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weicher. Pflanzenfasern: Durch farblosen Aufdruck, stellenweise sehr kräftig und scharfkantig, nachgebil- det. Gemusterte Blindprägung: Der Kontrollstempel ist nicht kreisrund, sondern als hochstehendes Oval geprägt. Vorderseite: Aehnlicher Gesamteindruck mit auffälligen Veränderungen im männlichen Bildnis. Das Gesicht ist eckiger. Nie Nase erscheint eingedruckt. Rückseite: ähnlich. Die beiden unteren Wertzahlen sind nicht in der Mitte der kreisrunden Rosetten, sondern höherstehend eingefügt. Vor Annahme dieser Fälschung wird gewarnt.

e Plötzlicher Tod auf dem Wege. Gin älterer Herr wollte gestern vormittag gegen 11 Mr eine Familie in der Goethestrahe auf- suchen Auf der Treppe verspürte er plötzlich ein Unwohlsein und fiel bewußtlos zusammen. Ein rasch herbeigerufenes Mitglied der Freiw. Sani- tätskolonne vom Roten Kreuz konnte nur den bereits eingetretenen Tod, der anscheinend durch Herzschlag erfolgte, feststellen.

''DieDenuhungderSpeisewagen in den Zügen. Seither durften die Speise­wagen der Schnellzüge erst 20 Minuten nach Abfahrt der Züge von den Abgangsstationen von den Reisenden betreten werden. Diese Be­stimmung ist von der Hauptverwaltung der Deut­schen Reichsbahn mit sofortiger Wirkung aufge­hoben worden. Die Speisewagen können nun­mehr sofort nach Abfahrt der Züge von den Rei­senden ausgesucht werden.

** Gießener Hochschulgesellschaft. 3m vollbesetzten Groben Hövsaal der Universi­tät sprach am Mittwoch abend Professor Dr. Frick überAmerikanische Erzie­hungsmächte". Der Redner konnte wiederum eine Fülle aus dem reichen Schah seiner ameri­kanischen Eindrücke vor den gespannt lauschenden Zuhörern ausbretten. Fesselnde Beobachtungen und tiefsinnige Deutungen vermittelten Wesent­liches vom Geist des amerikanischen Staates und Volkes. Amerika, trotz aller Freiheit von geschichtlicher Belastung doch so abhängig von Europa, ist im Begriff, etwas Selbständiges zu werden durch drei grobe erzieherische Mächte, die sein geistiges und vvllliches Leben augen- blicks beherrschen: einmal durch die Gegeben­heiten des unermehlichen Landes, des uner­schöpflichen Bodens, der mannigfaltigen Land­schaft, weiterhin durch den für die werdende und unfertige Rattvn bestehenden Zwang, eine nationale Einheit zu werden ein Ziel, für Las der allen Bolksteilen gemeinsame Kultus der geschichtlich nicht gefüllten und darum einstweilen so vielseitig deutbaren Rationalflagge Symbol ist. und schlieblich durch die Erzie­hungsideale, die das Vorhandensein der vielen unüberbrückbar erscheinenden Gegensätze im Geist und Leben des Amerikaners notwendig zeitigte, Erziehungsprobleme, wie sie z. B. eine Rolle spielen in der Frage des öffentlichen Religions­unterrichts, die wiederum zu innerst zusammen­hangt mtt den verschiedenen Ausdeutungsmög­lichleiten des Begriffs der Freiheit. Innerhalb dieses mit Schärfe und Klarheit gezeichneten Rahmens beleuchtete der Redner in grobzügiger äleberschau und sinnvoller Einordnung Einzel­phänomene amerikanischen Kulturlebens wie den Disziplingedanken, die Forderung der Höchst­leistung, den Optimismus, den Standpunkt des laisser faire, laisser aller, die Nivellierung durch den Standard, die Organisation des Schulwesens der Erwachsenen, das Arbeiten mit der Massen­suggestion, die Stellung des Präsidenten! und schlieblich wies er auf die Kraft hin, die allein noch einer wahren Heberbrückung der Gegensätze und Spannungen die Wege bereiten kann, die Kraft des Leids, den Sinn für das Mysterium des Leids, der in einigen Teilen des amerikani­schen Volkes vorhanden ist oder heranwächst, und der, wie der Redner zum Schlub in erheben­der Betrachtung ausführte, wo immer er sich zeigt, an eines Volkes Zukunft glauben läht.

Heber Dausparkonten sprach am Freitag abend in einer gut besuchten Versamm­lung im Saale desEinhorn" Regierungsrat Dr. R i n d f u h - Friedberg. Die Versammlung, die Beigeordneter Dr. Hamm leitete, war u. a. auch von Mitgliedern der städtischen Körper­schaften zahlreich besucht. Der Vortragende wies kurz und treffend darauf hin, dab es unmöglich ist, mit den bisher angewandten Mahnahmen der immer gröber werdenden Wohnungsnot ab­zuhelfen. 3n dieser Frage muh von den Woh­nungsuchenden der Weg der Selbsthilfe, der Weg vom Sparen zum Bauen beschritten wer­den. Dec Redner warnte vor dem Beitritt zu der Gemeinschaft der Freunde in Wüstenrot. Die­ses System, gegen das jetzt auch die württem- bergische Regierung eingeschritten sei, tonne auf die Dauer die gegebenen Versprechungen nicht erfüllen. Ein anderer, guter und zuverlässiger

Der grobe Bülow.

Daß Hans von Bülow .der 1894 ver­storbene, bekannte, vortreffliche Tonlünstler und namentlich Konzertleiter, ein höchst unartiger Liebling der Musen gewesen ist, war längst be­kannt. Seine Eigenheiten, zu denen auch An­sprachen an die Konzertbesucher gehörten, hatten vielfach etwas Sonderlinghaftes. Sine Grobheit war beinahe sprichwörtlich. Dabei konnte er über einen Spott verfügen, der immer geistreich, aber gelegentlich von schneidender Schärfe war. Alles in dieser Hinsicht übertrifft ein Brief von ihm, der mit vielen anderen wertvollen Selbst­schriften in Berlin zur Versteigerung gelangen wird. Der Anlah zu diesem Briefe war folgender: Am 4. März 1884 hatte Hans von Bülow in einer während eines Konzertes in derPhil­harmonie" gehaltenen Ansprache und dann, am 9. März, in einer in den öffentlichen Blättern ab- gedruckten Erklärung Aeuherungen über die Berliner Königliche Oper und Kapelle, ihre Lei­tung und ihre Leistungen gemacht, die in hohem Mähe kränkend und verletzend waren. Daraufhin hatte ihm das Ministerium des Königlichen Hau­ses durch Verfügung vom 10. April 1884 den Titel einesKöniglichen Hofpianisten" entzogen. Bülow antwortete dem Hausminister Freiherrn Schleinitz am Tage des Empfangs dieser Ver­fügung:

Ew. Exzellenz haben mir durch die gef. Mitteilung vom 10. d. einestheils eine grohe Tleberraschung, anderntheils eine nicht geringe Genuglhuung gewährt. Erstere, insofern es mir seit 20 Jahren... unbekannt war, daß man allerhöchsten Ortes sich gemüßigt gesehen hat, mich unter die sogen. Hofbeantten zu zählen: letztere durch die Aufhebung einer solchen Un- rechtmäbigkeit. Aus diesem Grunde bedaure ich von Ew. ExzellenzAusdruck lebhaftesten Be­dauerns" keinerlei Gebrauch machen zu förnten, indem ich mir vielmehr aufs innigste dazu

Weg ist nach der Ansicht des Redners in der Einrichtung von Dausparkonten zu erblicken, die in zwei Arten aufgezogen werden und in engem Zusammenhang mit den Sparkassen zum Besten der Bausparer funktionieren füllen. 3n nüchter­ner Sachlichkeit, ohne hochtönende Versprechun­gen, schilderte der Vortragende die Organisation dieser geplanten Einrichtung, die heute nur in dem System I schon abgeschlossen ist, während das für die breiten Volksschichten in Betracht kom­mende System II erst in einigen Wochen im OrganisationSplan vollendet sein wird. Anzu- erkennen ist, dah in dem Vorhaben nüchtern rech­nende und sorgfältig wägende Sachlichkeit ob­waltet und alle lockenden Verheißungen absicht­lich vermieden sind, ob aber dieses an sich gute Mittel "in der Praxis so wirken wird, wie es sich jetzt auf dem Papier auSnimmt, das ist auch nach diesem dankenswerten, anregenden Vortrag noch eine offene Frage. In der Aussprache über diese Vorschläge zeigte sich denn auch, dah der Gedanke noch nicht in allen Teilen restlos be­friedigend zur organisatorischen Tat gestaltet worden ist. Der Weiterentwicklung dieses Vor­habens darf man aber mit Interesse entgegen­sehen.

. Der Kavallerieverein er­nannte in seiner letzten Hauptversammlung die Gründer des Vereins Ludwig Oswald, Johannes Roll und Heinrich Kraft zu Ehren­mitgliedern. Dem aus dem Elsaß vertriebenen Veteranen von 1864, 1866, 1870 71, Leutnant Hermann Knobel, der jetzt in Gießen wohnt, wurde die gleiche Ehrung zuteil. Zwecks Grün­dung einer Iugendabteilung, die das Klein­kaliberschießen mit pflegen soll, wurde ein Aus­schuß gewählt.

** Auftrieb auf demheutigen Frank- fut-fer Schlachtoiehmarkt: 423 Ochsen, 34 Bullen, 925 Färsen und Kühe, 400 Kälber, 143 Schafe und 3654 Schweine.

Oderhesien.

Landkreis Gießen.

L dB i e f c cf, 22. Febr. 2m Zeichen der Geldnot stand die dieser Tage im Heegwald ftatt gefundene erste Holzversteigerung nicht. Zur Versteigerung kam nur Eichenholz, das ob seiner guten Qualität aus diesem Distrikt schon immer hoch geschäht wird. Die Preise des Vorjahres wurden weit überschritten. Cs wurden geboten: Für Eichenschnittholz bis zu 32,80 Wk., für Eichenknüppel bis zu 24,20 Mk., für Stock­holz bis zu 21 Mk. für je zwei Raummeter. Für fünf Raummeter Reisig wurden bis zu 12,80 Mart geboten, während zwei Raummeter Garten- Pfosten auf 42,60 Mk. kamen. Besonders hohe Preise wurden für das ausgebotene Stamm­holz (Wagnerholz)) angelegt, hierzu hatten sich zahlreiche auswärtige Intecessenten eingefunden. Einer der hier nistenden Störche hat bei dem gestern herrschenden herrlichen Frühlings- wetter seinen Einzug gehalten.

t Treis a. ß., 19. Febr. Heute nachmittag fand unter dem Vorsitz von Regierungsrat Dr. Braun und Kreisschulrat Fischer (Gießen) uird zahlreichen geladenen Gäste, darunter den Eltern der Teilnehmerinnen der Schluß des sechswöchentlichen Hausyaltungskursus statt, den die Kreishaushaltungslehrerin Fräu­lein Mutschler (Gießen) dahier abgehalten hat und an bem sich 27 Schülerinnen beteiligtem. Die Prüfung zeigte, daß die Schülerinnen in den durchgenommenen Fächern, Kochkunst, Haushal­tungslehre, Anlegen von Rotverbänden bei vor- kommenden llnglücksfällen, Lehre vom mensch­lichen Körper sehr gut beschlagen waren. Die ausgestellten Handarbeiten, die während des Kur­ses angefertigt worden sind, erregten die Be­wunderung aller Anwesenden, die zum Schlüsse mit Kaffee und allerlei von den Schülerinnen gebackenen Kuchen bewirtet wurden. De i Dank der Gemeinde an den Kreisausschuß una an die Lehrerin brachte Bürgermeister Will in treff­lichen Worten zum Ausdruck. Da sich noch eine größere Zahl von Teilnehmerinnen gemeldet hat, schließt sich, von der nächsten Woche ein zweiter Lehrgang derselben Art an den ersten an. Bei der he-.t dahier stattgefundenen Brennholz- versteigerung aus dem Domanialwaldwur­den folgende Preise erzielt: Für Duchenschetter 18 Marl, Eichenscheiter 11 Mark, Tannenscheiter 8 Mark, Duchenknüppel 15 bis 18 Mark, Eichen­knüppel 3 bis 9 M, Kiefernknüppel 8 bis 9M., alles der Raummeter. Einem hiesigen Land­wirt wurden oberhalb des Hochbehälters an der Straße nach Beuern zu von Rohlingen eine An­zahl im vorigen Jahre frisch gepflanzter Apfel­bäume mitten durchgebrochen. Hof-

Glück wünsche, meinen Ramen nicht mehr in der Gesellschaft höchst zweideutiger Subjekte an einem Hofe, mit dessen Kunstbildung nur der­jenige weiland Sr. Majestät des Königs Eete- wayo konkurrieren darf, figurieren zu wissen."

Bezeichnender Weise hat Bülow den Ent­wurf zu diesem Briefe zusammen mit der Schlei- nitzschen Verfügung am Tage nach der Ab­sendung mit der Bemerkung, es seiein Curiosum in der Kulturgeschichte", feinem Freunde geschenkt. Eetewayo ist, wie nicht allgemein bekannt fein dürfte, ein König des Sulv.landes getoefen, der den Engländern viel zu schaffen gemacht hat und kurz vorher, am 8. Februar 1884, gestor­ben war. Daß Bülow in seinem Aerger hier weit über das Matz berechtigter Kritik hinaus­gegangen ist, dürste im übrigen kaum einem Zweifel unterliegen können.Männersivlz vor Fürstenthronen" hat dieser Sprößling aus ur­altem Adel jedenfalls besessen.

Die Geheimnisse der Tranchier- Kunst.

Zu den Künsten, die uns heute verloren ge­gangen sind, gehört auch die des Zerlegens der Speisen, die einstmals zu den Kenntnissen eines Mannes gehörte, der auf der Höhe seiner Zeit stehen wollte. Lieber diese Kunst des sog.Trin- cierens" oder Tranchierens, die bereits im Alter­tum bestanden hatte und in Italien der Renais­sance zu neuem Leben erweckt wurde, geben die alten Tranchierbücher Auskunft, aus denen Wolf­gang Bruhn in einem Aufsatz des bei der Akademischen Derlagsanstalt Atheneion in Pots­dam erscheinendenKunstblattes" nähere Mit­teilungen macht. Die Fertigkeit des Vorschneidens wurde zunächst als eine Art Zunftgeheimnis behandelt, später aber in ausführlichen Büchern gelehrt. Das älteste dieser Trincierbücher ist der 1581 zu Venedig erschieneneTrinciantc" des

senttich ftndet die rohe Tat die gebrührende Ahndung.

t Linden st ruth, 20. Februar. Unsere ®e» meinde hat beschlossen, einen Teil der Gemar­kung zu bereinigen, und zwar den Grund zwischen der Straße GießenGrünberg und der Bahn. Bon dem übrigen Teil der Gemarkung mußte sie wegen der hohen Kosten vorläufig noch Abstand nehmen. Bei der Bereinigung des Wiesengrundes soll die W i e s e ck verlegt werden, und zwar soll sie ihr Flußbett nahe der Bahn bekommen. Man hofft, daß das Flüßchen, wenn es gerade gelegt ist und einen kür;eren Lauf hat, mehr Gefälle be­kommt und daß dadurch der einst gesegnete Wiesen­grund, der jetzt zum großen Teil versumpft ist, wie­der zu fruchtbarem Gelände wird, zumal die Ge­meinde außer diesem Grund sonst keinerlei Wiesen­gelände besitzt.

t Grünbcrg, 20. Febr. Auf Einladung der hiesigen Ortsgruppe desV. D. A. sprach Studienrat W e ck e r l i n g, Friedberg, heute nach­mittag vor den Schülern der Oberrealschule, der landwirtschaftlichen Winterschule und den oberen Klassen der Volksschule, sowie abends vor Er­wachsenen über seine Reise zu den Deutschen in der Dobrudscha. Die interessanten Mitteilungen, die durch Lichtbilder vortrefflich ergänzt wurden, fanden lebhaften Beifall.

Kreis Friedberg.

sf. Friedberg, 20. Febr. Ein im Verein ehemaliger Augustinerschüler von dem Turnlehrer dieser Schule, Oberreallehrer Kloß, in der Turnhalle gehaltener Vortrag überAufgaben der Leibesübungen in Schule und Volkserziehung" fand bei der zahlreich erschienenen Zuhörerschaft leb­haftes Interesse. Mit Recht betonte der Redner, daß in unseren Schulen der Pflege der körperlichen Aus­bildung im Vergleiche mit der geistigen Ausbildung ein viel zu kleiner Wert beigelegt werde. Es handle sich bei den Leibesübungen nicht nur um die körper­liche Ertüchtigung, sondern auch um die Gemüts-, Charakter- und Willensbildung. An den Vortrag schloß sich die Vorführung eines aus Schülern der Oberklassen gebildeten Musterriege, die sowohl in Freiübungen wie in Geräteturnen ganz Hervor­ragendes bot.

WSN. Friedberg, 21. Febr. Die ärztliche Untersuchung der bei Büdesheim aus der Nidda gelandeten Leiche eines jungen Mädchens hat ein­wandfrei das Vorliegen von S e l b ft m o r d er­geben. Das Mädchen^ soll in einem Anfalle von Schwermut den Tod gesucht haben.

Kreis Büdingen.

?" Nidda, 20. Febr. In der Nähe der H a r b- t e i ch e wurden etwa 3 0 Morgen Tannen­wald abgeholzt. Das Gelände geht als Tausch­objekt für dem Fiskus überlassene Wiesen bei Glashütten in den Besitz des R e i n h ä u s e r Hofes über. Besitzer kleinerer Wiesenteile daselbst, denen passendes Tauschgelände nicht überwiesen wer­den konnte, erhielten für den Quadratmeter 25 Pf. Amtgerichtsrat Muhl wurde, wie schon be­richtet, als Oberamtsrichter an das Amtsgericht Fürth i. O. versetzt. Während feiner sechsjährigen Wirksamkeit am hiesigen Amtsgericht zeigte er volles Verständnis für die Sorgen und Nöte des Volkes und war vielen in Rechtssachen ein bereitwilliger Ratgeber. Der Kriegerverein, dessen erster Vorsitzender der Scheidende war, verliert in ihm einen warmherzigen Freund und Förderer, dem treue Kameradschaft mehr war als ein leeres Wort.

Kreis Schotten.

«es Schotten, 20. Febr. Dom Ge­meinderat: Die Versteigerung der Gemeindejagd wurde genehmigt. Für Be­zirk I ist Pächter Förster Schott, Preis 865 Mark für Bezirk II Aug. Göbel, Schotten, und zwei Frankfurter Herren. Die Jagd ist auf neun Jahre verpachtet. Zwei Morgen städtischen Geländes an der Ziegelhütte werden eingesät und als Kirschbaumstück angelegt. Die Stadt hat eine große Anzahl Kirschbäume an* gepflanzt, die einen schönen Ertrag jährlich brin­gen werden. Vom städtischen Holz­anfall im Stadtwald werden zirka 500 Fest­meter Eellulose-Stammholz in Submission ausge­schrieben, das übrige Holz soll versteigert werden. Der Gemeinderat protestiert gegen das übermäßig rasche Fahren der Autos und Motorräder durch die Straßen der Stadt. Gr richtet an das Kreiscmtt die Bitte, mit allen Mitteln dafür zu sorgen, dah polizei­liche Anordnungen getroffen werden, die die Fahrgeschwindigkeit auf höchstens 10 Kilometer regulieren. Die Freiw. Feuerwehr hat der Stadt drei schöne, vergrößerte Aufnahmen vom vorjährigen Provinziolfeuerwehrtag als An­denken geschenkt.

Kreis Alsfeld.

o-* Alsfeld, 20. Febr. Gestern hielt auf Ein­ladung der hiesigen Dürer-Gesellschaft Unioersitätsprofesior Küster von Gießen im kleinen Saale des ,/Deutschen Hauses" einen Vor­trag über das ThemaDie Gartenbaukunst in alter und neuer Zeit". Der Vortragende ging von der Entwicklung der Gartenkunst und deren Anfänge in Deutschland von der gotischen Zeit an aus und zeigte mit recht wirkungsvoller Unterstützung durch zahlreiche schöne Lichtbilder die Entwicklung der Gartenkunst, die besonders in Frankreich (Versail­les) und Italien zu hoher Blüte gelangten. Zum Schlüße gab der Vortragende einen Ueberblick über die moderne Gartenbaulunst. Die aufmerksam lau schende Zuhörerschar dankte für den sehr anregen den Vortrag mit reichem Beifall.

»er. Homberg a. d. Ohm, 20. Febr. Am Donnerstag fand der hauswirtschaftliche Kursus ftir die Pflichtfortbildungs-- schülerinnen von Homberg und Umgebung, der unter der Leitung von Frl. L. D e i ß ab­gehalten wurde, seinen Abschluß. Eine Anzahl freiwilliger Schülerinnen nahmen an dem Kursus teil, der den Lernenden wertvolle Winke und Anregungen gegeben hat.

* Merlau, 22. Febr. Bei der gestrigen Bürgermeisterwahl wurde der Landwirt Wilh. Kochendörfer mtt 11 Stimmen Mehr­heit zum Bürgermeister gewählt.

Kreis Lauterbach.

WSN. Lauterbach, 21. Febr. Die Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer vom Bau­gewerbe der Kreise Alsfeld und Lauterbach ver­handelten hier am Donnerstag über die Forderung der Arbeitgeber aufHerabsetzungderStun- denlöhne um 20 Prozent. Die Arbeitnehmer lehnten die Forderung ab. Die Angelegenheit wird jetzt das Gießener Schiedsgericht beschäf­tigen.

Starkenburg.

* Darmstadt. 21. Febr. Blättermeldun­gen zufolge soll die Hessische Landwirt­schaftskammer das Kurhaus der Stadt Worms in M i ch e l st a d t gekauft haben. Die Rachricht eilt Der Tatsache voraus; es schweben wohl zur Zeit Verkaufsverhandlungen, doch müs­sen sowohl die Wormser Stadtverordnetenver­sammlung. wie die Vollversammlung der Land- wirtschaftskammer ihre Zustimmung zu dem Ver­kauf bzw. dem Ankauf erst erteilen.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

7] Wetzlar, 20. Febr. Der für de., 28. Fe­bruar angefetzte allgemeine Volkstrauertag soll auch in unserer Stadt wieder würdig began­gen werden. Die beiden christlichen Konfessionen werden Trauergottesdienste abhalten. Anschließend soll eine allgemeine Trauerfeier auf dem Ehrenfried­hof stattfinden. Die Firma Ged. Eloos, eine der angesehendsten Holzgroßhandlungen, wird am 1. April ihren Geschäftsbetrieb von hier nach Duisburg verlegen. Es ist bedauerlich, daß die­ses Geschäft, das von den Herren Wilhelm und Ehristian Eloos in Wetzlar begründet und in er­folgreicher Tätigkeit in die Höhe gebracht worden ist, nunmehr von hier verlegt wird. Bekanntlich ist Herr Cyristian Eloos vor etwa zwei Monaten verstorben. Der an der Firma stark beteiligte H a - nielkonzern in Oberhausen hat, nachdem die beiden Begründer ausgeschieden waren, traft seiner Beteiligung die Verlegung des Betriebes durchge­setzt, für die vielen hiesigen Angestellten eine schmerzliche Maßnahme.

Maingau.

WSN. Frankfurt a. M., 21. Febr. Eine zweite Omnibuslinie, die vom Haupt- b a hn h o f über das Westend und Nordend zum Ostbahnhof führt, ist heute in Betrieb genom­men worden. Die Wagen verkehren von 6.15 bis 8.25 Uhr abends in Abständen von zehn Minuten. Eine Fortsetzung der Linie zurück zum Hauptbahn- Hof ist in Aussicht genommen. Der 47jährige Hafner Anton Odenweller, der am Sams tagoormittag in seiner Wohnung in der Heiligkreuz- gasse seine Nichte, die 18jährige Marie Sack - meister, mit der er ein Liebesverhältnis unter­halten hatte, aus Eifersucht erschoß, hat sich kurz nach der Tat in einem Hause in der Seilerstraße e r - hängt. Die Leiche wurde beschlagnahmt. Heute abend kurz nach 6 Uhr wurde in der unteren Forst- hausstraße ein Mann mit seinem 10jährigen Jungen beim Ueberschreiten des Fahrdammes von einem Motorradfahrer überfah­ren. Der Mann erlitt sehr schwere Ver­letzungen, während das Kind mit leichteren Hautabschürfungen davonkam. Beide wurden nach

Vinc. Eorvio, der Mundschenk und Vorschneider des Kardinals Farnese war. Allgemeinere Ver­breitung fand das Trincierbuch des Giac. Pro- cacdai, das 1620 in deutscher Aebersetzung her- -luskarn und den Titel führte:Trincier- oder Vorleg-Buch, darinnen berichtet wird, wie man allerhand gebratene und gesottene Speisen, so auf fürstliche und andere Tafeln getragen werden mögen, nach italienischer und vornehmlich ro­manischer Art anschneiden und auf der Gabel zierlich zerlegen soll." Hier wird zunächst die Person des Dorschneiders behandelt, der von guter Abkunft fein muß,eine tätige hurtige Person, wohl proportionierten Leibes, guter grabet langer Arme leichter Hände, auch beide Arme zu rechter Zett zierlich zu heben und zu legen wisse, zu den motionibus im Schneiden nur die zwei vordersten Gelenke an den Händen, da die Pulse schlagen, gebrauche und die Arme mit ihren Ellbogen ruhen lasse und welches abscheulich steht sie nicht weit vom Leibe hintan sperre." Diese Forderungen wird man be­greifen, wenn man bedenkt, daß alle kleineren Braten, wie Spanferkel, Kalbslopf oder Gans, in freier Luft auf der Gabel zerlegt werden muhten: ja, beim Geflügel war es sogar vor­geschrieben. dah die einzelnen Stücke am Skelett haften blieben, damit der bereits zerlegte Braten als Ganzes auf den Kredenzteller kam. Der Vor­schneider soll auchunerschrocken in großer Her­ren Gegenwart" sein,sonst würde ihm der Schrecken ein ziemliches Zittern der Glieder ver­ursachen". Zum Tranchieren mußten ganz be­stimmte Messer und Gabeln verwendet werden, von denen neun verschiedene Arten angeführt werden. Mit der Tranchierkunst wurde zu­sammen die Kunst des Tafeldeckens gelehrt, die sich besonders im geschickten Fallen der Tisch­und Tellertücher zu allen möglichen Formen zeigte, sowie das zierllche Zerlegen und Schälen des Obstes. 3m 17. Jahrhundert bildet die Tranchierkunst einen Teil derKomvlimenticr-

Bücher", die demKavalier a la mode" die Regeln des feinen Tons vermittelten. In dem ausführlichsten aller Tranchierbücher, das 1650 in Nürnberg erschien und von dem bekannten Dichter desRürnberger Trichter-", Philipp Harsdörffer, mit poetischen Zutaten ausgeschmückt war, finden sich alle Einzelheiten der Tafelllmst zusammengefaht, fo daß die Tranchierbücher als Vorläufer der gastronomischen Werke der späte­ren Zeit erscheinen.

Dom Kometen Ensor.

Der zuletzt am 14. Dezember von dem Astro­nomen Ensor an der Kapsternwarte (Südafrika) ent­deckte und nach ihm benannte Komet, der als elfter Schweifstern das Jahr 1925 zu dem kometenreichsten der ganzen Entdeckungsgeschichte dieser Gestirne er­hob, stand bei feiner Auffindung in dem Stern­bilde des Netzes, also sehr hoch an der südlichen Himmelshalbkugel, so daß er auf Sternwarten unserer nördlichen Breiten nicht beobachtet werden konnte. Nach Mitteilung der Astronomischen Zentral­stelle in Kiel hat nun A. C. D. Crommelin in Green­wich eine vorläufige Bahnberechnung des Kometen ausgeführt, der zufolge das Gestirn erst am 12. Fe­bruar 1926 in seine Sonnennähe gelangen und sich hierbei der Sonne bis auf 38 Millionen Kilometer nähern wird. Auf seiner zuerst nach Nordwesten ge­richteten Bahn streifte er Ende Dezember das südliche Sternbild des Phönir, durchläuft bann steiler nörd­lich im Januar den Kranich und südlichen Fisch und wird im Februar den Steinbock, Wassermann und Pegasus durchwandern, um im März seinen Weg im Pegasus fortzusetzen. In der dritten Februarwock-- kreuzt er den Aequcttor. Der Erde nähert sich aer Komet noch fortgesetzt, sein Abstand von dieser be­trägt Mitte Januar 172, Anfang Dlärz 119 Melo­nen Kilometer. Demnach wird der Komet in ei"gen Wochen auch an nördlichen Sternwarten zu beob­achten sein.