tömmen, nicht aber die dortige Ueberfüfiuna selbst zu beheben, so daß ihr also im besten Falle ein prophylaktischer Charakter zukäme.
Die Internationalität des Arbeitslosenpro- blems scheint, so beherzigenswert sicherlich spezifisch nationale Abhilfepläne und Linderungs- Versuche sind, nach internationaler Abhilfe zu verlangen Man wird sich bei den Staaten, die ein wirkliches Interesse an dieser Frage Haden, daraus besinnen müssen, daß das Arbeitslosenproblem ohne eine Lösung des weltwirtschaftlichen Problems, das beißt ohne eine Behebung der gesunkenen Kaufkraft der Well, nicht gelöst werden kann. Daß z. B. die Zerrissenheit Europas in eine viel zu große Zahl autonomer, wenn auch kleiner Zollgebiete, die in ihrem Innern selbst zri hohen Kosten jedes Erzeugnis allein Herstellen wollen und damit das Volumen des europäischen Austauschhandels niedrig halten, eine wichtige Ursache der mangelnden Arbeitsgelegenheit ist, dürste außer Frage stehen. Ebenso hängt freilich die europäische Arbeitslosigkeit stark mit der Wirtschaftspolitik der überseeische,-. Aeuländer zusammen, die, wie die Bereinigten Staaten von Amerika und Australien, nach dem Krieg einerseits die europäische Warenausfuhr durch erhöhte Einfuhrzölle zurückgeschraubt haben und andererseits die Einwanderung durch verschärfte Gesetze beschränken. Es ist zu bedauern, daß auf diesem, für die Verminderung der Ar- deitslosen so wichtigen Gebiete von den europäischen Arbeiterverbänden und dem internationalen Gewerkschastsbunde bisher nichts erreicht werden konnte. Die Vereinigten Staaten aber sollten beginnen, einzusehen, daß auch Europa mit blofccm' ..Golde" und Kredit nicht genützt ist, wenn hinter diesen nicht die Möglichkeit erweiterter Produktivität, also vor allem verstärkter überseeischer Exporte, steht, eine Voraussetzung, die wiederum ohne intensiven Abbau der überseeischen Absperrungspolitik nicht denkbar ist.
Oberhesfen. >
Landkreis Metzen
d. Heuchelheim. 20. Juli. Dem von dem hiesigen Radfahrer-Verein 19 2 6 am Sonntag hier obgehaltenen Radsport- Werbetag war bei dem ausgezeichneten Wetter ein voller Erfolg beschieden. An dem D e r e i n s r e n n e n am Vormittag nahmen 6 Fahrer der Rennfahrer-Gruppe und 5 Fahrer der Gruppe B teil. Punkt 6.15 älhr fiel der Startschuß zu dem ersten Rennen. Die 25 Kilometer lairge Strecke führte über Rodheim. Bieber, Forsthaus Haina. Waldgirmes. Dorlar. Ahbach. Kinzenbach. Abendstern zum Ziel bei der Wirtschaft Ludw. Schäfer. Als erster passierte Franz Hofmann in 49,41 Min. ein. In kurzen Abständen folgten dann Ernst V o l k - mann. Ernst Rinn. Emil Weber unb Ernst Hofmann. In der B.-Gruppe fuhr der Jugendliche Ludwig Christ die beste Zeit. Der Rachmittag brachte in der Gartenwirtschaft .Zum Schwanen' den Saalsport zur vollen Geltung. Da der junge Verein noch nicht in der Lage ist. auf diesem Gebiete etwas zu bieten, hatte er verschiedene Vereine aus der Umgebung eingeladen. Sämtliche eingeladenen Vereine waren erschienen. Was hier von den Vereinen erschienen waren 1835, „Germania" und „Wanderer"" Gießen, Krofdorf. Wißmar. Lollar, Wiescck und Grohen-Linden — im 6cr- und 8er- Rcigen von Damen und Herren, im Radball, sowie im 2er°Kunstfähren gezeigt wurde, übertraf alle Erwartungen. Reicher Beifall lohnte die Vorführungen.
V Klein-Linden, 20. Juli. Am Sams- tagabend hielt der hiesige Gesangverein „Arion" seine diesjährige Generalversammlung ob. Dos Rechnungsjahr 1925 26 Hot dem Verein einen nennenswerten Rechnungsüberschuß gebracht Der gesamte Vorstand unter dem Vorsitz des Stadtbausekretärs L. Weinandt wurde einstimmig w i e d e r g e - wählt. Weiterhin wurde beschlossen, am nächsten Sonntag, 25. Juli, an Stelle des Grün- dungsfestes ein Waldfest abzuhalten. Im Mittelpunfridrs Festes wird die (Srnennuag mehrerer Mitglieder zu Ehrenmitgliedern anläßlich ihrer 25jährigen Mitgliedschaft stehen. Außerdem wurde die Abhaltung eines größeren Konzertes im Herbst beschlossen, in dessen Mittelpunkt ein größerer Chor mit Orchesterbegleitung stehen soll. — Bei einer Hausver steige-
Die Krummhölzer.
Roman aus den bayerischen Bergen.
Aon Michael Wagner.
10. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Er hatte ihm rechtzeitig genug geschrieben und ihn zur Hochzeit geladen — da traf einen Tag vorher eine Postkarte von ihm ein mit der knappen Mitteilung, daß er dem Bruder alles Gute wünsche, wichtiger Geschäfte halber jedoch leider nicht abkommen tonne. Der Gedanke, daß Beri schon soweit in der dicken Luft Münchens steckte, daß er sich nicht einmal zur Hochzeit des eigenen Bruders mehr freimachen konnte, schmerzte Zeno unsäglich.
Toni lachte nur über Zenos Bedenken, und der Vater setzte sich mit dem gewohnten Gleichmute darüber hinweg „Mein, was willst machen'"
Am Festtage selber aber waren ihm die häufigen Fragen nach dem Verbleibe seines Jüngsten doch peinlich, wenn er es sich auch nicht anmerken lassen wollte.
So saß Zeno mit seinem neuen Glück und den alten brüderlichen Sorgen neben seiner blühenden Marianne inmitten dieser stattlichen Festgesellschaft. Zwischen dem Mahle und dem später anhebenden Tanze führte an der Ehrentafel der Annodomini das Wort. Die Drummigkeit und das Griesgrämig- Spöttische hatte er zu Hause gelassen, und mit der strammen, grünen Galauniform, den frisch rasierten, wenn auch etwas philistriösen Schwerenöter und Witzbold angezogen. Und er ließ es einmal allen fühlen, wie dick er es hinter den Ohren habe — wenn er bloß wolle.
Lachsalve auf Lmbsaloe kitzelte er mit seinen mehr ober weniger saftigen „auf den Tag" paffenden Witzen und Schnurren heraus. Oder gar, wenn er irgendeinen „in der Reißen" hatte dann bogen sich die andern vor Lachen, der greise H.H. Geistliche Rat, welcher ebenfalls als Ehrengast dir Tafel .schmückte, nicht ausgenommen. Und keiner war sicher vor der gutmütigen „Aufzwickerei" und dem beißenden Spott des Herrn Försters Dominikus Sankt- johanfer.
Kein Wunder, daß es an diesem Tage über ihn nur eine Meinung gab: „Der Annodomini ist halt $in Urvieh!"
tung der Philipp Weigel Erben durch das hiesige OrtSgerichr wurde trotz lebhafter Anteil- nahme der Bevölkerung der geringe Betrag von 4010 Mk. erzielt. Die Erben werden wohl schwerlich mit diesem Ergebnis einverstanden sein.
t Treis a. d. Lda., 20. Juli. Am Sonntag- nachmittag wurde hier ein Iugendfest gefeiert. woran sich außer den Schulen auch sämtliche Vereine beteiligten. Um 1 Uhr bewegte sich ein stattlicher Festzug unter Vorantritt der Kapelle des hiesigen Mandolinenklubs, die Schulkinder mit Blumenstäben in den Händen, die Vereine mit ihren Fahnen durch die Dorfstrahen nach dem Festplah „in der Wann'. Rach einem Vortrag des Gesangvereins .Liederkranz" entbot hier Bürgermeister Will den Anwesenden den WilUommengruß der Gemeinde, dann fangen Arbeitergesangverein ..Hoffnung" und Kirche ngesangverein je einen Ehor. der Mandolinenklud spielte ein Lied, worauf Lehrer H e d r i ch die Festrede hielt. Dann begannen in reicher Fülle die Vorträge. Spiele und Reigen der Schüler, die den Rachmittag ausfüllten. Zwei Freiübungen der beiden hiesigen Turnvereine schlossen das schön oerlaufene und zahlreich besuchte Fest. — Nachdem der Gemeinderat in den letzten Jahren sehr viel für die Herstellung der Gern eindewege in der Gemarkung getan hat, sind in diesem Sommer auch die Derg- und die P f a r r st r a ß e einer notwendigen Um- pflasterung bcz. Chaussierung unterzogen worden. Der Gemeinderat darf des Daickes aller Anwohner der betreffenden Straßen sicher sein.
t Grünberg, 20. Juli. Der Gemeinde- r a t hatte bei der Beratung des Voranschlags mit Deckung des Fehlbetrages auf Empfehlung des Kreisamts die vorgeschlagenen Gemeinde- fteu ersähe genehmigt. Dieser Beschluß fand nicht die Zustimmung des Ministeriums, besonders wegen der hohen Belastung des Handwerks. Rach einer erneuten Durchprüfung des Voranschlags beschloß der Gemeinderat, auf seinem früheren Beschluß zu beharren. — Im Hinblick auf die hohen Kosten für den Reubau des Wasserbehälters wurde beschlossen, ein 5. u n d 6. Ziel Wassergeld zu erheben. Die überfüllten Schulsäle in der Oberrealschule machen eine Vergrößerung der Anstalt dringend notwendig. Mit 9 gegen 5 Stimmen beschloß der Gemeinderat die Errichtung eines Anbaues, der möglichst noch in diesem Jahre im Rohbau fertiggestellt werden soll. Die Kosten belaufen sich auf ungefähr 50 000 Mark. — Schließlich wurde noch die ungleichmäßige Verteilung der Kirchen st euer besprochen. Es soll evtl, eine anderweitige Regelung ins Auge gefaßt werden.
gl Rieder-Bessingen, 20. Juli. Ein betrübendes Zeichen dafür, wie unsere Jugend gefährdet ist, zeigt ein Vorfall, der tich in unserer Gemeinde zutrug. Der noch nicht 14jäf)tige A. V. von hier öffnete mehrmals den Opfer- st o ck in der hiesigen Kirche und stahl die Gaben in Höhe von über 30 Mark. Das erbeutete Geld verwandte er für Näschereien. Ein ähnlicher Fall ereignete sich in dem nahen Ettingshausen. Dort stahl die noch nicht strasmündige P. G. einem Arbeiter 200 Mark, von denen die Hälfte noch in der Wohnung der Täterin vorgefunden wurde. Auch hier wurde das Geld für Raschwerk ausgegeben.
Kreis Friedberg.
ss. Friedberg. 20. Juli. Vor kurzem fand im Stadtteil Fauerbach eine Versammlung statt, in der Herr Essinger- Butzbach über die Deutsche Bau- und Siedlungsgenossenschaft G. m. b. H. in Darmstadt sprach. Dieser Tage referierte der Redner auch hier über die gleiche Angelegenheit. Seine Bemühungen, für die genannte Genosienschast neue Freunde zu gewinnen, waren jedoch erfolglos, da ein Diskussionsredner die empfehlenden Darlegungen des Vortragenden so entkräftete, daß der Referent nichts mehr gegen die Einwände zu sagen wußte. Aus der Versammlung heraus wurde vor dem Beitritt zu der Genossenschaft gewarnt.
B. Rodheim vor der Höhe, 20. Juli. Dieser Tage feierte unser ältefter Einwohner Balthasar Kaster HL seinen sieben- u n d a ch t z i g st e n Geburtstag in seltener Körper- und Geistesfrische. Der Hochbetagte hat vor zwei Jahren mit seiner heute noch rüstigen Gattin die goldene Hochzeit gefeiert.
Mitten in dem Trudel saß der Urachervater in all seiner unnachahmlichen Ruhe und lachte dröhnend zu den Späßen des Försters. Der Toni tanzte wenig, nur dann und wann holte er sich eine hoch- busige Schöne nach seinem Geschmack, führte auch die Braut zum Ehrentanz, meist aber saß er hochroten Kopfes und breitspurig hinter einer Batterie geleerter Flaschen und feierte so den Tag auf seine Art. —
Endlich, spät erst, flogen die Vögel ins Rest am Marktplatz — doch noch nicht ungestört, denn als letzte Nummer des Festprogramms schallte bei Fackeschein aus nicht mehr ganz treffsicheren üder- feuchten Kehlen ein sinniges Ständchen zu jenem Fenster des ersten Stockes hinauf, hinter dem Zeno und Marianne eng umschlungen standen. Und wäre es Sommer gewesen, dann hätte die früh ausgehende Bergsonne noch manchem Nachzügler ins übernächtige Antlitz leuchten können.
So aber stand der Mond groß und vollglänzend über den verschneiten Bergen und mit dem sanften Schimmer seines alles übcrfilbemben Scheines mischte sich das reine Glück eines jungen Menschenpaares.
Bor dem schmucken Schnitzerhaus am Marktplatz war ein kleines Gerüst ausgestellt. Ein Mann in farbenfleckigem Kittel hantierte darauf.
Frühjahrsarbeit ...
Zeno stand einige Schritte zurück auf der Straße, inmitten des warmen, vormittägigen Märzsonnenscheins, und unterhielt sich mit dem Mann auf dem Gerüst.
„Morgen, Herr Uracher!"
Zeno wandte sich um. Hinter ihm stand der Postbote und überreichte ihm nebst einigen Geschäftsbriefen auch eine Münchner Zeitung.
„Danke!" Damit wollte sich Zeno wieder dem Hause zuwenden. Der Postbote jedoch schien es auf einen kleinen Plausch abgesehen zu haben.
„Sauber muaß es zuagehen, in der Stadt drin — alles brunter und drüber! Kreuzhageldonnerwetter! Da steht 's in der Zeitung drin — i hab a wengerl nei'a'spitzt." .
Zeno fühlte, wie ihm das Blut heiß zu Kopfe flieg.
„So?" gab er möglichst unbefangen zur Antwort. „Is wieder was los?"
vb. Butzbach, 20. 3ult Mit Rachfordern n ae n an Kirchensteuer beschädigte stch eine Versammlung unter dem Vorsitz des Stadtverordneten Ioutz im .Hessischen Hof dahier. Beanstandet wurde die Höhe dieser Rachsorde- rungen, da diese für die mit Steuern ohnehin stark belastete Wirtschaft untragbar fei. Gegen die Festsetzung der Höhe des Prozentsatzes (19 vorn Hundert) könne kein Einspruch erhoben werden. dagegen, aber gegen die nachträgliche Erhebung für 1925. die nicht berechtigt sei, da das Gesetz erst vorn 2. Mai 1926 datiere In zwei zur Annahme gelangten Entschließungen wurde Einspruch gegen die Rack^rhedung erhoben, ferner eine Minderung der Steuer für 1925 und für 1926 gefordert. ‘Serbe Entschließungen sollen der Kirchenbehörde und dem Finanzamt zugeleitet werden.
am. Staden, 20. Juli. Der hiesige Sportverein hielt am Sonntag ein wohlgelungenes Sportfest ab. 11m 8 Uhr begann es mit einem F e st g o 11 e s d i e n st, wobei Pfarrer Hamburger über 1. Kor. 3, 16 und 17 predigte und den Sport und die Körperpflege vom Standpunkt eines Ehristen beleuchtete. Anschließend begannen dann um 9 Uhr auf dem Sportplatz die Spiele. Rach einer Mittagspause bewegte sich unter Beteiligung sämtlicher hiesiger Vereine und der als Gäste erschienenen auswärtigen Sportvereine ein malerischer Festzug durch die Straßen. Anschließend daran fand das Endspiel um den von dem hiesigen Sportverein gestifteten Pokal statt, wobei der Fußballklub Geih-Ridda mit 1: 0 über Kohden siegte.
h. Aus der mittleren We11erau, 20. Juli. In dieser Woche nimmt auch in der mittleren Wetlerau die Ernte der Halmfrucht ihren Anfaiig. Die Ernte ist allenthalben reichlich, doch läßt sich die durch die starken Regengüsse der letzten Wochen niedergedrückte Frucht nur teilweise mit der Maschine schneiden, wodurch sich die Arbeit trotz des günstigen! Wetters erheblich verzögert.
Kreis Büdingen.
Id. R i d d a. 20. Juli. Der Schnitt der Sommergerste hat begonnen. Wochen heißer Erntearbeit sind dadurch eingeleitet worden. Die infolge schwerer Regenfälle gelagerte Gerste kann vielfach nicht mit dem Reff, sondern nur mit der Grassense gemäht werden, wodurch die Erntearbeit wesentlich erschwert wird. Wenn der Wettergott gnädig ist, verspricht die Gerste einen reichen Körner- und Strohertrag. Da Saat- gerfte nicht überall gebeizt wird, flogt man hier und da über das Auftreten von Brand. Der Beginn der Kornernte läßt noch einige Lage auf sich warten.
bs. Geih-Ridda. 19. Juli. Am Samstag fand ein Rheinausflug der Schulen aus der näheren und weiteren Umgebung von Ridda statt. Es beteiligten sich daran 370 Schulkinder und 150 Erwachsene aus den Dörfern Wallern- haufen. Oberlais. Ober-Mockstadt. Fauerbach, Michelnau. Ober-Widdersheim. Rodheim. Stein- Heim, Geih-Ridda, Gettenau. Rieder-Mockstadt und Dauernheim. Ein Sonderzug, der Ridda um 4 Uhr vormittags verlieh. brachte die Teilnehmer gegen 7 Uhr nach Mainz. Auf dem Dampfer „Rheinlust" der Mainzer Schiffahrts-Gesellschaft ließ man dann bei herrlichstem Sonnenschein in fünfstündiger Fahrt baä schönste Stück deutscher Erde an sich vorübergleiten, bis nach St. Goarshausen hin- und rückfahrend nach Ahmannshausen. Das Rationaldenkmal wurde besichtigt und wirkte in feinen wuchtigen Ausmaßen besonders auf die Kinder. Eine nochmalige dreistündige Dampferfahrt von Rüdesheim bis Mainz folgte dann, um 8 Uhr wurde mittels Sonderzuges die Heimfahrt angetreten. Für die Schulkinder und nahezu alle Erwachsenen war diese Rheinfahrt ein Erlebnis, an das sie zeitlebens denken werden. Vorbereitung und Durchführung dieser Fahrt lag in den Händen des Lehrers Lentz von hier, der keine Zeit und Mühe scheute, sein Werk zum guten Ende zu führen.
th. Leidhecken. 20. Juli. In der heutigen Geweinderatssihung wurden die im Herbst vorigen Jahres gewählten neuen Mitglieder verpflichtet und in ihr Amt cin- geführt. Es wurde dann über die Wasserleitung Leidhecken — Staden beraten und beschlossen, nach Prüfung und Messung der Quelle und der Zuleitung Wassermesser einzuführen. In den „Wingerten" soll eine
„Was los? — Na, sag i — net wenig!" tat der andere wichtig. — „Lesen S' bloß — den Zentral- bahnhof Harns in d' Luft gesprengt mit lauter Bomben rind Granaten! Und den Sturmangriff auf a Kasern' erst!" Hier hielt es der gute Mann für angebracht, eine die Spannung steigernde kurze Pause einzulegen, während welcher er feiner Nase eine ansehnliche Prise Schnupftabak zuführte. „Zuagehen muß es drin in der Stadt, wie im Krieg! Akkurat a so! — Jawoll!"
Die verhängnisvolle Zeitung brannte Zeno in den Fingern. Es quälte ihn, den Mann so behaglich feine Sensation auskramen hören zu müssen.
„So, so — bös muaß i aber gleich lesen!"
„Ja, und nachher erst —" wollte der Neuigkeitenträger wieder anheben, aber Zeno war schon in den Laden getreten und schloß die Tür hinter sich zu. Er zog einen Stuhl an den Ladentisch heran, riß mit hastigen Fingern die paar Briese auf, überflog sie rasch und legte sie wieder beiseite. Aber die Zeitung! Ec fühlte feine Hand zittern, als er das Blatt vor sich ausbreitete.
Wahrhaftig — hier — fpaltenlange Berichte: Räterepublik — die Regierung geflohen —
Zeno stützte den Kopf in die Hand, während feine Augen gierig die sensationellen Nachrichten verschlangen. Dann mochte er nimmer — es ließ ihm keine Ruhe mehr — der Beri! — Der Beri!
Daß der Bruder mitten in diesem Trubel steckte, ftanb für Zeno nun fest. Und daß irgend etwas geschehen mußte, um ihn der verhängnisvollen Umgebung zu entreißen, wiederum! Dor seinen sinnenden 2uigen tanzten die fetten, die Sensationen her- ausstellenden Zeilen hin und her — die ganze Zeitung grinste ihn an ...
Der schrille Ton der Türklingel riß Zeno auf. Er fuhr herum, beinahe erjchrocken. Die Ladentür aber öffnete sich nur gerade so weit, daß sich ein bärtiger Kopf hereinschieben konnte. Ein imposanter '.Hafenbau dominierte ...
„Mit Verlaub, Herr — HerrgoKsapra — ent schuldigen S* wollt' sagen, Herr Hergottschnitzer! Also — kann man sich bei Jhna a neuche Kegelkugel anmeffen (affen? —"
Der drollige Anblick zwang Zeno unwillkürlich ein befreiendes Lachen ab. Er ging hin und öffnete die Tür vollends.
Pflanzung Kirschbäume angelegt werben. Zum Schlüsse wurde noch der "Bau einer neuen Drü cke über die Horloff genehmigt.
U n t er-ßdo mitten, 20. Juli. 3m Alter von 73 Jahren verstarb plötzlich der Landwirt Karl H i l s i n g e r vorn R e i n b ä u • f c r Hof. Der Verblichene, eine in landwirtschaftlichen Kreisen bekannte und geschätzte Persönlichkeit, erwies sich in der Zeit des Hcbcr- gangs zur neuzeitlichen Dewirtschastungsmethode als eifriger Förderer des Reuen. Vor einigen Jahren beteiligte sich der fast Siebzigjährige noch an dem Reitturnier in Friedberg und konnte fieggefrönt heimkehren.
Kreis Schotten.
------- Gedern. 20. Juli. Die Elektrische ^leberlandzentrale der Provinz Oberhesfen lieh am Sonntag hier ihren Werbe- und Propagandafilm laufen und gab dadurch den Besuchern Gelegenheit, die Segnungen der Elektrizität auf den verschiedensten Gebieten, besonders auch in der Landwirtschaft, kennen zu lernen.
Kreis -llsfcld.
r'B rauerschwend, 20. Juli. Dieser Tage wurde einem hiesigen Einwohner nachts das fast noch neue Fahrrad aus einem unverschlossenen Stalle gestohlen. Bis jetzt ist es noch nicht gelungen, den Dieb sestzunehmen. Rach einem zurückgelassenen Stock zu urteilen, ist der Spitzbube unter der Zunft der„Ritter der Landstraße" zu suchen. Wahrscheinlich hat er in der Scheune des Bestohlenen Übernachtet, bei eingehender Besichtigung des Gebäudes das Fahrrad entdeckt und geglaubt, die ihm für ein leichteres Fortkommen so günstig erscheinende Gelegenheit nicht ungenutzt lassen zu dürfen.
Feuerwehrtag
in Homberg a. d. Ohm.
-er. H v rn b u r g a. d. O h m, 20. Juli. Am Sonntag fand hier der Kreis-Feuerwehrtag und der Verbandstag der Freiwilligen Feuerwehren des Kreises Alsfeld statt. ~ Eine Gefallenen - Gedenkfeier auf dem Friedhof leitete den Tag ein.
Zunächst begann dann der Kreis-Feuer- w e h r t a g in der Stadthalle. Regierungsrat Strack -Alsfeld überbrachte in Vertretung des verhinderten Kreisdirektors die Grüße des Kreisamtes, bcfvnders begrüßte er den Vorsitzenden der Hess. Brandversicherungskammer Geheimrat v. Hahn und den Kreisseuerwehrinspektor Hölscher. Zum Schlüsse gab der Redner dem Wunsche Ausdruck, die Pflichtfeuerwehren möchten sich baldmöglichst in freiwillige Feuerwehren umwandeln. Bürger meister Spinner - Homberg begrüßte die Tagung im Namen der Stabt und dankte der Brandversiche- rungskammer für die Gewährung von Beihilfen für unser Gemeinwesen. Geheimrat v. H a h n entbot den Gruß der Brandversicherungskammer und wünschte gleichfalls die Umwandlung der Pflichtseuerwehren in freiwillige Feuerwehren. Kreisseuerwehrinspektor Hölscher berichtete in längeren Ausführungen über den Stand des Feuerlöschwesens im Kreise und ging dabei auf die besondere Ausbildung der Führer ein. Mit der letztgenannten Angelegenheit beschäftigte sich auch Geheimrat v. Hahn, der ferner hin- sichtlich der Gewährung von Unterstützungen Ent- gegci »kommen versprach, jedoch vor allzu großen Hoffnungen warnte. Mitgliedern, die 40 bzw. 25 Jahre einer Wehr angehören, wurden von dem Regierungsoertreter im Auftrage des Ministeriums Ehrenzeichen überreicht.
Hierauf folgte derDerbandstagderFrei- willigen Feuerwehren. Die Verhandlungen nahmen einen harmonischen Verlauf. Rach der Mittagspause folgte das Exerzieren unserer Wehr mit anschließendem Brandangriff, wobei di« Gegen Hühneraugen und Hornhaut nur das seit
60 Jahren bewährtes
M>MW MMWWW.
Wirkt schnell, sicher und schmerzlos.
Kein Pflaster anwenden! Pflaster verrutscht, daher wertlos. Taufende Anerkennungen. Packung 1.—M. franko. Erhältlich in den größeren Apotheken und
Drogerien. 6ewss
Dur echt mit der Aufschrift Radlauers Kronenapotheke, Berlin W. 8, Friedrichstraße 160. Nachahmungen weise man zurück.
„Grüß Gott, Herr Förster? Aber so — gehn S* doch herein!"
Herr Dominikus Sanktjohanser erfreute sich einer höchst seltenen, ausnehmend guten Laune.
„Na, was macht 's Geschäft!?" erkundigte er sich gönnerhaft. „Wo steckt denn ’s Weibert — i mocht gern was Liebs sehen heut! Hätt' grab so a Gusto draus!"
Nun, bamit hatte er heute kein Glück, benn bie Frau bes Hauses war eben zum Einkäufen ausgegangen. Dann unterhielten sich bie beiden ein Weilchen über bas Geschäft, und Zeno erzählte, mit welcher Freude er sich einarbeite und nun wieder beginne, selber ernsthaft zu schassen. Der Förster hörte aufmerksam zu, grunzte fo beiläufig einige» mal anerkennend in seinen Wildererbart hinein und bemerkte bann mit ber Miene eines Mäzens:
„So, so! Hm, hm! Ja, ja! Wollen halt schauen! Wenn er sich guat macht" — hier stupste er Zeno von ber Seite her, — „ber Herr Künstler, nachher is' gar net ausg'schlossen, baß i ihm a amol einen größeren Auftrag zuakommen laß! Tjawoll!"
Zeno lächelte.
„Wie gesagt" — ber reine Schelm schaute bem Förster aus ben Augen, — „wie gesagt — entweder a neuche Kegelkugel — nach Maß in meine Hand — ober ein halbes Dutzend kunstvoll ausgeführte Pseifenstopser! Damit lang i bann, bis i stirb!" Hier streifte iein Blick bie ausgeschlagene Zeitung. Da war ber Annodomini mit einemmal wie ausgewechselt.
.Lesses! A neue Münchner Zeitung? — Is' wirklich wahr, baß alle mitnanb ber Teisi holt in ber Stabt brin, han?" Damir riß er bas Blatt an sich, und bann schwang bie sorsterliche Nase fenfations» hungrig hin unb her unb auf unb ab. Dazwischen hinein vernahm Zeno ab unb zu einen brummenben Ton, wie wenn eine Hummel sich an ber Fensterscheibe zu schaffen macht.
Er ließ ben Förster ruhig gewähren. Die Arme auf ber Brust verschränkt, lehnte er am Labentisch tisch unb starrte zu Boben. Eine geraume Zeit verstrich darüber. Enblich faltete Sanktjohanser mit energischen Griffen bas Blatt zusammen unb roarf's auf ben Tisch. Dann schlug er sich schallend euf ben Schenkel.
(Fortsetzung folgt)


