Ausgabe 
23.7.1926
 
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Die deutsche Abrüstung

Chamberlains Erklärung im Unterhaus

London, 22. Juli. (SU.) Die gestrige Er­klärung Chamberlains über den ungenügen­de n S t a n d der deutschen Abrüstung hak in diplomatischen Kreisen größtes Auf­sehen hervorgerufen. Allgeniein wird bedauert, daß durch diese Aeuherung die Abrüstungssrage so kurze Zeit vor dem Eintritt Deutschlands in den Vordergrund der politischen Interessen ge­rückt worden ist. Man verspricht sich aus der Art, wie das ganze Abrüstungsproblem bisher behandelt worden ist, nur wenig Gutes. Die Erklärung, daß es sich um keine besondere Rote, sondern lediglich um die Fortsetzung des laufen­den Briefwechsels zwischen der interalliierten Kontrollkommission und der Reichsregierung han­delt, wird als bloße Wortklauberei be- zeichnet, da es gleich ist, ob die Forderung des General Walch in einer Rote oder in einem einfachen Briefwechsel zum Ausdruck gebracht wurde. Auf Anfrage wurde dem Vertreter der Techgraphenunion an maßgebender Stelle mit« geteilt, daß die Antwort Chamberlains im Unter« - Haus nicht so gemeint ge.vesen sei, wie sie viel­leicht geklungen habe. Die Form dec Antwort erkläre sich aus der überlasteten Tagesordnung. Cs fei richtig, so wird an amtlicher englischer Stelle versichert, daß Deutschland nod) eine Veihe von, wenn auch nicht sehr wesentlichen, Ent! affnungssorderungen zu erfüllen habe. Es handelt sich in der Hauptsache um folgende vier Punkte:

1. Bestimmung des Begriffs Kriegsmaterial;

2. die Stellung des Generals von Seeckt;

3. die Stärke der Reichswehr;

4. die einheimische Reservearmee.

Zu Punkt 1 wird an maßgebender Stelle noch folgendes bemerckt: Rach dem Versailler Vertrag ist die Ein« und Ausfuhr von Kriegs­material für Deutschland verboten, woraus sich die Frage ergebe, was als Kriegsmaterial zu bezeichnen sei. Uebec den Begriff Kriegsmaterial beständen noch immer Unstimmigkeiten zwischen der interalliierten Kontrollkommission und der Berliner Regierung. Es sind, wie im vergangenen Jahre, so auch jetzt dieselben Fragen ausgetaucht, die bei der Lieferung von Dampf­kesseln für argentinische Torpedo­boote durch Deutschland bereits eingehend er­örtert worden seien. Zu Punkt 2 wird bemerkt, daß an amtlicher Londoner Stelle hierüber bis heute keine bestimmte Rachricht vorliege. Was Punkt 3 anbetrifft, so werden von amtlicher Seite gewisse Forderungen hinsichtlich der Stärke der Reichswehr erhoben. Ueber die angebliche deut­sche Reservearmee (Punkt 4) ist man in amt­lichen englischen Kreisen der Ansicht, daß es sich bei den sogenannten vaterländischen Verbänden um eine Art von Reservearmee handele, die ihrem Kampfwert nach der eng­lischen Territorialarmee gleichzuftellen sei.

Aus die Frage unseres Vertreters, ob die er­neute Aufrollung der Abrüstungsfrage keinen schädlichen Einfluß auf die dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund noch vorausgehenden Verhandlungen ausüben werde, wurde erklärt, daß es einem Teil der deutschen Presie zuzuschreiben sei, daß die ganze Angelegen­heit an die Oeffentlichkeit gebracht worden sei. Ohne diese Veröffentlichungen wäre das ganze Problem stillschweigend und ohne unnötige Belastung der deutschen Oeffentlichkeit gelöst worden.

Im Zusammenhang mit Chamberlains Er­klärung in der gestrigen Unterhaussitzung ist es nicht uninteressant, sich den ganzen Wortlaut der ebenfalls von Chamberlain im Januar .dieses Jahres abgegebenen Erklärung zu ver­gegenwärtigen. Chamberlain sagte damals bei dem gemeinsam mit Briand abgehaltenen Presse­empfang auf die Frage, ob Deutschland alles Menschenmögliche tue, um seine Abrüstungsver­pflichtungen zu erfüllen:

3a alles. Man muh nicht immer bloß daran denken, was noch geschehen soll, sondern auch in Betracht ziehen, was bereits getan worden ist. Die Ergebnisse, die in den letzten Mo- naten erzielt worden sind, übersteigen unsere

Hoffnungen.

Weiterhin äußerte er die Ueberzeuguna, daß die noch restiermden En twaffnungsbestrmmungen leicht erledigt werden können. Die Haltung Cham­berlains ist um so verwunderlicher, als er selbst das deutsche Aufnahmegesuch für den Völkerbund vom März d. I. unterzeichnet hat, m den: festgestellt wurde, daß Deutschland alle seine Verpflichtungen an den Versailler Vertrag erfüllt habe.

Manchester Guardian" stellt in seinem Leit­artikel die Frage, ob es ein Zufall oder Absicht sei, daß jedesmal, wenn Deutschlands Ein- tritt in den Völkerbund bevorzustehen scheine, die Luft sich mit Gerüchten fülle, die ge­eignet seien, ihn zu verhindern. Diesmal, so heißt es in dem Leitartikel, handelt es sich nicht um Meinungsverschiedenheiten unter ande­ren Mitgliedern des Völkerbundes, sondern es ist von einer mangelhaften Erfüllung der Abrüstungsklauseln des Friedens­vertrages die Rede. Chamberlain hat die Mel­dungen von einer Rote der Alliierten an Deutsch­land dementiert, hat aber in seiner Antwort auf die weitere Frage, ob die Lage bezüglich der deutschen Abrüstung befriedigend sei, erwidert: Rein" ohne einen weiteren Kommentar dazu zu geben. Dies ist schwerlich genügend. Wenn die Auffassung bestehen sollte, daß Deutschland mit seinen Abrüftungsverpflichtungen ernstlich im Rückstände ist, dann könnte diese Tatsache zum legalen Vorwand für die Verweigerung seiner Zulassung zum Völkerbund gemacht werden. Das Blatt fragt: Ist das Absicht? Soll wieder ein Hindernis errichtet werden, oder ist Sir Austen Chamberlain tatsäch­lich ernstlich besorgt über den Stand der deut­schen Rüstungen.

Deutschlands Aufnahme in den Völkerbund.

Berlin, 23. Juli. Wie der Londoner Ver­treter derVoss. Ztg." auS diplomatischen Kreisen erfahren haben will, soll Deutschland Anfang September in der ersten Sitzung des Völker­bundes und des Völkerbundsrats zum Mitglied des Bundes und zum ständigen Mitglied des Rats gewählt werden und zwar ohne vorhergehende Verhandlungen, ein­fach auf Grund eines Antrags des Vorsitzenden der sogenannten ersten Kommission, der darauf Bezug nehmen wird, daß bereits im März seitens dieser Kommission festgestellt und ter Vollver­

sammlung mitgeteilt worden sei, daß Deutsch­land die Voraussetzungen der Wähl­barkeit erfüllt habe.

Die Rhemlcmdbefatzmrg.

Eine neue Aera im besetzten Gebiet.

Mainz, 23. Juli. (WTB.) Das führende Or­gan Rheinhestens, derMainzer Anzeiger" sieht sich durch die letzten Vorfälle im besetzten Gebiet, na­mentlich durch die Provokationen der Germershei­mer Bevölkerung veranlaßt, festzustellen, daß das Verhältnis zwilchen Besatzung und Bevölkerung wieder ein gespannteres geworden ist. Die Haltung der Besatzung werde straffer, indem sie die Zügel wieder fester anziehe, aber auch lascher, in­dem sie selbst sich gehen lasse.Es hat den Anschein," scheibt das Blatt weiter,daß auch die bisher offiziell gewahrte Reserviertheit, der unbe- dii.gte Wille des friedlichen Zusammenlebens zwi­schen Besatzung und Bevölkerung eine A e n d e - rung zu üngnnften des durch Locarno vorbereite­ten Friedens erfahren habe. Der Vorfall von Ger- mersheim, der, wenn man von seiner besonderen Schwere absieht, nicht als einziger dasteht, ist ein bedenkliches Symptom. Bedenklicher aber ist, daß, soweit wir bisher unterrichtet sind, bisher nichts von französischer Seite geschehen ist, was die Bevölkerung des besetzten Gebietes hinsichtlich eini­ger Vorfälle beruhen könnte. Ein offizielles Ab- rücken der Besatzungstruppen von derartigen Heber« griffen hätte der Befriedung des Rheinlandes keinen schlechten Dienst erwiesen."

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Der deutsche Botschafter v. Hoesch hat dem Generalsekretär im französischen Außenministerium Philipp B e r t h e l o t wegen der Vorgänge in Ger­mersheim einen Besuch abgestattet und bei dieser Gelegenheit die Abschrift einer Rote überreicht, die der deutsche Reichskommissar für die besetzten Ge­biete Botschafter a. D. Freiherr Langwerth v. Simmern in derselben Angelegenheit dem stellvertretenden Präsidenten der Internationalen Rheinlandkommission Forthomme übergeben hat.

Preußen und die Hohen- zollern.

Ministerpräsident Brann an den Herrn von Berg.

Berlin, 22. Juli. (Wolff.) Wie ter Amt­liche Preußische Pressedienst mitteilt, richtete Ministerpräsident Braun an ten Generalbevoll­mächtigten des vormaligen Königshauses Exz. von Berg unter dem 21. Juli 1926 folgend^ Schreiben:

Das Schreiben Eurer Exzellenz vom 4. ds. Mts. habe ich erhalten. Ueber seinen Inhalt war ich bereits durch seine Veröffentlichung in ter Tagespresse unterrichtet. Die preußische Staatsregierung vermag nicht anzuerkennen, daß die Vertretung des vormaligen Königshauses in den letzten Jahren unablässig bestrebt gewesen sei, die Vermögensauseinandersetzung auch unter weitgehenden Verzichten im Wege der Verstän­digung durchzuführen. Sie ist der Auffassung, daß ein rechtzeitiges Eingehen des vormaligen Königshauses auf die Vergleichsvor­schläge, wie sie vom Staate früher wiederholt gemacht wurden, so noch im Jahre 1924 von dem damaligen Finanzminister Dr. von Richter, längst diesen Gegenstand der Beunruhigung unseres öffentlichen Lebens, von dem das dortige Schrei­ben spricht, aus der Welt geschafft haben würde. Bei der dritten Beratung des Staats­haushaltsplanes für das Rechnungsjahr 1926 im preußischen Landtage (197. Sitzung vom 5. ds. Mts.) habe ich auf die Ausführungen des Abg. Dr. von Campe über ten Entschliehungs- antrag ter Fraktion der Deutschen Volkspartei tetr, die Vermögens auseinandersetzung zwischen dem preußischen Staat und den Hohenzolleru folgendes erwidert: Auch die Staatsregierung hat ein Interesse daran, daß die von Herrn Abg. v. Campe soeben besprochene Angelegenheit mit aller Beschleunigung so geregelt wird, wie sie im Interesse tes Staates liegt. Hieran hält die preußische Regierung fest.

Wenn bei den dortseits angeregten Verhand­lungen ein Ergebnis erzielt werden soll, wird man freilich nicht auf ten Vertrag vom 12. Ok­tober 1925 zurückgreifen dürfen, um so weniger, als er die mit sehr umfangreichem Grundbesitz ausgestattete Karllinie tes vormaligen Königs­hauses nicht einbezieht. Die dortige Bemerkung, daß die Verzichte des vormaligen Königshauses bis zur Preisgabe von 83 Prozent ter Ver­mögensmasse gegangen seien, läßt außer acht:

1. daß die Vermögensmasse erhebliche Werte einschlietzt, die Staatseigentum sind,

2. daß die kapitalisierte K r o n f i d e i - kommißrente (187,5 Millionen) aus ter Be­rechnung ausscheiden muß.

3. daß die Vermögensmasse sehr große Werte enthält, die der Staat aus öffentlichen Gründen in Anspruch nehmen muß, deren Unterhaltung ihm aber bereits erhebliche Ko st en ver­ursacht hat und weiter verursachen wird,

4. daß dem vormaligen Königshause be­reits erhebliche Kapitalzahlungen zugeflossen sind,

5. daß den Rebenlinien beträchtliche Vermögenswerte zugefallen sein würden.

Rur Verhandlungen, die an das Ergeb­nis der Beratungen des Reichstages über den Entwurf eines Reichsgesehes über die vermögensrechtliche Auseinantersehung anknüp« fen, können nach Lage der Verhältnisse jetzt noch in Frage kommen. Zu solchen Verhandlungen ist die preußische Staatsregierung bereit.

Wie eine Korrespondenz berichtet, hat Herr v. Berg neue Vorschläge ausgearbeitet, in denen er bei einer Reihe strittiger Objekte von seinen früheren Forderungen zurücktritt. Es han­delt sich dabei um Grundbesitz, der bei Säkularisa­tionen an die Hohenzollern fiel, sowie um mehrere Gebäudekomplexe, die repräsentativen Zwecken dienten.

Die VerNner Sparkasse beginnt mit der Aufwertung.

-T5 e r y «. 22- (MTB.) Nachdem die Berliner Städtische Sparkasse in ten Besitz der letzten Ausführungsbestimmungen zum Answer» tungsgeseh gelangt ist, haben nunmehr die eiaent- i en Arbe.ien zur AuswertungderSpar- gut haben begonnen. Es werden eine große UEäÜ- 3n8q«|amt Han-

telt es sich um 800 000 Konten, die mit 12,5

Prozent aufgewertet werden sollen. Täglich wer­den bereits an etwa 100 bis 150 Antragsteller in Berlin etwa 10 000 Mark Vorschüsse auf die aufzuwertenden Guthaben ausgezahlt. 2n Frage kommen hierbei Kriegsbeschädigte, Kriegshinter­bliebene, Kleinrentner und ähnliche.

Die Amerikariege der D. T« beim Reichspräsidenten.

Berlin, 22. Juli. (Wolff.) Der Herr Reichspräsident empfing heute die Amerika- Riege der Deutschen Turnerscyast, die ihm durch den ersten Vorsitzenden dec Deutschen Turner­schaft, Herrn Prof. Dr. Oskar Berger, vorge­stellt wurde. Der Herr Reichspräsident ließ sich von der sechswöchigen Reise, die die deutschen Turner zum Dundestumfest in Louis« ville und nach den größten Städten der Ver­einigten Staaten, u. a. Washington, wo sie vom Präsidenten Coolidge empfangen wur­den, geführt hat, berichten und beglückwünschte sie zu der Anerkennung, die dem deutschen Turnen allenthalben auf der Reise gezollt worden ist.

Der englische Berg- arbeiterstreik.

Die Stellung der Bergarbeiter- internationale.

Paris, 22. Juli. (Wolff.) Der Inter­nationale Dergarteiterausschuß hat sich an seinem ersten Verhandlungstag in der Hauptsache mit der durch die Verlängerung tes englischen Koh- lenstreiks geschaffenen Lage beschäftigt, und zwar besonders mit dem Studium, das die Unter­stützung der englischen Streikenden und die Kohleneinfuhr nach England betrifft. Der Sekretär tes Internationalen Berg­arbeiterverbandes, H o d g e s, teilt mit, daß der englische Unterstaatssekretär für den Bergbau im Unterhaus erklärt habe, daß im Juli etwas mehr als eine Million Tonnen aus­ländischer Kohle nach England ein­geführt worden sei. Die deutschen und belgi­schen Delegierten bestritten diese Ziffer und er­klärten, daß nur wenig Kohlen über Belgien und Deutschland verschifft wurden. Der Kassen­wart tes englischen Bergarteiterverbandes be­richtete über die finanzielle Unterstüt­zung der Streikenden. Dis zum 14. Juli seien 785 000 Pfund eingegangen, davon waren 420 000 Pfund aus Rußland. Die Zahl der Streiken» ten überstieg eine Million. So habe in der ver­gangenen Woche ein Arbeiter nur 1 Schilling und 10 Pence erhalten können.

Die Religionskämpse in Indien.

Kalkutta, 22. Juli. (WB.) Trotz der Wolkenbrüche, die jetzt währeicd der Regenzeit die Straßen bis zu einem Meter hoch mit Wasser überschwemmen, dauern die Messersteche­reien zwischen Hindus und Moham­medanern im Aorten von Kalkutta an. Bei den heutigen Zusammenstößen wurden neun Per­sonen verletzt, darunter eine tödlich. Gestern abend bewarsen die Mohammedaner zahlreiche Häuser von Hindus mit Ziegeln. Bei dieser Ge­legenheit wurde auch die Universität beschädigt.

Die Beisetzung Dserschinskis.

Moskau, 22. Juli. (WB.) Heute abend fand die feierliche Beisetzung des Volkskommissars Dserschinski auf dem Roten Platz an der Kremlmauer hinter dem Lenin-Mausoleum statt. Dem Sarge folgten Regierungsmitglieder, Abordnungen verschiedener Städte der Sowjetunion und der Moskauer Bevölkerung in unübersehbarem Zuge. Um 7 Uhr, als der Sarg in, die Gruft ver­senkt wurde, wurden in Moskau und in allen Städten der Sowjetunion Salutschüsse abgegeben, während gleichzeitig die Fabriksirenen ertönten.

Annahme des polnischen Ermächtigungsgesetzes.

Warschau, 22. Juli. (WTB ) In dritter Le­sung wurde die Gesetzesvorlage über die Verfas­sungsänderung mit 250 gegen 95 Stimmen ange­nommen. Gegen das Gesetz stimmten die Sozia­listen, die Juden und die slawischen Minderheiten. Die radikalen Bauernparteien, die in zweiter Lesung gegen das Gesetz gestimmt hatten, stimmten heute für das Gesetz und beschworen auf diese Weise die drohende Krise. Durch das Gesetz wird dem Präsi­denten das Recht gegeben, auf Antrag des Minister­rates Sejm und Senat aufzulösen. Weiter erhält der Präsident das Recht, während der Zeit der Auflösung des Sejm bis zur Einberufung des neuen Sejm Gesetze auf dem Verfügungs­wege zu erlassen. Ausgeschlossen von diesem Ber- fügungsrecht sind Gesetze, die sich auf die Verfassung, Wahlordnung, Kriegserklärung, Schuldenkontrolle, Staatsgerichtshof, Budget, Abschluß auswärtiger Anleihen, auf internationale Verträge und das Re- krutenkontigent beziehen. Rach dieser Abstimmung wurde sofort mit der Abstimmung in dritter Lesung über das Gesetz begonnen, das die Regierung bevoll­mächtigt, während der Zeit, in der der Sejm zwar besteht, aber sich in Ferien befindet, ober vertagt ist, Gesetze auf dem Verfügungswege zu erlassen, und zwar soll dieses Bevollmächtigungsgesetz, wie bereits gemeldet worden ist, solange in Kraft blei­ben, bis ein neuer Sejm Zusammentritt.

Kunst und Wissenschaft-

Ein Frankfurter Gelehrter in Argentinien.

Dr. Fritz D i e r h e l l e r tourte zum außer­ordentlichen Professor am physikalischen Institut ter älniversität La Plata ernannt. Bierheller war mehrere Jahre an ter Frankfurter Uni« versität tätig und hat sich durch seine Arbeiten über Krebsforschung und Röntgenstrahlen einen Ramen erworben. Die in Duenos-AireS er­scheinendeDeutsche La Plata-Ztg." begrüßt es, daß an dem Institut wieder ein deutscher Wissen­schaftler tätig sein wird.

Akademische Ehrung.

Die Raturwissenschaftliche Fakultät der ilni- versilät Frankfurt hat dem Stadtrat w D. Dr. Fritz R o e ß l e r , derzeitigen Vorsitzenden des Physikalischen Vereins, die Fakultäts­medaille verliehen als Dank für die Förde­rung. die er dem Meteorologisch-Geophysikalischen Institut durch Beschaffung eines neuen Dienst- gebäudes erwiesen hat.

Aus aller Welt.

Opfer der Fremdenlegion.

DerMünchener Zeitung" wird berichtet, daß dieser Tage in München 26 junge reichsdeutsche Leute eintrafen, die vor kurzem aus der französi­schen Fremdenlegion entflohen waren. Die mei­sten waren unter Vorspiegelung falscher Tatsachen nach Frankreich gebracht und dort in die Fremden­legion gesteckt worden, um nach oberflächlicher Aus­bildung für die Kämpfe in Syrien 93er- wendung zu finden. Die Flüchtlinge wurden nach ihrer Heimat weitergeleitet.

Raubüberfall auf einen Geldbrlefträger.

In einem Hausgang im Ostteil der Stadt Hannover zog ein junger Mann plötzlich einen Revolver und bedrohte einen Geldbriefträger mit der geladenen Waffe. Auf die Abwehrversuche des Angegriffenen versetzte der Täter dem Brief­träger einen Schlag mit dem Revolver ins Ge­sicht, der eine blutende Wunde zur Folge hatte. Auf die Hilferufe des lieberfallenen flüchtete ter Täter, konnte jedoch von Passanten ergriffen und der Polizei übergeben werten.

Schwere Anschuldigungen gegen einen Bürgermeister.

Die Stadtverordnetenversammlung, voi»-D i e« lentb al hat beschlossen, bei ter Regierung in Potsdam die Einleitung eines Disziplinarver­fahrens gegen den Bürgermeister Paul König zu beantragen. Gleichzeittg wurde bei ter Staats­anwaltschaft Strafanzeige gegen König er­stattet. König toirö_ vorgeworfen, der Stadt gehöriges Gelände verschoben zu ha­ben und in leichtsinniger Weise Kredite auS Geldern ter Städtischen Sparkasse vergeben zu haben. Insgesamt sott Diesenthal um etwa eine halbe Million Mark geschädigt worden sein.

Unterschlagungen bei einer Gemeiudekaste.

In Falkenterg (Dez. Liebenwerda) hat ter Kassierer der Gemeindekasse große ülnterschla- gungen begangen. Er hat im Laufe eines JahreS etwa 36000 Mark durch Fälschungen von ülnterschriften und durch Diebstahl sich an- geeignet. Der Täter ist flüchtig. Er hat das Geld auf Rennplätzen und am Totalisator ver­loren.

Schmuggel mit Schweizer Uhren.

Die Zollbehörde in Selbach an ter Grenze tes Saargebietes ist einem grofcangelegten Schmuggel mit Schweizer Llhren auf die Spur ge­kommen. In einem mit vier Personen besetzten Kraftwagen wurden in besonderen Behältern 221 Schweizer ülhren beschlagnahmt. Der Chauffeur und ein Insasse wurden verhaftet; die beiten anderen konnten entfliehen.

Schweres Automobilunglück in den Alpen.

Oberhalb der Station Stans fuhr bet einer Straßenkreuzung ein mit sieben Personen besetztes Automobil in einen Wagen der Engel­bergbahn hinein. Der Denzinbehälter des Autos explodierte, ter Wagen geriet in Brand. Bei dem Zusammenprall wurden die Insassen des Autos hinauSaeschleudert und vier von ihnen schwer verletzt. Man brachte die Verunglückten nach Luzern. Ein Fräulein Berger aus Pilsen starb vor ten Augen ihrer schwer verletzten Eltern. Auch der Münchener Fabrikdirektor Hoel- aer ist bereits den erlittenen Verwundungen er­legen.

Eine gestörte Kaffeegesellschaft.

Ein Auto mit einer Frankfurter Ausflugs» gesellschaft. das auf einer Fahrt nach dem Rhein­gau die Lahnstrahe in Wiesbaden passierte, geriet, als es einem unvorschriftsmähig vor ihm herfayrenden Wagen ausweichen wollte, auf den Bürgersteig und fuhr in einen ©arten, wo eine Familie beim Kaffee saß. Während die Kinder sich noch retten konnten, wurde die Frau von dem Wagen erfaßt und erlitt erhebliche, jedoch nicht lebensgefährliche Verletzungen. Sie wurde ins Krankenhaus eingeliefert.

Schwerer Verkehrsunfall In Kassel.

In ter Unteren Königstraße, Ecke Bremer- Straße ereignete sich ein schwerer Derkehrsunfall, dem ein blühendes Menschenleben zum Opfer siel. Vor der Straßenkreuzung überholte ein $Jer- sonenauto einen schweren Lastkraftwagen einer Mühle. In diesem Augenblick überschritten zwei Kinder den Fahrdamm. Der Führer bremste sofort, nachdem er diese bemertt hatte, aber es war zu spät. Ein junges Mädchen von etwa 10 Jahren geriet unter die Räter, wurde über­fahren und sofort getötet

TNolorradunfälle.

3n einer Kurve der Landstraße bei Rot­tendorf in llnterfr-anfen stieß ein mit drei Personen besetztes Motorrad mit einem ent­gegenkommenden Motorrad, daS mit zwei Per­sonen beseht war, zusammen. Die Motorräder gingen in Trümmer. Alle fünf Personen wurden schwer verletzt dem Krankenhaus zugeführt Auf der Landstraße bei Römhild in Ünterfranken ühr beim üleberholen des Postautos der Motor­radfahrer auf einen Steinhaufen und wurde gegen das Postauto geschleudert. Er erlitt einen Schä­delbruch und war sofort tot.

Ein deutscher Radfahrer in Triest erschossen.

2lus Triest berichtetßaboro d'Jtalla", daß ein deutscher Radfahrer von einer Gewehr­kugel durchbohrt worden sei. Es heißt, daß es sich um die Unachtsamkeit eines Arbeiters han­delt, der zurückgebliebenes Kriegsmaterial suchte. Ein Attentat oder ein Mord sei ausgeschlossen.

vermißter Bergsteiger.

Der reichsdeutsche Student Schile, der am Sonn­tag mit zwei Gefährten am Tuxer Joch in der Brenner-Gegend Edelweiß suchte, ist seitdem oer- chwunden. Da er schlecht ausgerüstet ist, vermutet man, daß er abgestürzt ist.

Hitzewelle in Amerika.

Wie Havas aus R e u y o r k berichtet, leiden die Ost- und Mittel st aaten Nordamerikas unter einer dörrenden Hitze. Die Temperatur in Neuyork betrug 96 Grad Fahrenheit und in Fre­derick (Maryland) sogar 105 Grad Fahrenheit. Bis­her seien 20 Todesfälle, davon drei in Neu­nork, sowie zahlreiche Hitzschläge zu verzeichnen. In Washington hat die Temperatur gestern 104 Grad (40 Grad Celsius) erreicht.

Wettervoraussage.

Vorwiegend bewölkt, vereinzelt leichter Regen, doch in der Hauptsache trocken bei steter anstei- genter Temperatur.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 19,9, Minimum 13,4 .Grad Celsius. Riedecschläge: 2,3 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 15,4 Grad Celsius.