des traurigen Dramas sei, sei also nicht durch Holz- manns Schuld entstanden, sondern Rouzier sei schuld daran, und zwar nur Rouzier.
Rouzier sei auch nicht herausgeforderl worden. Mm einen Milderungsgrund zuzubilligen, sei nach dem französischen Gesetz Artikel 321 des Code pLosI eine Herausforderung durch Schläge oder grobe Gewalttätigkeit nötig. Da die Anklageschrift selbst einen 2nigrisf oder das Vorhandensein einer Gewalttätigkeit im Sinne des Artikels 3C9 verneine, so gehe logischerweise daraus hervor, dah eine Herausforderung in diesem Falle nicht vorhanden sei.
Auch Mathes wußte nicht, dah es sich um einen französischen O fizier Han ele. Machen e bst hat auch leine beleidigende Haltung angenommen. Er sei Rouzier wohl gefolgt, aber doch a u f dessen Aufforderung hin. Ob er Rouzier in der Sandstraße mit seinem Stock bedroht habe, sei nicht richtig beri.’fen. Selbst die französischen < engen hü ten es nicht ficket behandlet und Rouzier selbst habe dies in der Voruntersuchung nicht genau angeben können. Es liege also keine beleidigende Haltung, -aber auch keine Herausforderung im Sinne des Gesetzes vor.
Um eine beleidigende Haltung oder eine Herausforderung Larzustellen, muh die betreffende Handlung ungerecht und ungeseh- l i ch sein. Matheö und Müller wollten, als sie Rouzier so hartnäckig folgten, dah der andere nicht entkommen solle. Der andere hatte eine offensichtliche Körperverletzung an Holzmann begangen, und da er auf frischer Tat ertappt wurde, hatten Mathes, Fechter und Müller das Recht, Rouzier zu folgen und ihn der Wache zu überg'brn, un f.'lne Per- fonlichleit festzustellcn. Uebrigens hat Rouzier Mathes ja auch ersucht, ihm auf die Wache in der Kaserne Banden zu folgen. Müller habe die gleiche Idee gehabt, als er Mathes fallen sah und Aou'ier fragte, warum er seinen Freund erschossen habe. Was also Mathes und Müller gewollt hatten und was auch Fechter beabsichtigt habe, sei gerechtfertigt und gesetzlich gewesen. Selbst wenn Müller dem Rouzier einen Faustschlag gegeben habe, um ihn dadurch festzuhallen, so sei Müller im Recht und Rouzier im Unrecht.
Zum Schlüsse seines Plädoyers beschäftigte sich Dr. Grimm mit dem Strafantrag deS französischen Staatsanwalts.
„Gin Jahr Gefängnis für Rouzier! Ich war wie vom Blitz getroffen, als ich dicsen Strafantrag horte.
(Ein Jahr Gefängnis für einen vorsätzlichen Totschlag! Dir beklagen einen Toten, wir beklagen einen anderen Menschen, vielleicht verstümmelt für sein ganzes Leben. Denn nichts anderes wäre, als die Mißhandlung des wehrlosen Klein, eine Tat, die so ganz die surchlbare Bru- talitäl Rouziers offenbart, dann würde schon diese Tal allein eine schlimmere Strafe rechtfertigen.
Dr. Grimm erinnerte dann an die Zeit, als er während des Krieges Franzosen vor deutschen Kriegsgericht en zu verte , d a en hatte, unZ> er- ■ wühnte dabei den Fall, das; zwei deutsche ' Soldaten, die bisher unbestraft waren, und die sich in der Hitze des Kampfes hatten hdn- veißen lassen, zwei wehrlose Gefangene zu treten, mit 12 Jahren Zuchthaus bestraft wurden. DaS war grausam, das war hart, aber man muhte ein Erempel statuieren. Man hat hier von Locarno gesprochen und gestern habe ich schöne Worte von Annäherung gehört. Die Erfahrungen, die wir hier gemacht haben, haben mich sehr enttäuscht. Die vielen Zwischenfälle und das Drum und Dran dieses Prozesses waren für mich eine tiefe Enttäuschung. Zuerst das Nationalist.sche Komplott, daun d e ' Bande Mathes. Das alles ist kläglich z u - s a m mm en gebrochen und nun dieser Strafantrag. Ein Jahr Gefängnis für vorsätzlichen Totschlag! Das deutsche Volk ist zur Annäherung bereit. Wir wollen Frieden nach allem El nd l des Krieges. Wir wünschen, daß die beiden
Voller, die in diesem Kriege am m eisten gelitten haben, sich endlich zu genreinsamer Arbeit im Frieden zusammenfind-n: aber so geht das ' nicht. Sie kennen die S'ele des deutschen Voll s nicht. Wir sind leine Ritionalisten und keine Bande Mathes. Wir wünschen Frieden, aber w i r wollen auch unsere Würde gewahrt wissen. 3n GermeVhe'm wurden vom 3. bis 5. Juni 27 bayerische Fahnen und die offizielle deutsche Reichsflagge besudelt, die schwerste Beleidigung, die einem Volk: zustoßen das noch seine Ehre hat. Man hat uns keine Genugtuung gegeben. Wiederholen Sie nächt d n- selben Fehler. Wenn Sie ein Urteil fallen, dann wird es Widerhall finden in den kleinsten Dörfern, einen furchtbaren Widerhall. Ein Schrei der Entrüstung wird durch alle deutschen Gae.e hallen. Gin solches Urteil ist eine Provokation!
Der Smiptüerteibiger des An- geklaglen Rouzier, der französische Advokat Mourier, Paris suchte zunächst zu widerlegen, daß es Rouzier war, der die Zwischenfälle provoziert habe und die Unruhe unter die Bevölkerung von Oer- mershrim brachte. Viele dieser Zwischenfälle seien in den Aeuherungen der Zeugen aufgebauscht. Als Beispiel hierfür führte er die Zwischenfälle bei vem Festzug des Kriegervereins im Juli an. Mourier verbreitete sich alsdann ausführlich über den Begriff der erlaubten Rot- wehr und kam zu dem Schluffe, dah er sich seiner Angreifer erwehren wollte. Er - müsse daher f r e i g e s p r o ch e n werden.
Der zweite Verteidiger, Rechtsanwalt Garton, führte aus, daß dec Richter von heute ein Richter des Friedens sein müsse. Gerechtigkeit heiße, die Leidenschaften durch ein kluges und unparteiisches Urteil zu befriedigen. Man dürfe keinen Unterschied machen zwischen den deutschen und den französischen Angeklagten, zwischen der deutschen und der französischen Verteidigung, es gäbe nur eine Verteidigung und nur einen Angeklagten. Ron- zier, den man angegriffen habe, habe sich in berechtigter Rotwehr befunden oder habe geglaubt, sich in einer solchen zu befinden. Er müsse also freigesprochen werden. Die Deutschen seien unklug gewesen, aber vielleicht seien auch sie nicht sehr verant- wörtlich. Wenn man Frieden wolle, müsse der gute Wille aller vorhanden fein, um solche Vorfälle zu verhindern, denn solche Vorfälle könnten einen gefährlichen Rückschlag auf den allgemeinen Frieden auöüben.
Um 6 Uhr zog sich der Gerichtshof dann zur Beratung zurück und fällte nach mehr als ein» stündiger Beratung den oben bereits wieder- gegebenen Spruch.
Das Ber iner Presseecho. Allgemeine Enchörung über das Landauer Fehlurteil.
Berlin, 22. Dez. (Wolff.) »Der Spruch wird in Deutschland die Herzen vereinen", so heißt es im n2ofalan$eiger‘ und so sind denn auch alle Berliner Zeitungen einig in der Empörung über das Urteil von Lcurdan und in der Forderung: Fort mit der fremden De- satzung von deutschem Boden! Die „Deutsche Ztg." sagt: Das französische Kriegsgericht hat ein „Urteil" gefällt, das dem Kriege dient. — Die .Kreuzzeitung" ruft aus: Sv also sieht Locarno inderPraxis aus. — Die „Deutsche Tagesztg." erklärt: Wir werden das Urteil von Landau nicht cergellen, wenn man uns wieder von französisch.r Seite mit Versprechungen irre zu führen sucht. Auch dieser Geist ist eine Realität, an der wir jedenfalls nicht vorübergehen werden. — Die „Deutsche Allg. Ztg." schreibt: Dieses Urteil ist ein blutiger Hohn auf das Rechtsempfinden aller Menschen. — Die „Tägl. Rundschau" betont: Eine schlimmere Sabotage der Politik Driands konnte Wohl in diesem Augenblicke nicht erdacht werd.-n. Ans dem ganzen ergibt sich ein neuer Beweis für die Unmöglichkeit der Aufrechterhaltung der fremden Besatzung auf deutschem Boden. — Wir sind to:it davon entfernt, so wird in der „Germania" auszesuhrt, für die Untat von Landau die französische Staatsleitung verantwortlich zu machen, aber wir möchten sie doch darauf aufmerksam machen, daß eine wirklich Annäherung zwischen Deutschland und Frankreich unmöglich eintreten kann, wenn die Engstirnigkeit lokaler Instanzen sich ungehemmt austoben kann. Es gibt auch in Frankreich einen Instanzenzng. 3m Interesse der Aussöhnung zwischen Deutschland und Frankreich wünschen wir, daß der Instizfrevel von Landau in einer Weise gesühnt wird, die der berechtigten Empörung in Deutschland Rechnung trägt. — Die „V o s p Z t g." schließt ihre Ausführungen mit den Worten: Die Räumung deutschen Gebietes darf nach dem Urteil von Landau auch nicht eine Stunde mehr vom täglichen Arbeitspläne der deutschen Regierung verschwinden. — Das „Berliner Tageblatt" sagt: Die Bemühungen der Diplomaten müssen fruchtlos bleiben, wenn man es Offizieren, die sich als Eroberer fühlen, überlasse, ihre Politik zu durchkreuzen. *— Der „Vorwärts" zieht aus den Vorfällen von Germersheim und dem Urteil von Landau folgende Lehre: Solange die Befatzung andauert. solange wird man die Gefahr laufen, daß ähnliche Zwischenfälle und ähnliche Kriegsgerichtsfehlurteile die Kluft zwischen den beiden Völkern immer wieder vertiefen, die die große Mehrheit auf beiden Seiten zu überbrücken bestrebt ist. — Die „Rote Fahne" nennt den Landauer Spruch ein Klasfenurteil, gegen das mit den deutschen Kommunisten die französ.schen Kommunisten Den schärfsten Protest erheben werden.
Die französische Presse zum Landauer Urteil.
Paris, 22. Dez. (WTB. Funkspruch.) Die gesamte Dresse begnügt sich damit, das Urteil des französischen Kriegsgerichts in Landau abzudrucken, zum Teil bestehen die Berichte aus einer Polemik gegen bie deutschen Verteidiger. Nur das sozialistische „Oeuvre" äußert sich redaktior.'ell zu den Urteilen. Das Blatt schreibt: „Frankreich l st durch ein Kriegsgericht verurteilt. Als ich, so schreibt der Chefredakteur d^s Blattes, die Nachricht von diesem Urteil gehört habe, habe ich mit der Fault auf den Lisch geschlagen. Man hat mir gesagt: „Retzen Sie sich doch nicht auf, dieses Urteil ist noch schlimmer als verbrecherisch." „Jawohl, ich rege mich au . Sie können mir glauben, daß mir der kleine Leutnant Rouzier vollkommen gleichgültiy ist, er bildete sich ohne Zweifel gutgläubig em, daß unser Sieg das Recht für ihn bedeute, die Besiegten mit Reitpeitschen zu traktieren, die aus einem Wirtshaus herauskommen. Was besonders ernst an dem Urteil von Landau ist, ist, daß es im voraus diktiert zu fein scheint, daß es ein politisches Urteil ist. Man braucht nur die Rede des V Kapitäns
Tropet zu lesen. War es eine Anklagerede gegen den Beschuldigten? Nein, es war eine Anklagerede gegen die äußere Politik Frank- r e i d) s. Man erkennt, daß es sich darum handelt, die Abkommen von Locarno zu verurteilen. Dieser Prozeß ist der Prozeß gegen das Pazifist,che Frankreich geworden, den auf deutschem Gebiet ein franzö- sischer Offizier geführt hat. In der Stunde, in der Deutschland inmitten einer ministeriellen Krise lebt, zwischen dem Frieden und der Revanche, hat man geglaubt, besonders geistreich zu sein, daß man sich nach der Seite des H a s s e s wandte, also jeden Ver- such der Annäherung nochschwieriger machte."
Protest der deutschen Pressevertreter.
Landau, 21. Dez. (WSR.) Die beim Rouzietprozeß anwesenden deutschen Pressevertreter haben an den französischen Außenminister Driand folgendes Telegramm gesandt:
„Die anläßlich des Rouzierprozesses in Landau anwesend:n deutschen Pressevertreter protestieren als Augen- und Ohrenzeugen einmütig gegen das unerhörte Urteil Les Kriegsgerichts des 32. Armeekorps. Der Freispruch Rouziers ist eine schwere Verletzung des Rechtsempfindens des deutschen Volkes und der gefamten zivilisierten Welt."
BotschaftervonHoeschbeiBrmnd
P a r i 3 , 21. Dez. (WB.) Der deutsche Bot- schaf.er v. Ho eich hatte heute vormittag eine Unterredung mit Außenminister B r i a n d. Es kam dabei zu einer Ans p rache über gewiße Po'.üische Fragen, wie f.e sich nach dem Ergebnis der letz en G e n f c r Tagung darstellen. Insbesondere wurde auch die Frage berührt, in welcher Welse die o.anntlich noch ausstehenden zwei Punkte der Entwaffnungsforderungen zu behande.'n fein werden.
Die Tschechoslowakei und Thoiry.
Präsident Masarhk über die deulfch- tschcchischcu Beziehungen.
Paris, 22. Dez. (W. T. D. Fun'spruch.) Ter Präsident der tschechoslowakischen Republik M a s a r y k, hat einem Sonderkorrespondenten des „Matin" ein Interview gewährt, in dem er zu dem Eintritt der Deutschen in das Tschecho- flowalstche Kabinett erklärt, es sei den in der Tschechoslowakei lebenden Deutschen materiell und logisch unmöglich gewesen, in der von ihnen allmählich eingenommenen oppositionellen Haltung zu verharren. Die Zusammenarbeit sei eine Notwendigkeit gewesen für die Deutschen mehr noch als für die Tschechen. Sie sei zur Wirksamkeit geworden, weil man doch jetzt in einer Periode lebe, in der die natürlichen Kräfte in Europa erreichten, dah den Realitäten Rechnung getragen werde. Driand habe in Frankreich eine neue Poli- tif eingeleitet. Diese Politik billige er, Masaryk, vollkommen. Die Tschechoslowakei wolle Frankreich auf diesem W^ge folgen. Eine der wesentlichsten Bedingungen dafür fei, daß die Politik von Thoiry fruchtbar werde und daß Frankreich diese Politik im vollen Einverständnis mit Deutschland verfolge. Wenn Frankreich zu einer vollständigen Regelung der schwebenden Fragen mit Deutschland komme, wenn es, um nicht zu sagen, zu einer Einigung, so doch zu Herstellung freundschaftlicher Beziehungen mitDeutschland kommen könnte, so werde er über Deutschland eine viel wirksamere Kontrolle besitzen, als dies über dir es gegenwärtig verfügt. Es fei leichter zu wissen, was der Freund tue und denke, als zu wissen, was der Feind denke und tue.
Vie SchMendebatte iu Amerika.
Tas Wirtschaftsmanifest der Staatswissenschaftler.
Washington, 21. Dez. (Havas.) In einer Besprechung dcs Manifestes der 40 Professoren an der Eolumbia-Ülniversität weisen autorisierte Persönlichkeiten, die dem Schatzamt angehören, darauf hin, daß die Professoren wohl über Summen verfügen könnten, an deren Aufbringung sie nicht interessiert seien. Dieselbo autorisierte Persönlichkeit, die sich zwar weigert, offiziös zu der Frage Stellung zu nehmen, erklärt jedoch, daß in den Vereinigten Staaten niemand aus dem Kriege Autzen gezogen habe und daß in den Vereinigten Staaten wirtschaftlich eine größere Blü te herrschen würde, wenn der Krieg nicht stattgefunden hätte. Amerika habe Gewinne erzielt, weil e3 als erstes Land sich wieder auf eine1 normale Grundlage gestellt habe. Die Beweisführung des Manifestes der Professoren sei oberflächlich und trügerisch. Man kenne nicht die Gründe, die sie veranlaßt hätten, dieses Manifest zu veröffentlichen. Wenn es den Schuldnerstaaten hätte dienen wollen, so hätte es gerade den Interessen dieser entgegen» gearbeitet Wenn man zum Beispiel den Fall Frankreich inS Auge fasse, so stellten die Unterzeichner des Manifestes fest, daß Frankreich gegenwärtig seine Finanzen in Ordnung bringe. Andererseits brächten sie aber zum Ausdruck, dah Frankreich erst wissen würde, waS eS zu bezahlen habe, wenn es die Schuldenabkommen ratifiziert habe, mit andern Worten, die Ülngewihheit würde weiter anbauern und jede Stabilisierung unmöglich machen.
Ruhe in L lauen.
KOwNo, 21. Dez. (WTB.) In Litauen herrscht überall Ruhe. Aur die nächtlichen Patrouillen und die vor dem Gebäude des Generalstabs in Kowno aufgefieilten Panzerautos und Tanks erinnern an die jüngsten Ereignisse. Der Straßenverkehr ist bis 11 Ahr nachts freigegeben. Der Führer der linksgerichteten Volkspartei, welcher zusammen mit den Sozialdemokraten die Opposition bildet, erklärte, die Partei werde wieder an den Sitzungen des Sejm t e i l n e h m e n, behalte sich jedoch vollständige Handlungsfreiheit vor. Sie mache ihre Taktik von der Regierungserklärung abhängig. Die Partei lehne die Entfesselung innerer Kämpfe ab.
Aus aller Welt.
Ecwerbslosenunruhen in Stettin.
Nachdem schon am Montagabend eine Demonstration von etwa 1000 Erwerbslosen vor dem Rat- Hause stattgefunden hatte, die von der Polizei schließlich auseinandergetrieben werden mußte, versammelten sich Dienstag in den Mittagsstunden abermals etwa 1500 Erwerbslose vor dem Rathaus und entsandten eine Deputation zum Oberbürgermeister, die über Bewilligung von Weihnachtsunterstützungen verhandeln sollte. Dieser ver- sprach, die Deputation am Mittwoch wieder zu empfangen. Die Demonstration zerstreute sich darauf. Hierbei wurden scharfe Drohungen gegen die Magi- stratsmitglleder ausgestoßen, u. a. wurde die Er- ftürmung der Wohnungen einiger Magistratsmitglie- der am Weihnachtsabend angekündigt. Die Polizei hat umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen getroffen.
Starter Schneefall in München.
Nachdem bereits am Montagabend starkes Schneetreiben eingesetzt hatte, das sich zeitweise zu heftigem Schneesturm entwickelte, brachte auch der Dienstag in München und Umgebung reichlichen Sckneefall. Im Eisenbahnverkehr traten durch den Schneefall Derspätungen ein.
Erdbeben in Columbien.
Nach Meldungen von der Grenze von Columbien ist die Stadt C a r l o f a m a in Columbia durch ein Erdbeben zerstört worden Man glaubt, daß der Dülkan Cumbal sich in Tätigkeit befindet. 9n Tulcan (Ecuador), 95 Meilen nordöstlich von Quito, wurden mehrere starke Erdstöße wahrgcnommen. Ein von Jpiales (Columbia) abgesandtes Telegramm meldet, daß in der Gegend des Vulkans Cumal keine Opfer an Menschenleben zu beklagen sind.
Wettervoraussage.
Wolkig, keine wesentliche Aendewrng der Temperaturen, durchweg trocken, höchstens vereinzelt leichte Riederschläge in Form von Schnee.
Gestrige Tag?stemperaturen: Maximum 2 6 Minimum minus 0.6 Grad Celsius Heutige Morgentemperatur: minus 1,6 Grad Celsius
Aus der Provinzialhauptstadt.
Gießen, den 22. Dezember 1926.
Derkehrsbund Oberhessen.
Der Desamtvvrstand des Derkehrsbun- des Oberhessen trat gestern nachmittag im Stadthars zu Gießen unter dem Vorsitz des Beigeordneten Dr. Hamm- Gießen zu seiner ersten Sitzung nach der Dundesgründung zusammen. Zunächst wurde die Wahl des geschäftsführenden Vorstandes vorgenommen, gewählt wurden: Beigeordneter Dr. Hamm-Gießen, 1. Vorsitzender. Bürgermeister Dr. V ö l s i n g - Alsfeld, 2., Vorsitzender, Redakteur D l u m f ch e i n - Gießen. Schriftführer. Bürgermeister Völker-L.ch, Rechner, Bürgermeister Dr. S e Y d - Friedberg, Beisitzer. Sodann wurde festgestellt, dah die Anmeldungen« z u r M i t g l l e d s ch a f t, für die in erster Linie! die Kreis- und Stadtverwaltungen der Provinz, sowie die Derkehrsvereine. daneben aber auch Einzelpersonen in Betracht kommen, bisher schon recht zahlreich eingelaufen sind. Das Fundament des Bandes faim infolgedessen heute schon als sehr gefestigt angesehen werden. Das Arbeitsprogramm wurde vorläufig auf folgende Gebiete festgestellt: Stellungnahme zur Fahrplangestaltung der Reichsbahn und der Rei chskraftposten zwecks Verbesserung entsprechend den berechtigten Wünschen der oberhessischen Devöllerung, großzüg ge Derkehrswerbung im R e ich^. für den Vogelsberg, die oberhessischen Bäder und Städte. Einwirkung auf allgemeine Verkehrs- angelegenheiten der Staats-, Provinzlal- und Kreisverwaltungen. In den Vorstand deS Hessischen Verkehrsverbandes, Sitz Darmstadt, wurde Beigeordneter Dr. H a m m - Gießen als Vertreter des Verkehrsbundes Oöer- hessen entsandt. Runmehr sind die Arbeiten zur Gründung und Organisation des Bundes in allen Teilen abgeschlossen, so daß man jetzt mit der praktischen Tätigkeit beginnen känn.
gehnlscheuerumbau zu einem Polizeiamt.
Seit einer Reihe von Jahren entspricht das Gebäude des P o l i z e i a m t s in der Wcidengasfe nicht mehr den gestellten Anforderungen, Publikum und Beamte haben — das ist allgemein bekannt — unter den mißlichen Verhältwssen gleichermaßen zu leiden.
Bereits seit der Verstaatlichung der Polizei wurden darum Aenderungen und Verbesterungen geplant, bis schließlich im Jahre 1923 erstmals Die vollständige Verlegung des Amtes erwöge» wurde. Die sog. Zehntscheuer am Landaras- Philipp-Platz wurde zum Umbau und zur Auf- nähme der Amtsräume vorgeschlagen.
Dieser Plan, schon damals stark kritisiert, wurde, als sich die Raumnot und die schlechte Verfassung im alten Amtsgebäude immer nachteiliger bemerkbar machten, schließlich ernstlich beraten und zu Papier gebracht; die ersten Projekte wurden bearbeitet.
An Hand dieser Entwürfe haben in wiederholten Verhandlungen, wobei auch scharfe Gegenstimmen nicht fehlten, endlich berufene Vertreter der Polizei- Verwaltung und des Baufaches des Staates und der Stadt sich für das Zehntscheuerprojekt grundsätzlich ausgesprochen.
Es wurde festgestellt, daß seine Verwirklichung am raschesten Abhilfe der geschilderten Mißstände in der Weidengasje gewährleiste, und dah dieses Projekt allein Die Möglichkeit biete, auch mit verhältnismäßig geringeren Aufwendungen zum Ziele zu kommen, als es beispielsweise mit Erstellung eines Neubaues der Fall gewesen wäre.
Denn nichts war unversucht geblieben, bis man zu dem heutigen Resultat kam. Neubauten wurden geplant und veranschlagt, Bauplätze von der Stadtverwaltung angeboten, über Ankäufe von bestehenden größeren Objekten wurden ernstliche Verhandlungen geführt und Aenderungsvorschläge dazu ausgezeich- net und berechnet, Zahlenveegleiche der Kosten für Neubauten, Ankäufe und Umbau der Zehntscheuer wurden angepelli. Aber bei all diesen Erwägungen rannte man immer wieder fest. Neubauten wurden zu teuer, die ausersehenen Bauplätze waren entweder ungeeignet bezüglich ihrer Lage und Gestaltung oder wegen der Grundoerhältnisse, welche allzu hohe Fundamentierungskosten oorciussetztcn. Ankäufen, auch solchen in unmittelbarer Nähe Der Zehntscheuer, standen neben zu hohen Forderungen auch die Räumungsschwierigkeiten oder erhebliche Ersatzansprüche usw. im Weg.
Solche Bedenken fielen beim Zehntscheuerprojekt von vornherein weg. ES hatte obendrein den Vorteil, durch f:ine zwei'ellos ideal« Lage für ein Polizeiamt in unmittelbarer Aach- barschaft zum Regierungsgebäude bzw. im Zentrum der Stadt in Frage zu kommen.
Run ist dieser Tage daZ Ausschreiben für die Arbeitsvergebung ergangen, nachdem Staat und Stadt noch in letzter Zeit über elnize wichtige Punkte, von denen im Besonderen die Verkehrsfrage genannt werden möge, eingehend« Auseinandersetzungen gepflogen hatten. Die Schwierigkeiten sind nun auch in dieser Hinsicht behoben. In allen Fragen wurde Einstimmiakeit zwischen Staat und Stadt zugunsten der Ausführung des Zehntscheuerprojekts erzielt.
Das Polizeiamt wird mit dieser Bauausführung die programmgemäß geforderten Räume gewinnen, deren Gestaltung den Belangen der Polizei vollauf genügt; Wohl nicht große, so d^ch zahlreiche freundliche Einzel'immer mit Hellen Fensterplätzen und allem Zubehör, den erforderlichen Raumen für das Publikum und eine Wohnung werden geschaffen Es ist zu begrüßen, daß mit dieser Bauausführung erreicht wird, daß das Polizeiamt nun bestimmt und bald in würdige Räume übersiedeln kann.
Was das Aeußere d s Gebäudes betrifft, w kann gesagt werden, daß es sich nach feinet Herstellung dem Ring der historischen Monumentalbauten am Landgraf-Philipplah würdig einfügen wird, für die Platzgestaltung weiter mitbestimmend, und k-aß in ihm ein Beispiel typischen ober hessischen Fachwerkbaues in der Provinzialhauptstadt erhalten bleibt
Die Feftvordereitungen der Reichsbahn.
RDV. Für die Weihnachts - undReu- jahrswoche wird allgemein mit einem lebhaften Reiseverkehr gerechnet. In den deutschen Bergen liegt bereits, nach den lebten Wettermeldungen, Schnee genug, um jede Art Wintersport auszuüben, uno toeim die Wetter- geifter nicht wider Erwarten uns Im Stich lasten, so werden Ski, Schlittschuh, Rodel und Bob in diesen Wochen nicht in der Schrankecke zu liegen


