Ausgabe 
22.11.1926
 
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Die Geschäftslage -er Hauptgewerbe in Deutsch­land zu. Don den einzelnen Industrien stellen die meisten Auswanderer: die Eisen- und Me­tallindustrie (4831). die Rahrungs- und Genuh- inrttelindustrie (1159), das Bekleidungsgewerbe < 1065) und das Baugewerbe (1694). während beispielsweise die chemische Industrie im ersten Halbjahr 1926 nur 143 Auswanderer gestellt hat.

Scheidet man die Angehörigen ganz aus und beschrankt sich auf die selb- und un­selbständigen Erwerbstätigen, dann zeigt sich fol­gendes Bild: auf die Land- und Forstwirtschaft ,ntf allen 3973 (18,7 v. H). auf Bergbau. In­dustrie und Baugewerbe 8261 (38.8 v. H.)_ auf Handel und Verkehr 4431 (20,8 v. H.). auf Ver­waltung, Heer und freie Berufe 668 (3.1 v. Sy),

auf Gesundheitswesen und Wohlfahrtspflege 318 (1,5 v. H.), auf häusliche Dienste und Lohn­arbeit wechselnder Art 3634 (17,1 v. 5y.). Bei dieser Aufstellung stehen also die Haupt- gewerbe in der Reihenfolge Industrie, Handel und Landwirtschaft. Einen relativ hohen Prozent­satz der Auswanderer stellen auch die Haus­angestellten. Unter den einzelnen Industrie­gruppen stellt nach wie vor die Gruppe Eisen- und Metallindustrie, Elektrotechnik und Fein­mechanik das größte Kontingent mit 3467 er­werbstätigen Auswanderern, dann folgen das Baugewerbe mit 1205 (14.6 v. H.). das Be­kleidungsgewerbe mit 830 (10.0 v. H.) und zu­letzt' der Bergbau mit 353 (4,3 v. H.).

50 Ulk »WMA UKkkK Weil.

Am Samstag beging der Landwirtschaft- .iche Lokaloerein Gießen in schlichter, ein­drucksvoller Weise die Feier seines 5 0jährigen Bestehens. Dem Verein wurden bei dieser Ge­legenheit zahlreiche Beweise der Wertschätzung und Zuneigung zuteil.

Vormittags fand in der Neuen Aula der Lairdes- anioerfität ein

Festakt

statt, zu dem sich neben Mitgliedern die Vertreter von Behörden, össentlichen Korporationen, der ein­schlägigen Wissenschaft und Studentenschaft, sowie andere geladene Gäste zahlreich emgefunden hatten.

Nach einem Orgeloortrag des Musiklehrers und Chormeisters G ö r l a ch hielt dec derzeitige Ver- > insvorsitzende Prof. Dr. Kl e berg er die

EröffttUirgsansprachr.

Er begrüßte zunächst die Jestversammlung, dabei tiamentlid) die Ehrengäste und die noch lebenden vier .Nitbegründer des Vereins und Veteranen der hessi- chen Landwirtschaft: Wilhelm Weil-Lang-Göns, Heinrich Noll VII., Gießen, Ioh. 3 u n g V. und Ioh. Wagner IX von Lang-Göns. Sodann gab s>er Redner einen Rückblick auf die fünfzigjährige (beschichte des Vereins. Dabei erinnerte ec vor allem an den Vater des Vereins, Albrecht Thaer, der während seiner landwirtschaftlichen Lehrtätigkeit in Gießen das Bindeglied zwischen Theorie und aaxis vermißte und dann zum Nutzen der Praxis und zur Förderung der Wissenschaft den Landwirt- ichastlichcn Lokalverein ins Leben rief. Der Verein .'lühte kräftig empor, und sein Gründer konnte chn S92 in bester Entwicklung an den Oetonomierat schiente als Nachfolger im Vorsitz übergeben. Durch Schlenkes Tatkraft wurde dec Verein weiter . usgebaut und konnte feinen Wirkungskreis über die Grenzen des lokalen Vereins erweitern. Schlenkes Nachfolger im Vorsitz wurde im Jahre 1903 der Landwirt Wilhelm K e y s e r, ein Mann von her­vorragenden persönlichen Eigenschaften, der ein treuer Hausvater des Vereins war. Nach dem Tode Keyfers übernahm der derzeitige Vorsitzende Pros. Dr. K l e b e r g e r die Leitung des Vereins. Treu gestützt von allen Mitgliedern, geschickt ausgebaut im Innern, konnte dör Verein alle Stürme mit gutem Erfolg überstehen. 3m Kriege wurden bis 80 Prozent aller Mitglieder militärisch in Anspruch genommen, 16 Mitglieder deckt die fremde Erde und 22 weitere sind an den Folaen des Krieges gestorben. (Das Andenken an diese Helden wurde )urch Erheben von den Sitzen geehrt.) Das Be­tätigungsfeld des Vereins ist nach dem Kriege immer weiter geworden, neues kräftiges Leben regte sich, und nach einer Umorganisation hat sich der Verein rasch und kräftig weiter entwickelt. Sodann gab dec Redner folgende Ehrungen bekannt: Der lang­jährige 2. Vorsitzende Wilhelm Weil, Lang-Göns wurde zum Ehrenvorsitzenden, Heinrich Noll VII., Gießen, Ioh. Jung V., Lang-Göns und Ioh. Wagner IX., Lang-Göns, zu Eh reu- m i t g l i e d e r n , dernimmermüde, opferwillige Kassierer" PH. K e h l e r, Lang-Göns, zum Ehren- v o r st a n d ernannt. Dec Verein ist den Ausgezeich­neten herzlich dankbar und hofst, sie noch lange in ferner Mitte zu sehen. Zu dem Jubeltage waren bis zstb Stunde der Feier 182 Glückwunschkundgebungen ei«elaufen, darunter auch solche vom Hess. Ministe­rium für Arbeit und Wirtschaft, vom Hess. Landes­amt für das Bildungswescn, vom Hess. Ministerium dsr Finanzen und vom Reichswirtschastsministevium, dke sämtlich mit Dank begrüßt wurden.

Die Glückwunsch-Ansprachen.

Die lange Reihe der. Gratulanten eröffnete Se. Magnifizenz der Rektor der Landesunivrrfilät Prof. Dr. Z w i cf. Er sprach zunächst den Glück­wunsch der Universität aus. wies dann rühmend auf die engen Beziehungen zwischen dem Verein unö der Landesuniversilät hin und betonte die reichen Segnungen, die aus dieser Derbiadrmg zwischen Praxis und Wissenschaft für beide Teile entstanden. Weiter begrüßte er die besondere Fürsorge, die die Regierung dem landwirtschaft­lichen Dersuchswesen angedeihen lasse, und wünschte schließlich dem Verein eine gesunde und gedeihliche Weiterentwicklung unter treuen, zuver­lässigen Führern.

Oberregierungsrat Dr. Heß überbrachte die Grüße und Glückwünsche der Provinzialdirektion Oberhefsen und des Kreisamtes Gießen. Er feierte die Landwirtschaft als den Rährstand unseres Volkes und rückte dann die bevölkerungspolitische Aufgabe der Landwirtschaft in den Vordergrund, dem: von ihr strömten dem Volksganzen immer neue Kräfte, immer frisches Blut zu, wodurch die Lebenskraft des Volkes immer wieder erneuert werde. Er betonte weiter die ideellen Worte der Landwirtschaft, die ihrer hohen Aufgabe nur dann gerecht werden könne, wenn sie sich als ein Teil des Dol'sgcmzen fühle, der darauf angewiesen fei, mit den anderen Volksschichten zusammen zu arbeiten. Eintracht aller Bolksklassen und gegen­seitiges Verstehen, die Beseitigung alses Tren­nenden sei uns nötig, wenn wir wieder nach oben wollen. An dieser hohen Aufgabe auch in Zukunft kräftig mitzuarbeiten, sei eine vornehme Arbeit des Iubelvereins.

Beigeordneter Dr. S e i b sprach in Vertre­tung des erkrankten Oberbürgermeisters namens der Stadt Gießen. Es sei ihm eine besondere Freude, an dieser Stelle auf die vortreffliche Arbeit der heimischen Landwirtschaft Hinweisen zu können. Die Stadt Gießen bringe den land­wirtschaftlichen Fragen stets regstes Interesss entgegen, denn durch den Ankauf des Hardthof es sei sie ja einer der größten Grundbesitzer im Streife Gießen geworden. Tlnsere Stadt habe ein leb­haftes und unmittelbares Interesse an einer leistungsfähigen Landwirtschaft. Für die Steige­rung des landwirtschaftlichen Ertrages habe der Verein Mustergültiges geleistet, dafür seien ihm die städtischen Verbraucher zu Dank verpflichtet. Die herzlichen Wünsche der Stadt'zu diesem Feste und für die Zukunft überbringe er gerne.

Der Präsident der Landwirtschastskammer für 5 cf feit, Oekonomierat Hens el-Dotzelrod, brachte die herzlichen Wünsche der Kammer und deren Freude über die vortreftliche Arbeit des Vereins zum Ausdruck. Er wünschte auch für die Zu­kunft ein gutes Zusammen arbeiten aller staatlichen und wisfListchastlichen Stellen mit der praktischen Landwirtschaft, denn nur eine lebensfähige Land­wirtschaft könne das für unser Volk und Wirt­schaft Erforderliche leisten. Diese Tagung möge ein guter Schritt vorwärts in diesem Bestreben sein.

Oekonomierat Breidenbach, Dorheim, als Vorsitzender des Landwirtschaftstammerausschus- ses für Oberhessen überbrachte die herzlichen Wünsche der gesamten oberhessischen praktischen Landwirtschaft. Er rühmte das feste Zusammen­halten der kleinen unö großen Landwirte im Iubelverein. und wünschte, daß diese vorbildliche Einigkeit überall herrschen nwg6. Weiter be­tonte der Redner das g-ute Zusammenarbeiten zwischen dem Verein und der Universität, wo-

Deutschland, das Land der Nobelpreise. Don Dr. Friedrich Krüger.

Dachdem erst vor einiger Zeit die Auslaich- presse gemeldet hatte, baffem dänischen Medi­aner Fibiger für seine Verdienste auf dem Ge­biet der Krebsforschung der Robelpreis für Medizin verliehen werden solle, wurde dieser Tage bekanntgegeben, daß das Kollegium der Earoüngia, wie die Stockholmer Tlniversität ge­nannt wird, beschlossen hat, den im vorigen Iahr zurtlckgesteilten medizinischen Preis von 1925 nicht zu verleihen, sondern statutengemäß zum Stif- tungssonds zu schlagen und den Preis für 1926 für das nächste Iahr zurückzustellen. Die Tat­lache, daß seit 1915 nunmehr insgesamt sechs Nobelpreise für Medizin zum Stiftungstapital geschlagen worden sind, erregt Aufsehen: und die schwedische Presse hat schon bei früheren Ge­legenheiten gegen dieses System ihre Bedenken geäußert. Auch von anderer Seite ist darauf aufmerksam gemacht worden, daß gerade auf dem Gebiet der medizinischen Forschung die Fort­schritte in der Hauptsache durch zahllose Einzel- lcistungen ermöglicht werden, so daß, wenn das Mediziner-Kollegium der Stockholmer älniversi- lät an seiner Auffassung festhält, die Gefahr besteht, daß der medizinische Robelpreis nur noch in seltenen Fällen zur Verteilung gelangt.

Im vorigen Iahr kam von den fälligen sechs Aobelpreisen nur ein einziger zur Verteilung, nämlich der Physikpreis des Iahres 1924, den der durch seine Forschungen auf dem Gebiet Der Röntgenstrahlen bekannte schwedische (im Iahr 1886 geborene) Forscher Professor Siegbahn in ilpfala erhielt. Der Themiepreis des Iahres 1924» wurde einem besonderen Fonds überwiesen, während die Chemie- und Phhsikpreise des Iahres 1925 für dieses Iahr (1926)*) reserviert wurden.

AlS im vorigen Iahr die 'Robelpreisftiftung das Fest ihres 25jährigen Bestehens feierte, ver­lautete, daß die Stiftung unter einer gewissen

*) lieber die Verteilung der diesjährigen Preise haben wir bereits an anderer Stelle be­richtet. Die Red.

finanziellen Depression zu leiden habe. Unb es ist möglich, daß die in den letzten Iahren geübte Zurückhaltung bei dec Verteilung der Nobelpreise auf diesen Timst and zurückzuführen ist. Das Kapital, das Alfred Robel nach seinem am 10. Dezember 1896 erfolgten Tode hinterließ, hat er fast ganz für wissenschaftliche Zwecke bestimmt. Don den Zinsen des Vermögens es handelt sich um etwa 35 Millionen Mark sollten alljährlich an seinem Todestage hervorragende Wissenschaftler und Künstler durch Preise ausgezeichnet werden. Diese einzelnen Preise betrugen in den ersten Jahren etwa 200 000 schwedische Kronen; sie sind allerdings später kleiner geworden (etwa 120 000 schwedische Kronen). Gegenwärtig beträgt das Stiftungskapital etwa 30,5 Millionen schwedische Kronen. Allein in den letzten zehn Zähren wurden von der Stiftung etwa 3,5 Millionen Kronen an den Staat an Steuern abgeführt und es wird nun schon seit längerer Zeit von den schwedischen Gelehrten völlige Steuerbefreiung der Stiftung durch ein be­sonderes Gesetz angestrebt, um eine Stabilisierung der Stiftung durchzuführen.

Es ist bezeichnend, daß an Öen bis 1925 zur Verteilung gelangten Nobelpreisen Deutschland mit 28 den größten Anteil hat. Nach Frankreich fielen 21 Nobelpreise, nach England 14, nach Amerika 9. nach Schweden 8, nach Dänemark und Holland je 6, nach der Schweiz 5, nach Oesterreich, Belgien, Nor­wegen und 3talicn je 4, nach Spanien 3, nach Polen 2, nach Nußland und 3nbieu je 1. Bon deut­schen Gelehrten wurden mit dem Nobelpreis ausge­zeichnet: die Mediziner Behrend, Robert Koch, Ehr­lich, Kosiel und Meyerhof, die Physiker Röntgen, Wilhelm Wien, Max von Laue, Planck, Lenard, Lippmaun, Stark und Einstein, die Chemiker Emil Fischer, Beyer, Büchner, Ostwald, Wallach, Werner, Wilstätter, Haber. Nernst .und Pregel. Den Lite­raturpreis erhielten Mommsen (1901), Euckeu (1908), Heyfe (1910) und G. fjauptmann (1912). Schließlich sei noch erwähnt, daß Bertha von Sutt­ner für ihr BuchDie Waffen nieder!" mit dem Friedenspreis ausgezeichnet wurde. Mit der dies- jährigen otifiung hat sich Deutschlands Vorsprung abermals vergrößert.

Alfred Nobel, der 1833 geboren wurde und den größten Teil seines Lebens im Ausland ver-

ducch Gewaltiges zum Hut)er. beider Leite ge­leistet worden fei. Dieses schöne Verhältnis möge auch weiterhin stets bestehen bleiben. Wissenschaft und Pcaris gehörten in der Land­wirtschaft zusammen, der Landwirticha'tstammer- ausschuh werde in bietet Hinsicht stets för­dernd fein.

Prof. Dr. Sessous, Gießen, als derzeitiger geschäftsführender Direktor der landwirtschaft­lichen Institute der älnivecsität Gießen feierte nach seinen Glückwun'chivorten das her.liche Ein- vernehmen zwischen dem Verein und der Alni= verfügt, und betonte, die landwirtschaftliche Wissenschaft in Gießen werde auch weiterhin bestrebt sein, dftft guten Beziehungen sorgsam zu pflegen und weiter zu entwickeln. Ieder Wunsch um Hilfe und .Unterstützung seitens der Pcaris werde bei der Wissenschaft stets offene Ohren und mitfühlende Herzen finden, und er hoffe, das; umgekehrt dasselbe sein werde, wie bisher schon.

Landwirtschaftsschuldirektor Dr. D l r i ch, Wetzlar, gratulierte für die Verwaltung und die landwirtschaftlichen Vereine deS Krelles Wetzlar, lobte die guten, freundnachbarlichen Beziehungen zwischen hüben und drüben, und wünschte deren ungetrübten Fortbestand.

Rechtsanwalt Haa 5, Gießen, überbrachte die Glückwünsche der Raiffeieu-Bank und der Raift- eisen-Genossenfchaften. Die Aacifeisen-Organisa- tion sei zwar noch jung in Oberhelfen, aber sie werde weiter ausgebaut, um den Landwirten zu helfen. Er stellte den Gedanken der Selbsthilfe der Landwirte wirksam heraus, und bat, auf dieser Grundlage den Schwierigkeiten der Zeit entgegenzutreten. Raiffeisen werde den Land­wirten dabei gerne zur Seite stehen.

Reichstags- und LandtagLabgeordneter Prof. Dr. Werner, Butzbach, (Dn.) erinnerte in seiner Glückwunschansvrache zunächst an den frü­heren Vereinsvorsitzenden S ch l e n £ e, dessen vor­bildlicher 'Führerschaft der Redner huldigte. Er wünschte, daß dem Verein allezeit Führer wie Schleifte vorangehen möchten. Die Kämpfe der früheren Zeit, die damals bedeutsam waren, würden weit überholt durch das Ringen von heute. Großes stehe für die Landwirtschaft auf dem Spiele. Der Redner erinnerte in diesem Zusammenhänge an das Welt-Wirtschaftsmanisest und an die immer (tarieren Zusammenschluß» bestrebungen in der deutschen Industrie. Die Entwicklung ziele dahin, die Welt in Wirtschafts- Provinzen aufzuteilen. Die Landwirtschaft müsse dabei aufpassen, daß man nicht über sie zur Tagesordnung übergehe. Wenn die Landwirt­schaft falle, werde auch die deutsche Wirtschaft in dec Gesamtheit fallen. Er wünsche dem Verein und der ganzen deutschen Landwirtschaft Glück und Heil für die Zukunft.

Der Ec st chargierte der A g r o > r i a an der Universität Gießen brachte deren sowie der ganzen landwirtschaftlichen Fachschaft Gruße und beste Wünsche zum Ausdruck, hob weiterhin das treue Zusammenhalten der Wissenschaft mit der Praxis hervor und bat, daß das auch künftig zu beider Nutzen so bleiben möge.

Ehrenvorsitzender Wilheun Weil (Lang-Göns) unö Ehcenoocstand Philipp Keßler (Lang-Göns) dankten in herzlichen Worten für die hohen Aus­zeichnungen durch den Verein. Nunmehr folgte dec Festvortrag von Univerfitätsprofeffor

Dr. Kraemer-Giesten.

3» wunderbaren Darlegungen schilderte der Redner die hohe Bedeutung der Landwirtschaft für unser Volkstum und unser Volksleben. Die Ge­schichte dec Kuttucvölker zeige, daß das Absterben der Bauern zum Untergänge der Völker führte, daß der Bauernstand der Quell alles Lebens der Na­tionen fei. Die Blutausfrischung der Städte könne nur dec Bauernstand Dringen. Das geschehe durch die Binnenwanderung. Der Zustrom vom Lande liefere vorwiegend die Kulturelemente, und wo er aufhöre, da beginne der Niedergang. Nach dem Dreißigjährigen Kriege waren die Städte tot, und die Bauern brauchten fast ein Jahrhundert, um sich zu erholen. Dann aber wanderte dec Uebecfchutz ihrer Kräfte wieder ab in die Städte, und so wurde der Geistesfrühling in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts geboren (Klopstock, Wieland, Lessing, Herder, Schiller, Goethe). ^Dieser Strom frischen bäuerlichen Blutes in die Städte floß weiter, und es kam schließlich zu der herrlichen Entwicklung in allen Gebieten, die durch die Neichsgruodung ge­frönt wurde. Dann folgte die gewaltige Industriali­sierung und der Rückgang des Bauernstandes. Die

brachte, aber gefühlsmäßig immer ein treuer Sohn feiner schwedischen Heimat blieb, hat bekanntlich sein Riesenvermögen durch die Erfindung des Dynamits erworben. Diese Erfindung gelang im Jahre 1866 Nobel, der sich schon in seiner Jugend in Gemeinschaft mit seinem Vater mit der Her­stellung von Sprengstoffen beschäftigt hatte, in einer bei Hamburg gelegenen Fabrik. In vielen Ländern wurden bald darauf Dynamitfabriken errichtet. Dem idealistisch gesinnten Geist Alfred Nobels widersprach es, in der Erinnerung der Menschheit als Erfinder des furchtbaren Zerstörungsmittels fortzuleben. Und so beschloß er, das Riesenvermögeu, das er seiner Erfindung verdankte, dem Aufbauwillen der Menschheit und den segensvollen Forschungszwecken der Wissenschaft dienstbar zu machen. &er hohe Adel dieser Gesinnung, dec in der Nobelstiftung seinen Ausdruck fand, hat dem Warnen des Stif­ters einen Weltruhm eingetragen, der immer durch die Jahrhunderte leuchten wird.

WannlötetderelektrischeSLrom?

Man hat sich in neuester Zeit eingehend mit den Schädigungen beschäftigt, die dura) den el:i> irischen Strom im menschlichen Organismus her­vorgerufen werden können, und über die Grgeb-- niss-e dieser Studien berichtet H. Aldenslebrn in der ^Elektrotechnischen Zeitschrift". Danach hängt die Lebensgefahr nicht von der Spannung, sondern von der Stromstärke ab; außerdem spielt die Dauer der Stromeinwirkung und die Strombahn im Körper, je nachdem Herz oder Gehirn durch- ftrömt wird, eine Rolle. Kommt der menschliche Körper mit einer unter Spannung stehenden Leitung in Berührung, dann richtet sich die Stärke des Stromes, der durch den Körper schlägt, nach dec Höhe der Spannung und dem Widerstand des Körpers. Messungen haben gezeigt, daß der menschliche Körper nicht wie ein metallischer Letter einen konstanten Widerstand besitzt, sondern einen sehr veränderlichen. So zeigte eine Messung mit Gleichstrom, daß dec Widerstand, von einem .Unterarm zum anderen gemessen, bei 10 Volt Meßspannung anfangs 19 000 Ohm betrug, dann auf 9000 Ohm sank und untec sonst gleichen Der- hältnissen bei 2 Volt 160 000 Ohm. bei 6 Doll 40 000 Ohm erreichte. Solche starken Schwankun­gen sind dadurch zu erklären, daß der Widerstand

Landwirtschaft hat eine größere Zahl von Selbstän« digen, daher herrscht in ihr auch mehr Frohmut, Zu« sriedenheit und Heimatgefühl, auch wenn der Da- seinskampf noch io schwer in. Der Redner betonte, er glaube auch an die Heimatliebe der Arbeiter und an ein tieies Heiinweb dieser Entwurzelten und Bo» fcenberaubten. Unter Vaterland könne nur durch ein großzügiges Siedtungswerk innerpolitisch gesunden. Dio Moore und Oedländereien böten mehreren Mil­lionen Deutschen Platz zu Bauernstellen: leider sei die Urbarmachung bisher von den Regierungen ver­säumt worden. Hier könnten Existenzgrundlagen ge» schaffen werden, das sei besser als Arbeitslosen- u.aerstützuna. Im Gegensatz zu dem Großstädter mit seiner Flachheit und Oberflächlichkeit sei der Landmann, der das immerwährendeWerde" in der Natur stündig beobachte, in seinem Denken wi» lensvoll, sachlich, gemessen, r.chig, langsam; er kenne leine Phrasen und kein Schwätzen. Daher komme Sin gerades und kraftvolles Gefühl seines eigenen Ich. und dieses gesunde Selbstgefühl dehne er aus auf alles, was zu ihm in Beziehuna stehe, auf Be­sitz, Scholle. Familie, Dori. Landschaft, Vaterland. Der Landmann, der mit Liede seinen Berufsstand durchdringe, wünsche auch Anerkennung seiner Ar­beit in den Kreisen der Städter. Das deutsche Volk Hobe hoffentlich die Bedeutung der heimischen Land­wirtschaft erkannt und ebenso die Notwendigkeit ein» gciehen, sie nach besten Kräften überall zu fördern. Es solle keine Experimente machen, die Sozialisie­rung lehne der Bauer stets und entschieden ab, denn er wolle kein Funktionär oder kleinster Beamter fein, sondern er wünsche frei, doch geschult und ge­bildet als Persönlichkeit zu leben. Der geistvolle Vortrag wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen.

Dach einem kurzen Dankeswort des Dor* sitzenden Prof. Dr. Kleberger wurdx^ die Feier mit einem Orgelvortrag geschlossen.

Der weitere Verlaus des Tages.

Gegen 2 Uhr nachmittags begann im Saale des Gesellschaftsvereins ein einfaches Fest­mahl, das die Teilnehmer der CBormittagd- feier un'd darüber hinaus noch zahlreiche Der- einsmitglieder ixreimgte. Bei dieser Gelegenheit: entbot noch die hessische Landtagsabgeordnete Frl. B i r n b a u m (Deutsche Volkspartei) dem Iu­belverein herzlichste Wünsche zum Fetze und für seine Zukunft. Mit besonderem Stolz blicke sie als Gießenerin auf diesen Verein, der so wertvolle Arbeit für Gießen und seine Umge­bung leiste. Als Frau aber rühme sie die Ehrfurcht vor Gott, die allezeit beim Landvolk herrsche. Indem der Landmann seinen 'Boden bebaue, wachse seine Liebe zum Boden, indem er nach oben schauend den Wolken und der Sonne nachschaue, wachse fein Vertrauen in die Macht des Göttlichen, die über uns thront. So werde der Landmann zum Hüter der Ehrfurcht vor dem Göttlichen. Die Rednerin grüßte die heimische und die gesamte deutsche Landwirt­schaft und wünschte ihr eine glückliche Zukunft, auch zum Besten des deutschen Vaterlandes.

Gegen Wend kam dann die srohgestinunte Geselligkeit in verschiedenerlei Art im Saale des Gesellschaftsvereins anregend und genuß­reich zu ihrem Recht.

Gerichtssaal.

Line Schlägerei und ihre Folge».

DSR. Limburg, 20. Aov. Dor dem Gro­ßen Schöffengericht wurde gegen 14 junge Leute aus Langendernbach wegen Landfriedensbruch verhandelt. Bei einer Tanzmusik in Willmenrod am zweiten Weih­nachtsfeiertag 1925 hatten die Angeklagten mit Burschen aus dem Rachbardorf Guckheim Krach beEommen. Auf dem Wege nach einer anderen Dorfwirtschaft, in der ebenfalls getanzt wurde, griffen die Langendernbachrr die Guck­heimer an, so daß diese in das nahe Wirtshaus flüchten mußten. Die Angeklagten drangen, ob­wohl sich der Wirt entgegenstellte, in die Wirts­stube ein, griffen die Gäste an und schlugen alles, wa-s nicht niet- und nagelfest war. kurz und klein. Von den Angellagten erhielt der Haup-tkcnnpfhahn acht Monate, vier weitere je sechs Monate, vier andere je vier Monate Gefängnis. Die übrigen tourben freigesprvchen.

Sprechstunden der Redaktion.

12 bis 1 Uhr mittags. 5 bis 7 Uhr nachmittag«. Somslag nachmittag geschlossen.

des Körpers sich aus zwei ganz verschiedenartigen Tellen zusammensetzt, nämlich aus dem der Haut und dem inneren Widerstand. Der letztere ist sicher elektrolytischer Äatur. so daß durch Polari­sationserscheinungen Gegenspannungen auftreten, die einen hohen Widerstand vortäuschen. Um diese Fehlerquelle zu beseitigen, muß man die Wider- stmtdsmessungcn mit Wechselstrom durchführen: aber auch dabei ergibt sich, daß Der Widerstand mit der Dauer der Einschaltung u.tb der Zunahme abnimmt, wenn auch in geringerem Maße als bei Gleichstrom. Der Widerstand nimmt bei steigen­der Frequenz stark ab. Natürlich werden alle diese am lebenden Menschen vorgenommmen Messun­gen mit niedriger Spannung ausgftührt. Aber bei tödlich versaufenden elektrischen älnfällrn, bei denen der Widerstand berechnet werden konnte, und bei der eleltrischen Hinrichtung in den Ver­einigten Staaten hat man festgestellt, welche elek­trischen Ströme den Tod herbeiführen. Bei etwa 2000 Volt beträgt der Körperwiderstand etwa 250 Ohm, während er bei zunehmender Spannung und Zeitdauer abnimmt. Wahrend Ströme von 0,05 Amp., krine Gefahr bringen, sind Ströme um 1 Amp. herum, wenn das Herz in der Strombahn liegt, unbedingt lebensgefährlich. Seltsamerweise sind noch stärcere Ströme nur dann aesährlich. wenn ihre Dauer einige Sekunden überstLigt. Die verhältnismäßig schwachen Ströme von 1 Amp. wirten so stark auf daö Herz ein, daß sie das sog. Herz flimmern Hervorrufen und schnell zum Tode führen. Stärkere Ströme dagegen greifen das Herz tveniger an, verursachen jedoch schwere Brandwunden. Die Annahme, daß dereleltrische Tod" ein Erstickungstod sei, wie beim Ertrinken, har sich nicht als richtig erwiesen. Richt die Atmung versagt zuerst und erst dann steht das Herz still, sondern das Herz hört gleichzeitig mit der Atmung auf zu schlagen. Das Blut hat daher nicht wie beim Tob durch Ersticken Vlangel an Sauerstoff, sondern der Sauerstoffgehalt ist noch in normaler Menge vorhanden, weil das Blut keine Gelegeicheit halte, ihn an die Organe abzugeben. Deshalb muffen die Wiederbelebungsversuche bei elektrischen -Unfällen vor allem auf eine möglichst schnelle Beförderung des Blutkreislaufes geächtet sein. Gelingt es, ihn rechtzeittg in Gang zu bringen, so tritt der Erstickungstod nicht ein.