?Zaulus, D.f.B ©lef)en, im Deiksprung der 900er Seipp.
Die Wurfkonkurrenzen bringen im Falle des Erscheinens des deutschen Meisters und Rekordmannes Brechen macher, „Eintracht"-Frankfurt, sowie des deutschen Rekordhalters Steinbrenner vom gleichen Verein ganz erstklassigen Sport. Paulus, Wetzlar, und Schenk, Kassel dürften allerdings in diesen Wettbewerben auch ein Wörtchen mitzureden haben. 3m Dreikampf um den Ehrenpreis der Sarotti-Werke Berlin treffen sich als aussichtsreichste Bewerber: Adams und Schenk. Kassel, 3ucht, Sp.-D. Offenbach, Goll, S. C. 80 Frankfurt, und der gut veranlagte Seipp, Gießen 1900. Wie bei jeder leichtathletischen Veranstaltung, so werden auch hier die Staffeln besonderes Interesse erheischen. 3m Endlauf der 4xl00-Staffel erwarten wir „Eintracht". Frankfurt, Kurh.-Pol., Kassel, Hessen- Pr., Kassel und Sp.-Vgg. 1900 Gießen. 3n der Olymp. Staffel wird das Ende zwischen Eintracht, Frankfurt und Hess.-Pr., Kassel liegen. Ungewöhnlich starke Felder toeifen die Junioren- und Anfängerwettbewerbe auf. Sehr gutes Material haben hier zur Stelle: Sp.-D. Darmstadt, Eintracht Frankfurt, Hessen Frankenberg, V. f. D. und 1900 Gießen.
Im Reiche.
Leichtathletik und Turnen.
Die Leichtathletik-Wettbewerbe in Krefeld werden durch die Absage der Franzosen zu einer nationalen Veranstaltung. Die leichtathletischen Wettkämpfe im Reich sind recht zahlreich: so finden in Hannover Hindenburg-Kampfspiele statt, werden in Göppingen, Frankfurt, München, Berlin, Bernau (Mark), Magdeburg, Dresden (Etaffellauf „Rund um die Reustadt") usw. mit Sportfesten aufwarten.
An Turnerveranstaltungen sind zu nennen: das Thüringische Kreisturnfest in 3ena, Volks- turn-Kreismeisterschaften des Kreises Rorden in Kiel, des Kreises Oberweser in Kassel, Georgen- bergfest in Spremberg, Spicherer- Bergfest in Saarbrücken, Sportfest des Badischen Reckar- turngaues.
Schwimmen.
Dec kommende Sonntag ist hauptsächlich den Langstreckenschwimmern Vorbehalten. Das größte Ereignis ist die Austragung der „Meeresmeister- fchaft", der früheren „Ostsee-Meisterschaft", verbunden mit einem 3nternationalen in Danzig. Das größte Werbefchwimmen der Reichshauptstadt geht in „Quer durch Berlin" vor sich. Weiter versammeln sich die Streckenschwimmer bei „Quer durch Breslau". Zahlreiche weitere Schwimmfeste, die aber im Hinblick auf die Deutschen Meisterschaften wenig Beachtung fanden, sind: Verbandsoffene des S. C. Rostock in Warnemünde, S. V. Ohligs 04, S. V. Döbern, S. D. Gotha, S. S. V. Freiburg und S. V. Delmenhorst 05. Kreis- und Gauveranstaltungen finden in Reiße, Unna, Trittau und Hamelingen statt. Ein Städtewettkampf findet in Bremen zwischen Hamburg, Bremen und Hannover statt. Ein Klubzweikampf Reptun-Spindlersfeld — S. V. Aegir-Chemnitz steigt in Sachsen. — Die Turnerschaft hält Kreisfeste ab in Pottenstein, Oberlahnstein und Altenberg.
Radsport.
Bahnrennen werden in Mainz, Düsseldorf, Erfurt, Hamborn, Aachen, Mors und Frankfurt abgehalten. Das Hauptinteresse konzentriert sich jedoch auif die Radweltmeisterschaften, die in Mailand mit den Vorrennen für die Fliegerweltmeisterschaft beginnen. Die Oefterreichische Dun- des-Strahenmeisterschaft wird von 3nnsbruck nach Kundl und zurück über 100 Kilometer entschieden. Weitere Radfernfahrten sind: Als letzter Lauf der D. R. U.-Strahenmeisterschaft der Große Mifa-Straßenmeisterschaft der Stadl Köln, der Wittlerpreis von Querum, Berlin—Reuruppin— Berlin, Rund um Lübecks Türme, Rürnberg— München—Rürnberg, der Große Diamant- Strahenpreis von Braunschweig, der Große Dür- kopppreis Wittenberg—Berlin—Wittenberg, die Berufsfahrer-Straßenfahrt durch Württemberg und Baden von Stuttgart nach Freiburg, der .Große Arkonapreis Berlin—Angermünde—Berlin und der Große Handels» und 3ndustriepreis vom Saargebiet.
Die Krummhölzer«
Roman aus den bayerischen Bergen.
Von Michael Wagner.
12 Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Zur selben Abendstunde, da im Sternbräu- stüberl der Annodomini wirklich Wort halten konnte, dem Uracher ins Gewissen zu reden, ohne allerdings bei dessen Gleichmut etwas auszurichten, faß Zeno seinem jungen Weibe gegenüber im still- trauten Heim.
Das gedämpfte Lampenlicht fiel in weichem Spiel auf Mariannens Blondhaar und auf Zenos sinnend in die Hand gestützten Kops.
„Wenn i nur müßt, was mich so unwiderstehlich dazua treibt — zwingt — den Veri zur Heimkehr zu bringen!" sprach er vor sich hin. „Daß grab i —!"
„Es mag deine Bestimmung sein, Zeno, schau — oder wie du 's nennen willst. Wir glauben gar oft, uns zu'einem Entschluß durchzuringen, wahrend es uns vielleicht schon längst aufgesetzt ist, diesen Weg einzuschlagen!" meinte Marianne.
„Mir liegt 's so schwer in — in meinem ganzen Wesen, wenn i den Gedanken auf greif'! Und er drängt sich den ganzen Tag an mich heran!"
Da griff Marianne über den Tisch und zog dem Grübelnden die Hand vom Gesicht, so daß er den Kopf heben und ihr in die Augen sehen mußte.
„Zeno!" mahnte sie liebevoll, „mach' dir 's doch nicht so schwer! Tu', was du für deine Pflicht hältst — schreib dem Deri und red ihm im guten zu. Aber vergiß nicht: Du hast jetzt Weib, Haus und Herd, die nach deiner Sorg' verlangen!"
Zenos Gesicht hellte sich bei diesen Worten auf. Er erhob sich, trat zu Marianne hin und küßte sie, ihr Gesicht in seine Hände nehmend, voll Innigkeit.
„Immer finb'ft du s rechte Wort!" seine Hand liebkoste ihr Haar. „I werd' ihm jetzt schreiben, dem Deri —" setzte er dann in tiefem Ernste hinzu.
„Ja, Zeno, tu's!"
Und Zeno schrieb dem Bruder:
Daß er heimkommen möge, um die drückende Sorge von ihm zu nehmen. Er solle sich doch keiner Täuschung hingeben und glauben daß er
Wirtschaft.
• Die amtliche Großhandels- Indexziffer. Die auf den Stichtag des 21.Juli berechnete Grohhcmdelsindexziffer des Statisti-, schen Reichsamtes ist gegenüber dem 14. 3uli um 1,4 Proz. auf 126,3 zurückgegangen. Von den Hauptgruppen gab die Indexziffer der Agrarerzeugnisse um 1,8 Proz. auf 127,6 und die Index- ziffer der 3ndustriestoffe um 0,3 Proz. auf 124,0 nach.
* 3. G. Farbe nindu st rie, F ra nk- furt/Main. 3n der gestrigen Sitzung beschäftigte sich der A.R. der 3. G. Farbenindustrie mit dem von der Sprengstosfgruppe angeregten Projekt der Verschmelzung dieser Gruppe mit der 3- G. Der A.R. genehmigte die beabsichtigte Fusion mit der Köln-Rottweil A.G. und erklärte sich auch mit dem Abschluß der Jn- teressenverträge der Dynamit Robel A.G. und der Rheinisch-Westfälischen Sprengstoff A.G. einverstanden. Diese Transaktion wird voraussichtlich eine Kapitalserhöhung notwendig machen, über deren Umfang sich die Verwaltung noch nicht schlüssig geworden ist. Außerdem stehen andere große Aufgaben, insbesondere Reuanlagen, bevor.
' Zur Bildung des internationalen Eisenkartells. Wie der DHD. von unterrichteter Seite hört, werden in den nächsten Tagen in Köln die Verhandlungen zwischen dem Stahlweriverband, Düsseldorf, und den französischen Werken wieder aufgenommen. Es kann, vorausgesetzt, daß die fortgesetzten Regierungskrisen in Frankreich keine Komplikation verursachen, damit gerechnet werden, daß das internationale Eisenlartel! nunmehr zustande kommt.
.frankfurter Börse.
Frankfurt a. M., 23. 3uli. Tendenz: Schwächer. — Geschäftsunlust und Zurückhaltung gaben auch heute der Börse das Gepräge. Mangels Anregungen und infolge fehlender Kaufneigung kam es auf nahezu allen Märkten überwiegend zu neuen Knrsab - bröckelungen. Die durch den morgigen Börsenausfall entstehende längere Unterbrechung des Verkehrs veranlaßte die Spekulation zur Reserve, wodurch die Umsatztätigkeit auf ein Minimum beschränkt wurde, um so mehr, als auch die bisherige Stühe des Marktes, nämlich die spekulative Kaufbewegung in I. G. Farben» aktien, durch das enttäuschende Kommunique des Aufsichtsrates ins Wanken geraten ist. Außerdem mahnte die politische Lage in Frankreich zur Vorsicht, so daß die Stimmung als unlustig, unsicher und eher schwächer zu bezeichnen ist, obwohl das Kursbild keine Einheitlichleit zeigte. Die Rückgänge waren geringfügig und gingen über 1 Prozent nicht hinaus. Montanwerte schwächten sich ab, mit Ausnahme von Gelsenkirchen, Phönix, Mans- felder und Buderus. Farben-Aktien eröffneten auf dem Stande der gestrigen Abendnotiz, nachdem sie vorbörslich bis auf 246 Prozent zurückgegangen waren. Elektroaktien lagen ziemlich gehalten, dagegen war die Haltung für Bankaktien überwiegend schwächer. Darnat- Dank verloren 1 Prozent, Dresdner 0,5 Prozent Deutsche und Disconto je 0,25 Prozent. Schifffahrtsaktien behauptet. Von Motoren konnten Kleyer 1 Prozent anziehen, während Daimler 1 Prozent nach gaben. Baustoff-' und Zuckeraktien gaben leicht nach. Badischer Zucker stärker abgeschwächt: minus 2,87 Prozent. Deutsche Anleihen waren etwas fester gestimmt und lebhafter im Geschäft. Ausländische Renten schwächten sich ab mit Ausnahme von Mexikanern, die sich weiter befestigen konnten. Der Freiverkehr war umsatzlos und ohne wesentliche Veränderungen. Bek- ker Stahl 20,75 Prozent, Benz 81 Prozent Growag 60. Drown Boveri 114, Ufa 47 Entreprise 6,5, Unterfranken 84 Prozent. Die freundliche Stimmung, die der weitere Verlauf hervorbrachte, dürfte darauf zurückzu- führen sein, daß die Berufung Poincares zum Ministerpräsidenten als wenig aussichtsreich angesehen wird. Auch die Veröffentlichungen des Farben-Trusts wurden weniger pessimistisch beurteilt. Farben 3. G. konnten auf 249 Prozent anziehen. Am Geldmarkt setzte unvermittelt eine Rachfrage für Schecktausch ein, der Sah
sich in der Stadt zu dieser Zeit einer starken Strömung anvertrauen könne — bloß Wildwasser sei es, und ungebärdig wie dieses — aber auch ebenso kurzlebig. Von den mancherlei Veränderungen schrieb er ihm, die sich inzwischen ergeben hätten, und daß er auf dem Hofe so gut zu gebrauchen wäre. Er möge doch die Gelegenheit nützen, dort Wurzel zu schlagen, wo das Leben ihm auch für die Dauer taugen würde ...
Gruß und Mahnung des Herrn Försters Dominikus Sanktjohanfer beschlossen den Brief.
V.
Als München am Morgen des 1. Mai 1919 erwachte, lauerte über den grauen, häßlichen Hoch- nebeln wie ein grausiger Polyp das Verhängnis, mit gierigen Armen die Stadt umfassend.
An jenem Tage wurde bas dunkelste Blatt der Stadthistorie mit Blut geschrieben ...
Bruderkrieg — Bürgerkrieg!
Männer, kriegserprobt, vor wenigen Monaten ober Jahresfrist vielleicht noch als Schickfalskame- raben nebeneinander im Schützengraben unter feindlichem Trommelfeuer liegend ober in mühsamen Märschen durch Frankreich, Serbien, Italien in Reih und Glied verbunden — standen sich nun feindlich gegenüber, griffen zur brudermörderischen Waste, steigerten die traurige deutsche Erbschwäche der Uneinigkeit auf ihren gräßlichsten Höhepunkt — den Bürgerkrieg!
Also war an jenem grauneblig und regnerisch anbrechenden ersten Maientage des Jahres 1919 in München nichts zu sehen von Lenzfreudigkeit und heiterer, lebensfroher Frühlingslust.
Es schien beinahe, als fürchte sich die große Stadt, Unheil ahnend, vor dem Erwachen. Und als sie sich endlich regte und die abertausend Augen zögernd aufschlug, hatte in ihren Mauern Jakobiner Tod bereits die ersten schauerlichen Sensenhiebe getan.
Trotz, Wut, blinder Fanatismus und Verbrechen spannten den Gewehrhahn, griffen zur Handgranate und anderem Kriegsgerät.
So begann der blutige Tanz .. .
In den ersten Stunden dieses grauen Unheilmorgens stand eine Gruppe von Männern vor einem öffentlichen Gebäude auf breiter, stiller Straße. Ihre Gesichter waren bleich und iiber-
für tägliches Geld dürste sich infolgedessen aus 4 Prozent erhöhen. Monatsgeld 4,75 bis 6,25 Prozent je Adresse. Privatdiskonten 4,5 Prozent. 3ndustrieakzepte 4,75 bis 5 Prozent. 3m Devi - sen verkehr zeigten die westlichen Franken- vaiuten gehaltene Kurse. Paris stellte sich gegen London auf 215, Brüssel auf 210. Mailand notierte gegen das Pfund 148,50.
Dörsenkurle.
(Ohne Gewähr.)
136,7
159,62
136,2*
119,75
119,5'
168.7
136*
122*
120,1
159,7
137.5*
120
94.75
120.5
159
Sing. Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann Mainkraslwerke . ..... Schuckert....... ,
Siemens 4 Halske .....
Frankfurt a.M.
Berlin
Schluß.
Kurs |
1-UDr. Aura
Schluß Kurs
Anfang fiurc
Datum:
22.7.
23.7.
22.7. |
23. 7.
5% Deutsche ReichSanlethe .
4% Deutsche Reichsanleihe .
0.49
0.4125
0,49
0,495
—
—
0,45
9.4475
8Vi% Deutsche Rcichsanleihe
0,44
_
0,45
0,445
3% Deutsche Reichsanlcihe • Deutsche Svarprämienanleihe
0,52
0.275
_
0.52
0,2725
0,52
4°/0 Preußische Konlols • • .
0,4425
—
0,45
—
4% Hessen..... -
0,42
—
0,42
_
3*4% Hessen..........
—
—
0,44
-
—
Deutsche Wertb. Dollar-Anl. dto- Doll-Schav-Auweisng.*)
96,5
—
—
—
4°/0 Zolltürken.........
13,05
12.9
13
_
5% Goldmcrikaner - - - •
45,75
46
46
—
Berliner Handelsgesellschaft.
Commerz- und Pnvat-Bank.
177
126.5*
127,7*
175*
126.5*
175,7*
127,2*
Darmst. und Nalionalbank .
174*
177*
175*
178*
Deutsche Bank.........
160,5*
161,7*
160.2*
162’
Deutsche Bercinsbank • ■ • .
89,75
—
—
DiSconto Commandii . . .
147,7*
148'
147,2'
148.5*
114
114.5
Mitteldeutsche Creditbank . .
Oefterreichische Creditanstaft.
120
121,2*
121,5*
7.3
—
7.35
7,25
Bochumer Guß ........
_
131,5*
131*
132,5*
BuderuS .........
86.5
86,8
87.75
Caro ...........
73
—
72,5*
72,75*
Deutsch-Luxemburg......
Gelsenkirchener Bergwerke . .
136
135.5*
135*
135,5*
157,1*
156,5*
155.2*
156*
Harpencr Bergbau......
Kaliwerke Aschersleben....
140.5*
138
138,5*
138,5*
135.25
139'
135,2'
Kaliwerk Westeregeln.....
144
—
145
Laurahütte.........
50
—
49.9
48,4
Oberbedars...........
Phönix Bergbau ......
—
—
64*
63.12'
106,5’
107,4*
107,5*
107,7'
Rheinstahl...........
Riebeck Montan........
131.5*
144
131.5*
141,75
130.7*
141,5
131,2*
140,25
4
Tellus Bergbau.......
70
Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd . . . ,
146,2’
141,7*
146,2*
147
143*
146,5'
141,5*
Cheramischc Werke Albin . .
50
_
Zementwerk Heidelberg . . .
108.5
__
_
Philivv Holzmann......
80
—
78,5
-
Anglo-Cont.-Guano.....
79
Chemische Mayer Alapin . .
_
_
I. G. starbcnindustrie, A.-G.
Goldschmidt..........
251.7*
91.25
52.5
247,7*
249,7*
90,12
247,9*
90
Holzverkohlung........
52
Rütgerswerkc . . .....
99
100
98,5
Schcideanstalt ........
132,25
136.25
Adlcrwerke Kleyer .....
Daimler Motoren. ......
Hchligenstaedr
Megmn
Motorenwerke Mannheim .
Frankftrrtcr Armaturen . . . Konservenfabrik Braun . . , Mctallgefelll^oft Frankfurt. Schuhfabrik Her; • ...
Sichel Zellstoff Waldhof . Zuckerfabrik Araukertthal . .
Zuckerfabrik Waghäusel . . .
75,12
85
23,75 42.5
16
36.5
125
82
35.25
154,5
63,4
75,9
73
76
84
76
85
43
37,5
82
36,5
3.5
153,75
62
73
152,5
Berliner Börse.
Berlin, 23. Juli. Der heutige Verkehr stellte den Wochenschluß dar, da die Effektenbörse morgen bekanntlich a u s f ä l l t. Eine Belebung des Geschäftes war nicht zu verzeichnen. Die Stille hielt im Gegenteil an. Die Kurse schwankten leicht hin und her, ohne daß sich eine einheitliche Richtung ausprägte. Die innere Widerstandfähigkeit kam auch heute wieder zur Geltung. Einige führende Werte, wie 3. G. Farben, Deutsche Erdöl, Schiffahrt s° und Montanaktien waren um 1 bis 4 Prozent gegenüber den Vortagskursen gedrückt, andererseits tonnten Bankaktien und heimische Anleihen leicht .anziehen. Rach Festsetzung der ersten Kurse bestand die uneinheitliche Tendenz fort. 3m Devisenverkehr besserte sich der französische Franken vop 214 auf 209 bis 210 gegen das Pfund. Eine nachhaltige Besserung setzte sich jedoch noch nicht durch, da man in internationalen Finanzkreisen erst die Schritte des neuen Kabinetts und das Ergebnis der Verhandlungen des heute vormittag in Paris eingetroffenen amerikani-
nädjtig, die einen stumpf unh gleichgültig ober nie» dergeschlagen, die anderen leidenschaftlich bewegt.
Die meisten trugen rote Binden um die Rockärmel, hatten Gewehre und Karabiner umgehängt ober Handgranaten und Pistolen in den Lederkoppeln stecken.
Das weitläufige Gebäude hinter ihnen, dessen Straßenfront mit grellfarbigen Maueranschlägen verklebt war, schien verlassen, verödet, Fenster und Tore standen teilweise offen, lieber dem ganzen düsteren Bilde schwebte jene dumpfe Atmosphäre — der Niedergeschlagenheit und Mutlosigkeit, die herannahendes Unheil gleich einem Gewitter ahnen läßt ...
„Und ich sag' euch, fetzt is alles aus! Wir können bloß hoamgehn oder uns derschlagen lassen", sprach ein großer Bärtiger, dem man den Werkaroeiter ansah, mit schwerfällig klingender Stimme.
„Wenn man nur müßt', was man tun sollt'!" knurrte ein anderer dawider.
Höhnisches Auflachen war die Antwort.
„Raussuchen soll d'rsch, was dir lieber is — an die Wand — öder verschwinden!"
„Oder^die Zähn' z ammdeißen und hinschießen, wenn herg'schossen wird!" fuhr hart und schneidend die Stimme eines jungen, hochgewachsenen Mannes darein. Davon red't koaner!"
„Weil 's ja doch umsonst is!" hielten ihm mehrere entgegen.
„Und recht hat der Uracherveri — sag' i!" klang es hitzig aus dem Munde eines andern. „War denn alles dös bloß a Kasperltheater, Han?"
„Mach' koane Kanzleisprüch'! — Der Veri kann leicht reden!"
„Der Veri nimmt aber a 's Gewehr in d' Hand, wenn 's nottut!" verteidigte sich der Angegriffene in verhaltenem Groll.
„So? — Ah, geh!" spottete einer . „Ja, wenn 's dir wirklich bloß darum is — da hast 's meinige!" Dabei hielt er ihm grinsend die Waffe hin.
Mit einem Griff wie ein Prankenhieb riß ihm da Veri Uracher das Gewehr aus der Hand.
„Her damit! — Und die Patronentaschen a!"
Der Spötter wich erst einen Schritt zurück vor diesem unerwarteten Ungestüm. Rasch gefaßt, schnallte er dann aber eilig das Lederzeug ab und warf es hin.
„Von mir aus — da hast es!"
schen Finanzmannes Morgan abwarten will. Brüssel war gegen London mit 205 bis 206 leicht erholt. Am Geldmarkt ist die Lage weiter flüssig. Tagesgeld 4 bis 5,5 Prozent und darunter. Monatsgeld 5 bis 6 Prozent.
Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. (Ohne Gewähr.)
Banknoten.
(Ohne Gewähr.)
22 Juli.
23. Juli.
Amtliche Notierung
Amtliche Notieruna
Geld
Briet
Geld
Brief
Amft.-Ron.
168,68
169,10
168,64
169,06
Buen.-Aires
1.703
1,707
1,698
1,702
Brss.-Antw.
9,63
9,67
9,83
9,87
Christiania.
92,03
92,77
92,03 1
92,27
Kopenhagen
111,18
111,46
111,20
111,48
Stockholm .
112,26
112,54
112,26
112,54
Helstngfors.
10,554
10,592
10,55
10,59
Italien. . .
13.62
13,67
13,66
13,70
London. .
20,397
20,447
20,399
20,451
Neuhork . .
4,195
4,205
4,195
4,205
Paris....
9,93
9,97
9,69
9,73
Schweiz • .
81,18
81,35
81,18
81,38
Spanien . .
65,92
66.08
65,02
66,18
Japan . . .
1,977
1,981
1,975
1,979
Bio de Jan.
0.633
0,645
0,645
0.647
Wien in D--
Oest. abgest.
59,38
59,52
59,38
59,52
Prag ....
12,422
12,462
12.42
12,46
Belgrad . .
7,412
7,435
7,412
7,432
Budapest. .
5,872
5,892
547
5,89
Bulgarien
3,04
3.05
3,04
3,05
Lissabon
21,475
21,525
21,425
21,475
Danzig... .
81,38
81,58
81,60
81,80
Konstantin.
2,332
2,342
2.342
2,352
Athen. . .
5,01
5,04
5,01
5,03
Uanada. . .
4,197
4,207
4.195
4,205
Cruguav. .
4.195
4.205
4.195
4.205
Berlin, 22 Juli
Geld
Bries
Amerikanische Note».....
4,181
4,201
Belgische Noten........
9,65
9,69
Dänische Noten ......
110,87
111,43
Englische Noten. . ......
20,365
20,465
Französische Noten ......
9,23
9,27
Holländische Noten......
168,28
169,12
Italienische Noten......
13,93
13,99 .
Norwegische Noten......
91,77
92,23
Deutsch-Oeftcrr.,5100 Kronen
59,47
59,87
Rumänische Noten......
—
—-
Schwedische Noten......
111,97
112,53
Schweizer Noten.......
81,25
81,65
Spanische Noten . ......
65,74
66.06
Tschechoslowakische Noten . .
12,395
12,495
Ungarische Noten .......
5.825
5,865
AranksurLer Getreidebörse.
Frankfurt a. M., 23. 3ult Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer 32 nom., Roggen, inländ. 22,25 bis 22,50, Hafer, ausländ. 21,25 bis 23, Mais, gelb 18,75, Weizenmehl, inländ., Spezial 0 43 bis 43,50, Roggenmehl 31,25 bis 31,75, Weizenkleie 9,75, Roggenkleie 11. Tendenz ruhig.
Berliner Produktenbörse.
Berlin, 22. 3uli. Das anhaltend regnerische und somit für die Ernte ungünstige Wetter hat die Tendenz am Berliner Markt für Weizen wie auch besonders für Roggen weiter befestigt. Das Ausland bringt keine allzugrohe Anregung. Die Tlmsahtätigkeit bei Beginn des amtlichen Mittagsverkehrs bewegte sich in kleinsten Grenzen. da einmal das Angebot des Inlandes nur klein und in den Preisen höher ist, andererseits aber auch die Mühlen wegen der unrentablen Mehlpreise mit ihren Käufen sehr zurückhalten. Trotzdem konnte sich der Juliroggen im Liese- rungshandel 4 Mark, die übrigen Monate etwa 1 Mart befestigen. Weizen, der durchweg 1 Mk höher lag, ist verhältnismäßig still. Gerste wird in besten Wintersorten zu unverändertem Dortagskurse gefragt, findet aber kaum Verkäufer. Hafer ruhig. Mehl etwas mehr begehrt bei leicht erhöhten Forderungen. Es notierten per 1000 Kilo: Roggen, märt., (alt und neu) 190 bis 193; Sommergerste 190 bis 205; neue Wintergerste 152 bis 165; Hafer, märt., 200 bis 210; Mais (loko Berlin) 176 bis 178; Raps 355 bis 360; per 100 Kilo: Weizenmehl 38 bis 40; Roggenmehl 27,25 bis 28,75; Weizenkleie 10,50 bis 10,75; Roggenkleie 11,40 bis 11,50; Leine Speiseerbsen 28 bis 32; Futtererbsen 21 bis 26; Peluschken 26,50 bis 28,50; Ackerbohnen 24 bis 27; Wicken 32 bis 34,50; Lupinen (blau) 15 bis 16,50; Lupinen (gelb) 19 bis 21; Rapskuchen 14,80 bis 15; Leinkuchen 19,50 bis 19,80; Trockn- schnitzel 10,70 bis 11; Soyaschrot 20,40 bis 20,90; Kartoffelflocken 22,30 bis 23 Mark.
Verantwortlich für Feuilleton i. D.: Dr. Fr. W. Lang e.
Und während Veri schweigend sich den Leibriemen umschnallte, setzte er hinzu:
„Wenn i dir raten darf, Uracher — geh net z'weit vor, sonst muaßt d' bloß wieder soweit z'ruck — und dös is z'wider! — Also, i geh — wer noch?" Dabei nestelte er seine rote Binde vom Rockärmel und ließ sie in der Tasche verschwinden.
„I sag' jti selber — ’s G'scheitere wird's fein, wenn wir den Kampf aufgeben!" Es war her Große, der sich also vernehmen ließ. „Bloß sich der- schießen oder verschlagen lassen und die Familie ins Unglück stürzen — na, Freunder!! I lea* mein Zeug in die Wachtstuben und geh nachher!
Damit schritt er, gefolgt von mehreren Gleichgesinnten auf das Gebäude zu und verschwand darin. Run waren ihrer nur mehr drei oder vier, die bei Veri Uracher standen.
Da kam von irgendwoher durch bas Grau der Hochnebel ein dumpfes Rollen wie von einem ferne vorbeiziehenden Gewitter, und ein hastiges, trockenes Hämmern. Dann war es wieder ruhig.
„Wenn man nur wühl', wie 's steht!" Ein Fluch. „Wo soll man da hin? Alles geht zum Teufel!" stieß Veri zornig heraus. „Vier Wochen lang die Komödie, und jetzt, weil 's drauf ankommt — jetzt geht alles drunter und brüber!"
„Was willst benn ohne Führung ausrichten!?"
Veri schwieg und schaute grimmig vor sich hin.
„Nur grab net davonlaufen — wie a Schneider!" knurrte er dann.
In diesem Augenblick verließen die andern bas Gebäude wieder und wandten sich sogleich zum Gehen unter allerlei Bemerkungen über die Gruppe um Veri Uracher.
„Ja, geht 's nur! Vielleicht ist ’s gescheiter!" rief Veri erbittert zurück. Einige Minuten dumpfen Schweigens folgten. In den nächsten Seitenstraßen verhallten die Tritte der sich Entfernenden.
Eben nahm Veri sein Gewehr von der Schulter, um sich zu überzeugen, ob es geladen sei; da fuhr einer seiner Kameraden mit ausgestrecktem Arme auf: „Hallo! — Da oben kommt a Ordonnanz!"
Der Ruf riß alle herum.
Wirklich — ein Radfahrer sauste die breite, schnurgerade Straße heran. Einige Meter vor den anderen eilte ihm Veri Uracher entgegen.
„Was gibt’s!?"
(Fortsetzung folgt.)


