragt war. Ferner hat er Gelder nicht an seine Auftraggeber abgeliefert, sondern sie für sich ober sein Geschäft verwendet. Auch eine Reihe von Berliner Ladengeschäften sind von M. geschädigt worden. So hat er wertvolle Pelze auf Kredit gekauft und sie sofort versetzt. Als er an die Zahlung gemahnt wurde, kaufte er Schmuck auf Kredit, verkaufte diesen und befriedigte mit dem Erlös den Pelzlieferanten. M. soll durch seine Spielleidenschaft auf die schiefe Ebene geraten sein. Die durch seine Betrügereien angerichteten Schäden sollen sich auf rund eine halbe Million belaufen.
Sechs Todesopfer eines Moskauer Hausbrandes.
In einer Vorstadt Moskaus brannten vier Häuser nieder. Sechs Personen kamen in den Flammen um. Etwa 100 Personen wurden obdachlos. Man vermutet Brandstiftung.
Wettern - ,5.
Nach Frostgefahr morgens stellenweise Nebel, tagsüber wolkig mit Aufklaren und geringem Temperaturanstieg, vorwiegend trocken.
Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 6,6 Gr. Celsius, Minimum: 2,6 Grad Celsius. Niederschläge: 5 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 5 Grad Celsius.
Aus der provinzialhauptftadt.
Gießen, den 26. Oktober 1926.
Ein Neformationsabend in Metzen.
Die evangelische Kirchengemeinde Gießen veranstaltete am Sonntagabend in der Johanneskirche einen Familienabeny, dessen Aufgabe im wesentlichen war, den Zuhörern einen Einblick in die geschichtlichen Zusammenhänge zu geben, die jetzt gerade vor 400 Jahren zur Einführung der Reformation in Hessen führt em
Die Veranstaltung wurde durch den Vortrag einer Orgelkympositton von Johann Sebastian Dach eingeleitet, den Organist Habicht mit gewohnter Meisterschaft barbot Hierauf fang der Kirchengesangverein unter der Leitung von Dr. Karl Roller das Lied „Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort", nach einer Vertonung auch von Johann Sebastian Dach: auch diese Darbietung zeugte von großer künstlerischer Vollendung.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand der Vortrag, den Geh. Kirchenrat Professor D. Dr. Krüg e r hielt. Der Vorttagende war gerade von der Jubiläumsfeier in Homberg an der Esze zu- rückgekommen und leitete seine Ausführungen ein, indem er von dem tiefen ©inbrude redete, den die Feier in der kleinen, kaum 4000 Einwohner zählenden Stadt auf ihn gemacht hatte. An dieser Feier waren fünf deutsche evangelische Landeskirchen beteiligt, nämlich Hessen-Kassel, Hessen-Darmstadt, Rassau, Frankfurt o. M. und Waldeck, während es sich bei der Reformation des Jahres 1526 um ein einziges Territorium handelte: somit stellen diese fünf Landeskirchen Telle einer früheren Gefamtkirche dar. Demgemäß betonten bei der Hornberger Feier auch die Vertreter der Kirche des Dollsstaates Hessen, Prälat Diehl und Geheimrat Krüger, daß diese Kirche mit gutem Rechte an der Jubiläumsfeier tellnehme und nicht etwa hinter den kurhessischen Wagen gespannt sei. Bei der Erörterung der hier in Betracht kommenden Zusammenhänge muh man zwischen einer evangelischen Bewegung und einer Reformation unterscheiden. Die Gedanken einet Reformation der Kirche waren schon feit einem Jahrhundert und länger, ehe Martin Luther auftrat, regsam, die evangelische Bewegung zeigte sich seit 1517 an verschiedenen Orten; so gab es in Mainz, WormS und Alsfeld in der ersten Zeit nach 1517 unter dem Volke eine lebhafte Richtung nach dem Evangelium hin. Von d'eser Bergung wurde der junge Landgraf Philipp, der sich hn Anfang Luther gegenüber ablehnend verhalten hatte, ergriffen, er las eifrig in der von Luther verdeutschten Bibel und hatte, wie das seine Briefe an seinen Schwiegervater, den Herzog Georg von Sachsen beweisen, großes Verständnis für die Ideen des Wittenberger Reformators. So kam er, gestützt auf den Beschluß d-s Reichstages zu Speier von 1526, wonach den Reichsständen in Sachen der Kirche freie Hand gegeben wurde, auf den Gedanken, in seinem Lande die Reformation einzuführen. Lambert von Avignon, ein früherer Franziskaner, verteidigte auf der Synode von Homberg 158 Sätze, die der Marburger Mönch Riklaus Ferber vergebens zu bestreiten suchte. In Homberg kam allerdings fein eigentlicher Beschluß zustande, die Hornberger Kirchen- orbnung ist niemals verwirklich worden, weil auch Luther sie ausdrücklich ablehnte. Hrrter der Oberleitung des Landgrafen dagegsn wurde durch hervorragende Theologen, wie den Marburger Adam Kraft, die Reuordnung des Kirchenwesens durchgeführt. Man verstand es, den bischöflichen Gedanken, der in der Einsetzung von 6 Superintendenten zum Ausdruck kam, mit dem presbiVerialen Gedanken, der die Laienwelt in starkem Maße zur Mitarbeit an der Kirche heranzog, glücklich zu verbinden. Hessen ist das Land, das am ersten die Konfirmation eingeführt hat. Mit den Wiedertäufern, die in den Jahren nach 1526 fid| stark regten, ist die hessische Kirche Wig geworden. Philipp war in kirchlichen Dingen ckn Mann des Friedens, so suchte er stets, zwischen Luther und Zwingli, Yen Wittenbergern und den Oberdeutschen zu vermitteln, seine Meinung war, daß man sich wegen der Lehre über das Ab*.1>nahl nicht trennen solle. Die Meinung des Landgrafen in dieser Beziehung wird am besten durch das Wort eines hessischen Pfarrers aus dieser Zeit wiedergegeben, der sagte, er wolle kein Lutheraner und kein Zwinglianer, sondern einfach ein Christ sein.
An den eindrucksvollen Vorttag schl»ssen sich wieder Darbietungen des Kirchengesangvereins und des Organisten an, zum Schluß sang die Gemeinde den letzten Vers aus dem Liede „Ein feste Burg ist unser Gott".
Die eigentlichen gottesdienstlichen Feiern, die sich auf die Einführung der Refor- matton in Hessen beziehen, sollen am nächsten Sonntag stattftnden, die Vorbereitungen wegen Pflanzung einer Reformationslinde sind im Gange.
Gießener WochenmarkIPreise.
Es kostete auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 160 bis 180 Pfennig, Matte 35, Käse (10 Stück) 60 bis 150, Wirsing 6 bis 8, Weißkraut 3 bis 5, Rotkraut 8 bis 12, gelbe Rüben 8 bis 12, rote Rüben 10, Spinat 20 bis 25, Hnterkohlrabi 4 bis 8, Erbsen 35, Grünkohl 15 bis 20, Rosenkohl 40 bis 50, Feldsalat 100, Tomaten 25 bis 35, Zwiebeln 8 bis 12, Meerrettich 35 bis 100, Schwarzwurzeln 40 bis 50, Kürbis 6, Kartoffeln 5, Aepfel 15 bis 35, Dirnen 10 bis 15, Rüsse 80, junge Hahnen 110, Suppenhühner 110, Gänse 80 bis 100: das Stück: Eier 15 bis 18, Blumenkohl 30 bis 150, Endivien 8 bis 20, Oberkohlrabi 5 bis 12, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 20, Sellerie 20 bis 50.
Bornotizen.
— Tages kalender f ü r Dienstag. Stadtthealer: V/i Hhr „Ei., Walzertrauin" (Ende gegen 10 Hhr). — Volkshochschule: 8 Hhr Kurse. — Verein für Krankenpflege: 8Vs Hhr „Hessischer Hof" Generalversammlung. — Gewerbe-Verein: 87i Hhr: Mitgliederversammlung im Gewerbe- Haus. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Wir sind vom K. und K. Infanterie-Regiment". — Astoria- Lichtspiele: „Die Dluthochzeit".
— Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Zu der morgigen Erstaufführung der Charc^terkomödie „Der alte Sektor“ hat der Verfasser Dr. Hans G e i s o w seinen Besuch angemeldet.


