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teen Beamten eine abfällige Bemerkung ä&er die Reden des saszistischen 2Irbetfert>ertre* Sj gemacht. Dem Dorfall wird allgemein grö-

e Bedeutung beigelegt, da sich hieraus mög- erweise Schwteriakeiten diplomati­scher Ratur entwickeln können, zumal auch bei dem Vorfall beit der Matteotti- -Feier politische Beamte des Völkerbundes be­teiligt waren. Sin disziplinarisches Vorgehen gegen die Beamten dürfte auf Schwierigkeiten stoßen, da die Beamten ihrer faszistischon In­struktion gemäß gehandelt haben.

Baldwin lehnt deutsche Reparationskohle ab.

Berlin, 22. Juni. (TU.) Wie die Morgen­blätter aus London melden, fragte im Unter­haus ein konservativer Abgeordneter, ob die Re­gierung nicht Kohlen aus Deutschland auf Reparationskonto beziehen könne, um die durch den Bergarbeiter st reil stillgelegten Mctallwerke und Werften weiter zu beschäftigen. Baldwin erwiderte, daß England seinen ganzen Anteil an den deutschen Reparationszah­lungen in englischen Pfund erhalte, die eine schnellere Methode zu sein scheinen, als eine Sachliescrung auf Reparationskonto.

Das neue portugiesische Kabinett.

Berlin, 21. Juni. (TU.) Wie Havas aus Li f Jabon berichtet, ist das neue Kabinett in Portugal nunmehr endgültig gebildet werben. Ministerpräsident und Kriegsminister: Ge­neral Gomez de Costa, Außenminister: Gene­ral C a r n o n a. Im übrigen gehören dem Kabi­nett fünf Offiziere und drei Politiker an.

Neue Minister in Polen.

Warschau, 22. Iuni. (TA.) Gestern wur­den zwei neue Minister ernannt: Pro- feffor Dtani ewicz aus Wilna zum Minister für Agrarreform und Alexander Kaczin - s k i aus Krakau zum Minister für Landwirt­schaft. Beide Ernennugen werben von der Linken sehr ungünstig ausgenommen. Der Generalstabschef General Burlart-Kur- k a r z k i ist für den Posten des Anterstaats- sekretärS im Kriegsministerium vorgeschlagen. Zum Generalstabsches soll der Generaloberst P i s k o r ernannt werden.

Die heutige Eröffnung des Sejms wird in den politischen Kreisen mit großer Spannung erwartet. Es ist ein großes politisches Exposö des Finanz­ministers Klarner vorgesehen. Die Re­gierung hat beschlossen, die Frage der letzten Lesung des Dudgetprovisoriums als Ver­trauensfrage für die Regierung her- auSMtellen. Dre Debatte über die Finanzfrage wird febon heute anfangen: die Abstimmungen falten aber erft im Laufe der Woche stattfinden.

Aus dem Bericht des Reparationsagenteri.

Berlin, 21. Iuni. (WTB.) Der Bericht des Generalagenten für Repara­tionszahlungen über die ersten neun Mo­nate des zweiten Reparationsjahres, also vom 1. September 1925 bis 31. Mai 1926, stellt fest, daß Deutschland die von ihm verlangten Zah­lungen regelmäßig und pünktlich ge­leistet hat. Aus die zweite Annuität in Höhe von 1220 Millionen Gvldmart wurden in den ersten neun Monaten 821,4 Millionen Goldmark geleistet, wovon 400 Millionen auf Aeichs- bahnzahlungen, 190 Millionen auf Haus- Haltsbeiträge, 62,5 Millionen aus Industriezah­lungen und 168,9 Millionen aus die Beförde­rungssteuer entfallen. Einschließlich des Bar­bestandes von 107 Millionen am Ende des ersten Reparationsjahres ftanben dem Repara- tionSagenten 924,2 Millionen Goldmark zur Ver­fügung, wovon Ende Mai ein Barbestand von 89,8 Millionen übrig blieb. Von den bewirkten Leistungen entfallen auf Frankreich 461,7 Mill., darunter 51 Millionen für die Besahungs- truppen und 202 Millionen auf Kohlenliefe­rungen, auf England 166,3 Millionen, wovon 15,5 Millionen für Besahungstruppen. auf Ita­lien 65 Millionen, darunter 47,9 Millionen für Kohlenlieferungen und auf Belgien 99,3 Mill., darunter 8 Millionen für Desatzungslosten und 46 Millionen für Kohlenlieserungen. Für Sach­lieferungen werden 436,4 Millionen ausgewiesen. Hebertragungen in fremde Währung wurden im Betrage von 262,8 Millionen vorgenommen. Zum Bericht des Eisenbahnkommissars wird er­klärt, daß die erzielten Ergebnisse die Schätzun­gen der Sachverständigen bei Aufstellung des Dawevplanes bestätigen. Für die Unterbringung der Eisenbahnschuldverschreibung sei die Zeit immer noch nicht gekommen. Der Generalagent stellt weiter fest. daß die deutsche öffentliche Schuld vermindert worden ist, daß die Stabilität der Währung voll aufrecht erhalten ist, daß aber der deutsche Anleihemarkt noch nicht in der Lage ist. die deutschen Bedürfnisse an Betriebs- material selbst zu befriedigen. Schließlich wird erklärt, daß feit Februar auf allen Gebieten eine allmähliche Besserung zu verzeichnen sei, von der man aber noch nicht sagen könne, wie lange sie anhalten werde.

Deutscher Reichstag.

Berlin, 21. Iuni, 3 Ahr nachmittags. Im Rahmen der geschäftlichen Mitteilungen gibt der Präsident davon Kenntnis, daß der preußische Innenminister, Abg. Severing lSoz.) eine Verlängerung feines Krankhcitsurlaubs um wei­tere sechs Wochen nachge'ucht hat. Aus der Tagesordnung steht zunächst die erste Beratung des deutsch-schwedischen Handelsver­trags. Ohne Widerspruch wird die Heber- Weisung des Vertrags an den auswärtigen und den handelspolitischen Ausschuß beschlossen.

Abg. Dr. H i 1 f e r d i n g (Soz.) erklärt, seine Fraktion hätte die Absetzung des Vertrags von der Tagesordnung gewünscht. Präsident Löwe verweist auf den bereits gefaßten Beschluß, wiederholt aber, nachdem auch Abg. Schultz- Bromberg (Dtschn.) dem Wunche des Abg. Dr. Hilferding sich angeschlvssen hat, die Ab-, Ttimmung. Runmehr wird der Vertrag von der £age$orbnung abge'etzt. Der deu ! sch - däni - Ich« Vertrag wird gleichfalls von der Tages­

ordnung abgefetzt. Der Zusahantrag zum deutsch-österreichischen Wirtschafts- abkvmmen wird dem auswärtigen und han­delspolitischen Ausschuß, die Dergleichsordnung dem Rechtsausschuh überwiesen. Die Rovelle zum Gesetz über die Gesellschas ten m. b. H. wird ohne Aussprache in erster und zweiter Beratung angenommen.

Abg. Frau Schröder (Soz.) erstattet dann den Bericht des sozial-politischen Ausschusses über das Washingtoner ilcbereinfom- me n . das den Schwangerenschutz gegenüber der bisherigen deutschen Delehgebung wesentlich er­weitert.

Reichsarbeitsminister Dr. D r a u ns erklärte, die Regierung habe keine grundsätzlichen Be­denken gegen die Ratifizierung. Sie halte es aber für ben besseren Weg, erst die deutsche Ge- sehgebung dem Washingtoner ÜebereinEommen anzupassen und dann zu ratifizieren. Der deut­sche Wöchnerinnenschutz sei in manchen Punkten noch heute vorbildlich für die meisten Staaten.

Abg. Gerig IZ.) beantragt, mit Rücksicht auf die Erklärung des Ministers die Zurückver­weisung der Angelegenheit an den sozial-poli­tischen Ausschuß.

Abg. Rädel (Komm.) bezeichnet diesen An­trag als eine Schiebung (!) und wird deswegen vom Präsidenten gerügt.

Abg. Frau Schröder (Soz.) ist mit der Zurückverweisung einverstanden unter der Be­dingung. daß dec Ausschuß schnelle Arbeit leistet. Die Zurückverweisung an den Ausschuß wird be­schlossen.

Cs folgt die dritte Beratung der Rovelle zum Reichsknappschaftsgesetz in Ver­bindung mit der zweiten Beratung eines von den Regierungsparteien eingebrachten Gesetzentwurfs, der die Kinderrenten bei der Angestelltenver­sicherung und der Reichsversicherungsordnung den neuen Bestimmungen des Reichsknappschasts- gesehes anpassen will.

Abg. Decker- Herborn (Soz.) erkennt an, daß die Rovelle manche Verbesserungen enthält, die Sozialdemokraten hätten aber gegen einzelne Punkte lebhafte Bedenken und würden weitere Verbesserungsanträge stellen.

.Um 43/4 Ahr wird die Weiterberatung auf Dienstag 2 Ahr vertagt. Auf der Tagesordnung steht weiter der Gesetzentwurf. wonach Aufwer­tungsfragen nicht zum Volksentscheid gebracht werden dürfen.

Kunst und Wissenschaft.

Professor Richard Sternfelb f.

Wie uns aus Berlin gemeldet wird, ist Geheim­rat Dr. Richard Sternfelo, Professor der Geschichte an der Universität Berlin, am 21. Juni nach kurzer schwerer Krankheit gestorben. Sternseid hat ein Alter von 68 Jahren erreicht. Seine Hauptwerke sind: Derhällnis des Arelats zum Reich unter Friedrich II., Karl von Anjou, Graf der Provence, Kreuzzug 1270 nach Tunis, Französische Geschichte, Die Hohenzollern, Kardinal Johann Orsini, Papst Nikolaus III. (Sternfeld war nicht nur Historiker, sondern auch einer der eifrigsten Propagandisten für die Kunst Richard Waaners. Als solcher hielt er seit vielen Jahren in Deutschland und der Schweiz Vor­träge mit Interpretationen am Klavier. In Gie­ßen hat er oftmals vor geladenem Kreise ge- sprachen. Erstaunlich war sein tiefes, von Begeiste­rung erhobenes Eindringen in die Ideenwelt des Bayreuther Meisters, wobei ihm fein wundervolles Klaoierspiel zustatten kam. Immer verstand er es, unter der Zuhörerschaft lebhafte Vorstellungen von der ästhetischen Kulturfähiakeit der Mufikdramen Richard Wagners zu erwecken. Eine Fülle harmo­nisch ineinander greifender Geisteskräfte lieh Richard Sternfeld die Fähigkeit, auf alle, die sich um den Redner und Interpreten scharten, zu wirken.)

Aus aller Welt.

Der Kreuzerffambutg14 in Honolulu.

Der KreuzerHamburg" ist am 19. Juni plan­mäßig in Honolulu angetemmen. Nach einem Auf­enthalt von drei Wochen wird er feine Reise nach Yokohama fortseßen.

3»S$ufamniei;ffofi in Frankreich

Bei Tours entgleiste der Eilzug ParisBor­deaux. Sieben Personen wurden getötet und 3 0 verletzt, darunter sieben schwer. Die Maschine stürzte in einen 7 Meter tiefen Graden. Ein Personenwagen und ein Packwagen wurden ineinander geschoben.

Großfeuer in Polen.

AuS Warschau wird gemeldet: DaS Städtchen Zalanti wurde von einem schrecklichen Feuer heimgesucht. Ungefähr 200 Häuser sind voll­ständig eingeäschert, hauptsächlich die Geschäfts­häuser am Marktplatz. 11. a. ist auch die große Synagoge, sowie ein 130 Iahre alles Gebethaus verbrannt. Der Schaden geht in die Millionen.

Tteun Tote beim Lalkonabstur; in Neapel.

Bei dem Balkonabsturz in Neapel, bei dem der Faszistenführer Padovani verunglückte, wurden neun Tote und fünf Verletzte geborgen.

Ein Theater in die Lust gesprengt.

Das Theater von Los Angeles wurde durch fünf Dynamitexplosonen zerstört. Es wurde festgestellt, daß in verschiedenen Teilen des Theaters Dynamitpakete versteckt worden waren.

politische Zusammenstöße in Mühlhausen.

Wie die Morgenblätter aus Mühlhausen in Thüringen melden, kam eS am Montag zu schweren Zusammenstößen zwischen Stahlhelm- leuten, Mitgliedern des Reichsbanners und des Roten Frontkämpferbundes. In der Räße des Dolkshauses, wo große Menschenmengen sich an- gesammelt hatten, entwickelte sich ein Hand­gemenge. Die Schupo griff ein und machte dem Kamps ein Ende. Acht Mitglieder des Reichs­banners und eine ganze Anzahl Stahlhelmleute wurden durch Hieb- und Stichwunden zum Teil schwer verletzt. Die Polizei verhaftete die Hauptbeteiligten und räumte das Volkshaus, in daS sich die Beteiligten zurückgezogen hatten.

Politische Schlägerei in Eisenach.

In der Nacht zum Montag gegen 1 Uhr ent« stand in der Laufergasse in Eisenach, wo die Wahl- ergebniffe durch Lautsprecher bekanntgegcben wur- hatte, eine Schlägerei, bei der zwei Stahthelmleute verletzt wurden. Der Polizei gelang cs nicht, Verhaftungen vorzunehmen.

Zusammenstöße in Stettin.

In Stettin kam es zu Zusammenstößen zwi­schen Angehörigen der Rechtsparteien, die gegen die Fürstenenteignung demonstrierten und Kom­munisten. Die Polizei muhte mehrfach eingreifen,

um die Ruhe wiederherzustellen und Verhaftun­gen vornehmen. Es gab zahlreiche Ver­letzte.

Elbe und Rhein steigen weiter.

Aus Dresden wird gemeldet: Rachdem am Samstagabend die Wasserflut um 3,50 Mtr. über Rull zurückgegangen war. begann abends acht Ahr das Wasser wieder zu steigen. Die Wasserbaudirektion nimmt an, daß das Anwach­sen den ganzen Mittag Über anhalten wird und am Montag abend der Dresdener Elbepegel einen Stand von 4.10 Meter über Rull erreichen wird. Der Wasserstand des Rheins in Duisburg ist vom Svnntagmorgen acht Ahr bis Montag­morgen acht Ahr um 42 Zentimeter auf 3,97 Meter gestiegen. Der Pegel der Ruhr war in Ruhrort in der gleichen Zeit auf 4,18 Meter gediegen.

Das Hochwasser bringt in die Gruben ein.

Wie aus Breslau gemeldet wird, hat das Hochwasser bet Ratib 0 r an Ausdehnung zuge- nommen. Es hat eine Höhe von 7 Meter erreicht. Das Eindringen großer Wassermengen in die Unter­tagebetriebe im niederschlesijchen Bergbau hat teil­weise ernste Betriebsstörungen hervorgerufen. Es müssen bis zur Beseitigung dieser Wassermengen Feierschichten eingelegt werden. Die gesamten Für­stensteiner Gruben sind von dieser Maßnahme be­troffen.

(Eine Braunkohlengrube ersoffen.

DerVosf. Zig." zufolge ist in der Braunkohlen- grübe Olba in Klein-Sauernih der gesamte Tage- und Tiefbau ersoffen. Die große Tagebaumulde ist ein See. Trotz der Errichtung von Dämmen drang das Wasser In den Tiefbau, in dem ein 27sähriger Arbeiter ertrank.

Grohseuer an der Saar.

Aus Völklingen wird gemeldet: In der Pech- gieherei bej* Röchlingschen Eisen- und Stahlwerke entstcrnd durch Selbstentzündung ein gewal­tiges Feuer. Da dort 10 Tonnen Pech lager­ten, entstand eine riesige Rauchentwicklung. In­folge Trockenheit brannten die Schuppen nieder. Die sofort anwesende Hütten- und Ortsfeuerwehr suchte nach Möglichkeit den Brand auf seinen Herd zu beschränken und die benachbarte Benzolfabrik vor den gewaltigen Flammen zu schützen. Rachdem die Saarbrücker Motorspritze eingetroffen war, gelang es nach IVJtÜnbiger Tätigkeit, das Feuer zu löschen. Unfälle sind nicht vorgekommen.

Fünfzig Personen an Fleischvergiftung erkrankt.

DerLokalc-nzeigcr" meldet: Am Sonntag erkrankten In Kalloerge und Umgebung etwa 50 Personen anscheinend nach dem Genuß von Schabefleisch. Verschiedene Personen mußten ins Krankenhaus überführt werden. Die Fleischerei, aus der das Fleisch bezogen war, wurde vor­läufig geschlossen. Rach den bisherigen Ermitt­lungen soll den Fleischermeister keine Schuld treffen.

Schwerer Aulounfall.

Das Auto des Dasallwerkbesitzers Kraze aus Görlitz fuhr auf dem Wege nach Frank­furt a. d. Oder auf einen Sandhaufen und dann gegen einen Daum. Die drei Insassen wurden herausgeschleudert. Frau Kraze erhielt schwere Körperverletzungen und verstarb als­dann. Ihr Mann wurde leichter verletzt. Der Ehaufseur blieb unverletzt. Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt.

vom eigenen Fuhrwerk überfahren.

Aus Aschaffenburg wird gemeldet: Im nahen Groß-Wallstadt hat sich ein schwerer Anglücks- sall ereignet. Die beiden Söhne des Landwirts Odenwall> im Alter von 21 und 15 Iahren waren mit Iauchefahren beschäftigt und hatten während des Abfahcenö auf dem Wagen Platz genommen. Unterwegs kamen beide durch plötzliches Scheu­werden der beiden Pferde so unglücklich zu Fall, daß der jüngere Sohn nach kurzer Zeit ber­ft a c b, während der ältere sehr schwere Ver­letzungen davontrug.

Beraubung eines Geldtransports.

Wie aus Barmen gemeldet wird, erbrachen bei einem Transport vvn Geldern für Erwerbslose von i er Donk zur Aus^ahlungsstelle in einem unbewach­ten 'Augenblick Diebe den Transportwagen und stahlen 26000 Mark in Fünf- uno Zehn­markscheinen. Der Diebstahl wurde erst beim Ein­treffen des Transportes in der Stadthalle bemerkt. Bisher ist die Verfolgung der Täter ergebnislos geblieben.

Der freigebige Unbekannte.

Folgendes begab sich im heiligen Köln: In einer Konditorei in einem nördlichen Stadtteil erschien ein Mann mit zwei Kindern, einem Jungen und einem Mädchen von ungefähr 10 Jahren. Er bestellte für die Kinder, je eine Tasse Schokolade, für sich Kaffee und für jeden 2 Stück Sahnekuchen. Das bedienende Fräulein sah vergnügt zu, mtl welcher Gier die Ge­sellschaft die Süßigkeiten verschlang.Ja, wenn die Kinder brav finb, sagte das Fräulein,muß man ihnen auch mal eine Freude machen."Sicher," be­merkte der Mann,Ihr könnt das Rezept noch einmal erneuern", und so wurden noch 6 Stück Sahnekuchen, zwei Tassen Schokolade und eine Tasse Kaffee gebracht. Nachdem dies alles verzehrt war, erhob sich der Mann und sagte laut zu den Kindern:Bleibt schön hier, das Fräulein bringt euch noch ein Stück Kuchen." Hieraus entjernte sich der Mann, und die Kinder saßen nach einer Stunde immer noch da. Schließlich entspann sich folgendes Gespräch zwischen dem Fräulein und dem Jungen: Wo ist denn der Vater hin?"Das ist nicht unser Vater!"Wer ist das denn?"Das wissen mir nicht." ,Wie kommt ihr denn mit ihm hier hin?"Wir waren am Spielen auf der Straße, da nahm uns der Mann mit zum Kuchenessen!" Dao Fräulein soll angesichts der unfre'willigen Zech­preller einen leichten Ohmnachtsanfall erlitten haben.

Wettervoraussage.

Etwas kühler, teils heiter, vorwiegend wol­kig, Winde aus westlicher Richtung, Reigung zu leichten strichweisen Riedrrschlägen.

Das Hochdruckgebiet, das das sommerliche Wetter herbeigeführt hat. erfährt dadurch vor­übergehend eine Abschwächung daß in Rord» europa ein Wirbel sich nach Mittelskandinavien verlagert hat. der mit seinen Randbildungen süd­lich ausgreift. Die auf feiner Rückseite einströ­mende falte Luft trifft auf die kontinentale ftarf erwärmte Lull . ti> führt zu den gewitterhaften leichten T.ieherfü;(ägen, die mit Ausnahme des Südwestens inzwischen in ganz Deutschland ein­getreten sind.

Gestrige Taa vtemperaturen: Maximum 28,8 Grad Celsius, Minimum 13,8 Grab Celsius. Heuttge Morgmttemperatur 17,9 Grad Eelsius.

Aur der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 22. Iuni 1926.

Jur Förderung des Kleinwohnungsbaues.

Rachdem der Landtag ein Gesetz beschlossen hat, auf Grund dessen die Regierung ermächtigt wird, zum Zwecke der Bereitstellung von Zwischenkredtten zur Förderung des K lein w 0 hn un g s bau es Darlehen bis zum Betrage von 3 Millionen Rm. bei dem Reich aufzunehmen und zu den auf Grund des Reichsgesehes über die Bereitstellung von Krediten zur Förderung des Kleinwohnungs­baues vom 26. März 1926 erlassenen Bedingun­gen zu verwenden, hat das hessische Ge­samtministerium mit der Ausführung dieses Gesetzes den Minister für Arbeit und Wirt­schaft im Einvernehmen mit dem Finanzminister betraut. Der Minister für Arbeit und Wirt­schaft hat nun eine Verordnung erlassen, in der es heißt:

Der auf Hessen entfallende Anteil an dem vom Reich zur Forderung des Wohnungsbaues bestimmten Kredit wird non ~ ter Hessischen Landesbank verwaltet und den Darlehensnehmern unter den folgenden Bedingungen überlassen:

Der Kredit wird zunächst als Zwischen- kredit, jedoch grundsätzlich nur auf die Dauer bis zu 7 Monaten gewährt. Der Zwischenkredit ist vorbehaltlich anderweitiger Fest­setzung mit 7*/< vorn H unVe r t vom Tage der Auszahlung an zu verzinsen. Wird der Kre­dit länger a l s 7 Monate m Anspruch genommen, so erhöht sich der Zinssatz zugunsten des Reiches von Monat zu Monat um je 1 Prozent für das Iahr berechnet. Der Zwischenkredit darf nur zur Ermöglichung vvn er st en Hypotheken für neu zu errichtende Kleinwohnungen verwendet werden. Rach Ab­lauf von 7 Monaten, von dem Tage der Aus­zahlung an gerechnet, ist der Zwischen« kredit durch eine er st st eilige lang­fristige Hypothek abzulösen. Die Hes­sische Landesbank hat sich bereit erklärt, nach Ablauf von 7 Monaten den Zwischenkredit m ein langfristiges Darlehen umzuwandeln, dessen Rückzahlung nach besonderen Grundsätzen geregelt wird. Für den Fall, daß eine erste Hypothek, die eine Beleihung von über 35 v. H. des Wertes des Grundstückes, darstellt, gewährt wird, haben die Städte und Gemeinden Aus­bietungsgarantien zu übernehmen gegen die Zusage des ersten Hypothekengläubigers, daß die erste Hypothek im Falte der Zwangsverstei­gerung stehen bleibt. Die für eine Woh­nung mit Hilfe des Reichskredits gegebene erste Hypothek darf den Durchschnitts­betrag von 5000 RM. nicht übersteigen.

Aus Mitteln des Reichskredits dürfen nur solche Bauvorhaben gefördert werden, die nach Art und Größe den folgenden Richtlinien ent­sprechen: Kl einwohnungen und ausnahms­weise auch solche Mittelwvhnungen. die nach den geltenden Desttmmungen Baudarlehen aus Landesdartehen erhalten oder erhalten könn­ten, und bei denen Gewähr gegeben ist, daß die Wohnungen nicht zu spekulativen Zwec­ken verwendet werden. Besonders werden dabei solche Bauvorhaben berücksichllgl, bei denen be­währte, einheitliche Typenentwürfe, die nach den Grundsätzen einer sparsamen Bau­weise aufgestellt sind, mit Bauteilen ausgeführt werden, die nach den deutschen Baunormen ge­fertigt werden. Gemeinden, in denen Klein« wohnungsbauten unter Inanspruchnahme des Reichskredits errichtet werden, müssen sich ver­pflichten, auch Ersatzwohnungen oder iln- terkunftsräume in angemessener Zahl zu erstellen, um für solche Mieter, insbesondere asoziale, die auf Grund des Mieterschutzgesehes ihre bisherige Wohnung räumen müssen, Wohnraum zu be­schaffen.

Die gewährten Kredite find zur Rück­zahlung fällig: a) wenn feftgesiellt wird, daß der Kredit dcn Vorschriften zuwider verwendet wor- den ist: b) wenn das Bauvorhaben innerhalb der angegebenen Frist nicht rechtzeitig fertiggestellt wird: c) wenn das Darlehen nicht zum Wohnungs­bau verwendet wird; d) wenn eine der Verpflich­tungen nicht eingehalten ober das Zwangsversteige- rungs- oder Konkursverfahren gegen den Eigen­tümer des Grundstücks eingeleitet wird.

Zur Sicherung des Zwifchenkredits und der Rückzahlungsfrift ist an den Baugrund­stücken eine er ft ft eilige wertbeständige Hypothek im Sinne des Reichsgesetzes vom 23. Juli 1923 zugunsten des Staates einzu- tragen. Die Eintragung hat in Goldmark, eine Goldmark gleich 1,2790 Kilogramm Feingold, zu erfolgen. Der Schuldner ist berechtigt, diese hypo­thekarischen Darlehen nach Ablauf von zwei Jahren seit der Bestellung zu kündigen und ohne Aufgeld zurückzuzahlen. Im dritten, vierten und fünften Jahre seit der Bestellung ist die freiwillige Rück- zahlung jedoch nur in Pfandbriefen der Anstalt, die das Darlehen gewährt hat, zulässig.

Anträge auf Gewährung eines Zwischenkre- bits aus den verfügbaren Reichsmitteln find bei der Hessischen Landesbank in Darmstadt einzureichen.

Gießener Wochenmarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt per Pfund: Butter 1.60 bis 1.80 Mk., Matte 35 Pf., Käse 10 Stück 60 bis 80 Pf., Wirsing pro Pfund 30 Pf., gelbe Rüben das Päckchen 20 Pf- Spinat baä Pfund 15 bis 25 Pf., Römischkohl 20 Pf.. Bohnen 70 Pf., Spargsl 1 Mk., Erbsen 60 Pf., Mischgemüse 15 Pf.. Tomaten 1 bis 1.20 Mark. Zwiebeln 20 bis 25, Rhabarber 15 bis 20 Pf.. Kartoffeln (neue) 15 Pf., Kartoffeln (alte) 5 Pf., Kirschen 25 bis 30 Pf., Stachel­beeren 30 Pf., Iohannisbeeren 40 Ps., Erd­beeren 70 bis 120 Pf., Suppenhühner 1.10 bis 1.30 Mk.. Eier das Stück 12 Pf., Blumenkohl 80 bis 120 Pf., Salat 5 bis 10 Pf., Salatgurken 40 bis 60 Pf., Ginmachgurken 15 Pf., Ober-Kohl­rabi 20 Pf- Rettich 20 Pf., Radieschen Bund 10 bis 15 Pf.

Bornotizen.

Tageskalender für Dienstag. Stadttheater, 8 Ahr: Gastspiel des Kurtheaters Bad-Rauheim:Die Dame, welche . . .7" Deutsche Dau- und Siedlungsgemeinschaft, 8l/i Ahr. Saalbau Sauer: Vortrag. Deutscher Republikanischer Lehrerbund, 8 4 Ahr.Stadt Wetzlar': Vortrag. Lichtspielhaus. Bahnhof­straße:Prinzessin Trulala". Astoria-Licht- spiele: ..Tornado".

Verein Oberhessisches Damen- h e i m. Rächsten Freitagabend im Lukassaal Mitgliederversammlung. (Siehe Anzeige.)