Wandern und Reifen Bäder und Sommerfrischen
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sagt", Datz unter diesem Verbot die groben
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und beim die Augen schließt, so hört dem Geräusch deutlich den hastlosen, freundlich bewegten Rhythmus dieser
aussuchen, man aus doch stets Stabt.
stiftworte, schon halb verwittert, zu „©oll man dann hie nächtigen?"
Wenn man diese Allee weiter man inmitten weiter sonniger Felder
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Schloß und Park Monrepos. Ein klassizistisches Rokoko: chlötzchen von ausgezeichneten Proportionen sieht auf einen See, um den ein dünner Park sich zieht. Sieben kleine, baumbestandene Inselchen liegen im See, auf einer ein kokettes Kapellchen, das man erst für ein Haus für die Enten halten möchte, die durch das glitzernde Wasser ziehen und die Bote umdrängen, in deren jedem ein Liebespaar sitzt. Mittägliche Sonnen- stille liegt über dem Ganzen, das Schloß schläft hinter geschlossenen Läden, eine Ente steht im Portal. Leiser Wind treibt das Voot, daß die sieben Inseln durcheinander schwimmen, und durch die Bäume sieht man auf das bäuerliche Feld, das von alledem nichts weiß.
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Doch muh man schließlich in btt Welt zurück, und die immer wieder überraschende Freundlichkeit der Schwaben macht es einem leicht. Wie einem die Leute auf der Straße die Frage nach dem Weg am Gesicht ablesen und unaufdringlich Auskunft geben, wie der um eine Ecke voraus- fahrende Radler ein heransausendes Auto mit Hand und Mund nach hinten signalisiert, tote der bärbeißige Kleinbahn-Schaffner während des Aufenthaltes warme Milch holt für Mutter und Kind, all das kann man anderswo suchen. Rir- gends gibt es so freundlich-anständige Dienstmädchen, und Schutzleute von so strammer Herzensfreundlichkeit. Verbotstafeln findet man zwar allenthalben, daß man in Preußen zu sein meint, aber wo anders als in Schwaben kann es fein, daß man unter dem Verbot, das im Wildpark des Schlosses Favorit bei Ludwigsburg (Fafforidde-Bark, sagen die Eingeborenen) steht: „Das Verlassen dieser Allee ist strengstens unter-
Schwäbische Eindrücke.
Don Gerhard Kauter.
Der Dahnhof ist für eine Stadt, waS der Anzug oder das Kleid für einen Menschen ist. Der normale Besucher sieht ihn zuerst und immer, und verwebt ihn untrennbar in den Gesamt- eistdruck, der ihm hinterbleibt. So kann ich an Stuttgart nicht denken, ohne zugleich den schönen neuen Dahnhof vor mit zu sehen, kantig, dunkel, schwer, mit dem viereckigen Turm. Mag er dem in der Geschmacksvertoirrung der Vorkriegszeit Heimischen nicht sehr einladend erscheinen, ich weiß nicht wenige, denen die Wahrhaftigkeit solcher Bauten ein rechter Trost ist!
Auch sonst hält Stuttgart wenigstens in seinen neueren Bauten, was der Dahnhof verspricht. Selbst die Ladenschilder und die dort sehr beliebte Lichtreklame lassen eine durchgängig gute Kontrolle vermuten.
Doch will ich als Gegenstück den wahrhaft entsetzlichen Galathea-Brunnen nicht verschweigen, der auf der Eugensplatte über der Stadt thront, 1889, glaube ich, mit städtischen und fürstlichen Mitteln aufgestellt, zu dessen Füßen zwei erschütternde Sphinxe lagern: An schlanken Löwenleibern gleitet der Blick, bemerkt betroffen die auch für Sphinxe ganz ungewöhnliche Fülle der Brust, um an den erbärmlich schmalen Schultern sogleich die Folgen solcher Verschwendung zu erspähen, doch bald dies alles über dem Gesicht zu vergessen, das von zwei, sehr wahrscheinlich blonden, unter dem Kinn verknoteten Zöpfen umrahmt, mit dem süß-dämlichen Ausdruck eines Pensionatsmädchens vor sich sieht, das arme Köpfchen noch belastet mit einer seltsam schneckenförmigen Steingestalt.
Von hier oben, dem Kanonenweg aus, sieht man erst, daß diese liebenswürdige Großstadt wirklich eine Großstadt ist. In den Straßen fühlt man es kaum. Hier aber — man sollte abends hingehen, wenn es fast dunkel ist — hier steht man vor einem wahren Lichtermeer, das den weiten Talkessel füllt und an allen Bergwänden hinaufbrandet.
Hier hat Rudolf Steiner, der Vielumstrittene, dessen Werk nach seinem Tode nun zeigen muh, ob es ohne ihn bestehen kann, hier hat Steiner die Waldorfschule gegründet, die für die Woche vor Ostern zu einer pädagogischen Tagung ein geladen hat. Was an den vielleicht tausend Menschen, die sich in ihr zulammenfanden, auffiel, war einmal das Erfreuliche, daß kaum ein Schalmeistergesicht zu bemerken war, andererseits das Befremdende, wie sehr die Anthroposophen einander und alle wieder Steiner ähnlich sind, dessen Bild bei Den Büchern ausliegt. Eine häufig fast anatomische Aehnlichkeit Der Gesichtszüge, vom Ausdruck ganz zu schweigen, die entweder eine konstitutionelle Anlage für diese Lehre vermuten läßt oder Ausdruck einer starken gestaltenden Kraft ist. (Ob Steiners oder seiner Lehre, auch das wird sich zeigen.)
Wir wollen mit dem Pädagogischen nicht langwellen, obwohl Die Waldorfschule in Stuttgart Den guten Ruf hat, nicht langweilig zu unterrichten. Die eurhythmischen Vorführungen lind von allgemeinerem Interesse.
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Wer noch mehr der Einsamkeit bedarf, wird in die Alb gehen und sie dort finden. Dies Gebirge, das eigentlich keines ist, nur eine riesenhafte Stufe, in der eine Ebene in langer Kalkwand zur anderen abbricht, trägt in allen Zügen Den Ausdruck des Vergehens. Wer weiß, daß diese Stufe einst bei Stuttgart stand (zu Zeiten, da es weder Stuttgart noch Menschen gab), wie der strömende Regen und Die Bäche sie immer mehr abwaschen und unmerklich weiter zurückschieben, bis sie sich einst an der Donau verlieren wird (zu Zeiten wiederum, wo Menschen wohl nicht mehr sein werden), wer weiß, wie vor undenöbaren Zeiten dieser Kalk entstanden ist in Meeren, Darin die Kalkschalen unzähliger Tiere zu Boden regneten, wer in der hohen sonnigen Luft die weichen, fliegenden Pastellfarben der Landschaft sieht, den grauen Kalk im noch braunen Frühlingswald unter Dunftblauem Himmel, Der spürt Den Frieden Der Vergänglichkeit und meint Den Wasserfall Der Zeit über diese ungeheure Klippe um sich rauschen zu hören.
bödetal, wo die „Schmelzt zur Rast einladet und das Wegerichen sein Ende findet. Dem lieblichen Tälchen abwärts gehend, erreichen wir über Salz- böde und Odenhaufen die Station Friedelhauseu, um von hier die Heimfahrt anzutreten. Gesamtdauer der Wanderung von Krofdorf aus 4 Stunden.
Bußbach—Münzenberg—Arneburg—Lich.
Die Wanderung macht mit zwei Nachbarstädten bekannt, die sich noch ein recht mittelalterliches Gepräge bewahrt haben, und führt außerdem durch die abwechslungsreiche Landschaft der nördlichen Wetterau. Der Freund der Geschichte befindet sich fast überall auf' historischem Boden. Es wird zwar nur wenig Wald durchwandert, der ja jetzt noch entbehrt werden kann, dafür kann sich das Auge aber an blühenden Obsthainen und freiem weitem Blick in die Landschaft erfreuen. Man besichtige in Butzbach zunächst den ehrwürdigen Markt mit dem aus dem Jahre 1560 stammenden Rathaus. Don dort kommt man durch die Griedeler Straße auf die Lichor Landstraße, der man bis zur Straßenteilung (etwa 20 Min.) folgt. Sich rechts haltend, erreicht man in einer Viertelstunde Griedel. Ein Fußweg führt bann in 1| Stunden noch Münzenberg. Man kann von Butzbach aus aber auch den Weg über Rockenberg (ehemaliges Zisterzienser Nonnenkloster, ist jetzt Landeszuchtharts) nach dem
„Wetterauer Tintenfaß" nehmen.' "Die Besichtigung der Burgruine endigt am besten mit dem Besteigen des einen Bergfrieds, der einen ausgezeichneten Fernblick auf Wetterau, Vogelsberg, Taunus und die Lahnberge gewährt. Durch das alte Städtchen, in dem manches Tor- und Giebelhaus die Aufmerksamkeit auf sich zieht, gelangt man bald nach Trais-Münzenberg. Von hier gehe man aber nicht die Landstraße weiter nach Muschenheim, sondern biege links ab und folge der alten Römern straße, die hoch über die Felder in einer knappen Stunde nach Kloster Arnsburg führt. Das letzte Stück des Weges mit der Berger Mühle zur Rechten ist besonders romantisch. In Arnsburg versäume man nur nicht, sich von dem Gärtner die wuchtigen - Klosterruinen zeigen und erklären zu lassen. Auf dem Weiterwege nach Lich benutze man die Markierung (blauer Ring) als Führer, der in knapp einer Stunde den Weg durch das romantische Gottesackertal und über die bewaldete Hardt nach dem Endpunkte Der Wanderung weift. Die letzte Wegstunde ist besonders genußreich. Die Gesamtmarschstrecke beträgt knapp 4 Stunden, so daß bei vernünftiger Zeiteinteilung die Wanderung auch als Halbtagestour bequem ausgeführt werden kann, zumal Der für die Heimfahrt in Betracht kommende Zug in Lich erst um 18 Uhr abends abgeht.
ReiseliieraLur.
— Sommer 1 926 in Deutschland. So heißt bas kleine, hanbliche, in ber Reihe Der „Deutschen Verkehrsbücher" soeben erschienene Heft ber Reichszentrale für Deutsche Verkehrswerbung, in dem bie bemerkenswertesten Veranstaltungen für den nach Deutschland kommenden Fremden enthalten sind. Das kleine Buch bringt in alphabetischer Reihenfolge der deutschen Städte zunächst die allgemeinen größeren Veranstaltungen, danach die Messen, Sportveranstaltungen, Wettsahrtage. Das Der- zeichnis hat die Aufgabe, dem Fremden, der Deutschland nicht oder nur unvollkommen kennt, eine Möglichkeit der Orientierung zu bieten, welche interessanten Veranstaltungen innerhalb des Deutschen Reiches stattfinden. — Zu gleicher Zeit ist auch das Deutsche Reisemerkbuch, das den Titel trägt: „Wie der Fremde in Deutschland reift und was er wißen muß , für 1926 neu herausgegeben worden. Das Reisemerkbuch, bas in beutscher Sprache nunmehr in der Dritten Auflage vorliegt, bringt in neuer Bearbeitung alles für ben nach Deutschland reisenden Fremden Wissenswerte. Der Text ist so knapp und so eindringlich wie möglich gefaßt. Als Einführung wird eine Reiseroute durch Deutschland von etwa sechs bis acht Wochen entworfen. Dann folgen Aufschlüsse und die neuesten Bestimmungen über Eisenbahnverkehr, Gepäck- und Paßrevision, Ratschläge „Im Dienste des Reisenden", Schiffs- und Flugver- kehr, Paß- und Sichtvermerk, Geldverkehr, Verpflegung und Unterkunft usw. Ein besonderes Kapitel „Wo Kranke Heilung finden" ist den deutschen Bädern und Kurorten gewidmet. 80 kleine Bildchen aus dem schönen Deutschland, zu je zweien am Kopf ber Seite angeorbnet, schmücken bie Werbeschrift für Deutschlanb. Neu ist bie Beigabe einer schematischen Verkehrskarte Des Deutschen Reiches, auf ber auch bie Zugangslinien aus bem Ausland eingetragen sind.
— „D a s R e i f e b u r e a u" (Deutsche Verlags- Aktiengesellschaft, Berlin W. 9. Das 2. Aprilheft ist an Ausstattung wie an Inhalt bem vorange- gangenen ebenbürtig. In fesselnden Artikeln und gut gewählten Illustrationen werden Land-, See- und Luftverkehr unterhaltend und instruktiv behandelt, wichtige Tarifbestimmungen und Fahrplanangaben bereichern den Stoff. Um nur einiges aus dem Inhalt anzudeuten: Dr. 21. Höher schreibt über „Die Organisation des deutschen Reiseverkehrs", Prof. R. Massinger über Den „Schwarzwald", Erich Köhrer über „Europas Flugzentrale", Harry Nitsch über „Luftverkehr und Hotels".
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kainrncnhänge ur.D lehrt das Wesen anderer Volksstämme verstehen. Es erblüht Daraus Die teure Blume Der Vaterlandsliebe, und bei Der Herrlichkeit Deutschen Landes ist sie wahrhaftig nicht schwer gemacht, jene "Tugend, von Der Arndt in »Vaterland und Freiheit" sagt: „älnd seien es kahle Felsen und öde Inseln, und wohnte Armut und Mühe Dort, Du mutzt das Land ewig lieb haben!"
Deutschland hat in Europa eine zentrale Lage, weshalb es ja mit Recht das Herz des Erdteils genannt worden ist. Darin liegt, wie wir im Kriege schmerzlich erfuhren, ein großer Rachteil, darin wohnen aber auch wesentliche Vorzüge. Es ist das natürliche Durchgangsgebiet für die vielen Kontinentreisenden. Sie mühen unsere Dahnen benutzen, und sie werden vielfach absteigen und hier und da rasten, um zu schauen, was unser Land Erohes, Schönes und Eigenartiges vor die Augen stellt. Die Bewohner der vielen umliegenden Länder werden häufig in erster Linie Deutschland zu ihrem Reiseziele machen, wenn sie überhaupt ins Ausland gehen wollen, weil es ihnen am bequemsten zu erreichen ist, und weil es ihnen so viel verspricht. Dem deutschen Volke kann es in Zukunft nur willkommen sein, wenn fremde Länder ihre Reisenden zu uns schicken. Es geht uns Dabei nicht- nur um Den materiellen Gewinn, Den wir wahrlich auch gut gebrauchen können, sondern wesentlich auch um ideelle Profite. ES ist wünschenswert, dah der Ausländer aus eigener Anschauung unser Land und Volk kennenlernt,' es werden sich dann bei ihm wahrscheinlich oft andere Anschauungen bilden, als sie ihm in Den verflossenen Jahren des Krieges und Hasses beigebracht wurden. Der Fremde wird vielleicht andere Völker kennen, die behaglicher im Wohlstand dahinleben, er wird jedoch kaum ein Volk finden, das in gleicher Rot und Armut noch immer ein gut kulturelles Dasein führt: er wird Den biederen deutschen Charakter selbst erfahren, er wird vor allem einsehen, dah das deutsche Volk so fleißig, so gewissenhaft arbeitet, dah ihm wohl eine gewisse Höhe der äußeren Lebensführung zu gönnen ist.
Aus dem gleichen Grunde wäre es ja auch zu billigen, wenn der Deutsche, Dem es Die Umstände gestatten, auch einmal Die Grenzen seines Landes überschreitet, wenn er dabei in Der Fremde Die guten Sellen des deutschen Wesens bewußt verkörpert. Es gilt in Zukunft, daß sich die Volker Der Erde gegenseitig mehr als bisher verstehen lernen, daß sie nicht gegen-, sondern miteinander zu leben trachten, dah sie wohl nach Eroberungen streben, aber diese nicht durch Die Waffe Des scharfen Schwertes und Spitzen der Bajonette, sondern auf Dem Wege friedlichen Wettbewerbes zu erreichen suchen. Vaterlandsliebe und Weltbürgertum finden Dabei die beste Vereinigung.
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Deutschland als Reiseland
Von Paul Hoche.
Wandern und Reisen ist ein echt germanischer Zug. Der Deutsche hielfs gern mit dem Wort Des Dichters: „Quag lauern und trauern, wer will, hinter Mauern, ich fahr' in Die Welt!" In Der Geschichte unseres Volkes gewahren wir den abenteuerlich Dahin iehenden Ritter, den wandernden Mönch, den fahrenden Schüler, der lustig dahin „feine Straßen" zieht, Den Sänger und den sorglosen Handwerksburschen. Erinnert fei nur an einige Männer, die leuchtende Vorbilder deutschen Wandermutes waren. S e u m e, der rüstige „Spaziergänger nach Syrakus", durchquerte mit dem Stabe in der Hand fast ganz Europa; Goethe legte sich selbst Den Raman „Wanderer" bei und behauptete, daß er das, was er nicht erlernt, erwandert hätte: auch auf die markige Gestalt eines Ernst Moritz Arndt fei hier hmgewiesen.
Roch heute ist dieser Wandertrieb lebendig, noch heute heißt's vom Deutschen: Es treibt^ in die Ferne ihn mächtig hinaus! Wenn die schöne , Jahreszeit kommt, da prickeft's in den Gliedern. * da lockt uralte Sehnsucht „nach draußen", und es drängt die starke Flut besonders aus dem Steinmeer der großen Städte, und die Stuben- und Straßenmenschen eilen froh in die Arme ihrer Allmutter Ratur.
Je weiter es geht, um so lieber ist's oft dem deutschen ©cmüt. Ferne Gefilde aufzusuchen, ist Dem modernen Menschen gar nicht so schwer. Blitzschnell trägt ihn das Dampfroß in ferne Gebiete, noch eiliger das Flugzeug über Land und Meer. Der Deutsche, der gern das All umspannt, sucht mit Vorliebe auch die fremden Länder auf unD nährt feine Seele mit neuen Eindrücken. An sich ist das zu verstehen, aber es wohnt diesem Streben die Gefahr inne, daß der Deutsche seine eigene Heimat übersieht, sie nicht genügend kennen lernt, daß ihm eine Reise grundsätzlich erst wertvoll wird, wenn's weit ins Ausland geht. Allen Deutschen, im besonderes aber jenen Fernreisenden, kann gar nicht eindringlich genug ans Herz gelegt werden, sich erst mal die eigne deutsche Heimat genau anzusehen, das eigne Vaterland kennenzulernen. Wir können unser Land als Reiseziel getrost an die erste Stelle setzen.
Warum reifen Die Menschen in erster Linie? Um eine reizvolle, hervorragende Landschaft kennenzulernen. In dieser Beziehung kann Deutschland mit einer gesegneten Fülle aufwarten. Was andere Länder einseitig besitzen, wie Die Schwei; ihre Gebirge. Dänemark seine Ackerflächen. das findet sich in unferm Lande in mannigfacher Abwechselung vereint. Deutsche Alpen streben zu gigantischer Höhe, zahlreiche Mittelgebirge durchziehen Den Süden, es weiten sich nn Rorden Die unendlichen Ebenen des Tieflands, eS brausen Die Meeres wellen an Die stellen und flachen Küsten. Wer will, kann durch di« Radelwälder SüDdeutschlandS oder di« Duchen- ballen des RordenS schreiten, er kann an den al fern klarer, freundlicher Alpenfeen oder Der schwermütigen Gewässer deS Baltischen Landrückens sitzen und träumen; er kann sich an Den Gebreiten Der Getreidefelder erfreuen oder über blumige Wiesen und durch fruchtbare Obstgarten wandeln. Es gibt noch manche anderen schönen Länder auf Der weiten Erde, aber wohl keines. DaS unsere Heimat an Mannigfaltigkeit und Fülle der LanDschaften übertrifft
Was den Reisenden außer der Ratur zu zweit und ebensosehr fesselt, ist der Mensch und des Menschen Werk. Was hat der Mensch aus seinem Lande gemacht, wie ist fein Werk geworden ? DaS zu beobachten ist ebenso reizvoll, als einen Menschen in und mll seiner Wohnung ’ zusammen zu sehen. Tlnd wenn je, so darf Der Deutsche in dieser Beziehung sein Haupt stolz, recht hoch erheben. Was Deutschland heute ist und wie eS sich darstellt,ist es zum großen Teile deS Deutschen eigenes Werk. Der nordische Mensch ist mll seinem Lande zu einer Einheit verwachsen, er hat feine Heimat nach sich gestaltet Mit ungeheurem Fleiß hat er an sich wie.an feinem Lande gearbeitet. Tlnzählig find Die Denkmäler, Die noch heute von einer langen Kulturgeschichte Des deutschen Menschen reden Wie Der Deutsche sann und schuf, wie er war, sagen uns die deutschen Burgen, Deutschlands Klöster, Die zum Himmel strebenden Dome, die alten und neueren Städte. Welcher Reichtum, welche- Streben! Ich muß hierbei an eine Stelle des alten Sebastian Frank aus dem Rembrandt- deutschen denken: „Die Deutschen sind ein zu allen Künsten, Sachen, Hantierungen so listig geschwind Doll, daß sie niemand nachstehen wollen."
Eine Flut von Eindrücken prägt dem Reisenden ein, wie Zivilisation und Kultur unseres Landes von keinem anderen übertroffen werden. Dom deutschen Landwirt kann jeder lernen. Denn es gibt wohl kein Land, wo auf so geringer und oft noch so unfruchtbarer Fläche so viel herausgeholt wird tote auf unseren Feldern. In deutschen Fabriken sinnt Der Forscher über den neuesten Methoden, schafft ein gewaltiges Heer geschulter Arbeiter beste Waren. Deutsches Kunstgewerbe erzeugt Den vornehmen Schmuck des Lebens. Deutsche Schulen, von Der untersten bis zur obersten, haben dazu beigetragen, Daß wir in Den Stuf Der Denker und Dichter kamen. Die ärztliche Wissenschaft schuf Sanatorien, Heilstätten, Die Dem Deutschen Rainen in aller Welt Ehre machten. Wahrlich DaS Wort Des alten Sebastian Frank trifft auch auf das heutige deutsche Doll noch zu. Wer das große Werk eines ungemein fleißigen, eines fortgeschrittenen Dolles temrenlemcn will, der mag mal lange durchs deutsche Land hindiirchstreisen, oder noch besser, hindurchwandern.
ES darf getrost behauptet werden, dah der Deutsche im allgemeinen seine Umgebung, seine weitere Heimat gar nicht genügend kennt. Sonst wäre nickt so viel Unkenntnis des eigenen Landes vorhanden, nicht fv manche absprechenden Urteile möglich. Reisen durchs eigene Land schärft den Blick für deutsches Sein und Werden. Es weiht ein in die wirtschaftlichen Zu-
Wanderfahrten.
Gießen — Waidhaus — Sanivafsn — Schmelz — Salzbödelal—Friedelhaufnr.
Wohl eine der schönsten Wanderungen in der näheren Umgebung Gießens ist die Begehung des gelben Punktes, der an der Secinühle feinen Anfang nimmt. Autobenutzer fahren bis zum Zimmerplatz in Krofdorf, wo sie einen Weg nach rechts einschlagen, um in der Nähe des Friedhofes auf die Markierung zu stoßen. Das Wegezeichen geht an den hängen des Wettenbergs entlang, überschreitet die Wißmar—Krofdorfer Straße, von wo aus ein Feldweg in das anmutige Gleibachtal führt. In etwa 1$ Stunden, von Krofdorf gerechnet, erreicht man das Forsthaus Waldhaus (Einkehr). Der Weitermarsch sührt durch sckönen Buchenwald zu einem prächtigen Ausblick nach dem Perstal mit Mühlen und Dörfern und nach den Gladenbacher Bergen. Durch den Sauwasen, einen tieseinschneidenden Wiesengrund, geht es hierauf in mäßiger Steigung über einen Höhenrücken, der wiederum hübsche Blicke auf die Marburger Berge bietet, in das Salz-
Was hier eigen und sympathisch ist, ist der tiefe religiöse Ernst, Dec Verzicht auf sinnliche Wirkung. Selbst Die Brine find mit Strümpfen beHeiDet. Manchmal glaubt man tanzenDe Geister zu sehen, lieber Die Bewegungen, Die Gruppen zu gesprochenen Worten machten, auch über Die Art Dieses Sprech errs, habe ich kein Urteil gewinnen könncen. Ganz stark aber war Der Ein- Druck Des Einzettanzes einer Frau zu Dem fchwe- benDen, wallenden Adagio einer Beethovenschen Violinsonate. Sofern es überhaupt Sinn Hot, Musik zu tanzen, Rhythmus und Melodie im Einzelnen und im Ganzen Durch Körperbewegung abzubilden, so erhielt man hier Den Eindruck Des Vollkommenen, gegen das Die Tänze Der Allzuvrelen ein eitles Spiel sinD. Denn Diese Musik war in Ehrfurcht und als Ganzheit gefühlt, so überzeugend, Datz Diese Weise nur immer Diesen Tanz zurückrufen wirD. Ob Das die Leistung einer eminenten individuellen Musikalität oder der anthroposophischen Schulung ist, ist aus der Ferne schwer zu sogen. Vielleicht beides, vielleicht eingeborene Musikalität verbunden mit jener immer neuen somnambulen Hingegebenheit, Die auch die Haah-Berkow-Spieler haben.
Wenn man aus dem Lärm Stuttgarts — es lärmt immerhin — in die Stille Tübingens kommt, so kann man wohl bemerken, wie jede Stadt auch in Der Wirkung auf Das Ohr ihre besondere IndiviDualität hat, Deren wir Augenmenschen wenig achten, Die aber einem Blinden eindringlich genug sein mag. Wenn man auf Dem Tübinger Marktplatz vor Dem schönen Rathaus steht, um sich Den bunten Markt sieht, wie Professorenfrauen Radieschen laufen und offenbare junge Theologen schüchtern Blumen
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