Ausgabe 
26.1.1926
 
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Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesten)

Nr. 21 Zweiter Blatt

Dienstag, 26. Januar 1926

Turnen, Sport und Spiel.

Fußball.

D.f.D. LigaSpielvereinigung Liga 13:1. D.f.D. 2. Mannsch.SPi-lvg. 2. Mannsch. 9:0.

D. f. D. 1. IgdSPielvereinig. 1. 3gb. 12:1.

Am Sonntag maßen sich die obengenannten Mannschasten in interessanten Treffen. Wie immer bei Lokalspielen, hatte sich trotz der ungünstigen Witterung eine ansehnliche Zuschauermenge auf dem Waldsportplatz des Vereins für Bewegungs­spiele eingefunden.

Die 1. V. f. B.-Iugend Zeigte gegen die gleiche ihres Lokalgegners recht ansehnliches Können und hat durch den überraschenden 12:l-Sieg die Schlappe des Vorsonntags wieder wettgemacht. Zwölf Tore troh starken Widerstandes zu schießen, beweist, daß Hie Mannschaft im Kommen ist und sie mit Vertrauen in die noch zu erledigenden Verbandsspiele eintreten kann.

Das Spiel der 2. Mannschaften endete eben­falls mit einem hohen Sieg der V. f. Der. Die Lleberlcgenheit der Mannschaft des Plahvereins drückte sich in einem klaren 9:0-Sieg aus.

Um 2,30 iHjt betraten die Ligamannschaften den trotz des Schnees noch spielfähigen Platz. Es entwickelte sich sofort ein äußerst fesselnder Kainpf, der die Spielvereinigungsmannschaft in den ersten zehn Minuten im Vorteil sah. Ihr Sturm zog in schneidig durchgesührten Vorstößen vor das gegnerische Tor und stellte die V. f. V.-Hinter- mannschaft auf eine harte Probe. Den system- vollen, in guter Kombination vorgetragenen An­griffen blieb jedoch der verdiente Erfolg ver­fugt. Allmählich aber fand sich die V. f. B.-Clf und drängte langsam, aber sicher den Gegner in seine Hälfte zurück. Es war eine Freude, das planvolle Spiel aller Mannschaftsteile zu ver­folgen. Der glänzend aufgelegte Sturm schoß denn auch in regelmäßigen Abständen die dreizehn Tore. Anerkennenswert und zu bewundern war die Energie und Ausdauer, mit der Spielvereini­gung trotz der erdrückenden Aeberlegenheit des Gegners sich bis zum Schlußpfiff wehrte. Durch einen Elfmeter kam sie zu ihrem Ehrentor.

Mit den Entscheidungen des Schiedsrichters Tonnte man im allgemeinen zufrieden sein, die Herausstellung zweier Spieler des Platzvereins erschien allerdings reichlich hart. Das Gesamt­ergebnis des Tages mit nicht weniger als 34:2 Toren zu Gunsten des Vereins für Bewegungs­spiele zeigte von der beständigen Form seiner Mannschaften. Man darf mit Recht gespannt fein auf das Abschneiden der von Spiel zu Spiel besser werdenden V. f. B.-Liga gegen erstklassige Gegner, deren Verpflichtung hierher im Gange ist.

5 Friedberg, 24. Januar. Der hiesige Verein für Bewegungsspiele hatte heute einen sehr erfolgreichen Tag. Die erste Mannschaft weilte in Bad-Rauheim, um dort dem Sportverein Dad°Rauheim das fällige Rückspiel zu liefern. Es endete 8:0 zugunsten Friedbergs. Die 2. Mannschaft des V. f. D. spielte hier am Platze gegen Eintracht Ilb Frankfurt a. M. Es war ein flottes, aber hartes Treffen, das der überlegenen Technik der Friedberger 5 Tore ein­brachte, wahrend die Franffurter nur ein Ehren­tor für sich buchen konnten. Die dritte Mann­schaft des V. f. B. stand Sportverein 1920 Ober- Morlen I auf dem hiesigen Platze gegenüber. Das Spiel endete 2:2, während beim Vorspiel in Ober-Mörlen am vorigen Sonntag das Torver­hältnis 10:3 für Ober-Mörlen war. Die Jugend! des V. f. D. endlich weilte in Homburg, um dort das fällige Plakettspiel zu absolvieren. Ergebnis: 0:0.

Vom Radsport.

Saalsporkfest In Steinfurth.

c. Altem Gebrauch gemäß lud der Radfahrer- vereinFlottwe g", Steinfurth am Sonn-

Gießener Konzertverem.

Grete Stiicf wlb: Liederabend.

Grete Stüclgold's Liederabend war ein aus­gesprochener Erfolg. War es ihr stimmlich-musi- skalisch.es Können, ihr Programm, war es der Eindruck ihrer gesamten künstlerischen Persön­lichkeit?

Die künstlerische Persönlichkeit nimmt in der menschlichen Gesellchaft eine eigene Stellung ein. Gewiß findet sie oft ihresgleichen, wenn auch nicht in ihrer vollen Auswirkung, ihr Typus ist vielleicht öfter vertreten, als wir es ver­muten, nur wird die Anlage nicht geweckt und gepflegt, oder sie ist irgendwie gehemmt.

Der Künstler äußert sich im ©rieben, m Entwicklungsmomenten, wo alle Seiten seines Ichs zu einer geschlossenen Einheit verschmelzen und Geistiges und äußeres Erleben einander durchdri.igcn und des, was wir schlechthm Leben nennen, geistig geadelt und gehoben erscheint. Diese ©infjeit in den in sich geschlossenen ein­zelnen Entwialungsmomenten schließt damit durchaus nicht eine Beständigleit des Charakters für alle Phasen seines Lebens in sich, denn der Künstler ist in gewissem Sinne Augenblicks­mensch, der gebannte Augenblick des Erlebens gibt sich im Werke. .

So beim Schiffenden, so beim Wiederge­benden. Denn auch der Wiedergebende ist ein Schaffender, der das im .Werke niedergelegte zum eigenen Erlebnis werden läßt, in das Werk hineinwächst, als sei es von ihm ureigenstes Reuerlebnis: allerdings umgrenzt von der ei­genen Persönlichkeit: denn sie wird dem Ein- fühlen doch immer ihren besonderen Stempel aufdrücken, und so ist es Wohl verständlich, daß das Kunstwerk nie wieder in gleicher Gestalt, in gleicher Inhaltserfül.ung, wenn auch in gleicher Lebenskraft erstehen kann, And so wird es bei rechtem Rachschaffen gerade dadurch immer wieder neu erscheinen und nicht in seiner An- mittelbarkeit verblassen. Denn das Unbewußte im Künstler, die Intuition, die weist ihm die Wege mit fast inftin'.tiber Gewalt, es Ii:gt etwas Somnambules darin.

Aber oft wird der intuitiv Rachschaffende, namentlich bei start impulsiven, drängenden R sscnaturen, an manchem vorübergleit n, beson­ders da. wo der Schaffende, bewußt oder unbe­wußt einem Drängen Einhalt geboten hatte, wo er dem Vorwärtsstreben ein Moment der Besinnung, dem Moment des Affektes, des 3m«

tagabenb seine Mitglieder und Freunde zum Winter- jaalsportfest in den neuen, geräumigen Saalbau ein. Der Verein verfügt seit einem Jahre über 8 stattliche Göricke-Saalmaschinen und steht im Saalsport in seinem Bund und Gau an führender Stelle. In un- eimüdlicher Arbeit hate der eifrige Vorsitzende, Jean Bopp zu seiner altbekannten Herrenmannschaft auch eine Damen- und Jugendmannschaft herausge­bracht, die beide durch einen fließenden Achter- Jugendreigen und einem mit großem Beifall aufge­nommenen gemischten Ztvölferreigen überraschten. Recht ansprechende Leistungen boten die Damen im Sechserreigen. Den Vogel schossen dieAlten" ob durch einen Achter-Kunstreigen. Den Abschluß des sportlichen Teiles bildete einKomisches Fahren". Steinfurth ist schon mehrere Jahre im Saalsport Bundes- und Gaumeister und wird sicherlich auch im Saälsportfest am 7. Februar in Anspach i. T. in die Entscheidungen kommen und Meisterehren ernten.

Dom

Arbeiter-Turn- und Sportbund.

Der Bezirkstag.

£ Unter starker Anteilnahme fand am Sonntag der B e z i r k s t a g des 3. B e z i r k s im 9. K r e i s der Arbeitersportler im Gewerkschaftshaus Gießen statt. Anwesend waren 61 stimmberechtigte Delegierte, 9 Mitglieder des Bezirksrates und zwei Mitglieder des Kreisrates, außerdem eine größere Anzahl Gäste. Der stellvertretende Bezirksvorsitzende S ch ä f e r - Wieseck begrüßte die Anwesenden, die Grüße und Wünsche des Kreises übermittelte der Kreisvorsitzende Bauer- Frankfurt, der frühere Turner F. Bender, der jetzt in Amerika sein Domizil gesucht hat, sandte ein herzliches Gedenk­schreiben.

Die Reihe der Verwaltungsberichte eröffnet der derzeitige Leiter S ch ä f e r - Wieseck mit dem Ge­schäftsbericht. Er besprach zunächst die Notwendig­keit der Vornahme eines Wechsels in der Bezirks­leitung und führte u. a. aus, daß die gegenwärtig auf Deutschland lastende Krise, die eine außerordent­liche Arbeitslosigkeit im Gefolge hat, nicht ganz ohne Rückwirkungen auf die Sportbewegung geblieben ist. Nach dem Kassenbericht des Kassierers L a u ch t - Gleiberg schließt das abgelaufene Ge­schäftsjahr zum ersten Male seit Bestehen des Be­zirks mit einem Fehlbetrag ab. Dies ist eine Folge des verregneten Bezirksfestes in Herborn und der außerordentlichen Anforderungen, die die Olympiade in Frankfurt an die Bezirkstage stellte. Die Ein­nahmen betrugen 2140,90 Mk., die Ausgaben 2265,30 Mark. Den Bericht der Turner konnte deren technischer Leiter, A m e n d - Krofdorf, als günstig bezeichnen. An drei Bezirksturnstunden nahmen 180 Turner teil. Drei Schülerturnstunden vereinigten 270 Teilnehmer. Am Meisterschaftsturnen in Wieseck beteiligten sich 75 Teilnehmer, während das Bezirks­turnfest in Herborn, trotzdem es am äußersten Ende des Bezirks stattfand, von 365 Wetturnern besucht war. An dem Schülerturnfest in Launsdach beteilig­ten sich 350 Schüler und Schülerinnen. In Krofdorf fand ein zweitätgiger Turnkursus statt, an dem sich am ersten Tag 26, am zweiten 32 Kursisten betei­ligten. Das Meisterschaftsturnen müsse in Zukunft vom März in den September verlegt werden, da eine ganze Reihe von Vereinen im Winter über feine Turngelegenheit verfügen. Der große Wert des Frauenturnens findet nach dem Bericht des Leiters dieser Abteilung, Ernst Mandler- Heu­chelheim, nur sehr schwer Eingang. An den drei ab­gehaltenen Uebungsstunden beteligten sich 70 Tur­nerinnen. 2ln den Meisterschaftswettkämpfen nahmen drei Vereine, am Bezirksfest drei Vereine und an den leichtathletischen Wettkämpfen 4 Vereine teil. Zum ersten Male gab eine Frau als selbständige Leiterin eines Sportzweiges einen Bericht. Emma Mand­ler- Heuchelheim berichtete über das Turnen der Schülerinnen. Danach beteiligten sich an den abge­haltenen Bezirksübungsstunden 130 und an dem

pulsiven, ein Moment des Gemütes entge­gensetzt. (3ft es nicht eigenartig, daß den Ro­manen der BegriffGemüt" in unserem Sinne fremd ist?) Dieses liebevolle Sichversenkcn, die­ses Träume: de, Weltabgewandte, R.iive, dieses Romantische des Künstlers, bis zum verhaltenen Mystischen führend, ist doch gerade eine Sonder­heit germanischer Kunst, immer geleitet vom Unbewußten der Intuition. Und doch, auch die Romanen entbehren der Raivität nicht ganz in ihrem Kunstschaffen und Kunstdarstellen, aber Sinnigkeit kennen sie nicht, bei ihnen muß das Geistvolle, der Esprit, an diese Stelle treten.

Aber nicht, als ob das Bewußt-Geistige, Reflektierende auszuschalten wäre, im Gegenteil, es hat als kritisches Moment der Formung die Abrundung zu geben und beim Rachschaffenden selbst auch die historischen Stilrücksichten in den Kreis seiner Erwägungen treten zu lassen. Aber ein nur reflektierendes Rachschaffen würde dem Werke erst den Stil, die äußeren Bedingungen geben, nicht aber das im Werke gebannte Leben wieder erwecken können.

Gerade die Musik erschließt uns Welten, die wir mit den Ausmaßen unserer Lebensformen nicht immer erfassen können, deren sachlicher Grund nur der Intuition Vorbehalten bleibt. Aber der Intellekt wollte das Mystische der Musik er­greifen; so wurden einzelne Werke, über deren Inhalt man sich nicht im Zweifel glaubte, zum Schlüssel für fremde Werke, zur feststehenden Formel, zum Symbol für das inhaltliche Erleben der Töne. Eindeutiger Inhalt läßt sich aber kaum in der Musik fest stellen, es würde ja auch das Wesen der Musik verkennen heißen und so mußte ein Mufikerleben im Sinne des Intellek­tuellen zu einer geteilten Erstarrung führen.

Denn ein rein intellektuelles Erfassen der Musik ergab eine Zuspitzung des Vortrags in Fi­nessen, im Raffinierten, damit aber auch ein Heb ersehen des Impulsiven, Intuitiven, des Kunst Werts. Die Virtuosität des Vortrags hatte notgedrungen eine Aeberschätzung des Schul- mäßigen zur Folge. Diese Schulmäßigkeit (im Sinne stilistischer Herkunft) ließ den Träger des Intuitiven, die Künstlerindividualität in ihrer Auswirkung start beschränken und das Akademisch- Wohlerwogene bevorzugen, ohne dabei zu be­denken, daß Körperliches, Technisches und Geisti­ges in einem viel stärkeren Kontakt standen, als man vielleicht ahnte.

Einem Besinnen aus das Intuitive konnte ein solcher Zusammenhang nicht verborgen bleiben; denn im letzten Sinne ist ja selbst das Rein­

Schülerturnfest 70 Schülerinnen. Den Bericht der Leichtathleten gab Otto Mandler -Heuchel­heim. Danach waren alle 5 Bezirksübungsstunden gut besucht. Am Frühjahrswaldlauf beteiligten sich 37, an den leichtathletischen Wettkämpfen 239 und am Herbstwaldlauf 45 Sportler. Sämtliche Kreisver­anstaltungen sanden Vereine unseres Bezirks am Platze. Turnspielleiter Viehmann mußte in seinem Bericht feststellen, daß die Pflege der T um­spiele noch eine viel größere werden muß. Als Bezirksmeister im Faustball wurde Herborn er­mittelt. Diese Mannschaft errang sich auch den Titel eines Kreismeisters und fand erst in den Spielen um die Bundesmeisterschaft, die in Stuttgart ausgetra­gen wurde, einen stärkeren Gegner. Einen besonders erfreulichen Bericht konnte der Leiter der Fuß­ballsparte, Kegel - Wetzlar, abgeben. Danach herrscht in allen zur Zeit bestehenden 20 Mann­schaften ein lebhafter Betrieb. Die Mannschaften be­finden sich durchweg in ausgezeichneter Form. Ein neuer Zweig dürfte in Kürze hinzukommen: der Wassersport. In der anschließenden lebhaften Aussprache wurde u. a. betont, durch geeignete Auf­klärung der Eltern die Jugend, vor allem die gefähr­dete schulentlassene, für die sportliche Betätigung zu gewinnen. Die Schaffung von geeigneten Sport­plätzen ist in allen Gemeinden, wo solche noch nicht bestehen, anzustreben. In erster Linie soll hierbei auf die moralische Verpflichtung der Gemeindeverwal­tungen, Sport- und Spielplätze zu schaffen, hinge- wiesen werden.

,D i e neue Großmach t", der Film der 1. internationalen Arbeiter-Olympiade in Frankfurt, ist für 8 Vorführungstage für den hiesigen Bezirk ge­wonnen. Nach den Erläuterungen, die Mund -Gie­ßen als Derhandlungsführer in dieser Angelegenheit gab, wird der Film vom 7. bis einschließlich 14. März zur Verfügung stehen: er wird in Gießen und einer Reihe größerer Orte der Umgegend vorgeführt werden/

Die Situation im Bund" betitelte sich ein Vortrag, den der Kreisvorsitzende Bauer- Frankfurt im Anschluß hieran hielt, wobei er alle wichtigen Vorgänge und zukünftigen Ausgaben des Bundes beleutete.

An Stelle der seitherigen reinen Bezirks turn- feste treten nunmehr Bezirksfeste, auf denen alle Sportarten zu Worte kommen werden. Dieses grö­ßere technische Programm an einem Tage abzu- wickeln, ist unmöglich, es muß an 2 Tagen zum Aus­trag kommen. Deshalb wird das diesjährige B e zirksfest, das in Wieseck stattfindet, auf den 3.. 4. und 5. Iuli festgelegt. Die leichtathleti­schen Wettkämpfe, die am 25. Juli stattfin­den, werden Gießen übertragen, während Heu- che 1 heim antragsgemäß die Durchführung des Schülerturnens für den 8. August erhält. Dieses Schülerturnen soll ohne jeden Wirtschaftsbe­trieb abgehalten werden.

Eine große Reihe von Anträgen sand durch An­nahme ihre Erledigung, darunter einer, der alle Ver­eine, die keine geprüften Kampfrichter Im Turnen besitzen, vom Bezirksfest ausgeschlossen wissen will. Weiter sollen sämtliche vorhandenen Vereinstromm­lerkorps zu einem Bezirkstrommlerkorps zusammen­gezogen werden.

Nach den zum Schluß erfolgten Vorstandswahlen wurden einstimmig gewählt: S ch ä f e r - Wieseck als Bezirksvorsitzender, Laucht -Gleiberg als Kassierer, Wagner- Launsbach als Schriftführer und Schmidt- Alten-Buseck als Jugendleiter. Die ein­zelnen Spartenleiter werden auf den betreffenden Spartentagungen gewählt und bilden mit obenge­nannten den Bezirksrat.

Freie Turnerschaff Gießen I.IHännerturnoerein Marburg I. 10:1.

£ Bei äußerst ungünstigen Bodenverhältnissen trafen sich diese beiden Mannschaften am Sonntag zu einem Gesellschaftsspiel. Nach dem hohen Resultat ist eine Überlegenheit der Gießener gegenüber den

Technische dem Affekt, dem Impulsiven stark ver­bunden; der Gesangston mit dem so stark affekt­betonten Zteerchfell. And daß dem Instrumental­ton ähnliche organische Zusammenhänge seinen Charakter verleihen, davon legen die Veröffent­lichungen der letzten Jahrzehnte Zeugnis ab; nie hat es über das physiologisch-psychologische Er­fassen der Technik eine so zahlreiche Literatur gegeben als in dieser Zeit.

And damit mußte ein anderes Vortragsideal erwachsen. Das Wesen des Künstlers zeigt sich bei der Durchdringung des Lebens als einer Einheit mit dem Geistigen auch in seiner körper­lichen Bewegung, seiner Gebärde. Ja, man emp­fand den Mangel der intellektuellen Musikübung und erschloß ihre Ausdruckskraft durch die Be­wegung, die Tanzplastik, And der Künstler ver­stärkte seine Aeuherung durch die Gebärde, den körperlichen Ausdr - (soweit nicht das Technische der Ausführung dadurch behindert werden konnte). Bei den Beziehungen der Technik zum Geistigen mußte die Technik als geistiger Faktor im Ausmaße des geistigen ErlebeiÄ wachsen. Das individuelle geistige Erleben mußte auch für jeden Künstler eine persönliche Rote selbst imTechnischen wecken und so zu einer viel stärkeren Durchdrin­gung des Kunstwerks durch die Gestaltung füh­ren. Solche Einstellung mußte allerdings körper­lich-technische Hindernisse zu geistigen Hem­mungen werden lassen und umgekehrt. Gewiß kann in einem solchen Fall künstlerische Reflektion aus- gleichen und über Schwächen hinwegtäuschen; aber die Grenze des Persönlichen wird sich nimmer ver­wischen lassen, und soll es auch nicht, denn die Echtheit der Gestaltung würde darunter leiden. Damit soll nicht etwa dem Draufgängertum das Wort geredet sein; ein gewisses Maß von Besinn­lichkeit ist dem Künstler, zumal dem Sänger notwendig. Unb selbst der stimmliche Heroismus eines Caruso legt davon Zeugnis ab, dafür spricht sein Zeitgenosse Bonci, in unseren Tagen Bat- tistini als leuchtendes Beispiel; gerade auch bei den im Affekt erlebenden Italienern.

And nun unsere Konzertgeberin. Wohl selten trifft es sich daß eine Künstlerin die Reichweite der eigenen Persönlichleit im Gestalten des Wer­kes so zu übersetzen und damit auch zu zügeln ver­mag, wie gerade bei itzr. 3hr stimmlicher Cha­rakter als Ausdruck ihrer Persönlichkeit weist ihr die Wege. Ihr glockenheller Sopran, von einer Klarheit der Linie, zeigt eine seltene Reife der Durcharbeitung, die eben das, was wir schlecht­hin als Technik, als solche nicht mehr empfinden läßt, es ist eben alles selbstverstäirdlich ihrem

Marburgern unverkennbar, auch scheinen die Lebren aus dem am vorhergehenden Sonntag gegen Offen­bach hoch verlorenen Spiel für die Gießener Mann­schaft nicht umsonst gewesen zu fein. Das ungün­stige Wetter und der in einen Morast verwandelte Sportplatz wirkten sich bei der neu zusammenge- stellten Mannschaft der Männerturner äußerst un­angenehm aus, die spielerisch nicht so hoch zu ver­lieren brauchen. Aus Wunsch der Marburger wurde das Spiel 10 Minuten nach Halbzeit abgebrochen.

Das Spiel der zweiten Mannschaften genannter Vereine bot dasselbe Bild. Marburgs Zweite, seit langer Zeit zum ersten Male auf dem Platz, Gießen in seiner bekannten guten Aufstellung. Das Resultat, 8:0 für Gießen, ist deshalb nicht ver­wunderlich. Erfreulich ist, daß Marburg wieder mit seiner zweiten Mannschaft antritt aus Nieder­lagen lernt man! Allem Anschein nach steht für die kommende Frühjahrsfaison ein lebhafterer Spiel­betrieb zu erwarten.

Das Fechten bei den deutschen Kampfspielen, vo. lieber das sechtsportliche Programm ge­legentlich der deutschen Kampfspiele in Köln besagt die vorläufige Ausschreibung:

1. Die Wettbewerbe im Fechten werden nach den Bestimmungen des Deutschen Fechterbundes (Geschäftsstelle Offenbach a. M.) ausgetragen.

2. Die Wettbewerbe finden im Saal statt.

3. Sie werden ausgetragen für Florett, leich­ten Säbel und Degen.

4. Zeit: 5. und 6. Juli 1926.

Die Beteiligung an den Kampfspielen ist für alle Fechter offen, welche sich zum Deutschtum bekennen. Die Leitung der Kampfspiele erhofft, daß sich nicht nur Teilnehmer aus dem Reich, sondern auch aus den abgetrennten Gebieten und die Auslanddeutschen in noch viel größerer Zahl als auf den Ersten Deutschen Kampfspielen in Berlin am alten deutschen Rhein ein Stelldichein geben werden. Der Deutsche Fechterbund als älteste Sportfechter-Vereinigung Deutschlands wird seine besten Kämpen neben den Fechtern des Fechterverbandes der D. T. entsenden.

Deutsche Hochschut-Meisterschaften.

Die Ausschreibungen.

vo. Das Deutsche Hochschulamt für Leibes­übungen und das Amt für Leibesübungen der Deutschen Studentenschaft haben die Aus­schreibungen zu den am 27. und 28. Februar in Halle a. d. S. durchzuführenden Deuffchen Hochschulmeisterschaften 1926 im Turnen, Wald­laufen und Sportfechten veröffentlicht.

Teilnahmeberechtigt sind alle Mitglieder der Deutschen Studentenschaft. Als deutsche Hoch­schulen gelten die durch die allgemeinen Studenten­ausschüsse in der Vertretung der Deutschen Studentenschaft zusammengeschlosfenen Hoch­schulen. Die Turnwettbewerbe sehen sich zu­sammen aus Zehnkampf und Handgeräte- und FreiübungS-Dreikampf für Studenten und Alt­akademiker, einem Siebenkampf und einem Hand­geräte- und Freiübungs-Dreikampf für Studen­tinnen. Der Waldlauf wird ausgetragen als Einzelmeisterfchaft und als Mannschaftslauf (bei kleineren Hochschulen unter 1000 Studierenden drei, bei größeren Hochschulen vier Läufer). Die Laufstrecke ist 7,5 Kilometer lang. Die Wett­bewerbe im Fechten gelangen als Meister­schaften im 1. Florettfechten, 2. Säbelfechten (Hieb und Stich), 3. Degenfechten zur Aus­tragung.

Richtlinien für ihre Vergebung.

vo. Das Deutsche Hochschulamt für Leibes­übungen (Dehofel) gibt Richtlinien für die Ver-

Sestaltungsteillen ordnet sich alles willig ohne jede Hemmung unter. Und sie zeigt, daß nicht nur Italien das gelobte Land der Sänger zu sein braucht, daß Gesangsmeisterschaft auch bei uns in Deutschland möglich ist. Gewiß stehe ich nicht an, zu behaupten, daß diese Stimme beim Her­ausgehen aus dem Registerlichen noch mehr ge­winnen könnte; aber das soll uns den großen Eindruck von ihr nicht schmälern. Aber wer viel sehr viel zu bieten vermag, der macht begehr­lich und weckt den Wunsch für die allerhöchste Vollendung, für das letzte Ideal. Daß sie dem durchaus nahe steht, das zeigte sie in der Durch­führung des Programms. Das starke, stimmliche Können wurde zum M ttler eines drängenden Ge­staltungswittens. Und darin steht sie in der Reihe unserer ersten Gesangsgröhen einzig da, daß bei ihr der Kontakt zwischen Werk und Persönlichkeit. Technischem und Geistigem sich ohne jede Ham- mung auswirken kann, und so wurde der Abend zu einer Reihe von Erlebnissen, wie sie einem selten beschieden sind.

Wie sie Hugo WolfsMignon" gestaltete, ist mit Worten kaum zu ergrünten; das war das Schicksal, was da sprach; einSchweben zwischen Trug und Wahrheit", ein Eindruck des Erschüt­terns. Da schien es doch, als sei Grete Stückgold die dramatische Sängerin, lind wiederum, welcher Innigkeit, welcher bezaubernden Weichheit konnte sie in den beiden Wiegenliedern von Schubert und Richard Strauß fähig sein! Diese visionären Töne! And bann das Elegische In Richard Strauß' Allerseelen". Das Reckffche imSffenlied" (H. Wolf), in SchubertsSchmetterling". Und welch ein Jubel in H. WolfsEr ists"; dieser schier endlose Schluhton! Oder in den Delcantogesän- gen; Grete Stückgold kann eben alles, ihr ist nichts unmöglich, lind'Rossinis:La Danza". da fanb im Taumel des Tanzes auch der letzte Rest von Ertenbeschwernis seine Lösung!

Da muhte das Publikum mitgerissen werden; die Eindrücke waren ja zu stark. And Zugaben dursten nicht fehlen: MozartWarnung", Brahms Vergebliches Ständchen".

Herr Hans Tillmann« Frankfurt hat seit seinem letzten Auftreten in Gießen erheblich ge­wonnen an Technik und musikalischer Vergeisti­gung. Reben solch einem Solisten wie Grete Stück­gold in Ehren zu bestehen, ihr zu folgen in jeder Aeuherung; das ist die beste Feuerprobe für das Können eines Begleiters.

Der Konzertverein aber hat sich den Dank aller Konzertbesucher verdient, daß er Grete Sttickgold für Gießen verpflichtete. in