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Die Berufsberatung.

Qiitcb 6cm Reichsarbeitsnachweisgesetz ist die Tcruf#beratung eine freitvillige Ausgabe brr Ar bei ts Nachweise. Sic kann aber durch die Gesetzgebung der Länder zur Pflicht- a u s g a b e erhoben werden. In einzelnen Q3un- trsst aalen «z. B. in Badern. Württemberg) ist tieS bereits geschehen. In Hessen wird die Einführung erwogen. Es- würde dann Gießen als Berufsberatungsstelle für die ganze Pro­vinz Obcröeffcn in Betracht lammen.

Zur Aufklärung über Wes en und Zweck der Berufsberatung hatte daher der Vor- sihende des öffentlichen Arbc.tsnachweises für das nördliche Obei helfen «Stadt und Kreis Gießen und die Kreise Alsfeld. Lauterbach und Schotten) Beigeordneter Dr. Frey drei aus diesem Ge° biete erfahrene Herren Dr. Schenk vorn Landesamt für Arbeitsvermittlung für Hessen, Hessen-Aassau und Waldeck in Frankfurt.- Ge­werbeschulrat Dipl.-Ing. D ü n n i n g s. Di­rektor der Gewerbe- und Maschinenbauschule zu Gießen, und Herrn Schorle in m e r. Leiter des Berufsamtes für Stadt und Kreis Darmstadt au Borträgen über diese Frage gewonnen. Die Versammlung sand im Großen Hörsaal der Uni. nerfitäl statt, sie war sehr zahlreich besucht. Bei- geordneter Dr. Frey begrüßte die Erschienenen und wies in kurzen Worten aus die erhöhte Be­deutung einer richtigen Berufswahl und Berufs- i auslese hin. Darmstadt und Offenbach haben be­reits vorbildliche segensreich wirkende Berufs- beralungsstellen. Gießen wird in absehbarer Zeit ebensoweit kommen. Hierauf sprach Dr. Schenk über

Die Berufsberatung als Mittel zur toirt* schaftlichen Gestaltung von Industrie und Handwerk.

Anschließend an ein treffendes Wort Fried­richs des Großen, daß so mancher zu einem Berufe käme, der besser etwas ganz anderes geworden wäre, führte der Redner etwa folgendes aus: Wir haben den Zugang auf dem Weltmarkt fast ganz verloren. Unsere Aufgabe ist es. ihn wieder zu gewinnen. Darum muß überall an Stelle der Massenproduktion Qualitätsproduktion treten. Dafür genügt aber nicht allein die ma­nuelle Geschicklichkeit der Arbeiter, sondern sie muh begleitet sein von geistigen Fähigkeiten. Darum müssen die Arbeiter (hier im weitesten Sinne des Wortes gebraucht) sorgfältig aus­gewählt toerbeit. Diese Auslese geschieht zur Zeit an drei verschiedenen Stellen: 1. im Psycho­logischen Laboratorium der Universität. 2. am Berufsamt und 3. im Werke selbst. Die Me­thoden der Auslese sind noch nicht vollkommen: Trugschlüsse über die fernere Entwicklung jugend­licher Menschen im 14. bis 15. Jahre sind un­ausbleiblich. Aber diese Tatsache darf nicht ent­mutigen. Gut ist es, wenn die Induslriewerke mit der Hochschule Hand in Hand arbeiten. So steht z. B. das Charlottenburger Institut mit 120 Betrieben in Verbindung. Aehnlich ist es in Hamburg und an anderen Orten. Daß die Reichsbahn und Reichspost ausgedehnten Ge­brauch von der Eignungsprüfung machen, ist genügend bekannt. Rur dadurch ist es möglich, Leute in die Fabrik und in einen bestimmten Beruf zu bekommen, die tatsächlich an dem Platz ihren Manu stellen und mit Lust und Liebe ihre Pflicht tun. Die öffentliche Berussberatungsstelle ist politisch neutral und darum ganz unabhängig u/rch jeder Seite. Sie kann aber die Mitarbeit der Schule und des Arztes nicht entehren: ;denn der Mensch ist keine Maschine. Sein Willens- und Gemütsleben, fein Charakter muß Fand) bei der Berufswahl in Rechnung gezogen werden. Hier kann nur der Lehrer Aufschluß geben. Infolge des Rückganges der Geburten­ziffer werden wir 1930 nur halb so viele Lehr­linge haben, als uns 1914 zur Verfügung stau­ben. Diese Tatsache allein genügt schon, um zu j Zeigen, wie wichtig eine Berufsberatung werden muh.

Sodann ergriff Gewerbeschulrat B ü n n i n g s das Wort zu seinem Vortrag

Eignungsprüfung und Berufswahl.

Ausgehend vom Grundsatz des Taylorsystems: den richtigen Mann an die richtige Stelle, unter­strich er manche Ausführungen seines Vorredners noch einmal und fuhr u. a. wie folgt fort: Wer Berufsberatung ausüben will, muh die Kenntnis recht vieler Berufe haben. Rur dann ist es ihm möglich, ein wahrer Berater, einwelt­licher Seelsorger" zu fein. Als Beispiel wies der Redner auf den Schreinerberuf hin. Für die Auslese dafür gibt cs nicht weniger als 21 Appa­rate. Ein dafür geschaffener Hobel, der auf einem Papierstreifen in Kurven die Art und Weife der Arbeit des Geprüften aufzeichnet, wurde vorge­zeigt. Roch bat die Berufsberatung viele Gegner, aber die Erfolge und ihre Bewährung, die sich ziffernmäßig feststellen läßt, muh diese mehr und mehr zum Schweigen bringen. Trotzdem darf nicht verschwiegen werden, daß es sich heute noch ] vorwiegend um die negative Auslese handelt, d. h. die Prüfung wird in den meisten Fällen nur sagen, für welchen Beruf sich der Prüfling

! nicht eignet. Auch dieser Redner betonte die I Bedeutung der Schule und ihres Urteils über den Schüler bei der Berufsberatung. Ans die I verschiedenste Art und Weise muß versucht wer- I den, ein Bild des Kindes zu gewinnen. Das iann durch den Fragebogen des Berufsamtes und durch die Personalbogen, die die Schule führt, geschehen. Eine schwierige und verantwortungs­volle Aufgabe bleibt aber das immer. Zu der Personalauslese kommt in der Prüfung die Kom- plexdiagnose, d. h., neben der Eignungsprüfung stellt man prattische Aufgaben, um des zu Prü­fenden Geschicklichkeit und Anstelligkeit zu ersah- i ren. Zu beachten sind auch die Ermüdungs- und Uebungscrscheinungen. Auch sie prüft man mit mancherlei interessanten Aufgaben. Kurz: es ist heute möglich, die verschiedensten Seiten des phisischen und psychischen Menschen zu prüfen, um ihn dann einem seinem Wesen und seiner Persönlichkeit entsprechenden Beruf zuzuführen.

Als letzter Redner sprach Herr Schorlem - m e r Darmstadt über:

Die Einrichtung eines DerufSamtS für Stadt und Land.

Er lieh uns einen Blick in die Praxis der Be­rufsberatung und ihre Schwierigkeiten tun. Auch er legte großes Gewicht auf das Urteil der Schule und bedauerte, daß die Fühlung zwischen Elternhaus und Schule in vielen Fällen leider zu lose fei. Aber auch der Arzt muß gehört wer­den. Das Berufsamt muß aus der Besprechung mit den Eltern und dem Kinde und bent Zeugnisse des Arztes und der Schule das Fazit ziehen. Rach seiner Meinung ist die Berufsberatung fast un­entbehrlich. Zwar ist die Unterbringung der Lehr­linge sehr schwierig. Oft müssen viele verwandten und ähnlichen Berufen zugeführt werden. Auch der richtige Meister muß gefunden werden. In Darmstadt hat das Berufsamt in jeder In­nung einen Vertrauensmann, der verteilt die Jungen. Wer soll Berufsberater sein und wer­den? Redner ist der Meinung, daß man das nichterstudieren" kann: praktische Kenntnisse, pädagogisches Geschick, gesunder Menschenver­stand, Kenntnis der Eignungsprüfungen: das alles ist ihm vonnöten.

Der Vorsitzende dankte den Vortragenden und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Aus­führungen der Redner auf fruchtbaren Boden gefallen sein möchten. Im Hinblick auf die vor­geschrittene Zeit sah man von einer Aus­sprache ab.

Oberhesfen.

Landkreis Giesren.

<O Lang-Göns, 22. Jan. Bei der hie- figen Iagdverpachtung wurden für die einzelnen Bezirke folgende Höchstgebote erzielt: für den Bezirk 1, bestehend aus 800 Morgen Wald und 1240 Morgen Feld. 920 Mark, durch Jakob Wolff -Gambach imh Obersteuersekretär Nern-Kirchgöns; für den Bezirk 2, bestehend aus 960 borgen Feld, 485 Mark, durch Alt- bürgermeifter Belten- Lang-Göns; für den Be­zirk 3, bestehend aus 420 Morgen Wald und 1030 Morgen Feld, 1015 Mark, durch Heinrich S ch e p p - Frankfurt a. M., und für den Be­zirk 4, bestehend aus 280 QHorgen Wald und 1375 Morgen Feld, 685 Mark, durch Seibel-Gie­ßen intb Frey- Lang-Göns. Der Zuschlag auf bic einzelnen Höchstgebote ist bis jetzt noch nicht erteilt

* Annerod, 22. Ian. Hier verendeten einem Landwirt bei der Behandlung seiner Kühe gegen Leberegel drei Kühe, anscheinend durch fehlerhafte Beschaffenheit des Arz­neimittels. Die von mehreren Herren der Gießener Hochschule vorgenommenen Sektionen ergaben, daß den behandelnden Arzt keinerlei Verschulden trifft und somit wohl die Arznei­mittelfabrik den Schaden tragen muß.

: : Inheiden, 22. Jan. Im Saale des Gastwirts Junker fand ein Dortrag des Oberst­leutnants von Hagen über dieMarne- schlacht 1914" statt. Die Veranstaltung ging vom hiesigen Kriegerverein aus. An der Hand ausgezeichneten Kartenmaterials gab der Vortragende einen Ueberhltcf über den Vormarsch der einzelnen Armeen, und erläuterte bann die Gründe, die die Heeresleitung zu dem denk­würdigen Rückzugsbefehl bewogen, der ja be­kanntlich den Truppen ganz überraschend kam. und der entscheidend für unsere endgültige Rieder­lage war. Rach Ansicht des Redners war er jedoch gerechtfertigt, wollte man sich nicht einer Umgebung mit katastrophalen Folgen aussetzen. Auch fei der Rückzug mit möglichster Sicherung ausgeführt worden. Da es unserem Dorfe an einer passenden Räumlichkeit fehlt, die sich zur Abhaltung des hauswirtschaftlichen Un­terrichtes an der dchen f or t bil- dungsschule eignet, hat man sich mit der Stadtverwaltung und Schulleitung in Hungen ins Benehmen gesetzt, um es zu ermöglichen, daß die in Betracht kommenden Mädchen von hier an dem dortigen Unterricht teil nehmen. Wenn die Entschließung Hungens vorliegt, wird sich der

Gemeinderat mit der Frage der Kostenaufbrin-- gung zu beschäftigen haben.

Lich, 22. Ian. Am Mittwochabend gaben im Schloß zu Lich Hans C. <31 einbad) und Maria K ü b e l einen wohlgelungenen T anz- a b e n d. In letzter Linie aus der Rothenburger Bewegung hervorgegangen, verzichtet der Künst­ler anscheinend bewußt auf herkömmlich eigent­liche Tanztraditionen und versucht von einer na­türlichen Atmungstechnik ausgehend seine eigenen Wege zur Kunst zu finden, ergänzend und wirk­samst unterstützt von einer Partnerin, deren lyrisch-zarte fließende Bewegungen mit der männ­lichen Herbe ihres Mittänzers aufs beste zu­sammenklangen. Besonders im Tanz unter den Sternen, einem Spiel von wahrhaft mittelalter- liä) poetisch-religiöser Stimmung. Aus der Fülle der Darbietungen sprachen besonders an Der Hexenmeister", in dem Gestaltungskraft und inne­res Erleben der Darsteller aufs stärkste zum Aus- druck kamen. Ebenso ist der SolotanzDschumka" als stärkere schöpferische Leistung und einer Gigne" als außerordentlich liebliches Duett zu erwähnen. Reicher Beifall lohnte die Künstler.

.D Lich, 22. Jan. Bei der heute im hiesigen Stadtmaid (Distrikt Großhäuserberg) abgehaltenen Holzvxrsteigernng wurden folgende Erlöse erzielt: Buchenscheiter 14 bis 16Mk Buchenknüppel 11 bis 1t Ml., 50 Buchenwellen 12 bis IS Mk., Buchenstockholz ß bis 7 Mk., alles je Raummeter. Die Beteiligung war rege.

Df. Langsdorf. 22. 3an. Vorgestern sprach einer der Redner der Liga zum Schutze der deutschen Kultur, Herr Heine, vor einet1, stattlichen Zuhörerschar über das Thema: ..Das Deutschtum in Rußland". In einem aus­führlichen Vortrag schilderte er, daß vor etwa 450 Jahren die ersten Auswanderungen Deutscher nad) Rußland begannen. Die ersten Ansiedlungen entstanden an der Wolga, von Den Russen gedacht als Bollwerk gegen die von Osten öfters ein- brechenden feindlichen Reiterstämme. Später wurde dann auch Südrußlano besiedelt, und zwar zogen sich die deutschen Kolonien von Odessa bis in den Kaukasus. Auch die Familie des Redners war in Süd ruß land angesiedelt, im fruchtbarsten Gebiet Europas, so fruchtbar, daß das Düngen sogar verboten war. Durch die russische Revolution und das nun folgende kom­munistische Schreckensregiment sind die Kolonien verloren und vollständig heruntergewirtschaftet. Alles Land gehört nun der Kommune. Der Bauer i|t entweder Arbeiter derselben, oder vertrieben, oder getötet. So hat man es fertig gebracht, daß Südrtlßland. welches früher große Mengen Getreide ausführte, sich beute kaum selbst er­nähren kamt. So sieht der russische Kommunismus aus! Redner schloß seine sehr beifällig auf ge­nommenen Ausführungen mit Dem Wunsche, daß sich in absehbarer Zeit die Verhältnisse in Ruß­land bessern möchten, auch zum Ruhen Deutsch- lands. welches als Industriestaat einen Lie­feranten für Lebensmittel braucht, der anderer­seits ein Abnehmer feiner industriellen Erzeug­nisse fein kann. Rach Dem Vortrag spielte Herr Heine einige Lieder aus dem Rationalinstrument der Russen, Der Balalaika.

I. Hungen, 22. 3an. Rachdem gegen Ende De£ Jahres 1925 Der bis dahin tätig gewesene Gemeinderat, dessen Mitglieder nur zu i/3 wieder in dem neuen Gemeinderat erscheinen, von dem Bürgermeister unter dankbarer Anerken­nung der während Der letzten 3 Jahre geleisteten Arbeiten entlassen und hierbei die letzteren im einzelnen aufgeführt wurden, erfolgte dieser Tage die Einführung und Verpflichtung des neuen Gemeinderats. Dieser ist aus keiner besonderen Wahl hervorgegangen, Da nur ein Wahlvorschlag eingereicht wurde, und setzt sich zusammen aus je 3 Vertretern Der Land­wirtschaft, des Beamtentums, Der Arbeiterschaft und Des Gewerbes. Bei ihrer Einführung wurDe von dem Bürgermeister auf Die Den Gemeinde­ratsmitgliedern erwachsenden Pflichten hinge- wiesen und im Anschluß hieran ein Ueberblicf über die Aufgaben gegeben, Die Der Erledigung barten. Es erfolgte Dann die Wahl Der Kom­missionen. Im übrigen wurdest folgende Gegen­stände erledigt: Für Die verstorbenen Schätzer von gefallenem Vieh wurden Deren bisherige Stellvertreter und als Ersah für diese 2 Land­wirte gewählt. Für Den bisherigen Kontrolleur wurde infolge dessen Ausscheidens aus dem Ge­meinderat ein anderes Mitglied des letzteren für Den Rest de« Rj. gewählt. Dem Oesterreichisch- Deutschen Volksbund tritt Die Gemeinde als Mitglied bei. Zu Beginn Der jüngsten Sitzung gedachte Der Bürgermeister des am 14. Januar 8U Gießen verstorbenen GemeinderatsmitglieDs Karl Stein, dessen Andenken entsprechend geehrt wurde. Mit der Abschaffung und Ersatz­beschaffung von Gemeindebullen wurde Die Land- Wirtschaftskommission beauftragt. Der Ergän­zungsplan zu Dem allgemeinen Ortsdau - plan wurde entsprechend dem Vorschläge der Kreisbauverwaltung mit ebner kleinen Abände­rung gulgeheihen. Einem Gesuch um Zuteilung eine« Bauplatzes in größerer Breite soll nach Besichtigung des Platzes tunlichst entsprochen werden. Die V e r l ä n g c r u n g Der Wasser- Leitung in Der Gießener Straße soll, sobald

es Witterungs- und finanzielle Verhältnisse statten, ausgeführt werden. Der Gemeindevat beschließt, künftighin keinerlei Feuerlöschgeräte (insbesondere Die Spritzen zum AuSpumpen von Kellern) für Privatzwecke zu überlassen. Die Gemeinde wird eine Pumpe anschaffen, die auch Privaten gegen Entgelt überlassen wird.

Kreis Friedberg.

WSR. Friedberg, 22. Jan. Ein Frank- furtcr 2(1110, das von Gießen her kam, über» fuhr am Mittwoch abend an Der Obermörlev Blockstelle die geschlossene Schranke. Gin geradr fälliger Zug konnte noch im letzten Augen- bHcf zum Halten, gebracht werden. Mit Hilfe des Bahnpersonals konnte das Gleis bald wieder frei gemacht werden. Das Auto wurde leicht be- A^ßigt. konnte aber feine Fahrt fortfehen. Die beiden Dammrutsche, die vor einiger 3eit während des Hochwassers auf fern Bahnhof S.ric<>berg und auf Der Strecke Fried-- rlchsdorf Holzhäusern eingetreten teuren.

beseitigt. Aus der Street Friedberg Holzhausen ist gestern zum erstenmal wieder ein <5ug Durcpi das durch den Dammrutsch beschädigte Gleis gefahren.

$$ dD* Staude im, 22. Jan. Rach Mitteilung Der hiesigen Kriminalpolizei hat sich gestern mittag der hier zur Kur weilende Gen- darmenewachtmeister a. D. Michael Staibl von seiner Pension entfernt und ist noch nicht 8.ir,u,A84.6rt ist 48 3a6re

alt, 1,(0 Meter groß, hat untersetzte Figur und war bekleidet mit langem Lodenmantel und dunk­lem Anzug, Darunter grün schwarzer Sweater Staibl ist schwermütig veranlagt, so daß die Mög­lichkeit besteht, daß er sich ein Leid angetan hat. Sr trug beim Weggang einen Spazierstock, war aber ohne Hut. Zweckdienliche Mitteilung an die hiesige Kriminalpolizei erbeten.

Butzbach, 22. Jan. Die fiskalische Jagd der vormaligen Oberförsterei Hochwei- sel wurde zum jährlichen Pachtpreis von 1400 Mark (vor dem Kriege 1900 Mk.) auf 12 Jahre neu verpachtet. Pächter sind Dr. Achen­bach - Frankfurt a. M. und Fabrikant Boger- Weimar Das Revier ist rund 530 Hektar groß, säst ausschließlich Wald.

Kreis Schotten. l

Schotten, 22. Jan. Das hiesige Kreis- amt hat fein Verbot fürkarnevalistis chv Lustbarkeiten erlassen, sondern will nach Anhörung des betr. Gemeinderats und gutacht­licher Aeußerung der Bürgermeisterei von Fall zu Fall seine Entscheidung treffen. Damit hat es einen Standpunkt-eingenommen, Der Konzessionen nach beiden Seiten zuläßt.

lg. Ober-Lais. 22. Jan. Am Montag­abend fand hier ein Degrüßungsabend statt als Auftakt der für die beiden folgenden Tage vor­gesehenen Tagung DerEvangelischen Volksgemeinschaft". Ramhafte Vertreter der neuen Bewegung kamen dabei zu Wort und legten Ziel und 'Wesen derselben Dar. Pfarrer Weidner- Ober-Lais begrüßte in seiner Er­öffnungsansprache die äußerst zahlreich erschiene­nen Anhänger Und Freunde Der Evang. Volks­gemeinschaft und kennzeichnete deren Ziel dahin, daß sie die evangelischen Belange noch nach­haltiger vertreten wolle, als dies seither int Rahmen der großen politischen Parteien geschehen und möglich gewesen fei. Als nächster Redner sprach Ide aus Höchst a. M. über das Thema Arbeiterschaft und Evangelische Volksgemein­schaft". Insbesondere verbreitete sich Der Redner über die Rot im besetzten Gebiete und zeigte, daß hier ein Betätigungsfeld vorhanden fei, wel­ches der Evang. Volksgemeinschaft Gelegenheit gebe, ihre Existenzberechtigung nachzuweisen. Apo­theker V e es en m ey e r° Gedern führte aus, warum eine Evang. Volksgemeinschaft notwendig sei, und bewies diese Rotwendigkeit an drasti­schen Beispielen. (Besetzung einflußreicher De- amtensteilen durch Vertreter des Zentrums, Reu- gründung von Klöstern u. Dgl.) Daraus sprach Pfarrer Hamburger-Staden in längerer Rede über Den Zusammenschluß der verschienen Berufsstände und das Verhalten des Christen­tums zum Reubau unseres Volkstums, um sich im weiteren Verlaufe feines Vortrages eingebenD über Politik und Religion im Laufe der Jahr­hunderte von Luthers Zeit bis zur Gegenwart zu verbreiten. Sämtliche Vorträge fanden eine äußerst aufmerksame Zuhörerschaft.

Kreis Larrterlmch.

4k Lauterbach, 22. Jan. Wie uns von der Bürgermeisterei Lauterbach mitgeteilt wird, hat die Oberpostdirektion Darmstadt den Antrag auf Ein­richtung einer Kraftpostlinie Ulrichstein: MeichesDirlammenAllmenrodLauterbach a d- gelehnt. Im Kalenderjahr 1925 wur­den im Standesamtsbezirk Lauterbach 101 Gebur­ten und 40 Sterbefälle beurkundet. Eheschließungen anden 35 statt.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

J Wetzlar, 22. Jan. In Der heutigen Stadt verordn ete ir-D e r s a m m l u n g, Die

Die Entstehung der deutschen Hausmusik.

Die feinste Blüte unserer deutschen Musik­pflege hat fid) in derKammermusik" entwickelt, die für dieKammer", für das Haus bestimmt war. Aus diesem innigsten Musikgenuß in den eigenen vier Wänden erwuchs jenes feine Ver­ständnis für Die Tonkunst und jene breite kul­turelle Grundlage, auf Der Die klassische Zeit Der Deutschen Musik entstehen konnte. Der um­fangreiche Konzertbetrieb unserer Tage und Der überall eindringende Rundfunk lassen Die Haus- mufil immer mehr in Den Hintergrund treten aber wir sollten nie vergessen, daß hier Die Möglichkeiten des reinsten Genusses liegen und daß Der Deutsche, Der Die Hausmusik recht eigent­lich geschaffen hat, sie auch am besten zu wür­digen weih. Dieses Heraufblühen Der häuslichen Musikpslege läßt sich in einem eigenartigen Werk verfolgen, das Kathi Meyer unter Dem Titel »Das Konzert" in der Reihe Der in Stuttgart erscheinenden musikalischen Volksbücher heraus- gegeben hat. Es ist einFührer durch Die Ge­schichte Des Musizierens in Bildern und Melo­dien", und der verbindende Tert zieht nur Die Entwicklungslinien von Der Antike bis in unsere 3*i9e. Die Musik des Altertums warFreiluft- mufu", Die sich nicht in die Wohnung verpflan­zen ließ, die ja überhaupt bei dem antiken Men­schen nicht Die Rolle spielte wie bei Dem mo­dernen. Aber auch im Mittelalter wohnte die Tonkunst nicht in den Häusern, sondern in Den

Kirchen, unD wo neben Den Gesängen und Chören der Geistlichen weltliche Lieder sich regten, da wurden sie zumeist im freien angeflimmt. Die Musik war ja auch kunstloser und einfacher, war stets der einstimmige, unbegleitete Gesang. Erst vom 9. Jahrhundert an erscheint die Mehr­stimmigkeit, Die große musikalische Tat Des Abendlandes, durch Die eigentlich erst Die Musik in unserem Sinne beginnt. Es war eine un­geheure Neuerung, Die auf die Menschen des Mittelalters etwa einen ähnlichen Eindruck machte wie heute die Neuerungen Schönbergs, Die wieder von Den gewohnten tonalen Grund' lagen abweichen. Nun begannen sich allmählich mehrere Menschen mit mehreren Instrumenten zum gemeinsamen Musizieren zu versammeln. Die Minnesänger werden imHarfen- und Geigenspiel" ausgebildet, begleiteten sich selbst ihren Liedern oder wurden von Musikern mit Schalmei und Fiedel im Vorttag ihrer iunstvollen Strophen unterstützt. Eine Hausmusik in unserem Sinne aber finden wir in Der Minnefingerzeit noch nicht. Die Musik mußte erst in anderen Kreisen heimisch werden, Deren Leben sich mehr im Häuslichen entwickelte.

Im Meistergesang wird Die Musik der Ritterzeit verbürgerlicht: doch sind Die Uebun- gen und Vorführungen Der Meistersänger eine ojfentdd)c Angelegenheit, zu Der man sich in einem von Der Stadt Angewiesenen Raum, in einer Kirche oder Schulstube, bereinigte. Wohl toivo ein Hans Sachs auch zu Hause geübt und l^Le.cl O^n, aber das geschah nicht zum eigentlichen Vergnügen, sondern mehr zur Vor

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bereitung. Auch dasCollegium Musicum, zu Dem sich Die Studenten Der Renaissancezeit zu- lamnienfaten, ist noch ein gemeinsames Musi­zieren bet wöchentlichen Vereinigungen ober Testen. Immerhin Drang durch diese Musik- gemeinschaften Die Pflege Der Tonkunst in immer toeitete Kreise, die sie Dann auch ins Haus trugen. DieCollegia Musica des 16. Jahr­hunderts pflegen bereits Die Instrumentalmusik, oie hauptsächlich durch Geige, Laute, Kniegeige und Hackbrett, eine Urform des Klaviers, t>er- ircten war. Daneben gibt es kleine Streich­orchester von 812 Mann. Neben Den In­strumenten, Die nur zum Ersatz einer Stimme herangezogen wurden, bildet sich Die Gruppe der (£flcTt 2lttordinstrumente heraus, Die für mehrere 3nftrumente eintreten und auch allein die ganze Ausführung übernehmen. Die Instrumental­musik löst sich allmählich von Dem bis dahin herrschenden Gesang ab. Laute, Klavizimbel und Clavicord treten für Die Saiteninstrumente, die Orgci für die Blasinstrumente ein. Die kleine ..Handorael", die überall hingebracht werden kann, wird zum Hauptinstrument, bei Tanz­vergnügen und Gartenfesten, kommt aber erst in Deutschland, wo das Musizieren durch hie klimatischen Verhältnisse immer stärker an Den Innenraum gebunDcn blieb, zur eigentlichen Ent- saltuyg. Sie wird im 16. Jahrhundert dasjenige Instrument, um das sich Die Hausmusik zu kon­zentrieren beginnt. Hier gelang es, nach vielen Versuchen hiewohltemperierte" Orgel zu kon­struieren, d. h. ein Instrument, aus dem Die Oktaven harmonisch so ausgeglichen traten, daß

Die Verwendung sämtlicher Dur- und Mollhat- monien möglich wurde. Es war der Vorläufer des wohltemperierten Klaviers der Bachzeit. Im 16. Jahrhundert tritt so die instrumentale Kam­mermusik gleichwertig neben den Gesang und verdrängt allmählich Die. menschliche Stimme, so Daß wir seit 1650 etwa vorwiegend instrumen­tale Hausmusik haben, Die Hausmusik, Die auch heute noch vor allem gepflegt wird. Die Kon­zerte. die im Hause von einem kleinen Kreis von Liebhabern aufgeführt werden, gewinnen ge­genüber Den mehr repräsentativen Veranstaltun­gen in Der Kirche und am Hofe an Bedeutung, und im 18. Jahrhundert wird bann Die Kam­mermusik" herrschend. Die intime und "abge­schlossene Stimmung her Rokokosäle gestaltet auch Den Festraum aui-Kammer", und in jedem Palais veranstaltete man wöchentliche Koiueri- in Denen der Fürst, Graf oder 'Saron selbst mittoirft und jeder seiner Bedienten ein Instru­ment beherrschen muß. Friedrich Der Grwße ist als Hauptspieler seiner Flötenkonzerte nur Die unö bekannteste Erscheinung Dieser allgemeinen Sitte. Und was bei den Adligen zum guten -vn gehört. Das wird auch im Bürgerhause allgemeiner Brauch. Run entwickeln sich jene unoergangltdjen Formen Der Kammermusik, das Konzert". Die Suite und Sonate, und nur aus Dielet musikalischen Atmosphäre deS Hauses, Die Die ganze Kultur DurchDringt, ist die Kunst eines Bach und Haydn, Mozart und Beethoven zt; erklären. - - -----...

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