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Dic Lörje eröffnete bei teil. n1" in lehr

J ?urd) bos Ergebnis bes >e Soric mch, anders enoariel m die bisher der Börse fern. - Publikums ftart ongereat, 01reid)c Kaufaufträge ibe vor. An der Spihe der inden J.-T.-Farbeninbu» erhebliche Steigerung von über en hatten. Am Montan- Kursbefferungen 2 bis 6 Pro- enmertc waren hier stark er- omartt waren Kursstes^. ojent zu verzeichnen. Ferner und Sprcngftoffmertc aktien lagen ruhig, die Ge- 1 Prozent nicht hinaus. Am läge unverändert leicht. Tages- ent. H Devisenverkehr Saluten etwas befestigt. Poris rüffel 168,75, Mailand 135.

:r Gcireide-örfc.

1, 21.3uni. Es wurden no­rauer, 31,50 bis 32 Mark: 22 bis 22.50, Sommergerste s 24; W. msändischer, 21 11,50 bis 11,15; Weizenmehl. 0), -43 bis 43,25; Noggenmehl Eleie 9; Koggentleie 11; Erbsen bis 75; Heu, süddeutsches, gut. i0; Weizen- und Roggenstroh getrocknet, 14,50 Mark, -en-

! Lchlachtviehmarkt.

a M. 21. Juni. Abrieb: nter 323 Ochsen, 4S Dullen he, 533 Kälber. 63 Schaseund wurden bezahlt für 100 Wnd xpr- Ochen vollfletch^ m@£ s-Ärtts ss$S rti bis zu 1 52 ältere

ickelte ^^Ädefte , und wenig 8 Kübe bis 47, .maJ9£te Kühe und 43. g^ng

Kälber TL LM- > Mast' und beste y ce Mast- fe; Wstla-M-^ und ) geringere Mn W Lchwe-n/- » VA 15, z 79, uni«80/ 9von 120 W en 73 W 6; .-.ßet 150 Kg.

Sauen uno S ^ 5t,errmar!L särA

32"77 35-g 38-40 15-56

2-58 ,62 ,52 ,65 ,59 ,59

Schweine es-A 7°-8 58' 63- 65-^ «'S 70-6; 70'65 g8-83 3-81 62-8$ 70-77

Schale 30'62 40-Z 35-58 42-58 35-55 28-62

74'82 $: -o,80 ®-s S'-S tl 31 oO

30'53 35'^ 36-5 2S-Z 40-63

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m. 145 Erster Blatt

176. Zahrgang

Dienstag, 22. Zuni 1926

Erscheint täglich,au her Sonntags und Feiertag«.

Beilagen:

Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle.

ntonat$«B<jugsprets:

2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger- lohn, auch bei Nichter­scheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüfse: Schriftleitung 112, Der« lag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Gießen, povscheettonto:

Zranlfutt am Main 11686.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vnick und Verlag: Vrühl'sche Umverfitülr-Vuch. und Ztetndruckerei H. Lange in Sletzen. Schriftleitung und Geschästrftelle: Schulftraße 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re­klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig. Platzvorschrift 2O°,o mehr

Ehefredakteur:

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Will). Cange; für Feuilleton Dr. H Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den An- zeigenteil Han, Iüstel, sämtlich in Gießen.

Die pariser Regierungskrise.

Paris, 21. Juni. (TU.) Briand erklärte gestern abend, er hoffe bestimmt, am Donners­tag mit feinem neuen Kabinett dj) r b i e Kammer treten zu können. Man nimmt an, baß das Kabinett heute a b e n b gebilbet fein werbe. Brianb bezeichnet jein kommendes Kabi­nett als ein republikanisches Konzen- tratiooskabinett.

Echo de Paris" weist barauf hm, Brianb werbe heute P o i n c a r i zum Eintritt in die Re­gierung aufforbem unb ihn barauf aufmerksam machen, baß bas Land von ihm ein Opfer verlange. Poincar 6 kenne alle möglichen Projekte, bie da- zu bestimmt feien, eine neue Inflation zu verhin­dern. Mit dem Borsitzenden des Sachverständigen- Ausschusses werde heute Poincarö erneut verhan­deln, sowie mit den Leitern der Bank von Frankreich und mit Peret. Davon werde es ab» hängen, ob er das Finanzmini st erium an» ne.Me oder nicht. Inzwischen werde das Kabinett Briand so ziemlich fertig fein. Die Minister d e Monzie, Vincent, Laval, Durand und Painleve würden vermutlich auf ihren Posten bleiben. Darüber, ob eine Reihe anderer Ministe­rien an Vertreter der Rechtsrepubllkaner fallen würde, habe Briand bisher jede Antwort ver- weigert.

Die Sitzung der R a d i k a l f o z l a l l st e n , in der j) e r r t o t über feinen Mißerfolg berichtete, hat zu keiner Entscheidung über die Haltung der P.rtei zu dem neuen Kabinett geführt. Rach der Stirn» nng. die u der Debatte zum Ausdruck kam, i|f aoer anzunehmen, daß wegen des Mißerfolges Herriots die Mehrheit der Radikalsozialisten zu Br and in Opposition treten werde.

Briand wird heute abend gegen 1U Uhe eine letzte Unterredung mit Poincar 6 haben, von der er, wie er Pressevertretern erklärte, eine endgültige Losung der Kabinettskrise erwartet. Poincare soll übrigens ertläri haben, daß er ein anderes Portefeuille dem des Finanz- ministers oorziehen würbe, was dadurch bestätigt zu werden scheint, daß unmittelbar nach­dem er den Quai d'Orsan verlassen halte, der ehe- malige Finanzminister Doumer bei Briand erschien.

Bor der Entscheidung.

Paris, 22. Juni. (WTD.-Funkspruch.) Die Entscheidung, ob Briand das Kabinett bilden kann, durfte jedenfalls in der Konferenz fallen, die er heute vormittag mit Poincare, Doumergue und einer Anzahl der Persönlich­keiten haben wird, die seinem letzten Ministerium angehört haben, so Painleve, Durand, Lehgues, Lerier und Laval. Im Verlaufe dieser Konferenz soll das Finanzprogramm geprüft werden. Es scheint festzustehen, daß Poincar 6 das Finanz Ministerium abgelehnt hat, da er die Ansicht vertritt, das elsaß-lothringischen Angelegenhei- fugnisse haben und unter den gegebenen Ilm­ständen fei es notwendig, die Anzahl der Kabi­nettsmitglieder auf 5 oder 6 zurückzuführen. Poincarö wolle bei der persönlichen Autorität, die der Finanzminister haben müsse und in An­betracht, daß er im Parlament im Vordergründe stehe, nicht Finanzminister werden, weil er A n - griffen ausgesetzt sei. Die retrospektiven Betrachtungen über die politische Rolle, die er vor den letzten Kammerwahlen gespielt habe, würden das Kabinett Briand schwächen, anstatt yu stärken. Außerdem könne Poincare die Ratifizierung des Washingtoner Schuldenabkommens nicht beantragen, da er sich öffentlich gegen das Abkommen ausgesprochen habe. Unter diesen Umständen soll Poincare es vorziehen, das Justizministe­rium und damit die Verwaltung der elsaß-lothringischen Angelegenhe - icn zu übernehmen. Es bestehl aber offenbar der Plan, innerhalb des neu zu bildenden Ka­binetts ein Finanz-Komitee, bestehend aus Briand, Poincare und Doumergue, dem das Finanzministerium tatsächlich angeboten wurde und der sich heute entscheiden soll, zu bilden!Echo de Paris" stellt fest, daß gegen bie Ernennung Doumergues zum Finanzminister sich hauptsächlich von feiten Painleves Widerstände geltend machen und daß vielleicht doch in letzter Linie Poin- cate sich veranlaßt sehen tonnte, das Finanz­ministerium zu übernehmen. Einige Morgen­blätter halten es auch nicht für ausgeschlossen, daß schließlich Painleve das Finanzministerium übernehmen wird. Es wird angenommen, daß das neue Kabinett sich am fommenben Dienstag dem Parlament vorstellt.

Deutschland und die Ab­rüstungskonferenz.

Eine (Entschließung des Auswärtigen Ansschusses. Berlin, 21. Juni. (SU.) ^'m auswärtigen Ausschuß des Reichstages erstattete heute der deutsche Delegierte Graf Bernstorfs Bericht über die Genfer Abrüstungskonferenz. Anschließend an den Bericht des Grafen 'S c ru­ft o r f f wurde nach längerer Aussprache, an der sich die Abgeordneten Graf Reventlow (Völkisch), Dr. Hoetzsch (5>n.), Dr. Rosen­berg (Komm.), v. Rheinbaben (DVP.), Dr. Dernburg (Dem.), Dr. Quadt (Dn.) und Müller- Franken (Soz.) beteiligten und in Deren Verlauf auch der Reichsminister des Aus­wärtigen Dr. Stresemann das Wort ergriff, mit großer Mehrheit folgende Entschließung

Nach der Abstimmungsschlacht.

Die Schlacht ist geschlagen, die Bilderstürmer, die das nachholen wollten, was sie in der Revo­lution versäumt hatten, haben eine schwere Nie­derlage erlitten. Daß sie die zwanzig Millionen erreichen würden, die zur Fürstenenteignung not­wendig waren, haben sie wohl selbst zuletzt in ihren kühnsten Träumen nicht mehr erwartet, fünfzehn Millionen aber war doch die Standard- zahtz die sie nach Hause bringen mußten, um wenigstens mit Ehren bestehen zu können. Richt umsonst haben sie Propaganda dafür gemacht, daß auch diejenigen, die nicht mit Ja stimmen wollten, wenigstens zur Abstimmung hingehen, sie rechneten darauf, daß auf diese Weise wenig­stens im ganzen zwanzig Millionen zusammen­kämen und sie dann durch Anzweiflung des ver­fassungsmäßigen Charatters der Fragestellung ihren Willen doch durchsetzen würden. Richt einmal das ist ihnen gelungen, sie werden die Dinge drehen und wenden können, wie sie wollen, ihre Riederlage ist unbestreitbar. Selbst dann, wenn man ihnen zugibt, daß sie im Volks­entscheid noch zwei Millionen mehr heraus­geholt haben, als im Volksbegehren. Aber ist das wirklich ein Wunder? Ein, Volk, das durch die Inflation enteignet ist, bildet immer ein dankbares Objekt für theoretische Enteignungs­konstruktionen auf Kosten anderer. Die Sozial­demokraten haben deshalb auch wohl gewußt, was sie taten, als sie den eigentlichen Charakter des Volksentscheides umbogen und ihn aus einer politischen zu einer rein finanziellen Frage mach­ten. Unb doch so seltsam das klingt, haben sie vielleicht gerade dadurch ihr Spiel verloren.

Die (Zahl derjenigen, die heute noch ein Interesse Daran haben, sich unmittelbar für die Fürsten einzusetzen, ist gering, ist jedenfalls ge­ringer, als Die Hälfte aller Wahlberechtigten. Aber eben weil bie Fanatiker des Volksentscheides aus ihm einen Kamps um das Eigentum, einen Kampf um Die sittliche Grundlage unseres ganzen Staatsbegrifss machten, eben deshalb haben sie verloren. Mögen sie jetzt über Wahlterror kla­gen, Schuld an ihrem Mißerfolg haben nur sie selbst. Wobei aber trotzdem zuzugeben ist, daß fie den Zielen, die sie neben der Enteignung der Fürsten verfolgten, näher gekommen sind. Wenn inan heute Die Bilanz des ganzen Volksentscheides zieht, Dann wird man festzustellen haben, daß Die Demokraten so gut wie aufgerollt sind, sie haben trotz Der Parole ihrer vernünftigen Mit- glteDer sich zu Gefolgsmannen der Sozialdemo­kraten hergegeben, älnd noch schmerzlicher muß es für das Zentrum sein, daß im Westen ohne Rücksicht auf Die stramme Parole nicht nur der Parteileitung, sondern des Episkopats seine An­hänger in Hellen Haufen Den Sozialdemokraten nachgelaufen sind. Deutschnattonale, Volkspar- tei und Wirtschaftspartei haben ihre An­hänger beisammen gehalten, die Spekulation auf Rentner und Sparer ist mißglückt. Der Süden und der Osten haben sich glänzend geschlagen, aber im industriellen Westen hat das Zentrum eine schwere Rieder läge erlitten. Das wird sich weiter auswirken mindestens insoweit, als das Zentrum jetzt ein starkes Interesse Daran hat, Reuwahlen zu vermeiden und zusammen mit seinem Kanzler Marx darauf hinarbeiten muh, eine positive Regelung des Problems der Für­stenabfindung zu finden, die den Apell an die Wähler vermeidet; wenigstens solange, bis das Zentrum wieder seine Parteiorganisationen fest in die Hand bekommt.

Das Endergebnis.

Berlin, 21. Juni. (TU.) Rach der letzten Aufstellung des Reichswahllelters ist das Ergebnis der gestrigen volksentfcheid-Ab- flimmung folgendes:

Stimmberechtigt 39690559; 3 a 14441590; Rein 584723; ungültig 559406.

Das vorläufige amtliche Gesamtergebnis des Volksentscheids in Hessen lautet nach Mitteilung des Landeswahlleiters wie folgt: Mit 3 a stimmten 348 940 Wähler, mit Rein 15 606. wahlbe­rechtigt waren 871 799.

Die Führer der Rechten zum Boiksenischeid.

Berlin, 21. Juni. (TU.) DieNachtausgabe" veröffentlicht eine Unterredung mit den Führern der Rechtsparteien über den Volksentscheid.

Graf Westarp, der Vorsitzende der Deutschnationalen Volkspartei, äußerte sich über die .augenblickliche innerpolitifdje Lage u. a. folgendermaßen: Der äußere Miß­erfolg des Volksentscheides, der dadurch zum Ausdruck kommt, daß etwa sieben Zehntel des deut­schen Volkes das sozialdemokratisch-kommunistische Enteignungsgesetz ablehnten, darf nicht über die ernste Bedeutung der abgegebenen 14,5 Mil­lionen Stimmen täuschen. Die ausländischen Mächte, die Deutschland durch die Reparationsver- pflichtungen bedrängen, müssen aus dem Ergebnis des Volksentscheides entnehmen, daß sie in ganz anderem Maße als bisher Deutschlands politische und wirtschaftliche Lebensmöglichkeiten eröffnen müssen.

Reidjsminiffer a. D. Dr. Scholz, der Vorsitzende der Fraktion der Deutschen Dolks- partei, erklärte: Nach der maßlosen und verhetzen­den Agitation der Enteignungspar­teien muß das Ergebnis von 14,5 Millionen als befriedigend bezeichnet werden. Es muß vor allem die Tatsache festgehalten werden, daß der Ver­such der Enteignungsparteien verfassungsrechtlich und gesetzlich gescheitert ist. Damit tritt, wie die Deutsche Volkspartei immer betonte, wieder die par­lamentarische Behandlung der Auseinandersetzung zwischen den Ländern und den ehemaligen Fürsten­häusern in Kraft. Die Deutsche Dolkspartei steht zu dem von der Regierung vorgelegten Kompromiß­gesetz.

Abgeordneter Drewitz, der Führer der Wirtschaftspartei, führte aus: Die Deutschnationale Volkspartei muß jetzt ein gewisses Entgegenkommen zeigen. Die Wirtschaftsp-rtei er­wartet, daß die Sozialdemokraten weitergehende Forderungen über den Inhalt des Kompromißge- setzes der Regierungsparteien hinaus stellen werden. Eine gesetzliche Regelung ist schon mit Rück­sicht auf das Ausland, das durch den Volksentscheid beunruhigt sei und auch mit Rücksicht auf die inner- politische Erregung dringend notwendig. Nach An­sicht der Wirtschaftspartei muß dieses Gesetz noch vor den Reichstagsferien zur Annahme kommen.

Die Berliner Preste.

Berlin, 21. Juni. (TU.) Die Berliner Abend- preffe beschäftigt sich in längeren Leitartikeln mit dem Ergebnis des gestrigen Volksentscheides. Der BerlinerL o k a l a n 3 c-i g e r" schreibt:Die Rechtsparteien und mit ihnen alle diejenigen Kreise der Mittelparteien, die den Fürstenenteignern bis zur letzten Stunde die Gefolgschaft verweigerten, haben allen Grund, über die Entscheidung des gestrigen Tages Befriedigung zu empfinden. Noch einmal ist jetzt Gelegenheit gegeben, die Streitfrage, an der auch der Volksentscheid gescheitert ist, im Wege der ordentlichen Gesetzgebung aus der Welt zuschaffen. Daß dabei die Not des Volkes jene Be­rücksichtigung zu erfahren hat, die ihm gebührt, versteht sich von selbst." DieDeutsche Tages­zeitung stellt fest, daß die Linke eine schwere Niederlage erlitten hat und führt weiter aus.Wir werden in den kommenden Tagen und Wochen in den Parlamenten ähnliche Kämpfe erleben, wie sie schon zweimal zu einem Mißerfolg für den (Sekan­ten einer gesetzlichen Regelung geführt haben. Aber diesmal gehen die Verhandlungen oonstatten ohne den Druck des drohenden Volksentscheides, der ge­rade für das Verhalten der Mittelparteien und jur die Gestaltung des Gesetzes bisher von ausschlag­gebender Bedeutung war." DieKreuzzei- t u n g" schreibt:Sollte die große Koalition, die in diesem Falle eine erweiterte Weimarer Koalition wäre, bei der die Deutsche Volkspartei nur dazu aus- ersehen wäre, Verantwortung mit übernehmen zu müssen, ohne entsprechenden Einfluß zu besitzen, nicht zustande kommen, dann möge eben der Reichs­

tag aufgelöst werden." Die .Deutfdje Allge­meine Zeitung" stellt fest, daß die Begleitum­stände dieses Volksentscheides in der Republik alles andere als erfreulich gewesen seien, und daß es ernster politischer Arbeit bedürfe, um die verheeren­den Folgen der Massenagitat'.on wieder gut zu machen. Bei der reichsgesetzlichen Regelung der Fürstenabfindung werde es ohne Opfer auf beiden Seiten nicht abgehen. DieTägliche Rund­schau" führt folgendes aus:Der Ausfall des Volksentscheides hat fürs erste eine größere Gefahr vom Lande abgewandt und eine schwere Verletzung der Ehre und Würde Deutschlands verhindert. Wir sind uns aber auch klar, daß wir noch lange nicht den Sieg unser nennen können. Auch wer es oorge- zogen hätte, die Sache auf dem reinen Rechtswege zu entscheiden, muß jetzt einsehen, daß der Weg des Kompromisses beschritten werden muß." DieG e r- mania stellt fest, daß nicht zu bestreiten fei, daß in einigen Wahlkreisen den Sozialdemokraten ein bedenklicher Einbruch in die nichtsoziaststischen Wäh­lerkreise gelungen ist. Die Zahlen lehrten, daß ein nicht kleiner Teil der Zentrumswähler sowohl beim Volksbegehren, wie bei der Abstimmung der Partei­parole nicht gefolgt seien. Dieser Mangel an Partei­disziplin sei gerade in diesem Falle besonders be­dauerlich. Den Gründen dieser beklagenswerten Er­scheinung müsse die Partei mit aller Ruhe, aber auch mit aller Gründlichkeit nachgehen. DasBer­liner Tageblatt" schreibt:Die gestrige Ab- ftimmung hat den Weg freigemacht für eine ge­rechte, die Lebensinterefsen des deutschen Volkes und der Republik wahrende Regelung. Es handelt sich nicht um eine juristische, sondern um eine politische Frage. Durch Gesetz unter Ausschluß des Rechts­weges muß jedes Land festsetzen, was es der ehe­maligen Öpnaftie als Abfindun,q gewähren will. Der Kampf um eine solche Lotung muß jetzt be­ginnen. Versagt der Reichstag, dann muß er auf­gelöst werden." DieD 0 s s i s ch e Zeitung" ist her Ansicht, daß der Volksentscheid ein Votum gegen und nicht für die Fürsten gewesen sei.

Der Gesetzentwurf der Regierung.

Berlin. 21. Juni. (TU.) An zuständiger Stelle wird betont, daß anläßlich des Ergeb­nisses des Bolksentscheides die Reichsregierung, entsprechend ihrer Ankündigung mit allen Mit­teln daran gehen wird, den Gesetzentwur, zur Abfindung der Fürstenhäuser im Reichstage zur Anncchme zu bringen. Im Zusammenhang Damit wird auch Gelegenheit sein, alle übrigen innerpolifischen Fragen, einschließ­lich der Zollfrage, zur Erledigung zu bringen. Rach dieser Mitteilung Darf man annehmen, daß in den nächsten Tagen auch die Frage der Erweiterung der parlamentarischen Basis der gegenwärtigen Minderheitsregierung akut wird.

Der Rechtsausschuß des Reichstages nimmt,' wie vereinbart, am Dienstag den Regierungs­entwurf zur Fürstenabfindung in Angriff. Er hofft, in drei Tagen feine Arbeit beenden zu können. Die Regierungsparteien haben sich mit dem Entwurf bereits einverstanden erklärt. Die Haltung der Sozialdemokraten und Deutschnationalen wird erst in den heutigen Fraktionssitzungen sestgelegr werden.

Genugtuung in Amerika.

Reuyork, 21. Juni. ($11.) Die gesamte maßgebende Oefsentlichkeit Amerikas nimmt das Abstimmungsergebnis für Den Bollsentsche d mit Genugtuung auf. Die Zeitungen betonen, die Furcht vor weiteren Enteignungen hätten Die deutschen Wähler von Der Wahlurne serngehalten. Das deutsche Bolk habe sich auf keine bolsche­wistischen Experimente einlassen wollen. Es kommt allgemein, besonders aber in Washing­toner Kreisen Befriedigung Darüber zum Aus­druck, daß Deutschland einer schweren inner- politischen Krise entgangen ist, Die sich not» geDrungen wirtschaftlich und außenpolitisch zum Rachteil Deutschlands ausgewirkt haben müßte.

angenommen: Unbeschadet der Stellung Der ver­schiedenen Frakfionsvertreter zu Den Fragen im einzelnen, nimmt Der Auswärtige Ausschuß davon Kenntnis, daß bei den Verhandlungen der vorbereitenden Kommission für die Abrüstungskonferenz irgendwelche Be­dingungen für Deutschland nicht er­folgt sind und erhebt mit dieser Maßgabe gegen eine Fortsetzung Der Beteiligung Deutschlands an den weiteren Beratungen zur Förderung des Abrüstungsprogramms keine Bedenken. Es folgte die Beratung über den Gesetzentwurf zur Durchführung der Artikel 177, 178 und 198 des Versailler Vertrages und der Pariser Vereinbarung über Luftfahrt. Rach ausführlichen Diskussionen über den Gesetzentwurf und über die Pariser Luft­fahrtvereinbarungen empfahl Der Auswärtige Ausschuß bei Stimmenthaltung Der Vertreter Der kommunistischen Fraktion mit allen übrigen Stim­men. Dem Plenum des Reichstages die An­nahme des Gesetzentwurfes.

Ablehnung des französischen Standpunktes.

Genf, 21. Juni. (TU.) In der heutigen Satzung der militärischen Unterkommrssion Der Abrüstungskommission hat der französische

Standpunkt abermals eine Riederlage erlitten. Don ftoTizösischer Seite war Der Antrag gestellt worden, als Dergleichsmaßstab für die Landrüstung nur die militärischen Personalbestände heranzuziehen, dagegen bei den See- und Luftstreitkräften auch die Materialbestände zu berücksichtigen. Dieser Antrag stieß auf schärfste Oppo- fition. Gegen den Antrag stimmten Deutschland. England, Brasilien, Holland, Schweden, Ehile und diesmal auch Polen. Frank­reich, das bisher in allen Fragen über die aus­nahmslose Unterstützung Der kleinen Entente, Bel­giens, Polens unD Italiens und damit in der Kommission über sieben Stimmen verfügt, blieb heute in der Minderheit. Die Ablehnung des ftanzösischen Aittrages wird als Erfolg über die französischen Verhand­ln n g s m e t h o d e n in der Abrüstungskommis- sion aufgefafct Auf Antrag der deutschen Delegatron wurde heute ferner beschlossen, die Vollsitzungen der Kommission auf drei Tage auszusetzen, um den auf englischen Antrag hin eingesetzten drei Unterkonntees Zeit für die Arbeit zu geben.

Internationale Arbeitskonferenz

Genf, 21. Juni. (TU.) Die internatio­nale Arbeitskonferenz beschäftigte sich heute mit dem vom Arbeitsamt ausgearbei­teten Konventionsentwur, über die Heimschaffung von Seeleuten. Um die wesentlichen Bestimmungen dieses Entwurfes, die in den Artikeln 3 und 4 enthalten sind, ent­spann sich eine lebhafte Debatte. Der englische Regierungsvertreter warnte davor, wettgehende Bestimmungen in die Konvention aufzunehmen, da die Regierungen sie sonst nicht ratifizieren würden. Die deutsche Delegation stellte darauf den Antrag, in Den Konventions-- enttourf eine genaue Bestimmung Darüber aufzu­nehmen, wer Die Kosten Der Heimschaffung der Seeleute zu tragen habe, Da dieser Punkt in dem Konventionsentwurf völlig unklar sei. Der Entwurf wurde Dann mit 66 gegen 20 Stimmen angenommen. Ferner wurden zwei Reso­lutionen über die Heimschaffung Der Kapitäne zur Annahme empfohlen.

Der Direktor Des Internationalen Arbeits­amtes, Albert Thomas, hat gegen die zwei Beamten des Arbeitsamtes, Die in Der Sams- tagfitzung Der Arbeitskonferenz einen Zwischen­fall verursachten, eine älntersuchung eingeleitet. Der französische Beamte hatte wegen Der itaUent-