solche westliche Stobt gibt für den, der Städtebilder mit Verstand zu lesen vermag, den überzeugenden Eindruck der
Stadt oho« auSgebretteten Mittelstand.
Das bedeutet natürlich nicht ein Fehlen an Kultur schlechthin. Die Spitzenleistungen der Kultur find ja gerade da, wo die Spitzenleistungen der Wirtschaft mit am stärksten vorhanden sind und sind als Voraussetzung für wirtschaftliches Schaffen so notwendig, wie nur irgend etwas anderes. Und auf der anderen Seite steht das große Kulturwollen in diesen großen Arbeitermassen. ja es ist vielleicht lebendiger im 'Bewußtsein, als an anderen Stellen, wo eine gesetzte Volkskultur eine festere Grundlage des inneren Lebens abgibt.
So ist mir von meiner früheren Arbeit her diese große Tatsache voll lebendig, daß wir ohne den geistigen Mittelstand doch nur mit Hilfskonstruktionen die Kultur in die breiten Volksmengen hineintragen können und letzten Endes bleibt ja das das Ziel, denn die Kultur muß immer eine Kultur des Volkes sein. Be- sonders wichtig ist eine solche feste Grundlage für geistige Aroeit in Zeiten, wie wir sie heute erleben, wo einmal die allgemeine Rot eine gewisse Abwendung von kulturellen Dingen überhaupt zur Folge hat. Aber wir wissen auf der anderen Seite auch, daß eine gewisse 'Breite des wirtschaftlichen Lebens die beste Tragfläche auch für eine gewisse Breite des kulturellen Lebens ist. Der Kanzler wandte sich dann besonders der
Ausbildung des geistigen Nachwuchses
zu. Hier habe die Not der Zeit den Werkstudenten geschaffen. Das sei eine Großtat der Zeit und der Jugend. Die Jugend dürfe sich nicht voreilig zu einer politischen Tätigkeit drängen, sondern müsse an diese Dinge erst im gereiften Alter herantreten. Der Kanzler wies Dann auf die im Etat des Innenministeriums für kulturelle Zwecke ausgeworfenen Mittel hin und erklärte, neben diesen materiellen Aufwendungen des Neiches handle es sich vor allem darum, der bedrängten Kulturschicht geistig zu Helsen. Der Kanzler erklärte weiter, wir hätten nicht das Gefühl des Unterganges des Abendlandes. 3m Gegenteil zeige die junge Kunst, besonders die Architektur, wie ununterbrochen vorangeschritten werde. Auch die neue Malerei sei ein Beweis für die geistige Regsamkeit unserer Jugend. Das Problem sei nicht Optimismus oder Pessimismus, wir brauchten den Optimismus und die letzte Grundlage dafür sei ein deutsches Selbstbewußtsein. Wir müßten als Deutsche durchdrungen fein von dem, was wir in der Welt bedeuten und wir wollten mit dem heutigen Ausland nur dann zusammenarbeiten, wenn man dort unsere Werke gebührend anerkenne. Wir müßten mit beiden Füßen auf dem Boden der Wirklichkeit stehen. Der Weg voll Entbehrung und harter Last müsse geführt sein von dem Willen zur Kultur, Kunst und Geist, um so das starke, das glückliche, das wieder freie deutsche Vaterland zu schaffen.
Die Steuersenkung.
D Dem Reichsrat ist der Entwurf eines Gesetzes über Steuermilderungen zur T r - leichterung der Wirtschaftslage ^gegangen.
Der Entwurf sieht folgende Abschnitte vor:
1. Senkung der Umsatzsteuer
2. Steuerliche Erleichterungen wirtschaftlich notwendiger Betriebszusammenschlüsie.
3. Verlegung der Zahlungstage für die Einkorn- l mensteuer- und Körperschaftssteuervorauszahlungen.
4. Vereinfachte Erhebung der Vermögenssteuer 5 1926.
5. Vereinfachtes Verfahren bei der Lohnsteuer.
1. Vorgesehen ist, mit dem 1. April 1926 die Umsatz st euer von 1 Proz. auf 0,6 Proz. zu ermäßigen.
2. Der Entwurf sieht zunächst bei Verschmelzungen von Kapitalgesellschaften und bei Sanierungen im Sinne des § 13 zu b, c des Kapitalverkehrs- steuergesetzes eine Ermäßigung der Gesell- bd) a f t 6 ft e u e r auf 1 Proz. vor.
Werden bei einer Verschmelzung Grundstücke eingebracht, so ermäßigt sich die Grunderwerbsteuer auf j'} Proz. Die Zuschläge zur Grund- erwerbsteuer und die Wertzuwachssteuer dürfen bei Verschmelzungen und Sanierungsmaßnahmen nicht erhoben werden.
3. Bis zum Empfang eines Steuerbescheids für einen Steuerabschnitt hat der Steuerpflichtige auf die Steuerschuld dieses Abschnitts am 10. April, 10. Juli, 10. Oktober und 10. Januar. Vorauszahlungen in Höhe von je i der zuletzt festgestellten Steuerschuld zu entrichten. Steuerpflichtige, die hauptsächlich Einkünfte aus Landwirtschaft beziehen, haben die Vorauszahlungen am 15. November in Höhe der Hälfte, am 15. Februar und 15. Mai in Höhe von je i der zuletzt festgestellten Steuerschuld zu. entrichten. Der Reichsfinanzminister ist ermächtigt, für Betriebe bestimmter Art, insbesondere Gartenbau, andere Dorauszahlungster- mine zu bestimmen.
4. Die Vermögenssteuer für das Kalenderjahr 1926 wird nicht besonders veranlagt. Sie wird in Höhe von £ des Zahresfteuerbetrages für das Kalenderjahr 1925 erhoben- die am 15. Mai 1926 vorgesehene Zahlung auf die Vermögenssteuer 1926 ist nicht zu entrichten.
Der mit dem 1. Januar 1926 beginnende Haupt- seststellungszeitraum für die Feststellung der Einheitswerte nach dem Reichsbewertungsgesetz vom 10. August 1025 wird auf das Kalenderjahr 1926 ausgedehnt.
Reu- oder Nachfeststellungen gemäß § 75, 76 des Re'chsbewertungsgesehes finden mit der Maßgabe statt, daß für Art und Menge des Vermögens zwar der Stand am Fesistellungszeitpunkt maßgebend ist. die Bewertung jedoch auf den Hauptfestslellungszeir- punkt vor Beginn des !. Januar 1925 abgestellt wird. Reu- oder Rachverantagungen gemäß § 12 des Verrnvgenssteusrg^setzes sind in der Weise vor zunehmen daß die Vermögenssteuer für das Kalenderjahr 1926 in Höhe von *; des Betrags erhoben wird, der für das Kalenderjahr 1926 zu entrichten sein würde
5. Nach § 93 des Einkommensteuergesetzes können Lvhnsteuerbeträge aus Antrag erstattet werden:
■j) wenn der steuerfreie Lohnbetrag Nicht in voller Höhe berücksichtigt worden ist
b) wegen besonderer wirtschaftlicher Verhältnisse, c) wegen nicht voll guigebrachter erhöhter Wer- bungskost-m und Sonderleistungeu.
Die Ersiattungsaniräge konnten bisher viertel- jährlich gestellt werden.
Zur Vereinfachung des Verfahrens schlägt der Entwurf vor:
1. an Stelle der vierteljährlichen Erstattungsanträge jährliche Erstattungsanttäge zuzulasten,
2. daß an Stelle der Individnalabrechnung P a u s ch betröge treten (je nach dem Familienstand für jede volle Woche des Verdienstausfalls 1,70, 2,20 oder 2,70 Mk. Weiter schlägt der Entwurf vor, den Erhöhungsantrag nach § 75 des Einkommensteuergesetzes künftig nur dann zuzulasten, wenn die Werbungskosten nur die Sonderleistungen z u s o m- m e ti den Bettag von 40 Mk. im Monat übersteigen.
Eine grohdeutsche Tagung in Wien.
Wien, 17. Febr. Unter dem Ehrenschutze der Herren Vektoren sämtlicher österreichischer Hochschulen findet vom 10.—14. März in der Wiener Universität eine akademische Tagung statt, in der vor allem staatspolitische, kulturpolitische und wirtschaftspolitische Fragen des Gesamtdeutschtums im Hinblick auf einen Zusammenschluß Oesterreichs mit dem Deutschen Reiche eingehend behandelt werden sollen. Eine Reihe reichsdeutscher Professoren, wie Prof. Spahn-Köln, Prof. Brandt- Göttingen, Prof. Radler- -Königsberg, Dr. Gerber-Marburg, Prof. Hedemann -3ena, Prof. Laun - Hamburg, u. v. a. haben, ebenso wie gegen 1000 reichsdeutsche Studenten ihre Teilnahme zugesagt und werden in Wien, wo bereits alle Vorbereitungen getroffen sind, erwartet. Der große Erfolg dieser Einladung ist in erster Linie einer regen Werbetätigkeit der Veranstalter des Deutschen Hochschulringes im Rühmen der Mittelstelle für Iugendgrenzland- arbeit zuzuschreiben, die im Laufe des vergangenen Jahres in ganz Deutschland in ihren örtlichen Verbänden österreichische Fragen in den Vordergrund ihrer Arbeit gestellt haben.
Besatzungsnot in Mainz.
W^R, Mainz. 20. Febr. Aach einer amtlichen Statistik sind in der Stakst Mainz (einschl. der eingemeindeten Vororte Mainz ° Kastel, Mainz-Kostheim, Mainz-Mombach) noch von den Besatzungsbehörden beschlagnahmt: 1422 selbständige Wohnungen mit 9329 Räumen. Hierzu kommen noch die bei Privatleuten beschlagnahmten 808 Teilwohnungen mit 1802 Räumen. Total also: 2230 beschlagnahmte Wohnungen mit 11 131 d. h. auf 10 000 Einwohner in Mainz entfallen 546 beschlagnahmte Räume. Außerdem fommen
hinzu: 19 Hotels mit 608 Betten. (Für den gesamten Fremdenverkehr verbleiben in Mainz nur 407 Betten.) Hiergegen stehen die Zahlen des deutschen Wohnungselends in Mainz: Von rund 7000 dringend vorgemeldeten Wohnungsuchenden sind 3472 ganz ohne Wohnung. Die französische Regierung hat ferr.er in Besitz: Ueber 100 private Bureau- unD Geschäftsräume, über 300 Räume aus dem städtischen Besitz, viele Lagerräume, eine große Anzahl von privaten und städtischen Anlagen, 4 Schulen, 141 Räume und 300 Betten im städtischen Kranlenhause, viele hundert Räume in staatseigenen Gebäuden, über 600 000 Quadratmeter Lagerplätze, Fabrikanlagen, Gebäude usw. Von einer Verminderung der Desahungstruppen in Rheinhessen ist nichts zu bemeden, geschweige denn von einer Herausgabe beschlagnahmter Wohnungen. Vielmehr sind in neuester Zeit entgegen den Bestimmungen des Vertrages von Locarno noch neue Beschlagnahmungen erfolgt.
Der Fememordunlersuchungs- ausschutz.
Berlin, 22. Febr. In der nichtöffentlichen Sitzung des Fememorduntersuchungsausschusses des Preußischen Landtages trug Berichterstatter Abg. Kühner (S.) einen Aktenauszug über das „Konto für nationale Aufklärung" aus der weiter zurückliegenden Zeit vor. Es haben damals nur Einzahlungen von solchen Grundbesitzern stattgefunden, auf dessen Gütern sich Schwarze Reichswehr befand, und es sind nur Auszahlungen für den Oberleutnant Schultz erfolgt. Der Ansicht des Berichterstatters, daß es nicht notwendig fei. noch weitere Zeugen aus der Arbeitgebervereinigung zu hören, traten die meisten der nachfolgenden Redner bei.
Abg. Obuch (Konmi.) beantragte, die Beziehungen des Schultze zunr früheren Reichsminister Schiele sowie zum Reichslandbund zu klären.
Ahg. Riedel (Dem.) beantragt eine Untersuchung darüber, ob die fogeneunten Landvolk- genvssenschaften mit den Schwarzen ReichSwehr- kommandoS identisch seien und ob Schultz deshalb vorn Abg. Meyer nicht ausdrücklich für diese Zwecke angestellt worden sei.
Zum Schluß erörterte der Ausschuß die Modalitäten, unter denen demnächst im Untersuchungsgefängnis Moabit der Oberleutnant Schultz und der Feldwebel Klapproth vernommen werden sollen.
Vor neuen Kämpfen in Marokko.
Beschießung Tetuans. - Die Propaganda Abdel Krims.
Paris, 23. Febr. (WTD.-Funkspr.) Rach einer Havasmeldung aus Rabat ist an der gesamten französischen Marokkofront gegenwärtig eine lebhafte Tätigkeit der Rifleute im Gannge, die überall Handstreiche versuchen. Die Rifleute verstärken ihr« Propaganda besonders in der Gegend des Uergha, wo sie die Stämme, die sich noch nicht unterworfen haben, veranlassen, die französischen Posten zu überfallen. Amtlich wird 'bekanntgegeben, daß die Rifleute neue Geschütze gegen Tetuan in Stellung gebracht haben. Am Sonnabend wurde der Mittelpunkt der Stadt stark beschossen. Ein hoher Beamter wurde getötet und mehrere Personen verwundet. *- __
Der Korrespondent des „Temps" glaubt die französische Öffentlichkeit auf Schwierigkeiten vorbereiten zu müssen. Abd el Krim sei geschickt genug, die Stämme an sich ju fetten. Er führe ihre Herden hinter seine Linien und ebenso die für ihre Ernährung notwendigen Ge- Ireidevorräte, sodaß die Stämme wohl oder übel ihm Gefolgschaft leisten müßten. Es sei sehr schwer, seiner Propaganda Einhalt zu bieten, weil die Propagandisten sich unauffällig, mit Sprache und Sitten vertraut, in den Dörfern der Eingeborenen bewegen könnten. Da die Marokkaner von Ratur aus dazu neigten, jede noch so unbedeutende Sache zu übertreiben, so finde die Propagandatätigkeit Abd el Krims einen fruchtbaren Boden.
Aus aller Wett.
Aiddh Impekoven und Caruso.
Die Tänzerin Riddy Impekoven wurde zu einem Gastspiel vor Arbeitern in ihrer Heimatstadt Frankfurt a. M. geladen. Als Honorar wurden ihr „die Bedingungen EarusoS" genannt. „??“ fragt Riddy. „Das war so," erklärte man ihr, „Caruso erhielt für den Abend 1000 Dollar, — nur in seiner Vaterstadt fang er umsonst!" — Die Tänzerin nahm lachend die Bedingungen Carusos an.
Vie hessischen Zörsier zu den veschlüssen der Finanzausschusses.
Außerordentliche Tagung des Hessischen Oberförsterverbands«
Bon vniecem nach Frankfurt entsandten Redaktionsmitglied.
Frankfurt 22. Febr 3m Thvmasbräu in Frankfurt versammelten sich heute vormittag Me Mitglieder des Hessischen Oberförster-Der- bandes tot überaus stattlicher Zahl, um zu den Beschlüssen des Finanzausschusses Stellung zu nehmen, die wesentliche Abstriche an dem Etat der Forslverwaltung vorsehen. Zu der Ta° gwtg waren der Finanzminister, der Finanzausschuß, Der SechserauSschuß sowie die Vorsitzenden der Landtagsfraktionen eingelaben. Von den Abgeordnetem waren Freiherr Ludwig von Hehl zu Herrnsheim (Deutsche Dolkspartei) und Dr. LeuchtgenS (Hess. Bauernbund)erschienen
Oberforftmeister Heyer, der 1. Vorsitzende des Hess. Oberförster-Verbandes, eröffnete dir außerordentliche Tagung mit einem Hinweis auf die allgemeine Rot unserer Zeit sowie auf die Beschlüsse des Finanzausschusses. Sodann begrüßte er die Vertreter der Forstbehörde sowie die Laudtagsabgeordneten. Daß gespart werden müsse. sei selbstverständlich, der Verband verlange für sich keine Ausnahmestellung und habe dies schon vor einem Jahre dem Staatspräsidenten in einem Schreiben mitgeteilt: aber die Kürzungen im Staatshaushalt für 1926 führten zu einem Rückgang der Einnahmen. Deshalb muffe der Verband seine warnende Stimme erheben.
Landforstmeister Hesse übermittelte Grüße des Finanz Ministers, der wegen dringlicher Geschäfts verhindert sei, der Versammlung bei* zuwohneu. Ferner entbot Der Redner den Gruß Der Forstabteilung, die bis auf wenige verhinderte Mitglieder hier vertreien sei. Der Wald sei eines Der wenigen Güter, aus denen noch eine Rente fliehe, daher sei es nottoenbig und eine Pflicht, diese Rente zu erhalten. Den Wald zu pflegen, dringe der Allgemeinheit Segen.
.Abgeordneter Dr. Leuch Igens sprach als Mitglied des Finanz- und Sechserausschusses. Die Pflege des Waldes sei einer der Grundsteine, auf denen die Wohlfahrt unseres Landes beruhe. Der Hess. Landbund, Oer wirtschaftlich eingestellt sei, habe volles Verständnis für Die wirtschaftlichen Fragen, Die hier behandelt werden.
Abg. Freiherr von Hehl zu Herrnsheim dankte im Ramen der Fraktion Der Deutschen Dolkspartei für die Einladung und bat. den ersten Vorsitzenden seiner Fraktion. Der am Erscheinen verhindert fei, zu entschuldigen. Die Rot klopfe überall an, sie gehe auch an unserem geliebten deutschen Wald mcht vorüber. Der Redner gab Der Hoffnung Ausdruck, daß vom Landtag leine Beschlüsse gefaßt werden, Die Den WalD schädigen. Die O p P o ) i t io n s p ar te i e n hät- ten Sparsam keitsmaßnahmeu Vorschlägen müssen, was eigentlich Die Aufgabe Der Regierung sei; sie hätten Dadurch manches Odium auf sich laden müssen. Es sei vorauszusetzen, Daß bewußt Fehler nicht gemacht würden. Weiter betonte Der Redner, daß er in erster Linie gekommen sei, nicht um zu reden, sondern um zu hören. Die Fraktion der Deutschen Dolkspartei behalte sich ihre Entschließungen bis zur Abstimmung vor, aber sie habe jetzt schon einen Antrag eingebracht, die Tagegelder und Aufwänden!- schädigungen wieder in den Staatshaushalt ein- 5 u ft eilen. (Beifall.) Der Abgeordnete schloß mit einem Glückwunsch zu einem erfolgreichen Verlauf Der Tagung.
Der Vorsitzende sprach seinen Dank aus und verlas eine Reihe von Zustimmungen älterer und jüngerer Forstbeamtcn zu Der Kundgebung, teilte die Tagesordnung mit sowie
die Beschlüsse des Finanzausschusses. Hiernach hat Der Ausschuß beschlossen, die Vorstände von 6 Forstämtern auf den Inhaber zu bewilligen. Eine Anzahl von Oberförstereien soll aus g eh oben und die Dienstverrichtungen auf die benachbarten Bezirke verteilt werden.
Ferner soll eine Anzahl von Hilfsstellen gestrichen und die Zahl von 10 Oberförstern und 17 Assessoren auf zusammen 17 reduziert werden, Die DienstaufwandsentschäDigungen Der Oberförster wären zu streichen. Außerdem sind noch andere Beschlüsse zu Kapitel 1 von finanzieller Tragweite gesüßt worden.
Für die Tagesordnung waren mehrere Reden vorgesehen. Zu dem Thema S t e l l e ü v e r - Minderung ergriff Oberforftmeister Heyer das Wort. Er führte aus, daß Professor Bühler schon vor Jahren die Frage wissenschaftlich untersucht habe, wie groß ein Forstrevier sein dürfe. Zu ihrer Beantwortung kämen nicht allein die Größe, sondern auch Die Lage, Die Parzellierung und eine Reihe anderer Umstände in Betracht; besonders auch sei zu berücksichtigen, ob das Gebiet eben, ober gebirgig spi. Die Revier- oröhe sei in Rord- und SüDDeutschland, Durch diese Umstände bedingt, wesentlich verschieden. Die Reviere sollte:! bei intensiver Wirtschaft Die Größe von 2000 Hektar nicht überschreiten. Die Fläche fei jedoch kein genaues Maß für die zu leistende Arbeit, weil Die Maleriakabnutzung auch eine wesentliche Rolle spiele. Im großen und ganzen müßten in ganz Deutschland die Reviere Keiner werden. Der Redner ging dann auf die besonderen hessischen Verhältnisse ein und machte auf die großen Veränderungen im Forstwesen auhnerffam, die sich seit 1879 vollzogen haben. Vorher umfaßte ein Revier rund 2660 Hektar: Dann würben Die Karnerald omänen auf gehoben und Damit ein ®e* bietsumfang von 11 Oberförstereien den bestehenden Oberförstereien aufgepackt. Die Arbeitslast Wurde dadurch stark vermehrt und es mußten u. a. zahlreiche Schreibkräfte eingestellt werden. Dadurch iam man nun auf den Gedanken, es müsse ab gebaut werden. Der Redner belegte seine Ausführungen mit vielen Zablenbeispielen und schloß: Wenn alle Einrichtungen auf Das Jahr 1879 ^rückgeführt würDen, brauchte man sich über Sparmaßnahmen nicht zu unterhalten.
Forstmeister Maul-Raunheim sprach hierauf über Die Stellenverminderung Der Hilfskräfte. Set ReDner zahlte eine Reihe von Aufgaben auf, die Den Assessoren übertragen finD. Die Verminberung Der Reviere habe nicht unwesentlich Dazu beigetragen, Die Arbeiten zu vermehren. Viele Oberförstereien seien heute schon überlastet und tonnten kaum noch ordnungsgemäß ihre Arbeiten erledigen. Wenn die Beschlüsse Des FinanzausschusscS Durchgeführt tuürDen, so werde Damit Die Forfteinrichtung vollständig zum Erliegen kommen. 80 Proz. Des Waldes in Hessen seien jetzc noch ohne Forstein- richtung. Sie Einsparung Der Hilfsstellen werde • i finanziellem Rächtest Des Staates führen. Ueber Das Thema
Fahrtesten referierte Oberforstmeister Sv. Baader- Schotten, Der ausführte. Daß der Abstrich von 27 500 Mark im Rahmen Des Budgets toentg bedeute, für Die Forstverwaltung aber viel. Insgesamt wären 77 400 Mark angefordert, so Daß Der Abstrich nicht weniger als 35 Proz. betrage. Ser Außendienst könne mit Dem Dienstfuhrwerk Dann nicht mehr versehen werden; das bedeute eine Verminderung Der ProDuktion. Betriebsaufsicht unh -leitung ließen sich aber nicht vom grünen Tisch ans regeln. unD Der Außendienst sei unbedingt notwendig. Sic Fahrkosten hätten nur einen geringen Anteil an Den Betriebsausgaben, sie betrügen auch nur einen geringen Bruchteil her Gesamtausgaben. Kein Privatbetrieb mit größeren Umsätzen arbeite mit so wenig Fahrkosten. Der ReDner wies auf Die besonders schwierigen Verhältnisse Im Kreife Schotten hin, wo Die meisten Förstereien weit abliegen und große HohenuntcrichieDe zu übertoinDen wären. Die LandtagSabgeordnelcn hätten wohl
BaD-Rauheim, Die WeinbauDvmäne und andere Einrichtungen besichtigt, niemals jedoch einen Wald. Ser Redner lud Dann den Landtag ein, einmal sein Revier in Schotten zu besuchen (scherzhafte Zurufe: aber ohne Fuhrwerk?).
Oberforstrat Kammer, Beerfelden, erörterte Die Auswirkungen Der Beschlüsse Des Finanzausschusses auf das Dienstfuhrwerk. Er verglich Die Bestimmungen über Die Pferdehaltung ufw. in Hessen mit Denen in Preußen. Sachsen und Württemberg. Aus den Dergleichen gehe hervor, Daß sie in Hessen schlechter wären unD Dringend einer Reuregelung bedürften. Der ziffernmäßige Erfolg Des Abstriches durch den Finanzausschuß werde ausbleiben. Auszeichnung der Holzhiebe. Aussortierungen usw. könnten ohne Inanspruchnahme von Fuhrwerk nicht Durchgeführt wcrDen.
Der D i e n st a u f w a n D ist. wie Oberforst- meister Heyer ip einem weiteren Dortrag bemerkte. der MehraufwunD für besonDere Arbeiten. Man verlange, wenn die Beschlüsse Des Finanzausschusses verwirklicht würDen, geradezu, daß der Oberförster diese Unkosten aus seiner Tasche bezahlen müsse, was unmöglich sei. In anderen Ländern wäre Diese Angelegenheit ebensalls viel besser geregelt. Sie Sienftauf- wanbsentschädigung betrage gleichfalls nur einen Bruchteil Der Ausgaben am Gesamtertrag gemessen.
Ueber Den inneren Dienst erstattete Oberförster Rausch Bericht. 3m Finanzausschuß wäre erklärt worDen, man wolle nicht schematis ch abbauen. 3m Anschluß an Diese Erklärung schilderte der Redner eingehend die Aufgaben und Den Geschäftsgang Der Oberförstereien. Seit KriegsenDe habe sich Die Arbeit stark vermehrt, namentlich Durch Die Übertragung Des Si eDlungswesens unD Durch Die Berechnung Der Einkommensteuer Der beschäftigten Arbeitskräfte. Die Berzögerung einer Holzversteigerung könne unter Umständen einen Ausfall von Tausenden Mark bedeuten. Ser Redner bat zum Schluß seiner Ausführungen Den LanDtag. Die Kosten für Die Hilfskräfte in Der beantragten Höhe zu bewilligen.
Alle Ansprachen würben mit lebhaftem Bei- fall angenommen. Es folgte hierauf eine Aussprache. Die mit Der Annahme nachstehender
Entschließung
schloss
..Sie aus Anlaß der Beschlüsse Des Finanzausschusses des Hessischen Landtages auf Den 22. Februar 1926 nach Frankfurt a. M. einberufene von 150 Mitgliedern besuchte außerordentliche Tagung Des Hess. Obersörster - BerbanDcs ist sich einhellig über Die Derzeitige Rotlag e deS hessischen Staates klar. Es ist außer Zweifel, Daß Sparmaßnahmen ergriffen werden müssen. Der Derbandstag hält es aber für seine Pflicht, nachdrücklich zu warnen vor Beschlüssen. Deren Durchführung keine E r - fparnis beDeutet, sonDern eine wesentliche DerminDerung Der Reineinnahmen aus Den Staats- unD GemeinDewalDungen zum Rachteil Des Volkswohles. Er nimmt Deshalb zu Den Beschlüssen Des Finanzausschusses zu Kapitel 1; Forst- unD Kameralgüter wie folgt Stellung:
1. 3eDe weitere Verminderung Der Anzahl Der Forstämter kommt einem wirtschaftlichen Rückschritt gleich. Durch Den Abbau von 12 Forstämtern ist bereits Der Stand von 1879 bei weitem unterschritten. Denn seit Dieser Zeit hat Die Walbflache einen Zugang von 9000 Heitar erfahren. Außerbcm sink) in Den Forstänuern 14 000 Hektar Kameralbomänen. Die bis Dahin von eigenen BehörDen (Den Rentämtern) verwaltet warben, zugewiesen worden.


