Ausgabe 
23.7.1926
 
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Nr. JZO Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Turnen, Sport und Spiel.

Zrettag, 23. Juli 1926

Die Kreismeisterjchasten des Mittelrheinkreises der D. T.

im Dolksturnen.

Erfolge des Gaues Hessen.

Auf dem vorbildlich angelegten Kampf- platz Oberwerth in Koblenz wurden jetzt die mittelrheinischenDolksturnmeister- schäften ausgetragen. Waren schon die Sechs- und Zehnkämpfe am Samstag im höchsten Matze spannend, so brachte der Sonntag eine bewun­dernswerte Fülle glänzender Einzel- und Mann­schaftskämpfe. Cs war die größte diesjährige Veranstaltung des Mittelrheinkreises; traten doch die besten Dolksturner des Kreises an. nachdem sie durch Ausscheidungskämpfe in den Gauen und Gauverbänden für die Teilnahme an den Kreis­kämpfen als würdig befunden worden waren.

Durch die Beteiligung der besten Kräfte des Mittelrheinkreises kam es besonders bei den Ent­scheidungen am Sonntag nachmittag zu scharsen Kämpfen, wie die Einzelergebnisse ausweisen, die verschiedentlich an die Höchstleistungen der D. T. annähernd heranreichen. Im 100-QHcter- Laus wurde durch X Helbig, Tv. 1817 Mainz, mit 10,8 Sekunden die Turnerbestleistung tatsächlich erreicht. Lleberhaupt waren die Läufe besonders beachtenswert. Die 2 0 0 Meter wur­den. ebenfalls von H e l b i g . in 23 Sek. ge­laufen. die 4 0 0 Meter von Gg Braun. Tv. Homburg v. d. H . in 51 Vs Sek., die 8 0 0 Meter von dem Hessenturner K. May, Tv. 1860 Dad-Dauheim. in 2 Min. 3 Sek. (der vorjährige Kreisineister Diehl (Aieder-Erlen- bach) konnte nur den 3. Platz belegen!), die 1 500 Meter von Gg. Stang. Tgm. Ccken- heim, in 4,15 Min. Der 10 0 0 0-M e t e r-L auf, in dem der Saarbrückener F. Montag führend war, hatte stärk unter der Hitze zu leiden. Don weiteren Leistungen heben wir hervor: den Schleuderballwurf des bekannten Frank­furter Dolksturners C. Wengenroth von 59,60 Meter, den Schlagballweitwurs Friesners vom Tv. Aeundorf von 92 Meter, den Speerwurf (bestarmig) von F. Kern, T. u. Spv. 1860 Mainz, von 50,65 Meter. Im Kugelschocken war Wengenroth mit 19,03 Meter führend, während im K u g e Ist o - tzen (beidarmig und bestarmig) Bah vom Po- lizci-Sportv. Frankfurt mit 22,90 Meter bzw. 12,12 Meter die Kreismeisterschaft gewann. Auster Wettbewerb erreichte Datz sogar die glänzende Leistung von 13 Meter (mit dem rechten Stotz im beidarmigen Kugelstoßen). Auch die Tur­nerinnen stellten in jeder Hinsichtihren Mann". Erwähnung verdienen der Hochsprung von G. Müller, Tv. 1817 Mainz, mit 1,41 Meter und der Weitsprung derselben Tur­nerin, die mit 5,19 Meter die Bestleistung der Kölner Kampfspiele um 10 Zentimeter übertraf. Sehr spannend waren die Staffeln der Tur­ner. Die 4X100-Meter-Staffel wurde vom Tv. 1817 Mainz in 448/.o Sek. gewonnen, während in der 3X1000-Meter-Staffel der oberhessische Turnverein Dieder-Erle n- b a ch (Gau Main-Taunus) mit 8 Min. 233/10 Sek. sicher Sieger wurde und die Schweden- st a f f e l den Akäd. Tv. Marburg in 2 Min. 7 Sek. als erste Mannschaft ans Ziel brachte. In der 10x225°Meter-Gauverbands-Stafsel wurde d e Mannschaft des 1. Gauverbandes, zu der vom Hessengau die Turner Degendank (Marburg), May und Daumblatt (Dad-Dauheim) ge­hörten, 1. Sieger.

Raummangel verbietet es uns. aus die Lei­stungen in allen Konkurrenzen näher einzugehen. Dachfolgend geben wir nur noch die Siege des Turngaues Hessen wieder, der durch den Akad. Tv. Marburg und den Tv. 1860 Bad- Dau h e i m würdig vertreten war. Durch deren Erfolge ist es möglich geworden, datz unser Hei­matgau auch bei den E n d m e i st e r s ch a f t e n der D. T. in Düsseldorf antreten kann.

Turner:

Speerwerfen (beidarmig): 1. Sieger D. Wiener, Tv. 1860 Dad-Dauheim. 71,80 Meter (Kreismeister).

Speerwerfen (bestarmia): 2 D. Wiener, Tv. 1860 Bad-Dauheim. 49,25 Meter.

Steinst otzen (beidarmig): 3- W Leh­mann, Tv. 1860 Dad-Dauheim. 14,15 Meter.

1 500-Meter-Lauf: 3. K. Matz. Tv. 1860 Dad-Dauheim.

400-Meter-Lauf: 2. Degendank, Ak. Tv. Marburg,' 52 Sek.

200-Meter-Läuf: 2. St. Daumblatt, Tv. 1860 Dad-Dauheim, 23Vio Sek.

800-Meter- Laus: 1. K. May. Tv. 1860 Dad-Dauheim, 2 Min. 3 Sek. (Kreismeister).

Kugelst otzen (beidarmig): 3. A. Langs­dorf, Tv. 1860 Dad-Dauheim, 19 65 Meter.

Sechskampf: 10. W. Lehmann, Tv. 1860 Dad-Dauheim.

Turnerinnen:

Schlagballwerfen: 1. Anna Mörler. Tv. 1860 Bad-Dauheim, 48,63 Meter (Kreis­meister).

Kugelstoßen: 3. Anno Mörler, Tv. 1860 Dad-Dauheim, 7,57 Meter.

Leider konnte der Hessenturner W. Münch vom D. f. L. in Marburg, der in den Gau­verbandsmeisterschaften dieses Jahres und auch bei den vorjährigen Kreismcisterschasten in Gie­ßen (Kreisturnfest) den Gau Hessen mit meh­reren ersten Siegen vertreten hatte, an der Koblenzer Deranstaltung nicht teilnehmen, da ihm als Reichswehroffizier das besetzte Gebiet ver­schlossen ist. Im Hürdenlaus, im 6- und 10-Kamps hätte er sich gewiß wieder den Meistertitel geholt. Oberleutnant Münch ist aber doch zu den Tur­nerschaftsmeisterschaften in Düsseldorf zugelassen.

Dicht unerwähnt darf bleiben, daß die oben­genannten Hessenturner ihre beim Gauturn­fest in Didda erreichten Leistungen, die stark von den Witterungs- und Bodenverhältnissen beeinträchtigt worden sind, in Koblenz ganz we­sentlich verbessert haben.

Sieg eines Giehener Radfahrers.

Wilhelm Rau vom Gießener Rad - fahreroercin 18 8 5 gewann am Sonntag in überlegenem Endspurt vor einem Kasseler Fahrer und Göbel (Limburg) das Straßenrennen Rund um Bad Wildunge n", 123 Kilometer. Erfolgreiche Giehener Schützen.

Dom 11. bis 18. Just sand in Frankfurt das 2 9. Dundesschießen des Schützen- bundes Mittelrhein. Baden und Pfalz statt. Folgende Gießener Schützen er­rangen hierbei Ehrenpreise:

Heinrich Appel 10. Konkurrenzbecher im Feld- und 22. Preis auf Feldfestscheibc.

August Pascoe 1. Preis auf laufende Keilerscheibe. 6. Preis aus Dehbockscheibe.

PH. D i c o l a u s 8. Preis auf Dehbockscheibe, 11. Preis auf laufende Keilerscheibe.

Fried. Pascoe 12. Preis auf Dehbockscheibe.

Dr. v. Bentheim 17. Preis auf laufende Keilerscheibe.

Auch von den noch zur Derteilung kommen­den Barpreisen fällt eine Anzahl den Gießener Schützen auf Grund ihrer auf den Meisterscheiben erzielten, teils sehr guten Resultate zu.

Motorrad-Turnier im Vogelsberg.

h- Schotten. 22. Juli. Das am Sonntag von dem Dogelsberger-Autvmobil- und Motorradklub veranstaltete Motor­rad-Turnier hatte durch die starke Be­teiligung auswärtiger Fahrer mehr als lokale Bedeutung. Wie im porigen Jahr erstteckte sich das Turnier auf eine Dergprüfung und ein RennenRund um Schotten". Die Renn­strecke mußte je nach Motorenstärke 3. 4, 5 und 8 mal durchfahren werden. Die leichteren Ma­schinen bis 350 ccm hielten sich gut. ebenso wie die von 500 ccm. Dur die schwersten Maschi­nen, von denen man besondere Lleberraschungen erwartete, enttäuschten. Sie mußten zum größ­ten Teil infolge Maschinendefekts aus dem Ren­nen ausscheiden. Die beste Zeit in der Berg­fahrt fuhr Mettenheimer -Königstein (Sun-

(Ein Sportfest im alten Griechenland.

Don Geheimrat Professor Dr. Th. D i r t.*)

Olympia! olympische Spiele! da- berühmteste Sportfeld Griechenlands in Elis, am Kladeos und Alpheios! Da ist nichts von politischem Prophetentum, mystischem Dunkel und Priester- Vorwitz, wie in Delphi. Der große Gott Zeus lockt nur die Turner und Athleten nicht De- rufsathleten, sondern freie Liebhaber des edlen Sports aus allen Gauen zum großen Wett­spiel, ihm selbst zu Ehren: frisch, fromm, frnhlich, frei. Wie sollten sich da nicht die Herzen zu­sammenfinden, die Seele aus der eng kantonalen Borniertheit sich befreien? Auch aus Sizilien, Südttalien kamen die Bewerber, auch Rosse- gespanne.

Zu Fuß pilgerten die einen, die anderen kamen zu Roh, auf Maultieren. Deisewagen gab es nicht. Die hohen Magistrate selbst aus allen Städten kamen mit, im Festornat, in Gala. Denn die Städte selbst sind es. die die Kämpfer stellen. Es sind Festgesandtschaften, die manTheorien" nannte. Solche Theorie aber war Praxis.

O ichönes Land, dort um Olympia! Auch der heutige Reisende atmet selig auf. wenn er dort stehlt denn Olympia ist heute Endstatwn der Lokalbahn und bequemer als damals zu erreichen. Durch das weit offene Tal flieht der Alphews daher, lichtdurchstrahlt, der sich so wohlfühlt in seinem weißen Kiesbett. Die Felsengebirge weg- geschoben: nur der Kronionhügel ragt wald- veschattet über der milden Talfläche: nur aus

*) Wir entnehmen diese fesselnde, frische und plastische Schilderung des alten Olympia dem lebensvollen Buche des beliebten Derfassers Don Homer bis Sokrates", das soeben in dritter verbesserter Auflage erschienen ist. An­schaulich geschildert, in rechtem Maße mit Einzel­heiten durchsetzt, entsteht darin die Welt der Griechen vor unseren Augen. Preis in Leinen­band 12 Mk. Derlag von Quelle & Meyer in Leipzig. 338

weitester Ferne, im Osten, ragt das Alpenland Arkadiens herein. Eine Tempelstätte in der hei­ligen Einsamkeit. Man sieht noch heute die Dau- trümmer der Gotteshäuser über den Rasen ge­streut. Ein Raubvogel schwebt von Osten her­über: ist es ein Habicht? nein, ein Adler, der Blitz tragende Dogel des Himmelsherrn.

sinter dem Kronionhügel langhin eine Ter­rasse mit Freitteppe, aufgebaut zum Stehen für die Gemeinde. Der Terrasse zu Füßen ein Dutzend altmodischer Zeusbilder aus Bronze, lauter Weihegaben. Auch um die zwei großen Tempel im Aachen drangen sich Statuen aus Postamenten, Weihgeschenke auch sie. Dazwischen oder seitab der große Altar mit Schlachtstätte, etwa zwölf Meter in Front, aus Asche hoch auf- geschüttet: bei jedem Festvpfer wächst er in die Höhe.

Gasthäuserbetrieb gab es kaum m den Städten: erst recht nicht hier. Am Fluhufer baute man Zelte oder schlief in der Sommernacht (es ist Juli) unter freiem Himmel. Um die Zelte her Iahrmarktsgerriebe. Die Pferde wiehern, ange­pflockt. Die Menschheit wogt durcheinander, ein Plaudern und Begrüßen derer, die sich kennen und noch nicht kennen, in allen Dialekten. Man wettet, man streitet: die jungen Athleten messen sich mit den Blicken. Die Turnmeister. hoch­geehrte Personen, stehen mit strenger Miene daneben und geben acht:keinen Wein trinken! nur leichte Pflanzenkost!" Die strenge Diät sichert den Erfolg. Dur wer nüchtern, ist Herr seiner Kraft: eine Askese im Dienst des Zeus. Freunde stecken ihren Günstlingen Amulette zu. damit sie siegen. Dolle zehn Monate dauert vor dem Wett­kampf das Üeben und Trainieren; Uebungsplähe (Gymnasien) waren dazu in Olympia selbst vor­handen.

Fünf, sechs oder auch sieben Tage dauerte das Fest: an jedem Morgen wird geopfert, und die Menge staut sich auf dem Platze. Berühmte Männer tauchen auf. der Sparterkönig mit dem Knebclbart oder Themistolles oder Kimon; dann ist große Sensation, und alles weist auf sie. und des Redens ist kein Ende, bis alles zum Stadion strömt, wo 10 000 Menschen Platz finden. Und die Dorführungen beginnen.

beam), in 49 Sekunden 1,3 Kilometer. May - Wiesbaden (Güldner) erreichte die größte Ge­schwindigkeit auf der 140 Kilometer langen Renn­strecke, durchfuhr sie in 1,44,12 Std. und erhielt den Wanderpreis. Der vorjährige Inhaber die­ses Preises muhte bereits in der 1. Runde in­folge Maschinendefeks aus dem Rennen aus­scheiden. Das Rennen war gut besucht und ver­lief ohne nennenswerte Unfälle.

Sportabzeichen-Prüfung.

Erfolgreiche Giehener Sportsleute.

Die Prüfung für das Deutsche Tu tn- uni Sportabzeichen in Bronze bestan­den Endres. Gosche, Berneck und Fi-

scher von der 2. Komp 15 Jnf.-Regt. Offi­ziersanwärter Heyer. l.Komp. 15. Inf -Regt. Schütz Hain, 4. Komp. Inf.-Regt. 15, ferner Erich Walter, Student. Das Abzeichen in Bronze und Silber erhielt Lportslehrer Schnei­der.

Die Prüfung für das neueingefährte Reichs- jugendabzeichen bestanden die Jugend­lichen des Giehener Schwimm verein- Walter Weitz, Walter H o I z i g e l, Heinrich Kraft und Gerhard Stert. Dies sind die ersten Abzeichen, die in dieser Art in Gießen verliehen werden. Bemerkenswert ist, datz die vier Teilnehmer ihre sämtlichen Aufgaben 300-Meter-Schwjmmen, Weitsprung. 100-Meter- Laus, Kugelstotzen und 600-Mcter-Dchwimmen an einem Tag erfüllten, wozu sonst eine Zeit von 12 Monaten gewährt ist.

Was der Sonntag bringt.

Der Städtewettkampf im Schwimmen Cassel - Giehen der am Sonntagnachmittag in der Müllerschen Badeanstalt stattfinbet. wird auf Grund -eines sorgfältig zusammengestellten Programms ein für Hessen und Hessen-Dassau schwimmsport- liches Ereignis ersten Ranges werden.

Der Gießener Schwimm verein wird dabei neben den rein sportlichen Wett­kämpfen eine Anzahl volkstümlicher Gebiete des Schwimmsports zeigen und da­mit der Deranstaltung einen gewissen Werbe- charakter verleihen. Es sei hier nochmals das Reigenschwimmen und Figurenlegen der Damen des Darmstädter Schwimmklubs Iungdeutschland" erwähnt, die, wie über­all, wo sie bis jetzt geschwommen haben, auch in Gießen reichen Beifall finden werden. In diesem Zusammenhang sei auch des Turmsprin­gens vom 5-Meter-Turm, sowie des Kunst­springens von den 3- und 1-Meter-Drettern gedacht, das schon immer einen besonderen An­ziehungspunkt darstellte. Auch der Humor wird wieder zu seinem Recht kommen. Dicht zu ver­gessen ist schließlich das Waserballspiel, das immer besondere Reize und zwar nicht zuletzt für den Laien bietet.

Was die rein sportliche Seite anlangt, so kann man Bei der Gleichwertigkeit der beiden Mannschaften kaum einen Schluß auf den Aus­gang des Kampfes ziehen. Bekanntlich konnten bei dem vorjährigen Zweikampf in Marburg die Kasseler mit 46:45 Punkten Sieger über die Gießener bleiben. Auch diesmal wird das Er­gebnis sehr knapp werden, wenn nicht gerade die Kasseler ganz besondere Ueberraschungen brin­gen, die nie ausgeschlossen und um so eher mög­lich sind, als man in diesem Jahre noch nichts Däheres von ihnen gehört hat. Dazu kommt, daß einige gute Iugendmitglieber des Giehener S. D. infolge der Ferien nicht anwesend sein können.

Die Freistil st affel 10x50 Meter, die im vorigen Jahre von Kassel gewonnen wurde, wird, da sich hierin Gießen verbessert hat, ein aufregendes Rennen geben. Wenn es für Kassel noch einmal zum Siege reichen sollt», so dürfte der Abstand ein sehr Keiner sein. In der D r u st st a f f e l 50. 100, 200. 100. 50 Meter wird Pascoe (Giehen) auf der 200-QHeter- Strecke fein Können zeigen und, wenn seine Kameraden nicht allzu viel verlieren, damit seiner Mannschaft zum Siege verhelfen.

In der F r e i st i l st a s fe l 3 mal 100 Meter bringt Giehen mit Rau, Pascoe, Eck eine ausgeglichene Mannschaft an den Start. Jedoch dürfte hier Kassel mit Dr ehme als Schluhmann besser sein. Dollkommen offen ist die Lagen­staffel 4x100Mtr. Auch hier wird Drehme ein gewichtiges Wort mitreden. Die grobe Druststaffel 10 mal 50 Meter wurde im vorigen Jahre von Giehen gewonnen. Auch dies­mal dürfte es. obgleich die Mannschaft mit I mehrfachem Ersah antritt, zu einem knappen

Siege für Giehen reichen Aus dem Wasser­ballspiel, das den Schluß der Deranstal- tung bildet, sollten die Kasseler als Sieger her­vorgehen.

Die Wettkämpse gegen Kassel werden, wie schon berichtet, umrahmt durch einen 3 u - gendklubzweikampf des Gießener Schwimmvereins gegen den Wetzlarer S ch w i m m v e r e i n . der ebenfalls interessante Kämpfe bringen wird. Hier Vorauszusage:', wer die besseren sein werden, ist unmöglich. Jeden­falls wird die Giehener Iugendmannschaft. deren Beste nur gegen Kassel starten, einen schweren Stand haben.

Alles in allem genommen kann man auf eine wohlabgerundete Deranstaltung rechnen 3m übrigen sei auf die morgige Anzeige hingewiesen.

5. Nationale Wettkämpfe der Spielvereinigung 1900 Gießen.

ö. Cs waren in jeder Hinficht wohlgelungene Deranstaltungen, die Gießen 1900 seither im Rahmen seiner Rationalen Wettkämpfe ab­wickelte. Das muß von den Teilnehmern und den Zuschauern zugestanden werden. Erstere haben das bereits durch Abgabe ihrer Meldun­gen getan, letztere sollen es durch ihr Erscheinen am Sonntag bekunden.

Es haben bestbekannte süd- und westdeutsche Leichtathletikvereine gemeldet, und zwarEin­tracht" Frankfurt, S. C. 1880 Frankfurt, D. f. L. Frankfurt, Sp.-D. 99 Offenbach, Sp.-D. 98 Darm­stadt, Pol.-Sp.-D. Darmstadt. Kurhessen-Polizei Kassel, Hessen-Preußen Kassel, D. f. B. 05-Kurh. Marburg, Sp.-D. Frankenberg, Sp.-D. Alten­diez, F. D. Weilburg, F. E. 05 und B. C. 10 Wetzlar, D. f. D. Giehen, Sp.-D.Hessen" Gie­ßen und natürlich der Deranstalter selbst.

3n allen Wettbewerben sind spannende Kämpse zu erwarten. Als aussichtsreiche Bewer­ber treffen in den Kurzstrecken aufeinander: der ehern. Deutsche Polizeimeister über 100 Meter Paul, Kurh.-Pol. Kassel, die beidenEin- trachtler" Stärker und Kaletsch, Fricke und Larts von der Marburger S-D. sowie R. Fischer, Giehen 1900. Mtt<es- und Lanastvecke hat gleichfalls etne starke Besetzung erfahren. Während bei den 1500 Metern eine Reihe gleichwertiger Leute am Start steht, kom­men über die Langstrecke als sichere Sieger der populäre Frankfurter Hetterich und Ger­hard- Weilburg in Frage. Der letztere voll­brachte bei den Deutschen Kampfspielen in Köln eine glänzende Leistung, da er im Marathonlauf bei Teilnahme der besten Deutschen an 8. Stelle einkam. Leute von recht gutem Können beteiligen sich an den Sprungkonkurrenzen. Den Hochsprung wird sich Allwvhn. Sp.-D. Darmstadt, von Decker. Gießen 1900. nicht nehmen lassen. Der mehrfache Westdeutsche Meister Adams. Kurh.-Pol. Kassel, sollte den Weit- und Stab­hochsprung für sich entscheiden, wenn auch nur knapp. Seine schärfsten Widersacher sind im Stabhochsprung Dietrich, Frankenberg, und

Abwechslung genug; nur den heut unver­meidlichen Fußball, auch Riegenturnen und Klet­tern gibt es nicht, auch keine Menschenpyramiden nach Art unserer Zirkusleute. Alle Tage neue Wettbewerber. Sie haben sich zuvor angemeldet. Wettlaufen: Knaben laufen, dann 3ünglinge, auch spitzbärtige Männer; sie schnauben und Hetzen sich in südländischem Heihblut. Das Publikum muß Geduld haben; denn es währt lange. Aber viele haben ihre Angehörigen unter den Läufern und verfolgen die fliegenden Gruppen mit Gier. Man sitzt in der prallen Sonne, völlig schattenlos. Gegen den Hunger hat man sich Frühstück mit­gebracht. Auf alle Mlle ein Hochbetrieb, span­nend und flott.

Denn schon kommen die Gerwerfer, dann gar die Diskuswerfer. Blitzend fliegt der Diskus, die runde Metallscheibe, wie ein gewirbeltes Rad gegen die Sonne. Wer sie am weitesten schwingt, hat gewonnen. Ein Schauspiel: denn auch der Schönheitssinn kam dabei zu seinem Recht. Das Schauen selbst nannte man göttlich. Die zeigte sich der Körper schöner als hier.

Dun aber erst der Einzelkamps Mann gegen Mann, das Ringen im Zweikampf: der Griff, das Ausweichen, der lauernde Blick, die blitz­schnellen Bewegungen! Muskelkraft und ileber- liftung! Das währte oft stundenlang. Das Schreien im Publikum wird schon erregter. 2nd endlich gar das Boxen, die schweren Kerle mit den Dull- doggennaturen auf die Mensur! Da hört freilich die Aesthetik auf, aber die Sensation wächst ins Ungeheure. Die Fäuste im festen Riemenhand- schuh, mit Dleibeschlag. Die Schlage krachen, und es gibt Wunden, zerhauene Ohren, blutende Olafen; die Zähne flogen aus dem Kiefer. Der Wundarzt mutzte helfen.

Zehn Preisrichter hatten den Dorsitz, von Polizisten oder Stabträgern begleitet, die, wo Einordnung einriß, dareiillchlugen. Die Kämpfer hatten, um die Schweißbildung zu hemmen, den ganzen Körper mit Olivenöl eingerieben. Dach dem Kampfe schlug der Sieger rasch den Mantel um seine Glieder und trat so. in einer Wolle von Oelgeruch, mitten ins Publikum, um sich an­jubeln zu lassen. Dann strich er sich mit bem ge­höhlten Schabeisen das Oel ab. man reichte ihm

die schmale Siegerbinde, und er band sie sich selbst um die Schläfen fest.

Hatte er die Binde wirklich verdient? Man diskutierte wohl noch hinterdrein, und die Mei­nungen prallten aufeinander. Aber die Schieds­richter erwiesen sich als untadlig, und so folgte endlich noch der schönste Lohn: kein silberner Ehrenpokal; auch silberne Ehrennadeln gab es nicht wie heute. Dur ein Zweig wurde von jenem altheiligen Oelbaum Olympias geschnitten, den einst Herakles gepflanzt, und der zum Kranz gebogene Zweig von Priesterhand dem Jüngling feierlich auf das Haupt gelegt. Der Zweig aber mußte mit goldenem Messer geschnitten fein. Das war die höchste der Ehrungen.

Sank das Dunkel herein, da ging natürlich der Decher um; der Südwein floß aus den Mischkrügen, ein wonniges Gelage. Die übliche Weise, dasHeil dir im Siegerkranz", das Tenella kallinike scholl und Lieder noch sonst, in Fülle; dennder Sieg begehrt Gesang". Ein Schwärmen und Derbrüdern im linden Hauch der Sommernacht, indes des Mondes heller Blick mit holdseligem Schimmer das wette Tal umfing.

War das alles? Freilich, es gab im Hippo­drom auch noch Pferdesport, das Wettfahren der Quadrigen mit dem Diererzug, und gewiß, das war eigentlich die Krone des Ganzen. Ein Dutzend, gelegentlich gar vierzig Wagen am Start. Die dicken Staubwolken flogen. Dur der Sieger, der vorn war, schluckte den Staub nicht. Die Tiere buntfarbig aufgezäumt, die Mähne stets nach rechts gekämmt, weil sie andernfalls nicht siegten. Auch Maultiere liefen. Aber auch Reit­sport gab's, Wettreiten, leider nur in geschlossener Dahn. 3n den Siegesliedem wird uns ein zwei­jähriger Fuchshengst aus den Ställen des Königs von Syrakus gepriesen; das Tier hieß schon von vornherein Pherenikos,der Sieger, und es hat seinem Damen Ehre gemacht. Aber nur Fürsten wie die Kleinkönige Siziliens und sonstigeMänner des Großkapitals konnten sich einen Rennstall halten. Die Fürsten fuhren und ritten auch natür­lich nicht selbst. Die Dürgerssöhne, die Ringer und Sumer mit ihrem Familienanhang, das Stadtbürgertum war es allein, das der Feier den Stempel gab.