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Amazon en jagdfpringen im Da­mensattel: 1. Hannepeü, 2. Schwanenprinz, 3. Kurfürst.

Preis von Hannover: 1. Charme, 2. Alster, 3. Cherubim.

Preis des Verbandes deutscher Hacknehzüchter: 1. Dendidat, 2. Alttone- marchi, 3. Vistus.

Gröhe Dressurprüfung für Reit­pferde: 1. Gimpel, 2. Goliath Liebherr Christof II.

Preis von Hannover (Materralprü- fung für Reitpferde fünf- bis sechsjährige Reitpferde): 1. Garde du Corps, 2. Rimbns. 3. Asra.

Jagdspringen (1. Abteilung): 1. Rif, 2. Bodega, 3. Black and White.

Wintersport.

Die Weltmeisterschaften im Eis­schnellauf ergaben (in Twndhjem) im 500- Rleter-Laus den Sieg des Äorwegers Larsen in 44,7 vor Olsen, während die 5000 Meter Bal- langrud, über die kurze Strecke Vierter, in 8:42,7 vor Moen gewann.

Vermischtes.

Die Bayerische Skimeisterschaft in Rottach-Egern ist abgesagt worden.

Die Tennis-Weltmeisterin Suzanne Leng- len ist vom Pferd gestürzt. Ihr Zustand wird als sehr bedenklich bezeichnet.

vo. Gilles G r a f st r o e m, dec Olympiasieger im Eiskunstläufen, der an den Weltmeisterschaften in Berlin nicht teilnahm, obwohl er in Berlin an­wesend war, soll, wie bekannt wird, wegen dieses Richtstartens in Berlin vom Schwedischen Eislauf­verband auf 1 Jahr disquallsiziert werden.

Aus der Provinzialhauptstadt.

L , Gießen, den 22. Februar 1926.

Georg Friedrich Knapp f.

In Darmstadt starb am Samstag Georg Friedrich Knapp, ein Nationalökonom von Weltruf. Er war am 7. März 1842 in Gießen geboren; seine Familie stammte aus Darmstadt. Er selbst war ein Enkel des Staatsrats Knopp, der in der hessischen Geschichte der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine Rolle gespielt hatte. Sein Onkel war Justus von Liebig/der berühmte Chemiker, die aus die geistige Entwicklung des jungen Knapp nicht ohne Einfluß war. Georg Friedrich Knapp hat in München, Ber­lin und Göttingen studiert, 1867 war er zum Direk­tor des Statistischen Amtes der Stadt Leipzig er­nannt worden. 1869 erfolgte seine Ernennung zum außerordentlichen Professor für Nationalökonomie und Statistik an der Leipziger Universität. 1874 siedelte Knapp als ordentlicher Professor nach Straß­burg über, das er nach Kriegsende verlassen mußte. An größeren wissenschaftlichen Abhandlungen ver­öffentlichte Knapp mehrere Schriften, in denen die Statistiken der Sterblichkeit kritisch untersucht wer­den. Bedeutsam waren feine Schriften über die Auf­hebung der Leibeigenschaft und die Entstehung der Landarbeiterschaft. Im Jahre 1887 veröffentlichte er sein zweibändiges WerkDie Bauernbefreiung und der Ursprung der Landarbeiter in den älteren Teilen Preußens" und 1891 seine SchriftDie Landarbeiter in Knechtschaft und Freiheit". Später folgte sein HauptwerkStaatliche Theorie des Geldes", das in mehrere Fremdsprachen überseht wurde. Knapp ver- öffentlichte auch zahlreiche Abhandlungen in natio­nalökonomischen Zeitschriften und war noch bis in seine letzte Lebenszeit wisienschaftlich tätig.

Die Haftung der Eisenbahn für Verkehrsunfälle.

Es ist eine ulte Erscheinung auf den Ab­gangsstationen von Zügen wie auch auf wichtigen Zwischenstationen, daß vor dem Ein­fahren eines Zuges die Bahnsteige mit war­tenden Reisenden besetzt sind, die sich bann be­mühen, wenigstens noch einen Stehplatz im über­füllten Abteil zu erlangen. Durchgreifende Ab- yilfe kann die Eisenbahn meist aus technischen Gründen nicht schaffen, der Reisende muh sich mit dieser Kalamität abfinden. Bei dieser Sach­lage ist es für ihn von Wichtigkeit, zu wissen, wieweit wenigstens im Falle eines Llnfalls eine Haftpslicht der Eisenbahn besteht.

Sein oder Nichtsein.

(Ein Kriminalroman von der Wasserkante.

Von Moritz Schäfer.

27. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Ehe das wütende Tier zum zweitenmal zubeißen konnte, war Andrea zugesprungen^ und hatte es zurückgerissen. «Hierher Pascha! Schäm' dich! Pfui! Jetzt kusch! Wenn dein Herr zurückkommt, wirst du die Peitsche schmecken!"

Das half. Winselnd verkroch sich Pascha unter der Rohrbank, während Andrea, aus furchtbarem Dann erlöst, den ramponierten Gent, das parfü­mierte Taschentuch gegen die heftig blutende Wange gedrückt, einen kläglichen Rückzug antreten sah.

XXL

Zur selben Stunde, da Andrea ihres Schicksals Meisterin ward, sollte auch Lorenzen beweisen, daß er stärker sei, als das Fatum.

Ein dringender Anruf Vanselows bei Volken- hagen im nahen Bramow hatte den Bankier noch vor Beendigung seiner Konferenz zurückbeorderi. Das Verhängnis war auf dem Marsch; jetzt hieß cs kämpfen bis zur Entscheidung. Die umlaufenden Gerüchte hatten durch Zechlins Initiative und die Gefolgschaft des Großgnmdbefitzes, der in über­stürzter Eile seine Depots zurückzog, neue Nahrung erhalten. Niemand zweifelte mehr an dem drohen­den Zusammenbruch der Firma, und wer nur irgendein Guchaben an Lorenzen hatte, beeilte sich, es einzuziehen. Namentlich die kleinen und kleinsten Spareinleger, vor denen Mühlfeid immer gewarnt hatte, bekamen es, nachdem die Gerüchte bei ihnen einmal durchgesickert waren, mit der Angst zu tun.

Lorenzen halte, entgegen der Gepflogenheit, in der letzten Woche auch in den Nachmittagsstunden seine Bureaus vffengehalten, um die außerordent­liche Arbeitssülle bewältigen zu können. Das Per­sonal arbeitete gern und willig bis zur vorgerückten Stunde, da die Mehrarbeit anständig honoriert -wurde.

Plötzlich gegen Abend wälzte sich ein ganzer Schwarm nervös gewordener Depositäre dem Ge­schäftshause Lorenzens zu. Wie immer, wenn eine /ompakte Masie in feindseliger Haltung voran-

Dekanntlich haftet die Eisenbahn für Tö­tungen und Körperverletzungen, die sich bei dem Betriebe der Bahn ereignen ohne Rücksicht dar­auf, ob sie oder ihre Beamten ein Verschulden trifft. Rur im Falle höherer Gewalt oder bei eigenem Verschulden des Verletzten ist die Haf­tung ausgeschlossen.

Wann findet diese Bestimmung auf den oben angezogenen Fall Anwendung? Man wird sich hier der Auftassung des Reichsgerichts anschlie- ßen können, die es unlängst gelegentlich einer Schadenersatzklage entwickelte. Es handelte sich darum, daß beim langsamen Einfahren eines Zuges unter der auf dem Bahnsteig wartenden Menge ein Gedränge entstand, das dadurch noch verstärkt wurde, daß die am Ende des Bahn­steigs Stehenden sich in Bewegung setzten und neben dem Zuge herliefen. Einer dieser Fahr­gäste, der in jeder Hand ein Paket trug, er­hielt dabei von hinten einen Stoß, fiel hin und wurde überfahren. Das Reichsgericht hat den Gintoanb der Eisenbahn, der Unfall be­ruhe auf eigenem Verschulden des Verletzten, nicht anerkannt und diesem Schadenersatz zuge- sprrxhen, da dem Reisenden, wenn starker An­drang auf dem Bahnhöfe herrsche, kein Vor­wurf daraus gemacht werden könne, baß er sich beeile, einen Platz im Zuge zu erlangen. An dieser Sache ändert der häufig erfolgende Zu­ruf der Bahnbeamten:Zurückbleiben" nichts; auch ist zu berücksichtigen, daß sich bei Andrang eine Reihe von Leuten in gefährlicher Rähe der Bordschwelle befinden müssen. Eine andere Auffassung greift nur Platz, wenn der Verletzte nach bem Türgrift eines Abteils gefaßt Hütte, um den noch führenden Zug zu besteigen.

Dr. jur. Bartsch-Berlin.

Volkshochschule Gießen.

Im Rahmen der Veranstaltungen der Volks­hochschule sprach Studienrat Dr. König über den Lebensraum des deutschen Vol­kes. UnterLebenSraum" versteht der Vor- tragende den Siedelungsraum über die klein- deutschen Rcichsgrenzen hinaus, jedes Gebiet, wo man sich eine deutsche Heimat geschaffen hat. Arrs einer Statistik war zur Illustration dieser Vorstellung sehr interessant zu hören, daß zu 60 Millionen Drnnendeutschen gut 34 Millionen Deutsche außerhalb der Reichsgrenzen zu zählen sind; also etwa 94 Millionen auf der Erde, wo­von nur - j im geographischen Deutschland leben. In England könnte man 1 ich dergleichen nicht vorftellen; ebenso hat Frankreich über seine Gren­zen hinaus eine feste kulturpolitische Einheit. Der Vortragende ging im Laufe seiner sehr be­merkenswerten, klaren, auf großes Wissen ge­gründeten Ausführungen auf die Verhältnisse an den Grenzen im Westen, Süden und Osten ein. Rach einem historischen Aeberblick über die poli­tisch-kulturell bestimmte Entwickelung der Dinge an unserer Westgrenze war sestzustellen, daß heute ein breiter Streifen germanischen Landes außer­halb der Reichsgrenze liegt, Eigentlich von der Rordsee bis zur Schweiz. (Wenn man Holland- Flandern, als niederdeutsche Volkheit aufgefaßt, einbezieht.) Indessen ist unsere sprachlich-kultu­relle Bindung zur Schweiz stärker, als zu Hol­land. Luxemkmvg hat sich noch 1848 zur deutschen Volkheit bekannt. Aber trotz Zollverein und Eisen« bahnanschluß ist eS hier zu keiner engeren Bin­dung gekommen. Wie Flandern liegt auch Elsah- Lothringen auf deutschem Dolksboden. Hier hat der französische Zivilisationseinfluß unablässig ge­arbeitet; ist sogar übermächtig herrschend ge­wesen. (Man denke ans 18. Jahrhundert, an Friedrich den Großen.) Der Kampf im Westen ist im wesentlichen ein Kampf ums Innere, um die Seele. Die Volkheit ist deutsch geblieben bis heute, und wehrt sich heute mehr denn je gegen die gallische Vergewaltigung. Die letzten Monate haben es bewiesen.

Ern offener Brief des ehemaligen elsaß- lothringischen Landtagspräsidenten redet eine deutliche deutsche Sprache und soll uns eine Mahnung sein, ein Alarmruf nach D'nnendeutsch- land: der Kampf Elsatz-Lothringens geht um die deutsche Sache, ist ein gemeindeutscher Kampf. Im Süden dasselbe Bild. Auch hier decken sich Volks- und Reichsgrenze nicht; ein gewaltiges Stück deutschen Bodens liegt außerhalb des Reiches. Redner ging des näheren auf die histo­rische Entwicklung des österreichischen Kultur­zentrums ein, auf die Geschichte des deutschen Großpartikularismus". Dom Volklichen aus ge­

drängt, war die zu blindwütigem Niedertrampeln geneigte Herde von einem Leithammel aufgc- putscht. Nur daß der Leithammel, ganz gegen die Regel, in diesem Falle kein radikaler Ultra, fonbern lediglich ein Exaltierter war, der, von der allge­meinen Erregung angesteckt, seine Führernatur aus dem Stegreif entdeckte. Dabei war der Herr Tobias Grotjahn seines Zeichens ein biederer Schweine- unb Kälberzüchter im Grunde des Herzens ein ehrlicher Kerl, der nur eine Schwäche hatte: er sah überall auf der Welt Unterdrückte, und wo er solche sand, mußte er ihnen helfen. Dabei hatte er wiederholt trübe Erfahrungen gemacht. So verhalf er jüngst, um nur e i n Beispiel zu erwähnen, einer von Nachbarn verfolgten Gruppe Halbwüchsiger zum Entwischen, da er den Burschen die bedrängte Unschuld ohne weiteres an den Nasenspitzen ablas. Er wandte also von seinem Vorgärtchen aus die Rasenspritze, die er gerade zur Hand hatte, gegen die Verfolger, daß sie triefend, schimpfend und pustend in ihrem Dauerlauf einhielten. Nachdem Herrn Grotjahn von den solchergestalt gekränkten Nachbarn in allen Tonarten die Meinung gegeigt war, erfuhr er zu feinem Schrecken, daß die Ver­folgten ihn selbst bestohlen hatten. Die Kirschen auf seinem Pachtgrundstück war er los die Prügel Der Nachbarn saßen fest! Aber solche und ähnliche Erfahrungen machten den guten £>errn Grotjahn nicht klug. Immer wieder, wo sich Gelegenheit bot ober vom Zaun brechen ließ, nahm er sich der be- brängten Mitmenschen an. Unb zwar weniger mit Rat , als mit Tat. Weniger mit Vernunft und Ueberlegung, als mit blinder Draufgängerlust. To­bias Grotjahn war ein Held der Initiative.

Lorenzen war gegen jeden 'Ansturm gewappnet. Er hatte Zeit genug, sich vorzubereiten. Als der Bankier von Groß-Spirow nach Hause fuhr, war ihm vollkommen klar, daß eine Generaloffensive mft Tanks unb Trommelfeuer gegen feine Stellung be­vorstehe. Es mußte alles geschehen, was menschen­möglich war, um die Wucht eines unerhörten hef­tigen Angriffs aufzuhalten, der über Sein oder Nichtsein der Firma entscheiden sollte. Die un­geheure Inanspruchnahme seines Kredits, die Ein- ziehung aller erreichbaren Barmittel, der Verkauf sämtlicher, auch der erfolgsichersten Spekulations- paoiere waren Maßnahmen, die zugleich stützten unb schwächten.

sehen, besteht der Gegensatz grohdeutsch klein- deutsch heute nicht mehr. Im Westen gibt es eine geschlossene Sprachgrenze, im Süden ist sie gelockert. Der horte Kampf um die Scholle gibt hier den volkheitlichen Bestrebungen seit langem den Charakter. Ein heißes, deutsches Menschen- und Heimatgefühl ringt dort unten im Süden um die Wahrung seiner Selbständigkeit, und hofft auf das größere Reich, das da kommen soll. Ganz anders liegen die Dinge im Osten. Das Durch­einander der Völker ergibt keine Grenze, sondern einen Grenzgürtel. 8 bis 10 Millionen Deutsche kämpfen hrer den schweren Kampf volklicher Min­derheit. Im Westen geht es um die seelische Herr­schaft; im Osten in erster Linie um den Boden. Siedelungs- und Devülkerungsprobleme bestim­men das Schicksal im deutschen Osten. (Auf die sehr wissenswerten, historisch-politischen Ge- dankengänge in diesem Teil des Vortrages tarnt leider aus Raumgründen nicht eingegangen wer­den.) Rur dies eine: Man muh si cheinmal in die wahnsinnige, polnisch-chauvinistische Vorstel­lung hineinversehen, die als dieeigentliche" Grenze im Westen mindestens die Oder, am liebsten aber die Elbe haben will! 60 Millionen Deutsche im Reich, 90 Millionen im Volk! Die Einheit würde gewaltige Macht bedeuten. Das Schicksal derer draußen und derer driimen ist das gleiche, düs muß einmal erkannt werden. Vielleicht liegt in solchem Zusammenfinden sogar der Weg zur wahren Befriedung. Es ist zu bedauern, daß der hochinteressante Vortrag nur wenig besucht war. Liegen uns die deutschen Dinge so wenig am Herzen?

Die Februarrate der Vermögenssteuervorauszahlung

Nach Mitteilungen, bie burd) die Presse gegan­gen sinb, soll ber Reichsfinanzminister in einem Erlaß zugelassen haben, bie im Februar fällige Vermögens st e u ervorauszahlung bann auf Grund ber abgegebenen Vermögenserklärung 1925 zu entrichten, wenn biefc Erklärung ein gerin­geres Vermögen ergibt als bie Veranlagung 1924 Hanfa-Bunb teilt hierzu folgenbes mit:

In einem internen Erlaß an bie Finanzämter über bie Behanblung von Stunbungsanträgen für Dermögensfteuervorauszahlung auf Grunb des § 15 Abf. 4 des Vermögenssteuergejetzes hat ber Reichsfinanzminister bie Finanzämter angewiesen, die Vorauszahlung bann auf Grunb ber Ver­mögenserklärung 1925 festzusetzen, wenn bie Ab­weichung von ber Veranlagung 1924 erheblich ist unb ber Umfang bes Vermögens sich verringert hat. Eine anberweitige Bewertung ber Bermögensgegen- stäube kann nicht als Begrünbung für berartige Stunbungsanträge bienen. Jnsbesonbere sollen auch Vermögensverminberungen, bie burd) aufgewertete Hypotheken entstanden sind, nicht berücksichtigt wer­ben. In bie Vermögenserklärung 1925 mußten bie Grunbstücke unb Gebäube, soweit sie zum Betriebs­vermögen gehören, mit bem Bilanzwert eingesetzt" werden. Bei der anderweitigen Feststellung der Ver- mögenssteuervorauszahlung sollen die Finanzämter hierfür die in der Vermögensveranlaaung 1924 fest­gesetzten Werte einsetz-m. Auf jeden Fall bedarf es im Einzelfall eines besonderen An­trages des Steuerpflichtigen unter Be­rufung auf § 15 Abf. 4 des Vermögenssteuerge­setzes. Der Steuerpflichtige kann nicht ohne weiteres von sich aus ohne Genehmigung des Finanzamtes die geringere Vorauszahlung leisten. Der Hanfa- Bund macht darauf aufmerksam, daß geringere Vor­auszahlungen, als sie im Veranlagungsbescheid für 1924 festgesetzt sind, ohne Genehmigung des Finanz­amtes Nachteile für den Steuerpflichtigen insoweit nach sich ziehen, als die Finanzämter berechtigt sind, für den Differenzbetrag Verzugszuschläge zu er­heben, abgesehen davon, daß auch unnötige Mahn­gebühren entstehen können.

Die Stadt als Gratulant.

Lin zweckmäßiger weg.

Das Stadtgesundheitsamt in Höchst a. M. schickt der Mutter eines jeden neugeborenen Kindes eine hübsch ausgestattete Karte als Drucksache, welche ein kräftiges Baby mit der Umschrift enthält:

Zur Geburt Ihres Kindes die herzlichsten Glückwünsche. Stadtgesundheitsamt Höchst a. M." Dann enthält die Karte, bie von einem erfreu­lich großzügigen Handeln zeugt, folgende liebens­würdige Einladung:

Sehr geehrte Frau! Zugleich laden wir Sie zum Besuche unserer Mütterberatungsstelle herz­lichst ein. Es ist nicht die Absicht, daß die Mütter-

Gewiß, Lorenzen konnte jetzt, wenn es not tat, jedes Depot, jede Spareinlage, ohne auf Kündigung zu bestehen, direkt auszahlen. Aber wenn der Wogenprall anbrandete, ging es doch auf Biegen unb Brechen. Die notroenbigen Operationen waren zu gewaltsam, um nicht ben Organismus des Ge­schäfts, dem sie eine schwärende Wunde ausbrennen sollten, gleichzeitig den Lebensstrom bis zum Weiß­bluten aus den Lidern zu pressen. Deshalb bedurfte es neuer Vlutzuführung, um die Lebensfähigkeit des unerhört mitgenommenen Unternehmens zu erhalten, seine Widerstandsfähigkeit zu heben und es zu weiterer Blüte zu ertüchtigen.

Das Experiment gelang, da sich Volkenhagen mit seinen großen Mitteln und seiner moralischen HUse für den Begrangten einsetzte. Auch Volkenhagen war ein Junker, aber ein anderer als der in Vor­urteilen erstarrte Herr von Groß-Spirow. Aeußer- Itd) zu jenem erfreulichen Typ zu rechnen, ber in verbinblichem Wesen auch bem Nichtjunker gerecht zu werden bestrebt ist, war Volkenhagen nach Er­ziehung unb Weltanschauung ein moberner Mann, ßeben und leben lassen" war seine Parole, unb wenn er auch politisch ein Eigenbröbler war als Mensch war er erfüllt von einem großzügig- freien Denken und duldsam nad) jeder Richtung. Als echter Lebenskünstler verstand er es, fidi gute Tage zu machen und ohne auch nur seine Zinsen zu verzehren seinem Dasein durch zielbewußtes Mäzenatentum Inhalt und Weihe zu geben.

Mit Lorenzen, dessen strenge Rechtlichkeit er schätzte, verknüpfte den Junker ein starkes Band. Volkenhagen wußte, wie nötig einem Großgrund­besitzer ein Bankier von Lorenzens Qualitäten ist, und da er durch bie korrekte Beratung, bie er stets in ber Graf-Schackstraße fand, erhebliche finanzielle Vorteile genossen hatte, blieb in kritischer Stunde seine Dankbarkeit nicht aus. Dazu kam, daß Volken­hagen wegen jahrelanger Streitigkeiten man prozessierte wegen einer Fischereigerechtsame mit Zechlin auf dem Kriegsfüße stand. So wurde die Sanierung Lorenzens durch ein zweites psychologi­sches Moment gestützt: Herr Volkenhagen» trieb gegen seinen Rivalen ein bißchen Verärgerungs­politik.

Als Lorenzen im Auto von Branow zurückkam und durch den Garten sein Privatkontor betrat, hörte

beratungsstelle nur bei Erkrankungen oder nur von Minderbemittelten aufgesucht wird. Wir wollen bei allen ben Fragen, welche bei ber Ernährung unb Erziehung bes Kindes auftaudjen, raten unb helfen unb eine Krankheit so verhüten. Von ben Kinbern, welche bie Mütterberatung aufsuchen, sterben nur zwei vom Hunbert, sonst zehn vom Hunbert. Welche Freube macht es boch, an bem stetig fortfdjreitenben Gewichte einen Maßstab für bas Wohlbefinben bes Kindes zu haben. Unb welche Beruhigung ist es für die Mutter, auf alle Fragen: Wie soll ich baden? Wie vermeide ich das Wundsein? Wann muß ich die Milchmischung ändern, wann darf ich Beikost geben usw.? stets gerade für ihr Kind die richtige Ant­wort zu bekommen, die ein Buch so genau nicht geben kann. Kommen Sie also bitte zu uns, ich glaube, wir werden gute Freunde werden unb mit­einander uns am Wohlergehen Ihres Kindes freuen.

Die- Fürsorgerin. Der Stadtarzt."

(Eine solche Beratungsstelle mit ben gleichen Zielen besteht auch bei unserem städtischen Wohlfahrtsamt in Gießen. Die Mütter mögen diese Stelle fleißig in Anspruch nehmen. D. Red.)

Bornotizen.

Tageskalender für (Stent ag. Lichtspielhaus Bahnhofstraße:Freies Volk. Astoria-Lichtspiele:1)-Zug Grauens."

Gesellschaft für Erd- unb Völker­kunde. Nächsten Donnerstagabend in ber Neuen Aula Lichtbildervortrag von Pfarrer Ehlers über Die nordwestbeutfchen Moore, Lanb und Leute". Näheres in ber Anzeige in unserer Samstag-Aus­gabe.

Wettervoraussage.

Wechselnd bewölkt, Winde aus westlicher bis süd­licher Richtung, tags milder, nachts teilweise stärkerer Temperaturfall, noch vorübergehend Regenfälle oder Nebelbildung.

Teilwirbel der Ausläufer des westlichen Fall­gebiets verursachen zeitweise leichte Niederschläge. Nach Vorübergang der Störungen wieder Aufklaren und trocken. Der Hauptwirbel dürfte in nordöst­licher Richtung vorüberziehen, doch werden neue Störungsgebiets folgen.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 10,6 Grad Celsius, Minimum 5,5 Grad Celsius. Nieder­schläge 1,9 Millimeter. Heutige Morgentemperatur - 7,6 Grad Celsius.

* Eine öffentliche Sitzung der Stadtverordneten findet am nächsten Donnerstagnachmittag 5 Uhr im Stadthaus Bergstraße statt. Auf der Tagesordnung steht u. a. eine Vorlage betr. den Ausbau der Studien­anstalt durch Errichtung der Unterprima.

* * Die Hochwasse rflut der Lahn und ihrer Rebenflüsse hat sich im großen und ganzen verlaufen. Aecker, Wiesen und Wege sind frei von den Fluten, nur im Duteirhofener Feld sieht man noch einige Wassertümpel. Der Weg zwischen Dutenhofen unb Atz buch ist wieder passierbar.

* * Der Volkshalle-Derein fordert in unserem heutigen Anzeigenteil die Anteil- zeichner zum Abholen der Anteilscheine auf.

** Das Volksbegehren auf Enteig­nung ber Fürsten. Das hessische Gefamtmini- fterium veröffentlicht eine Bekanntmachung, in ber den Bürgermeisterämtern des Volksstaates Hesien die Verordnung des Reichsministers des Innern auf Zulassung eines Volksbegehrens ber Sozialdemokra tischen Partei, der Kommunistischen Partei und bes Ausschusses zur Durchführung bes Volksentscheids auf Zulassung eines Gesetzentwurfs über Enteignung der Fürftenvermögen bekanntgegeben wird. Die Ein­tragungsfrist für das Volksbegehren wird auf die Zeit vom 4. März bis einschließlich 17. März 1926 te"^-=rfonaIiCn. Der Oberbaurat Friedrich Heyl wurde zum Ministerialrat im hessischen Mini­sterium für Arbeit und Wirtschaft, der Regierungs­rat Karl Vollbracht zum ständigen Hilfsarbeiter bei diesem Ministerium und ber RegierunHsrat Dr. Lubwig Bernheim im Ministerium für Arbeit unb Wirtschaft zum Oberregierungsrat ernannt. Dem Oberpfarrer Herrn. Knobt zu Schlitz würbe bie erste evangelische Pfarrstelle in Bad-Nauheim übertragen.

** Falsche Reichsban knoten über lOReichsmark. Von den in Umlauf befindlichen Reichsbcmknoten über 10 Reichsmark mit bem Da­tum bes 11. Oktober 1924 ist eine neue Fälschung festgestellt worden, bie an nachstehenden Merkmalen unschwer zu erkennen ist: Papier: Im Griff etwas

er nebenan einen scharfen Wortwechsel. Die Deposi­täre waren in den Personalraum eingedrungen, da der überlasteteKassierer trotz eingestellter Hilfskräfte nicht mehr imstande war, den Andrang zu bewäl­tigen. Er hatte notgedrungen ein Atempause eintre­ten lassen müssen und seinen Schalter für kurze Zeit geschlossen. Das legte die Menge als Zahlungsein­stellung aus und begann, trotz beschwichtigenden Zuredens Vanselows, eine drohende Haltung einzu­nehmen. Schon waren die Rabiatesten in die Neben- räume eingedrungen und standen nun im Begriff, das Privatkontor des Chefs zu stürmen. Nur der Umstand, daß die Verbindungstür geschlossen war, konnte den Ansturm einige Minuten aufhalten. Aber schon rüttelte» derbe Fäuste an der Tür, und es konnte nicht ausbleiben, daß sie binnen kurzem un­ter der Gewalt der Andrängenden aus Schloß und Angel fliegen werde. Stimmen schwirrten auf und schlugen an des Bankiers Ohr:

Wo ist Lorenzen?"

3um Donnerwetter, wir wollen unser Geld!"

Dazwischen Vanselows Mahnung:Nur Geduld, meine Herrschaften, nur Geduld!"

Ein 'Bierpaß dröhnte:Geduld, Geduld! Hol' ber Teufele die Geduld! Gebt mein Geld heraus!"

Und der Chorus heute:Auch meins! Auch meins!"

Wir wollen ben Lorenzen feh'n!"

Jawoll! Hat sich was! Der feine Bruder ist durchgegangen!"

Wie eine Bombe schlug das Wort in die Menge. Kein Zureden half mehr, mit ungestümer Gewalt drängten die Rasenden gegen die Tür.

Da schloß ber Bankier auf. Von ber Wucht des Anpralls stürzten die Vordersten über bie Schwelle, doch fest m ber tobenben Brandung, wie der Ka­pitän eines sturmumheulten Schiffes, stand ber Mann, ben sie alle suchten. Einen Augenblick ver­ebbte das heulende Tosen; da fielen markig unb bestimmt Lorenzens Worte:Da bin ich! Wer wagt es, zu behaupten, ich habe mich in schmählicher Flucht meinen Verpflichtungen entzogen?"

Wieder schwoll die Unruhe an. Die Leute waren burd) Lorenzens plötzliches Erscheinen überrascht, bodj hatten seine Worte bie Besorgnisse offenbar nicht zerstreut.

(Fortsetzung folgt.)