Nachdruck verboten.
20. Fortsetzung.
dein
ner-
ver-
der Schwedenvertrag und seine Nachfolger unter Dach und Fach kommen, dann wird bas Reich noch oft Schatzwechsel bei der Reichsbank beheben müssen, weil sich anders die Mittel für! die Erwerbslosenunterstühung nicht beschaffen lassen. Das ist dec Anfang einer neuen Inflation, über deren Ablauf totr um so Weniger Herr sind und sein werden, als sich noch nicht übersehen läßt, wie sich dann der Mechanismus des Dawesplans auswirkt.
Der dritte Schutz
Kriminalroman von Ole Stefan!.
Nach einer Viertelstunde gab er es auf. Sie ... abschiedelen sich kurz und förmlich von dem Wein- höndler und gingen schnell aus dem Hause. —
„Wer war im Zimmer, altz ich im Gang stand?" fragte Kramer.
„Soviel ich weiß, niemand. Allerdings war ich Ihnen nachgegangsn, stand halb in der Tür und achtete nicht aus den Raum hinter rtiir!"
Sie sprachen kein Wort mehr und gingen eiligen Schrittes der Villa Grete zu. Unterwegs schüttelte der Anwalt wiederholt den Kopf.
Im Garten trafen sie Schulz mit Lachner bei einer Gartenpromenade. Kramer zog den Beamten beiseite und erzählte ihm von dem mysteriösen Verschwinden der Kugel.
Schulz war sehr betroffen: „Am Hellen Tage? Das ist em starkes Stück! — War denn außer Esser, Molinski und Ihnen jemand im Hause?"
„Babette natürlich. Sonst wüßte ich von tiiemam dem/'
„Standen die Fenster auf?"
„Die Balkontür natürlich. Es war das Verandazimmer."
„Und gibt es noch eine andere Tür in dem Raum, als die, vor der Sie standen?"
„In — es gibt noch eine andere Tür in einer Seitenwand."
Sie rieten hin und her und ergingen sich in Mutmaßungen. Sie waren sich einig darüber, noch nie in einer so verworrenen Angelegenheit tätig gewesen zu sein. Stündlich fast zeigten sich neue unerklärliche Fährten. Das schlimmste an ihnen war, daß eine der anderen widersprach. Mit dem Vorsatz, nun auch allf die Villa Esser ein Auge zu haben, gingen sie ZU Tisch.
Lachner, der inzwischen über die Vorgänge der Nacht informiert worden war, behandelte Schulz mit der unwillkürlichen, mit Neugierde aemischten Scheu, die einen Menschen befällt, wenn sich ein ihm Bekannter unerwarteterweise als Kriminalbeamter entpuppt.
Sic sahen durchs Fenster den Briefträger auf das Haus zukommen. Und bald trat Maria mit einem Stoß Postsachen ein, alle an Grete adressiert. Es waren größtenteils schon Kondolenzschreiben, die aus der Umgegend kamen und beredtes Zeugnis von den Sympathien ablegten, die sich Brentyeim in den kurzen Monaten seines Hierseins erworben hatte.
Kramer bat, die Briese durchsehen zu dürfen, und Grete reichte ihm, nachdem sie sie mit teilnahMs- losek Miene durchgelesen hatte, Stück für Stück hin.
Auf einmal stockte sie. Sie hielt eine einfache Postkarte in dec Hand, die sie ärgerlich ansah. Dann riß sie dos Blatt in viele kleine Stücke, die sie in den Papierkorb warf. „Eine Prioatsache!" sagte sie. Eine feine Falte zeigte sich zwischen ihren Brauen und lle war etwas rot geworden.
„Da ist ja auch ein Telegramm dabei!" Hastig öffnete sie es. — Es war von Brentheims Schwester aus Ostpreußen, der Lachner die Trauerbotschaft drahtlich übermittelt hatte. Sie sagte ihre Ankunft für die Frühe des nächsten Morgens an. —
(Fortsetzung folgt.)
Es fei daran erinnert, daß ein kommunistischer Kongreß aller unterdrückten Kolonialvölker geplant wird. Wenn der Kommunismus mit dem bereits erwähnten mohamedanischen Völkerbund, der die mohamedanischen Völker von ihren europäischen Herren befreien will, zusammenarbritrn würde, so würde dieses Bündnis eine große Gefahr für Englands und Ftairkreichs Kolonialbesitz bedeuten. Gefährlich ist für England auch fein Gegensatz zu Rußland und zur Türkei, da beide Staaten bekanntlich einen Vertrag geschlossen haben.
Was ergibt sich aus dieser Betrachtung der kolonialen Schwierigkeiten Englands und Frankreichs für Deutschland? Soll Deutschland an seiner Forderung auf Rückgabe seiner früheren Kolonien festhalten? Die Frage ist zu bejahen. Deutschland ist ein Industrieland, das koloniale Rohstoff- und Absatzgebiete dringend nötig hat. Auch sein Bevölkerungsüberschuß drängt zur Ko- lvnlalpolitik. Die augedeuteken Schwierigkeiten werden sich in den früheren deutschen Kolonien nicht ergeben, Deutschland muß jenen Konflikt mit der^ mohamedanischen Welt vermeiden und Möglichst gute Beziehungen mit dieser pflegen. Die Eingeborenen in den früheren deutschen Kolonien haben auch jetzt noch großes Vertrauen zu den Deutschen. Rach Rückgewinnung unseres Kolonialbesitzes wird die traditionelle, eingeborenen^ freundliche Politik Deutschlands fortzusehen sein.
„Ja — wenn's die Leute sagen —"
„Nee — sein Sie mal ehrlich zu mir!*
„Fragen Sie doch Ihren Freund Sandberg danach, vielleicht kann er Ihnen die Auskunft geben."
„Wie sollte der dazu kommen? — Aber ich kann ihn ja Mal anrufenr
„Das wird wenig Zweck haben."
„Warum?"
„Weil er nicht zu Hause fein wird. Sandberg hat diese Gegend mit schlichtem Abschied verlassen/'
„Was heißt denn oat?'i
„Er ist weg — und wenn er das nicht wäre, so hätte ihn die Kriminalpolizei heute nacht verhaftet.
Ratlos sah der Weinhändler von einem zum andern. „Ein schlechter Witz!" sagte er schließlich schnaufend.
Kramer zuckte die Achseln.
Essers Gesicht nahm eine beängstigend blaurote Färbung an. Er wandte sich ab Uno blickte schweratmend durchs Fenster.
Molinski sah den Anwalt fragend an.
Der Weinhändler drehte sich ihnen wieder zu und sagte, während er seine breiten Züge zu einem Lächeln verzerrte: „Das is ja 'ne Hiobspost. Wat hat er denn getan?"
Kramer antwortete ausweichend: „Er wird schon lange von der Polizei gesucht."
Esser riß die Augen auf. Wortlos stellte er die Brisfwage auf den Tisch und ging aus dem Zimmer.
Kramer legte behutsam die beiden in Seidenpapier gewickelten Geschosse vor sich hin. Interessiert sah Molinski zu.
Eben hatte der Rechtsanwalt die erste Kugel gewogen und sich das Gewicht gewissenhaft in sein Taschenbuch notiert, als der Pole sich mit gespanntem Gesichtsausdruck erhob, und auf Zehenspitzen zur Tür ging.
„Er telephoniert!" flüsterte er.
„Wenn schon! — Neugierde ist ein übles Laster!" sagte Kramer. Aber er stand doch auf — eingebenf des Eindrucks, den die Nachricht von Sanobergs Verschwinden auf den Weinhändler gemacht hatte, und begab sich zur Tür, die er leife öffnete.
Das Zimmer, in dem der Telephonäpvarat stand, befand sich jenseits des Korridors, unb vorsichtig schlich der Anwalt in den Gang, jeden Moment darauf gefaßt, von Babette ertappt zu werden.
Kreditversicherung.
Bon Sir Drnmmond Fraser, Vizepräsidenten des Institute os Bankers, London.
Wenn man von Kredit spricht, so hat man in der Regel eine der beiden. Arten dös Kredites im Sinne. Man denkt entweder an die Fähigkeit einer Person, gegen Hingabe eines bloßen — stillschweigend ober ausdrücklich gegebenen — Z a hlungs- ver spreche ns Geld zu erhöhen, ober aber an den sogenannten Bankkredit, das Darlehen. Es handelt sich in beiden Fällen um verschiedene Vorgänge, beide stkhen jedoch in einer gewissen Beziehung zueinander. Eine Person, die nicht die Fähigkeit besitzt, auf Grund ihres guten Rufes auf ein bloßes Zahlungsversprechen hin Geld zu er halten, kann nur nut einen Bankkredit in dem zweiten Sine erhalten, eher bann in der Reg»! zu so schweren Bedingungen, daß das gonge Darlehen für die betr. Person feinen Relz besitzt. Ein Bankier, hh den sich eine solche Person wendet, stellt in der Regel Forderungen, die einer diplomatischen Ablehnung dks Darlehnsgesuches gleichkommen.
Eine Person, die Bankkredit in zu freimütiger Weise ausnützt, verschlechtert allmählich ihren Ruf, sie „schwächt 'ihre Kreditfähigkeit", wie man in der Bankwelt sagt. Fast alle europäischen Regierungen taten die- während des Krieges. Sie pumpten ein- fach darauf los, unb viele von ihnen waren daher eines schönen Tages nicht in der Lage, weiter Geld aufzunehmen oder Kredit zu erhalten. So waren sie gezwungen, Schritte zur Stützung ihres Kredites zu unternehmen. Der Zusammenbruch Oesterreichs, Deutschlands, Ungarns, Frankreichs Unb Belgiens — um nur einige Lander mit zeitweilig geschwnn- benem Kredit zu nennen — erfolgte in der Hauptsache aus dem Umstande, daß diese Länder zu weitgehende Kredite in Anspruch genommen und infolgedessen eine zu schwere Schuldenlast auf ihre Schultern geladen hatten. Der Umstand, baß diese Krebite nicht für Aufbau-, sondern für Vernichtungszwecke Verwendung fanden, machte eine Rückzahlung um so schwerer. Oesterreich, Deutschland und Ungarn verloren mit dem Weltkrieg auch ihre Kreditfähigkeit und mußten Schritte unternehmen, um diese Kreditfähigkeit wieder herzustellen. Frankreich unb Belgien als Siegerstaaten werden über kurz oder lang ein gleiches tun müssen.
Der Zusammenbruch des Kredites in Europa war eine der schwersten wirtschaftlichen Folgen des Weltkrieges. Er ist für den außerordentlich hohen Umfang der Beschäftigungslosigkeit, die wir in allen Staaten beobachten können, und für die hohen Zinssätze, die heute für Darlehen unb Krebite aller Art gefordert werden, verantwortlich zu machen. An ihm liegt die große Wirtschaftsdepression, die wir in weiten Gebieten beobachten können. Seit dem Ende des Krieges haben sich hervorragende Volkswirt- schastler und Wirtschaftsführer hauptsächlich mit der Wiederherstellung der Kreditfähigkeit befaßt, d. h. der Fähigkeit, die eine Perfon oder einen Staat in den Stand setzt, gutes Geld zu einer erschwinglichen, wieder einbrrngbbren Zinsrate zu erhalten.
Der Stand der Kreditfähigkeit einer Nation .spiegelt sich in ihrer Währung wieder, d. h. in der Beziehung, in der diese Währung zu den Währungen > anderer ßanber steht, oder — um es etwas einfacher auszudrücken — in der Kaufkraft ihres Geldes. F Deutschland hatte seinen Kredit während und nach dem Kriege so zerrüttet, daß die Mark, die vor dem - Kriege etwa den zwanzigsten Teil eines Pfund Sterling wert war, nur Noch den billlonsten Teil eines Pfundes galt. Frankreich hat feinen Kredit so geschwächt, daß das englische Pfund nicht wie früher 25 Franken kostet, sondern 180 bis 185 Franken. Der Frankensturz scheint trotz aller Bemühungen der französischen Regierung immer bedrohlichere Formen anzunehmen. Es ist klar, daß eine schwankende Währung eine große Gefahr für den internationalen Handelsverkehr bedeutet, da der Handel mit einem Lande, dessen Währung schwankt ober besten Währung sich gar von Taa zu Tag entwertet, mit einem Risikofaktor belastet ist, der den Verkehr mit diesem Lande außerordentlich erschwert, und der
zum größten Teil an der Landflucht der bisherigen Bevölkerung, die seit dem Ende des Krieges in unerhörtem Maße eingesetzt hat.
Die italienische Zone in Südsrankreich geht von Toulouse bis an die italienische' Grenze bei Rizzo. Italien ist auf friedlichem Wege im Begriff, Südfrankreich zu erobern. Dos dürfte auch gewisse politische Konsequenzen haben. Falls sich der Gegensatz Italien — Frankreich, der sich belonders in der Kolonialpolitik zeigt, weiter verschärft, so wird die italienische Kolonie in Frankreich für dieses eine schwere Belastung darstellen, ebenso wie die große italienische Kolonie in dem französischen Tunis. Es fehlt in Frankreich für die Durchführung einer erfolgreichen Kolontalpolitik Bet wichtigste Faktor, nämlich das Vorhandensein eines Be'öölkerungsüber-- schnsses.
Frankreich empfindet diesen Äebelstand. Zum Ausgleich seiner sinkenden Bevölketungszahl will es aus dem Koldnialgebiet eine militärische Machtquelle machen. Die Kriegsstärke des farbigen Heeres ist jetzt auf 160Ö ÖÖO Mann zu veranschlagen, ein Punkt, Bet aiif der Äbrüstungs- konserenz zu beachten sein wird. Frankreich hofft, die Farbigen tn seinen Kolonien zu echten Franzosen machen zu tonnen. Dos System der Assimilation, d. h. der Französierung der Eingeborenen, dürfte nicht zum Erfolge führen. Es wird eine Halbkultur der Eingeborenen zeitigen. Die BerMlschung zwischen Franzosen und Farbigen wird eine moralisch tiesstehendo Misch- bevölkerung hervorbringen. Die Militarisierung der Schwarzen in Afrika birgt große Gefahren in sich, unb zwar nicht nur für die französische Herrschast, sondern überhaupt für die Vormachtstellung des Europäers. Die in die afrikanische Heimat zurückkehrenden schwarzen Soldaten der französischen Armee bilden ein für die weihe Herrschaft gefährliches Element, das auch auf die heimischen Volksgenossen einen ungünstigen Einfluß ausübt. Durch die Methode der Milltarisie- tuna unb Gleichstellung des Schwarzen mit dem Weißen wird das Selbstbewuhtsein des Regers, bet schon Ratur aus meistens zur Eitelkeit neigt, in gefährlicher Weise gestärkt. Das Hot sich bereits bei dem testen Cingeborenenkongreß von Südafrika in Bloemfontein gezeigt. Einer der Sprechet erinnerte an Ben Verlust der amerikanischen Kolonien seitens des englischen Mutter- lanves. Wenn die Weihen ihre gegenwärtige Politik in Afrika nicht änderten, so würden sich die Geschicke Amerikas in Südafrika wiederholen. Das neue Jahr möge bet schwarzen Rasse die Freiheit von bet Knechtschaft der Europäer bringen. Es werden für die Schwarzen gleiche bürgerliche Rechte, gleiche Wahlrechte, gleiche Rechte im Erwerben von Land, gleiche Arbeitsrechte in der Wirtschaft usw. betfattgi. Die Eingeborenen beanspruchen sogar Platz und Einfluß im Völkerbund.
Weitere Schwierigkeiten ergeben sich in den mdhamebc>nischen Koloniallänbern aus der Erstarkung des panissamitischett Gedankens. Alle mohamedanischen Völler wollen sich zu einem moyamedamfchen Völkerbunö zusammenschlietzen. Wem: auch die Erklärung des heiligen Krieges während des Weltkrieges keinen Erfolg gehabt hat, so kann doch daraus nicht geschlossen werben, daß die jetzige ii.ohamedanische Bewegung ebenfalls keinen Erfolg haben werde. Im Weltkriege fehlte die große Organisation für diese Bewegung, wahrend sie jetzt geschaffen wird. Auch die Feldzüge in Marokko und Syrien dürften nach Biefer Richtung wirken.
Frankreich hat in Rotdafrika noch weitere Sorgen, die ihm von Italien bereitet werden. Es fei nur an die letzte Reise von Mussolini nach Tripolis erinnert. Mussolini verfolgt ein großzügiges KdldNiakPtograrnm, das sich vor allem argen Frankreich richtet. In dem französischen Tunis dominiert das italienische-Element. Rund 50 000 Franzosen stehen etwa 100 000 Italienern gegenüber. Der italienische Einfluß wird von Frankreich sehr unliebsam empfunden. Man mißtraut Mussolini. Zu dem französisch-italienischen InteresseNgcZensah kommt ferner Bor französische englische. Auch Bet arabische Rationalismus Nimmt zu. In dieser Richtung arbeiten bas Zen-» tralkomitee für die Befreiung Rorbafrikas zusammen mit dem Komitee für die Befreiung Syriens.
Auch England hat feine kolonialen. Sorgen. Im Osten, besonders in Indien, ist es der Kommunismus, der öie unterdrückten Kolonialvolker gegen, ihre englischen Herren aufzuwiegeln sucht.
„Was machen Sie denn da unten?" sagte Esser, der eintrot und erstaunt aus die beiden auf Teppich Herumkriechenden sah.
„Ich habe etwas verkokenI" sagte Kramer vös und suchte weiter.
Oderhesisn.
Landkreis Gießen.
X Klein-Linden, 23. Juni. Bon den vor Wochen noch gut behangenen Apsel- unb Birnbäumen fallen jetzt große Mengen Früchte ab. Die Verluste sind sehr bedeutend. — Untere Landwirte sind jetzt mit der Heuernte voll beschäftigt. Sie verspricht sehr gut zu werden. — Die vielen L ö ch e r i n b e r Kreisstraße werden jetzt mit Splitt unb Teer ausgefüllt. Leider werden durch die schnell- fahreNden Autos die Steine zum Teil wiederaus den Vertiefungen herausgeschleudert, so Baß fite Straße zum Rachteil der Fahrräder mit scharfen Steinen übersäet ist. Hoffentlich folgt bald die volle Teerung der Straße, damit die große Staubplage aushört.
e Lollar, 24. Juni. Ein schwerer AIn= glilcksfall ereignete sich gestern nachmittag gegen 3 Ähr in den hiesigen Eisenwerken. Der Lokomotivheizer Heinrich Deibel von hier geriet beim Rangieren zwischen die Puffer, wobei er einen Veckenbruch und innere Verletzungen erlitt. Der Verunglückte wurde . durch die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz in Gießen, die in kurzer Zeit mit ihrem neuen Sanitäisauto am Platze war, nach der Chirurgischen Klinik in Gießen verbracht. Das Besinben des Mannes ist ernst, aber nicht hoffnungslos. Heute früh ging es ihm ein wenig besser als gestern abend.
* Lollar, 24. Juni. Der hiesige Turn- unb Gesangverein begeht am 26., 27. und 28. Juni sein 6 5. Stiftungsfest, mit dem ein Iugendfest verbunden wird. Man darf auf einen vortrefflichen Verlauf des Festes rechnen.
4- Lich, 23. Juni. Unsere Freiwillige Feuerwehr rüstet eifrig für ihr am nächsten Sonntag stattfindendes goldenes Jubelfest. Mehr als 20 auswärtige Wehren haben ihre Teilnahme zugesagt. Daß die Feier ein Fest für unsere gesamte Einwohnerschaft ist, beweist der Umstand, daß fast alle Vereine zum guten Gelingen der Feier beitragen wollen. Die Festrede hat Bürgermeister Völker übernommen, der auch die Geschichte des Vereins gesammelt hat.
i. Ettingshausen, 23. Juni. Vor einigen Tagen wurden die Grund st ticke, die oas Bauxitbergmerk seinerzeit zUsaMmengekauft hatte, von der Gemeinde z u r ü (f c r ro o r b e n. Man kann daraus schließen, daß der Unternehmer des Bauxitwerkes den Betrieb endgültig eingestellt hat. Da auch die Betongesell- schäft die Arbeit mit ihrem Steinbruch "sehr eingeschränkt hat, war ein Teil der hiesigen Arbeiterschaft erwerbslos geworden. Das hat jetzt aufgehört, weil dis beiden anderen Stein brilchc flott weiterarbeiten. Das Anschluß - geleise derselben an die Butzbach — Licher Eisenbahnstrecke ist in Arbeit und geht seiner baldigen Vollendung entgegen. Es war eine gewisse Verzögerung eingetreten, da die Rampe jetzt an
„So? Danke schön!" Er stand auf. „Schulz, ich gehe gleich zu Esser und will die beiden Kugeln wiegen. Diese hier und dis aus der Wand des Wohnzimmers. — Aber wir wollen dis Taktik verfolgen, daß immer einer von uns hier ist und das Haus beobachtet. Bleiben Sie also. In einer halben Stunde bin ich wieder da st'
Er ging ins Haus und betrat mit leisen Schritten das Zimmer, in dem der Ermordete lag. Das bleiche Gesicht des Alten zeigte jenen ruhigen, männlichen Ausdruck, den der Anwalt an Brentheim besonders geliebt hatte. Er stand lange Zeit neben dem Toten.
Grete war leise hereingetrsten. Sie gaben sich die Hand, und er erkundigte sich nach ihrem Befinden. Sie nickte ihm dankbar zu, ohne zu sprechen und setzte sich neben das Bett. —
Draußen traf Kramer den jungen Molinski.
„Ich habe Ihnen für Ihre Hilfe heute nacht noch nicht gedankt!" sagte der Rechtsanwalt herzlich. „Sie haben uns viel genützt. Seien Sie überzeugt, daß ich es Ihnen nicht vergessen werde!"
„Glauben Sie?" sagte der Pole mit einem Milden Lächeln.
Erstaunt sah ihn Kramer an. „Sie sehen recht elend aus! — Hoben Sie etwas geschlafen?"
„Ich hahs teilte Ruhs", sagte Molinski nervös.
„Kommen Sie ein Stück mit mir, ich gehe zu Esser." —.
Der dicke Weinhändler saß aüf der Veranda, im Garten hing Babette Wäsche auf. Er begrüßte die Herren in seiner lauten Art Und schickte das Mädchen in den Weinkeller.
Als sie um den Tisch saßen, fragte er den Rechtsanwalt: „Man erzählt sich jetzt in der Gegend so allerhand. So hörte ich gestern abend, daß Ihr Freund aus Berlin — der Ingenieur Beyer, wie Sie Ihn nennen — sigentlich ganz jemand anders sein soll!"
„So?" sagte Kramer lächelnd.
„Ja . . Esser runzelte oie Stirn. „Mir können £te et doch verraten: is er wirklich bei der Krimi- Olllpolizei?"
sich in einem Londe, das über eine stabile Währung verfügt, nicht findet.
Völkerbund und Dawesausschuß haben den Welthandel einen ungeheuren Dienst erwiesen, als sie in dem Chaos des Geldwesens, das kurz nach Beendigung des Weltkrieges In Deutschland, Oesterreich und Ungarn bestand, wieder Ordnung schufen. Der Handel mit diesen Ländern wickelt sich jetzt in durchaus normalen Formen und ohne großes Risiko ab. Das einzige Risiko, das der Kaufmann jetzt noch im Verkehr mit diesen Gebieten läuft, ist das einer nicht eintreibbaren Schuld, ein normales Risiko, das durchaus leicht abgeschätzt werden kann.
Vor dem Kriege versicherten deutsche Bankinstitute unb Versicherungsgesellschaften diese Art von Risiken. In der fogenannten Kreditversicherung. Diese Ver- stcherunasärt wurde Mit großem Erfolg für die deutsche Geschäftswelt von den dafür in Frage kommenden Instituten betrieben. In Großbritannien wurde sie nur in einem sehr beschränkten Umfange gepflegt.
Eine der ersten Maßnahmen des Völkerbundes war die Aufstellung des sogenannten internationalen Krevitplanes, der den Zweck batte, Geschäftsleute gegen eine geringe Prämie vor den Risiken kommerzieller Verluste in einer Well zu entbinden, bereit Kredit beinahe zur Hälfte durch den Krieg oernichtet war. DUrch diesen Plan wurde die Ausstellung verschiedener Programme für die Errichtung einer .Kreditversicherung angeregt. In England wurde daraufhin die Exportkreditversicherung, die seit 1022 besteht, und die sogenannte Trade Facilities Ad geschossen, unter der eine ungeheure Menge wirtschaftlicher Wiedöraufhauakbeit geleistet wurde. Es handelt sich hier zwar um Kreditversicherungen außergewöhnlicher Natur, indessen werden diese Art von Kreditversicherungen mehr und mehr verschwinden, je Mehr die Welt zu normalen Verhältnissen zurückkehrt und private Unternehmim- gen in der Lage sind, Geschäfte ohne Regierungshilfe durchzuführen.
Es wird indessen stets Bedarf für eine Versicherungsart bestehen, durch die Handel und Industrie das Risiko einer nicht eingehenden Schuld ausschalten können, und durch die sie in der Lage sind, auf längere Zeit Kredite zu erhalten, als sie die Banken normalerweise gewähren.
Gerade imsete heutige Zeit bietet den Regie- rimgett außergewöhnliche Gelegenheiten durch derartige Einrichtungen wirksame Arbeit zur Hebung des Außenhandels und zum Wiederaufbau Ihrer Wirtschaft zu leisten, indem sie private Unternehmungen anregen, die Kreditversicherung zu pflegen. Männer für die Ausarbeitung solcher Pläne, die auch das Aufziehen der notwendigen Organisationen vornehmen könnten, sind sicherlich allenthalben vorhanden, das Kapital dagegen, das für die Durchführung dieser Pläne nötig ist, ist weniger leicht erhältlich, da der Kapitalbedarf heute weit größer ist als das Kapitalangebot. Die Regierungen füllten daher die Schaffung von Kreditversicherungsgesellschaften mit staatlicher Beteiligung ermöglichen. Das Kapital würde sicherlich durch das Publikum aufgebracht werden. Alles, was die Regierung zu tun nötig hätte, wäre, die Gesellschaft gegen Verlust zu schützen. Das würde zweifellos die Hetbeischaffung des erforderlichen Kapitals sicherstellen. Meiner Meinung nach würde die Regierung keinerlei Risiko laufen, denn die von der Gesellschaft vereinnahmten Prämien würden eine ausreichende Deckung bieten.
Die Erfahrungen der Träde Indemnity Comp. in England und der vielen deutschen Gesellschaften vor dem Kriege lasten erkennen, daß diese Idee durchaus durchführbar Und ausbaufähig ist. In England wird die Notwendigkeit einer Kreditversicherung besonders von dem Maschinenbau empfunden, der ein sehr bedeutendes Exportgeschäft machen konnte, falls langfristige Kredite, die durch eine erstklassige Korporation gewährt wurden, verfügbar wären.
Englands und KMmchs kolsmale LchMerigMen.
Don Dr. Dr. v. Z a n t h i e r.
Zur Durchführung einer erfolgreichen Kold-- nialpolltrk gehört tn erster Linie ein Bevölke- rungsüberschuß. Dieser Ist aber Weber bei Franko reich noch bei England vorhanden. In Frankreich hat der Geburtenrückgang der letzten 80 Jahre vor dem Kriege 21 Prozent betragen. Frankreich hat nicht nur nicht einen Bedölke- rungsüb er schuß, den es in seine Kolonien entsenden konnte, es leidet vielmehr schon jetzt an einer lleberfrembung, sodaß es immer mehr zu einer Kolonie für das Ausland tvird. Gas liegt
Er hörte Essers Stimme in ziemlicher Erregung: „Der Kurs is mir vollkommen wllrscht! —'Was Sie können, meinetwegen alles! — Wann is et frühestens flüssig? — Nit eher? Also gut! — Wie? Natürlich komm ich selbst... Ja ... Wiedersehen, Herr Direktor!"
Kramer zog sich schleunigst zurück, als er merkte, daß Ester den Hörer anhängle. Er schloß geräuschlos die Tür hinter sich und setzte sich an den Tisch.
„Haben Sie was gehört?" flüsterte Molinski.
Kramer antwortete verschlossen: „Ja. Nichts Besonderes. Ein geschäftliches Gespräch anscheinend. — Hallo — wo ist denn die andere Äugel?" Beunruhigt überblickte er den Tisch.
„Die andere Kugel?"
„Ja — die zweite. Die erste habe ich wieder eingesteckt."
„Vielleicht die zweite aus Versehen mit ihr?"
Kramer suchte in seiner Brieftasche unb durchwühlte die Taschen seiner Kleidung. Aber er fand nut eine Kugel.
„Sie muß hcruntergefallen sein!" sagte Molinski und kroch unter den Tisch.


