lich gegen dieses Hebel eine zu groste Dosis Morphium genommen. Er verfiel in einen tiefen Schlaf, aus dem er nicht wieder erwachte, sondern nach etwa 40 Stunden verstarb. Er hinterläßt seine Frau mit zwei noch unerwachsenen Kindern, von denen oas älteste 6 Jahre, das jüngste erst 1/2 Jahr alt ist.
!! Bingenheim, 20. Oft. 2lm Samstag statteten die Mitglieder des Kreistags und Kreisausschusses Büdingen dem K r e i s k i n d e r h e i m in Bingenheim einen Besuch ab. Der Einladung des Kreis- direltors Dr. Gaßner waren weiter gefolgt Frau Deg.-Rctt Keller, Darmstadt, als Vertreterin der Zentrale für Mutter- und Säuglingsfürsorge, Staatsrat v. Weber als Vertreter des hessischen Roten Kreuzes, sowie einige Herren der Kreisverwaltung und die Bürgermeister aus der nächsten Hingebung von Bingenheim. Insgesamt waren über 30 Personen anwesend. Die Vorsteherin des Kinderheims, Schwester K ä t h'e Knoll, übernahm unter Mithilfe von Schwester Friedel Raum die Führung der Gäste. Zuerst wurde der „Küchenbau", der Hrsprung des Heims, und dann, der Entwicklungsgeschichte folgend, der „Langebau" besichtigt. Dieser Bau, der noch vor kurzer Zeit zerfallen und fast nutzlos dastand, ist heute mit geringen Mitteln in ein schönes Kinderheim umgewandelt. Im Erdgeschoß betrat man zuerst die maschinell betriebene Waschküche und dann die ebenfalls ganz neu und modern eingerichtete Küche. Im ersten Stock sind einige Schlafsäle, Spiel- und Aufenthattsräume von Kindern. Im zweiten Stockwerk befinden sich die Schlafzimmer der Schwestern. Die neuerdings eingebaute Dampfheizung ermöglicht, daß auch im Winter ohne Schwierigkeiten die Erholungskuren für die vom Roten Kreuz und die aus dem besetzten Gebiet überwiesenen notleidenden Kinder fortgesührt werden können. Rach dem Rundgang durch das Heim vereinte die Gäste ein einfaches Mittagessen. Hierbei ergriff Kreisdireltor Dr. G a ß n e r das Wort, begrüßte die Erschienenen und dankte den Schwestern für ihre aufopfernde Tätigkeit. Namens des Kreistags sprach Bürgermeister H e n - s e l, Hirzenhain. Er gab seiner Freude Ausdruck, daß die vom Kreistag bewilligten Mittel so gute Frucht gebracht hätten. Staatsrat von Weber kam in seiner Tischrede auf bas gute Verhältnis des Roten Kreuzes zur Kreisverwaltung bzw. dem Kinderheim Bingenheim zu sprechen und wünschte, daß diese Einmütigkeit auch fernerhin bestehen bleiben möge. Zum Schlüsse teilte Frau Reg.-Rat Keller mit, daß das Kinderheini für die Zentrale in Darmstadt eine große Stütze und fast unentbehrlich geworden sei. Auch sie wünschte, daß der gute Geist, der zur Zeit darin herrsche, von Dauer sein und so dem Heim zu noch größerem Aufschwung verhelfen möge. — Nachmittags fuhr ein Teil der Mitglieder des Kreistags und des Kreisaus- schusfes noch nach Bad Salzhausen und besichtigte dort die K u r a n l a g e n. Der Aufenthalt in dem schönen Bad Salzhausener Park und an dem Brunnen litt jedoch sehr unter dem andauernden Regen.
WSN. Ortenberg, 20. Oft. Der bekannte -und beliebte Ortenberger Kaltemarkt wird in diesem Jahre in der Zeit vom 31. Oktober bis 4. November abgehalten. Die Vorbereitungen sind bereits im Gange. Der Markt wird in diesem Jahre zum 599. Male stattfinden. Der nächstjährige (600.) Markt soll in besonders großzügiger Weise begangen werden.
]:[ Hsenb 0 rn, 20. Oft. Am Sonntag hielt der hiesige Turnverein eine Verlosung, deren Ertrag zur Anschaffung von Turngeräten dienen soll. Der erste Preis, ein Sofa, kam nach der Gemeinde Wenings. Anscheinend sind die dortigen Bewohner besondere Glückskinder, denn im vorigen Jahre kam der erste Preis des V. H. C., ein Auto, auch an eine Frau von Wenings. Die übrigen Preise verteilten sich in der Gemeinde und Um« • gegend.
Kreis Schotten.
ld. Schotten, 20. Oft. Der Vogelsberg, der j- früher mit der Verwendung von Landbau« Maschinen sehr zurückhaltend war, ist trotz der ungünstigen Zeitlage auf dem Wege, soweit es die Hanglage der meisten Grundstücke gestattet, an die Stelle der Handarbeit die Maschine treten zu lassen. So hat sich die Mähmaschine selbst in den
Dar grotze Würfelspiel.
(Zliarfina Wilemar.)
Roman von Franz Lover Kappus.
21. Fortsetzung. Nachdruck verboten
„kennen," sprach Carsten gezogen und drehte die Augen, „wieoiele Damen kenne ich in Berlin? Es hat Zeiten gegeben, da man noch unter Menschen gegangen ist. Die Zeiten haben sich geändert." Er steuerte auf ein anderes Gleise. Sprunghaft berichtete er von seinem neuen Leben. Pausen klafften zwischen den Sätzen. Eckig wurden seine Bewegungen.
Martina wartete. Jetzt hatte sie es nicht mehr eilig. Ruhig ging ihr Blut. Mit jedem Wort, das Carsten sprach, wuchs die Gewißheit. Aber man durfte nicht nachlassen. Die kalte Spannung, die den Körper so sonderbar starr machte, durste nicht weichen. Nicht weichen bis zum Schluß. Und sie sagte, als Carsten geendet hatte: „Meine Mutter kennen Sie also. Sie kommen auch öfter mit ihr zusammen. Selbst war ich einmal dabei, als sie aus Ihrem Auto stieg. Und der Ring, den sie manchmal heimlich ansteckt, ist von Ihnen.
Carsten sprang auf, wich bis an die Wand zurück.
„Das alles wollen Sie doch nicht leugnen, Herr Carsten?"
„Kleine Spionin?" fragte Carsten. Wie ein Pfiff klang das.
„'Man sicht manches, auch wenn man nicht spioniert. Und man hört manches, ohne daß man will."
„Beim Telephon zum Beispiel —"
„Auch beim Telephon. Wunderbar scharf sind die Sinne, wenn es um die eigene Mutter geht. Da gibt es gar nichts Wichtigeres als die eigene Mut- ter. Da hört man selbst im Schlaf, sieht im Traum —" Martina schwieg. Schwäche kroch heran. Wieder fühlte sie, daß sie Arme und Beine hatte. Wieder rieselte es den Rücken hinab.
Carsten hatte sich gesammelt. Schrittweise kam er heran, umständlich setzte er sich.
„Ich will Ihnen etwas sagen, Fräulein Martina."
„Sie sollen sprechen, Herr Carsten."
Lange überlegte er. Langsam sagte er bann: „Ich weiß nicht, was in Ihrer Phantasie vorgeht.
höchstgelegenen Teilen des Gebirges Heimatrecht erworben; Kartoffelerntemaschinen haben sich in diesem Herbst auf den „rappelsteinigsten" Aeckern bewährt; die Kleinheit der Vogelsberger Aecker hält zunächst den Siegeszug der Sämaschine noch etwas auf. Dankbar freut sich der Vogelsberger Bauer der Erleichterungen, die Maschinenarbeit seinem Dasein voller Mühen bringt, und ersehnt die Tage, in denen die durchgeführte Feldbereinigung weitere Entlastung ermöglicht.
—Schotten. 20. Oft. Hnsere Schulbehörde läßt es sich im Verein mit der Lehrerschaft angelegen sein, den Sparsinn unter der Jugend in jeder Weise z u fördern. So ging dieser Tage den Schulen des Kreises Schotten ein von der Dezirk^parkasse Schotten überreichtes Lesehest zu, das unter dem Titel „Empor aus eigener Kraft" für rege Sparsamkeit wirbt. Die Schulbehörde empfiehlt die Benutzung des Heftes im Hntcrricht, da sie sich von seiner zweckmäßigen Verwendung eine Forderung des Sparsinnes verspricht. — Am 11. und 12. Dezember soll hier eine Geflügel- und Kaninchen- schau stattfinden. Die Veranstaltung verfolgt den Zweck, die Geflügel- und Kaninchenzucht im Vogelsberg nach Möglichkeit zu fördern und ihr einen neuen Ansporn zu geben.
□ Laubach, 20. Oft. Heute tritt der älieste Mann unserer Gemeinde, Schreinermeister Arnold Atzbuch, in sein 8 8. Lebensjahr. Im Wiederherstcllcn alter Möbel hat er ganz hervorragende Leistungen geboten; er verstand sich besonders auf die Polierkunst, worin er nicht zu übertreffen war. Im gräflichen Schlöße stehen zahlreiche Beweise seiner Kunst. Der alte Herr ist geistig noch sehr rüstig, jedoch haben seine körperlichen Kräfte nachgelassen. Bis vor wenigen Jahren betrieb er fein Geschäft noch in alter Frische; auch konnte er sich noch eifrig in (Bartenarbeit betätigen. Drei Frauen unserer Stadt haben jedoch schon ein höheres Alter erreicht; geboren im Jahre 1837, sind sie bereits in das 90. Lebensjahr eingetreten (Witwe Dr. Eckel, Witwe Lorenz Löwer, Frl. Marie Kolb).
* Eichelsdorf, 20. Oft. Daß man gegen Kinder, d i e mit Steinen werfen, nicht streng genug einschreiten kann, beweist ein unglückseliger Vorfall in unserem Dorfe. Ein siebenjähriger Knabe warf einen Stein nach einem Hunde, traf aber einen gleichaltrigen Knaben namens Willy R a u so unglücklich ins Auge, daß dieser in die Klinik nach Gießen überführt werden mußte. Da der Augapfel verletzt ist, ist es nicht ausgeschlossen, daß die Sehkraft des Auges verloren geht.
ld. C s ch e n r 0 d, 20. Oft. Einer Anregung des Kreisamts Schotten folgend, gründeten 65 Glieder unserer Gemeinde eine Freiwillige Feuerwehr. Da die Wahlen einstimmig erfolgten und auch der Gemeindevorstand einstimmig die Mittel zur Beschaffung der Uniformen bewilligte, ist zu hoffen, daß die Freiwillige Feuerwehr die durch scharfe Wahlkämpfe in Parteien gespaltene Einwohnerschaft einen hilft.
ld. Aus dem Vogelsberge, 20. Oft. Die feuchte Witterung der letzten Zyt hat die Entwicklung der Ackerschnecke stark gefördert. In der Morgen- und Abenddämmerung sind die äußerst schädlichen Tiere auf der jungen Saat an ihrem Zerstörungswerke. Durch Streuen von gemahlenem Kalk, Kainit und Asche sucht man die Schädlinge zu vernichten. Am raschesten würde ftärferer Frost den Landwirt von diesen ungebetenen Gästen befreien.
Kreis Alsfeld.
-er. Homberg a. d. Ohm, 20. Okt. Ein im Distrikt Bornstrauch gelegenes Gelände, das Eigentum der Stadt ist, war vor drei Jahren zwecks Eröffnung eines Steinbruches an die Mi t- teldeutscheHartfteinindustrie verpachtet worden. Nach nur kurzer Betriebsdauer legte die Firma den Betrieb jedoch still mit der Begründung, daß die Pachtsumme mit dem Wert des Bruches nicht im Einklang stehe, und entzog sich deshalb auch in diesem Jahre der Zahlung der Pachisumme. In dem Prozess, den die Stadt gegen die Firma anstrengte, wurde letztere zur weiteren Zahlung der Pachtsumme verurteilt. Nunmehr hat die hiesige Firma Johs. Becker im Einverständnis mit der Mitteldeutschen Hartsteinindustrie den Steinbruch wieder in Betrieb genommen. Hoffentlich gelingt es ihr, ihn rentabel zu gestalten, da die Abfahrt »verhält -
Jch weiß nur das eine: mit allem, was Sie da Vorbringen, sprechen Sie einen fürchterlichen Verdacht gegen Ihre Mutter aus. Sie verstehen, welchen Verdacht ich meine?"
„Ich verstehe." Glut schoß Martina in die Wangen. „Ich verstehe genau." Einen Augenblick lächelte sie fast. Es blieb ihr erspart, die Dinge beim Namen zu nennen. Wie vor dem Tode hatte sie davor gezittert. Doch gleich darauf brannten wieder Scham und Schande. „Deshalb bin ich ja hier, Herr Carsten. Ich muß Klarheit haben."
„Sie sollen sie haben, Fräulein Martina. Ihre Sache ist es bann, sich mit Ihrem Gewissen auseinanderzufetzen. Auch wenn Sie erfahren haben, daß Ihre Mutter rein dasteht, wird Ihnen nicht leichter zumute sein. Im Gegenteil: dann erst werden Sie fühlen, was Sie mit Ihrem Verdacht an Ihrer Mutter verbrochen haben. Kein Mensch kann diese Last jemals von Ihnen nehmen."
Martina fuhr hoch. Ihre Lippen waren weiß.
„Man kommt nicht so ohne weiteres hier heraus, Herr Carsten! Man bombardiert einen wildfremden Menschen nicht mit Fragen, die einen fast erdrosseln. Man stellt die eigene Mutter vor diesem wildfremden Menschen nicht bloß. Das alles weiß ich. Das alles ist tausendmal abgewogen, tausendmal zergliedert worden."
Schrill lachte Martina auf. „Was wissen Sie von meinen Nächten, Herr Carsten? Was wissen Sie von einem Kinde, das das Bild der Mutter wanken sieht? Das Bild der Mutter — begreifen Sie? Spüren Sie nicht, wie das alles zerbricht: die Jugend, das bißchen Sonne, das ganze Leben?" Atemlos sank Martina auf den Fauteuil zurück. „Und jetzt Ihre Antwort. Ich bitte um Ihre Antwort, Herr Carsten?"
„Ihre Antwort!"
Im Zimmer nebenan wurden Stimmen laut. Em Ungeduldiger stritt mii Nettelbeck Endlich ging er. Eine Schreibmaschine hämmerte gleich darauf los. Das Telephon übertönte für eine Sekunde das Geklapper. Unbegreiflich deuttich was alles zu unterscheiden.
„Genügt Ihnen mein Ehrenwort?" fragte Carsten hohl.
Sofort antwortete Martina: „Es sollte mir genügen — aber es genügt mir nicht." Drängend fragte sie: „Was wollen Sie mit dem Ehrenwort
nisse nicht gerade günstig sind. — Jetzt, da die Bauzeit sich ihrem Ende nähert, ist es angebracht. einen Rückblick auf die Entwicklung des Hornberger Stadtbildes zu werfen. Wie allerorten, so trat auch hier nach dem Kriege die Frage der Wohnungsbeschaffung immer mehr in den Vordergrund. Aber infolge der Geldknappheit und der Hnsicherheit in der Wirtschaftsentwicklung fanden sich keine Bau- lustigen. Auch während der Inflation hat kaum jemand die Konjunktur ausgenützt. Rur die Stadt baute damals die S t a d t h a l l e und später zwei Beamtenwohnhäuser mit insgesamt fünf Wohnungen. Dann kam der Ruhrkrieg, durch den auch Homberg für sechs ausgewiesene Familien Wohnungen beschaffen mußte. Nach der Stabilisierung war weder Geld noch Kredit da. Später traten mehrere Baulustige zwecks Gründung eines gemeinnützigen Bauvereins zusammen, der in der letzten Zeit eine segensreiche Tätigkeit entfaltete. Durch seine Hilfe entstanden zwei Wohnhäuser mit zwei Wohnungen, sieben Neubauten stehen in Aussicht. 2m allgemeinen wurde in den letzten Jahren sehr rege gebaut, ganz besonders in der Ober-Osleidener Straße und in der Crnst- Ludwig-Straße. Eine weitere Straße soll demnächst entstehen, welche die Hauptstraße mit der letzteren verbindet und am Hotel „Hessischer Hof" ihren Anfang nimmt. Auch in dieser projektierten Straße sind schon Bauplätze erworben worden. Durch vom Staate und andern Behörden an Beamte und Arbeiter gewährte Zuschüsse war es diesen möglich, die Bauten zu beginnen. Seit Kriegsende sind in unserer Stadt mit über 1400 Einwohnern 23 Neubauten mit 31 Wohnungen errichtet worden. Hnter den Bauherren waren zu 44 Prozent Beamte, 22 Prozent Arbeiter, 13 Prozent Handwerker, 13 Prozent die Stadt und 8 Prozent Industrielle. Von Landwirten wurden nur einige Scheunen erbaut. Trotz dieser emsigen Bautätigkeit ist die Wohnungsnot noch nicht ganz behoben. Vom städtebaukünstlerischen Standpunkt aus ist jedoch bedauerlich, daß die Schönheit des Hauses, die doch das Stadtbild stark beeinflußt, oft allzusehr zugunsten der Zweckmäßigkeit und der Billigkeit zurücitrat. Beachtenswert ist, daß von den hiesigen industriellen Werken nur ein Wohnhaus für Werkangestellte erbaut wurde (Gebr. Himmelsbach). In dem Neubau der Heberlandzentrale sind ebenfalls noch zwei Wohnungen geschaffen worden.
= Ober-Ohmen, 19. Oft. Gestern verunglückte die in den 80er Jahren stehende Witwe Keil. Sie kam beim Hantieren a m Herde dem Feuer zu nahe und geriet rasch in Flammen. Die Frau eilte auf die Straße, wo hilfsbereite Menschen die Flammen mit Decken erstickten. Mit sehr schweren Brandwunden, besonders am Kopse, liegt die Frau in bedenftichem Zustand darnieder.
^AusdemOhmtal, 20. Oft. 2m nächsten Frühjahr wird unsere sr.schgewalzts O h m st r a ße geteert. Diese Maßnahme ist sehr zu begrüßen, da diese Straße einen Teil der Hauptverkehrsstrecke Gießen—Lauterbach darstellt.
(!) Groh-Felda, 20. Oft. Am Sonntag wurde in der hiesigen Kirche das diesjährige Gustav-Adolf-Fest des Dekanats Alsfeld gefeiert. Vormittags fand Jugend- Gottesdienst statt, mittags um 1 Hhr war Fest- gottesdienst, zu dem die Besucher von hier und aus der Hmgegend außerordentlich zahlreich erschienen waren. Die Festpredigt hielt Pfarrer L 0 r h - Durg-Gräfenrode, in der er das Wesen, den Zweck, das Ziel und den Segen des Gustav- Adolf-Dereins darlegte. Der hiesige Männer- gefangnerem verschönte den Gottesdienst durch treffliche Chorgesänge. In der Nachversammlung sprach Dekan Dr. Hnverzagt - Alsfeld, ein von Pfarrer Weber geleitetes Quartett fang einige Lieder, worauf der Ortsgeistliche, Pfarrer Weber, die Feier mit Dankesworten schloß. Die Veranstaltung hat allenthalben einen starken Eindruck hinterlassen.
l. Elbenrod, 20. Oft. Bei der (Bürger» mei st erwähl am Sonntag wurde der Landwirt und Schmiedemeister Heinrich Wagner mit 133 Stimmen gewählt. Sein Gegner, Joh. Müller, erhielt 27 Stimmen. Linser seitheriger Bürgermeister, Karl Schröder, wird uns in Kürze verlassen, um in Kassel den Posten eines Direktors bei der Norddeutschen Hagelversicherung zu übernehmen. Schröder, der Kreisvvrsitzen-
bekräftigen? Am Ende, daß Sie meine Mutter nur flüchtig kennen?"
„Nein," sprach Carsten, „nein." Es handelte sich um Zeitgewinn. Auf einmal fehlten die richtigen Worte. Das Kind da mußte geschont werden. Das Kind da war unschuldig wie Gott im Himmel. Sonne wollte wieder in fein Leben. Ruhig schlafen sollte das Kind. „Nein, Fräulein Martina. Die Sache ist die: Ihre Mutter und ich — wir kennen einander schon sehr lange. Noch gar nicht auf der Welt waren Sie, als wir uns schon kannten. Eine Jugendfreundschaft also, eine Kindersreundschaft beinahe. Das sagt Ihnen genug. Man präsentiert solche Freundschaften nicht aller Welt. Nur Mißverständnisse können dabei herauskommen. Lange hatte ich Ihre Mutter nicht gesehen. Die Bedrängnis, in der sich Ihre Familie befand, führte sie wieder zu mir. Es war natürlich, daß ich tat, was ich konnte. Darum habe ich Ihrem Vater zu einem Erwerb verhalfen. Und das ist die ganze Geschichte — harmlos und über jeden Verdacht erhaben, vom ersten Wort bis zum letzten."
„Und darauf geben Sie mir Ihr Ehrenwort?" „Darauf, Fräulein Martina."
Martina ergriff feine Hand nicht. Stumm schüttelte sie den Kopf. Ihre blauen Augen flogen ruhelos, heiß.
Fassungslos fragte Carsten: Mein Ehrenwort genügt Ihnen wirklich nicht?" Weit holte er mit der Hand aus. „Mein Ehrenwort?"
„Ich will Ihr Ehrenwort nicht."
„Schwer," murmelte Carsten, „sehr schwer." Leise sagte er bann: „Wie könnte ich Sie sonst überzeugen?" Deutlich spürte er, wie eine unbekannte Gefahr nahte.
„Ich weiß ein Mittel," Martina schnellte von ihrem Sitz.
„Sie werden doch nicht —"
„Keine Sorge: die Mutter bleibt aus dem Spiel." „Nun?" fragte Carsten mit blauen Lippen.
Martina ging um den Schreibtisch herum. Ganz dicht kam sie an Carsten heran. „Sie haben mir früher von Ihrem neuen Leben erzählt. Es sind schöne und große Pläne, die Sie verwirklichen wollen. Ihre Ruhe, Ihr Glück, Ihr ganzes ferneres Dasein hangt davon ab, wie dieses Werk gelingt. Es ist Ihnen ja Herzenssache, dieses Werk. So habe ich Sie verstanden."
„So ist es auch."
der im Hessischen Landbund und MitgUed de- Gesamtvorstandes ist, ist eine weit über die Grenzen des Hessenlandes bekannte Persönlichkeit. Sein Weggang bedeutet für unsere Gemeinde einen schweren Verlust. In den acht Jahren seines Bürgermeisteramtes hat er unsere Gemeinde ein großes Stück vorwärts gebracht. DaS elektrische Licht mit seinem Anschluß an die Edertalsperre, das Kriegerdenkmal, die vielen Wegverbesserungen und Neuantagen von Wegen und Straßen sind unvergängliche Markstei:.e seines Wirkens. Er war jedermann, vor allen Dingen auch den ärmeren Leuten, jederzeit ein treuer Berater und Helfer. Ganz besonders förderte er auch die Bautätigkeit. Die besten Wünsche begleiten ihn von hier in seinen neuen Wirkungsort.
Kreis Lauterbach.
----- Vaitshain, 20. Oft. Hnsere Gemeind« erhält nun auch Feldbereinigung. Bei der- zur Zeit unter Leitung des Oberlandmessers Klinger aus Hungen stattfindenden Parzellen Vermessung wird ein neues Verfahren zur Anwendung gebracht, das zur wesentlichen Beschleunigung und Verbilligung der Arbeiten beitragen dürfte. Zur Feststellung der Entfernungen wird nämlich ein eigens dazu konstruierter neuer Apparat benutzt, während man sich seither hierzu allgemein der Metzstangen bediente. Für die ersten lausenden Ausgaben werden pro Morgen und Jahr eine Mark erhoben. Drei Prozent des Geländes sollen als Massengelände verwandt werden
Starkenburg?
WSN. Darmstadt, 20. Okt. Der zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilte ehemalige Student Mevn wird sich demnächst vor dem Bez.rks- schöffengericht in Darmstadt wegen der zahlreichen von ihm begangenen Fahrrad- und sonstigen Diebstähle zu verantworten haben.
WSN. Offenbach, 20. Oft. Der 27 Jahre alte Posthelfer Alexander Klöding aus Annen in Westfalen, der feit einiger Zeit von der Staatsanwaltschaft in Hagen wegen Unterschlagung im Amte steckbrieflich verfolgt wird, ist gestern von der Kriminalpolizei hier ermittelt und f e ft g e • n 0 m m e n worden. — Bei Notstandsarbeiten am Bebelring wurde hier ein Arbeiter von herab stürzenden Erd massen voll st an« dig verschüttet. Seine Arbeitskollegen tonnten ihn glücklicherweise durch schnelles Ausgraben noch vor dem fast eingetretenen Erstickungstod retten. Der Verunglückte, der beide Oberschenkel gebrochen und auch innere Verletzungen davongetragen hat, mußte ins Krankenhaus gebracht werden. An feinem Aufkommen wird g e • zweifelt.
WSN. Dieburg, 20. Oft. In einer hier stattgefundenen öffentlichen Versammlung machte Bürgermeister Wick Mitteilung von den Schritten. die die Stadtverwaltung gegen die von der Regierung geplante Aufhebung des hiesigen Amtsgerichts getan habe. Das Vorgehen der Stadtverwaltung wurde von allen Rednern einmütig gebilligt. Es wurde schließlich eine Entschließung angenommen, in der gegen di e geplanteAushebung, die ein Musterbeispiel einer verkehrten Sparpolitik sei, einmütig Protest erhoben wurde.
WSN. Groß-Gerau, 20. Oft. In der Nacht zum Sonntag wurde in das hiesige Kreisamt eingebrochen. Die nächtlichen Gäste sind vom Hof aus in das Haus eingedrungen und haben es anscheinend vor allem auf Geld abgesehen gehabt. Der Kassenschrank hat aber den Herren Einbrechern so viel Widerstand entgegengesetzt, daß sie nicht zu ihrem Ziele kommen tonnten. Daraus sind die Einbrecher in die Wohnung des Kreisdireftvrs Di^ Merck gedrungen und haben die Zimmer durch« sucht, wobei ihnen ein kleiner Geldbetrag in die Hände gefallen ist.
WSN. Groß-Gerau, 20. Okt. Der Kampf um den kürzlich zum zweiten Male ausgeschriebenen Bürgermeisterposten scheint auch diesmal wieder mit unverminderter Heftigkeit entbrannt zu sein. Man kann schon von einer „S i n t« flut" von Offerten sprechen, wenn man hört, daß bis gestern nicht weniger als 14 0,Kandi- datenbriefe auf dem Bürgermeisteramt eingelaufen sind.
„Halten wir uns also an das", sagte Martina. Unsicher schaute Carsten auf.
Martina fuhr fort: „Niemand als ich wünscht sehnlicher, daß alles so komme, wie Sie es sich denken. Nicht nur um der armen Menschen willen, auch Ihnen zuliebe wünsche ich das. Vielleicht haben Sie wirklich viel gutzumachen, Herr Carsten. Sie allein können das wissen."
„Ich danke Ihnen für Ihre Wünsche, Fräulein Martina." Weiche, warme Empfindunaen wallten in Carsten hoch. Niemals hatte Julie so gesprochen. Das kleine Mädchen mußte kommen, um ihm das zu sagen. Er langte nach ihrer Hand und drückte sie.
Die Augen Martinas wurden weit.
„Und nun, Herr Corstem frage ich Sie etwas." „Fragen Sie doch, Kind."
Unerbittlich hielt Martina seinen irrenden Blick fest. Mit Nachdruck sagte sie: „Soll dieses Werk, an dem Ihr ganzes Sein, Ihr Seelenfrieden und Ihre Glückseligkeit hängen — soll dieses Werk zusammenbrechen, wenn Sie mich vordem beloaen haben? Schwören Sie mir beim Gelingen dieses Werkes, daß Sie die reine Wahrheit gesprochen haben!? Können Sie das schwören?" Martina beugte sich vor und starrte Carsten an.
Einen Augenblick lächelte Carsten. Dann wurde das Lächeln zur Grimasse. Alles knotete sich in seinem zerwühlten Gesicht. Sekundenlang setzte sein Herzschlag aus. Aber die großen, blauen, fragenden Augen ließen ihn nicht los. Alles war versunken: nur diese Augen lebten. Sie drangen auf ihn ein, stachen wie Dolche, bettelten, schrien um Gnade, wimmerten hilflos und drohten wieder: der ganze Jammer eines jungen, gepeinigten Lebens brach aus diesen Augen.
Keine Silbe konnte Carsten hervorbringen.
Stumm saß er da, wüstes Sausen in den Ohren. Versiegt waren die Gedanken. Nicht ein Wort wollte sich formen. Und er sollte doch sprechen, sollte doch schwören. Immer aufs neue öffnete er die Lippen. Mehr und mehr entschwanden die großen, blauen, fragenden Augen.
Endlich kamen die ersten,^ erlösenden Laute. „Ich schwöre Ihnen, Martina —"
" Aber das Zimmer war leer. Allein saß Carsten an seinem Schreibtisch. Emsig tickte der Chronometer in seiner Westentasche.
(Fortsetzung folgt.)


