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zum Bankgeseh zur ersten Beratung vor. Durch die Rovelle werde die Redvskonttnöglich- feit für Schahwechsel des Reichs wieder geschaffen. Der Redrskontanl müsse seinerseits die wechsel- mährge Verpflichtung der Reichsbank gegenüber übernehmen. Der Minister betont, daß das Rerchsbankdirektorium und die Reparationskom­mission sich mit der Rovelle einverstanden erffärt hätten.

Abg. Hergt (Dn.) sttmmt der Vorlage zu, betont aber, daß von der in der Rovelle ge­schaffenen Möglichkeit im Interesse der Stabi­lität unserer Bilanzen nur ganz vorübergehend Gebrauch gemacht werden dürfe.

In unseren Reichskassen, so fährt der Red­ner fort, herrscht Ebbe. Wir reiten mit ver­hängten Zügeln in ein Defizit hinein, von dessen Gröhe wir uns gar keine Vorstellung machen können. Der Reichsfinanzminister hat gewisse automatisch wachsende Ausgaben viel zu niedrig eingeschätzt. Der Minister wird uns einen Rach- tragsetat bringen müssen, bei dem uns die Au­gen überlaufen werden. Die Ausgabenseite darin kann man auf 400 bis 500 Millionen schützen. (Hört, hört!) In einer solchen Sttuation ist für den Finanzminister die Versuchung sehr groß, das ihm in der Rovelle gegebene Instrument der Schatzwechsel zur Verschleierung des Defizits auszunuhen. Das darf nicht geschehen. Wir beantragen die Beratung der Vorlage im Haus­haltsausschuh, um dort angesichts der bedroh­lichen Entwicklung unserer Finanzen zu verneh­men, wie' sich der Finanzminister die Zukunft Deutschlands in finanzieller Beziehung vorstellt. (Beifall rechts.)

Reichssinanzminister Dr. Reinhold: Der Ab­geordnete Hergt hat auch diese Gelegenheit benutzt, um seine Abneigung gegen die Erleichterung der Steuerlasten der Wirtschaft zu bekunden. (Wider­spruch bei den Deutschnationalen.) Die Deutsch- nationalen haben sich bei der Annahme dieser Er­leichterungen ja der Stimme enthalten. Abg. Hergt hat darum auch die Zukunft unserer Finanzen außerordentlich schwarz gemalt, aber diese Schilde­rung ist absolut unzutreffend. Der Ueberschuß des letzten Etatsjahres ist genau so hoch geworden, wie ich ihn beziffert habe, nämlich mit annähernd 200 Millionen. Seitdem haben die Steuereinnahmen unsere Schätzungen noch übertroffen, im Mai um 17 Millionen. Es ist vollkommen unrichtig, von einem Defizit unserer Finanzen zu sprechen. Die Reichskasse kommt vollkommen mit ihren Mitteln aus, und wenn nicht wider Erwarten eine Ver­schlechterung der Wirtschaftslage eintritt, ober der Reichstag die Ausgaben steigert, so können wir durchaus im Rahmen unseres Etats bleiben und werden 1926 fo abschließen, wie wir es vorher be­rechnet haben. Abg. Hergt ist total im Irrtum, wenn er sagt, wir würden in einem Nachtragsetat 400 Millionen vom Reichstag fordern. Die Regierung denkt gar nicht an neue Forderungen. Sie wünscht nicht einmal von den Schatzwechseln Gebrauch zu machen, die ihr zur Verfügung stehen. Das vor­liegende Gesetz bezweckt nur, daß wir uns den Mo­ment aussuchen können, in dem wir an den An­leihemarkt appellieren wollen. (Beifall.)

Die Vorlage geht an ben Haushaltungsaus- schuß.

Ohne Aussprache wirb dann der deutsch- esthnische Schiedsgerichts- und Der- gleichsvertrag in allen drei Lesungen an- g enommen.

Der deutsch-schwedische Handels- und Schiffahrtsvertrag kommt zur ersten Beratung.

Abg. Hilferding (Soz.) macht der Re­gierung den Vorwurf, sie habe aus innerpoliti­schen Gründen Zusätze in den Vertrag eingesetzt, die einen vollständigen Bruch mit dem Zoll- kompromih bedeuten. Die für Getreide, Fleisch und Vieh eingesetzten Zölle gehen über die Höchst­sätze hinaus, die jemals in Deutschland bestanden haben. (Hört, hört! links.) Der bisherige Satz für Futtergerste ist verfünffacht worden. (Hört, hört! links.) Die Zolltarife haben sich als sehr schlechte Waffen für Handelsverlragsverhandlun- gen erwiesen.

Diese ' Zollpolitik der Regierung, die eine allgemeine Verteuerung der Lebenshaltung be­deute, müsse scharf zurückgewiesen werden, zu­mal sich jetzt zeigt, daß die Lasten der wirtschaft­lichen Krisen die deutsche Arbeiterschaft immer stärker belastet. Halten Regierung und Regie­rungsparteien an einer solchen Kursänderung fest, dann werden die Wähler befragt werden müssen. Ihre Antwort fann nicht zweifelhaft sein. (Beifall bei den Sozialdemokraten.)

Abg. Hoernle (Komm.) richtet gleichfalls scharfe Angriffe gegen die Handelspolitik der Regierung.

Abg. Horlacher (Daher. Vp.) führt aus. die freie Entwicklung der deutschen Landwirtschaft habe alle Prophezeiungen der Zollgegner wider­legt. Ohne einen ausreichenden Zollschutz könne die Landwirtschaft nicht bestehen. Wenn sich das deutsche Volk an den Verbrauch einheimi­schen Getreides gewöhne, dann würden die Preise trotz des Zollschutzes nicht zu steigen brauchen.

Abg. v. Richthofen (Dem.) erklärt, ote Vorlage habe die in sie gesetzten Hoffnungen -richt erfüllt. Llebrig geblieben seien nur die hohen Preise und die ständig gestiegene Teu­erung der ganzen Lebenshaltung.

Gegen die Höhe der im Schwedenvertrag vorgesehenen Zölle hätten die Demokraten die allergrößten Bedenken und die dort festgesetzten Futtermittelzölle seien vollständig unannehm­bar. Im Ausschuß müsse der Vertrag verbes­sert werden. Damit schließt die Aussprache.

Der Vertrag wird dem Auswärtigen und dem Handelspolitischen Ausschuß überwiesen.

Cs folgt die zweite Beratung der Ver­einbarungen mit Dänemark über Zollerleichterungen für dänische Erzeug­nisse und die Behandlung deutscher Handlungs- rcisender in Dänemark.

Abg. Thomsen (Dn.) erklärt, seine Freunde könnten dem Vertrag nicht zustimmen, weil er schwere Schädigungen für die deutsche Landwirtschaft bringe.

Abg. Greve (Völk.) bezeichnet ben Vertrag als das Ungeheuerlichste, was je ber beutfcfjen Land­wirtschaft geboten worben sei. Dieser Vertrag sei ganz unannehmbar.

Abg. Krätzig (Soz.) weist bie Kritik ber Rechten an bem Vertrag als übertrieben zurück. Die Lanbwirtschast könne ebensowenig wie jebe anbere Wirtschaftsgruppe verlangen, baß ihre Wünsche zu 100 Prozent erfüllt werben. Der Ver­trag wird hierauf in zweiter Lesung in nament­licher Abstimmung mit 221 gegen 158 Stimmen bei 10 Enthaltungen angenommen. Dagegen stimm­ten die Deutschnationalen, bie Bayerische Dolks- partei, bie Mehrheit ber Wirtschaftlichen Vereini­gung, bie Kommunisten unb bie Völkischen.

Abg. Dr. Fehr (Wirtsch. Vgg.) beantragt die Absetzung der dritten Beratung von der Tagesordnung. Der Absehungsantrag wird im Hammelsprung mit 181 gegen 189 Stimmen an­genommen. Gegen die Absetzung stimmten die Sozialdemokraten, Kommunisten und Demo­kraten.

Das Haus geht bann zur dritten Beratung der von den Regierungsparteien eingebrachten Rovelle zur Reichsversicherungs­ordnung und zur Angestelllenversicherung über, die eine Anpassung an die Bestimmungen des Knappschaftsgesehes will.

Abg. Siebt (Komm.) bekämpft bie Vorlage. Sie bebeute einen Abbau ber Sozialversicherung.

Abg. Frau Schröber (Soz.) richtet an bie bürgerlichen Parteien bie Aufforderung, wenig­stens die Bestimmung zu streichen, durch die die Waisen unb bie Kinber von Invaliden ber Rente verlustig gehen, wenn sie einen monatlichen Arbeitsverdienst von 15 Mark haben.

Der sozialbemokratische Antrag auf Streichung bieser Bestimmung wirb in namentlicher Abstim­mung mit 229 gegen 151 Stimmen bei 4 Stimm­enthaltungen abgelehnt.

Angenommen wirb ein Antrag ber Regie­rungsparteien unb ber Sozialbemokraten, der ge­wisse, aus einzelnen Bestimmungen sich ergebende Kürzungen des Gesamtrentenbetrags verhindert. Im übrigen wirb bie Vorlage nach ben Beschlüssen ber zweiten Lesung in ber Schlußabstimmung enb- gültig angenommen.

Anträge auf Hilfeleistung für Hochwassergeschä- bigte werben bem Haushaltsausschuß überwiesen.

Um 6 Uhr vertagt sich bas Haus auf Donners- tag 1 Uhr. Auf ber Tagesordnung stehen das Ge­setz über Unzulässigkeit eines Aufwertungsvolksent- scheids unb kleinere Vorlagen.

Preußischer Landtag.

D e r 11 n, 23. Juni, mittags 12 Uhr. Eine Reihe Heiner Gegenstände wird ohne Airssprache der Ausschuhberatung überwiesen; so der Zen­trumsantrag, bei Verurteilung aus Anlaß der Winzerunruhen in Bernkastel Gna­dengesuche zu berücksichtigen. Der Antrag von Campe (D. V.) auf Vermeidung von Rot­verkäufen der Getreideernte, der Aus­schutzantrag, Mtthilfe zu gewähren zur Fertig­stellung der neuen Hebammenle hranstalt in Insterburg, werden ohne Aussprache ange­nommen.

Es folgt die dritte Beratung der Hauszins st euer.

Abg. Hecken (Dn.) beantragt die Ver­werfung an den Hauptausschuh.

Abg. Stendel (D. D.) schließt sich dem an.

Finanzminister Dr. Höpker-Aschoff spricht sich dagegen aus. Die Verabschiedung des Gesetzes dürfte nicht länger hinausgeschoben werden.

Die Abstimmung über den Antrag auf Zurück­verweisung der Vorlage an den Ausschuh ergibt die Ablehnung des deutschnationalen An­trags mit 181 gegen 150 Stimmen.

Das Haus tritt hierauf in die dritte Be­ratung der Hauszins st euer ein.

Abg. Hecken (Dn.) bringt noch einmal die Bedenken seiner Fraftion zum Ausdruck. Vor allem mühten die Inflationsgewinne ersaht wer­den. Bei gewerblichen Räumen mühten Erleich­terungen eintreten. Seine Fraktion fordere, daß die Steuerstundung und Riederschlagung aus sozialen Gründennach den für die Fürsorge für hilfsbedürftige Mieter geltenden Bestimmungen des vorliegenden Gesetzes" erfolgen soll.

Abg. Kilian (Kom.) lehnt die Steuer ab, durch die die breiten Massen in unerhörter Weise belastet wurden, während Grohagrarier. die in Villen wohnen, von der Steuer frei blieben.

Abg. Meyer-Solingen (Soz.) verweist darauf, daß es infolge der Reichsgesetzgebung nicht möglich fei, das ganze Hauszinssteuerauf­kommen für den Wohnungsneubau zu verwerrden. Wenn man aber daraus die Konsequenz ziehen wolle, das Gesetz abzulehnen, würde man über­haupt, die Möglichkeit beseitigen, öffentliche Mit­tel zur Behebung der Wohnungsnot bereitzu­stellen.

Abg. Ladendorff (Wirtsch. Verag.) sich besonders für die Erhaltung des alten Wohn- raumes ein, die in der jetzigen Vorlage über­haupt nicht berücksichtigt werde.

Abg. Hoff (Dem.) begründet einen demokra- ttschen Entschließungsantrag, der für die In­standsetzung des Hauswohnraumes Mittel be­fürwortet. Wer das Gesetz ablehne, mache den Ländern und Gemeinden die Ausgleichung ihrer Etats unmöglich und es seien die Rschtspar- teien im Reichtstag, die die Länder und Ge­meinden auf diese Einnahmequelle verwiesen.

Finanzminister Dr. Höpker-Aschoff wendet sich gegen zu weitgehende Aenderungs- anträge der Rechten. Weiter weist er die Auf­fassung zurück, als ob das Gesetz den Interessen des Mittelstandes entgegenstehe.

Abg. Stendel (D. Vp.) erflärt, wenn sich die Koalitionsparteien gegen unsere Milderungs- und Desserungsanträge erklärt haben, dann kön­nen sie uns keinen Vorwurf machen, daß wir das Gesetz nicht annehmen. Wenn sich jetzt die Re­gierungsparteien, nachdem sie unsere Anträge zu Gunsten des Mittelstandes abgelehnt haben, als Mittelstandsfreunde hinstellen, so werden sie dafür bei dem Mittelstand kein Verständnis finden. (Beifall rechts.)

Damit schließt bie allgemeine Besprechung.

In ber Abstimmung wirb ber beutschnationale Antrag auf völlige Steuerfreiheit ber Binnen- unb Küstenfischerei gegen bie Rechte abgelehnt. Gleichlautende Anträge ber Deutschnationalen unb ber Wirtschaftlichen Vereinigung, nicht 1000 Proz., fonbern 900 Proz. ber Grunbverrnögenssteuer als Hauszinssteuer zu bestimmen, werben in nament­licher Abstimmung mit 216 gegen 187 Stimmen abaelehnt.

Mit ben Stimmen bes Zentrums unb ber Rechten wirb bie Bestimmung ber Vorlage gestrichen, bie lanbwirtschaslliche Grundstücke, soweit sie rocrbenbcn Zwcken ober als Familienwohnungen bienen, von ber Steuer nicht befreien will. Annahme fan­den ferner beutschnationale Anträge, bie u. a. als Friebenswert im Sinne bes Gesetzes ben Grunb- Dermcgensfteuerroert festsetzten. Im übrigen bleibt es im wesentlichen bei ben Ausschuß- bzw. Plenar­beschlüssen zweiter Lesung.

Die Schlußabstimmung findet aus Antrag ber Rechten namentlich statt. Sie ergibt mit 216 gegen 187 Stimmen bieAnnahmebesGefetzes, bas bamit endgültig verabfchiebet ist. (Lebhafter Beifall bei ben Regierungsparteien. Pfuirufe bei ben Kom­munisten.)

Das Haus nimmt noch eine Reihe von Ent­schließungen an, in denen u. a. verlangt

Erleichterung der Beschaffung von ersten und zweiten Hypotheken zur Finanzierung des Woh­nungsbaues, Einsetzung eines aus 12 Mitglie­dern bestehenden Beirats für Aufstellung der Richtlinien über die Verwendung der Hauszins­steuer für den Wohnungsbau.

Das Haus nimmt hierauf die Abstim­mung zum Iustizhaushalt vor. Ra- mentlich abgestimmt wird über den Antrag des Hauptausschusses, der einen Gesetzentwurf for­dert, durch den die Bestimmung, die die Allers­grenze für Richter von 68 auf 65 Jahre her­untersetzt, außer Kraft gesetzt wird. Der Antrag wird mit 161 Stimmen der Rechten gegen 215 Stimmen abgelehnt.

Anträge auf völlige Beseitigung der Einzel­haft und Milderung des Sttafvollzugs und Aen- derung der Disziplinarbeftimmungen für Gefan­gene sowie aus erhöhten Schuh der persönlichen Ehre gehen an den Rechtsausschuh.

Die Wiederholung der namentlichen Ab­stimmung zur Vorlage über die Reichsratsstim­men, bei der sich schon wiederholt die Beschluß­unfähigkeit des Hauses herausgestellt hatte, er­gibt auch diesmal Beschlußunfähigkeit.

Der Präsident seht die nächste Sitzung auf Donnnerstag 12 Uhr an. Finanzverwaltung, kleine Vorlagen, Abstimmungen.

Kunst und Wissenschaft,

hochschulnachrichten.

Aus Jena wird uns geschrieben: Der o. o. Professor für Innere Medizin unb Direktor ber Mebizinischen Klinik an ber Universität Jena, Dr. Wilhelm Stepp, hat bie Berufung an bie Universität Breslau als Nachfolger von Ge­heimrat Minkowski angenommen unb wirb ihr zum 1. Oktober 1926 Folge leisten.

(Eröffnung ber internationalen Schauspielertagung.

Die internationale Schauspielertagung wurde am Dienstag im Deutschen Bühnenklub in Berlin durch eine Begrüßungsansprache des Staats­theaterintendanten I e s s n e r eröffnet. Darauf ergriff Reichsauhenminister Dr. Stresemann das Wort zu e iner längeren Ansprache, in der er etwa folgendes erklärte: Er spreche hier im Dühnenklub nicht als Minister, sondern als langjähriger Freund des Bühnenklubs, dem er immer mit Liebe angehört habe. Wir ständen im Zellaller revolutionärer Entwicklung, wir seien Großstädter geworden. Die Entwickelung unserer Zeit bevorzuge das Brutale. In der Musik herrsche statt der Harmonie eines Beethoven Schlager-, Operetten- und Jazz-Musik. Reue Ge­biete der Kunst hätten sich freilich erschlossen: Film und Radio. Vor dem Film habe das Theater kapitulieren müssen. Für die heutigen Theaterdarsteller ergeben sich daraus gewaltige Gefahren, da sie zugleich im Film und im Theater spielten: geistige ileberanftrengung und geistige Tleberreizung. Die Kunst werde auch von den wirischafttichen Verhältnissen und der Pro­letarisierung der Massen beeinflußt. Man sehe heute gleichsam die Galerie ins Parkett gerückt. Die Kunst und der schöpferische Geist seien auch heute noch die einzigen Gebiete, die keine Ab­sperrung durch Grenzen kennen. Hier könnten sich die nationalen Ideen mit den internationalen vereinigen in einem schonen harmonischen mensch­lichen Empfinden. Er hoffe, dah durch die Ent­wicklung dieser Gedanken die geistige und kul­turelle Weltordnung geschaffen werden könne.

2lus aller Welt.

Professor (Ebccljarbt wieder freigelassen.

Wie aus Prag mitgeteilt wird, ist Professor Eberhardt von der Technischen Hochschule in Darmstadt, der bekanntlich am letzten Sonntag in Darmstadt mit einem Freiballon aufgestiegen ist und in der Tschechoslowakei mit seinem Begleiter nach seiner Landung festgenvm- men und interniert wurde, auf Verfügung der tschechischen Regierung wieder fr ei gelassen worden. Er hat bereits wieder die Rückreise nach Darmstadt angetreten.

Lisenbahnkalaslrophe in Brasilien.

Wie dieVoss. Zkg." aus London meldet, entgleiste ein Expreßzug der brasilianischen Zen­traleisenbahn zwischen Rio de Janeiro und Mi- nasgerad und wurde vollständig zerstört. Eine große Anzahl von Personen soll verletzt sein.

Flugzeugunglück in Rom.

Auf dem römischen Flugplatz stieß ein Flug­zeug beim Landen gegen eine Hochspannungs­leitung, stürzte ab und geriet in Brand. Der Flugzeugführer ist schwer verletzt, während der Beobachter in den Flammen umkam.

Familienkatastrophe nach der Scheidung.

Rach einer Meldung aus Warschau erschoß dort der Buchhalter Karl Schilke seine grau, sein 4jähriges Kind und verübte dann Selb st mord, indem er die Waffe gegen sich selbst richtete. Schilke ist gestern von seiner Frau geschieden worden und wurde als der schuldige Teil erkannt.

Politischer Zusammenstoß.

Kommunisten versuchten wiederholt in eine Markthalle in Spandau einzudringen, in der eine Hitlerversammlung stattfand. Polizeibeamte hinderten sie daran, indem sie wiederholt die Straße säuberten, wobei mehrfach von dem Gummiknüppel Gebrauch gemacht werden mußte. Rach Beendigung der Versammlung kam es zu einer Schlägerei zwischen Hitlerleuten und Kommunisten. Eine Person wurde dabei er­heblich verletzt. Die Polizei nahm ins­gesamt sieben Personen fest.

Leichter Rückgang des Rheinhochwassers.

Das Hochwasser des Rheins ist seit der ver­gangenen Rächt in leichtem Rückgänge begriffen. Die Abwärtsbewegung beträgt etwa l1/» bis 1 Zentimeter die Stunde. Der Wasserstand des Rheins betrug gestern morgen gegen 10 Uhr 4,02 Meter. Die Mühlenweide, die vom Rhein über­schwemmt worden war, ist wieder frei, so daß sie als Anlegestelle für Personen dampf er wieder benutzt werden kann.

Dammburchbruch der Elbe bei Magdeburg.

Wie die Morgenblätter aus Magdeburg melden, haben die Fluten der Elbe zwischen Hohenwerdau und Riegripp bei Magdeburg die Schutzdämme durchbrochen, lieber 800 Morgen Acker sind überflutet, deren Früchte zum größten Teil als verloren gelten müssen. Weiter unter­halb Magdeburgs sind umfangreiche Gebiete überflutet. Oberhalb Magdeburgs gelang es den angestrengten Arbeiter der Magdeburger Pio­

niere, die Dämme zu halten, die eine ganze Reihe von Dörfern und mehr als 6000 Morgen Acker­land vor dem Verderben durch einen eventuellen Deichbruch der Elbe schützen. Bei Jerichow-Fisch­beck droht die Flut den Sommerdeich zu durch­brechen.

Ein feines Früchtchen.

Aus Homburg (Pfalz) wirb gemelbet: Ein Für- sorgezogling, ber von hier entflohen mar, fanb bei einer Frau Unterschlupf. Beim Erscheinen ber Polizei sprang er aus einer Hohe von 8,5 Metern durchs Fenster, tarn unten unverletzt an unb lief nach Saarbrücken zu, warf sich bei erneuter Verfolgung in bie Saar, schwamm bis Gersweiler, winkte ben verfolgenben Polizisten noch einmal höhnisch zu unb entkam.

Der Realschüler als Eisenbahnräuber.

In einem Abteil zweiter Klasse des Per­sonenzuges RegensburgRürnberg wurde eine Kausmannsfniu aus Erlangen von einem ver­mummten Menschen mit einem Revolver bedroht und um Geld angegangen. Die Dame hielt sich jedoch den Fremden so energisch vom Leibe, daß sie ihn in Rürnberg verhaften lassen konnte. Hier stellte sich zur allgemeinen Ueberraschung heraus, daß der Räuber ein 15jäIrriger Real­schüler war.

Eine elfjährige Lebensretterin.

Beim Spielen an ber Lanbungspritsche eines Mannheimer Ruberklubs fiel ein 4 Jahre alter Knabe in ben Rhein. Er würbe von einem elf­jährigen Dolksfchulmäbchen herausgezogen unb nach ber nächsten Polizeiwache verbracht, wo ihn feine Angehörigen in Empfang nahmen.

Schweres Unglück bei einem Schulausslug.

Aus Mannheim wird gemeldet: Als am Donnerstag ein mit etwa 100 Schulkindern be­setzter Lastkraftwagen mit Anhängern auf dem Heimwege war, löste sich die linke Sellenwand des Kraftwagens ab, so daß die auf dieser Seite auf einer Bank sitzenden Kinder auf die Straße fielen. Sieben Kinder mußten mit dem Sanitäts­auto in das Krankenhaus gebracht werden. Drei davon konnten nach Anlegung eines Rotverban­des nach Hause fahren, wcchrend vier zurück- bleiben mußten. Zwei Mädchen im Aller von 12 und 13 Jahren schweben in Lebens­gefahr.

Der Bienenschwarm in der Grohslabi.

Aus Mannheim wird gemeldet: Hier hatte sich ein riesiger Bienenschwarm in den belebtesten Teil der Stadt verirrt. Die Passanten bekamen es teilweise mit der Angst zu tun und nahmen Reißaus. Schließlich zog der Bienen­schwarm wieder nach oben ab.

Schweres Autounglück Im Schwarzwald.

Aus Hornberg im Schwarzwald wird ge­meldet: Ein mit 1 Personen besetzter Kraftwagen fuhr auf einen mit Langholz beladenen Wagen auf. Dabei durchbohrte ein weit herausragender Stamm die linke Selle des Autos vollständig. Zwei Personen, darunter der Bürgermeister von Hornberg, wurden sofort getötet,, eine weitere schwer verletzt.

Alkoholvergiftung.

In Kray bei Essen fanb man eine Frau in ihrer Wohnung t o t auf. Sie war an Alkoholvergiftung infolge übermäßigen Schnapsgenusses gestorben.

Zwei Kinder durch Gas vergiftet.

In Chemnitz wurde die Ehefrau des Weber- Obermeisters ©geltraut mit ihren beiden Kin­dern im Aller von 3 Jahren und 4 Monaten be­wußtlos in ihrer Wohnung aufgefunden. Es lag Gasvergiftung vor. Wiederbelebungsver­suche hatten nur bei der Frau Erfolg. Beim Be­nutzen des Gaskochers hatte sich das Gas ent­zündet, war ausgeströmt und hatte die Ver­giftung verursacht.

Buntes Allerlei.

Wenn man den Kopf durchs Gitter steckt . . .

Dreiüiertel Stunden lang haben Feuerwehrleute, Aerzte, Polizisten, Krankenwärter, Arbeiter versucht, einen 6jährigen Jungen zu befreien, ber seinen Kopf in eine ber kunstvoll ausgesparten Oeffnungen ber alten Westminster-Bribge in ßonbon gesteckt hatte. Der kleine Daniel Rorban ging mit seinem etwas größeren Bruber über bie Brücke, unb ba er gern bie Dampfer auf bem Fluß sehen wollte, so steckte er trotz ber Warnungen seines Brubers sein runbes blonbes Kinberkopfchen burch bie Deffnung bes Gelönbers, bie ein Dreiblatt bilbet, dessen Spitzen nur 4i Zoll ooneinanber entfernt finb. Er kam mit bem Kopf auch ganz gut burch unb konnte sich bie Schiffe ansehen, aber bas Zurückziehen war unmöglich, unb so brach ber Junge in ein helles Geschrei aus, bas sofort eine Menge von Zuschauern ansammelte. Alles bemühte sich, ben kleinen Daniel freizubekommen. Arbeiter, bie auf ber Brücke be­schäftigt waren, errichteten schnell eine kleine Platt­form an ber Außenseite bes Gelänbers, um viel- leicht von bort ben Kopf zurückbrücken zu können. Aber vergebens. Einige herbeigeeilte Aerzte wollten es mitEinschmieren versuchen. Man brachte Va­seline unb fettete bamit ben Kopf ein, wozu bie Menge mit ben Rufen ermunterte:Oelt ihm bas Köpfchen!" Aber es ging nicht. Die Menge war unterbeffen fo groß geworben, baß ber Verkehr voll­kommen stockte unb eine lange Reihe von Wagen unb Omnibussen feftftanb. Die Feuerwehr ratterte heran, unb behelmte Feuerwehrleute untersuchten bie Lage. Der Junge würbe von zwei Männern auf jeber Seite aufgehoben unb behutsam an ihm gezogen. Aber man konnte ihn nicht burdjbringen, unb so blieb nichts anberes übrig, als ein Stück von bem Metall wegzufeilen. Währenb ein Schutzmann ab-- gefanbt würbe, um bie Erlaubnis bes ßonboner Magistrats bazu einzuholen, rüstete man zunächst eine DriHfäge, bie von ber Plattform aus in Be­wegung gesetzt würbe. Der Magistrat hatte Er­barmen mit bem armen Jungen unb gab sofort bie Erlaubnis, aber bie Säge genügte nicht, unb es mußte mit Meißel unb Hammer ein Stück wegge- schlagen werben, wobei bie Mebiziner ben Hals bes Kinbes sorgfältig mit Watte schützten. Schließlich kam er glücklich heraus, würbe verbunben unb im Triumph nach Hause geführt, wo er mit einem zu- friebenen Lächeln anlangte.

Wettervoraussage.

Nördliche bis westliche Winde, tagsüber mäßige Erwärmung, sonst kühl, vorwiegend wolkig, noch Regenfälle.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 21,2 Grad Celsius, Minimum 10,1 Grad Celsius. Nie­derschläge 4,2 Millimeter. Heutige Morgentempera­tur 10,9 Grad Celsius.