Ausgabe 
23.8.1926
 
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Nr. 196 Erstes Blatt

176. Jahrgang

Montag, 25. August 1926

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

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Dor zehn Jahren.

Die Fahrt derU-Dcutschland".

Am 23. August 1916 kehrte das Handels­unterseebootDeutschland" von seiner ersten Fahrt zurück. Zehn Jahre sind seit dieser großen Tat vergangen. Was alles ist in dieser Zeit über Deutschland hinweggebraust, wie haben sich die Zeiten geändert. Damals beschäftigte sich die ganze Welt mit dieser großartigen Erfindung des deutschen Geistes, heute denkt kaum jemand noch daran. Für damalige Verhältnisse war dec Dau eines Handels-^I-Dootes und die Durch­brechung der Blockade mit ihm eine ge­waltige Leistung. Seit langer Zeit wax es wieder einmal gelungen, die feindlichen Reihen zu durchbrechen und Deutschland mit der Außenwelt in Verbindung zu sehen. Vicht nur der moralische Erfolg war infolge der glücklichen Fahrt des Handels-Ll-Dootes groß, sondern auch der ma­terielle Vuhen, denn es brachte auf seiner Hin­fahrt nach Amerika für 60 Millionen Mark Ware nach dein Auslande, und auf der Rückfahrt führte es eine nicht unbeträchtliche Menge hoch­wertiger Rohstoffe nach Deutschland, die wir unbedingt brauchten. Als das Doot im Hafen Don Baltimore lag, sperrten ihm 30 feindliche Kriegsschiffe die Ausfahrt. Man glaubte, unter allen Llmständen das Schiff unschädlich zu machen. Obwohl das TI°Boot ein reines Handelsschiff war und auch als solches von den amerikanischen Behörden anerkannt worden war, erklärten die feindlichen Marinen, daß es genau so wie jedes andere feindliche Kriegsschiff behandelt werden müsse. Trotz der TIeberwachung der Hafenaus­fahrt von Baltimore gelang es dem 12-Boot, zu entkommen. Später führte es noch einmal eine glückliche Fahrt nach Amerika durch, mußte dann aber außer Dienst gestellt werden, da bald darauf Amerika in den Krieg eintrat.

Das Attentat auf den Berlin-Kölner D-Zug. Berlin, 23. Aug. (WTB.) DerMontag" mel- der aus Hannover, die Kriminalpolizei verfolgt seit Soniuagnachi gemeinsam mit dec Ueberwachungs- stelle der Reichsbahndirektion Hannover eine ganz bestimmte Spur, die große Aussicht auf Erfolg bietet, -t'icse epur, auf die die Ucbcrivachungsstelle unab­hängig von der Kriminalpolizei gekommen sei, führe nach Hillerse bei Meinersen, sowie nach Eiff - h o r n. eoUren die angestellten Ermittelungen den vermuteten Erfolg haben, so könnte man damit rech­nen, daß der Tälerspätestens in 2 4 Stun- den verhaftet sein werde. Abgesehen von die- kr aussichtsreichen Spur werden noch andere Spu­ren verfolgt. Am Samstag und Sonntag wurden .ahlreiche Verdächtige verhaftet, die meisten wurden aber bereits wieder entlassen, da sie ihre Unschuld Nachweisen konnten. Andere befinden sich noch in t'wlizeigewahrsam, bis ihre Angaben nachgeprüft sind. Da neuerdings auch mit der Möglichkeit ge- .echnel wird, daß das Attentat vielleicht einen po- ! i t i s ch e n Hintergrund hat, und einer bc- aimmten politischen Persönlichkeit galt, die entweder den Nordexpreß oder einen der Schlafwagen der anderen drei in Frage kommenden D-Züge benutzte, sind auch in dieser Richtung Ermittelungen einge­leitet worden. Man versucht die Namen derjenigen Passagiere sestzustellen, die in der Nacht vom 18. jum 19. August Schlafwagenplätze im Nordexpreß, un Kölner Schlafwagenzug, im Hollandzug und in dem verunglückten Schnellzug D 8 innehatien. An der Unglücksstelle liegen von dem entgleisten Zug nur noch die Maschine und der Tender, die mit Hilfe von .Kranen und Winden wieder aufgegleist wer­den sollen, da sie nur verhältnismäßig schwach be­schädigt sind.

Unerhörte Beschlagnahmen in Südtirol.

Berlin, 22. Aug. Nach einer Meldung des ..Berliner Lokalanzeigers" hat der Präfekt der pro- oinj Trient dem Herein fürdas Deutsch­tum i m Ausland mitgeteilt, daß auf Grund der bekannten Dekrete die kindergarlenoer- eine In Südtirol beschlagnahmt sind Die Besitzungen sind dem italienischen Front- iämpferbund überwiesen worden. Der verein hat gegen die Beschlagnahme seines Eigentums Ein­spruch erhoben.

Hindenburg in Bayern.

München, 22. Aug. (Priv.-Tel.) Der Reichspräsident traf am Sonntag früh mit dem fahrplanmäßigen Zuge um 7.36 Tlhr über Hof und Regensburg in München ein. Bei der Einfahrt des Zuges in die Bahnhofshalle wurde der Reichspräsident, als er sich kurz am Fenster »eigte, vorn Publikum mit Hochrufen begrüßt. Ein offizieller Empfang fand nicht statt. Der Reichspräsident fuhr mit dem Zuge um 8.15 Alfjr vormittags nach Thann-Matzbach weiter, von wo er sich im Auto nach TZ s e n begab, um bem Forstrat Escherich einen Besuch abzu- statten. Der Besuch hatte rein privaten Cha­rakter und galt dem Forstrat als einem alten Bekannten von der russischen Front. Um 3.15 cf 1 i>c Reichspräsident die Rückf ahrt nach Lchann-Matzbach an und um 5.10 TIHr traf oer Zug wieder in München ein, wo eine kurze Begrüßung durch den Vertreter der Reichs- regierung, Gesandten Dr. Haniel v. Hain- hausen stattfand. Dann setzte Hindenburg in einem Polrzerauto die Fahrt nach Dietrams­zell, seinem Sommeraufenthaltsort, fort.

der deutsche Katfyolitentag in Breslau.

Revolution in Griechenland.

Die Diktatur Pangalos gestürzt.

Breslau, 22. Aug. (WB.) Zn der ersten geschlossenen Versammlung des Katholikentages wurde der Antrag des Zentralkomitees, den nächsten Katholikentag 1927 in Dortmund ab­zuhalten, einstimmig angenommen. Der Präsident,

Landeshauptmann Dr. horion, eröffnete die erste öffentliche Sitzung des Katho­likentages und begrüßte alle, die herbeigeeilt seien, insbesondere die deutschen Volksgenossen, die unter fremder Herrschaft nicht nur ihren Glauben, sondern auch ihre Rationalität, ihre deutsche Sprache und Kultur hochhielten. Sodann gedachte Dr. Horion der mex ikanischen Ka­tholiken. Mit immer wachsender Entrüstung vernähmen die deutschen Katholiken die Rach- richten über die entsetzlichen Bedrückungen und Verfolgungen der Katholiken in Mexiko. Rach einer weiteren Begrüßungsansprache des Fürst­bischofs von Breslau, Kardinal Bertram legte

Runlius Pacelli

Zweck und Ziel des Katholikentages - ar, nämlich nn Geiste der Gläubigen die Idee vom Königtum Christi zur helleuchteirden, alle Herzen durch schwingenden Flamme zu entzünden. Die geistige Herrschaft Christis müsse wieder unser Staatsleben beseelen. Das geistige Königtum Christi solle darüber hinaus endlich die Bezie­hungen der Völker und Staaten untereinander beherrschen. Richt Rationalhah dürfe ihnen das Siegel aufdrücken, sondern das Bewußtsein, daß alle aus der Hand desselben Schöpfers hervor­gegangen seien.

Die Präsidentin der Katholischen Reichs- Frauenorganisation Oesterreichs.

Bundesrätin Jannt) Fürstin Slarhemberg, hielt dann einen Vortrag über das Thema ..Christus und die Familie". Heute sei ein hef­tiger Kampf gegen Kirche und Familie. Lauheit und Halbheit, der Mangel nach Ausgleichen und zu sträflicher Rachgiebigleit reifen die heutige Gesellschaft ins Verderben. Die Menschheit stehe an einem Wendepunkt ihres Kulturlebens, und es sei dringend notwendig, endlich zur Besin­nung zu kommen und neue Wege einzuschla- aen. Die Auswüchse in der Mode, beim Tanz, beim Sport und Turnen, bei Vergnügungen aller Art, der erschreckende Riedergang in Kunst und Literatur, die beklagenswerte Richtung der heu­tigen Tageszeitungen, das alles seien Symptome der Krankheit unserer Zeit. Der Mangel an Verantwortlichkeits- und Pflichtgefühl der El­tern. der Mangel an Autoritätsbefinden und Ehrfurcht bei den Kindern sei die Gefahr für die christliche Familie. Die Bestrebungen gegen Mutterschaflszwang und die Beschränkung der Kinderzahl, der Kampf gegen die heute geltende Strafgesehordnung seien bedenkliche Momente des Zerfalls christlichen Familiensinns. Die ganze Gesellschaftsordnung sei in Gefahr. Die ka­tholischen Frauen Deutschlands und überhaupt die ganze Frauenwelt müsse alles daran­sehen, um eine grundlegende Besserung dieser Verhältnisse herbeizuführen. Das Reich Christi müsse wieder aufgerichtet werden im Leben der Familie, des Staates und der Völker. Die Frauen dürfen nicht die Schmach auf sich laden,

Lupen und Malmedy.

Eine offiziöse Auslassung über die deutsch-belgischen Erörterungen.

Berlin, 21. Aug. (WTB.) Zu den Meldungen der ausländischen Presse, insbesondere den Meldun­gen gewisser französischer Blätter über die Frage Eupen-Malmedy wird dem WTB. vonzuständi- g e r S e i te folgendes mitgeteilt: Die Tendenz aller dieser Meldungen liegt auf der Hand. Die Oeffent- lichkeit wird alarmiert, um d i e Absichten der deutschen Politik zu diskreditieren. Durch Vermischung wahrer und falscher Nachrichten soll der Eindruck erweckt werden, daß Deutschland die belgischen Finanzschwierigkeiten erpresse- risch zu mißbrauchen suche, daß die bel­gische Negierung sich dieser Erpressungsmanöver nur mit Mühe erwehren könne, daß es aber schließlich dem energischen Einschreiten dritter Mächte gelungen sei, die drohende Gefahr zu beseitigen. Darüber, was dritte Negierungen gegen­über der belgischen Negierung getan haben, können natürlich nur diese selbst Auskunft geben. Der deut­schen Negierung ist nichts davon bekannt. Für sie ist der wirkliche Tatbestand ein sehr einfacher, der sich mit wenigen Worten wiedergeben läßt.

Zwischen deutschen und belgischen Ainanzmän- nern sind schon vor längerer Zeit Besprechun- gen in Gang gekommen, die sich aus eine deutsche Mitwirkung bei den internationalen Btänen zur Sicherung der belgischen Währung bezogen.

Ohne daß es einer besonderen deutschen Initiative bedurft hatte, ist dabei auch der Gedanke erörtert ,°& nicht die Möglichkeit bestände, ein deutsch-belgischen Zusammengehen auf finanziellem ", -^"^-'challllchem Gebiete dadurch zu fördern, daß gleichzeitig eine Verständigung über das künftige Schicksal der Kreise Eupen und Malmedy herbeigeführt würde. Es bedarf keiner Begründung, daß eine Bereinigung die- fer Frage auf dem Wege verständnisvollen gegen-

in der Schicksalsstunde eines Volkes versagt, ihre Mission nicht erkannt und in den entschei­denden Kampf der Geister nicht eingegriffen zu haben. Der katholischen Frau, der deutschen Frau gebühre der Platz in der vordersten Linie der Kämpfer.

Am Rachmittog fand unter außerordentlich starkem Besuch eine Versammlung der ka­tholischen Arbeitervereine statt. Rach einer Begrüßungsansprache Dr. Horions betonte

Reichskanzler Dr. Marx,

in den Massenversammlungen der katholischen Arbeiter zeige sich am besten die Stärke des Katholizismus. Die katholische Arbeiterschaft sei der Sauerteig des Glaubens in der ganzen deutschen Arbeiterschaft. Jetzt sähen auch immer mehr die akademischen Kreise ein, daß in der Arbeiterschaft die Stärke der Zukunft liege. Vor 100 Jahren im Zeitalter der Auf­klärung hätten die Gebildeten mit einer gewissen lleberhebung alles Christliche und Religiöse von sich gestoßen und so den Unglauben auch in die Arbeitermassen getragen. In den letzten Jahr- zehnten zeige sich umgekehrt, wie das starke religiöse Gefühl, das noch in der Arbeiterschaft lebt, auf die sogenannten besseren Stände über­gehe. Eine schwere Sünde dieser besseren Stände wäre es, wenn sie nicht mehr Gemeinschaft mit Öen Arbeitern holten. Jetzt sähen auch immer mehr die akademischen Kreise ein. daß in der Arbeiterschaft die Stärke der Zukunft liege.

Rach einer Rede des Kardinals Bertram, der daraus hinwies, daß die Kirche mit der­selben Energie, mit der sie die Arbeiter an Berufstreue und Arbeitsalter mahne, auch vor die Arbeitgeber hintrete und sie an Gerechtigkeit, Liebe und Fürsorge für die Arbeiter erinnere, ergriff

'21bg. Dr. Stcgerroalb

das Wort zu längeren Ausführungen. Der christ­liche Gedanke müßte auch dem Arbeiter gegenüber vom Staate in Anwendung gebracht werden. So sei vor allem für kinderreiche Familien Erleichte­rung in steuerlicher Beziehung und bei der Sozialversicherung erforderlich. (Beifall., Die Arbeiter leisteten einen Dienst am ganzen Volk. Darum müßten sie auch kultur- und menschen­würdig entlohnt werden. Der Arbeiter muh an der Wirtschaft selbst in dieser oder jener Form beteiligt werden. Wir lehnen den Obrigkeits­staat von früher mit seinem Dreiklassenshstem ab. (Lebhafter Beifall.) Wir wollen den Volks- st aat, in dem alle Volksschichten Einfluß im Staat und Einfluß auf den Staat und auf die Wirtschaft haben. Erst wenn man dem Arbeiter das gewährt, kann man von ihm verlangen, daß er auch die Verantwortung gegenüber Staat und Wirtschaft übernimmt Stegerwald ging dann auf das Arbeitslosenproblem cm und erklärte, daß das Reich und die Länder ausgefordert werden müßten, für Arbeitsgelegen­heit zu sorgen. 10 Milliarden Schulden des Reichs und der Länder sind durch die Inflation beseitigt. Es schadet garnichts. so fuhr Sieger- Wald fort wenn Reich und Länder wieder ein paar Milliarden Schulden aufnehmen, um damit Arbeitsgelegenheit für die Menge der Arbeits­losen zu schaffen.

fettigen Entgegenkommens wesentlich zu einer Ver­tiefung der gesamten Beziehungen zwischen Deutsch­land und Belgien beitragen würde. Auch in belgi­schen Kreisen schien man sich dieser Erkenntnis kei­neswegs zu verfchl-eßen, daher auch die verständige Haltung maßgebender belgischer Blätt°r. Es muß betont werden, daß diese Besprechungen nicht den Charakter offizieller Verhandlun­gen von Regierung zu Regierung angenommen Ijaben. Selbstoerständilch hat die Reichsregierung von den Unterhaltungen Kenntnis gehabt; ebenso selbstverständlich ist es, daß sie die Entwicklung der Dinge mit dem größten Interesse versolgt hat.

Dieser Haltung der Reichsregierung den Vor­wurf einer Erpressungspolitik zu machen, wie es französische Zeitungen tun, kennzeichnet sich ange­sichts des geschilderten Sachverhalts ohne weiteres als widersinnig.

Jür Deutschland konnte und kann nichts ande­res in Frage kommen, als eine Verständigung, die die Gewähr der Dauer dadurch erhält, daß sie in völlig gleicher weife den Interessen bei­der Länder entspricht, nicht aber eine verstän- bigung, die für den einen Teil nur ein Not­mittel fein würde, um gegenwärtige Schwie­rigkeiten zu überwinden.

Wenn, was die deutsche Regierung nicht weiß, die Idee einer solchen Verständigung ihre aktuelle Bedeutung letzt dadurch verloren haben sollte, daß dritte M^ä ch t e sich ihrer Verwirklichung widersetzten, so wäre das ein gefährlicher Versuch, in die friedliche, den wahren Interessen zweier Nachbarländer ent­sprechende Entwicklung mit den Mitteln machtpolitischen Druckes einzugrei­fen. Es wäre ein Versuch, der einen um so be­dauerlicheren polittschen Rückschritt bedeuten würde, als er im Widerspruch stände mit dem «inn der Verträge von Locarno, deren Hauptbedeutung darin liegt, die Grenzen im Westen für immer zu befrieden und die Erörterung aller damit zusammenhängenden Fragen ein für allemal der Sphäre politischer Machlanwendung zu , entziehen.

Paris. 22. Aug. (TTl.) Rach Meldungen aus Athen ist dort eine Militärrevolte ausge- brochen. die zum Sturz der Regierung Pangalos geführt hat. In der Rächt vom Samstag zum Sonntag marschierten gegen drei ilbr morgens ein großer Teil der Truppen und bewaffnete Organisationen nach der Stadl und besetzten sofort die Post und die Telegraphen­ämter und alle anderen öffentlichen Gebäude. Gegen sieben Ahr morgens überflogen Militär­flugzeuge die Stadt und warfen Proklamationen an die Bevölkerung ab, in denen die Absetzung von Pangalos und seines ganzen Regierungs­apparates verkündet wurde. Der Führer der ausständigen Bewegung Ht der General Son- dhIis, der auch bereits die Ministerpcäsident- schaft übernommen hat. Der Admiral K o n duriotis, der sich zur Zeit aus der Insel Hydra befindet, wird voraussichtlich das Amt des Staatspräsidenten übernehmen

Die Aufslandsbewegung ist überall glatt gelungen, ohne auf den geringsten Widerstand gestoßcn zu fein. Die großen Garnisonen von Saloniki und Patras und ebenso in anderen Gegenden Grie­chenlands haben ihre Zustimmung bereits erllärt. Auch die gesamte Marine hat sich mit der Absetzung von Pangalos einverstanden erklärt. Pangalos selbst ist fe ft genommen worden. Alle von Pangalos verhafteten politischen Füh­rer und Offiziere wurden sofort freigelassen In der Stadt Athen herrscht völlige Ruhe. Die Gegner von Pangalos haben bereits seit län­gerer Zeit auf seinen Sturz hingearbeitet und immer mehr Anhänger gewonnen Die q. r r wärtige wirtschaftliche Krise, in "Der uch Griechenland befindet, begünftigte die Bestre­bungen der Verschwörer. Durch das Willkür- Regiment Pangalos, vor allem durch die völlige Unterdrückung der Pressefreiheit und durch die zahlreichen Verhaftungen seiner politischen Gegner hatte sich ein großer -Unwille gegen ihn herausgebili-.t, der jedoch öffentlich nicht zum Ausdruck kommen konnte, da alle oppositionellen Regungen durch die Re­gierung Pangalos aufs schärfste unterdrückt wur­den. Der neue Ministerpräsident General Kon- dylis nahm während des Krieges an dem «maze­donischen Feldzug auf Seiten der Alliierten teil und gilt für sranzoscn- und serbenfreundlich

Athen, 22. Aug. (WB.) Die neuen Rlachl- baber haben durch die Agence d'Athenes folgende amtliche Meldung über den Staatsstreich ver­breitet: Volk und Armee haben einstimmig die Diktatur Pangalos gestürzt.

Der Führer der Revolution, General Kon- dylis, Hal den Admiral Konduriotis auf­gefordert, die Präsidentschaft der Re- publik zu übernehmen, konduriolis hat die

Aufforderung angenommen

und wird heute abend in Athen eintreffen. Haupt­zweck der Revolution ist: Vollständige Wieder- Herstellung der Freiheften des Volkes, Ansetzung von Parlamentswahlen, Gesundung der nationalen Währung. Genevar Kondylis ist ve- seelt von den herzlichsten Gefühlen für die Serben, seine Waffenbrüder, war er doch der erste, der im Jahre 1916 für die Verteidigung des griechisch-serbischen Bündnisses tämpste. Er ist ebenso beseelt von herzlichen Gefühlen gegen die großen Alliierten, mit denen zusammen er im Weftkrikämpfte. Unmittelbar nach der Ankunft des Präsidenten der Republik wird die Frage der Bildung eines neuen Kabi­netts gelöst werden. Morgen wird General Kondylis mit den Parteiführern zusammentreffen, um über ein Zusammenarbeiten zu beraten mit dem Ziele, das Land zum normalen parlamen­tarischen Geben zurückzuführen. Im ganzen Lande herrscht vollkommene Ruhe. Die öffentlichen Dienste arbeiten in normaler Weise Das Voll veranstaltet Freiern aus Anlaß der Abwersung der Tyrannei.

Eine Wendung in Mexiko?

Mexiko, 22. Aug. (Reuler) Präsident Calles hatte zum erstenmal seit Beginn des Kirchenstreits mit hohen Würdenträgern der katholischen Kirche eine Besprechung über die Lage. Obwohl kein Uebereinfcmmen erzielt wurde, wird das Ergebnis doch als zu­friedenstellend bezeichnet. Präsident Calles be­tonte ausdrücklich, daß die Gottesdienste wieder ausgenommen werden könnten, wenn die Kirche den Grundsatz anerkenne, daß Kirchengebäude Rationaleigentum seien.

Wie dieAssociated Preß" meldet, plant man von katholischer Seite &e Schaffung einer großen politischen Partei, die den Ge­danken der Verfassungsänderung ver­treten will. Die Partei würde sich jedoch nicht als katholische Partei bezeichnen, um eine Ver­letzung der Gesetze zu vermeiden, die die Be­teiligung religiöser Gruppen an politischen An­gelegenheiten verbieten. In e'.ner neuen erz-

Erklärung heißt es: Eine Verfassung muß dre berechtigten Wünsche des Volkes zu­friedenstellen. Aber bei der mexikanischen Ver­fassung ist dies nicht der Fall. Das Episkopat wünscht lediglich die zeitweilige Richt- anwendung der Regierungserlasse, bls^die Haltung des Volkes klargestellt ist. Die Erklärung unterstreicht die Rotwendigkeft einer Trennung von Staat urtb Kirche, zwischen denen dabei eine wechselseitige Harmonie herrschen müsse. Weiter bringt die Erklärung zum Ausdruck, daß man den von Calles in feinem Antwort brief