Einzelbild herunterladen

alt tfL 1851 wurde es auf der ersten Londoner Weltausstellung gezeigt. DerKladderadatsch" brachte damals einen besonderenLondoner Kladderadatsch" in mehreren Nummern heraus, in denen er die technischen Großleistungen jener Dölkerschau witzig darstellte: darin zeigte er auch ein hübsches BildchenEin Sextetthorn von Sax in Paris", nach dem man sich vorstellen kann, wie dem deutschen Berichterstatter die Ohren davon geklungen haben mögen.

Das Saxophon wurde in der Folgezeit mehr­fach umgestaltet, so von P. Tournas 1879, von der Association generale des Ouvriers 1886, ferner von Fontaine-Besson. Berlioz sagt von ihm: Sanft und durchdringend in der Höhe, voll und markig in der Diese, hat es in der Mittellage etwas lies Ausdrucksvolles. 3m ganzen genom­men ist dies ein Klang ganz eigener Art. von unbestimmter Aehnlichkeit mit öem Do ne des Violoncell, der Klarinette und des englischen Horns und mit einer gewissen halben Schattie­rung der Blechinstrumente, was ihm einen ganz besonderen Ausdruck verleiht."

In den Militärkapellen der romanischen und angelsächsischen Länder hat fich das Saxophon schon früh einen Platz erobert, und auch die Orchefterkomponisten dieser Länder haben es ver­wendet. so Thomas. Dizet. Verdi u. a. Sonst ist seine Verwendung auf einzelne Versuche be­schränkt geblieben. Die französischen Militär­kapellmeister beginnen bereits, es durch die Klari­nette zu ersetzen, und so wird es vielleicht auch bei uns wieder der Vergessenheit anheimfallen, aus der es für kurze Zeit aufgetaucht war. Auch in den Musikinstrumenten spiegelt sich eben der Geist der Zeit, und so ist es begreiflich, daß das etwas aufdringlich wirkende Saxophon in der bewegten Nachkriegszeit eine Auferstehung feiern konnte, während es dem Geschmack ruhi­gerer Zeiten wohl weniger entspricht.

Landessammelheizungen.

(Nachdruck verboten.)

Von Ingenieur Werner Ahrens.

Jahraus, jahrein werden ungeheure Kohlen- mengen für den Hausbrand verbraucht, sei es in den unwirtschaftlich arbeitenden Zimmeröfen, sei es in den Haussammelheizungen, die wirt­schaftlicher arbeiten und noch wirtschaftlicher waren, wenn jeder Bewohner die von ihm tat­sächlich verbrauchte Wärmemenge bezahlen mühte. Aber bald läßt man einen Heizkörper bei offenem Fenster angestellt, bald heizt man unbenutzte Raume die anderen Hausbewohner müssen ja den größten Teil davon bezahlen! Daß man wiederum die überflüssige Heizung der andern mitbezahlen muß, kann man nicht ändern. Die für die Erwärmung der Wohnungen erforderliche Heizftosfmenge werchet man auf, trotzdem an an­deren Stellen Wärme im Ileberfluß vorhanden ist, die nicht ausgenutzt wird, ja, die vielfach restlos verloren geht, weil sie in der verfügbaren Form eben nur für Heizzwecke geeignet ist, aber ein Bedürfnis nach Heizung an Ort und Stelle fehlt. Diese Behauptung toirb an Hand folgender 'Betrachtungen verständlicher:

In einer Dampfkraftanlage Kolbenmaschine oder Dampfturbine muß daS für die Kessel erforderliche Wasser von. seiner natürlichen Tem­peratur, sagen wir z. D. von 10 Grad, zunächst auf die Siedetemperatur gebracht werden. Dann wird das Wasser von 100 Grad Celsius in Dampf von 100 Grad Celsius verwandelt, endlich wird dieser Dampf in seinem Druck gesteigert. Bei einer Dampfkraftanlage, die mit 20 Atmosphären Druck und gesättigtem Dampf arbeitet, stellen sich z. B. die Verhältnisse für 1 Kilogramm zu ver­dampfenden Wassers wie folgt:

1. Erwärmung von 1 Liter Wasser

von 10 Grad auf 100 Grad C = 90 Kalorien, 2. Lleberführung eines Liters Was­

ser von 100 Grad C in Dampf

von 100 Grad C 540 Kalorien,

3 Drucksteigerung des Dampfes

1 von Atmosphä rendrück auf 20

Atmosphären Pleberdruck 34 Kalorien.

zusammen 664 Kalorien.

Der der Maschine zugeführte Dampf ver­läßt sie im wesentlichen in dampfförmigem Zu­stand. Daher kommt es, daß der unter 2. ge­nannte Betrag fast ganz, und der unter 1. ge­nannte restlos für die Arbeitsleistung verloren geht.

Selbst bei einer Maschine, bei der der Dampf nach der Arbeit zu Wasser verdichtet wird und für die die Verhältnisse günstiger liegen als bei denen, bei denen er auspufft, bleibt die Aus»

Reisen und Bequemlichkeit.

Von Erich Keller.

Seit der lustige Peitschenknall des Postillons und sein fröhliches Halali, von Goethe, Eichendorff, Seume, Lenau u. a. besungen, nicht mehr das freundliche Echo in den lieblichen Tälern Deutsch­lands weckt, der letzte städtische Postwagenlenker als steinernes Monument in einem neuen Postgebäude der Reichshauptstadt verewigt ist, scheint die Ro­mantik des Verkehrs, die mitRossejagen, Peitschen­knall" verknüpft war, vorüber. Nur die ganz Alten wissen noch, wie wundervoll eine Postkutschensahrt durch den Spessart, Schwarzwald, Odenwald ge­wesen ist und wie behaglich schmunzelnd der Wirt vom goldenen Engel, Rebenkranz oder goldenen Löwen seine Gäste bekomplimentierte, die für eine Nacht die lange Fahrt unterbrachen, um in den hochgetürmten Betten der kleinen Gaststube das unsanfte Rütteln der Postkutsche zu vergessen.

Vorbei! Fast vergessen! Den Jungen schier un­begreiflich, die in schnittigen Autos über die Chausseen jagen, auf schmalem Paddelboot durch die Flußläufe rubern, fröhliche Hochzeitsreisen im Fluazeug feiern. Und doch, wie köstlich die alte Reiferomantik in den Städtchen eines Spitzweg, auf dem Ausguck alter Bastionen und dickgequaderter Wachttürme! Der Sauseschritt der Zeit eilt hastig, und all die Jungen lausen, fahren, segeln, auteln, fliegen mit. Beinahe schon ist der Schrei der v-Zug- lokomotive oder der Pfiff der Bummelbahn, der sentimental über Hügeln verklingt, überholt durch das Gebrumm der Motoren und Propeller.

Der Peitschenknall des fröhlichen Postillons und sein Liedlein, das er in den Morgen sang, war das freundliche Echo der ausgezeichneten Aufnahme des Reisenden im kleinen, bescheidenen Gasthaus, das der behäbige und behagliche Wirt leitete, bestrebt, alle Wünsche seiner Gäste zu erfüllen. Der mit dem Windlicht in stürmischen Nächten leuchtete und die wollenen warmen Fußsäcke und das Plätzchen auf der Ofenbank für den erfrorenen Reisenden bereit­hielt. Das ist das Bedauerliche an unserer Zeit, daß jene bescheidene Behaglichkeit, harmonischer Ein­

beule an Arbert bei 20 Atmosphären Arbeits- I druck unter 20 vom Hundert des dem Dampf innewohnendem @ner giebetra ge6. Man möchte aber | nun die übrigen 80 vom Hundert doch nicht völlig als Verlust buchen, und die Kraftwerke müssen das auch nicht, wenn sie sich nicht darauf beschränken. Arbeitsenergie zu erzeugen, vielmehr auch den Abdampf auszunuhen. der noch für Heizzwecke wertvoll ist. Für sich selber haben die Kraftwerke allerdings im allgemeinen im Sommer feine Ausnutzungsmöglichkeit für den Abdampf, und auch bei großen Anlagen, wie z. D. bei unseren großen Elektrizitätswerken, geht auch im Winter der weitaus größte Teil der Abwärme verloren. Es ist kaum zu schätzen, welche ge­waltigen Energiemengen in Gestalt von warmem Kühlwasser für das Niederschlagen des Dampfes, d. h. für seine Verdichtung zu Wasser, ungenutzt der Rhein, die Elbe, die Oder und unsere anderen Flüsse flußabwärts tragen und sie in den Welten­raum ausstrahlen. Energiemengen, für deren Be­schaffung ungeheure Arbeit in den Bergwerken und zu ihrer Beförderung geleistet und riesige Geldmittel ausgewendet worden sind.

Man geht daher jetzt dazu über, die Abwärme von Dampf-Elektrizitätswerken und anderen großen Dampfkraftwerken, soweit sie in der Nähe größerer menschlicher Siedlungen liegen, zur Hei­zung ganzer Stadtteile zu verwenden, und man hat in der Tat gelernt, die Wärme mit durchaus erträglichen Verlusten auf weit mehr als 1 Kilo­meter Umkreis zu verbreiten. Die Abwärme klei­nerer ferner Werke farm man aber nicht auf große Entfernungen fortleiten, weil der unter­wegs trotz bester Isolierung eintretenbe Wärme­verlust zu groß würde. Dagegen wäre es sehr wohl möglich, die Abfallwärme der Großkraft­werke weit fortzuleiten und so z. D. von dem 130 Kilometer von Berlin entfernten Golpa. das Berlin mit elektrischem Strom versorgt, und von dem im Entstehen begriffenen Großkraftwerk Rummelsburg aus den ganzen geschlossenen Be­zirk von Berlin mit 3 Millionen Einwohnern zu beheizen.

Warum kann man nun die Abwärme großer Werke auf große Entfernungen leiten, die kleiner aber nicht? Die Verluste kleiner Werke werden zu groß, weil in dünnen Rohren zu viel Wärme verloren geht. 1 Kubikmeter Wasser nimmt in einem Rohr von einem Meter Durchmesser eine Länge von 1.27 Meter ein und hat eine Wärme ab gebende Oberfläche von etwa 4 Quadratmeter. In einem Rohr von 10 Zentimeter Durchmesser aber nimmt er eine Länge von 127 Meter ein und hat eine Wärme abgebende Oberfläche von 40 Quadratmeter. Wollte man Berlin von den beiden Kraftwerken in Golpa und Rummelsburg be­heizen. so könnte man stündlich 10 000 Kubikmeter warmes Wasser in 1.5 Meter weiten Rohren mit etwa 1,7 Meter Sekundengeschwindigkeit fort­leiten. so daß es von Golpa in 22 Stunden nach Berlin käme. Während dieser Zeit würde seine Temperatur von 100 Grad nur auf 97 Grad sinken: beim Zurücksließen des auf etwa 45 Grad abgekühlten Wassers wären die Verluste natür­lich noch erheblich geringer als 3 Grad. Das etwa 43 Grad warme Wasser könnte dann durch Abdampf wieder auf 100 Grad erwärmt werden und von neuem seine Wanderung nach Berlin antreten.

3m vorligenden Beispiel genügen die ab­fallenden Wärmemengen durchaus zur Erwär­mung des Wassers im Winter, denn es fallen jederzeit 500 Millionen Wärmemengen in der Stunde ab, die stündlich die oben erwähnten 10000 Kubikmeter Wasser um 50 Grad zu er­wärmen vermögen. Wo aber die im Winter abfallende Wärmemenge zur Beheizung nicht ausreicht, während im Sommer Abfallwärme un- ausgenuht bleiben muß, ist es sehr wohl mßgr lich, die im Sommer abfallende Wärme zu speichern und sie im Winter zu verwenden. Nehmen wir einmal an, wir hätten eine sog. Thermosflasche von 1/4 Liter Inhalt und etwa 3 Quadratzentimeter Oberfläche. In einer solchen Flasche kühlt sich der Inhalt in einer Stunde, wenn eine Außenwärme von 20 Grad voraus­gesetzt wird, von 70 auf 65 Grad ab mit abnehmender Temperatur natürlich langsamer, weil der Unterschied gegen die Außenwärme kleiner wird. Nun wollen wir uns einmal eine Thermosflasche denken, die 1000 mal so hoch ist und auch den 1000fachen Durchmesser hat. Ihre Oberfläche ist dann 1000 mal 1000, also eine Million mal so groß wie die der kleinen Flasche: ihr Inhalt ist aber 1000 mal 1000 mal 1000, also eine Milliarde mal so groß. Infolgedessen weil nämlich ihr Inhalt und seine Wärmemenge 1000 mal mehr gewachsen ist als die abkühlende

klang mit frohen und zufriedenen Gemütern, Rück­sichtnahme auf den Geldbeutel des Reisenden, ver­schwunden ist in der Hast und der Gier nach Neuem, immerzu Wechselndem, großem Verdienen-Wollen. Die große Karawanserei, das Riesenhotel mit Emp­fangschefs, Direktoren, Portiers, Buchhaltern und Liftbons ersetzen den freundlich lächelnden Wirt. Schnelligkeit der Zeit! Ein Riß durch den Vorhang, der das Alte vom Neuen trennt, und eine Flut von schimmerndem Licht ergießt sich durch prächtige Pestibüle, flammt in wundervollen Sälen auf, kost seidenverhangen oder alabasterverkleidet in teppich- belegten Boudoirs. Kein Platz mehr für die bunt­bestickte Reisetasche: aus lackierten breiten Koffern quellen köstliche Dessous, seidene Strümpfe, hauch­dünne Abendkleider. Svritzslacons auf facettierten Tischen, betäubender Duft von Woylgeruch und Luxus um die verwöhnte Frau oder den weltbum- rnelnden Elegant. Beide: Objekte für das Verdienen des Hoteliers. Reverenz vor der wohlgefüllten Brief­tasche des Gastes, Dienstbereitschaft bei jedem extra­vaganten Wunsch, Scharen von Lakaien und Trink­geldempfängern. Aber darüber der unsichtbare all­mächtige Direktor, der seine Wünsche und Bedin­gungen schöngedruckt und glasumrahmt dem Reisen­den als Zimmerschmuck verehrt.--

Schnell ist die Technik, und ungeheuer sind ihre Fortschritte: sicherste und größte Trägerin der Kul­tur. Ein Knips, ein Druck, und sie erscheint als die Dienerin der Menschheit; Wärme spendend, Licht gebend, Behaglichkeit verbreitend. Und dort ihr Meister: die Verwaltung des Hotels, die auch diesen Diener dem Reisenden nur gegen besondere Ver­gütung zur Verfügung stellt. Die Hoteldirektion, die so oft!bei Strafe verbietet", den Spitzen­kragen oder die Bügelfalte bei schnellem Gebrauch selbst zu plätten, die dekretiert, daß das warme Mundwasser nicht durch einen kleinen Selbstanschluß am Steckkontakt bereitet werden darf.

Reisen ist Bequemlichkeit, der Wunsch unserer jagenden Zeit. Die moderne Technik ist der liebens« chürdigste Reisebegleiter. Würde es sein, wenn er nicht so oft unterstände dem Zwang des Hotel- gewaltigen. Aber von den Bergen stürzen brausend die Master in ungeheure Turbinen, in den Städten

Oberfläche und weil ja auch die Wandungen 1000 mal so dick würden, würden zur Abkühlung um 5 Grad 1 Million Stunden oder 115 Jahre nötig sein. Dabei ist vorausgesetzt, daß der Wärmeschuh im Verhältnis der Wandstärke wächst, was nur bedingungsweise zutrifft. Nun wir brauchen die Wände wirklich nicht so dick zu machen, denn wir wollen ja die Wärme nicht 115 Jahre qufbewahren. ja nicht einmal ein Jahr, sondern höchstens ein halbes.

Wie würde nun eine solche 1000 mal ver­größerte Thermosflasche in Wirklichkeit aus- sehen? Aus Glas wäre sie natürlich nicht. Wir müssen sie uns als einen ausbetonierten Stau­see vorstellen. Wenn täglich etwa ' '4 Million Kubikmeter warmes Wasser anfällt, so sind das in 6 Monaten rund gerechnet 45 Millionen Kubikmeter. Das wäre ein Stausee von 45 Meter Tiefe und 1 Quadratkilometer Fläche. Das wäre nichts Außergewöhnliches. Notwendig wäre es nur, den See oben mit einem wärmeschützenden Stofs, also etwa mit schwimmenden Hohlplatten, abzudecken, denn wenn das Wasser Gelegenheit hätte zu verdampfen, so wäre seine Wärme bald dahin. So aber könnte damit gerechnet werden, daß die Temperaturabnahme 15 Grad im Laufe eines Jahres nicht überschreiten würde, und es wäM nicht schwierig, das Wasser, ehe es nach Berlin geleitet wird, durch Abdampf wieder auf 100 Grad zu erwärmen.

Eine oberflächliche Berechnung ergibt, daß durch eine solche Anlage jährlich etwa 15 Millio­nen Mark an Kohlen erspart werden könnten gewiß eine Summe, die eine Erörterung dieser Gedanken lohnend erscheinen läßt. Wie die Er­zeugung der Elektrizität, die früher in einzelnen kleinen und kleinsten Kraftwerken geschah, mehr und mehr zusammengefaht und dahin verlegt wird, wo sie billig ist. nämlich an die Orte, wo die Energie sei es in Gestalt von Wasser­kraft oder von Kohle vorhanden ist, so wird man später auch die Wärme da gewinnen, wo sie vorhanden ist: man wird nicht mehr an einem Ort Wärme ausstrahlen lassen und gewisser­maßen den Weltenraum Heizen, denn das kann unsere Mutter Sonne viel besser, billiger und gründlicher, um dann an vielen anderen Orten mit der unendlichen Kleinarbeit der Zimmer­oder Hausheizung in einem unwirtschaftlichen Verfahren mit teuren Heizstoffen dieselbe Wärme­menge wieder zu erzeugen, die man am ersten Ort umsonst haben kann: So wird man, wie man von der Ofen- zur Sammelheizung für ganze Häuser, dann für Häuserblöcke über­ging, und wie man sich jetzt zaghaft der Stadt­viertel- und Städteheizung zuwendet, auch viel­leicht einmal den weiteren Schritt zur Landes- sammelheizung tun; in fernerer Zukunft aber wird man vielleicht diese Heizungen zusammen­schließen und die Wärme nach Bedarf über Länder und Erdteile hin- und herschieben, wie man das jetzt mit der immer einen Schritt vorauseilenden Elektrizität bereits zu tun beginnt.

Arbeitslosigkeit und Weltwirtschaft.

Don Professor Dr. Hermann Levy.

Der Weltkrieg hat der gesamten internatio­nalen Wirtschaft die 11021. ausgenommen ein fürchterliches Erbe hinterlassen: einen ge­waltigen Rückgang der Kauffähigkeit aller Länder bei einer gleichzeitigen starken Ausweitung de sPrvduktionsgey ä Il­se s im Vergleich zu Vorkriegszeiten. Nichts Schlimmeres als das konnte der vor dem Welt­krieg so blühenden internationalen Wirtschaft zustohen. 2lur zwei Möglichkeiten scheint es zu geben, diesen: für die Nachkriegs-Wirtschaft kata­strophalen Zustand zu begegnen. Den einen Weg haben die von der Verarmung zunächst am stärksten getroffenen Länder gewählt: es war der Weg des Papiergelddruckes und der Infla­tion. Damit wurde wenigstens die tatsächlich fortbestehende Verarmung überdeckt, und man konnte die Arbeiter einigermaßen beschäftigen Von dieser Möglichkeit machen heute noch Länder wie Frankreich, Belgien und 3tatieit Gebrauch, aber es zeigt sich auch bei ihnen schon heute dis Erfahrung, die wir in Deutschland mit der In­flation gemacht haben, daß diese nämlich eine Schraube ohne Ende ist und schließlich in einem Währungszusammenbruch enden muh. Die anders Möglichkeit war: eine gesunde Währung und damit gesunde Finanzen um jeden Preis zu er­halten, freilich Dafür das Opfer in Kauf zu nehmen, eine große Zahl

drehen sich mit Riesentourenzahl die großen Schwungräder in den Kraftanlagen und über lachende Felder und Wiesen spannen sich die leise summenden Drähte von einem zum andern turm­hohen Gerüst.

Menschengeist, Kraft; vollkommenster Ausdruck der Technik, Diener der Menschheit. Bisweilen so seltsam unterjocht von der Habsucht nach dem Pfennig.

Uraufführung in Darmstadt.

3n den Sommermonaten ist das Theater- leben in Darmstadt keineswegs tot, ja in mancher Beziehung lebendiger als sonst. 3m Kleinen Hause des Landestheaters finden Gastspiele statt, die vor einigen Jahren von Bruno Harprecht ins Leben gerufen wurden, der früher der hie­sigen Bühne viele Jahre als einer der beliebtesten Darsteller angehört hat. Seit dem vergangenen 3ahre leitet Adalbert Stesfter, der Direktor des Bonner Stadttheaters, erfolgreich die Sommer- spiele mit einer Truppe, die sich vorwiegend aus Angehörigen der Bonner Bühne zusammensetzt, doch werden auch Mitglieder des Landestheaters als Gäste zugezogen. Da das Hessische Landes­theaters nur sehr wenig das Gebiet des Schwankes, der Posse und der Operette pflegt, so findet das Darmstädter Publikum sein Verlangen danach in den Sommermonaten erfüllt; daher sind die Vorstellungen Der Steffterschen Truppe stets sehr gut besucht. Sogar Nachtvorstellungen finden am Wochenende außer den üblichen Abendaufführungen statt. Die Bekanntschaft der Neuerscheinungen auf dem Gebiete der Operette wird den Darmstädtern fast nur durch die Stesstersche Truppe vermittelt. Am Samstag brachte sie sogar eine Uraufführung heraus, und zwar mit starkem und ehrlich verdientem Erfolg. Unter der BezeichnungMusikalisches Spiel in Drei Akten" wurde die OperetteDas Aben­teuer der Marchesa". Text von Günther Bibo, Musik von Max Bertuch, zu einem Bühnendasein ins Leben gerufen, das zweifellos von längerer Dauer fein wird. Eine Operette alltäglichen Schlages ist die

von Arbeitslosen zu haben und er­halten zu müssen. Unzweifelhaft war dies Der volkswirtschaftlich gesündere Weg. AVer die Wirkung mutz in einer Arbeitslosigkeit bestehen, Die so lange unbehoben bleibt, wie sich das Grundübel die Schwächung Der internationalen Kaufkraft nicht wieder hebt. Ein Blick auf wichtige Wirtschaftsländer der Welt illustriert das Gesagte. 3n England waren vor Dem Koh­lenstreik, im März 1926, 9,8 Proz. Der Arbeiter beschäftigungslos, in Dänemark sogar 23,2 Proz., in Norwegen 24,1 Proz., in Holland 8,2 Proz., in Schweden 14,7 Proz., ja selbst in Kanada 7,3 Proz. Das sind außerordentlich hohe Ziffern, wenn man bedenkt, daß es sich in Friedenszeiten; bei Der Arbeitslosigkeit gewöhnlich nur um eine ganz geringe Prozentziffer hanDelte. Für Deutsch- lanD ist man in der Lage, einige detailliertere Ziffern zu geben. 3m Durchschnitt Des Jahres 1913 kamen im alten Reichsgebiet auf 10 0 offene Stellen 161 Arbeitsuchende. 3m Mo­natsdurchschnitt 1924 bereits 351, dagegen im Mai 1 9 2 6 nicht weniger als 648! Mitte 3uni betrug unsere Arbeitslosenziffer 1 7 4 9 000, eine geradezu erschreckende Ziffer, besonders wenn man bedenkt, Laß die Ziffer im Monatsdurchschnitt des 3ahres 1924 erst 645 000 betragen hatte. Seit Dem Winter hat freilich eine geringe Erholung Der damals noch ^eren Cr- werbslosenziffer ftattgefunben, welche fast gänz­lich auf Saison-Nachfrage Der Landwirtschaft und des Baugewerbes zurückzuführen ist. 3m übrigen ist es interessant, zu beobachten, wie ver­schieden die Arbeitslosigkeit sich in Großstädten und anderen Distrikten auswirkt. So kamen auf je Tausend der Wohnbevölkerung nach Den An­gaben des statistischen Reichsamtes in Groß­städten mit mehr als 200 000 Ein­wohner 41,8 Hauptunterstützungsempfänger, im ganzen Deutschen Reich dagegen nur 28,6 und in Agrargebieten 15,1 Hauptunterstüt­zungsempfänger.

Das Arbeitslosenproblem ist sicherlich und wird heute schon in allen zivilisierten Ländern: als das schwerste soziale Problem überhaupt angesehen. Es handelt sich bei demselben nicht einfach darum, daß die Arbeitslosen der Staats­kasse und damit Den Steuerzahlern enorme Auf­wendungen verursachen. Denn diese sind'immer­hin. wenn man an die andere Möglichkeit der Inflation denkt, das geringere Hebet Es han­delt sich bei einer sozialpolitischen Betrachtung des Problems vor allem Darum, daß Arbeits­losigkeit chronischer Art für Den ganzen volks­wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Organismus des Staates von schwerwiegendster Bedeutung werden kann.Arbeit" ist nicht etwas, was man wie eine sachliche Ware behandeln kann, weil sie von Der Arbeitslust, von physischen wie psychischen Vorbedingungen. mit beeinflußt wird. Während man eine Maschine stillstehen lassen, einen Hochofen ausblasen kann, um beide wieder zu gewünschter Zeit in Betrieb zu sehen, unter­miniert Der chronische Stillstand der Arbeit die Wurzeln der Arbeitskraft und Arbeitslust. Der Gedanke, die Arbeitslosenfürsorge ^produktiv" zu gestalten, irgendeinen Produktionsrnttgelt für die gewährte Unterstützung zu schaffen, entspringt dieser Erkenntnis, aber Die Durchführung' des Gedankens stößt nicht selten auf volkswirtschaft­liche Bedenken, besonders wenn durch solche Ar­beit der Arbeitslosen Der noch gesunde Teil des Arbeitsmarktes geschädigt wird. So hat auch der englische Großindustrielle und frühere Mini­ster, Sir Alfred Mond, gefordert, man solle die Arbeitslosenunterstützung so organisieren, daß Unternehmer, welche Arbeitslose zu beschäftigen bereit wären, unterstützt würden. An Stelle des Gnadengeschenkes an die Arbeitslosen, solle die Subvention der Unternehmer treten. Aber auch Dieser Vorschlag scheiterte an dem nicht unberech­tigten Gegenargumente, Daß eine solche Subven­tion eine einseitige Bevorzugung einzelner Fa­brikbesitzer beDeuten und die Wettbewerbsfähig* feit anderer, nicht-subventionierter in ungerech­ter Weise schwächen würde. 3n anderen Ländern wird der Gedanke propagiert, und zwar sicherlich mit einigem Erfolg, durch die innere Kolonisation und Neubesiedelung Der Landwirtschaft, das heißt Die Schaffung kleiner Bauern- und Parzellen­güter, der Arbeitslosigkeit der Industriedistrikte und Großstädte zu steuern. Eine sicherlich gefunbe Idee und gerade heute in Deutschland angesichts Der stark gesunkenen Bodenpreise erwägenswert. Aber Dieser Abhilfeplan wiederum erfordert eine langjährige organisatorische Arbeit und selbst Dann ist es zweifelhaft, ob die Siedelungsarbeit nicht in erster Linie Dazu Dient, Den weiteren Zuzug in Die überfüllten Stadtgebiete einzu-

neue Schöpfung nicht, sondern sie gründet sich auf volkstümliche Elemente, geht aber in Der Musik vielfach eigene Wege. Das Populäre liegt in Der Milieuschilderung: sie ist sehr wirksam, zumal da sich in ihr eine Handlung abspielt, die zwar etwas phantastisch anmutet, jedoch immer folgerichtig bleibt. Auf Der Bibliothek Des Donauschlößchens Frohenstein arbeitet Der Professor der Literatur­geschichte an der Wiener -UniDerfität Hubert Würdinger an einer Abhandlung über Die Minne­singer. Frohenstein wird belebt Durch den Froh­sinn Der Reserl-Marie, Der angeblichen Adoptiv­tochter des Schloßkastellans; auch Der Professor sieht sie gern. Auf Frohenstein landet durch Zufall, auf einer Wanderfahrt begriffen, sein Neffe, der Student Franz, Der sofort das Herz Der Reserl-Marie gewinnt. Die Schlotzherrin, die Marchesa Di Torelli, Die ein unruhvolles Geben führt, kommt einmal bei einer Automobil­fahrt auf ihr Schloß in Begleitung des General­direktors einer Wiener Film-Aktiengesellschaft. 3hm hat sie Unterlagen für einen Film gegeben. Der ein Liebesabenteuer eines jungen Wiener Studenten mit einer italienischen Gräfin barstellt. Der Generaldirektor erzählt davon Dem Pro­fessor, Der daraus erkennt, daß er jener Student war. Die Schloßherrin war natürlich jene ita­lienische Gräfin und Reserl-Marie ist ihr beider Kind, das nun Der Neffe des Professors als Braut h-imsühren. wird. Verläuft vieles im her­kömmlichen Operettenstil, so sind doch in die Musik Die scharfen rhythmischen Klänge der Jazz­musik eingeDrungen, jedoch nicht in der üblichen lärmenden Manier. Namentlich Die Tanzeinlagen sind dadurch sehr wirksam und zugkräftig; sie erwiesen sich als die sichersten Stützen des starken Erfolges. Die wirtungssichere Textgestaltung und ebensolche Komposition ließen erkennen, daß man es in Günther Bibo und Mar Bertuch nicht mit Neulingen, sondern mit erfahrenen Dühnenkun» Digen zu tun hat. Sie wohnten Der Uraufführung bei und mußten zahlreichen Hervorrufen Folge leisten, ebenso Direktor Tiefster, der durch eine ausgezeichnete Inszenierung wesentlichen Anteil am Erfolg des Abends hatte. E. D.