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nieiftet mit der Ditte, fte in seine Obhut zu nehmen und sie innerhalb der Mauern der Stadt Köln an einer der Bevölkerung zugänglichen Stelle aufzubewahren. 3m Verlauf des Essens ergriff dann noch der bayerische Ministerpräsident Held das Wort, um die Grütze der Donau dem Rhein, soweit er jetzt freigeworden ist, zu überbringen. Wie die Bayern das Leid miterlebt und mit empfunden haben, so haben sie jetzt auch sich mitgefreut^ als die Flammen der Freude und der Hoffnung auf eine bessere Zukunft in Köln bei feiner '2k= freiungsfeier hvchgelodert seien. Payern und ganz Deutschland danke es dem Rheinland, datz es in schwerer Stunde feine Treue zu allen Ländern und dem Deutschen Reich gewahrt habe. Der Ministerpräsident gedachte dann der noch besetzten rheinischen Gebiete, in denen die Zu- tunst Europas entschieden werde. Er appellierte an die Staatsmänner, die die Geschicke Europas in der Hand hätten, auch diese noch besetzten Gebiete sobald als möglich freizugeben. Seine Rede klang aus in ein Gelöbnis für die 2reue der noch besetzten Gebiete.
Der Fackelzug.
Rach dem Essen im Gürzenich nahm Reichspräsident v. Hindenburg auf dem Balkon des Rathauses am Alten Markt einen Fackelzug der Kölner Vereine und studentischen Korporationen ab. Hierbei brachte der Vorsitzende des Zweckverbandes für Leibesübungen. Maehler, dem Reichspräsidenten eine Huldigung dar im Namen der Manner und Jünglinge aus der Dornstadt, die das Oberhaupt des Reiches in einer Zeit grüßten, wo die Freude, wieder mit dem angestammten Vaterland verbunden zu fein, helle Begeisterung wachrufe, die spontan bei dem Besuch des Reichspräsidenten zum AuSbruch komme. ..Sie, Herr Reichspräsident, so sagte der Sprecher, sind uns das Symbol eines wahrhaft deutschen Mannes, des getreuen Ekkehard, zu dem wir alle in tiefer Verehrung aufschauen. 3m Schatten des Domes, des Wahrzeichens deutscher Einheit und Freiheit, schwören wir erneut unverbrüchliche Treue zum Vaterland und versprechen, dem Mahnruf des Reichspräsidenten zu folgen, immerdar treu und einig zu sein und stark und hart zu werden."
Nach dem Dorbeimarsch zogen die Teilnehmer des Zuges über die Hängebrücke zum Mechelngelände, wo unter Absingen des Gaudeamus igitur die Fackeln zusammenge- w o r f e n wurden. Von: Rathaus begab sich der Reichspräsident nach seinem Quartier. Montag früh 9.40 Llhr erfolgte die Abfahrt im Sonderzug zur Befreiungsfeier in Bon n.
Dee rheinischen Studenten an Hindenburg.
3n einer Begrützungsadrcfse der westdeutschen Studentenschaften an den Reichspräsidenten heißt es:
Wir westdeutschen ©tubenten sind uns unserer ernsten Aufgaben in ernster Zeit bewußt. Wir wollen zusammen mit unseren Volksgenossen entschlossene Hüterdes Deutschtums fein. 3n treuer Liebe zum Volke, in urwüchsigem Freiheitsdrang und einigendem Gemeinschaftssinn wollen wir als der Germanen Erben uns unserer Väter würdig zeigen. Keine wahrheits- fremden Worte, keine unerfüllbaren Träume und keine gefühlsfeurigen Wünsche sollen uns von dem dornigen Wege der Vernunft weglocken. E i n harter Wille wird das tatenfrohe Gefühl in die vom Verstände gezeichneten Dahnen der - Wirklichkeit zwängen. 3 pflichtbewußter ' gewissenhafter Arbeit soll der Zielstern 7 unserer Fügend das Streben sein, deutsche Männer zu werden, die in ihrem späteren Leben in der Lage sind, die Mitverantwortung für das Geschick ihres Vaterlandes zu tragen.
wirtschastrstagen im Reichstag.
Berlin, 20. Marz. Die 2. Beratung des Aeichswirtschaftsetats wird fortgesetzt.
Abg. Rauch (Bahr. Vvttsp.) 3n der bisherigen Handelsvertragspvlitik seien immer leider Landwirtschaft, Weinbau, Obst- und Gartenbau die Leidtragerchen gewesen. Bei der Preisabbau- aktivn der Regierung werde das Kleingewerbe zwischen den Mühlsteinen Produzent und Abnehmer zerrieben. Das Kartellwesen könne zwar zur Rationalisierung der Produkten führen, es werde aber vorläuftg zu einer unerträglichen Diktatur in den Preis- und Lieferungsbedingungen gemitz- braucht.
Abg. Krätzig (Z.) wendet sich gegen dis Ankündigung wirtschaftlicher Maßnahmen gegen England durch den Minister. Bisher habe die deutsche Wirtschaft von solchen Maßnahmen wenig Vorteile gehabt. Don den meisten Kartellen würden nicht die technischen Fortschritte in der Produktion gefördert, sondern nur die Rentabilität der angeschlossenen Betriebe im Auge behalten zum Schaden des Konsums und der ganzen Wirtschaft.
Relchswirtschaftsmlnlsier Dr. Eurttus
Meine Ausführungen über England haben ganz zu Anrecht so großes Aufsehen erregt, scheinbar weil man über unsere internationalen wirtschaftlichen Beziehungen nicht ausreichend orientiert ist. Wahr ist, datz die Engländer die Verpflichtung übernommen haben, feine neuen Fälle einzuführen, die uns besonders schädlich sind, und daß entgegen dieser Abmachung die Engländer diese Vertragsklausel nicht eingehalten haben. 3m Interesse der Aufrechterhaltung des Vertrages sind wir daher gezwungen, das Schiedsgerichtsamt anzurufen. Die Ausführungen des deutschnativnalen Redners über die zu große Einfuhr von Luxus- gegenständen ist unberechtigt. Die wesentlichen Bestandteile dieser Luxuseinfuhr sind Staffee, Kakao, Dananen und Apfelsinen. Das ist ein Luxus, auf den ein großes Kulturvolk nicht verzichten kann. Die große Notlage der Landwirtschaft wird von uns nicht verkannt. Wir wollen alles tun, um der Landwirtschaft durch die Gewährung von längs ri° stigenRealkreditendie Ablösung der kurzfristigen und mit hohen Zinsen versehenen Kredite zu ermöglichen. Dagegen muh die Regierung aber hie Anregung ablehnen, die Preise der landwirtschaftlichen Produkte durch hohe Zölle hoch- zuhalten. Die Uebelstände im Kartellwesen werden wir bei der Vorberatung des neuen Kartellgesetzes genau prüfen. Das Preis abbaugesetz wird nicht zurückgezogen, sondern von imx£ verbessert wieder vorgelegt werden, dabei werden wir die Anregungen der Spitzen
verbände des Handwerks und des Gewerbes möglichst berücksichtigen.
Abg. Drewitz (Wirtsch. Vereinig.) ist mit den Erklärungen des Ministers nicht zufrieden.
Das seit vielen Jahren versprochene hanbwqxks- geseh
werde auch von dieser Regierung nicht eingebracht, weil sie nicht auf eine Reichstagsmehrheit für die Pflichtorganisation des Handwerkes rechne. 3n der Preisabbaufrage habe die Regierung dem Hairdwerk nicht die freie Hand gelassen, die die 3ndustrie und die Arbeiterschaft besitze. Solange die Macht der Kartelle nicht gebwchen fei, fei der Preisabbau nicht durchzuführen.
Abg. Ai e n tim (Z.) wünscht engere Jüh- lungsnahme des Reichswirtschaftsministeriums mit den Spitzenverbänden. Die Genossenschaften sollten als Kohlengroßhändler anerkannt werden. Der Preisabbaugesetzentwurf sollte ganz zurückgezogen werden. Arbeiten und Lieferungen des Reichs sollten direkt dem Handwerk und dein Gewerbe übertragen werden.
Abg. Havemann (D. Dp.) spricht die Hoffnung aus, daß in dem neuen Preisabbaugesetzentwurf die Härten für das Handwerk vermieden werden, die der alte Gesetzentwurf enthielt. Das Handwerk selbst sei lebhaft bemüht, einen Preisabbau durchzuführen. Don den Baubehörden werde aber vielfach der 3nhalt des Preisabbaugesetzentwurfes gegen das Handwerk angewandt, obwohl dieser Entwurf gar nicht Gesetz geworden sei.
2lbg. Sammers (3entr.) verlangt die Zusammenlegung des Sanbwirtschaftsmimstc- riums mit dem Wirtschaftsministerium. Abgesehen vcn den Dehörden sei auch bei allen Berufen eine Ueberorganisation zu beobachten, die eine verständnisvolle Zusammenarbeit der Bürger untereinander und mit den Behörden erschwere. Wirt« schaftliche Dinge dürften nicht von parteipolitischen Gesichtspunkten aus betrachtet werden.
Abg. F i n d e i s e n (D. Bp.) fordert die Beseitigung der Ueberreste der Zwangswirtschaf t. Der Mittelstand könne sich zu seiner alten und gesunden Kraft nur dann entwickeln, wenn er oon ber behördlichen Bevormundung befreit werde.
Abg. Frau Dr. S ü d e r s (Dem.) betont die große Bedeutung des ch a u s f r a u e n b e r u f s für die gesamte Wirtschaft. Bei der Fabrikation der Haus. Halts- und Küchengegenstande werde zu wenig Rücksicht aus die praktischen Bedürfnisse genommen. 3n der für den Haushalt tätigen Industrie sollte die Normierung und Typisierung angewendet werden.
Das Haus vertagt sich auf Montag. (Etat des Reichskanzlers und des Auswärtigen Amtes.
Die politische Aussprache im Reichstag.
Eine Rede des Reichskanzlers.
Berlin, 21 März. (DDZ.) Heber die näheren Dispositionen für die große politische Aussprache, die am Montag im Reichstag ihren Anfang nimmt, erfahren wir, daß die zweite Lesung des Haushalts des Auswärtigen und des Reichskanzlers, in der die drei Anträge der Deutsch- Nationalen, der Völkischen itnb Komni unisten auf Zurückziehung des Gesuchs um Aufnahme in den Völkerbund verbunden werden, mit einer Rede des Reichskanzlers Dr. Luther eingeleitet werden soll, in der er eine Darlegung der Vorgänge in Genf geben wird. Als erster Redner der Parteien wird dann Abg. Müller- Franken (Svz.) sprechen. Es folgen dann die Abgeordneten Graf Westarp (Dntl.), Kaas (Z.), Frhr. v. Rheinbaben (D. Bpi), Graf v. Bern stör ff (Sem.). Voraussichtlich wird auch Reichsautzenminister Dr. Stresemann schon am ersten Verhandlungstage in die Erörterung eingveifen. Die Regierungsparteien werden kein Vertrauensvotum einbringen, sondern einen gemeinsamen Billigungsantrag vorlegen. 3n diesem Billigungsantrag soll auch darauf hingewiesen werden, daß nach dem Willen der Locarnomächte die bisherige Locarnv- politik fortgesetzt werden soll. 3m Anschluß daran soll die Reichsregierung aufgefordert werden, in ihrem Bestreben fortzufahren, die in Locarno vereinbarten Rückwirkungen auszubauen.
Die Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei hielt am Samstagnachmittag eine Fraktionssitzung ab. in der Reichsautzen- minister Dr. Stresemann über die Vorgänge in Genf Bericht erstattete. Die Aussprache ergab ilebereinstimmung darüber, daß bie deutsche Außenpolitik in der bisherigen Richtung fortgeführt werden müsse. Besondere Beschlüsse wurden nicht gefaßt.
Preußischer Landtag.
Berlin, 19. März. Der Landtag nahm die Abstimmung über die Hauszins ft euer vor. Der Paragraph, der den Grundsatz ausspricht, daß in Durchführung der reichsrechtlichen Borschriften auf bebaute Grundstücke eine Hauszinssteuer erhoben wird, wurde angenommen. Ferner fand der Zentrumsantrag Annahme, der die Gebäude landwirtschaftlicher Grundstücke ohne die Fischereibetriebe befreien will; außerdem der Antrag, der von der Steuer ausnimmt, Steuerpflichtige mit einem Einkommen unter 1000 Mark sowie bedürftige Sozialrentner, Kleinrentner, Kriegsbeschädigte und Erwerbslose. Ein Zentrumsantrag, der von den gewerblich benutzten Gebäuden nicht 40 Prozent der Friedensmiete, sondern nur 40 Prozent des Gebäudesteuernutzungswertes erheben will, wurde gleichfalls angenommen. Ferner wurde noch beschlossen, daß bei kleinen Einfamilienhäusern, die nur vom Eigentümer bewohnt werden, die Steuer eventuell gestundet oder niedergeschlagen werden 'kann.
(Eine Tagung der christlichen Gewerkschaften.
E s se n , 21. März. (WTB.) 2m Ruhrgebiet sanden in verschiedenen Städten Versammlungen des Deutschen Gewerkschaftsoerbandes statt, die als Protestkundgebungen gegen die Handelskammertagung vom 15. März veranstaltet wurden. 2n einer großen Versammlung im evangelischen Vereinshause in Essen behandelte der Vorsitzende des Bezirksverbandes Groß-Essen des Deutschen Gewerkschaftsbundes, »rebbemann, bie Forberungen ber Arbeiterschaft an bie Regierung unb die Wirtschaftsfuhrer. xer Geist bes überlebten Herrenmenschentums mürbe nur neue zerstörenbe Kräfte auf ben Plan rufen. Xie auf bei- Hanbelskamineclaaung empfohlene Be- tllebsgemcinschaft lehne die Arbeiterschaft ab. Sie fß! für die zentrale Arbeitsgemeinschaft.
Abg. Giesberts gab seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß bie deutsche Wirtschaft wieder hochkomme. Ader ber gegenwärtige soziale Kampf halte den Gesunbungsprozeß auf. Die breiten Volksmassen mußten Vierfünftel ber Reichseinnahmen aufbringen. Man könne nicht feststellen, daß der Teil, der bas letzte Fünftel aufbringe, seine Lebenshaltung einschränke. Geringe Löhne und lange Arbeitszeit führten zum Ruin der Wirtschaft. Sache der Arbeiterschaft sei es, nicht alles zu Scherben gehen zu lassen! Wenn nicht alle Kräfte zusammengesaßt würben, sehe er sehr trübe in die Zukunft. Abg. 2 m b it f d) erklärte, daß die Regierungsunter- t'udunjuo^ diq 33Q 'snvqbagg; uslpjizöus ssq Öunünjl für die deutsche Kohle so außerorbentlich erschwer^ auf die niedrigen deutschen Löhne zurückzuführen sei: aber dieses Warnungszeichen sei in Deutschland leider unbeachtet geblieben. Er forderte ber Erhöhung bes ziffernmäßigen Anteils ber Arbeiterscyasr an der Verwaltung der Ruhrknappschaft. Die christliche Arbeitersd)aft wünsche einen ehrlichen Frieden mit dem Unternehmertum, wobei die Arbeit gleichberechtigt sei, aber keinen Kirchhofsfneben, wobei einer kommandiert und die anderen zu aehorchen haben. Wenn bie Unternehmer biesen ehrlichen Frieden nicht wollten, müßte man sie durch Kampf dazu zwingen.
Amerika und Zrankreich.
Pariser Entrüstung über Houghtons Bericht.
Paris, 22. März. (TA.) Der von uns am Freitag veröffentlichte 'Bericht des amerikanischen Botschafters in London, Houghton, an den Präsidenten Co o l i d g e über das Kasko von Genf ist in Paris Anlatz zu überaus heftigen Pretzangriffen auf den Botschafter und die amerikanische Regierung geworden. So schreibt daS „Journal des Debats", Houghton habe ohne Unterscheidung alle Mächte, die es gewagt hätten, die Entwaffnung zu Lande mit derjenigen zur See zu verteidigen, angegriffen. Frankreich werfe er vor, daß es sich der Erfüllung des VersaillerVertrages und dem Geiste des Völkerbundes entziehe. Houghton und die Männer, die hinter ihm ständen, seien die schlimm st en Feinbebes Friedens.
Sie suchten diesseits des 'Atlantischen Ozeans Kolonien zn errichten unter der Form finanzieller cehnschafken. Durch den Krieg hätten sie die Ersparnisse mehrerer europäischer Länder an sich gebracht. Mit diesen Geldern wollten sie sich die Rohmaterialien und die Produkte für die Verteidigung Frankreichs bezahlen lasten. Aus diesem Grunde forderten sie auch die rasche Rückzahlung der Kriegsschulden.
Der „Temps" stellt folgende drei Fragen: 1. 3st der Bericht tatsächlich vorhanden?
2. Enthält er Beschuldigungen gegen Frankreich und besonders den Vorwurf deS Militarismus?
3. Wer hat ein 3ntereffc an dem Verleu m- bun g s f eldz ug, der mit Hilfe dieses Schriftstücks unternommen wirb, dessen Kenntnis einzig und allein dem Präsidenten ber Vereinigten Staaten Vorbehalten sein sollte?
Das Blatt neigt zu der Ansicht, datz an der Authentizität des Berichts kaum zu zweifeln sei und ein verspätetes Deminti der Washingtoner Regierung den schlechten Eindruck der Veröffentlichung kaum verwischen könnte.
Das Blatt hall es für erwiesen, daß in den vereinigten Staaten eine heftige antifranzS- sische Propaganda eingesetzt habe, die sowohl durch Intensität wie durch ihr Ausmaß die Aufmerksamkeit aus sich lenken müsse. Die angeblichen Enthüllungen seien darauf berechnet, eine Trübung des englisch-französischen vertzäli- nisses hervorzurufen und kämen, was belonoers bedenklich fei, in einem Augenblick, wo die Arbeiterpartei und die Liberalen in England zum Sturm gegen Chamberlain rüsteten.
Gleichzeitig bestehe Grund zu der Annahme, daß die Arheber dieser in Washington vorbereiteten und in London ausgeführlen Kampagne die Llköglichkeit eines Mißerfolges her Abrüstungskonferenz vorbereiteten und die Verantwortung für deren Fehlschlagen auf die Kontinentalmächte, besonders aber auf Frankreich abwälzen wollten. Den Vorwurf des Militarismus weist das Blatt schroff zurück und sucht an Hand der Stellungnahme Englands zum Genfer Protokoll nachzuweisen. daß Frankreich allein von wahrer Friedensliebe erfüllt sei. Frankreich habe als erster Staat das Protokoll vorbehaltlos unterzeich- n e t, das bann aber wegen der Opposition Englands aufgehoben worden sei. Anderseits werde übersehen, daß Frankreich gegenüber 1913 seine militärischen Ausgaben erheblich reduziert habe, während Amerika feine Ausgaben seitdem fortwährend vermehrte.
Kleine politische Nachrichten.
Aus Anlaß ber fünfjährigen Wieberkehr des Jahrestages ber 21 b ft t m m u n g fanben am Sonntag in allen o b e r f ch l e s i s ch e n Orten Kunb- gebungen statt. Besonders eindrucksvoll gestaltete sich die Kundgebung in B e u t h e n , wo sich vor dem jungst errichteten Selbstschutzbenkmal auf bem Wil- helmsplatz bie Beuthener Bevölkerung versammelt hatte. Lanbtagsabgeorbneter Z a w a b s k i hielt bie Gebenkrebe. Es würbe eine Entschließung angenommen, in ber gegen bie entgegen dem Willen bes Volkes verfügte Zerreißung Der oberschlesischen Heimat protestiert wirb.
Das Befinben bes früheren Reichskanzlers F e h r e n b a d) verschlechtert sich bauernb. Der Kranke war während bes ganzen Sonntags ohne Bewußtsein.
Oberbürgermeister Böß sanbte bem Komman- banten bes Kreuzers „Berli n", ber in ber Hol- tenauer Schleuse angekommen ist, zum Empfang in der Heimat nach glücklicher Amerikareife ein Begrüßungstelegramm.
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In Kopenhagen ist bie Königinmutter Louise von Dänemark, geborene Prinzessin von Schweben unb Norwegen, im Alter von 75 Jahren gestorben. Die Königin war bie Frau bes 1912 verstorbenen Königs Frederik VIII., bes Vaters bes jetzigen Königs Christian X.
Der Rücktritt pes Präsidenten der griechischen Republik Condurotis ist nicht überraschend gekommen. Die Presse nennt als Kandidaten für die Nachfolge den früheren Minister und Führer der Benizelospartei Politis, ferner den Admiral Casanda ris , sowie Pangalos. Bis zur Neuwahl führt ber Ministerpräsident die- Geschäfte des Präsidenten der Republik.
Nus aller Welt.
Schreckenstat einer Irrsinnigen. .
3n Glauchau erschoß in der Nacht zum Sonntag die Lehrerin Barth, vermutlich im Zustande geistiger Amnachtung, ihren Vater, den Inhaber einer Weinstube, ihren 14jährigen Bruder und brachte sich selbst eine schwere Scyuhverletzung bei.
Eine Greisin im Moor versunken.
Ein Förster fand in der Nähe der Försterei Dramburg (Pommern) im Moor die Leiche einer Frau. Es handelt sich um die 12 3cüjce alte Witwe Ernst aus Königsfelde, die anscheinend vom Wege abgekonrmen, ins Moor geraten und dort versunken ist.
Das Schicksal eines Wilderers.
Der Landwirt Karl Dulich aus Krupp (Kreis Oppeln), der beim Wildern den Förster Mütter niederge schoss en halte und selbst durch einen Schuh des Försters so schwer verletzt worden war, daß er erblindete, ist wegen Totschlages, unbefugten Waffenbesitzes und Jagdvergehens zu zehn 3ahren drei Monaten Zuchthaus verurteilt worden.
Bon einer Straßenbahn zu Tode-tzefchleift
3n Hannover stürzte ein 22jahrigesMädchen in einer scharfen Kurve von der Plattform eines Straßenbahnwagens und geriet unter die Räder. Erft durch das Schleifen des Wagens wurde der Führer auf den Anfall aufmerksam. Die Verunglückte konnte nur als Leiche geborgen werden.
Lin kühner Pilot.
Einen kühnen Flug unternahm ein Mitglied des Nieder rheinischen Luftfahrtvereins, Ortsgruppe Remscheid. Er flog mit einem Eindecker unter dem Bogen der Mün steuer Brücke durch. Der Flug ist dadurch besonders zu werten, als der Anflug sehr schwierig ist.
Aus -er Provinzialhauptstadt.
Gießen, den 22. März 1926.
Das Volksbegehren im Kreise Gießen.
Die nachstehende Aufttellung zeigt bie Einzeich- nungsergebnisse für bas Volksbegehren in den einzelnen Orten des Kreises Gießen. Die eingeklammerten Ziffern stellen bie Abstimmungsergebnisse bei der Reichspräsibentenwahl am 29. März v. 2. bar.
2llbach 54 (70). Allenbors a.d.Lahn 257 (212). Allenborf a. b. Lba. 117 (176). Allertshausen 82 (59). Alten-Buseck 479 (334). Annerob 121 (103). Bellersheim 12 (52). Beltershain 34 (15). Bersrod 72 (65). Bettenhausen 20 (12). Beuern 290 (199). Birklar 127 (128). Burkhardsfelden 194 (109). Climbach 37 (26). Saubringen 322 (261). Dorf-Gill — (9). Gberftabt mit Arnsburg 18 (37). Ettingshausen 12 (31). Garbenteich 305 (243). Geilshausen 6 (11). Gießen 4834 (4397). Göbelnrod 8 (12). Grvßen-Buseck 640 (336). Großen-Liuben 476 (516). Grünberg 197 (169). Gröningen 187 (103). Harbach 49 (14). Hattenrob 38 (27). Hausen 182 (133). Heuchelheim 1164 (783). Holzheim 36 (145). Hungen 124 (173). Inheiden 108 (91). Kesselbach 106 (80). Klein-Linden 161 (400). Sangh 21 (52). Sang-Göns 158 (315). Sangsborf 26 (67). Sauter 5 (31). Seihgestern 253 (295). Sich mit Hof Albach, Cobihausen unb Mühlsachsen 388 (415). Lmbenstruth 99 (64). Sollar 588 (572). Lonborf 177 (128). Lurnba 68 (53). Mainzlar 94 (99). Münster 16 (24). Muschenheirn mit Hof-Gill 10 (75). Nieber- Bessingen 74 (49). Nonnenroth 47 (19). Obbornhofen 134 (160). Ober-Bessingen 22 (30). Ober-Hörgern — (6). Obenhausen mit Appenborn 17 (32). Oppenrod 31 (12). Queckdorn 60 (57). Rabertshausen mit Ringelshausen 1 (6). Reinharbshain 4 (9). Reiskirchen 191 (127). Robheim mit Hof Graß 9 (31). Röbgen 316 (202). Röthges 37 (27). Rübbingshausen 255 (180). Ruttershausen mit Kirchberg 143 (82). Saasen mit Bollnbach, Veitsbera unb Wirberg 80 (ß4i. Stangenrob 61 (58). Staufenberg mit Friedeihausen 262, (225). Steinbach 159 (158). Steinheim 25 (45). Stockhausen 6 (10). Trais-Horloff 161 (135). Treis a.b.Sba. 211 (273). Trohe 97 (75). Utphe 48 (88). Dillingen 256 (158). Watzenborn mit Steinberg 506 (538). Weickartshain 17 (7). Weitershain 4 (12). Wieseck 1756 (1241).
Die „Koks"-Seuche.
Von den Verheerungen, die das Modegift der Nachrevolutions- und Inflationszeit unter Massen, bie ihm seinerzeit fröhnten, angerichtet hat, macht man sich nur schwache Vorstellungen. Einst als heilsames Narkotikum für die Siechen der Kriegslazarette bestimmt, war das nerven- und körperzerrüttende weißpudrige Gift bald in den Händen der internationalen Schieber beim Tanz um das goldene Kalb, die es dann kilogrammweise meistbietend absehten. Die schärfsten Gesetze, die der Gesunbheitsminister damals zur Bekämpfung der Seuche erlassen hatte, nützten wenig oder gar nicht. Es gab bekanntlich in der Blütezeit des Kokainismus richtige Kokainhöhlen, in denen ein flotter Handel mit dem verbotenen. Narkotikum getrieben wurde. Noch heute floriert das Geschäft im stitten. Es sind hauptsächlich die Wartesäle der Großstadtbahnhöfe und gewisse obskure Kneipen und Kaffeehäuser in den großen Städten, in dem die „Kokser" und ihre Zwischenhändler den Bedarf decken. Bedenkt man, datz schon im regulären Handel das Kilo Kokain etwa 3000 Mark kostet, so kann man sich einen Begriff von den Phantasiepreisen machen, die Laster unb Verbrechen im illegalen Handel zahlen.
Man kann mit Sicherheit sagen, datz die sämtlichen Vorräte, die im freien Verkehr angetroffen werden, auf gesetzwidrigem Wege dorthin gekommen sind, und zwar sind es vielfach Diebstähle in chemischen Fabriken, die ihm den Weg zur unrechtmäßigen Bestimmung eröffnen. Meist find die skrupellosen Diebe und Händler auch noch Betrüger, indem sie eine Streckung des Kokains durch Zusatz von Salizyl, Borax, Staubzucker u. a. vornehmen.
Nach dem Opiumgefetz macht sich nicht nur strafbar, wer Kokain vertreibt, sondern auch der Erwerber, das sind meist Haltlose, erblich Belastete, Leute aus der Halbwelt. Bedauerlich ist nur, daß die Gerichte viel zu milde gegen diese von schwersten Folgen begleiteten Vergehen vorgehen: Polizei wie Apotheken, die die verheerenden Wirkungen der Kokain-Seuche am besten beurteilen können, sprechen ihre Verwunderung darüber aus. So erhielt z. D. ein Putzfrau, die anläßlich ihrer Beschäftigung in einer Apotheke Kokain stahl, 50 Mk. (!) Geldstrafe mit dreijähriger Bewährungsfrist.
An eine vollständige Ausrottung des Kokainismus wird wohl kaum mehr zu denken fein; besonders in den besetzten Gebieten (Mainz. Wiesbaden) findet das Gift immer wieder Absatz.
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