Ausgabe 
23.7.1926
 
Einzelbild herunterladen

chten.

US tBi-b», ' ^'agskurz hQlM 'loch »in 5 bor

1 °°E"' englische fr* Nllt 4.86R ^nd

«**Ä 5^7«. nie 2^UIlrleb- ,62 bi» fr ine.

56 mitt. bW8S' 9t* Schal«^Se- bis 48 . Nt. >is 43JV'nact

ft,S - «tt?

bilbung,

7t Ä-E L °^bung

l S bis Q hjf .Wn btT 1 fallen. ?. IU Hi« 5 L J(.Scnat°n- W» W heui, cn, NN. Tie 3u, r 'olgende: Xmi- ^'ncaik

Krstn des 3n- ^.Aeuhern: 2ar- "ni|tCT:6a trau. Ortschaft unö bo? ^beiten sollen » Analen Wittichs ^eses Mnisteriurr. en Die Bildung mchl ohne Wider-

hrenmÄ.

rsverdand an identen.

1. Juli. Der fr\. nd hat in [eirsn der zweiten Seit; t.) folgendes Tetr- hspräsibentei ibt:

Herrn Reichspra!-- igültigen Dahl tei imal zum Seden!." t Deutschen bestes' je Aelegeiiheit. hta mg schwer bebend- Vjcin 3u faveiftn. ' an ihrer Hama lArWrn, \mbm

chiung wvhlbegrii^ id gebrachter Mit xite es. wenn ur!r 'stellten Plähen r >e. als die ttorch. ritten des deutsch' dem Jahr für Ich Deutschlands Ta

, Deutschen aus 0 Süd in Shrsuch

>er heute in Bad tand des tzessW rtcnde SeMM ichtung des Reich' e Wagschale werl-"

uilleion t B.:

^jehtW°p<'

)l' wohl zu lg< t eigens zu amal in euAW. unei't'Ä also mit

M » * s,irn' ä««l * NuunbW'w -S« M-

SW M nW fr

iPr16. V. wehr o i sich p tzaroui latschen- -7 5dw -!»- L S-J ngeE voneinaL Ä"

i

Zrettag, 25. Juli 1926

176. Jahrgang

Ur. 170 Erster Blatt

Annahme von Anzeigen fit die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher.

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Rc- Klameanzeigen von 70 mm Brette 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20°/, mehr.

Chefredakteur:

Dr. Friedr. Wich. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wich. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein; für den An­zeigenteil Hans Jüstel, sämtlich in (Siefeen.

ErscheinttägliH,außer ^r Ä 'wgT M

Sonntags und Feiertag». ÄHHH M

SichenerAnMcr

scheinen einzelnerNummern Ä

infolge höherer Gewalt.

MM General-Anzeiger für Oberhessen

richten: Anzeiger Sieben.

$r«nfiPunammatiH6S6. Dmd mi>Verlag: Brüt)IW Univerfilülr-Vllch- lind Stclnöruderci R. Lange in Sichen. Schnstleiinng nnd Seschästrlteile: rchulftrahe 7.

Die chinesische Sphinx.

Don unserem A. Berichterstatter.

(Hachdruck, auch mit Quellenangabe, vexbotenl)

London, Mitte Juli 1926.

Heber wenig nur ist die europäische Oeffent- lichkeit so schlecht und zusammenhanglos unter­richtet. wie über die Entwicklung der innen- und außenpolitischen Verhältnisse Chinas während der letzten zwölf Monate. Das liegt einmal in der Vatur der Sache selbst begründet, denn in dem nicht ohne europäische Beihilfe durch Korrup­tton so verwilderten China, wo ehrliche nationale Absichten häufig nur schwer von sozialen Dok­trinen und persönlicher Habsucht einzelner Füh­rer zu unterscheiden sind, vollzieht sich die seit dem Ende des Weltkrieges begonnene Entwick­lung nur sprunghaft. Infolgedessen ist es selbst den zahlreichen an allen wichttgen polittschen und wirtschaftlichen Brennpunkten Chinas lebenden Europäern kaum möglich, sich über die zu einem gegebenen Augenblick stattfindenden Bewegungen ein einheitliches Bild zu schaffen. Hinzu kommt noch die Tatsache, daß Engländer und Japaner in wichttgen Punkten der chinesischen Tarifkon­ferenz grundverschiedener Auffassung sind, und die in London aus Tokio eintreffenden Berichte meistens das Gegenteil von dem enthalten, was aus Peking, Hongkong oder Tientsin direkt ge­meldet wird. Ein weiteres Moment, das für die Bildung einer richtigen Meinung auch nicht ge­rade von Vorteil sein dürfte, ist die mitunter recht tendenziöse Berichterstattung über die bol­schewistische Aktivität irn Horben Chinas, beson­ders aber in der Mandschurei. Unter Berücksich­tigung und vorsichtiger Abwägung aller dieser Umstände soll versucht werden, ein naturgetreues Bild der gegenwärttgen Lage zu malen.

Vier Faktoren sind in der Hauptsache, die das innenpolittsche Leben Chinas zur Zeit beherrschen: erstens Wupeifu, der auf Grund einer Vereinbarung mit Tschangtsolin der der­zeitige Machthaber Pekings und der chinesischen Zentralregierung ist, zweitens Tschangtso­lin. der polittsche Freund Wupeifus und unbe­strittene Herr der Mandschurei, drittens die selb­ständige Kantoneser Regierung, die wie die Engländer behaupten,rot sei, und unter russischem Einfluß stehen soll, und viertens die Kuomintang" oder Rationalpartei, deren geistiger und militärischer Führer Fenghu- fiang ist. In allen vier Lagern herrscht über das anzustrebende Ziel Einmüttgkeit. obwohl nicht in der Wahl der anzuwendenden Mittel: China ist es satt, noch länger für Europäer und Ameri­kaner. die seit dem Weltkriege den Rimbus der Vollkommenheit" undUnübcrtrefflichkeit", be­sonders aber seit der durch die Alliierten selbst bewerkstelligten 'Beschneidung der deutschen und österreichischen Rechte in China gänzlich verloren haben, Frondienste zu leisten. natürlich ist auch Japan rechtzeitig auf dem Plan erschienen, um aus dieser so günstigen Entwicklung für sich Kapital zu schlagen. Die Chinesen, sich bewußt, aus eigener Kraft nur Halbes schaffen zu können, lassen sich die japanischeHilfe" gern gesallep, denn ohne diese Hilfe würde die mit so großer Mühe zustande gekommene Tarifkonserenz längst wieder auseinandergegangen sein ohne zu einem Ergebnis geführt zu haben. So aber konnte Wupeifu, ein Auge nach Tokio gerichtet, dieser Tage sagen, daß er in China die Tarif- autonomic erklären würde, falls die aus­ländischen Delegierten nach Hause fahren würden. Das war deutlich und läßt auf wenig Entgegen­kommen bei den Verhandlungen selbst schließen. Eine ähnliche Haltung nahm der Kan- toncferAußenminister" ein, als er auf der Eröffnungssitzung der Konferenz für die Bei­legung deS Boykottes englischer Waren erklärte, daß China es für an der Zeit halte, seine Ret­tung selbst in die Hand zu nehmen, und sich nicht mehr wie ein besiegtes Land durch Er­oberer ausbeuten zu lassen.

Der unsicherste Faktor in China ist zur Zeit noch die sogenannteKuomintang" oder Rationalpartei, deren Mitglieder in allen Teilen Chinas -u finden sind. Sie hat eine Armee, die im Horben Pekings steht und sich im Augenblick der Angriffe der Truppen Wupeifus und wie es scheint, nicht ohne Erfolg, erwehrt. Aber diese Partei besitzt kein Gebiet, von wo aus sie sich entwickeln könnte. Die Engländer sagten anfänglich, sie stünde mit den Rusten im Bunde, seitdem aber auch Wupeifu ganz entschlossen für die Fortführung der Tarifkonferenz eintritt, sind auch diese Behauptungen gegenstandslos ge­worden.

Das ist, in rohen Umriffen. die Verteilung der gegenwärtigen Machtverhältnisse in China. Die nationalistische Linie, die durch den ganzen Entwicklungsgang zu verfolgen ist, strebt auf eine Zusammenfassung aller Kräfte, auf eine Zentralisierung der Verwaltung als beste Ab- wehr gegen die äußeren Feinde zu, obwohl bis zur Erlangung dieses Zieles vielleicht noch eine Reihe von Jahren vergehen dürfte. Aber zweifel­los hat die Konsolidierung des nationalen Ge­dankens schon bedeutende Fortschritte gemacht. Unter dem wachsenden Druck der an den Gren­zen sitzenden fremden Machthaber hat der Chinese endlich sein Phlegma ausländischen Angelegen­heiten gegenüber abgelegt. Roch vor wenigen Jahren fühlte er sich in feiner Behaglichkeit durch die Anwesenheit der Fremden kaum gestört. Das ist inzwischen anders geworden. China hat sich wirtschaftlich und vielleicht auch geistig dem Sy­stem der Zivilisation angeschlo'sen. Unter solchen kllmständen wird der tiefe chinesische Selbsterhal-

Die Regierungskrisis in Frankreich.

Poincarös Versuch zur Bildung eines nationalen Sammlungskabinetts.

Paris, 23. Juli. (DJIB.-Junffprudj.) havas bezeichnet folgende Zusammensehung des neuen Ka­binetts als wahrscheinlich:

Ministerpräsident und Finanzen: p o in c a r 6 Justizminister und elsaß-lothringische Angelegen- hetten: Barthou

Auswärtige Angelegenheiten: B t i a n b Innenministerium: Satraul Kriegsministerium: p a i n l e o 6 Marineministerium: Leygues

Bokanowsky und Marin sollen im Laufe des heutigen Tages aufgefordert werden, in die Mi- nisterkomblnatton einzutrefen. Line wenig optimi- tische Auffassung über die Lage ergibt sich aus der Morgenpresse. U. a, wird heroorgehoben, daß der radikale parfeivorstand heute in seiner offiziellen Sitzung möglicherweife den Beschluß fassen dürfte, den Burgfrieden nur bann zu unterstützen und dem Kabinett die Unterstützung zu leihen, wenn Sat­raul Ministerpräsident und poincarL Fi- nanzminister würde. (Es verlautet, daß poincare die Absicht fjabe, falls es ihm nicht gelingt, eine Regierung zu bilden, den poften eines Finanz- ministers in einem mehr nach links gerichteten Kabinett zu übernehmen.

Widerstände gegen Poincare.

Die Linke fürchtet eine Acnderung des austenpolitischeu Kurses.

Paris, 22. Juli. (Wolff.) Poincare hat eine Abordnung der interfraktionellen Gruppe, die sich die Bildung eines Ministeriums der nationalen Einheit zur Ausgabe stellt, empfangen. Der Abgeordnete Morinaut wies Poincarä gegen­über darauf hin. die nun 300 Mitglieder zählende Gruppe habe es sich zur Ausgabe gemacht, für eine Regierung, die alle Schattierungen der re­publikanischen Meinung umfaßt, eine geschlos­sene Mehrheit zu schaffen. Er betonte die Notwendigkeit, daß Poincare den Parteien der Linken die ihrer zahlenmäßigen Bedeutung entsprechende Vertretung im Kabinett sichern müsse. Poincare erwiderte, in einem ähn­lichen Sinne habe er auch den Auftrag zur Bil­dung einer Regierung übernommen. Er beab­sichtige, ein Ministerium der weitest­gehend en demokratischen und repu­blikanischen Einigung zu bilden und er werde dazu die Fraktionen der Linken, ohne welche die von der Regierung der nationalen Einigkeit zu leistende ernste und langwierige Arbeit unmöglich sei, um ihre Unterstützung er­suchen.

Den Abgeordneten Petsche und A st i e r , die Poincari ihre Bedenken wegen der bei seiner Mi­nisterpräsidentschaft zu erwartenden Aufrütte- luna der politischen Leidenschaften zum Ausdruck brachten, erwiderte Poincari,

nach aUgemeiner Auffassung sei die Ueber- nahme des Finanzministeriums durch ihn unter den gegenwärtigen Umständen dazu angetan, neues vertrauen zu schaffen, und er glaube anderseits, auf diesem Posten nur dann sach­liche Arbeit leisten zu können, wenn er gleich­zeitig Ches der Regierung sei.

Demnach hatte er unter den gegenwärtigen Um­ständen die Lösung, welche politischen Bedenken ihr auch entgegenstehen mögen, für unerläßlich. Poin- car6 bemerkte außerdem, er wolle im gegenwärtigen Augenblick alle Parteistreitigkeiten ruhen lassen. Die Zusammensetzung des Ministeriums, die der Linksmehrheit des Parlaments Rechnung tragen werde, werde dem Lande zeigen, daß die Regierung nur zum Zwecke der nationalen Wohlfahrt und ohne jeden Revanchegedanken gebildet worden sei.

Der ..Jntran'igeanf fajreibt, Poincare sei heute vormittag davon verständigt worden, daß innerhalb der radikalen Kammer- fr a f t i o n sich eine gewisse Feindse lig kett gegen ihn bemerkbar mache. Die Radikalen wur­den ihn wohl in der neuen Regierung annehmen aber nicht als Ministerpräsident c n. Auf Grund dieser Mitteilung habe Poincare den Vor­sitzenden der radikalen Kammerfraktion, SaS al, und einige seiner Freunde gebeten, ihn am nach­mittag auszusuchen. damit er ihnen die Lage, in

der er sich befinde loyal auseinandersehen könne. Poincare sei sich in der Tat darüber klar, daß seine Rückkehr zur Ministerpräsidentschaft als eine persönliche Revanche gegen die Linksfraktionen, die ihn in dem Wahlgang vom 11. Mai 1924 besiegt hätten, aufgefaht werden könne. Aber angesichts des Ernstes des Finanz­wesens sei er der Ansicht, daß

bas Finanzministerium vom Minislerpräsibenten versehen

werden müsse. Jn/Xge dessen muh er, nachdem der Präsident der Republik ihm die Bildung der Regierung anvertraut habe, das neue Kabinett zustande bringen. Doch könne er das Minister- Präsidium nur gleichzeitig mit dem Fi­nanzministerium übernehmen. Auch eine ziemlich große Anzahl von Parlamentariern der Mitte und der Rechten sttmmen trotz ihrer versöhnlichen Sympathie für Poincare mit den Abgeordneten der Linken in dem Wunsche über­ein, daß Poincare zwar die hervorragendste Per­sönlichkeit des kommenden Ministeriums bleibe, daß ihm jedoch ein entschiedener Poli­tiker als Ministerpräsident zur Seite stehen soll, der an den letzten parlamen­tarischen Kämpfen nicht beteiligt gewesen sei. Die Radikalen sind außerdem der Meinung, daß die Außenpolitik Frankreichs die Richtung behalten müsse, die ihr Herriot und dann Driand in Locarno gegeben haben, insbesondere in dem Augenblick, wo Frankreich mit Amerika Abkommen abzuschließen habe. Um den von den radikalen Abgeordneten geäußerten Besorgnissen zu entsprechen, scheint Poincare gewillt zu sein, den Lirckselementen in dem von ihm beabsichtigten Ministerium der nationalen Einigkeit eine weit­gehende Vertretung zu gewähren. Deshalb habe er sich sofort die Unterstützung Brian ds als Außenminister, sowie die Mitarbeit Louis D a r- thous gesichert. Außerdem habe er sich bemüht, Albert ©arraut für sein Kabinett zu gewinnen.

Herriots Sturz im Spiegel der Presse.

Paris. 22. Juli. (WB.) Zum Sturz des Kabinetts Herriot schreibt derTemps": Es war aus einem Mißgeschick heraus ge­boren, es hat sich in Zuckungen gewunden und ist unter der allgemeinen Entrüstung zusammen­gebrochen. Es glich jenen bösen Geistern der arabischen Erzählungen, die auf eine schädliche Zauberformel hin auftauchen, eine künstliche Form haben, eine wesenlose Existenz führen, einen Augenblick die Atmosphäre mit Übeln Gerüchen vergiften und dann wie ein Rachtschatten verschwinden. Selten ist eine Sitzung so inhaltlos gewesen, selten war eine Hinrichtung so vollständig. Herriot, dessen Einbildung sich gerne mit Phantomen von Gengern beschäfttgt, die ihn verleugnen, sah sich nur Kollegen gegen­über, die erst ihr Urteil sprachen und dann mit umgekehrtem Daumen gegen den aus der Fassung geratenen Gladiator das Todesurteil sprachen.

Dieser Mann, der sich am Work berauscht, der leicht übertreibt und den Tumult liebt, ver­schwand unter eisigem Schweigen.

DasJournal des Debats" schreibt: Die Er­eignisse haben das vollendet, was kein Politiker zu unternehmen gewagt hätte. Sie haben dem Kartell der Linken ein Ende bereitet. Dieser Augenblick ist durch hitzige Redeschlachten er­leichtert worden. Es ist möglich gemacht worden, durch die Arbeit der seit sechs Monaten von den Regierungen vollendeten Veruneinigung. Es ist nur erreicht worden deshalb, weil die Wäh­rungskrise sich verschlimmerte und alle Sy­steme und Kombinationen über den Hausen geworfen hat. Damit das Ergebnis dauerhaft sei. müssen die nächsten Ministerien die Lehre aus diesen harten Erfahrungen ziehen.

DerParis Soir" schreibt: Herriot ist auf­recht stehend gefallen, indem er seine Ideen ver­teidigte. Er habe ein beneidenswertes Los. Er würde seinen Platz als Agitator und als Partei­führer wieder einnehmen. Er hat nicht lange auf Revanche zu warten brauchen, denn in diesem Lande kann die politische Tüchtigkeit Verdunke­lung erleiden. Früher oder später wird sie schließlich immer über Intrigen und Lügen siegen.

Die Kammer hat ihn gestürzt; damit hat sie gleichzeitig für diese Gesehgebungsperiode jeden versuch, das Kartell der Linken wieder aufzu­richten, zunichte gemacht.

Für eine Politik steuerlicher Gerechtigkeit gibt es in der gegenwärtigen Kammer nur eine Minderheit. Selbst wenn zu den 237 Stim­men, die das kurzlebige Kabinett Herriot er­halten hat, die 28 Kommunisten kämen, wäre nichts geändert. Das ist eine Feststellung der Tatsache, daß eine Linksmehrheit nicht mehr besteht. Unter diesen Umständen stehl wirklich nichts der Berufung Poincarös im Wege.

DerJntransigeant" spricht von dem Sturz des verhängnisvollen Mannes, tadelt aber gleich­zeitig die unvorsichtigen Schwäher, die in bei Kammer ihre kleinen Klubleidenschas- ten befriedigen wollen. Für sie sei die Stunde gekommen, zu verschwinden, denn sie seien die Urheber der Leiden Frankreichs. Di« würden die Rettung erleichtern, wenn sie schwei­gend davongingen.

DasJournal" Bemerkt: Heute handelt ei sich darum, ein zweitesmal Frankreich zu retten. Das ist die Aufgabe der Regie­rung, die kommen muh, und die ohne Rücksicht auf parteiische Grundsätze die Männer vereini­gen muh, die fähig sind und durch ihre In­telligenz ihre Erfahrung und ihren Charakter das Vertrauen zu uns selbst wiederzugeben. Vichts mehr von Parteien, nichts mehr von politischen Streitigkeiten!

Dec Burgfriede zur Wiederherstellung der Finanzen und des Franken. Das ist der Wille des Landes. Es wird niemand gelingen, seine jnteressen durchzusehen.

DerFigaro" führt aus: Das Kartell der Linken besteht von nun an nicht mehr als Re­gierungsformel, es besteht nur noch als Wahl­formel im Lande. Die Übergangszeit unserer Währungskrise und die Zeit der Untätigkeit, die mehr als ein Jahr gedauert hat. geht zu Ende. Wir treten jetzt in eine bewegtere Zeit ein. Wenn eine Währungskrise an dem Punkt angelangt ist, an dem wir stehen, dann wird ihre Entwicklung, nach welcher Richtung mar. sich auch orientiert, nicht mehr den Finanzkcedi. des Staates allein berühren, sie erzeugt Kri­sen im Wirtschaftsleben und daher auch in der sozialen Ordnung. Um sie zu beherrschen genügt nicht eine ausgezeichnete technische Fähig­keit. es genügt nicht eine einzige moralische Autorität, man braucht eine sehr -starke, weitblickende Regierung.

DieI o u r n e 3 n b u ft r i e 11 e" schreibt: Die einzige klare Sache, die aus der gestrigen Rede de Monzies ersichtlich ist, ist die betrübende Be leuchtung unserer Finanzmethoden. Man erfuhr nämlich, daß wir seit acht Tagen von der Hoffnung auf ausländischen Kredit, der inzwischen als Trug­bild erkannt worden ist, gelebt haben. Diese Lage ist eines Landes wie Frankreich nicht würdig und kann nicht sortdauern. Daher muß die kommende Regierung eine breite Grundlage und genügendes Gewicht besitzen, einmal, damit eine sofortige Entspannung der öffentlichen Mei­nung eintritt, ferner, damit die Lage sich nicht noch verschärft und endlich, damit durch ein vom Vertrauen getragener Zusammenschluß die notwen­digen Maßnahmen schnell getroffen werden.

Der neue Kammerprüsivenl.

Paris. 22. Juli. (WB.) Als Aachfol. ger Herriots ist heüte nachmittag von bet Kammer Raoul Peret im zweiten Wahlgang mit 227 Stimmen zum Kammerpräsidenten ge­wählt worben. Der sozialistische Kanbib.il D o u i s s o n. Vizepräsident der Kammer, erhielt 215 Stimmen. Im ersten Wahlgang hatte Perel 19*4 Stimmen. Douisson 133 Stimmen und Theo Douy^son. gleichfalls Vizepräsident der Kammer und Kandidat der Radikalen, 113 Stimmen aus sich vereinigt.

Kundgebung gegen deutsche Pazifisten.

Reims, 22. Juli. (Havas.) Gestern abend drangen bei einer Veranstaltung der L'iga für Menschenrechte gelegentlich eines Besuc'eS deutscher Pazifisten Mitglieder rechtsstehender Jugendverbände unter dem Absingen der Mar­seillaise in den Dersammlungssaal und griffen die Teilnehmer an. Es entstand eine Schlägerei Die Manifestanten wurden aus dem Hause gc* drängt, demonstrierten jedoch vor dem Hause weiter. Als deutsche Delegierte durch eine Heben- tür in Sicherheit gebracht werden sollten, tour- den sie erneut belästigt, bis die Polizei die Störenfriede vertrieb. Eine Person wurdi verhaftet, später jedoch wieder freigelassen.

..... ............I!........

tungstrieb eine Fortsetzung des zur Zeit noch sein Unwesen treibenden Partikularismus zu ver- meiden sucken, und die Bildung eines Staaten­bundes ist' vielleicht nur noch eine Frage der Zeit. Daß dies noch nicht geschehen ist, nimmt bei der Gröhe des chinesischen Reiches kein Wunder. Irn Gegenteil ist es erstaunlich, nut welcher Schnelligkeit sich die bisherige Entwick­lung schon vollzogen hat, wenn man beruauä)» tigt, daß man bei einem in vier oder fünfelb- ständige Gebiete aufgeteilten Lande von 4 300 000 Quadratmeilen mit einer Bevölkerung von rund 450 Millionen kaum vonKleinstaaterei' oder Partikularismus reden kann.

Die Bereinigten Staaten und Kanada.

London, 22. Juli. (TU.) Der Schriftleiter der Boston-Post, der größten Morgenzeitung in den Vereinigten Staaten, wirft heute in derDaily Mail" die Frage auf, wie sich die englische Oeffent- lichkeit zu einem evtl. Anschluß Kanadas an die Vereinigten Staaten stellen würde. Don dem ehemaligen Gouverneur des Staates Massa­chusetts, Cox, sei oorgeschlagen worden, daß die Vereinigten Staaten in einem solchen Falle als Gegenleistung die britischen Kriegsschul­

de n an die Vereinigten Staaten st r e i ch e n oder zum mindesten beträchtlich herabmindern sollen Viele Leute in den Vereinigten Staaten vertreten die Ansicht, daß die Beseitigung der Zollschranken durch einen Zusammenschluß der beiden Länder einen großen Kapitalfluß nach der kana­dischen Industrie zur Folge haben dürfte. Man darf auf die Aufnahme dieses Vorschlages durch die britische Oeffentlichkeit, besonders ange­sichts der gegenwärtig in den Vordergrund getre­tenen konstitutionellen Krise in Kanada, sehr ge­spannt sein.