nach höchst erfolgreiche Agitation einsehen liest.
qjtenn man als erste« Ziel der russischen ötqatSümft die Vernichtung Englands in Asien yenieht, so hat Moskau in seiner bisherigen Chinapolitik diesem Zweck zweifellos nicht gedient. _
Lind nun zu England. Als die Engländer der chinesischen Regierung die Einführung des Opiums mit Waffengewalt (1842) aufstoangen, vollzog sich damit zugunsten der Londoner City eine gewalttätige politische Aktion, die für die weitere Entwicklung der britischen Wirtschaftspolr- tü in Asien gleichsam symbolisch werden sollte. Wie überall in Asien sind die Resultate dreser Politik für England gan$ besonders auch in China sehr ungünstig.
Der Chinese ist heute zu der Lieberzeugung gelangt, in dem Briten den Aussauger seiner Heimat bekämpfen zu müssen, und er führt biefen Krieg mit Mitteln, gegen die das schwere Geschütz an Bord der englischen Kriegsschiffe machtlos ist. In welchem Umfange Boykott und Streik sich bisher bereits bewährten — der Wirtschafts- kämpf setzte erst Anfang Juni 1925 ein — sei an einigen Zahlen nachgewiesen. Die englischen Exporte nach China hatten sich dem Werte nach von 18,6 Mill. Sterling im Jahre 1923, auf 20,3 Mill. Sterling im Jahre 1924 erhöht. Bei dem Jahresabschluß von 1925 ergab es sich, dah diese Ausfuhr auf 14,5 Mill. Pfund zurückge- gangen war.
Wie die Engländer über die chinesische Einheitsbewegung senken, verriet Chamberlain in angelsächsischer Raivität gelegentlich einer im Februar d. 3. gehaltenen Llnterhausrede. als deren Quintessenz folgender Gedankengang betrachtet werden kann: man solle beute mit Interventionen in China vorsichtig sein, denn jeder Druck von auhen stärke den Zusammenschluß im Innern!
Die Einstellung der LI. S. A. zu China ist durch wirtschaftliche Rivalität gegen England und Japan, und schärfsten politischen Gegensatz zu Japan gegeben. Auf dieser Grundlage vollzieht sich eine Politik, die eine Erstarkung Chinas und zugleich ein Festsehen des amerikanischen Händlers auf diesen östlichen Dreihundertmillionen- Märkten fördert. Die Folgen dieser Tendenzen einer „friedlichen Förderung und wirtschaftlichen Gegenseitigkeit" zeigten sich denn auch, indem bald nach Ausbruch von Streik und Boykott auf ausdrücklichen Beschlust der Streikleitung der amerikanische Kaufmann von den fremdenfeistd- lichen Mastnahmen verschont blieb. Eine gleiche Begünstigung traf den deutschen Kaufmann, dessen zweifellos großes Ansehen in China nicht erst nach dem Kriege, sondern bereits während unserer Tsingtauer Epoche geschaffen wurde. Lind zwar zu nicht geringem Teil durch die deutschen Behörden, welche dem Chinesen und seinen Vorteilen gegenüber durchaus auf ein sehr kulant gehandhabtes Prinzip der Gleichberechtigung und der Gegenseitigkeit (das von den britischen Methoden angenehm abstach!) eingestellt waren.
Die Hundertjahrfeier des Kurhauses in Bad Salzhausen.
Rach der Besichtigung des Parkes, über die wir gestern schon kurz mit berichteten, führte Badearzt Medizinalrat D r. Balser die Festteilnehmer zu den Kuranlagen und Trinkquellen. Eingehend besichtigte man das praktisch eingerichtete Dadehaus und den neuen, bedeutend vevgrötzerten Gradierbau. Dr. Balser erläuterte die Heilwirkungen des letzteren bei dessen richtiger Benutzung. Die Stahl-, Schwefel-, Salz- und Lithiumquelle wurden vorgezeigt und ihre Heilkräfte erwähnt. Die Lithimnquelle ist hervorragend günstig gegen Rheuma > ' .ms und Gicht, weil sie dieselben Salze enthäll wie bas Wildunger Wasser, allerdings nicht in so reichen Mengen wie dieses.
An dem gemeinsamen Mittagessen im Kurhaus nahmen etwa 75 Personen teil. Während desselben ergriff zuerst Ministerialrat W i n- d i s ch aus Darmstadt als Vertreter der Regierung das Wort, der im Auftrage der letzteren die herzlichsten Grüße und Glückwünsche zur Jubiläumsfeier überbrachte und die Derdienste des Gch. Iustizrats Römheld in Ridda um bas Zustandekommen der Feier gebührend würdigte. Rur dessen Forschungsgeist und den energis'hen Bemühungen des jungen Kur- und Verkehrs- Vereins Bad Salzhausen, dessen Vorsitzender Herr Romheld ist, verdanken wir die genaue Feststellung des Datums der Einweihung deS Kurhauses und den neuen Seist, der nun überall im Kurhaus und seiner Umgebung waltet. Redner schloß mit einem begeistert auf genommenen Hoch auf das Kurhaus. Hierauf dankte Geh.
3m Paradies der Feinschmecker.
Von Alfred Korn.
PariS, im Juni 1926.
Es ist kein Zufall, daß Drillat-Savarin ein Franzose war, er hat aber auch für fein Land nicht vergeblich gelebt. Sein Andenken ist erhalten geblieben trotz Krieg und Rot und ernster Zeit, nicht bloß durch die Straße im Süden von Paris, beim Park Qttont Souris, die auf den Ramen dieses Meisters der Kochkunst getauft ist. Denkmäler und Straßennamen sind im allgemeinen unzuverlässige Mittel zur Verewigung. Hunderte von Denkmälern sind über Paris verstreut, Aberhunderte von Straßen tragen Eigennamen. Wenn man aber die Vorübergehenden fragt, wer der Mann aus Stein gewesen sei, welche Verdienste sich der erworben habe, nach dem die Straße benannt ist, so weih kaum einer von tausend Parisern Auskunft zu geben.
Jedoch Brillat-Savarin! Da schmilzt der Ernst der Züge zu einem verklärten Lächeln, da schnalzt die Zunge in verzücktem Wohlbehagen. Diesen Meister weih man nach wie vor zu ehren, fein Andenken wird hochgehalten, seine Kunst wird mit Vollendung weiter geübt, beinahe ist es hier keine Blasphemie zu sagen, dah sein Geist sortwiril. Freilich muh man Wohl Franzose fein, um die Tiefe der Zeremonie eines Dejeuner oder Diner ganz zu begreifen und zu verstehen, dah ein weihevoller Akt zelebriert wird. Es ist ein Irrtum barbarischer Völker, bat die Mahlzeiten in erster Reihe der Ernährung dienen, und mit Wehmut stellen die Pariser fest, dah die barbarischen Besucher, die Engländer, Amerikaner und Deutschen, die die bilinarischen Ateliers der großen Boulevards jetzt füllen, die ihnen gebotenen Genüsse nicht zp würdigen wissen. Der Pariser hat bei Tisch die Haltung eines Hohenpriesters vor seinem Altar, die Fremden aber schlingen den köstlichen
Iustizrat Römheld für die Anertennung für sich und den jungen Verein und schilderte au&- führlich die Verhandlungen, die vor Erbauung des Kurhauses seit 4. März 1825 zwischen den damaligen Vehörden und der Regierung geführt werden mußten, die spärlichen Aufzeichnungen über die Einweihung des Hauses und die Preise, die dem ersten Pächter G ö s von Ortenberg für Zimmer und Speisen vorgeschrieben worden waren. Die anfange günstigen Verhältnisse zwischen Staat und Bad wurden später nach und nach loser und Salzhausen ein Schmerzenskind der Regierung, so daß in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts an die Auslösung des hiesigen Badebetriebs gedacht wurde. Rur durch tatkräftiges Eingreifen einiger einflußreicher Freunde des Badeortes wurde das Uebel verhindert und allmählich wieder seitens der Regierung Salzhausen immer mehr Interesse und Wohlwollen entgegengebracht, so daß seit 1898 ein gewaltiger Ausstieg zu verzeichnen war, und bedeutende Mittel zur Verbesserung bewilligt wurden. Leider hatten längere kostspielige Bohr- versuche vor etwa 25 Jahren keinen Erfolg, obgleich damals in einer Tiefe von 180 Metern eine Sole von 28 Grad Reaumur erschlossen wurde. Redner gedachte auch der unschätzbaren Verdienste des als Gast anwesenden Staatsrats i. R. Dr. Walther aus Darmstadt, der lange Jahre Referent über das Bad war und dem die neueren Anlagen in der Umgebung des gesegneten Erdenfleckchens zu verdanken sind. Geheimrat Römheld schloß seine hochinteressante Ansprache mit einem Hoch auf Staat und Bad.
Als weiterer Redner überbrachte Kommerzienrat Langsdorf aus Friedberg im Auftrage der Handelskammer der Kreise Friedberg- Büdingen-Schotten aufrichtige Glückwünsche. Dabei gedachte er der innigen Liebe, mit der der verstorbene Komm.-Rat H. W. C l o o s, Ridda, an Salzhausen gehangen und bei allen Gelegenheiten für Verbesserung der hiesigen Verhältnisse gewirkt hätte. Aus seine Anregung sei das Kaufmanns-Erholungsheim in Salzhausen errichtet worden, daS erste in ganz Deutschland. Seine Worte klangen aus in der Versicherung des ferneren unverminderten Wohlwollens und der steten Förderung der wirtschaftlichen Lage unseres Badeortes seitens der Handelskammer.
Auch der größte oberhessische Verein für Heimatpflege, der V. H. C., hatte zu seinem Vertreter am Feste den Vorsitzenden des Riddaer Zweigvereins, Oberlandmesser Eich in Ridda, gesandt. Er brachte in herzlichen Worten die Glückwünsche des Gesamtvorstandes des V. H. C. zum Ausdruck und wünschte dem Kurhaus und Bade Salzhausen ein ferneres Blühen, Wachsen und Gedeihen.
Als letzter Redner der Tafelrunde übermittelte Beigeordneter R u l l m a n n von Ridda als Vertreter der Stadt der Dadevcrwaltung und dem Kurhaus die Glückwünsche der Stadtverwaltung und Bürgerschaft Riddas, die sich eins fühlten mit Salzhausen und mit ihm Hand in Hand gehen müßten, wenn das Bad für beide Teile wirtschaftlichen Gewinn bringen solle. In diesem Sinne erwarte er diele Erfolge durch den gemeinsam gegründeten Kur- und Verkehrsverein Bad Sa^hausen-Ridda.
Mittlerweile war die Zeit zum Beginn des F e st a k t s am Konzerthaus herangekommen. Dazu hatte sich eine so große Menge Besucher aus der näheren und wetteren Umgebung ein- gefunben, wie sie der Badeort Wohl kaum bei einer anderen Gelegenheit zusammengesehen hat. Vom Vogelsberg und aus der Wetterau strömten die Scharen herbei, für die ferne Sitzplätze mehr zu beschaffen waren. Die Kapelle Topp (Gießen) leitete mit einem flotten Marsche den Festakt um 3 Uhr ein. Dann ergriff Staatsrat Windisch aus Darmstadt als Regierungsvertreter und Mitarbeiter- des Finanzministers Henrich das Wort zu seiner Festrede und führte etwa folgendes auS: Das Iubiläuiiiskind, das Kurhaus, sei eine Stätte der Gastlichkeit, der (3eielligteit und Fröhlichkeit und deshalb seien die hessische Regierung und Bad-Salzhausen in Liebe verbunden. Als Bad des Mittelstandes, das nicht große Geww.ne abwerfen konnte, war Salzhausen Lange ein Schmerzenskind des Staates, der ihm aber, wie die Ettern einem kranken Dprößling, stete Fürsorge angedeihen lasse, damit es endlich genese und nicht nur Heil- und Kulturgut, sondern auch eine werbende Anlage werde, wozu es durch feine wundervolle Umgebung geschaffen erscheine. Deshalb sei das Kurhaus im vorigen Jahre außen und im Innern neu h<r gerichtet worden. ohne Prunk und Pracht, aber geschmackvoll. Mit Freuden begrüße er die Gründung des Kurvereins. und gedenke mit besonderem Dank dem energischen Wirken seines Vorsitzenden, deS Geh. Iusttzrats R ö m h c l d. Alles berechtige nun zu den besten Hoffnungen für die Zukunft. Mit raawrrwftreBMnK
Inhalt der vielen Tellerchen, Schüsselchen und Räpschen, die ihnen vorgesetzt werden, mit der sorgfältig und kunstvoll berechneten Zusammenstellung von Fleischbrocken. Gemüsespitzen und Gewürzlombinationen achtlos hinunter und sind gar imstande zu behaupten, daß ihnen ein tüchtiges Stück Braten lieber sei, als zehn Gänge zu zwei Dissen.
Es ziemt sich also offenbar für einen Barbaren nicht, die Feinheiten der französischen Küche zu analysieren und zu rühmen. Man kann ihn aber nicht hindern, sich mit dem zu beschäftigen, was er verstehen muh, weil er es berechnen kann, nämlich mit der Billigkeit des GssenS in Frankreich. Ratürlich darf man, wenn man billig essen Will, nicht die Luxusrestaurants der inneren Boulevards aufsuchen, man muß auf das Zeremonielle verzichten, auf Silbergeschirr und Wassernäpfe zum Fingerspihenwascken. Aber auf Güte und Schmackhaftigkeit muß man deshalb nicht verzichten, trotz Billigkeit.
Das Paradies des billigen Essens lernt man schon kennen, wenn man auf der Fahrt von der Grenze nach Paris den Speisewagen betritt. Im französischen Speisewagen ißt man für 15 Franken (also kaum 2 Mark) und die halbe Flasche Bordeaux kostet 2 Franken 50 oder 30 Pfennige. Allerdings wird hier der billige Preis auf Kosten der Gute des Gebotenen aufrechterhalten. Diese erste Begegnung mit der französischen Küche ist nicht erhebend. Uebrigens ein ganz heilsames Exempel für die patriotischen Rörgler, die beim Platznehmen im französischen Speisewagen die heimischen Fleischtöpfe in Grund und Boden kritisieren und die erlesene Kunst des französischen Kochs anscheinend sachverständig rühmen, deren Mienen aber von einem Gang zum andern lang und länger werden, um damit zu verraten, dah die Herrschaften schon lange nicht so schlecht gegessen haben wie bei der Compagnie des Wagon-Lits et des Grands Exprfcs Euro- p^ens.
einem von der sehr großen Schar der Zuhörer begeistert aufgenommenen Hoch auf Bad und Kurhaus Salzhausen schloß der Regierungsvertreter seine mit großem Beifall aufgenommene Rede. Rach einem zweiten Musikvortrag betrat Geh. Iustizrat Römheld das Rednerpult und begrüßte zunächst im Ramen des Kurvereins die große Festversammlung. Dann verbreitete er sich über die Geschichte Salzhausens, die zweifellos in die Römerzeit zurückreiche, wie dies Funde in der Umgebung des BadeS und die Ramen Römerbrunnen. Römerstrahe und der Pfahl- graben beweisen. Erst mit der Erbauung des Kurhauses wurde hier ein regelmäßiger Badebetrieb eingerichtet, der immer mehr Kurgäste herbeiführte, darunter treue Stammgäste. von denen nun einige 25 oder 28, ja einer sogar 47 Jahre ununterbrochen toiebergetommen sind. Es beweisen diese Fälle, dah das gottgesegnete Fleckchen Erde Heimatsgefühl bei vielen Auswärtigen geweckt und sie stets wieder hierherge- führt hat, weil ihnen die hier verbrachten Tage oft zu denkwürdigen Erlebnissen werden. Mancher, der heute zum ersten Male in Salzhausen sei, werde begeistert heimlehren. Der Iubiläumstag nötigt uns auch zur Rückschau in die graue Vorzeit. Dies gebietet uns auch die Ehrfurcht vor dem Alten. Urfunbe über unseren Ort haben wir erst feit 1187. Zwei Ehrentafeln in ben Anlagen, ber Knobt-,Stein 1511 und die Langs- dorfsche Tafel 1729. reden heute noch von verdienstvollen früheren Beamten des Bades. Roland Krug von Ridda richtete 1593 den Salinenbetrieb hier ein, Salinenrat Langsdorf ben Babebetrieb auf eigene Kosten 1790. (Von ihm wurde ein Gedicht verlesen, das von dem Aufenthalt ber Franzosen hier 1796 handelt.) Das Jubiläum möge ein Ereignis sein, das dem Bade neue Freunde gewinnt und zum Aufblühen des Bades beiträgt, aber auch weiteren Wert
erhalte durch das Erheben des Hei^aatgedankens über alle Parteien zur Einigkeit aller Volksgenossen und damit zur Daterlandsfreude und Heimatliebe. Sein Hoch galt dem deutschen Vaterland. Die große Zahl Zuhörer stimmt aus vollem Herzen ein und fang stehend das Deutschlandlied Hiermit war ber offizielle Teil des Festaktes vorüber, zu dem u. a. Dr. med. Fritz Gun icke und Kreisdirektor Dr. Gähner in Bübingen telegraphisch Glückwünsche gesandt hatten.
Sin großes, mit vielem Beifall der Besucher aufgenommenes Konzert der Kapelle Topp, Giehen, vor dem Konzerthaus schloh sich dem Festakt an. Abends konzertierte diese Kapelle vor dem KurhauS, vor dem sich wieder mehrere tausend Menschen eingefunden hatten, die auf daS um 9.30 Uhr beginnende Feuerwerk im Park warteten. Bei einbrechender Dunkelheit wurden die Hauptwege des Parks mit vielen buntfarbigen Lampions illuminiert. Ebenso erstrahlte das Kaufmannserholungsheim mit seiner fensterreichen Südseite in wundervollem Lichterglanz. DaS Feuerwerk, ausgeführt von Obergärtner Becker hier, zeigte neben vielfarbigem Sternenregen und Raketen sehr schöne Feuerräder, Sonnen und Wasserfälle neben der großen, weithin sichtbaren Zahk^ 140. Die Zuschauer spendeten reichen Beifall.
Alle Gasthäuser waren bis morgens früh von Frenlden überfüllt. Im Konzertsaale wurde getanzt. Die Jahrhundertfeier des Kurhauses Bad Salzhausen war nach wochenlangem Regen vom herrlichsten Wetter begünstigt und hat durch die sorgfältige Vorbereitung der Babeverwaltung unb des Kurvereins einen erhebenden und würdigen Verlauf genommen. Sie wirb allen Teilnehmern sicher noch lange in Erinnerung und in der Geschichte des Bades ein Merkstein bleiben.
Turnen, Sport und Spiel.
Nationale Iugendwettkämpfe der Spielvereinigung 19Q0
Metzen.
ö. Die am Sonntag stattgehabten leichtathletischen Illgendwettkämpfe der Sp. - Vgg. 1900 Gießen standen unter einem außergewöhnlich günstigen Stern. Eine glatte Abwicklung unb schnelle Dahn trugen zur -’jebung bes sportlichen Riveaus der Veranstaltung ü,s?nt- lich bei. Die glänzenden Leistungen und die durch die Ausgeglichenheit der Teilnehmer hervor- gerufenen spannenden Kämpfe rissen die Zuschauer zu lebhafter Anteilnahme und stürmischem Beifall hin.
In den scharfen Kämpfen konnten sich die Favoriten größtenteils durchsetzen. Die beste Leistung des Tages waren unstreitig die von Stille, Offenbach, im Hochsprung erzielten 1,69 Meter. In den übrigen Konkurrenzen wurden nicht minder gute Ergebnisse erzielt. Der 100-Meter-Lauf sah die Ersten im Ziel nur jeweils Drustbreite voneinander getrennt. Der Sieger lief hier die hervorragende Zeit von 11,3 Set. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, daß leichter Rückenwind die Zeiten bei den Sprintstrecken etwas beeinflußte. Reben den Cinzel- leistungen verdienen auch die Slaffelsrgebnisse besondere Beachtung. Den heißesten Kampf des Tages lieferten sich © p o r t f r *cn öe Siegen unb ber Veranstalter in ber 4x- 100-Meter-Staffel, Jahrgang 08/09. Handbrette lagen die Siegener im Ziel vor. Diese beiden Vereine sind es auch, die im Gesamtklassement die übrigen weit übertrafen, hatten sie doch daö meiste Material zur Stelle. Bezeichnend für die Hoch Wertigkeit der Leistungen ist ferner die Tatsache. daß Vereine wie F. C.' 0 5 — Polizei Wetzlar und V. s. R. Butzbach, öle doch im Gau mit führend sind, nicht auf einen einzigen Platz kommen konnten.
Die Ergebnisse:
Jugendklasse A (Jahrgang 08 09).
100-Meter-Lauf: 1. Schmitt, Eintracht Frankfurt, 11,3 Se?., 2. Völker, Gießen 1900, 11,4, 3. Peil, Eintracht Frankfurt, 11,5.
1 5 0 0 - M e t e r - L a u f : 1. Leunig, Eintracht Frankfurt, 4:26,4, 2. Becke, Eintracht Frankfurt, 4:30,4, 3. Peters, Gießen 1900, 4:32,2.
Hochsprung: 1, Stille, Spo. Offenbach, 1,69 Meter, 2. Hosang, Alsfeld, 1,55 Meter, 3. Peters, Gießen 1900, 1,55 Meter.
Kugelstoßen (beidarmig)- 1. Hubert, Sportfrde. Siegen, 22,03 Meter, 2. Schneider, Alsfeld, 21,43 Meter, 3. Plessow, Siegen, 20,32 Meter, gstaxaw gaa-
Man darf sich jedoch von dem schlechten Anfang nicht abschrecken lassen. Die Pariser Restaurants machen die erste Enttäuschung wieder gut. Allerdings nicht, wie gesagt, die Luxushäuser, die für Engländer unb Amerikaner Paris repräsentieren; dort kommt man unter 150 bis 200 Franken nicht weg. und bei solchen Preisen ist es schließlich keine Kunst, gut zu kochen. Man muh die Restaurants des Pariser Mittelstandes, ber auch gern gut ißt, aufsuchen, um mit schmaler Börse etwas zu genießen. Da bekommt man ein Dejeuner ober Diner von fünf Gängen, bas in Güte unb Menge seinesgleichen sucht unb boch bloß 12 biS 14 Franken kostet, also nicht einmal 2 Mark. Unb dafür gibt es Horsd'oeuvres feinster Art, bann ein Gericht Fische, ferner Gemüse, eine Platte Braten mit Beilagen und schließlich Backwerk oder Ääfe als Rachtisch. Uebrigens kann man in dieser Preislage auch EntdeckungSfahrien durch die Rationalküchen fast aller Völker machen. Im Restaurant Pelin ißt man chinesich aus Räpschen mit zwei Stäbchen allerhand Fleischgerichte, natürlich alles zu Gulaschstückchen zerkleinert; ReiS und Tee stehen gratis in Unmassen auf ben Tischen. 3m Restaurant „Knam" wirb russisch gekocht, ein griechischtürkisches Restaurant bient den Balkanvölkern unb bas Herz Mitteleuropas, bie Tschechoslowakei, ist gleich durch zwei Restaurants vertreten. Ursprünglich gab es nur eines, mit einer garantiert echten bömischen Köchin und einem ausnehmend tüchtigen französischen Oberkellner. Er sand, daß die böhmischen Knödel nicht minder appetitlich seien als ihre Erzeugerin und dah man auf dieser Grundlage eine Etablissement unb einen Hausstand errichten könne. So entstand die Ehe des Monsieur Louis mit der böhmischen Köchin Marenka sowie das Restaurant „Chez Louis" in ber Rue de Suresne, wo man Schweinsbraten mit Kraut und Knöbeln ebenso gut wie in Prag, aber etwa um bie Hälfte billiger essen kann. Die üblen Gewohnheiten der Prager Wirtshäuser
Diskus: 1. Plessow, Siegen, 33,30 Meter, 2. Heinz, Siegen, 32,30 Meter, 3. Pfeiffer, Siegen, 32,02 Meter.
Dreikampf (100 Meter, Hochsprung, Kugelstoßen): 1. Stille, Offenbach, 240 P., 2. Schneider, Alsfeld, 220 P., 3. Plessow, Siegen, 214 P.
4 mal 100-Meter-Staffel: 1. Sportfreunde Siegen 47,4 Sek., 2. Sp. Vgg. 1900 Gießen 47,5 Sek., 3. Spv. Montabaur 48,4 Sek.
Jugendklasse B iJahrgang 10 11).
100-Meter-Lauf: 1. Glöckner, Eintracht Frankfurt, 11,8 Sek., 2. Dreßler, Eintracht Frankfurt, 12 Sek., 3. Hartung, Borussia Fulda, 12,1 Sek.
Weitsprung: 1. Hartung, Borussia Fulda, 5,58 Meter, 2. Fuchtenschnüder, Siegen, 5,z6 Meter, 3. Watermann, Fulda, 5,25 Meter.
Speerwerfen: 1. MüllerH., Gießen 1900, 41,26 Meter, 2. Biinß, Montabaur, 37,87 Meter, 3. Klein 21., Siegen 37,60 Meter.
Schleuderball: 1. Sarx, Siegen, 31,17 Meter, 2. Reif, Eintracht Frankfurt, 29,90 Meter, 3. Müller H., Gießen 1900, 29,56 Meter.
Dreikampf (100 Meter, Weitsprung, Speer): 1. Müller H., Gießen 1900, 244 P., 2. Hartung, Fulda, 233 P., 3. Müller K., Gießen 1900, 222 P.
4 mal 100-Meter-Staffel : 1. Eintracht Frankfurt, 49,3 Sek., 2. Sp. Freunde Siegen, 53 S., 3. Sp. Vgg. 1900 Gießen 53,1 Sek.
Jugendklasse C (Jahrgang 12 13).
50-Meter-Lauf: Schweisfurth, Siegen, 7 Sek., 2. Leptien, Siegen, 7,1 Sek., 3. Schutz, Gießen 1900, 7,4 Sek.
Weltsprung: 1. Schweisfurth, Siegen, 4,98 Meter, 2. Feiiche, Siegen, 4,78 Meter, 3. Haslinger, Eimracht Frankfurt, 4,74 Meter.
>7 u g e l st o ß e n : 1. Becker 21., Gießen 1900, 8,02 Meter, 2. Leotien, Siegen, 7,69 Meter, 3. Bree, Gießen 1990, 7,12 Meter.
4maf 100-Meter-Staffel: 1. Sport- freunde Siegen, 54,9 Sek., 2. Sp. Vgg. 1900 Gießon, ^-Mannschaft, 3. Sp. Vgg. 1900 Gießen, 3-Mannschast.
Jugendklasse D (Jahrgang 14 und jünger).
50-Meter-Lauf: Joh, Gießen 1900, 8 Set., 2. Steinbrück, Siegen, 8,1 Sek., 3. Zimmermann, Siegen, 8,3 Sek.,
WeitsprungausdemStand:!. Gräf, Gießen 1900, 2,09 Meter, 2. Zimmermann, Siegen, 1,87 Meter, 3. Decker H., Giehen 1900, 1,85 Meter.
Schlagball-Weitwurs: 1. Gräf, Gießen 1900, 58,90 Meter, 2. Steinorück, Siegen, 50,42 Meter, 3. Zimmermann, Siegen, 48,20 Meter.
4 mal 50- Meter-Staffel: 1. Gießen 19 0 0, 30,2 Sek., 2. Siegen, 30,3 Sek., 3. 1900 8-Mannschaft.
hat aber Monsieur Louis nicht importiert. Er spricht fließend deutsch und seine Gäste sind ebenfalls größtenteils germanisiert.
Um aber auf das billige Essen zurückzukommen: seine Wunder erlebt man im Quartier latin, im Studenlenvierlel. Da gibt es eine Unzahl von Restaurants, in denen eine Speisenfolge von vier Gängen zu 4 bis 6 Frünken geboten wird, also für 50 bis 80 Pfennig. Ein Viertel Wein inbegriffen und Brot zur freien Bedienung. Das Essen ist gut, ist schmackhaft, ist reichlich. Wenn man sich für diesen Pappenstiel fälligen kann, nimmt man eS wohl in Kauf, dah einiges an sogenanntem Komfort mangelt, daß man sich zwischen den eng stehenden kleinen Tischchen hinburchzwängen muh, recht wenig Gllbogenfreiheit Hal und Wohl auch gelegentlich warten muh, bis ein Platz frei wird. Während der Stunden deS größten Andrangs werden Rummern auSgegeben, in deren Reihenfolge man zum Essen drankommt. Man stehl Polonaise zum Essen wie bei uns zur Brotkarlenzeit vor den Bäckerläden. Es ist eine Massenabfülterung, aber ber PreiS läßt selbst das übersetzen.
Der brave Deutsche, der sich noch immer nicht gewöhnen kann, die Dinge zu nehmen, wie sie sind, grübelt nach, wie es denn möglich sei, mit solchen Preisen zu wirtschaften. Das Rohmaterial will doch gekauft sein, Kohle ist nicht umsonst, Miele und Personal kosten Geld, unb ber Wirt will verdienen. Eine Lösung dieses volkswirtschaftlichen Rätsels vermag es nicht zu geben. Rur soviel sieht man auch ohne Studium des Phänomens: In Frankreich fehlt der uns so wohl bekannte Tischgast: der Staat! Die Steuern sind offenbar fiein und werben nicht _ gezahlt. Die Franzosen jammern tagein tagauS über den bösen FiSkuS. der sie ausplündere, und ber Steuereinnehmer ist ber bestgehaßte Mann. Aber sie können unmöglich wissen, waS es heißt. Steuern zu zahlen, solang sie halb umsonst ^fen.


