Nr. 68 Erstes Blatt
176. Jahrgang
Montag, 22. März 1926
vru<f und vir!«-: vrühl'sche UmverWIs-vuch- und Sfeittörutferei H. Lange in Sichen. Schristleitung und Seschastchellei Schulstratze 7.
Hindenburgtage am Rhein
Der Reichspräsident auf der Kölner. Befreiungsseier
Die Ankunft der Gäste.
üU
u. a. aus:
Die Rheinländer waren Kämpfer von 1918 an bis zum 31. Januar 1926. And wenn, was der Himmel verhüten möge, nochmals Prüfungen. dem Rheinlande auferlegt werden sollten, die Rheinländer werden auch in Zukunft Kämpfer sein, wie sie es bisher waren. Für diese Treue danke ich den Kölnern und Rheinländern ganz besonders. Als das Ruhrgebiet von fremder Macht beseht wurde, haben unter dem Drucke der Bajonette die Vertreter des Rheinlandes in Barmen erklärt: nun halten wir fest zu Preußen und zum deutschen Volke. Die Rheinländer haben erkannt, da») die Abtrennung ihrer Provinz von Preußen der erste Schritt zur Lösung aus deutschem Staatsverbande überhaupt wäre Diese Erkenntnis hat sich in der tapferen Verteidigung preußischen und deutschen Bodens gegenüber den Separatisten ausgewirkt. Diese Lat- bereitschaft hat den Separatisten gezeigt, daß für ihr Denken und ihre Pläne am Rhein nichts zu holen war und ich bin der besten Aeber- zeugung, daß die Rheinländer auch eventuelle neue Pläne der Separatisten zunichte zu machen vermögen. Wir wollen mit den ehemaligen Feinden in erträgliches und verträgliches Verhältnis kommen. Wir wollen Verständigung und Völkers ri eben. And wenn der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund dazu notwendig ist, dann wollen wir eintreten. Daß es uns noch nicht gelungen ist, braucht uns nicht zu bekümmern. Ein deutscher Frühlingstag ist da, doch wissen wir, daß noch Frost- tage kommen können. Auch der Weg zum Völkerfrieden und zu einem wahren Völkerbund ist nicht ohne Etappe zu erreichen. Im Völkerbund werden nationale Verschiedenheiten!
der preußische Minister des Innern Severing
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Dr. Friedr. Will). Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein, für den Anzeigenteil Hans Iüstel, sämtlich in Gießen.
nicht aushören. Wir sollen als Deutsche später im Völkerbund deutsche Sitten, deutsche Kultur, deutsche Sprache, deutsche Literatur und Kunst pflegen und im deutschen Volksbund soll auch jeder nach seiner besonderen politischen Fasson selig werden. Wir wollen im Wettbewerb innerhalb des Rahmens der politischen Parteien das Beste für das ganze deutsche Volk cinseyen. Das ist die Voraussetzung, wenn wir unter uns zu einer Verständigung kommen wollen. Das ganze Deutschland soll sich daran erinnern, daß noch viele unter fremder Herrschaft leiden, daß es da Pflicht aller deutschen Länder ist, die Tränen zu trocknen, die noch in der zweiten und dritten Zone geweint werden.
Nach dem Minister Severing erhob sich
der ReichspxWdenr
folgender Ansprache: Hochansehnliche Festversammlung.' . Lassen Sie nach zunächst Ihnen, Herr Oberbürgermeister, herzlichst danken für die freundlichen Worte des Willkommens, die Sie namens der Stadt Köln an mich gerichtet haben. Ebenso danke ich von Herzen für die warme Begrüßung, die mir auf dem Wege hierher von allen Teilen der Bevölkerung in so reichem Maße zuteil geworden ist. Ich empfinde in den freudigen Zurufen der Kölner Bevölkerung und des Volkes am Rhein nicht so sehr die Ehrung meiner Person als vielmehr das jubelnde und laute Bekenntnisse zum Reich und die Aeußerung der Genugtuung darüber, daß die Rückkehr in die Fei heil heute gemeinsam mit den Vertretern des Reiches und des preußischen Staates, Bayerns, Badens und Oldenburgs in vaterländischer Feier begangen werden kann.
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Schwer, unendlich schwer haben wir daher in den Fahren 1919 und 1920 unter der hakten Faust des Siegers gelitten.
Erst als int Laufe der Jahre der Engländer uns kennen gelernt hatte, änderten sich langsam und allmählich diese Verhältnisse, aber sic blieben schwer genug!
Es kam der Ruhreinbruch, durch den die durch frühere Sanktionen schon geschädigte Wirtschaft auch des Kölner Gebiets bi5 ins Mark getroffen wurde. Es folgte der Versuch, und Ioszureißen von Deutschland. Das ganze Rheinland, in Rot und Gefahr zu einer Einheit zufammengeschmiedct wie nie zuvor, beseelte nur ein Wille, niemals zu dulden, daß es los^ gerissen würde vom deutschen Vaterlandc.
. Warum ich in dieser Stunde alles das sage? Richt, um zu hetzen oder zu schmähen: nein, wir sind der Geschichte, wir sind uns selbst in dieser historischen Stunde Offenheit und Wahrheit schuldig, damit die ganze Well es erkennt: Besetzung durch eine fremde Macht ist niemals ein Instrument des Friedens und der Verständigung, sie hindert die Versöhnung und die Zu- fammenarbeit der Völker. So stark und innig ist bas Band, welches jeden Deutschen mit dem heiligen deutschen Strome verbindet, daß ihm die Besetzung rheinischen Landes Tag für Tag am Herzen frißt. Darum:
Wenn Ihr der Sache des Friedens in Europa dienen wollt, verstopft diese Quelle des Unfriedens und des Haffes, räumt das ganze Rheinland!
Der Mai 1924 brachte in Frankreich den Arnschwung. Es folgten London, Locarno, Genf.
Die Räumung der Kölner Zone ist ein Ereignis von historischer Tragweite. Sie bedeutet die endgültige Verneinung jener Rheinlandpläne, die über unser Land unsägliches Elend gebracht und Europa int Laufe der Zeit mit absoluter Rotwendigkeit in einen neuen Krieg gestürzt haben würden.
Auch an diesem Freudentage vergessen wir ntcht, daß so viele Deutsche das köstliche Gut der Freiheit entbehren müssen. Seid versichert, rheinische Landsleute, daß wir Bewohner des befreiten Gebiets uns immer so eng mit Euch verbunden fühlen werden, wie in den vergangenen, gemeinsam durchkämpften Jahren, wir werden zu Euch stehen, komme, was kommen mag!
Den Vertretern der Länder und des Reichs, den Mitgliedern der Regierungen und der Parlamente, rufe ich ein herzliches, dankerfülltes Willkommen zu.
Vor allem aber begrüße ich mit ehrerbietiger Freude den ersten Vertreter des deutschen Volkes. In dankbarer Verehrung Heiße ich Sie, Herr Reichspräsident, im Ramen der ganzen Bürgerschaft, im Ramen des ganzen Rheinlandes willkommen im freien Äö In. Schmerzlich haben wir Ihre Anwesenheit entbehren müssen bei unserer Iahr- tausendfeier, um so froher begrüßen wir Sie am heutigen Tage in unserer Mitte. Der jubelnde Willkommruf, der Ihnen aus dem Munde ungezählter Tausender heute entgegenscholl, sagt mehr, als meine Worte vermögen. Er galt nicht allein Ihrer hohen Würde, er galt auch dem Manne, dem Treue und Hingabe an Vaterland und Volk in guten und in schlechten Tagen die erste und vornehmste Pflicht ist, dem Herold und Künder wahrer Vaterlandsliebe wahrer Volksgemeinschaft.
Hierauf führte
So grüße ich denn in dankender Erwiderung für dies willkommen das Rheinland und insbesondere das „gtofje heilige Köln", die altehrwürdige und machtvolle Stadt, die so viel geschichtliche Erinnerung, so viel Kunst und so viel tatkräftigen Bürgersinn in sich vereint mit dem Wunsche, daß ihr nach den Jahren der Rot und des Riedergangs eine Zukunft be- schied en sei, die den ruhmreichen Jahren ihrer Vergangenheit ebenbürtig ist.
Für jedes Deutschen Herz war es ein bitteres Gefühl, das urdeutsche Land am Rhein, diese Wiege deutscher Geschichte und deutschen Volkstums, durch künstliche Schranken körperlich und geisttg von uns getrennt in Händen fremder Besatzung zu wissen. Ans allen ist der Rhein eilt Sinnbild großer deutscher Vergangen- beit, ereignisreicher deutscher Geschichte. In dem Lande, das er durchfließt, sehen wir in Erinnerungen aller Art das Spiegelbild des Werdeganges unseres Volkes: Hier wurden die deutschen Könige und Kaiser gekürt und gekrönt: hier lebten und wirkten die ersten großen deutschen Meister der Dichtung, der Malerei und der Baukunst: hier zuerst entfaltete sich freier Bürgersinn zu Selbstverwaltung und Selbstbehauptung im Wirrwarr dev Zeit. Dieser natur- begunstigte und kulturgesättigte Boden hat auch der Kämpfe gar viele gesehen.
kein Stromgebiet ist mehr umstritten worden als das des Rheines, und mehr als einmal hat dieser Kampf um den Rhein den Werdegang unserer Ration beeinflußt. 3nt Rahmen der Ge. schichte erscheint der Rhein uns als unser Schicksalsstrom: oft ist er ein leuchtendes Sinnbild deutscher straft und Gröhe, oft aber auch ein dunkles Bild deutschen Leides, dann nämlich, wenn unser aller Erbfehler, die Uneinigkeit, die deutsche Stärke lähmte.
So fühlt sich jeder Deutsche, welchen Stammes er auch fein mag, in Herz und Gemüt mit dem Rheine eng verbunden, und was Ihnen in den letzten Jahren hier aeschah, haben wir alle als nationales Unglück mit Ihnen getragen und in tiefster Seele mit Ihnen empfunden.
Wenn wir, die berufenen Vertreter des Reichs, des preußischen Staates und anderer deutscher Län der mit Ihnen, den Bürgern der Stadt Köln und ihren Gästen aus dem Lande heute hier gemeinsam unsere itreude darüber bekunden wollen, daß nun einem Teile des Rheinlandes die Freiheit wieder- geroonnen wurde, so fordert doch zugleich in uns mahnend d i e Erinnerung an das deutsche Leid jüngster Vergangenheit ihr Recht. So;inerzlich bewegt gedenken wir unserer Brüder im übrigen Teile dieses sonst eine stolze Einheit bildenden Landes, die noch weiterhin die Last fremder Besatzung tragen müssen: wir grüßen sie freuen itnb dankbaren^Herzens in der Hoffnung, auch mit ihnen bald in Freiheit wieder vereint zu sein.
warmen Herzens und in unauslöschlicher Dankbarkeit gedenken wir in dieser Stunde aller, die in der schweren Rot der vergangenen Jahre Leben, Freiheit und Heimat Hingaben oder aufs Spiel setzten, um nicht dem Vaterland und seiner Ehre untreu zu werden.
Auch das soll unvergessen bleiben, daß das Rheinland in Stunden eigener bitterster Not die Reichsregierung immer wieder gebeten hat, die politischen Entscheidungen ohne Rücksicht auf das besetzte Gebiet n u r n_u chMaßgabederGesamtlnter- essen des Reiches und im Hinblick auf Deutfch- schlands Zukunft zu treffen. Alle diese Opfer find n i d) t u e r g e b I i d) gebracht worden: sie haben der Welt gezeigt, daß das Volk am Rhein fest und unbeugsam feine Volksgemein-
Köln, 21. März. (WTD.) Ein strahlender Vorfruhlingstag ist über dem heiligen Köln am putschen Rhein aufaegangen. Frühlingsanfang, Vefrelungsfeier. Rächspräsidentenbesuch, kein Wunder, daß seit den frühesten Morgenstunden rne Straßen der Stadt von Tausenden und Abertausenden festlich gestimmter Menschen belebt sind. Von allen Zinnen der vielen Kirchen wehen zahnen. Hunderte und Tausende von Fahnen und Flaggen flattern an den Häusern. Besonders in der Rahe des Bahnhofes und in den Straßen, durch die Reichspräsident von Hindenburg auf feiner Fahrt durch die Stadt kommen wird, herrscht 'eine beängstigende Fülle.
Am 9.4 Ahr vormittags traf der Sonder- z u g mit dem Reichspräsidenten auf dein Hauptbahnhof ein. In diesem Augenblick ließ von den Domtürmen
die Deutsche Glocke
die Petersglocke, ihre eherne Stimme erklingen und kündete weithallend der Stadt und der Bevölkerung die Ankunft des hohen Gastes an. In feiner Begleitung befanden sich Staatssekretär Dr. Meißner und sein Adjutant, Major von Hindenburg. Gleichzeitig trafen ein Reichs- lustizminister und Minister für die besetzten ®e= Biete. Dr. Mar x, Reichswirtschaftsminister Dr. Eurtius. Reichsarbeitsminstier Dr. Brauns der preußische M i n i st er p r ä s i d e n t D r a u n. der preußische Minister für Dolkswohlfahrt Hirt- hefer. Zum Empfange auf dem Bahnhofe hatten sich u. a. eingefunden Oberbürgermeister Dr. Adenauer, der Ober-Präsident der Rhein- Provinz Dr. Fuchs, Regierungspräsident Graf A d e l m a n n, Polizeipräsident Z ö r g i e b e l und dre Chefs der dienstlich beteiligten Behörden. Rach kurzer Begrüßung und nachdem der Reichspräsident aus den Händen des Töchterchens des Oberbürgermeisters einen Blumenstrauß entgegengenommen hatte, bestieg er den Kraftwagen und begab sich unter den brausenden Hochrufen der Menge zur Regierung in der Zeughausstraße, wo er Wohnung nahm.
Um 9.55 Uhr begab sich der Reichspräsident ins Rathaus, wo er sich in das Goldene Buch der Stabt Köln eintrug.
Hier wurden ihm auch durch den Oberbürgermeister die Mitglieder der Verwaltung und der Stadtverordnetenversammlung vorgestellt. Am 10.45 Ahr erfolgte dann eine Rundfahrt durch die Stadt. Auf den Straßen bildete das Reichsbanner „Schwarz-Rot-G-W", die vaterländischen Verbände, die Kriegervereine, die Beamtenvereine, die Iugendverb'ände, die Innungen. Sport- und Turnverbände, die Studentenschaft und die Schuljugend Spalier. Hinter ihnen drängten sich Z e h e n t a u s e n d e. die überall dem Reichspräsidenten stürmisch zujubelten. Die Fahrt ging dann zu den großen Messehallen im Rheinpark, wo in der großen Halle um 11.15 Ahr die Vaterländische Kundgebung begann, die gleichzeitig durch Lautsprecher in die Osthalle und in das Freigelände der Messe übermittelt wurde, wo sich an hunderttausend Menschen eingefunden hatten.
Der Festakt.
Der Festakt in der Großen Festhalle begann mit einem Orgelvortrag des Domorganisten Bachem. Sodann sang der Männer-Gesangverein und der Gürzenichchor unter Leitung von Professor Abendroth die Bachsche Kantate „Run ist das Heil und die Kraft". Dann ergriff
Oberbiirgermeister Dr. Adenauer
das Wort zu folgender Begrüßungsansprache:
Cs rieselt vom grauen Himmel! Still hängen die Fahnen in der nassen Luft, Stille liegt aus der am Dome versammelten Menge, ernst und straff sind die Gesichter der Feldgrauen, Wehmut und Tränen stehen in den Augen der sich um sie Drängenden. Dank- und Abschiedsreden werden gewechselt, das Deutschlandlied ertönt. ®arm seht sich das 371. Regiment in Bewegung: ^2s letzte deutsche Regiment marschiert über den Rhein. Zum Himmel bringt — Sang und Gebet zugleich —: „Herr mach uns frei!"
Am folgenden Tage begann unsere Ge - sangen schäft, unfere Leidenszeit: die Engländer kamen. Sie rückten ein mit fchmettern- wehenden Fahnen — vor denen öcc Deutsche den Hut zu ziehen, gezwungen wurde
• blihendett Geschützen, mit wundervollen $femn hd) brufteub in Aebersülle von Mensch und Ma.erial. Anerträglich war der stolze Einzug der Sieger, unerträglich der triumphierende Klang ihrer Musik. Anser Herz krampfte sich zusammen: unser Köln, das heiliae Köln
”0?1 £e .VI6 e fc,61e M. auf unferm Ahern, dem deutschen Rhein, die deutsche flagge gestrichen!
Wir wollen der ehrenhaften Gesinnung vieler unserer Gegiwr, dem Versuche manchen Befehlshabers, die Besetzung milder zu gestalten, unsere Anerkennung nicht versagen. Aber: das ena- lische Heer kam aus der Feldschlacht in seind- ' liches Land, verhetzt von einer jahrelangen Propaganda, erstaunt, verwirrt und unsicher durch den so plötzlich eingetretenen, nicht für wahr i gehaltenen Zusammenbruch der deutschen Macht i
'.chast behauptet: sie haben die Vaterlandsliebe des ganzen Rheinlandes im Feuer der Rot gestählt und gehärtet, und sie haben burd) ihre uor- bildliche Geschlossenheit in Kampf und Gefahr die Einigkeit, die uns allen so not tut, gefordert und gestärkt.
Zn dem schweren Erleben der letzten Jahre hat uns der waffenlose Kampf, den deutsche Männer und Frauen an der Ruhr wie am Rhein um ihr Deutschtum, tun ihr Recht und ihre Freiheit kämpften, die liefe lleberzeugung gegeben, daß Deutschlands Sendung noch nicht erfüllt ist und fein Weg nicht im Riedergang.endet. Wie sie, die diesen Kampf so tapfer bestanden, wollen wir uns alle zu diesem Glauben an deutsche Zukunft bc- leimen, die das Land am Rhein wieder in Freiheit | mit dem übrigen Deutschland kraftvoll vereint, lind weiter lassen Sie uns hoffen, daß das deutsche Volk and) über den inneren Zwist und die Fehde des Tages hinweg burd) einen neuen 6 ei ft brüderlichen Verstehens empvrgetra - gen werde z u r E i n i g k e i t u n d z 'n ft a r - k e nt gemeinsamen Empfinden seines Volkstums. Hierzu beijutragen wollen wir geloben, indem mir rufen:
Deutschland, unser teures Vaterland, es lebe! Hurra! Hurra! Hurra!
Stehend fang dann die Versanimlung das Deutschlandlied, woraus vom Chor und Orchester Finale und Schlußchor ans Beethovens Reunter Syinphonie vorgetragen wurde.
Als nach Beendigung der vaterländischen Kundgebung der Reichspräsident die große Fest- Halle verließ, um sich zu kurzem Aufenthalt nach der Osthalle des Messepalastes zu begeben, wurden ihm erneut stürmische Ovationen dargebracht. In der Osthalle hatten sich inzwischen fast 40 000 Menschen eingefunden, die durch Aeber- mittlung eines Lautsprechers die in der großen Halle gehaltene vaterländische Kundgebung mit- erlebt hatten. Auch hier wurden die einzelnen Stellen mit stürmischem Beifall auf genommen. Beim Erscheinen des Reichsoberhauptes dröhnte die Halle wieder vom jubelnden Beifall, mit dem er begrüßt wurde, und fast tausend Fahnen der dort aufgestellten Deputationen senkten sich vor ihm. Rach kurzem Aufenthalt bei den rheinischen Sängern bestieg der Reichspräsident mit seiner Begleitung einen offenen Kraft- Wagen uni) begab sich durch das rechtsrheinisch- Viertel Kölns zu dem von dem Oberpräsidenten der Rheinprovinz Dr. Fuchs gegebenen Frühstück im Kasino. Bei dem herrlichen Früh- lingswetter waren auch die Straßen überall mit einer unüberfeßbaren Menschenmenge beseht, die dem Reichspräsidenten zujubelte, ter unaufhörlich dankte.
Oas Festmahl im Gürzenich.
ilin ? Ahr abends fand im festlich geschmückten Gürzenichs aal zu Ehren Hindenburgs ein Festmahl, gegeben von der Stadt Köln, statt, an dem die in Köln weilenden Minister und Ehrengäste teilnahmen. Reichspräsident rx Hindenburg saß an der Ehrentafel zwi- scheu Oberbürgermeister Dr. A d e n a u e r und Kardinal Erzbischof Schulte. Oberbürgermeister Dr. Adenauer brachte den Trinkspruch auf das deutsche Vaterland aus. Anter großem Jubel der Versammlung teilte er mit, daß der Reichs- Prä s i d e n t aus seinem Dispositionsfonds die Summe von 100000 Mk. für die Wiederherstellungsarbeiten am Kölner D om Snr Verfügung gestellt hat. Dank, tief gerührten Dank allen unseren Volksgenossen, die in diesen Zeiten uns geholfen haben. Dem Herrn Reichspräsidenten schlagen unsere Herzen entgegen, dem Vertreter des deutschen Volkes, unserem Dor- b'.lde und Führer, dessen ganzes Leben der Pflicht gllt. Das deutsche Volk, dem ein solches Beispiel gegeben wird, muß folgen, wenn es. wie heute vormittag, aufgerufen wird zu einem neuen Geiste brüderlichen Verstehens und zum starken, gemeinsamen Empfinden seines Volkstums. Die Rede tofob mit einem Hoch auf den Reichspräsidenten. Die Rede wurde, besonders an den Stellen, wo sie sich an den Reichspräsidenten wandte, immer wieder vom stürmischen Beifall der Versammlung unterbrochen. Auch die Rede des Reichs- Ministers für die besetzten Gebiete D r. Marr wurde beifällig ausgenommen, ebenso fand der Preußische Ministerpräsident Braun Beifall, als er u. a. folgendes ausführte:
Die preußische Staatsregierung nehme an der freute, die das Rheinland über seine toieber- erlangte Freiheit empfindet, herzlichsten Anteil. Sie habe heute dem Oberpräsitenten der Rhein- Provinz 300 000 Mark zur Verfügung gestellt, die dazu bestimmt sind, mehreren tausend Kindern aus der befreiten Zone und aus dem noch besetzten Gebiet in den kommenden Sommermonaten jeweils eine sechswöchige Erholungsfürsorge zu ermöglichen. Weiter habe die preußische Staatsregierung beschlossen, ihrem tiefempfuntenen Dank an die Bevölkerung der ersten Rheinlandzone ein dauerndes äußeres Symbol zu geben in Gestalt einer in ter staatlichen Porzellanmanufaktur in Berlin hergestellten Rheinlandwage mit der Inschrift „Der treuen Bevölkerung der ersten Rheinlandzone gewidmet von der preußischen Staatsregierung". Der Ministerpräsident überreichte diese Rheinlandwage dem Oberbürger-'
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen


