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Turnen, Sport und Spiel.

Die Schule des Boxens.

Am Aufschwung der Leibesubungen in Deutsch­land ift auch der Boxsport beteiligt. Wahrend er in den ersten Jahren nach dem Kriege noch schwer um die Existenz zu kämpfen hatte, Hal er sich dann am io schneller durchgesetzt und besitzt heule einen gro­ßen Anhang in allen Teilen der Bevölkerung. Schneller, als erwartet, ist diese Entwicklung vor sich gegangen, und es bestehl durchaus die Aus- sicht, daß der Faustkampf nicht nur ein Kampfsport, «andern ein Ergänzungs- und Unterhaltungssport, kurzum ein Massensport wird, wie er es in den angelsächsischen Ländern schon längst ist.

Ein systematisches Boxtraining ist ein vorzüg­liches Mittel zur körperllchen Erziehung, denn Boxen stellt große Ansprüche an den Ausübenden. Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer, Gewandtheit, In­telligenz, Mut, Selbstvertrauen und Beherrschung der Zehntelsekunde sind Vorzüge, die der Boxkampf bietet, oic sind in ihrer Wirkuna auf die Erziehung tur Persönlichkeit sehr wichtig. Aber erst jahrelanges Ueben und Denken, die Anwendung aller geistigen Kräfte gehört dazu, um au einer wirklichen Leistung zu gelangen. Ss ist verkehrt und schädlich zugleich, wenn manche, namentlich junge Leute, glauben, schon noch wenigen Monaten Uebung, womöglich noch Ünter zweifelhafter Anleitung, der Oeffentlich- keit ihr Können zeigen au dürfen. Beim Boxen iührt nur ein richtiges, systematisches, gleich fort­schreitendes Training zum Ziel. Dazu gehört vor allen Dingen Seilspringen und Laufen, um Aus­dauer und Gelenkigkeit zu erzielen. Der Boxball, der Medizinball, die Keulen, das Schattenboxen sind unenkbehxllch, um eine gute, gleichmäßige Körper- aushtldung bcrbcizufuhren. Dazu kommt die Gym- uästtk, die infolge ihrer. Vielseitigkeit für einen Boxer unerläßlich ist und die die Grundlage für das BvttN bildet: Täglich ausgeführt, macht sie den ttß^cr widerstandsfähig, bildet sie die notwendigen Muskeln aus und ist gleichzeitig das beste Hilfsmit­tel zgr Erlect)Utzg der einzelnen Stöße und der unbedingt nokwendigen Gewand'cheit.

Berni. ber Boxsport aber seine Werte einer gro­ßen Maste der Bevölkerung vermitteln, wenn er Wittlich die Entwicklung zum Massensport fortsetzen will, so müssen die Fehler und Mängel beseitigt wer- den, die ihm heute anhaften, so müssen die Grund- lägen geschaffen werden, auf denen allein eine wei- & Verbreitung möglich ist, nämlich genügendes Lkhrp.ersonal und einheitliche Grundlagen für die Ausbildung. Es darf nicht vorkommen, daß z. B. cm westdeutscher Boxer, der nach Ostdeutschland übersiedelt, dort eine andere Auffassung vorfände. UetöraU muß die gleiche Grundlage vorhanden sein, und erst wenn das ber Fall, wird der deutsche Box- fport einer Blütezeit entgegengehen.

Die Art und der Weg, auf dem der Boxsport nach Deutschland kam, machen es verständlich, baß erst Erfahrungen gesammelt und Richtlinien aufge« stellt wurden. Berufsboxer waren ursprünglich die Mehrer der Amateure. Aber nicht immer find gute Boxer auch gute Lehrer. Außerdem war die Aus- bilbung bei den Berufsboxern viel zu verschieden, an richtigen Lehrern herrschte fühlbarer Mangel. Da­durch litt naturgemäß die grundlegende Ausbildung, sowie die gesamte Organisation. Darum ging auch die Entwicklung anfangs sehr langsam vorwärts. E m besonderes Verdienst hat sich die Deutsche Hoch­schule für Leibesübungen erworben, die auch den Boxsport mit in ihren tzehrplan ausnahm. Hier wurden allgemeine Richtlinien oefchaffen, die durch uorgebilbete Lehrer in die Praxis umgesetzt werden sollten. Bor allem sollten diese Lehrer in den Ver­einen und Verbänden für die richtige Anleitung sor­gen. wo bis dahin vielfach Boxlehrer mit zweifel­haftem Können Unterricht erteilten. Daß der Box­sport vielfach noch als roh verschrien ist, ist nament­lich auf hie mangelhafte Ausbildung zurückzuführen.

Auch heute fehlt es noch an einer genügenden Anzahl von Lehrern, fowie an einheitlichen Grund­lagen ber Ausbildung. Boxen als Sport kann jeder! ireiten, Boxen als Leibesübung soll jeder treiben, denn es ist eine vollkommene, wirksame Ausbildung desKhxpers, der seinerseits wieder dem Willen mehr intterworfen wirb, wie bei vielen anberen Sportarten. Wer selbst Boxen mit einer intensiven Vorbereitung betrieben und seine Wirkungen verspürt hat, schafft sich bann auch schnell bas Urteil, ob dieser Sport

Der dritte Schuh.

Kriminalroman von Ole S t e f a n i.

IT. ForUztzung. Nachdruck verboten.

Krämer schluckte ein paarmal, bann sagte er mit gleichgültiger Stimme:

So würde ich niemals lachen!"

Der andere lachte stärker. Doll- Bewunderung über Kramers Ruhe grinste der Chauffeur, an der lÄt ftehenb, mit.

Schsilz, der halb zu Bewußtsein kam, stöhnte am Boden.

Der falsche Kramer hörte auf zu lachen:Wie ipät, ömil?"

Geich halb zwei."

ZAt zur Ueberfahrt. Mach das Boot los, unser Freund kann nicht mehr lange ausbleiben." Er hotte, während ber Chauffeur hinausging, einen Taschenspiegel und eine Tube Vaseline hervor. Er griff sich in bie Haare unb nahm sie vom Kopf her­unter. Dichtes, schwarzes Haar würbe sichtbar. So­dann fgßte er Augenbrauen unb Bartkoteletten unb ;og sic, das Gesicht schmerzhaft verziehend, von ber Haut.

Der Mastix hat es zu gut gemeint!" murmelte er dabei.

Der Schein der beiden Lichter fiel auf ein voll- iiändig verändertes Gesicht von einer gewissen aben­teuerlichen Schönheit unb Energie.

Kramer bäumte sich jäh in seinen Fesseln: Ra c o szy!"

Er hatte vergeblich versucht, den Schrei zurück- zuhalten.

Schulz war völlig erwacht unb starrte mit auf« gerissenen Augen die Szene vom Boden her mit an.

Racoszy sah neugierig lächelnd zu Kramer hin- über, während er das Gesicht mit einem Tuche ab­rieb.Dös haben Sie doch erwartet, nicht wahr?"

Krgnier faßte sich.Eigentlich, ja!"

Run!" fügte der andere, ein wenig gekränkt, wie es schien.Meine Sandberg-Maske war nicht so gut. Immerhin werde ich, wenn ich mich einmal zur Ruhe setze, ein Lehrbuch der Kosmetik schreiben, das epochal wirken wird."

Er stand auf. ,Lch werde erwartet. Es tut mir leib, mich Ihrer Gesellschaft berauben zu müssen.

roh ober gefährlich ist. Die Antwort ist nicht zwei felhon weder bas eine, noch das andere.

Turnen.

Aus dem Mittelrhemkreis der D. T.

(ßauDcrbaubstumffunbc des 1. Gouveebands.

Kurhausturnen in vadUauheim

bpw. Der erste Mlttelrhcinischr Gauocrbanb, dem bie Gaue Hellen. Frankfurt, Offen bad)., Hanau. Kinzig unb JHain angehören, hielt am' 16. unb 20. Juni in ber Turnhalle des Turn­vereins 1860 Bad-Rauheim feine erste dies­jährige Vauverbandsturnstunde ab.

Der Samstagnachmittag galt dem Frauen­turnen, ber Sonntag dem Männerturnen. Beide Veranstaltungen waren nicht fo gut besucht, wie eS erwünscht gewesen wäre. Die Verbandsleitung hatte vor allem eine bessere Beteiligung der benachbarten Vereine des Gaues Helsen er­wartet. Bom Turnausfchuh unseres Heimatgaues waren ®auoberturntoart TV. Will «Gießen), ®aufraucntumtoart R Paul (Gießen) und bie BezirkSturnwartc Schüler (Wetzlar) unb Hartmann (Bad-Bau he im) vertreten.

Die Frauenlurn stunde wurde vom Derbanbsfrauenturnwart F. Fleck geleitet. Gegenstand ber Hebung und Besprechung waren u. a.: Äörperbilbenbe Gymnastik (Leiter F. Fleck): Pferd mit Pauschen (K. Kuhlen): Schwungformen mit Belastung (Frl. Kaste n). Der vorgeführte ilebungdftoff bot reiche An­regung. Bei ber sich anschließenden Beratung konnten Einzelheiten noch besprochen werden: außerdem gaben die Mainzer Ausscheidungs­kämpfe für die deutschen Kampfspiele in Köln Anlaß zu einem kritischen Rückblick. R. Paul (Gießen) referierte über bie Spiele ber Frauen. Gr trat dafür ein, daß nicht nur Scherz- spiele, sondern auch Kampfspiele gepflegt werden müßten. Bezüglich der letzteren gab er dem Faustball den Vorzug vor dem Handball unb fand damit die Zustimmung der Versamm­lung. Die Gründung von Faustball-Frauenmann­schaften sei allenthalten anzustreben. Allgemein kam zum Ausdruck, daß Spiele zu wählen seien, bei denen ber Lauf nicht zu kurz komme. An­geregt wurde, im Herbst einen Lehrgang für Frauenturnen abzuhalten, vorausgesetzt, daß vom Kreis ein solcher nicht angeseht wird

Die Männerturn stunde leitete ber Verbandsoberturnwart F. Friede (Frankfurt a. Main), ber gleichzeitig, Kreisturnwart für das Männerturnen ist. Die Stunde begann mit Lauf- und Sprungübungen unb widmete sich dann besonders dem Geräteturnen. Am Reck (hoch) war Schüler (Wetzlar), am Pferd (breit) R. Reuter (Gießen) ein sachkundiger Vorturner. Weiter wurde am Reck (tief) mit Barren geübt. Ein sehr schönes Kürturnen am Barren gab ©elegenfieit zu gründlicher Kampfrichterbeleh­rung. Besonderem Interesse begegnete das (Se­rn einturnen an dem noch neuen Gerät, der Sprossenwand, die etwas ganz anderes ist als die senkrecht stehende Leiter. Auch die Spiele riefen rege Anteilnahme hervor. Das ganze Turnen wickelte sich flott ab und gab bei sehr guter Ausführung des HebungSstofses wie das 5rauentumcn wertvolle Anregungen für den Turn betrieb in Gau und Verein. Gewünscht wurde, daß bei der nächsten Turnstunde, die in Bockenheim stattfindet, die Doppelgeräte berücksichtigt werden.

Den Höhepunkt der Tagung bildete der von F. Friede geleitete Werbeabend für deutsches Turnen im Kurhause, woran die Gaue Hessen, Frankfurt a. M. und Offenbach- Hanau beteiligt waren. Der Gau Hessen war durch Tv. Wetzlar und Tv. 1 860 Bad- Ra u y e i m vertreten Die Wetzlarer zeigten Spannungs-, Lockerungs- und Gewandtheilsübun- gen in tadelloser Ausführung: bie Dad-Rau- beimer boten mit ihren Schülerinnen und Tur­nerinnen Freiübungen und Volkstänze in sorg­fältiger Ausführung und ließen außerdem durch ihre Fechterriege zum Ausdruck bringen, daß auch das Fechten ein wertvoller Bestandteil des

Kramer, Sie haben mir auf den ersten Blick ge­fallen. Wissen Sie noch damals, in der Tram?" Er lachte.

Mir waren Sie beim ersten Blick verdächtig!" sagte Kramer mit leiser gereizter Stimme.

Ich weiß, ich weiß!" rief Racoszy eifrig.Sie riechen Ihr Wild beim erstenmal. Mir geht es ebenso. Darum eben sind Sie mir ja so sympathisch. Aber was.soll ich nun wirklich mit Ihnen machen?"

Kramer schwieg.

Ich würde Ihnen gern ein paar Zigaretten hier lassen. Denn^ ich glaube nicht, daß Sie hier den Be­such Ihrer Freunde vor morgen mittag zu erwarten haben. Aber dazu freilich müßte ich Ihnen die Arme frei machen."

Er ging in Gedanken auf und ab.

.Hören Sie zu, Kramer. Ein ehrlicher Vorschlag.

Sie versprechen mir, mich nicht zu verfolgen!"

Ich denke nicht daran!"

Hören Sie doch erst meine Gegenvorschläge an. Ich binde Ihnen dafür einen Arm frei. Den andern können Sie sich dann ja selbst frei machen, und lasse Ihnen dies Päckchen englischer Zigaretten hier Abdulla, mögen Sie sie?"

Wie nobel Sie doch sind!"

Racoszy lächelte:Warten Sie doch ab, Sie kleiner Hitzkopf. Ich habe Ihnen außerdem noch etwas viel Besseres zu bieten: Was würden Sie sagen, wenn ich Ihnen die unschätzbare Information gebe, wer den Kommissar Brentheim getötet hat? Das erspart Ihnen viel Arbeit!"

Sind Sie verückt?" sagte Kromer lochend.Was habe ich davon, daß Sie mir den Mörder nennen, wenn ich Ihnen im gleichen Atemzug versprechen muß, ihn nicht zu verfolgen!"

Das heißt das?"

Daß Sie Brentheim erjchosfen Haden!"

Racoszy blieb stehen und sah Kramer mit großen Augen an.Was denn? Ja, glauben Sie denn das wirklich noch immer?"

Natürlich."

- "Ich Eimst? Aber Kramer! Ich fürchte, ich habe Sie für intelligenter gehalten, als Sie tatsächlich sind! Halten Sie außerdem so wenig von dem Ehrenwort, bas ich beute nachmittag Ihrem Assi­stenten gegeben habe?1* Er blickte amüsiert zu Schulz hinunter.Das beleidigt mich, mein Junge! Ich ziehe meinen Vorschlag zurück! Nun suchen Sie ge=

deutschen Turnens ist. Auf der Höhe reifen Kön­nen» zeigte sich ber Turnverein Bocken- heim, der mit Stuhlpyramiden. Frei- unb Gruppenübungen unb rdytmischer Ausdrucksgym- naftil die VorführungSfolge febr bereicherte Frl Friede (Frankfurt a.M), die in Einzelvor- füfcrunqen Stabübungen unb Keulenschwingen bot, erwies nch als eme Turnerin erster Klasse. Heber alles Lob erhaben waren die Darbietungen bei Besten deö Gauverbandes am Barren unb Reck Die schwierigsten Hebungen wurden von der stiege mit bewundernswertem Schneid aus ge­führt. Es hatten sich hier auch Männer zusam- mengefunben, bie als Sieger beim deutschen Turn­fest in München ober bei den Meisterschastskamp- fen in Frankfurt und Leipzig sich schon einen Rainen gemacht haben, darunter unser vielver­sprechender Hessenturner Karl Reuter vom T v. 1 8 4 6 Gießen. Alles in allem war ber Abend em Beweis dafür, daß die deutsche Tur­nerschaft mit der Vielgestaltigleit ihrer Hebungs­arten in der Lage ist. wirkliche Werbeabende zu veranstalten, zumal auch die neuzeitlichen Formen der Gymnastik und der rhytmischen Tanzkunst in den Turnvereinen heute in feder Weise gepflegt werken.

Von der Amerika-Riege der D.T.

Der deutsche Turner Pfeiffer, Frank­furt, der deutschen Amerika-Riege errang bei dem Turnfest in Louisville (Amerika) beim Geräteturnen der Ehrengruppe mit 57 von 60 erreichbaren Punkten einen dritten Platz.

Fußball.

Turn- und Sportverein Wieseck.

£ Als Abschluß der sportlichen Wettkämpfe vor dem Bezirksfest, das am 3., 4. und 5. Juli in Wie- jeck stattfindet, fanden am Samstagabend zwei Wett- spiele statt, die trotz der ungewohnten Stunde eine stattliche Anzahl Zuschauer aus den Sportplatz lockten. Das erste Spiel war ein Gesellschaftsspiel zwischen den ersten Mannschaften W i e s e ck s und Lollars. Letzteres trat komplett an,während Wie- scck mit Ersatz, sogar aus der ersten Iugendmann- schaft, antrat. Nach dem Anstoß drückte Lollar so­fort in feiner ungestümen Weise nach vorn und ging schon in den ersten Minuten in Führung. Damit war es mit den Erfolgen für Lollar zunächst vorbei, denn die Wiesecker Mannschaft sand sich immer besser zusammen, so daß sie bald dem Spiel ihre Note oufdrücken konnte. Schon bald stellte sich heraus, daß der von Wieseck eingestellte Ersatz dem Spiel völlig gewachsen war, hier leisteten besonders die zwei Iugendspieler ganz Hervorragendes, die den Sturm immer wieder nach vorn rissen, so daß die Lollarer Hintermannschaft reichlich Arbeit hatte. Die scharfen und meist gefährlich aussehenden Angriffe der Lollarer wurden von dem Wiesecker Verteidi­gungstrio glatt abgeschlagen, wobei besonders der linke Verteidiger nicht zu überwinden war. Nach dem Seitenwechsel drückte sich die leichte Ueberlegen- beit Wiesecks etwas stärker aus, hierbei gelang es dem halblinks spielenden Iugendspieler Wiesecks, in ganz brillanter Weise eine Flanke von rechts zum Ausgleichstor zu verwandeln. Kurze Zeit darauf, in der Wieseck abermals stark drückte, konnte der­selbe Spieler einen dicht am Tor vorbeirollenden Ball zum 2. Tor für seine Farben einlenken. Lollar stellte nun um, versuchte die drohende Niederlage unter allen Umständen abzuwehren, und konnte auch Wieseck zunächst etwas zurückdrücken. Aber alle An­griffe, von denen sich Wieseck immer mehr und mehr wieder befreien konnte, änderte an dem Resultat, das für Wieseck einen berechtigten 2:1--Sieg brachte, nichts mehr.

Anschließend hieran sollte ein Verbandsspiel zwischen Wieseck II.-Leun ' I. stattfinden. Leun traf mit fast einholbstündiger Verspätung ein, so daß das Verbandsspiel für Leun als verloren erklärt wurde. Statt dessen trugen beide Mann­schaften ein Gesellschaftsspiel mit verkürzter Spiel­zeit aus. Das technisch wertvollere Spiel zeigte Leun, die körperlich bedeutend schwächere Mann­schaft Wiesecks glich durch größeren Spieleifer aus. Das ganze Spiel wurde offen und verteilt durchge­führt, so daß von einer Ueberlegenheit einer Partei nicht gesprochen werden konnte. Irn ständigen Auf und Ab war bald das eine, bald das andere Tor

in Gefahr, erst in der letzten Viertelstlmde konnte Leun aus einem durch eine Ecke entstandenen Ge­dränge heraus zum siegbringenden und einzigen Tor des Spieles einjenden. Der leichteste Teil war dem Schiedsrichter zugefallen. der korrekt seines Amtes waltete und fast nur das Ausgehen des Balles anzuzeigen hatte.

Der Futzball-LÜnderkampf Deutschland - Schweden 3:3 (3:2 do. Die ZuhbaUgeineinde Deutschlands wurde am gestrigen Sonntag durch den Ausgang des deutlch-schwedischen Länderkampfes um eine Ent­täuschung reicher, da es der deutschen Mannschaft, der man einen Sieg zugetraut hatte, nicht ge­lang. auS diesem Kamp) erfolgreich hervorzu- geben. Schuld daran trägt ;n erster Linie daS völlige Versagen des deutschen Mittelläufers Köhler, wodurch die deutsche Mannschaft gan$ ausrinandergerifsen wurde Rur Glanzleistungen Einzelner brachten die Tore und führten zu dem Hnentschieden. Hervorragend mar der Bahern- flüget Pöttinger-Hofmann, der Mittel­stürmer Harder schoß sämtliche drei Tore. Auch Schmidt und Martwig und in der Der- . teidigung Kutterer konnten gefallen. Popp und S t u h I s a u 1 dagegen weniger. F r a n * und Auer kamen nicht völlig zur Geltung, ixt Franz zum Teil die Stelle Köhlers auSfüllem muhte. Die Schweden stellten eine wider Er­warten spielstarke Mannschaft, in der besonders der Mittelläufer hervorragte, doch war aud> insgesamt die Mannschaft gut zusammen, so daß das Spiel der Elf durch die Gefährlichkeit des Angriffs und seine Rationalität gut gefiel. In der Verteidigung war Lindberg, der Tor­wart. der Held des TageS. im Angriff der Halb­linke der beste Mann.

Der Platz des 1. F. C. Rürnberg war über­füllt und mußte schließlich polizeilich gesperrt werden. Etwa 25 bis 30 000 Menschen waren anwesend, als Schiedsrichter Andersen (Däne­mark) das Spiel anpfifs. Sofort ging der deutsche Sturm, der sich gut zusammenfand, zum Angriff über. Bereits in den ersten Minuten hatten die Deutschen Torchancen, ohne sie jedoch voll aus­zunutzen. Allmählich kamen dann die Schweden auf. fanden aber in der deutschen Hintermann­schaft ein ihnen gewachsenes Hindernis. In der 22. Minute verwandelte Harder eine Vor­lage Pö11ingers zum ersten Tor. Doch schon 5 Minuten später glich Schwedens Halblinker, be­günstigt durch einen Fehler Köhlers, aus. Rach wiederum einigen Minuten ging Schweden sogar durch die Mittelstürmer in Führung, dann gehörte jedoch der Rest der 1. Halbzeit der deut­schen Elf, die durch eine von Harder ver­wandelte Vorlage Pöttingers den Ausgleich und zwei Minuten vor Halbzeit durch Harder die Führung schaffte. Rach der Pause flaute der Kamps stark ab. Das Tempo wurde schwächer, durch den ständig größer werdenden Ausfall Köhlers bekamen jedoch die Schweden, wenn auch langsam, die Oberhand. Zwar hatte der deutsche Sturm auch jetzt Torgelegenheiten, die jedoch mangels der nötigen Hnterstützung durch die Läufer, außerdem infolge der ausgezeichneten schwedischen Hintermannschaft zu nichts führten. Gin viertes Tor für Deutschland endlich durch Franz wurde wegenAbseits" nicht gegeben. Dann, in der 38. Minute, gelang den Schweden durch einen in Rachschuß verwandelten Ball des Halblinlen der Ausgleich. Zum Schluß kam die deutsche Mannschaft nochmals zum Angriff, ver­mochte jedoch einen siegbringenden Treffer nicht mehr herauszuholen.

Rheinhessen-Saar gegen Mainbezirk.

Mainz, 20. Juni. Heute sand in Mainz das Repräsentativspiel der Dritte Rheinhessen- Saar und Main statt. Beim Mainbezirk fehlten verschiedene der besten Spieler, so daß das Spiel keinen allzu übertoältigenben Eindruck hinterließ. Die Mannschaft des Rhein-Saar-Dezirks zeigte sich während der größten Spieldauer leicht über­legen. Die ßtürmerarbeit bei beiden Mannschaf­ten war zu eigennützig, fo daß manche Torchance vergeben wurde. Während bei Halbzeit das Spiel noch 2:2 stand, gelang eS der Mannschaft

fäUigft selbst!"

Der Albinokopf des Chauffeurs erschien am Fenster.

3a, Paul, ich komme gleich. Hoben Sie mir noch was zu sagen?"

Ja. Wo sind die Gendarmen?"

In Uerbüttel."

Wo?" '

In Uexbüttel."

War machen Sie do?"

Das weiß kein Mensch. Ich habe sie ein bißchen hingeschickt."

Wann''"

Vor ungefähr zwei Stunden", sagte er sanft. Kramer, ich fürchte, sie haben mich mit Ihnen ver­wechselt."

Schulz fing an zu lachen. Jedenfalls kam ein sonderbares Grunzen hinter dem Knebel hervor. Racoszy sah ihn dankbar an.

Aber hat Sie denn auch Molinfki nicht er­kannt? Der kennt mich doch sehr gut."

Es schien ihm, als ob Racoszy eine Sekunde zögerte.Nein auch der nicht. Es war ja schon viel zu dunkel dazu. Erlauben Sie mir, Ihnen meinen Dank für die leihweise Ueberlaffung Ihres Hellen Sommerüberziehers auszusprechen. Ich hänge ihn hier an den Nagel, da wird er nicht jo schmutzig. Ich mache Sie darauf aufmerksam, daß Sie das Futter der rechten Tasche flicken lassen müssen. Ich war so unvorsichtig, meinen Smith and Wesson hin­einzustecken. Bitte, seien Sie mir nicht böse."

Er sah nach der Uhr:Au revoir, messieurt ein Freund wartet auf mich. Zur Erinnerung will ich Ihnen trotz allem die Abdulla hier lasten. Sie mögen sie später rauchen, wenn Sie wieder frei sind: Ihnen den Knebel anzulegen, halte ich für eine Roheit. Sie können sich, wenn Sie wollen, die lange Zeit bis zu Ihrer Erlösung mit Gesang ver­treiben, ich glaube nicht, daß Sie jemand ftöjren werden die Zustimmung des Herrn am Boden vorausgesetzt!"

Wir werden uns bald wiedersehen!" knurrte Kramer.

Auf mein Wort, das werden wir!" rief der Baron lachend.Ich mochte mit Ihnen wetten daß es eher der Fall fein wird, als Sie denken! Nun, leben Sie wohl bis dahin!"

Er klopfte dem Anwalt jovial auf die Schulter

und ging hinaus. Seine Fußtritte entfernten sich, und bald glaubte Kramer, Ruderschläge zu ver- nehmen.

Das ist ja angenehm!" seufzte Kramer. Schmerzt Sie der Knebel sehr, Schulz?"

Der am Boden Liegende zuckte die Achseln.

Armer Junge!" Er versuchte, an den Fesseln zu reiften.Nichts zu machen. Die scheinen das aus eigener Erfahrung gelernt zu haben." Nach einer Weile fetzte er trübe hinzu:Er muß gemerkt hoben, daft Sie das Telephongespräch abfingen ... Zu denken, daß wir ihn fast in der Hand hatten."

Plötzlich riß es ihn wieder hoch.Woher zum Teufel hat er bloß meinen Mantel gehabt^"

Schulz, der sehr wohl unter der Qual der Un­tätigkeit litt, strampelte zur Abwechslung ein wenig mit den Beinen.

Ja, Schulz, ja!" sagte Kramer.Ich will die beiden erst ganz weg wissen. Dann werde ich ein bißchen zu rufe.n anfangen. Obgleich es kaum je­mand hären wird. Worten Sie noch zehn Minuten'"

Sie verhielten sich eine Weile still und starrten in die Lichter. Dann begann Kramer in regelmäßigen Abständen zu schreien:Hilfe! Hilfe!"

Zwischendurch horchten sie gespannt. Aber nichts rührte sich.

Nach einer Viertelstunde hatte Kramer bemer­kenswerte Halsschmerzen. Verärgert gab er es auf und schwieg.

Eins der Lichter erlosch knisternd. Draußen rauschte der große Strom, und der Nachtwind strich durch die Gräser und Sträucher. In der Ferne krähte ein Hahn.

Wenn wir Den Hahn hören, so muß der Hahn uns auch hären'" sagte Kramer grimmig und schrie noch einmal mit heiserem, langgezogenem Ton: Hilfe!"

Dann sank er ermüdet in sich zusammen. Es mochte kaum eine halbe Stunde vergangen fein, seit- d?m Racoszy die Hütte verlassen hatte: aber den beiden schien es eine Ewigkeit. Sehnsüchtig blickten sie nach dem Fenster: ob sich nicht bald das erste Grauen des Morgens zeigte. Denn sie wußten: die direkte (Entfernung zwischen dem Ufer und der Insel war fo gering, daß ein etwa Dorbeifommenbcs Schiff ihr Rufen unbedingt hären mußte. Freilich fuhren bie meisten an ber anberen Uferfeite, um Nonnenwerth herum. k Fmlketzung folgt.)