bs. Aus der nördlichen Wetterau, 24. April. Schon jetzt läßt sich der F r u ch t o n s a tz bei dem Steinobst übersehen. Die Frühkirschen, die schon vor der Frostperiohe obgeblüht hotten, zeigen sehr guten Ansatz, teilweise haben die Früchte ichon die Grütze einer Johannisbeere. Sehr verschieden sind die Ernteaussichten bei den Spät- tirschen. Diejenigen Bäume, die gerade in jenen Frosttagen mit 4—5 Grad unter Null in Bollblüte standen, zeigen einen lückenhaften Behang, besonders in Tieslagen. Das übrige Steinobst hat weder durch Frost noch durch die Regenschauer gelitten und verspricht gute Aussichten. — Unsere Bauersleute sind eben am Kartoffel st ecken. Allenthalben wird der Kartoffelbau eingeschränkt, da jetzt noch viele Äartoffelbauern große Mengen Kartoffeln liegen haben untr nicht die geringste Nachfrage vorhanden ist. Es ist damit zu rechnen, daß Hunderte von Zentnern umkommen. Fast in jedem Dorfe werden dieses Jahr mehr Zuckerrüben angebaut. Wenn auch der Preis der Rüben der neuen Ernte zurückgegangen ist, so kann der Bauersmann doch mit einem sicheren Absatz rechnen und hat noch den Vorteil, doh er das Saatgut unentgeltlich von der Zuckerfabrik erhält.
Alrciä Friedberg
X Friedberg, 24. April. In vorbildlicher Weise wird im Eisenbahnoerein Friedberg, dem mehrere Hundert Eisenbahner vom höchsten Beamten bis zum einfachsten Arbeiter angehören, der Geist der Zusammengehörigkeit gepflegt. Im Winter geschieht es durch die Familienfeiern, deren zwei als wohlgelungene große Veranstaltungen in Bad-Nau- heim stattsinden mutzten, weil es hier an einem geeigneten Saal fehlt; im Sommer sind gemeinsame größere Ausflüge geplant. Diese sollen in diesem Jahre an den Rhein führen. — Größere B e - triebsbauten sollen noch im Laufe dieses Jahres im Bereiche des hiesigen Bahnhofes aus- geführt werden.
pb. Butzbach, 24. April Die gestrige Stadtverordnetensihung war dank der Redesreudigkeit des Kommunisten Oppenheimer und eines Teil- der Linken wieder mal eine Dauersitzung, denn sie zog sich von 7 bis 11 Ahr hinaus. Obwohl die 14 Punkte der Tagesordnung eingeherck» in den Ausschüssen durchberaten und gutgeheißen waren, konnten es sich einzelne Stadtverordnete nicht verkneifen, ihr Redetalent im Plenum nochmals vor dem schwach- besetzten Zuhörerraum darzutun. Bürgermeister Dr. Jansen ersuchte deshalb mit Recht die einzelnen Parteien, doch in Zrckunft besser zu- zusammenzuarbeiten. 11. a. wurden mehrere Erwerbungen von Straßengelände beschlossen. Die Eheleute Karl Martens haben Auswertung und Rückzahlung des der Stadt in den Jahren 1921 22 gewährten Darlehens in Höhe von 400 000 Papiermark, umgerechnet gleich 9100 Reichsmark bzw. Goldmark beantragt. Mit den Vorgenannten ist ein Vertrag abgeschlossen, wonach sie monatlich ab 1. April 100 Mark bis zur Erreichung der Summe von 9100 Mark ausgezahlt erhalten. Aus Zinsen wird verzichtet. Die Versammlung genehmigte den Vertrag. -- Durch Entscheid des Kreisausschusses ist die Stadt wegen zu geringer Anzahl von Zuchtschweinen von der Eberhaltung entbunden worden. Die Stadt hat aber mit der Gemeinde Riederweisel einen Vertrag geschlossen. wonach diese sich verpflichtet, Zucht- jchweine Butzbacher Landwirte durch deren Eber Liefen zu lassen. Der Vertrag wurde genehmigt.
Für die Wiederbeschaffung der gröl' e n Glocke bewilligte die Versammlung einen Beitrag von 1500 Mark, wovon Die Hälfte durch den Kugelhaussonds zurückerstattet wird. — Die Erbauung eines Hauses von 4 Wohnungen mit Hilfe von Zuschüssen von Reich und Staat wurde genehmigt. Drei Wohnungen sind sür Reichsbeamte bestimmt, eine steht Der Stadt zur Verfügung. Die Baukosten betragen 57 000 Mark. Der nach Abzug der Reichs- und Staatsdarlehen iir Höhe von 47 000 Mark noch verbleibende Restbetrag der Bausumme von 10 000 Mark wird durch Kapitalaufnahme gedeckt.
Am Schlüsse der öffentlichen Sitzung wurde folgende Entschließung gefaßt: ..Die Stadt- verordneten-Dersammlung nimmt mit Bedauern Kenntnis vom Lehrkräfte-Abbau an Der Stadtschule, wodurch in Zukunft auf einen ßej>rcr bis zu 53 Schüler kommen. Sie beauftragt Den Bürgermeister, bei der Regierung dahin vorstellig zu werden, daß in Butzbach vorläufig nur ein Lchrer abgebaut wird, weil die räumlichen Verhältnisse dazu zwingen." In nichtöffentlicher
was nicht leicht war wegen des Splitters im Daumen — das wichtige Knöpfchen — lind die brave alte Tante tat fünf schwirrende Seufzerchen, die kein Mensch außer Subaqua hörte, erledigte alles übrige in einem hinsterbenden Liliputgerassel und war endgültig tot.
Der Doktor sab ein, daß er sie wohl tödlich überanstrengt hatte, aber Glas — yeiles Glas besaß sie immer noch! Er kam nicht los von der Vorstellung, nur mittels Glases die so dringend nötige Mitternachtsstunde verkünden zu können.
Ganz wie im Anfang mit Feile und Römer stand er nun mit Uhr und Hausschlüssel und hoffte sich noch gerettet. Welch leerer Wahn! Auf den ersten Hieb zerplatzte und zerfiel alles, bis tief ins Zifferblatt hinein. Die Zeiger flatterten weg, der Bügel brach — und die restlose Vernichtung eines komplizierten Werkes war das erstaunliche Ergebnis einer halben Minute, ohne daß Narzissa und Colombo Gewinn davon gehabt hätten.
Subaqua kam nun doch ab vom gläsernen Klang. Am Ende ging es anders? Er entsann sich eines Mannes — eines Mannes unter feinen Theaterarbeitern — aber wo war er? „Holen Sie mir den Mollweich schleunigst!" raunte er dem Nächsten zu.
Die Kollegen, als Schadenfreude schal zu werden anfing, wollten auch nicht länger müßig bleiben. Der Komiker Gluth — ganz ernst — erbot sich, bim, bim, bim zu machen — zwölfmal, ohne Extragage; ein gefangenes Bimbimbim, nach Wunsch metallisch, Denn er habe Gold in der Kehle. — Ein anderer flüsterte, er könne so die Backen anfpannen, dah man auf ihnen mit geschnelltem Zeigefinger hohle Töne immerhin eines Schauerglöckchens zuwege bringen könne.
Subaqua lehnte mit zuckender Unterlippe, den ©lasfplitterbaumen verneinend schüttelnd, solche Vorschläge ab und faßte neuen Mut, denn der gefundene Mollweich auf Filzschuhen schlich vor ihn hin. Mit dem Manne stand es so, daß er einst infolge eines Unfalles ein Stück feines Schädelgewölbes eingebüßt hatte; das fehlende beinerne Segment war seinerzeit durch eine Silberplatte ersetzt worden. Auf sie baute der von feinen Nölen schwer belastete Inspizient einen verwegenen Plan.
Das heißt, er baute nicht viel, er war schon fertig mit einem überhitzten Entschluß, befahl dem untergebenen Mollweich stramm zu stehen, raffte
Sitzung wurde bann nod) eine Personalangelegenheit behandelt. — In der Stadtschule sind neu ein getreten 92 Kinder, in die Oberreal- s chu l e 31. Abgebaut sind an ersterer bis jetzt zwei Lehrkräfte, wegen Abbau Der dritten Kraft steht noch Entscheid aus, an letzterer zwei Lehrkräfte — Die Rotstandsarbeiten, für die 6000 Mark bewilligt worden waren, lind soweit erledigt. Es wurden sämlliche Feldwege in der Gemartung gründlich wieder in Ordnung gebracht, die verschlamm len Wassergräben ausgehoben usw. Weiter ließ die Stadl die Spazierwege und im Zipse:.teald den arg verwahrlosten Bi-marckhain wieder Herrichten, an der Kirck>gasse wurde ein Kinderspielplatz hergestellt, der sich dauernder Benutzung erfreut. Zwei Müllabsuhrplätze an der 3t Inlaute und am Gambacher Weg wurden planiert und urbar gemacht, um sie im Herbst mit Obflbäumen bepflanzen zu können. Ferner ließ die Stadt Den brach liegenden Rafenstveifen am Wald zwischen Lachenweg und Cbersgönser Weg mit 7000 Tannenbäumen bepflanzen.
Z Steinfurth, 24. April. Die verflossene Woche brachte uuserem Ort eine wohlgelungene Werbeoeranstaltung, die viel Anklang sand und das Interesse für die Leibesübungen stark belebt hat. Veranstalter war der Turnverein 1860 Bad-Nauheim, dessen Abteilungen unter Leitung von Turnlehrer W. Lehmann das deutsche Turnen in seiner Vielgestaltigkeit zeigten und die Ueberzeugung auftommen ließen, daß auch die deutsche Turnerei auf neuen Bahnen wandelt und nicht in alten Formen stecken bleibt. Neben den Hebungen an den Geräten sand die Körperkultur ihren höchsten Ausdruck in den Sportfreiübungen der Turner und den rhythmischen Turnübungen der Turnerinnett. Dankbar wurden auch die Darbietungen der von Lehrer Diehl geleiteten Gesangsabteilung des Gastoereins aufgenommen. Der große Hengstfche Saal war gefüllt, auch viele Bad-Nauheimer Besucher waren anwesend.
CO Nieder-Flor st adt, 24. April. In gemeinsamer Sitzung des Gemeinderats #nh des Schulvorstandes wurde beschlossen, die Knaben- fortdildungsschule auch im Sommer zu halten. Auch das dritte Mädchenfortbildungsschuljahr soll durchgeftihrt werden, aber nur unter der Bedingung, daß auch die Mädchenfortbildungsschule das ganze Jahr durchgehalten wird. Halbjahreskurse hält man nicht für zweckentsprechend. Die sechs Handarbeitsstunden in den oberen Dolkssch ulklassen, die mit dem neuen Schuljahr eine technische Lehrerin übernommen hatte, sollen im Falle der Durchführung der Mädchenfortbildungsschule wieder der Handarbeitslehrerin, einer Kriegerwitwe, zurückgegeben werden. Der Abbau einer Schulstelle, der sich bei den hiesigen Schulverhältnissen sehr ungünstig auswirkt, wurde sehr bedauert.
<£ Vom hessischen Taunus, 24. April. Während einige Wildarten, die man gern geschont sehen würde, immer seltener werden, haben die Wildschweine seit dem Kriege in einer Zahl zugenommen, die sich immer bedenklicher auswirkt. Nicht nur die Gemarkungen am Hausberg haben Darunter zu leiden gehabt und noch jetzt zu leiden, auch in der Mörler Mark verbreiten sie sich immer stärker, wobei ihnen der Umstand sehr zustatten kommt, daß zur Zeit im Ober-Mörler Wald die Jagd nicht ausgeübt wird. Die Jagd ist wohl verpachtet, der Vertrag aber noch nicht genehmigt worden. Die Schwarzkittel haben in den jungen Waldkulturen großen Schaden angerichtet und suchen auch die angrenzenden Felder fortgesetzt heim. — An den Berghängen blüht seit acht lagen bereits der G i n st e r, der sonst erst von Mitte Mai ab sein herrliches Gelb über Die HalDen ausbreitet. Ein ent- zückenDer 'Anblick bietet sich Dem Auge Des Naturfreundes, und mancher Ginsterstrauß wandert jetzt als besonderer Zimmerschmuck in die Blumenoasen.
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!! Büdingen. 24. April. Der Gemeinderat übertrug die jetzt in Angriff zu nehmenden Pflastererarbeiten in der Hindenburgstraße, dem Aeuen Weg und Der Düdelsheimerstraße den Firmen Zipf (Gelnhausen) und Lux (Rieder-Florstadt) unter der Bedingung, daß als ungelernte Arbeiter nur Düdinger Arbeiter beschäftigt werden dürfen. Die Pflastersteine werden von verschiedenen Firmen bezogen. — Das neue Kreisamtsgebäude wurde am Mittwoch in Betrieb genommen. In dem alten Kreisamtsgebäude ist zur Zeit die Schädlingsbekämpfungsstelle Frankfurt a. M. damit beschäftigt, die Vorbereitungen für die Vergasung des Messingkäfers zu
Den Holzklöppel, Der noch neben Dem Servierbrett lag, vom BoDen auf unD Hopfte Mollweichen Dort aufs Dach, wo eine beträchtlich enthaarte Stelle Die Silberplatte anzeigte. Nein, er schlug gar nicht hart zu. Das Erlebnis mit seiner Taschenuhr war ihm noch frisch in Erinnerung, er rührte Den Klöppel menschlich unD sanft, rückte Mollweich noch an Die RupfenwanD und betrommelte ihn schier zärtlich. — Durchaus verkehrte Maßnahme! Neben vielem, was er nicht wußte, wußte er augenscheinlich auch Dieses nicht, Daß Gehirnpartien, wie Die, Die er gerade mißbrauchte, ganz bejonDers empfinDlich sinD. Zudem schien er von sich aus auf Mollweich zu schließen, denn woher und wieso hoffte er auf Resonanz, die hier doch einen Hohlraum erfordert. Unnötig, weiter darüber zu reden. Jedenfalls fiel Mollweich gleich unter Dem ersten Klöppelgruß lautlos zusammen wie ein Ochs im Schlachthaus unter dem Stirnschuß, und mußte betäubt von drohend murrenden Genossen den Wiederbelebungsmanövern des Theaterarztes entgegengetragen werden.
Von den beiden Schauspielern auf der Bühne war mittlerweile ein stationärer Zustand geschaffen worden, indem Narzissa sich in eine wohltuende Ohnmacht begeben hatte, deren Echtheit nicht einmal ganz von der Hand zu weisen war, und Colombo neben ihr kauerte und unermüdlich Pulse fühlte, Knöpfe öffnete, sorgenvoll Das Haupt schüttelte unD auf jeDe Weife sich an Die letzten Möglichkeiten stummen Spieles klammerte.
Schließlich beDauerten Doch Die Kollegen hinter Der Bühn^ jene auf ihr unD beschlossen ernsthaft, einzugreifen. „Laßt mich machen!" rief Der Komiker geDämpft, und plötzlich hatte er eines Der verbotenen Biergläser in Händen. Es war noch halb voll; er goß es im Bogen hurtig in sich hinein, zog feine Stummelpfeife unD begann entschlossen. Die Uhr schlagen zu lassen.
Unglücklicherweise verfiel auf Den Gedanken eigenmächtigen Handelns gleichzeitig ein zweiter Schauspieler, Der mit Hilfe eines Medizinfläschchens — er litt an Heiserkeit unD nahm stündlich Tröpfchen — und seines pochenden Siegelringes Uhren- schlagen markierte.
So klangen plötzlich Bierglas und Pfeife durcheinander mit Fläschchen und Siegelring, und es war für Die Zuschauer Drunten so, als habe sich irgendwo unsichtbar eine emsige kleine Schmiede aufgetan.
treffen. Alle Fenster und Türen werden abge- Dicbtct und die Akten auseinandergelegl; letzteres geschieht, um den Zutritt des Gases in Die Aktensaszikel zu erleichtern. — Das hiesige Wo!sgang - E r n st - Gymnasium, das seit Ostern b I. wieder zu einer humanistüchen Lehranstalt umgebildet wurde, naym in die Sexta 22 Knaben und 2 Mädchen aus.
/ Ridda. 24. April. Der hiesige Schutzen- verein hat bei seinen Schiehständen aus dem Kiffelberg ein schönes Schühenhaus erbauen lassen, das wegen feiner eigenartigen Bauart sehensteer! ist. Die Wände des einstöckigen Hauses sind nämlich aus lauter wagerecht auseinanderliegenden, unbehauenen Baumstämmen aufgeführt. Rur die Flächen, womit die einzelnen Stämme auf einanherliegen, ’inb geglättet, damit keine großen Ritzen bleiben. Der Bau ähnelt einer altgermanischen Wohnung, oder einem im Innern Amerikas stehenden Blockhaus. Jedensalis ist aber der Bau kehr massiv und dauerhaft und kann Regen und Sturm, denen er auf dem freien, hohen Standort stark ausgesetzt ist, viele Jahre widerstehen.
y. Bad-Salzhausen. 25. April. Für die Feldbereinigung unserer Gemarkung haben sich von den 132 Grundbefitzern mehr als ein Fünftel durch Unterschriften ausgesprochen, so daß nun die Einleitung des Verfahrens in Kürze beginnen soll. In Michelnau ist das Feldbereinigungsverfahren so weit gediehen, dah bereits Termin einer Versammlung bestimmt ist, worin die beteiligten Grundeigentümer über die Aufbringung der Kosten zu beschließen haben und Wünsche und Anträge vorbringen können. Weiter sollen zwei einheimische Sachverständigen und zwei Schiedsrichter und deren Stellvertreter gewählt werden. Man hofft, dah durch die Feldbeieini- gungsarbeiten vielen Erwerbslosen Arbeitsgelegenheit geboten wird.
h. Aus dem mittleren Riddatal, 25. April. In einigen Gemeinden unserer Gegend herrscht gegenwärtig die Grippe sehr stark. Besonders werden Leute mittleren Alters davon heimgesucht. Auch treten unter den Kindern wieder Fälle von Scharlach auf, die aber zum Glück bis jetzt gutartig verlaufen
bs. Unter-WiDdersheim, 24. April. Mit Der. kommissarischen Verwaltung unserer erledigten S d) u l ft e (l e ist Lehrer Hassinger von Helpershain beauftragt worden. Infolge Abbaus einer Stelle und Aufhebung einer hauptamtlichen Fortbil- Dungsfchullehrerstelle konnte er bereits überziehen. Der bereits ernannte Schulverwalter D ö p p, seither in Unterfdjmitten, wurde zum Gehilfen des erkrankten Lehrers Henrich in Borsdorf ernannt.
Kreis -Llssc!d.
ck. W e 11 f a a f e n , 24. April. Infolge des Schulabbaus schied der Schulverwalter R a tz von hier, Der feit Mitte Dezember 1925 in unserem Orte wirkte. Trotz Der Kürze her Zeit hat er sich starke Sympathien der Einwohnerschaft erworben, Die sein Scheiden lebhaft bedauert.
A u s d e m O h m t a l, 4. April. In unserer Gegend nimmt die Zigeunerplage in letzter Zeit stark zu. Während die Weiber mit ihrem anhaltenden Betteln die ländliche Bevölkerung belästigen, treiben Die Männer in Den Jagdbezirken und in Fischereirevieren ihr Unwesen. Es erscheint sehr angebracht, daß die Behörden energische Maßnahmen ergreifen, um dem Zigeuneroolk Das Handwerk zu legen.
MS? Burg-Gemünden, 24. April. Bei Der heutigen Holzversteigerung konnte ein kleiner Rückgang her P r eis e verzeichnet werden. Es wurden bezahlt für 4 Meter Knüppel etwa 32 Mk., für 4 Meter Scheiter etwa 40 Mk.
(=) Groß-Felda, 24. April. Im hiesigen S t e i n b r u ch verunglückte der Einwohner Heinr. Schott V. von hier durch Absturz infolge Niederbruchs einer Basaltschicht. Der Mann erlitt einen schweren doppelten Beinbruch und mußte dem Krankenhaus in Alfseld zugeführt werden.
ärreis Lauterback.
L Grebenhain, 24. April. Einem dringenden Wunsche der Einwohnerschaft Rechnung tragend, ist jetzt die Wasserleitung bis zum F r i x d- hof verlängert worden. Allenthalben wird diese Maßnahme, durch die eine leichtere und bessere Pflege her Gräber möglich ist, sehr begrüßt.
Starkenburg.
Z Nauheim b. Groß-Gerau, 24. April. Unser Ort ist her Mittelpunkt her Spargelzucht
So flink hie zwei Hilfsbereiten zu hämmern, zu Hingen unb zu flirren begonnen hatten, ebenso erschreckt brachen sie wieher ab — um sich mit wilden Grimassen stumm darüber zu verständigen, wer denn nun ganz allein Glockenuhr fein dürfe
Die dort im Rampenlicht hatten aufgehorcht. 'Narzissa genoß jäh von ihrer Ohnmacht. „Ist mir's doch," sagte sie schwach, „als wollte die Turmuhr fern im Dorfe — sollte sie wirklich —?"
Aber da war alles schon wieder aus und jene sattsam bekannte Stille beherrschte abermals den fernsten Winkel des Hauses . . .
Nun hätte man ja vielleicht endlich als letztes (9eroaltm.ittel den Vorhang fallen lassen können, und eigentlich war Subaqua auch bereits entschlossen dazu. Aber der Entschluß war nicht zu verwirklichen; die Umstände wollten es doch, daß jedermann, einschließlich des Vorhangziehers, von Subaqua umhergeschickt, ununterbrochen auf her schleichenden Jagd nach einem Weinglas war.
Narzissa legte sich neuerdings lang hin, die Hand nm Herzchen, und Colombo nahm seine Knöpfungs- kunststücke wieder auf.
Subaqua sah's durch ein Loch im Rupfen, und da gab er, Lektor, Dramaturg und Regisseur, alles auf. Er tat nicht mehr mit; er wurde fahnenflüchtig unter dem gemurmelten Vorwand, der Glassplitter im Daumen unternehme eine so rapide unb besorg- liche Wanberung gegen bie Pulsader aufwärts, daß er sich sofort der Obhut eines Chirurgen anvertrauen müsse. Kurz: er verschwand.
Unnötig zu sagen, daß es bald darauf irgend jemanden gab, der es dreizehn schlagen ließ. Was übrigens nichr schadete, denn es war kein Mensch mehr im Theater anwesend. Die Besucher hatten sich längst entfernt: einige, als sie Narzissa für tot _unb Colombo für vom Wahnsinn umfangen hielten — bedenkliche Parallele, so empfanden die aufbrechenden Kritiker, zum Schluß der Ibsenschen „Ge- fpenfter" —; einige Diskrete, als sie Colombo an den Knöpfen beharrlich nesteln sahen unb nicht länger stören wollten; einige erst, die Ausdauerndsten, als der Klingklang der Schmiede hinter der Bühne anhub unb darauf deutete, daß man offenbar für heute abend ganz davon abgekommen sei, weiter Theater zu spielen. Zudem war es so — und das beleuchtet grell den Sinn des Publikums für die Kunst —, daß alle glaubten, bas Stück fei regulär zu Ende geführt.
im heffifchcn Ried. Dieser Tage wurde mit einer Rede des Bürgermeisters her erste diesjährige Markt eröffnet. Für 1. Sorte wurde 1 'HL für 2. Sorte 0,50 Mk. bezahlt. Der hiesige Markt wird aus der ganzen Gegend beichickt.
Preußen.
Oberlahnkreis.
Bermbach, 25. April Hier ereignete sich ein gräßlicher Unfall. Dem leider ein blühendes Menschenleben zum Opfer gefallen ist. Der 25jährige Richard M ü ck war an bet KreiSsäge mit Hvlzschneiden beschäftigt. Durch einen unglücklichen Zufall flog ein Klotz rückwärts unb dem an Der Maschine beschäftigten Mück mit solcher Wucht ins Gelicht, baß die eine Gesichtshälfte vollständig zerschmettert wurde. Ein sofort aus Drcun- sels herbeigerusener Arzt legte dem Verunglückten eilten Rotverband an unb veranlaßte feine Ueberführung in das Krankenhaus zu Wetzlar. Dort ist der junge Mann nach einigen Stunden qualvollen Leidens gestorben.
Mrcie Marburg.
][ Marburg, 24. Qlpril. Bei her Bera- beö städtischen Haushaltungsvoran- sch 1 a a S in der Stadtverordnetenversammlung gaben sich die Vertreter des Gewerbes und Handels die größte Mühe, bie Gewerbesteuer herabzusehen. Es mußte jedoch bei ben veranlagten Sähen bleiben, alm bie zur Ausgleichung des Voranschlags, der in C innahme unb Ausgabe mit 2 576 000 Mark festgejeyt wurde, nötigen 1 136 344 Mark zu beschaffen, werden folgende Steuern erhoben. 375 Prozent der vom Staat veranlagten Steuer vom Grundvermögen,. 475 Prozent des Steuergrundbetrages der Gewerbesteuer nach dem Ertrag. 570 Prozent des Steuergrundbetrages der Gewerbesteuer nach dem Ertrag als Zweigstellensteuer. 1200 Prozent des Steuergrundbetrages von 1700" Mark der Gewerbesteuer nach dem Gewerbetapital als 3tocig- stellensteuer Bemerkt fei. daß die Gewerbe unb Handel schädigenden studentischen Verkaufsstellen und Handwerksbetriebe, bie währenb ber Rotzeit eingerichtet würben, jetzt bis auf bie Buch- binberei in Wegfall kommen Dafür sinb 2000 Mark zur Unterstützung in Marburg beheim- mateter bebürftiger Stubenten in ben Voranschlag eingestellt. Der schon lange angeregte Bau eines Hallenschwimm babes soll tunlichst gefördert werben.
Dillkrcis.
bl. Dillenburg. 24. April Rach dem vorläufigen Rechnungsabschluß für 192:/26 wirb bie Stabt einen ileberfdjufj von etwa 4 5 0 00(5 M k. erzielen. Der Betrag soll zur Unterstützung ber Reubautätiok it verwende! teer- ben. - Die hiesige Kleinkinberschule M:dt in diesem Jahre auf ihr 50jähriges Bestehen zurück. Die F r e i to i 11 i g e n Feuerwehren von Manderbach unb Flammersbach blicken in diesem Jahre auf ihr 25jährtges Bestehen zurück.
bl. Herborn. 25. April. Die Lage in der Westerwälder Basaltinbustrie hat sich gebessert. Allenthalben kann man bie erfreuliche Feststellung machen, daß bie meisten Brüche ihren Betrieb wieder aufgenommen haben und damit der Arbeiterschaft des Wester- waldes, die zum größten Teil ihr Brot nur aus diesem Industriezweig verdient, wieder Beschä- i- gung geben, wenngleich der Verdienst auch nicht die Höhe wie vor Jahren erreicht. Die Erwerbs- losenzifser sinkt infolgedessen ständig. Es loirb heute fast nur noch Kleinschlag hergestellt.
bl. Mademühlen. 25. April. Ein Projekt von außerordentlicher Wichtigkeit wurde hier zum Teil in Angriff genommen. Es handelt sich uni ben Dau einer Straße zwischen unserer Gemeinde und der im Kreise Westerburg gelegenen Ortschaft Oberrod. Der Bau einer Provinzial- strahe ist zu einem dringenden Bedürfnis gewo ben. da der Verkehr auf dieser Strecke llch dauernd erweitert. Mit der Verbindung schließt man den Westerwald und das Lahngebiet enger zusammen.
bl. Straßebersbach. 24. April. Der Stauweiher in unserer Gemarkung soll erweitert werden. Man gedenkt das Werk im Wege der produktiven Erwerbslosenfürsorge zu fördern.
Frankfurter Theater.
Albert Steinbrück gastiert im Reuen Theater. Vor dieser freudigen Tatsache weicht bie Frage, in welchem Stück, von welchem Autor, in ben Hintergrunb. Denn Steinbrück spielt, und sein Spiel wird zum Erlebnis, einerlei, ob er einen Klassiker sich zum Spielvorwand wählt, oder einen an sich belanglosen Reißer; das Menschliche seiner Darstellung wird immer die Form brechen und Darüber hinauswachsen. War es früher Büchners „Woyzeck". oder Strinb- bergs „Totentanz", so ist es biesmal Octave M i r b e a u, bessen „Geschäft ist Geschäft" er sich zum Gastspiel wählte. Anfänglich versteht man diese Wahl nicht recht, bas ganze Spiel klebt zu sehr an ber Oberfläche; dieser Francis Lechat ist auch ziemlich schablonenhaft gezeichnet, ber Typ des Schiebers, wie wir ihn auch in Deutschland finden können. Jedoch dieser Lechat hat im letzten Akt ungeheuere seelische Entladungen. Erstens, da seine Tochter, die er mit Dem Sohn eines durch Schulden ihm verfallenen. Marquis vermählen teilt, ihm ins Gesicht schleudert, daß sie einen Geliebten habe, ihn als Dieb hasse, und mit ihrem Geliebten, einem Angestellten Lechats, das Haus verläßt. Und zweitens, da ihm unerwartet der tätliche Autounfall feines einzigen, geliebten Sohnes mitgeteilt wird. Hier wächst dieser Francois Lechat, dieser Millionenschieber, weit, weit über das Stück hinaus, und eine Datertragödie erfüllt die Szene. Die Szene, da er, fast besinnungslos vor Schmerz, den beiden Halunken, die mit ihm ein Geschäft abschliehen wollen. Die mit brutaler Berechnung unD Geschäftstüchtigkeit durchdachten Verträge diktiert, obwohl er nur noch an den Toten denkt, ist in Der Gestaltung Steinbrücks von ungeheuerer Wucht. Auch im übrigen belebt er diesen Lechat mit taufenh Zügen, die aus Dem „modernen Bösewicht" einen Menschen von Fleisch und Blut und einer starken Portion Brutalität und Gewissenlosigkeit machen, am Ende doch nur einen Menschen, der vom Schicksal bezwungen wird. Die Darsteller des Reuen Theaters unter bet verständnisvollen Regie Alois <3 r o 6 man n 1L hielten sich tapfer um den großen Gast, L


