Ausgabe 
26.1.1926
 
Einzelbild herunterladen

gebung von Deutschen Hochschulmelsterschasten und Deutschen Akademischen Olympien bekannt.

Was die Vorbereitung derartiger Veranstal­tungen betrifft, seien von den Richtlinien er­wähnt. Deutsche Hochschulmeisterschaften und Deutsche Akademische Olympien werden veran­staltet vom Deutsche Hochschulamt für Leibes­übungen, als dem Vertreter des Lehrkörpers der Deutschen Hochschulen und der Deutschen Studentenschaft, in Gemeinschaft mit den be­teiligten örtlichen Organisationen (Hochschul­behörden. Studentenschaft, Ortsbehörden). Sie werden nur unter der Voraussetzung vergeben, daß die genannten Stellen sich schriftlich bereit erklären, miteinander und mit dem Dehofel zu- sammenzuarbeiten. Die örtlichen Behörden bilden einen Festausschuß, in dem ein Vertreter des 'Dehofels Sih und Stimme hat. Die geldliche Regelung erfolgt durch das Dehofel unter Mit­wirkung der genannten Stellen.

Bei der Durchführung ist die Mitwirkung des Dehofels sichcrzustellen. Oberleitung und oberstes Schiedsgericht bildet das Dehofel. Die Reihenfolge der in der Ausschreibung festge legten Wettkämpfe und die Zeiteinteilung stellt der Fachausschuß für Turnen und Sport des Dehofels unter Beiziehung der fachlichen Leiter des Festortes auf. Die genaue Zeiteinteilung wird sämtlichen Hochschulen mindestens 14 Tage vor Beginn der Durchführung zugcsandt. Die sachlichen Leiter des Festortes verpflichten sich, die getroffenen Vereinbarungen genau einzu­halten und den Fachausschuß des Dehofels ständig über den Fortgang zu unterrichten. Die mit der Austragung betraute und für die fest­gelegte Durchführung verantwortliche Hochschule bearbeitet alle örtlichen Angelegenheiten.

VomProvmzialausschutz.

Der Provinzialausschuß beschäftigte sich in seinerSitzung vom Samstag außer mit der Bürger meisterwahl in Burkhards, worüber wir gestern bereits berichteten, noch mit folgenden zwei Ver- waltungsstreitverfahrcn.

Beschwerde des Ernst Friedrich Rengert in Steinfurth wegen. Heranziehung zur Schuhmacherzwangsinnung in den Amtsgcrichts- bezirken Friedberg und Bad-Nauheim. Durch Be­schluß des Kreisamts Friedberg vom 7. Oktober 1925 wurde Lengcrt. der in Steinfurth das Ge­schäft als Flickschuster selbständig betreibt und im Besitz eines Gewerbepatents zur Ausübung dieses Berufs ist, für verpflichtet erklärt, der obenerwähn­ten Zwangsinnung als Mitglied anzugehören. Gegen diesen Beschluß verfolgte Lengert Be­schwerde an den Provinzialausschuß mit dem An­trag auf Aufhebung. Er hatte aber keinen Erfolg damit. Der Provinzialausschuß wies die Be­schwerde als unbegründet kostenpflichtig zurück.

Klage des Th. M o r s ch e l . Bauunternehmer in Friedberg, gegen die Stadt Fried­berg auf Aufhebung der Beschlüsse der Stadtoer ordnetenoersammlung zu Friedberg vom 27. August und 4. September 1925. Im Sommer 1925 be­schloß die Stadtverordnetenversammlung in Fried­berg die Errichtung eines neuen Beamtenwvhn- hauses und die Bergebung der hierzu erforder­lichen Erd- und Maurerarbeiten im Submissions­wege. Es hatte eine Reihe von Unternehmern, wo­zu auch der Kläger gehyrte, Gebote eingereicht. Eröffnungstermin war auf den 18. August 1925 festgesetzt. Tags zuvor machte Mörschel das Stadt- bauamt darauf aufmerksam, daß die ausgehobene Erde zum Teil auch an einen nähergelegenen Platz beim Gasometer verbracht werden könne, wodurch die Erdarbeiten eine wesentliche Verbilligung er­fahren könnten. Das Stadtbauamt verständigte f durch Fernsprecher die Interessenten von dieser Möglichkeit, damit sie ihre Gebote noch entsprechend ' berichtigen oder ergänzen konnten. Nach Eröffnung und Prüfung der Angebote blieb Bauunternehmer Mörschel Niedrigstbielender. Da dieses Submis- sionsoerfahrcn Anlaß zu Beanstandungen bot, legte der Bürgermeister zu Friedberg die Ange­legenheit der Stadtverordnetenversammlung vor. Die Stadtverordnetenversammlung vertrat die An­sicht, daß bei dem hier zustande gekommenen Sub­missionsoerfahren ein außerordentlicher Wirrwarr eingerissen sei und beschloß deshalb, daß das Sub- missionsversahren zu kassieren und eine neue Sub­mission auszuschreiben sei. Hierdurch fühlte sich Mörschel beschwert und verlangte, daß ihm, da das Submijsionsverfahren ordnungsmäßig gewesen sei,

Dre Entwicklung der zoologischen Stationen.

Die zoologische Erforschung des Meeres nahm in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Zusammenhang mit der von Ginne durch­geführten Reform der Naturgeschichte einen ge­wissen Aufschwung, und viele Gelehrte unter­nahmen damals Studienreisen an die See. Aber die systematische Bewältigung der hier vorhan­denen, großen Aufgaben war nur in gut ein­gerichteten ständigen Laboratorien möglich, und so entwickelten sich denn die zoologischen Sta­tionen, deren Geschichte Ad. Steuer in einem Aufsatz derNaturwissenschaften" behandelt. Das älteste derartige Institut wurde 1859 in Eon- carno gegründet; ihm folgten in den 60er Jahren zwei weitere französische Institute, aber der groß­artige Aufschwung der Meeresforschung begann erst mit der Einrichtung der zoologischen Station in Neapel durch den jungen Jenenser Privat­dozenten Anton D o h r ii. die seitdemdas Mekka der Biologen in jedem Teile der Erde" geworden ist. Dohrn gelang es, fein Institut als Privateinrichtung zu führen, indem er die Erhal­tungskosten durch die Ausstellung eines da­mit verbundenen Aquariums, durch das Ver­mieten der Arbeitsplätze und durch den Ver­kauf konservierter Tiere aufbrachte. Die Inter­nationalität, die er seinem Institute sicherte, brachte es auf die bisher von keiner anderen Anstalt der Welt, erreichte Höhe. Vor dem Kriege gab es allein in Europa gegen 100 zoo­logische Stationen, in Amerika über 20, in Asien 2, in Afrika 1. Seit dem Weltkrieg hat sich manches geändert; einige Kriegsgründungen sind hinzugekommen. als letzte die deutsche Station in Büsum; andere wichtige Stationen, wie die von Fiume und Triest gingen ein. Die Neapeler Station konnte, nachdem sie lange geschlossen war, glücklich wieder geöffnet werden und steht heute wieder an der Spitze, aber alle Stationen leiden heute mehr oder minder unter der Not ocr Zeit. Der größte Teil dieser Institute dient der Erforschung des Meeres; manche auch der des Süßwassers; einige verfolgen neben der wissen­schaftlichen Arbeit praktische Zwecke, wie Fisch­zucht. Untersuchung der Fischkrankheiten, der Wasserverschmuhung usw. Andere Stationen bie­

der Zuschlag erteilt werde. Der Bürgermeister von Friedberg legte deshalb die Angelegenheit der Stadtverordnetenversammlung am 4. September mit einem von dem Hochbauamt Friedberg er­statteten Gutachten zur nochmaligen Beratung und Beschlußfassung vor. Die Stadtverorduetenver- sammlung beschloß, den am 27. August 1925 ge­faßten Beschluß aufrechtzuerhalten. Bei dem hier­nach neu eingeleiteten Submissionsverfahren unter­bot Morschei sein früheres Angebot um 850 Mark. Da er auch diemal wieder der Wenigstnehmende war, erhielt er den Zuschlag zur Ausfühnmg der Arbeiten. Bauunternehmer Morschei Jjat dann im Verwaltungsstreitverfahren beide Stadtverordne­tenbeschlüsse mit dem Antrag auf Aufhebung an­gefochten. weil er sich 1. hinsichtlich des Ansehens seines Geschäfts beschwert fühlte und 2. aus Pre­stigegründen sich gezwungen sah, bei der zweiten Submission sein Angebot um 850 Mark herabzu­setzen, was für ihn einen finanziellen Nachteil be­deute. Dcr Vertreter der Beklagten beantragte kostenpflichtige Abweisung der Klage, weil dieser jede rechtliche Grundlage fehle, indem sie von der durchaus rechtsirrigen Voraussetzung ausgehe, als hätte für die Stadt Friedberg eine Nechtspslichk bestanden, bei der fraglichen Submission dem Min­destfordernden den Zuschlag zu erteilen. Der Be­nagten könne nicht zugemütet werden, daß sie in ihrem Selbstverwaltungsrecht darin beschnitten werde, wem von den Bewerbern sie den Zuschlag erteilen wolle. Nach den Beobachtungen bei der ersten Submission hätte die Stadtverordnetenver­sammlung, um Klarheit in den eingerissenen Wirr­warr zu schaffen, nichts anderes tun können, als aus gewichtigen Gründen dieses Submissionsver­fahren zu kassieren und ein neues Submissionsver- fahren einzuleiten. Zudem werde der Standpunkt vertreten, daß nach bestehender Rechtsprechung der Kläger als Privatperson die beiden Stadtverord­netenbeschlüsse nicht selbständig anfechten könne, in- solange das öffentliche Interesse das Privatinteresse eines einzelnen überwiege.

Der Provinzialausschuß wies die Klage als unbegründet kostenpflichtig zurück.

Oberhessen.

Kreistag des Kreises Scholten.

M Schotten. 24. Ian Gestern fand im Rathaussaal zu Schotten die erste Sitzung dev Kreistages, der im November neu ge­wählt wurde, statt. Nach einleitenden Worten des Kreisdirektors Geh. Rat B o e ck m a n n , die auf den Ernst der wirtschaftlichen Lage im Land und Kreis hinwiesen, wurden die Mit­glieder verpflichtet. Bei der anschließenden Wahl zum Kreisausschuß wurden in diesen gewählt die Herren: Fischer, Hof Zwie­falten. Bürgermeister Krauß, Wetterfeld, Bürgermeister M e n g e l, Schotten, Bürger­meister M ü l l e r . Gedern, Gastwirt P f a n n - st i e I, Ulrichstein, Schornsteinfegermstr. Zitzels- b e r g e r, Gedern Als Stellvertreter wurden gewählt Zimmer. Groß-Eichen, Zeschky, Schotten, Dr. Philippi, Laubach, W. Kun­kel. Burkhards, C. Linck, Rudingshain, Fr. Hofmann, Schotten. Eine eingehende Aus­sprache Über verschiedene wichtige Kreis­angelegenheiten schloß sich an. Besonders ver­handelt wurde über die wichtige Frage der Kreisstraßenunterhaltung. Man be­schloß. an den Hessischen Landtag die Ditte zu richten, daß die Kreistage zuvor gehört werden, ehe die geplante Neuregelung des Kunststraßen- wesens in Hessen eine grundlegende Aenderung erfährt und der Landtag wichtige Gesetze über diese Materie erläßt. Der Kreistag beschloß, 15 000 Mk. aus dem für eine Kreisabdeckerei angesammelten Fonds vorschußweise zu nehmen, um sofort das nötige Steinmaterial für die Kreisstraßen anzukaufen. Die Errichtung der K r eisabdeckerei wird zunächst zurückgestellt. Eine besondere Kommission wird bestimmt, die in Verbindung mit dem Kreisgesundheits- und Veterinäramt das ganze Projekt einer Vorprü­fung unterziehen soll. Die Frage der Be­schaffung eines Kreisautos, das bei den ungünstigen Derkehrsverhältnisfen im Kreis zu einer Notwendigkeit geworden ist, wurde dem Kreisausschuß zur näheren Prüfung und Er­ledigung überlassen. Dieser soll auch darüber beschließen, ob der Kreis für Gewährung einer Winterbeihilfe an Bedürftige in Einzel­

nen wieder der Erforschung der Landfauna und stehen teilweise ebenfalls im Dienste der Praxis, wie die verschiedenen landwirtschaftlichen und entomologischen Stationen. Die wichtigsten In­stitute aber sind Meereslaboratorien, denn das Meer stellt ja den größten Lebenskreis dar, den wir auf der Erde kennen; im Meer fehlen nur zwei von 36 Tierklassen, nämlich die Tausend­füßler und die Amphibien. Als Dohrn um die Verwirklichung seiner großen Idee kämpfte, sagte ihm der alte Berliner Zoologe Ehrenberg im Jahre 1872, wenn er der Fauna Neapels mit so großen Hilfsmitteln zu Leibe geben wolle, dann würde es in 5 oder 10 Iahren dort nichts mehr zu erforschen geben. Wie kurzsichtig diese Annahme war, zeigt die Tatsache, daß sich noch heute, nach 50 Jahren, ein ganzes Heer von Spezialisten allein mit der systematischen Be­arbeitung noch ungenügend bekannter Tiergruppen des Golfes beschäftigt, baß die so notwendige kartographische Aufnahme der Fangplähe noch nicht durchgeführt ist, und daß noch unendlich viele wichtige Aufgaben der Zoologen und der zoologi­schen Stationen harren.

Haben Wallensteins Sterne gelogen?

Die Astrologie beginnt in der Gegenwart wieder eine größere Rolle zu spielen, als man es noch vor wenigen Jahren für möglich gehalten hatte, wo man die Meinung, die Gestirne könnten einen Ein­fluß auf den Menschen nehmen, einfach für wider­sinnig erklärte. Auch wissenschaftliche Untersuchungen beschäftigen sich namentlich im Ausland mit dem Problem, dem man durch umfassende statistische Untersuchungen näherzukommen sucht. In einem Vorträge über elektrische Strömungen in der Atmo­sphäre meinte der Schweizer Professor Bockei. den vorliegenden Tatsachen gegenüber nicht voreilig zu urteilen. Wenn die Vorgänge auf der Sonne die elektrische Strömung in der Erdatmosphäre und damit auch die Wittcrantzserscheinungen und das menschliche Befinden beeinflussen, und wenn an­dererseits festgestellt ist, daß die Stellung der Pla­nten auch auf die Vorgänge der Sonne zurück- wirkk, so können wir schließlich auch der Ansicht zuneigen, daß selbst in dem Glauben der Astrologen fn Fünkchen Wahrheit, vielleicht am Ende einige falsch ausgelegte Beobachtungstatsachen stecken. Von solchen Erwägungen ausgehend, warf Dr. Kritzinger

fällen einen besonderen Zuschuß zur Verfügung stellen kann.

Landkreis Gießen.

= Lich, 25. Jan. Die Zahl der Arbeits­losen hat die 100 in den letzten Tagen bereits überschritten. Die starke Zunahme in letzter Zeit ist besonders darauf zurückzuführen, daß die Holzhauer­arbeiten in den städtischen Waldungen früher als sonst eingestellt worden sind. Wie man hört, haben Bürgermeisterei und Gemeinderat die Absicht, die zahlreichen Dereinsveranstaltungen und Vergnügungen, die in diesem Winter schon eine beträchtliche Zahl erreicht haben, stark einzuschrän­ken. vor allem karnevalistische Veranstaltungen mit Rücksicht auf den Ernst der Zeit zu untersagen. Die Generalversammlung der Freiwilligen Feuerwehr, die imHolländischen Hof" bei sehr gutem Besuch ftattfanb, wurde vom 1. Komman­danten Hch. 5 e rt b t mit Umsicht geleitet und nahm einen von vorzüglichem Geist getragenen Verlauf. Die Wehr hat nun 90 Mitglieder, eine Freiwillige Sanitätskolonne ist angeschlossen, und auch eine Feuerwehrkavelle hat sich gebildet. Die Wehr kann in diesem Jahre auf ein 5 0jährigen Bestehen zurückblicken. Die Jubelfeier soll im Juli durch ein Feuerwehrfest in würdiger Weise begangen werden. Anerkannt wurde der in jeder Beziehung schlagfertige Zustand der Wehr, der nicht zuletzt den großen Opfern, die die Stadt und die Brauerei Ihring der Wehr gebracht haben, zu danken ist.

A11endorf a. d. Lda., 25. Jan. Der G e - flügelzüchterverein A Ikendorf und Um­gebung hielt gestern im Gasthof Ranft dahier seine W i n t e r v e r s a m m l n n g ab, die ziemlich gut be­sucht war. Die im Dezember o. I. in Nordeck abge­haltene allgemeine Geflügelausstellung des Ver­eins hat allgemein befriedigt und neue Anregungen auf züchterischem Gebiet gegeben. Auch ihr finan­zielles Ergebnis war den Erwartungen entsprechend, indem Einnahmen und Ausgaben sich ungefähr deck­ten. Der geringe Ueberschuß wird zur Förderung der Vereinszwecke verwendet. Für das Jahr 1926/27 ist eine G e f l ü g e l o u s st e l l u n g int Ranftschen Saale dahier vorgesehen, die am 2. Sonntag im Januar 1927 abgehalten werden soll.

H a r buch, 25. Jan. Am Freitag wurde un­ser neugewählter Bürgermeister Schomber bestätigt und verpflichtet. Oberregierungsrat Dr. Heß nahm die Verpflichtung selbst vor. Ein Wahl­kampf, der länger als ein halbes Jahr unser Dorf im Atem hielt, ist damit zu Ende. Der Gesangverein Germania", dessen Mitglied unser neues Oberhaupt ist. brachte ihm ein Ständchen. Der Vorsitzende des Vereins hielt eine Ansprache, in der er von der Be­deutung der Gesangvereine und des deutschen Liedes für die Einigkeit des deutschen Volkes ausgehend, die Parteien ztir Einigkeit mahnte, die in unferem Dorfe bei der im Ganye befindlichen Feldbereinigung be­sonders nötig fei. Zum Schluffe gab er der Hoff­nung Ausdruck, daß der neue Bürgermeister dazu beitragen möge, unser jetzt gespaltenes Dorf wieder $u einigen, und wünschte ihm lange gesegnete Amts- lahre zum Wohle der Gemeinde. Bürgermeister Schomber erwiderte, daß er sein Amt pflicht- getreu führen werde, stets wolle er bemüht fein, das Wohl der Gemeinde zu fördern. Dem Gesangverein und seinen Bestrebungey versprach er auch als Bürgermeister wie vorher Treue.

Z Harbach, 25. Jan. Die im Kriege abge­lieferten Orgelpfeifen sind nun von der Firma Förster & Nikolaus in Lich erneut fertig- gestellt worden; sie werden in dieser Woche dort abgeholt werden. Der Einbau wird dann bald er­folgen.

::: Trais-Horloff, 25. Iarruar. Welch segensreiche Tätigkeit die vor Jahresfrist ge­gründeten Schulsparkassen in aller ©title entfalten, belveist die Tatsache, daß die zwei hiesigen Schulklassen unter Leitung des Lehrers Roth bereits über dreihundert Mark gespart haben. Die ebenso starke Schule in dem benachbarten Inheiden, deren Schulsparkasse von Lehrer Mühl verwaltet wird, hat sogar die ansehnliche Summe von 3 5 0 Mark verzinslich angelegt. Das rechne Verständnis für diese Zah- len erhält man erst, wenn man bedenkt, daß sie aus lauter geringen Pfennigbeträgen erwachsen sind, ist es doch durch diese Schulklassen möglich, schon einen Groschen verzinslich anlcgen zu können. Wie mancher Zehner wird auf diese Weise vor achtlosem, unnötigem Ausgeben bewahrt, um auf der anderen Seite der geldarmen Wirtschaft zugeführt z 1 werden. Ermöglicht wird das aller-

vor kurzem die Frage auf, welche Tatsachen den astrologischen Szenen inWallensteins Tod" zu­grunde liegen. Schiller hat die Dinge allerdings in dichterischer Freiheit erheblich umgestaltet. Es steht aber fest, daß Wallenstein sich vielfach nach astro­logischen Urteilen richtete, daß er sich von Kepler das Horoskop stellen und sich weiter dauernd von dem jungen italienischen Astrologen Seni begleiten und beraten liefe, der bei Wallensteins Tod übrigens nicht, wie er auf der Bühne dargeftellt wird, ein alter Mann war, sondern kaum die Mitte der Dreißig erreicht hatte. Die Konstellationen, die Schiller in der ersten Szene vonWallensteins Tod" erwähnt, sind unhistorisch. Schiller vermittelt weiter die Meinung, daß die Winkelabstände unter den Gestirnen von wesentlicher Bedeutung sind, indem er den Abstand von einem Viertelkreis und die Zu- sammenkuust der Planeten hervorhebt. Nur an» gedeutet findet sich die Auffassung, daß die Planeten bestimmte Stunden regieren. Es ist lehrreich, die Anschauung Wallensteins durch dos Horoskop, das er sich durch Kepler hat stellen lassen, und dessen Vorherlage bestätigt zu finden. Die eigenhändigen Anmertungen, die Wallenstein zu seiner Nativität gemacht^hal, sind noch vorhanden. Wenn Wallenstein durch Seni die unmittelbaren Planetenbewegungen beobachten läßt, so findet sich in Keplers Briefen dafür die Begründung; dieser legt den Einflüssen der laufenden Planeten auf die durch ihre Stel­lungen bei der Geburt feftgelegten Plätze besondere Bedeutung bei. Wenn Schiller im letzten Aufzug Seni wie außer sich herbeieilen läßt:Die Zeichen stehen grousenhaft, nah', nahe umgeben dich die Netze des Verderbens . . .", so gibt die Berechnung der Planetenstellungen für den Tod Wallensteins folgende interessante Aufschlüsse. In der Geburts­figur des Friedländers stehen im ersten Felde die wichtigen Planeten Jupiter und Saturn dicht bei­sammen im letzten Drittel des Zeichens der Fische. Was konnte nun Battista Seni am 25. Februar 1634 beobachten? Die Berechnung der damaligen Stel- lungeti ergibt, daß die in der Geburtsfigur fest- gelegte Stelle von Jupiter und Saturn am lln- glückstage von dem lausenden Saturn im Geviert­schein aus dem Schüßen getroffen wurde, während von der andern Seite ebenfalls im Geviertschein aus den Zwillingen der Jupiter einen entsprechend ungünstigen Einfluß geltend inachte; schließlich stand auch der Mars im letzten Drittel der Jungfrau und i warf seinen gefährlichen Gegenschein auf das ohne-

dings nur durch ein gut Stück uneigennütziger Kleinarbeit von feiten der Klassenlehrer.

Kreis Friedberg.

s. f. Friedberg, 25. Ian. Ein Unter« Primaner der hiesigen Oberrealschule suchte und fand heute Vormittag' den Tod, indem er sich von einem Zuge der Main-Weferbahn überfahren liefe. Anstatt in die Schule zu gehen, bebab er sich auf den grofeen Viadukt bei Friedberg und warf sich dort vor einem Zuge auf die Schienen. Seine Büchermappe hatte er auf die Brüstung gelegt. Die Leiche war bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Uebsr die Ursachen der Tat läfet sich nichts Bestimmtes sagen.

/ l Ober- Mörlen, 25. Ian. Durch seine Bürgermeisterwahlen, von denen feit letztem Sommer vier stattgefunden haben, ist unser Ort berühmt geworden. Nachdem der Kreisausschuß des Kreises Friedberg in seiner Sitzung vom 19. Dezember, wie wir seinerzeit berichtet haben, die letzte Wahl im November, die dem Landwirt Schmidt den Sieg brachte, für gültig erklärt hatte, glaubte man, j&e Bürger­meisterfrage sei nun endlich gelöst, und Ruhe und Frieden würden wieder in die stark erregten Gemüter unserer Gemeinde einkehren. Dom ist aber nicht so. Die Partei des unterlegenen seit­herigen Bürgermeisters Geibel hat gegen daü am 13. Januar zugegangene Urteil des Kreis- ausschusses Berufung beim Provinzial- auss chutz eingelegt, so daß man sich auch in Giefeen nochmals mit der leidigen Angelegenheit zu befassen haben wird. Auch das Amts­gericht Bad-Nauheim hat mit der Sache noch zu tun. Die Gemüter waren während der Wahlkämpfe so erregt, daß wohl oft auch das Mah des Erlaubten überschritten worden ist, vor allem in bezug auf persönliche Angriffe. So mußte Bürgermeister Geibel eine Privat­klage wegen Beleidigung anstrengen, die in diesen Tagen zur Verhandlung kommen wird. Bürger­meister Geibel versieht übrigens die Bürger­meistergeschäfte bis jetzt noch weiter, er hat auch, trotzdem man ihn durch Mißtrauenserklarungen dazu zu bewegen suchte, das Amt bis zur end­gültigen Lösung der Bürgermeisterfrage dem Bei­geordneten zu übertragen, schon zwei Gemeinde- ratssihungen im neuen Jahre abgehalten, weil wichtige Fragen der Erledigung harrten. Zu den dieserhalb erfolgten Anrempelungen hat Bürgermeister Geibel erklärt, dafe er beim Kreis­amt um Urlaub nachgesucht, aber die Antwort erhalten habe, daß er auf Grund des Gesetzes bis zum Dienstantritt seines Dienstnachfolgers im Amte zu bleiben habe. Bürgermeister Geibel ist nun entschlossen, auf Grund dieser Verfügung zu handeln und das Bürgermeisteramt nicht niederzulegen.

Kreis Schotten.

X!X Schotten, 25. Jan. Der Krieger­ve r e i n und der Musikoerein hatten sich auch dieses Jahr zusammengeschloffen, um ihren Mitgliedern einen Unterhaltungsabend zu bieten. Die Veranstaltung sand am Samstagabend in der geräumigen Turnhalle statt. Der Männerchor des Schottener Turnvereins brachte ver­schiedene wohlgelungene Chöre unter Leitung seines Dirigenten L. S ü ß e l zum Vortrag. Major Krause d'Arvis von der Geschäftsstelle der Hassia" hielt einen interessanten Lichtbilder- vortrag überKamerun". Ein Reichswehrsoldat gab ein Violinsolo zum Besten, das großen Beifall fand. Studiendirektor H e r t s ch hielt eine kurze, kernige Ansprache und brachte ein Hoch auf die deußche Zukunft aus. Der Musikoerein, unter Leitung des Herrn Groth, leistete mit feinen Vor­trägen ganz Hervorragendes und erntete reichen Beifall. Um 12 Uhr war die Vortragsfolge bc endet und der Tanz trat nun in fein Recht. Alles in allem eine recht harmonische Veranstaltung, die jeden Besucher befriedigte.

lb. Aus dem Vogelsberg, 25. Jan. Die Schneedecke, die sich vor einiger Zeit ge­rade noch rechtzeitig über die vom scharfen Ost­winde bedrohten Saaten legte, wird langsam zu Wasser,verzehrt sich", wie man hier­zulande sagt. Die durch die hinter uns liegende Hochwasserzeit verängstigte Bevölkerung stellt mit Freuden fest, daß trotz der Schneeschmelze der Wasserstand der Bäche kaum zunimmt. Die zwei Schneezeiten dieses Winters haben den in früheren milden Wintern fast gänzlich unbenutz­ten schweren Frachtschlitten wieder zu

hin beschädigte Feld in den Fischen. Wir finden es dadurch vollkommen motiviert, daß Seni sagt: ,/Die Zeichen stehen grausenhaft." Verfolgt man übrigens nach heutiger Anschauung auch den Einfluß des ja erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts (1781) ent­deckten Uranus, jo ergibt sich weiter, daß dieser zur Unglückszeit Wallensteins auch einen schon von Schiller als gefährlich bezeichnetenAspekt" zum Sonnenort einnahm. Wenn ein heutiger Astrologe die eben geschilderte Häufung von ungünstigen Aspekten bei einem feiner Klienten herausfinden würde, sollte er sich gewiß sehr vorsichtig im Hin­blick auf die Befürchtungen äußern, die sich dann zweifellos mit Rücksicht auf das Schicksal des Frage­stellers in ihm erheben. Bei statistischen Untersuchun­gen der erwähnten Planetenübergänge hat sich übrigens ergeben, daß beim Tode eines Menfcyen häufiger, als es der Zufall erklärt, der Mars einen als gefährlich bezeichneten Platz im Hinblick auf den Standort der Sonne bei der Geburt des Be­treffenden einnimmt

Frankfurter Theater.

Im Neuen Theater spielt I reue Triesch dieFrau ohne Bedeutung" in Oskar Wildes gleichnamiger Komödie. Durch die große Künstlerschaft der Triesch, die in prachtvoll echten Tönen die Gestalt dieser Frau um) Mutter zu durchleuchten wußte, wurde der Abend zu einem wahrhaft künstlerischen Genuß. Unter der Regie Heinz Goldbergs hielt die gesamte Aufführung gutes Niveau und sorgte für inner­liche Eeichlossenheit. Alfred Neugebauers Lord Jillingworth enttäuschte lediglich im letzten Akt, in der grofeen Szene der Auseinandersetzuno. hingegen gab Thessa Klinkhammer lals Gast vom Schauspielhaus) als geschwätzige Lady Hun- stanton eine ganz entzückende Charakterzeichnung. Das Publikum feierte Irene Triesch mit starkem und dankbarem Beifall. Im Opernhaus hat man sich nach längerer Pause auf Flotows M arth a" besonnen und die Oper in neuer, künstlerisch außerordentlich gelungener Inszenie­rung herausgebracht. Anny vanKruySwvk und John Gläser, das lyrische Liebespaar, standen gesanglich wie darstellerisch im Mittelpunkt des Abends. Joseph Gar eis sorgte für beschwing­tes Tempo, und Kapellmeister Maliniak schwang den Taktstab. Die Aufnahme von feiten des Publikums war sehr herzlich. L. W.