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Nr. U5 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Donnerstag, 24. Juni 1926

Die bedrohten europäischen Währungen.

Von Hans Karl Möller.

Der englische Generalstreik hatte eine unerwar­tete Nebenwirkung: Er wurde die indirekte Veran­lassung, daß die französische und in deren Gefolge die bekaische Valuta erneut scharf ins Wanken kamen. An die Bank von England waren während des Streiks besonders große Anforderungen ge­stellt worden, ein bedeutender Teil ausländischer Guthaben wurde zurückgezogen, und man begegnete dieser schwierigen Lage dadurch, daß man die im Laufe der vorhergehenden Monate zu freundschaft­lichen Stühungszwecken angekauften französischen Franken rücksichtslos auf den europäischen Markt warf. Die Summe belief sich auf zwei bis drei Mil- liarden Franken und mußte natürlich bei solcher Höhe den Frankenkurs sehr stark drücken.

Den absteigenden Weg der französischen und der belgischen Valuta im Verlauf dieses Jahres zeigt folgende Aufstellung:

1926 100 sranz. Fr. 100 belg. Fr.

in Rm. in Rm.

1. Januar 1535 19,06

l.März 1534 19,07

1. Avril 14,5« 15,18

'1. Mai 13,87 13,83

20. Mai 12, 12,21

Um die Nöte des französischen Ftnanzministers noch zu vermehren, wurden am 20. Mai auch noch 3161 Milliarden Franken Derteidigungsbons fällig. Hiervon wurde fast eine Milliarde derIrqorie" präsentiert. Da diese Summe in den Staatskassen nicht vorhanden war, mußte die Notenpresie. ar­beiten, und die Inflation ging lustig weiter. Wie der Ertrinkende ober nach einem Strohhalm greift, hatten die Franzosen zwischendurch plötzlich die Idee, das während des Krieges in England als Sicherheit verpfändete Gold in Höhe von 1 787 Mil­lionen Goldsranken könnte sie retten. Mit einer iro- Nischen Geste zitierte Stephan Lauzanne imMo­tin":England wäre das Land der Gentlemen, und Amerika das der Händler". Aber auch mit dieser Anspielung erreichte Psret in London nichts. In dieser höchsten Not setzte der französische Finanz­minister bei der Bank von Frankreich durch, daß diese zu Stützungszwecken 500 Millionen Gold­franken aus ihrer Goldreserve zur Verfügung stellte. Da dieser Betrag unbedingt die Kräfte der inter­nationalen Spekulation überstieg, so konnte der Franken sich wohl für einige Zeit erholen. Wie zweifelhaft das Mittel sein mußte, hätten die Fran­zosen aus der deutschen Inflationszeit lernen kön­nen, als Havenstein fast eine Milliarde Goldmark Devisen drangab und dennoch die Mark, als dieser Vorrat aufgebraucht war, unentwegt weitersank.

Die belgische Valuta unterschied sich Anfang die­ses Jahres noch wesenllich von der französischen. Belgien, das seine Schuldenregelung mit Amerika bereits im Vorjahre getroffen hatte, rechnete mit einer amerikanischen Anleihe von 150 Millionen Dollar. Aber die zur unerläßlichen Bedingung ge­machte Stabilisierung des Budgets wurde nicht durchgeführt, und so brach Mitte März auch die bel­gische Währung Zusammen.

Anders war die Entwicklung der Dinge in Ita­lien. Im November 1925 erhielten die Italiener von Amerika eine sehr günstige Schuldenregelung und kurz darauf eine Anleihe von 100 Millionen Dollar. Die amerikaniscken Banken haben aber mH dieser Anleihe kein Glück gehabt. Die Hälfte der Summe liegt noch in ihrem Portefeuille, und sie haben Ita­lien wissen lassen, daß es auf eine zweite Anleihe nicht mehr rechnen kann. Hierauf hat die italienische

Währung einen erneuten Sturz erlebt. Nach­stehend die Kursschwankungen der Lira:

1. Mai 1926 100 Lire 16,87 Rm.

10. Mai 1926 100 Lire 16,87 Rm.

14. Mai 1926 100 Lire = 15,12 Rm.

18. Mai 1926 100 Lire 14,83 Rm.

30. Mai 1926 100 Lire ---- 15,80 Rm.

Da Italien von dem ihm seiner Zeit gewährten 100-Millionen-Dollar-Kredit 50 Millionen Dollar bis jetzt noch nicht erhalten hat, so hat der italienische Finanzminister diese Summe zur Stützung des Lira- Sturfes auf den internationalen Devisenplätzen oer- wandt, und es ist inzwischen eine Besserung der italienischen Valuta eingetreten, wie die Tabelle es aufweist. Ist dieser Betrag aber verbraucht, dann stehen Italien weiter keine Reserven mehr zur Ver-

Gießener Stadttheater.

Die Dame, welche . . .

Die Herren, welche sich zu dem sommerlich milden Blödsinn dieses Schwankes zusammen­getan haben, heißen Leo K a st n e r und Alfred Möller. Ob den beiden em seit geraumer Zeit entschlafener FrankfurterKollege" namens Maximilian Klinger bekannt ist, stehe dahin. Dieser nämlich (der ein Zeitgenosse Goethes war und als russischer General hochbctaat starb) schrieb ein Stück, das der literarischen Generation der Stürmer und Dränger den "21 am en gab, ur­sprünglich aber sehr treffendDer Wirrwarr" hieß. Diesen Namen hätten sich die beiden vom seligen Klinger borgen sollen: siir ihre drei Akte paßt er noch besser, viel besser jedenfalls, als die gewählte, mystifizierende Derlegenheitsüber- schrift. Das hmterbunte Derwechflungsdurch- einander, das Lebenselement des Schwankes über­haupt, Ware bestens gekennzeichnet gewesen, ilm so mehr, als die Autoren mit anerkennenswerter Ehrlichkeit durchaus (man merkt es nach den ersten zehn Sätzen) auf alle höheren Ambitionen konsequent verzichten und nur den Schwank wollen, den Schwank um jeden Preis, das unbeschwerte' naive Drauflosfabulieren, den Kalauer und die Situation.

Die Situation, welche sich daraus entwickelt, daß Herr Goll, wollte sagen, der gute Onkel Anton Engelhard, von der ganz unheilbaren Kateridee heimgesucht wird, ein großer und von der Vor­sehung auserwählter Detektiv zu sein. Sein Ahn war der berühmte Fouchs, Napoleons Polizei- mmiftcr, von dem her er sich erblich belastet glaubt Sehr zu Unrecht. Dies erweist der Mittel- aft, auf den es ankommt, und in dem man beklom­men Zeuge jenes unbeschreiblichen Wirrwarrs wird, der sich aus dem Zusammentreffen von Antons erstemFall", einem nächtlichen Techtel­mechtel seiner Frau mit Herrn Jordan, dem Lebe­mann, der in besagten Fall heftig verwickelt ist, und einer Fllmprobe bei Gewitter und mit Sipo in Herrn Jordans Garten für die landläufige Schwankphantasie leicht ergibt. (Mit dielen An­deutungen wolle man sich bescheiden)

fügung, und es bleibt abzuwarten, wie sich die Wäh. rung dann verhält. Der Fremdenstrom von Deutsch­land hat nachgelassen. Dos italienische Budget be­findet sich 3roar im Ausgleich, aber die Passivität der italienischen Handelsbilanz ist ungeheuer. Sie betrug im vorigen Jahr acht Milliarden Lire. In den ersten zwei Monaten dieses Jahres erreichte sie fast 1800 Millionen Lire, so daß, auf das ganze Jahr gerechnet, mindestens der gleiche Betrag her­auskommt. Da in den ersten beiden Monaten dieses Jahres über die Statistiken oorliegcn die italienische Ausfuhr von 2528 auf 2474 Millionen Lire zurückging, so sind die Aussichten für die ita­lienische Wirtschaft nicht besonders rosig, denn in den italienischen Hauptindustrien dem Automobil» bau, der Schwerindustrie, im Maschinenbau, dem Seidengewerbe macht sich bei dem heutigen niedrigen Stande des französischen und belgischen Frankens die Konkurrenz dieser Länder fühlbar. Auch die italienische Ausfuhr nach Deutschland hat in letzter Zeit erheblich abgenommen. Im Januar ist die iwlinische Ausfuhr auf nur 100 Millionen Lire gefallen, d. i. wenig mehr als die Hälfte des Monatsdurchschnitts von 1925, ein Tiefstand, wie er feit dem Ende der deutschen Inflation nicht mehr da war. Gemüse, Südfrüchte und andere Erzeugnisse der italienischen Landwirtschaft leiden in erster Linie unter der Verstimmung des sonst so aufnahmefähi- gen deutschen Marktes.

Die letzten Ereignisse in Polen haben die Auf­merksamkeit der ganzen Welt auf dieses m schweren Zuckungen liegende Land gerichtet. Vor Jahresfrist war die neu geschaffene Zlotywährung (100 Zloty = 81 RM.) auf dem Goldstande. Alles glaubte an die Stabilisierung. Als man aber im Spätsommer vorigen Jahres den Zollkrieg mit Deutscytand vom Zaune brach, wurde die erste Bresche in die pol­nische Währung geschlagen. Ende November hatte der 3lotn bereits 40 Proz. seiner Goldwährung ein­gebüßt. Am Jahresende kaufte man 100 Zloty mit 50 Rm. Bis Ende März bewegte sich der Kurs auf dieser Basis, um dann Ende April auf 40 Rm. zu sinken. Im Freiverkehr (der Zloty ist an der Ber­liner Börse gestiegen) wird der Zloty in Berlin noch mit etwa 35 Rm. gehandelt. Jeden Augenblick kann durch die Unsicherheit der Verhatinisse in Polen eine weitere Verschlechterung dieser bescheidenen No­tierung vor sich gehen. Allerdings hat der Pilsudski- putsch bis jetzt der polnischen Währung noch nicht geschadet, da der Marschall sein Land in stabile Ver­hältnisse überführen will.

Auch der rumänische Lei befindet sich in einer ständigen Abwärtsbewegung. Rumänien hat schließ­lich dem Prager Abkommen über die österreichisch­ungarischen Vorkriegsschulden beitreten müssen und daher braucht es ständig Edelvaluta, deren Anschaf­fung der Banca Nationale ziemliche Schwierigkeiten bereitet.

Don den zweiundzwanzig namhaften europäi­schen Währungen sind ungefähr ein Viertel, nämlich fünf, in der letzten Zeit notleidend geworden. Daß sich darunter diejenigen zweier Großmächte, Frank­reichs und Italiens, befinden, ist besonder: inter­essant. Die Einwohnerzahl der Länder mit gesun­kener Valuta macht ein Viertel derjenigen Europas aus!

Die Eröffnung des polnischen Sejm. In Warschau tritt zum ersten Male nach dem Umsturz der polnische Sejm zusammen. Der Tagung kommt um so größere Bedeutung zu, als auf ihr die Entscheidung darüber fällt, ob Polen eine neue Regierungskrise durchmachen wird oder ob die Abgeordneten den weitgehenden Wünschen der Regierung in Budgetfragen und in der Frage der Erweiterung der Rechte des Staatspräsidenten entgegenkommen werben. Zu berücksichtigen ist dabei, daß die Wendung Pil- sudskis nach rechts, die in dem neuen Programm der Regierung zum Ausdruck kommt, bereits zu einem Bruch mit der polnischen Sozialdemokratie geführt hat, derselben Sozialdemokratie, die es dem Marschall Pilsudski ermöglicht hat, den Staatsstreich durchzuführen. Die Sozialdemokratie hat auch schon in Volksversammlungen 5um Kampf gegen die Diftaturpläne Pilsudskis auf- gefordert, denn die Erweiterung der Rechte des Staatspräsidenten läuft auf weiter nichts hinaus. Zwar ist Pilsudski jetzt nur Kriegsminister und Oberstkommandierender im Kriegsfälle, aber in Wirklichkeit ist er doch der Leiter der polnischen

Die Dame, welche techtelmechtelt da sie mit einem Sherlock Holmes von Herrn Engelhards Qualitäten verehelicht ist, kann man es ihr nicht einmal Übelnehmen, spielte Rita Andre, in weiß, m rosa und einer exotischen Hosenrolle. Goll, den man zu dem ürenfet Fouches ver­urteilt hatte, ist zu schade für dergleichen. Denn et ist ein Komiker von Qualitäten. Immerhin rettete er hier noch, was zu retten war, und hatte ein paar wirklich lustige Nuancen. Ansonsten gab Schwanneke den smarten Partner der ver­irrten jungen Frau, währeird Susanne Heym (im letzten Augenblick eingesprungen) mit der russischen Filmdiva sehr sicher fertig wurde und übrigens vortrefflich aussah. Hanke war ein eifersüchtiger Flimmerregisseur: reichlich exaltiert. Gehre ein drolliger Amerikamann, furchtbar kauderwelschend. Die Regie hatte Telekh, der überdies ebenfalls in zwölfter Stunde die Rolle des erfranften Bastä übernommen hatte. Die Neuigkeit wurde dankbarlich entgegengenommen.

Dr. Th.

Frankfurter Theater.

Uraufführung im Neuen Theater, die Autoren heißen Carl Mathern und Otto Schwartz, also wird die Sache auf keinen Fall tragisch werden. DiesesGoldene Kalb" ist eine sympathische Dühnenerscheinung und weckt lautes, fröhliches Gelächter. Die Handlung ist eine kom­plizierte Derwechslungs- und Derwicklungs- geschichte, die sich in dem sicherlich recht idyllischen Ort Birlenwalde, im Hause des Bürgermeisters Matthias Dossecker zuträgt. Also da ist gleich zu Anfang eine Liebelei zwischen Heinrich Pollinger, dem Sohn des Oberförsters, und Lotte, der Toch­ter des Bürgermeisters, zweitens ist die Haus­hälterin von Dofseckers mit Florian Flitt ver­heiratet : man hielt ihn für tot, aber er ist ein sehr geriebener Halunke: drittens ist da ein Erbonkel, in feiner Jugend als räudiges Schaf von der Familie toeggejagt, kommt er jetzt als amerikanischer Gene- raldirettor einer Filmgesellschaft. als Dollarkönig in die teuere Heimat. Zwar geht das keineswegs so einfach, beim er hat diese Absicht erst seinem

Regierung. Vielleicht ist auch etwas Wahres an den Gerüchten, daß der jetzige Staatspräsident Moscicki nur der Platzhalter Pilsudskis ist, der den Posten nach Annahme des Ermächtigungs­gesetzes übernehmen würde. Diese Wendung in der Politik Pilsudskis bedeutet für Polen ohne Frage neue Kämpfe. Die Regierung scheint mit Rücksicht auf die Opposition der Linken, entgegen ihrer früheren Absicht, ihre Forderungen dem Parlament in ultimativer Form vorzulegen, zu weitgehendem Entgegenkommen bereit zu fein, um einer neuen Krise möglichst aus dem Wege zu gehen. So äußerte sich wenigstens Minister­präsident Dattel gestern anläßlich eines parla- mentattschen Tees. Demnach scheinen die Rück- tttttdrohungen des Staatspräsidenten auch nur eine Geste darzustellen, die auf eine weitgehende Einigung der 'Parteien auf das Regierungspro­gramm einwirken soll. Natürlich wird cs im Parlament nicht ohne Stürme abgehen, zumal das Programm eine Vertagung des Sejm auf eineinhalb Jahre vorsieht und für den Staats­präsidenten das Recht, während dieser Zeit auf dem Verordnungswege Gesetze zu erlassen. Im ganzen soll die rein repräsentative Stellung des Staatspräsidenten jetzt beseitigt und ihm ein größerer Einfluß auf die Regierung verschafft werden. Daß die Regierung mit ihrem Ver­langen. wenn sie das nötige Entgegenkommen zeigt, Erfolg haben wird, ist kaum zu bezwei­feln, da sie durch ihre Schwenkung die Rechts­parteien gewonnen hat. Wohl aber werden bei der Durchführung der Sanierung, zu der keine der bisherigen Regierungen gekommen ist, die innerpolitischen Kämpfe besonders von links her aufleben, da die Sanierung tiefgehende (Eingriffe in das staatliche Getriebe nötig macht. Der beabsichtigte starke Beamtenabbau wird sicher bald die Linksparteien zu energischer Abwehr auf den Kampfplatz rufen. Welchen Ausgang diese Auseinandersetzungen nehmen werden, ist natürlich nicht abzusehen, ebenso, ob die Maß­nahmen ausreichen werden, die völlig verfah­renen Wirtschafts- und Finanzverhältnisse auf eine gesunde Grundlage zu stellen. Möglich wer­den sie nur sein, wenn das Ausland weitgehend Hilfestellung leistet. Sicher ist, daß Amettka und vor allem England großes Interesse daran nehmen, einen Zusammenbruch Polens zu ver­hindern, um ein weiteres Vordringen des Bol­schewismus zu verhüten. Außenpolitisch wird sich natürlich nichts ändern, auch nicht im Verhältnis zu Deutschland, obwohl Außenminister Zalewski betont hat. Polen wolle zu besseren Beziehungen zu Deutschland kommen. Den (Borten sind bis jetzt noch keine Taten gefolgt.

Unterm Rad.

Der Generalagent Parker Gilbert hat den Mai-Bericht so außerordentlich günstig aufge­zogen, daß von selbst die Frage sich aufdrängt: cui bono? Well die Ausfuhr feit dem 1. No­vember 1925 zahlenmäßig Überschüsse bringt, glaubt Parker Gilbert, darin günstige Anzeichen für die Uebertoinbung der Wirtschaftskrise sehen zu müssen. Das gleiche ist auch in einer Be­trachtung geschehen, die von halbamtlicher deut­scher Seite stammt. Diese bringt es fertig, den Rückgang der Konkurse und Geschäftsaufsichten als Besserungszeichen auszulegen. Nein, wir be­finden uns noch immer unlerm Rad! Wir spüren die Auswirkung der Wirtschaftskttse täglich stär­ker, wenn das auch nicht in allen statistischen Ausweisen und Berechnungen greifbar in Er­scheinung tritt. Obwohl wir nun schon im Sommer sind, hat das Heer der Erwerbslosen nicht abgenommen. Der Daumarkt liegt dar­nieder, muß es auch, weil ununterbrochene Miß­griffe feinen Wiederaufbau buchstäblich unmöglich machen. Das Mai-Ergebnis des Außenhandels zeigt überdies, daß Einfuhr und Ausfuhr gleich­mäßig zurückgehen. Wir haben die Einfuhr selbst notwendiger Rohstoffe soweitgedrosselt", daß sich vorausberechnen läßt, wie und wann der Prozeß der Stillegung der Fertigindustrie weiter zunimmt. Es ist der Gipfel der Torheit, um nichts Schlimmeres zu sagen, unter diesen Um­ständen die Börsenhausse als Zeichen der Ge­sundung zu werten. Die sozialistische Presse geht sogar so weit, die Forderung höherer Löhne mit der Steigerung der Aktienkurse zu begründen, die der Industrie Kapital in Hülle und Fülle gebracht habe! 3n Wirklichkeit ist es noch immer

alten Jugendfreund, dem Oberförster, geschrieben. Dessen Sohn hat der Lotte verraten, daß der Onkel unerkannt kommen wird, um seine lieben Verwandten auf die Probe zu stellen. Nun be­ginnt natürlich bei Dofseckers der Tanz ums goldene Kalb, aber ums verkehrte, denn sie ver­wechseln den Halunken Flitt mit Bobby Bell- mann. Es jagen sich allerhand komische Cttua- tionen, denn der Flitt spielt mit der größten Unverfrorenheit den Dollaronkel, der echte Deller- mann erscheint ebenfalls auf der Bildfläche, die beiden Liebenden, Lotte und Heinttch. kriegen sich trotz heftiger Widerstände: Julie, die Schwester des Bürgermeisters, wird zum zweitenmal sitzen gelassen, und am Schluß erklingt sogarValencia" auf der Bühne, wenn der falsche Dellermann mit dem Filmstar Pia de Lutti spanische Tänze übt. Dr. Heinttch Fuchs sorgte in seiner Regie­führung, daß keine Pointe in den Souffleurkasten siel. Sämtliche Darsteller waren voll Laune bei der Sache und tanzten im beschwingten Schwank­tempo um dasgoldene Kalb". Ganz prachtvoll, ein Hauptträger des Erfolgs war Alois Groß­mann als falscher Dellmann, alias Florian Flitt. Er lieh alle Minen springen, und seine TanzszeneValencia" mitSchuhleisten" gestal­tete sich zum Eondererfolg. Das Autorenpaar tonnte zu mehreren Malen den 'Beifall des Pu­blikums entgegennehmen. L. \X',

Auf den Spuren eines unbekannten Menschenaffen.

Immer wieder tauchen Dachttchten darüber auf, daß in den unzugänglichen Urwäldern ferner Erdteile noch ganz unbekannte Tiere hausen. Die Entdeckung des Okapi ist dafür ein Beweis, daß so etwas trotz allen Forschungen noch möglich ist. Aber selbst in Europa konnte solche Heber- raschung noch vorkommen, denn kürzlich erzählte Karl Patsch, daß man ihm mitgeteilt habe, es gäbe auf der kleinen, fast unbewohnten dalmati­nischen Insel Tottola noch Wlldschafe und Wild­esel. die man niemals genau beobachtet habe. 21 ls Patsch der Sache nachging, stellte sich heraus, daß es sich zwar nur um verwilderte Nachkom­men entlaufener Haustiere handelte, aber eine

die berufsmäßige Spekulation, die an den Dorfen abwechselnd gutes oder schlechtes Wetter macht. Leider werden die Umsätze an den einzelnen (Börfentagcn nicht mitgeteilt, fonfi würde sofort offenbar, wie gering trotz aller Kurssteigerun­gen Käufe und Dettäufe sind. Wir haben aber alle Ursache, gerade die Entwicklung dcS Außen­handels aufmerksam zu beobachten. Wenn wir Monat für Monat weniger Rohstoffe herein- bringen, als das noch im vorigen Jahre der Fall gewesen ist, so liegt der Schluß nahe, daß wir weder für den Jnlandmarkt noch für die Aus-- landmärkte mehr Halbzeug und Fertigwaren Her­stellen können. Was das für den Arbeitsmarkt bedeutet, lehrt der Hinweis auf die Tatsache, bah selbst die weit höhere Rohstoffeinfuhr im vorigen Jahre uns nicht vor der Millionenzahl von Erwerbslosen geschützt hat! Vielleicht stimmt da ein Vergleich mit 1913 besonders nachdenklich. Obwohl wir vor dem Kriege weniger von der Rohstoffeinfuhr abhängig waren, haben wir 1913 allein an Rohstoffen für 5.5 Milliarden Goldmark eingeführt. Im ersten Drittel 1926 sind für 1,1 Milliarden Reichsmark hereingekommen, also etwa 750 Millionen Goldmark. Während aber insgesamt 1913 rund 81,4 Millionen Tonnen ein- geführt wurden, erreichten wir in den: ersten Drittel nur zwölf Millionen Tonnen, was für bas ganze Jahr eine Einfuhr von 36 Millionen Tonnen ausmacht. Vielleicht sehen wir die Ar­beitslosigkeit daraufhin doch mit anderen Augen an. Es ist sträfliche Vermessenheit, die Dingo gehen und stehen zu lassen. Unsere ganze Wir,- schafts- und Sozialpolitik steckt wieder bis über die Ohren im Manchestertum übelster Sorte.

Wir organisieren Wittschastsenqueten. wir beteiligen uns an Internationalen Wirtschafts­konferenzen. Nirgends als in Deutschland ge­freiten so üppig europäische Zollpläne. Es ist, als ob wir alles von der Zukunft erwarteten, so fraß wir uns in frer unmittelbaren Gegenwart gar nicht mehr zu rühren und zu bewegen brauchen. Da machen wir schlechte Handelsver­träge, die keiner Wirtschaftsgruppe wirkliche Vor- telle, um so mehr Wittschaftsgruppen aber schlimme Nachteile bringen. Wenn nicht alles trügt, stehen uns trotzdem innerpolitische Zoll­kämpfe in einem Ausmaße bevor, wie wir sie selbst 1925 nicht erlebt haben. Aus partei­politischen Gründen wollen die Linksvarteien an der Ermäßigung frer Zollsätze für Brotgetreide festhalten. Die Weizeneinfuhr hat im Mai außer­ordentlich stark zugenommen: in diesem Monat fjaben wir auch mehr Roggen eingeführt als aus- geführt. Es wird von sozialistischen und demo­kratischen Blättern behauptet, daß die Industrie ein erhebliches Interesse an niedrigen Getreide- Preisen habe. Daß Getreidepreise nicht Brot- Preise sind, fei nur beiläufig bemerkt. Aber die Begründung, daß die Industrie den Ausland-- markt brauche, um im Inland von den deutschen Landwirten kaufen zu können, geht völlig fehl. Mindestens ein Drittel des deutschen Volkes lebt unmittelbar von der Landwirtschaft, während ein weiteres Drittel durch die Erzeugnisse der deutschen Landwittschaft mit ernährt werden kann Das ist ein Markt von einer Kaufkraft im In­land, wie ihn außer Deutschland in Europa nur noch Frankreich besitzt. Wer diesen Markt zer­stört, zerstört damit auch wirtschaftlich und sozial die deutsche Jndusttte. Eine Handelspolitik, die den Schuh der nationalen Wittschaft inißachtet wird uns in zwei oder drei Jahren ein Heer von 10 bis 12 Millionen Arbeitslosen bringen. (IBir werden allerdings keine Gelegenheit be­kommen. sie zu zählen, da das der dann un­vermeidliche Zusammenbruch des wirtschaftlichen und sozialen Lebens unmöglich macht. Den: nähern wir uns auch auf anderem Wege, sofern wir dem deutsch.schwedischen Handelsvertrag ähn- llche folgen lassen. Nichts, aber auch gar nichts kann entschuldigen, wie eine dünkelhafte Wirt- schaftsbureaukratie, die lebenswichtigen Inter­essen wertvoller Wirtschaftsgruppen preisgegeben hat. Cs ist ein auf die Dauer unerträglicher Zustand, daß der Abschluß von Handelsverträgen einer selbstherrlichen und selbstgefälligen Bureau- kratie überlassen bleibt, die es ablehnt, auf die Interessenten zu hören. Die Interessenten find m der Einbildung der Wirtschaftsbureaukratie Leute, die nur an ihren eigenen Geldbeutel den­ken. Daß sie nebenbei mehr oder weniger große Werke leiten, die Hunderttausenfre von Arbeitern ernähren, spielt weiter keine Rolle. Aber wenn

2agd auf die Tiere war unmoglich^weil sie in dem dichten Duschwald, der die ganze Insel deckt, vollkommen unsichtbar bleiben. Wenn solche Gerüchte noch in recht zivilisierten Gegenden um­laufen, so kann es uns nicht wunfrernehmen, wenn man von dem Vorhandensein eines noch unbe­kannten Menschenaffen in Öen Sumpfwäldern Sumatras erzählt. Zahlreiche Berichte von Ein­geborenen Sumatras liegen über ein geheimnis­volles Tier vor, das die Eingeborenen O r a n g Sefrapa nennen. Die Indische Wissenschaftliche Gesellschaft, der bedeutende niederländisch-indische Kolonialbeamte angehören, hat sich sogar ent­schlossen, ernsthafte Nachforschungen nach diesem Wesen anzustellen: aber eine nicht allzu ge­schickt veranstaltete Treibjagd verlief ergebnis­los. Nicht nur Eingeborene, sondern auch einige Europäer haben das Tier zu Gesicht bekommen. Es wird von diesen als eine Art 2lffe beschrieben, etwa 1,20 Meter lang. Das Tier läuft auf zwei Deinen, hält sich aber dabei mit den Händen an den Zweigen frer Bäume feft; das Kopfhaar hängt bis auf die Schultern herab. Seine Spur ist nicht selten gefunden wor­den: sie ähnelt der eines Kindes mit sehr schmaler Ferse und geraden Zehen. Ob es sich dabei aber wirklich um einen Menschenaffen oder um das so lange gesuchtemissing link zwischen Menschen und Affen handelt, ist zweifelhaft, denn der Spur fehlt der Abdruck einer Fuß- hölung. Sv tappt man noch ziemlich im Dunkeln darüber, um was für eine Art von Lebewesen es sich da handelt, und man wird sich wohl noch einige Zeit gedulden müssen, bevor dieses Rüttel aufgeklärt wird, denn das Gebiet, das abgesucht werden muh, bietet die größten Schwie­rigkeiten. Es sind die Sumpfwäwer der flachen Ostseite Sumatras, die Dettaebenen der Flüsse, die mit Schlamm beladen von dem Hochgebirge der Westküste herabkommen. Das Gebiet ist mit Nipapalmen dicht bewachsen, in der Regenzeit völlig überschwemmt, von Moskitos durchfchwärmt und für den Menschen kaum zugänglich. Cs dürfte aber einen recht sicheren Schlupfwinkel für ein Geschöpf bilden, das an den Früchten der Palme zugleich reichliche und wohlschmeckende Nahrung findet.