Ausgabe 
23.7.1926
 
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Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 23. Juli 1926.

KorpsStarkenburgia 1826-1926

Seit -Wei Wochen stehen die Straßen unserer Stadt im Zeichen desStiftungsfest-Semesters", welches vor seinem Abschluß alljährlich das dem Fremden so ungewohnte, dem Gießener aber so wohlvertraute Bild hervorzaubert: Tag für Tag wechselt der Seltersweg sein buntes Kleid, zahl­reicher tauchen noch einmal die bunten Mühen auf, und unter ihnen so viel bejahrte und doch so jugendfrische und begeisterte Gesichter. Mor­gen wird Rot-Weih-Gold das Strahenbild der Stadt beherrschen, denn Starkenburgia, das zweitälteste Korps der hessischen Landes- univccsität. rüstet sich zum 100jährigen S t i s t u n g s f e st.

lOOjähriges Stiftungsfest, wahrlich ein Er­eignis, das selbst in unserer raschlebigen Zeit auch aus den Fernstehenden nicht ohne Eindruck bleiben wird, wieviel mehr aber aus die Korps- Angehörigen selbst. Wieviel frohe und ernste Tage umschließt dieses Säkulum für die vier Starkenburger Generationen, die 200 Semester hintmrch die alten Traditionen ihre- Korps hoch- hielten und bis zum heutigen Tage weiter über­lieferten. Längst schon deckt der grüne Aasen jene ersten Korpsburschen, die wenige Jahre nach den Freiheitskriegen am 26. August 1326 sich zu hinein engen Freundschaftsbund zusammen­schlossen und die Starkcnburgia mit den Farben Grün-Wciß-Rot ins Leben riefen. Doch nur wenige Jahre ungetrübten, frohen Burschenlebens waren den Gründern beschießen: denn schon warfen die trüben Zeiten der Metternichschen Reaktions- Aera ihre Schatten voraus. Bereits im Jahre 1831 wurde das Korps zum erstenmal zur Auflösung gezwungen, und daran anschließend begann jene sattsam bekannte Zeit der Verfolgungen und Untersuchungen. die auch vor den Korps trotz deren unpolitischen Eharalters nicht Halt machten. Suspensionen folgten sich auf dem Fuße und zwangen die Korpsanaehörigen immer wieder dazu, die seit dem 18. Juli 1838 erkorenen rot­weiß-goldenen Farben nicht frei und offen, son­dern nur heimlich unter Rock und Weste ver­steckt zu tragen. Doch der innere Zusammenhalt der Korpsbrüder konnte dadurch nur gefestigt werden.

Erst das Jahr 1840 brachte einen Wechsel der seitherigen, für die Korporationen so ver­

hängnisvollen Anschauungen, so daß sich die Starkenburgia mit den drei übrigen Gießener Korps (den Hessen, den Teutonen und den da­mals noch bestehenden Rhenanen) wieder rekon- stituieren konnte.

Ruhigere Jahrzehnte gingen ins Land, in denen daS Korps sich ungestört entwickelte. In dieser Zeit knüpfte es mit auswärtigen Korps engere und engste Freundschastsbeziehungen. die heute zu den ältesten im Kösener S. C. gehören. Es spannten sich die Drücken nach Rord und Süd, nach West und Ost zu denSachsen-Preußen". Sachsen",Westfalen".Schlesiern" denRhein­ländern",Altmärkern" undPfälzern", ilnb so wurden diese Bündnisse, deren Entstehung zu­meist in die Zeit vor der Reichsgründung zurück- reicht. zum Symbol der Liebe zum geeinten Vater­land, die zu pflegen immer die vornehmste Auf­gabe des Korps gewesen ist. Davon durften in den folgenden Kriegen, besonders aber im Welt­krieg, StarkenburgiaS Söhne Zeugnis ablegen. Die Gefallenen-Ehrentafel am Sockel des Korps- hauSturmes spricht ihre stumme Sprache dafür.

Ties wurzelt das Korps in dem Boden, dem es entsprossen, und der ihm so lange eine wahre Heimat gewesen ist. Gießen und die Starken­burgia sind eng verbunden durch viele Familien- und Freundschaftsbande. Viele auswärtige Korpsbrüder sind in Gießen heimisch geworden und haben sich .von hier ihre Lebensgefährtin geholt. Unvergeßliche Erinnerungen knüpfen sich für die ältere Generation der alten Herren an die Pulvermühle", in der das Korps an den Ufern der Lahn bei einfachster Unterbringung glückliche Jahre verlebte. Seit 1894 fand die Starkenburgia in dem neuerbauten Korpshaus in der Wilhelm- strahe ein zweites, nicht weniger schön gelegenes Heim. Jeder Starkenburger, der von dem hohen Turm des Korpshauses über die Straßen und Plätze der Stadt hinüber in das Lahntal mit seinen Burgen geschaut, der nimmt ein unver­geßliches Bild von Gießen und seiner schönen Umgebung mit hinaus ins Leben. Wie gerne wird diesmal manche Sommerreise aufgeschoben, wenn nicht aufgegeben. um am Stiftungsfest mit den Genossen einer fröhlichen Jugendzeit an den alten Stätten Erinnerungen zu feiern.

Dor allem andern aber gilt das Gedenken der jungen und alten Starkenburger bei dem 100jährigen Stiftungsfest ihrer lieben alma mater Ludoviciana, der alle fo vieles zu danken haben. Wenn das Korps sich am Sonntag morgen mit dem Rektor und den Professoren in der Reuen Aula zusammenfindet, wenn es zu seinem hun­dertjährigen Geburtstag auch alle anderen Gie­

ßener Korporationen einlädt, so soll das ein äußere- Zeichen dafür sein, wie eng es sich mit seiner Universität verwachsen fühlt, mit der es aui Gedeih und Verderb verbunden ist. Und wenn man heute schon vielerorts die Zeit für gekommen hält, der Universität Gießen das Grab­lied zu fingen, die Starkenburger werden nicht an letzter Stelle stehen, wenn es gilt, die alma mater Ludoviciana dem Hessenland zu erhalten.

Die Starkenburgia ist stolz darauf, ein hes­sisches Korps zu sein, und wurzelt fest im hes­sischen Heimatbvdcn. wenn auch ein großer Teil ihrer Söhne von auswärts zu ihr nach Gießen kommt. An der Dergstrahe steht die verwitterte Veste, die ihr den Ramen gab. und Hessens Wappensarben Rot, Weiß und Gold gleichen den ihren. Möge unter dem rot-weih-goldenen Danner es dem Korps vergönnt sein, an dem Wiederaufbau des so schwer heimgesuchten, aber darum um so heißer geliebten Vaterlandes mit- zuhelfen.

* Eine leise Anfrage. Zwischen dem Hotel Kühne und dem Hotel Lenz sieht man von der Dahnhofstrahe aus ein großes Faß und einen recht umfangreichen Holzkasten in der Straße stehen, die beide einewunderbare Zierde" dieser sonst gar nicht üblen Seitenstraße dar- fteiten. Wir glaubten erst, das Faß sei dazu be­stimmt, die Spülichtabfälle der beiden Hotels aufzunehmen, und der Kasten diene dazu, den Kehricht äu bergen. Aus Befragen wurde uns jedoch erklärt, daß beidePrachtstücke" dem st ä d t i sch e n (Bauamt zur Sand- bzw. Hand­werkszeugaufbewahrung dienen, schon seit dem Frühjahr an Ort und Stelle sind und auch bis zum nächsten Winter dort stehen bleiben sollen, weil der Abtransport in der heutigen Zeit der Sparpflicht zu kostspielig sei. Das klingt recht schön, wir würden aber doch Vorschlägen, beide Gegenstände lieber unter Denkmalschutz zu stellen, damit sie für alle Zeiten eine unvergleichliche Verschönerung" der Visitenkarte unserer Stadt bilden. Was sagt man zu diesem Vorschlag?

** D ie nochschlafenden" ober- hessischen Gebietsteile hat der Vor­sitzende des Hessischen Derkehrsverbandes in der vorgestrigen Tagung in Bad-Rauheim zur Mit­arbeit an den großen Aufgaben der Verkehrs- Werbung für Hessen aufgerufen. Infolge eines Gehfehlers war in unserem gestrigen Bericht statt schlafenden"bestehenden" zu lesen.

D i e Wiener Hoch - und Deutsch- meist erkapelle, die am Sonntag nachmittag und abend in der DolkShalle konzertieren wird, trifft wie man uns mitteilt am Sonntag nachmittag um 3 ll&t hier ein. Die Kapelle wird unter Vlusikllüngen vom Bahnhof aus durch die Dahnbofstrahe, Liebigstrahe, Frankfurter Straße. LelterSweg, Sonnenstrahe Reuen Däue. Kaiserallee zur Volk-Halle marschieren, wo sich daS RachmittagSkonzert anschliehen wird. Der Veranstaltung Darf man mit großem Interesse entgegensetzen.

* ©in großer Landvvlktaq findet am morgigen Samstag und am Sonntag in Lich statt. Die Veranstaltung soll ein vaterländisches Heimatfest im besten Sinne deS Wortes werden. Den Besuchern dürft« Die im heutigen Anzeigen­teil angekündigte Festfolge recht genußreiche Stun­den bereiten.

Vornoti,;cn.

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Es lei nochmals auf das hochinteressante und eigenartige Gastspiel von Ivo Puhouys berühmtem Baden-Badener 'Jia- rionetten-Theater am kommenden Sonntag hingewiesen. Da der Gründer des Marionetten theaters, das jetzt 15 Jahre besteht, in diesen Tagen seinen 50. Geburtstag begangen hat, wird gegen wärtig in den verschiedensten Zeitungen und Zeit­schriften Darauf hingewiesen, daß das Baden-Bade­ner Marionettentheater wirklich hochkünstlerische Leistungen aufzuweisen hat. Glanzende Besprechun gen liegen unserer Bühnenleitung, die übrigens das Unternehmen von früheren Gastspielen in Bad- Nauheim bestens kennt, vor.

Oberhessen.

Landkreis Giestcu.

ch. Kloster Arnsburg, 22. Juli. Am Sonntag fand hier unter Leitung seines Dor- sitzenden, Pfarrer D e y r i ch - Münzenberg, ein Jugendtreffen deS Kreisverbandes OberhessenS der evangelisch weib­lichen Jugend statt, zu Dem auf SinlaDung auch junge Mädchen solcher Gemeinden gekom­men waren, in denen noch kein Jugendverein besteht. Landesjugendpfarrer Lic. v. d. Au hielt den Gottesdienst und sprach in Dem da rauf fol­genden Vortrag über die Frage:Warum schlie­ßen wir unS zu Vereinen zusammen?" Der Rachmittag wurde mit Desichtigung der Kloster- ruine, einer Aussprache über den Vortrag und mit Gesang und fröhlichem Spiel ausgefüllt.

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Nachmittags 3'/, Uhr

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Der Froschprinz

Märchenspiel von Otto Eichrodt. - Hierauf:

Solo-Marionetten.

Abends 8 Uhr

Dorstell.für Erwachsene bei ermaß.Preisen

Die Rache des Hakim

Orientalische Groteske von R. G. Haebler.

Hierauf: Egon und Emilia flein* Familiendrama v.Christ.Morgenstern

Hierauf:

Cabaret der Solo-Marionetten Der Vorverkauf beginnt Freitag, den 23.Fuli, in den gewöhnlichen Kassenstunden. 8087c

Alters -Vereinigung 1867 -1917

SamStag, Den 24. Juli, abenDS '/,9 Uhr, findet auf Dem SchützenhauS uns.diesjähr Sommerfell

statt. Wir laden unsere Mitglieder mit Familie hierzu herzlichst ein und bitten um recht zahlreiche 'Beteiligung.

05085 Der Vorstand.

Kor-Verein Braunfels

Sonnlaa:, den 25. Juli 1926:

Brunnenfest in der Lindenallee des SchloOgartens Konzert, Gewanss- nnd tarn. Vor­führungen, Tanz. Eintritt 0.50 Mk.

Beginn nachmittags 4 Uhr.

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