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bas Land dies« letzte Regie rungskrifis kommen­tiert. Jntriguen, persönlicher Ehrgeiz und klein­lichstes Parteibonzentum sind die Ursachen für den völligen Verfall des französischen Parla­mentarismus. Die Grunde dafür liegen natürlich viel tiefer. Aber weil das französische Parlament durch seine fortgesetzte, rein negierende, nur zer­störendeArbeit" die französische Regierung der letzten Jahre lähmte, wurde die Jndtsziplin zur Regel, der Veamtenkörper völlig zerrüttet, jede Aufbauarbeit unmöglich, Die Kammer wurde zur Todesgefahr für die Ration, eine völlig ver- blendete parlamentarische Demagogie paralysierte jede aktive französische Politik. Die Frage, wer ist durch den plötzlichen Sturz des Kabinetts Vriand-Caillaust am meisten zu bedauern, die Kammer oder Briand und seine Mitarbeiter? ist durchairs noch nicht entschieden.

Gewiß. Caillaux hat enttäuscht. Aber berech­tigt etwa Herriot zu besseren Hoffnungen? Her- riet spielte sich mit einer besonders theatralischen Pose, wie er sie so liebt, zum »Retter der Republik" aus. Ein sehr bekanntes Mitglied der französischen Kannner prägte gestern das bittere Wort:Hat die französische Kammer der dritten Republik eigentlich jemals etwas anderes geleistet, alsdie Republik zu retten"? HerriotS Angriff auf die Regierung schien improvisiert: tatsächlich wußten davon nur seine intimsten Freunde, nicht etwa seine eigene Gruppe. Herriot redete von der Allmacht des Parlaments, aber so wie er und seine rein sozialistischen Freund- sie auf fassen, wenn sie die Souveränität des Staates einer allmächtigen Kanr- mermehrheit Unterstellen wollen. Ja, wenn eine solche allmächtige Mehrheit in der franz-fischen Kammer wenigstens noch vorhanden wäre! Wo ist denn eigentlich diese Mehrheit? Herriot vertritt doch nicht einmal seine eigens Gruppe, denn nur 43 von 136 Radikalen stimmten mit ihm!

Herriot standen zwei Wege offen. Er konnte ein Kaämett d?r nationalen Einigung bilden oder eine rein kartclliftische Regie, ung. Der erste Weg war der schwierigere. Herriot wählte den letzten. Damit steht von vornherein fest, daß seinem Kabinett nur eine ganz kurze Lebens­dauer beschieden sein kann. Allein die Ankündi­gung dieses Kabinetts genügte, um den Kurs­stand des englischen Pfundes in kaum 2 Stunden um 30 Punkte, nämlich auf 233 Fr., empor- schncllen zu lassen. Dis zum 25. August d. I. belaufen sich die neuen Verbindlichkeiten der französischen Regierung auf nicht weniger als 1.937 Milliarden Franken. Bis heute weiß noch niemand, woher diese Riesensummen genommen werden sollen. Denn Steuer- und Zolleingänge genügen dafür auch nicht im entfertesten

Die franzöfische Staatskrisis wird durch die beginnende neue Aera Herriot nur verschlimmert. Sie war ernst genug, jetzt ist sie bereits gefährlich im höchsten Grade. Oder denkt Herriot etwa im Stillen an den 18. Fruk­tidor, und will er der fast unabwendbar gewor­denen Auslösung der Kammer durch einen Ge­waltakt nach dem Beispiele des 4. September 1797 Huvorkommen? Damit dürste er sich dann allerdings fürchterlich verrechnet haben. Herriot ist nicht der Staatsmann von solchem Format, wie er dazu nötig wäre. Frankreich steht am Vorabend ernster Ereignisse. Sie können rascher über das Land hereinbvechen, als man ahnt. Sie werden ganz bestimmt nicht aufgehalten durch das neue Kabinett Herriot.

Das Ermächtigungsgesetz in Polen.

Warschau, 20. Juli. (WTB.) Heute nach­mittag hat der Sejm im Verlauf der zweiten Le­sung der Derfassungsresormvorlage den Art. 8 an­genommen, der dem Präsidenten das Recht gibt, wenn der Ministerpräsident einen entsprechenden Antrag stellt, den Sejm aufzulösen. Die Entscheidung über den Artikel 11, der dem Präsi­denten das Recht geben soll, während der Dauer der Auflösung des Sejms Geseke auf dem Verfügungswege zu erlassen, steht noch ans. Am Donnerstag findet die dritte Lesung statt. Es wird behauptet, daß Ministerpräsident Bartel die Vertrauensfrage stellen werde, man spricht aber auch davon, daß die Regierung sich mit der Er­mächtigung zufrieden geben wird, bis zum Oktober 1927, während der Sejm vertagt ist oder sich in Ferien befindet, Gesetze unter bestimmter Begren­zung auf dem Derfügungswege zu erlassen.

Korsanty.

Warschau, 21.Juli. Das offiziöse, von Der Regierung finanzierte und Pilsudski nahe­stehende OrganGlos Prawdh" bezeichnet Kor- fanty als einen Dieb des öffentlichen Wohls, einen Menschen ohne moralische Gefühle, der beseitigt werden müßtewie ein Aas, das die Luft vergiftet". Die Zeitung fordert die sofortige Absetzung Korfanchs vom Prasidenten- posten bei der Kattowitzer Schlesischen Bank, ferner Untersuchung feiner gesamten bisherigen Tätigkeit in Polen und in Oberschlesien. Es wird ihm vorgeworfen, daß er Gelder unter­schlagen habe, öffentliche Einlagen in der Schlesischen Bank für seine persönlichen Zwecke ausgegeben und bei Steuermißbrauchasfären mit- geholfen habe.

Der Streik im englischen Bergbau.

London, 21.Juli. (WTB. Funkspruch.)Mor- ning Post" zufolge wird in ganz Großbritannien in 600 von insgesamt 3000 Gruben gearbeitet. Im allgemeinen sind es kleine Bergwerke. Vor drei Wochen wurde in 300 Gruben gearbeitet. Infolge des Kohlenstreiks hat die Erzeugung von Roheisen aufgehört. Bei Beginn des Streiks waren 147 Hochöfen in Tätigkeit, Ende Mai 23 und jetzt keine mehr.

Besatzung und Wohnungsnot.

London, 20. Juli. (WTB.) Im älnter- hause richtete Rennis Smith an den Ver­treter des Kriegsministeriums die Frage, ob man sich bei den zuständigen Stellen darüber klar sei, daß die -Unterbringung der englischen Trup­pen im Rheinland zu einem Rotstand auf dem Gebiete der Wohnungsversor­gung für die Bevölkerung geführt habe. Er fragte weiter, ob das Ministerium bereit sei, die Angelegenheit näher zu untersuchen Der ülnterstaatssekoetär hn Kriegsministerium, Dou­glas King, antwortete, er habe keinen Anlaß anzunehmen, daß ein unbilliger Rotstand der

behaupteten Art durch die Belegung mit briti­schen Truppen verursacht worden sei. Ich glaube nicht, so fuhr er fort, daß eine allgemeine ilnter- suchung dieser Frage zu irgend etwas dienlich sein tonnte, in Anbetracht der Tatsache, daß man sich in jeder Hinsicht darum bemüht hat und auch in Zukunft bemühen wird, daß die Unter­bringung der englischen Truppen im Rheinland in den besetzten Gebieten ein möglichst geringes Maß von -Ungelegenheiten verursacht.

Dserschinski f.

Moskau, 20. Juli. (MTB.) Der volkskom- misfar Dserschinski, Vorsitzender des Obersten Volks- wirtschasisrates der Union der Sozialistischen So- wjeirepubliken, Präsident der vereinigten siaats- polit'.schen Verwaltung (OEM.) ist plötzlich an einem Herzschlag im Alter von 49 Jahren ver­schieden.

Dserschinski wurde 1877 in Wilna geboren. Schon bald schloß er sich der litauischen Sozialdemo­kratie an, wirkte agitatorisch unter der Fabrikarbei­terschaft von Kowno, wurde 1898 zum erstenmal verbannt, entfloh spater auf dem Wege nach Si­birien, ging dann ins Ausland und kehrte 1906 nach Polen zurück. Neue Verhaftung, Verschickung nach Sibirien, Flucht ins Ausland, Rückkehr nach Polen, folgten. Während des Krieges war er in Moskau eingekerkert. Die Revolution befreite ihn und führte ihn den Bolschewisten zu. Er wurde bald allmächtiger Polizeichef, zuerst in Petersburg, daun in Moskau. Bald trat er an die Spitze der Tschekader allrussischen außerordenllichen Kommis­sion zur Bekämpfung der Gegenrevolution", die später in die GPU. (Vereinigte staatspolitische Ver­waltung) umgewandelt wurde. Sie wurde unter der Leitung Dserschinskis das berüchtigte Instrument zur Niederhaltung aller antibolschewistischen Strö­mungen und als eine Art Nebenregierung den Sowjets selbst unbequem. Neben diesen Funktionen eines Tschckapräsidcnten begleitete D. noch nachein­ander die Posten eines Volkskommissars des In­nern und eines Volkskommissars des Verkehrs­wesens. Zuletzt war er Vorsitzender des Obersten Volkswirtschaftsrates der Union der sozialistischen Sowjetrepubliken.

Amerikanischer Pazifismus.

In einer Zeit, wo das Abrüstungsproblem von größter Aktualität ist und gerade aus Amerika, dem Dläubigerland der Welt, der Schrei nach Verminderung der Rüstungen den Euro­päern in die Ohren gellt, ist es interessant zu sehen, wie man sich in Amerika selbst pazifistisch gebärdet. Von geschätzter Seite geht uns ein Briefumschlag aus Baltimore zu, der i rn P ojt- stempel die Zeilen trägt: Lets go Citizens military training camp! (Laßt uns zu dem mili­tärischen Ausbildungsseld der Bürger gehen.) Bei diesem sehr pazifistischen Werberuf müssen wir uns daran erinnern, daß die militärische Aus­bildung der amerikanischen Jugend offiziell vom Kriegsdepartement geleitet wird. Im vergan­genen Jahre wurden dafür nahezu 6 Millionen Dollar ausgegeben. Mehr als 125 000 Schüler und Studenten von 226 ilniDerfitäten und höhe­ren Schulen erhielten auf diese Weise durch 768 Offiziere und 1065 Unteroffiziere, die zu die­sem Zwecke abkommandiert wurden, ihre mili­tärische Ausbildung. In der Mehrzahl der amerikanischen Schulen ist der militärische Vor­bereitungsdienst Pflichtfach für alle Schüler vom 14. Lebensjahr an. Bei der großen Sportbe­geisterung der amerikanischen Jugend erübrigt es sich zu sagen, daß dieser militärische Vorbe­reitungsdienst mit großem Eifer betrieben wird.

Vom Völkerbund.

Genf, 21. Juli. (TU.) Die Unterkommis­sion des Völkerbundes für Hochschul­beziehungen hat ihre am Samstag begonne­nen Arbeiten beendet. Aus dem sehr mageren Kom­munique ist an Bemerkenswertem nur zu ent- nehmen, daß die Enquete für die Errichtung einer in ter na tionalen politischen Hoch­schule fortgesetzt wird. Gestern begann die Un- terkommlssion für Kun st und Wissen­schaft ihre Beratungen. Sie berät ein dem Institut für geistige Zusammenarbeit vorzulegendes Pro­gramm. Ihre Zusammensetzung ist interessant. Ein französischer Belgier führt den Vorsitz. Mitglieder sind ein französischer Schweizer, zwei Reichsfran- zosen, je ein Spanier aus Argentinien und aus Spa­nien, ein Italiener, eine Rumänin und endlich ein tschechoslowakischer Schriftsteller und der Wiener Ka­pellmeister Felix v. Weingartner. Zwei Franzosen, zwei Spanier, ein Italiener, eine Rumänin vertre­ten die lateinische, ein Tschechoslowake und ein Wiener die nichtlateinische Kunst und Wissen­schaft- ______________

Aus aller Welt.

Opfer des Badens.

Aus allen Teilen Südwestdeutschlands laufen zahlreiche weitere Todesfälle infolge Badens im Rhein und seinen Rebenflüs'en ein. Bei Bin­gen ertrank ein 20jähriger Gärtner namens Eilers im Rhein. Im Strandbad bei Schier- ftein fiel ein neunjähriger Schüler den Fluten zum Opfer. Auch im Kasteler Strandbad ertrank ein elfjähriger Schüler infolge Herz­schlages. An der Auspitze bei Mainz wurde die Leiche eines nur mit der Badehose be­kleideten Schülers geländet, dessen Identität noch nicht festzustellen war. Auch das Paddeln hat wieder ein Opfer angefordert. Ein 17jähriger Vanllehrling fiel dabei in den Rhein und ver­schwand in den Fluten. Bei Ludwigshafen ertrank ein 17jähriger Lehrling aus Munden- heim. In der Ludwigshafener Schwimmhalle sprang ein 20jähriger junger Mann vom Sprungbrett herunter und brach sich dabei den Halswirbel. Er liegt jetzt zwischen Leben und Tod im Krankenhaus. Bei Kehl ist ein 32jäh- tiger Bahnarbeiter, bei Rheinsheim (Amt Bruch­sal) ein 14jähriger Schüler im Rhein ertrunken. Auch aus Köln wird ein Todesfall gemeldet. Ein Gepäckträger fiel von der Verbindungsbrücke eines Rheindampfers inS Wasser und ertrank. Vom Reckar toerben ebenfalls weitere Opfer gemeldet. Bei Heilbronn wurde die Leiche eines Fährmanns geländet, der im Wasser einen Herzschlag erlitten hat. Bei Riedena u sind in der Jagst, einem Rebenflusse des Reckars, zwei junge Mädchen im Alter von 17 und 20 Jahren den Fluten zum Opfer gefallen. Bei Wiesloch ist der 17jährige Sekundaner Lederer, der in einem sogenannten Bruch badete, an eine tiefe Stelle geraten und versunken. Er konnte nur als I Leiche geborgen werden. Aus Weinheim wird

gemeldet, daß bei Mörlenbach der 42jährige Fabrikarbeiter Schaab in der Weschnitz einen Herzschlag erlitt. Rettungsmaßnahmen waren vergeblich. Aus der Mosel wurden die Leichen eines französischen Soldaten und eines 12jährigen Schülers, aus der Kyll, eines Rebenflusses der Mosel, diejenige eines 16jährigen Lehrlings geländert. Im Main ist ein 21jährigec Schnei­der aus M.-Gladbach der eine Rctt)tour nach Franken machen wollte, beim Baden im Main in der Rähe von Würzburg ertrunken, während bei Katzwang an bet Regnitz ein 161/2iäbriger Mann ein Opfer des Badens wurde.

Die Eltern vor den Augen des Kindes ertrunken.

Rach einer Dlättermeldung ging die Frau des Vorarbeiters Rahke beim 'Baden in einer Tongrube bei Hegermühle unter. Ihr Mann, der in diesem Augenblick erhitzt an der älnglücks- ftelle eintraf, sprang ihr nach, wurde aber von einem Herzschlag betroffen und ertrank eben­falls. Das Töchterchen der Verunglückten muhte Dom Ufer aus zusehen, wie seine Eltern den Tod sanden.

Schwerer TNotorcadunfall.

Auf der Chaussee zwischen Hattenheim und Erbach ereignete sich..ein schwerer Motorrad­unfall. Eine Wiesbadener Gesellschaft machte mit vier Autos und drei Motorrädern eine Vergnü­gungsreise in den Rheingau. Bei der Rückfahrt erlitt em Motorrad, auf dem ein Steuerbeamter aus Wiesbaden mit seiner Frau sah, einen Rad- defekt. Durch den gewaltigen Ruck stürzte die auf dem Hintersitz sitzende 28jährige Ehefrau ab und brach das Genick. Zwei, sofort an der Stelle anwesende Aerzte konnten nur noch den Tod feststellen.

Internationale Gauner.

Der Taschendiebstahl, bei dem am vergange­nen Samstag in Berlin ein Amerikaner um 80 000 Mark gekommen ist, wurde nach den bisherigen (3rmit langen von zwei internationalen Gaunern begangen, die sich zur Durchführung ihrer Pläne bereits wiederholt des Flugzeuges be­dienten. Es handelt sich um einen 30 bis 35- jährigen und einen etwa 60jährigen Mann, die beide nur gebrochen deutsch sprechen, sich immer wieder falsche Ramen zulegen, wahrscheinlich mit einer ganzen Reihe falscher Pässe ausgerüstet sind und seit Anfang Juni in Deutschland ihr Unwesen treiben. Sie haben bereits verschiedene mehr oder weniger einträgliche Laschendiebstähle in Deutschland ausgeführt, konnten aber noch nicht dingfest gemacht werden.

Lin wetischwlndler.

In Berlin wurde der Wett Schwindler Arthur Keil in Haft genommen. Keil hatte Anfangs April mit großer Reklame ein Wettunter- nehmen gegründet und eine monatliche Ver­zinsung der einbezahlten Gelder bis zu 65 Proz. versprochen. Die Verwaltung und Auszahlung der Gelder sollte in den Händen einer Treuhand­gesellschaft liegen. Als die Staatsanwaltschaft zur Prüfung des Unternehmens eine Unter» suchungskommission einsehte, änderte Keil das Wettsystem in ein Sparsystem um. Keil hat die bis zum Mai erfolgten Einnahmen ordnungs­mäßig bei der Treu^andgesellschaft hinterlegt. Von da an aber fehlt jeder Rachweis über die Verwendung der Gelder. Auch sind feit Mai weder Steuern noch Krankengelder abgeführt worden. Heber die Höhe der Einzahlungen läßt sich noch nichts Genaues sagen, doch sollen es mehrere tausend Mark fein.

Spielklubschwindel.

In Kolberg ist durch die Anzeige von Ge­schädigten die Kriminalpolizei auf ein von Berlin ausgehendes großes Schwinbeluntemehmen auf­merksam geworden. DreiDirektoren" eines an­geblich für Kolberg konzessionierten Spielklubs suchten gegen Kautionen bis zu 3000 Mark An­gestellte mit Gefells.chafterbetei- ligung bei Bezügen von 12 und 30 Rm. täglich. In Kolberg erfuhren die Angestellten, daß fie; Schwindeiern in die Hände gefallen waren. Die Betrüger sollen etwa 35 000 Rm. erbeutet haben.

Ende eines Strahenräubers.

Im Walde bei Irrel (Kr. Bitburg) fand ein Förster im Walde eine männliche Leiche. Die Feststellungen ergaben, daß es sich um einen Straßenräuber handelte, der vor einiger Zeit mit mehreren Genossen einen Landbriefträger auf der Straße überfallen und beraubt hatte. Dabei war er auf der Flucht in den Rücken geschossen worden und hatte sich nach dem Walde geschleppt, wo er anscheinend langsam verblutet ist.

Ein bestialisches verbrechen.

In einem Brunnen bei Metschow (Ucker­mark) war vor einigen Tagen die Leiche ebner 56 Jahre alten Schnitterfrau gefunden worden. Die Feststellungen der Staatsanwaltschaft Prenz­lau haben ergeben, daß die Frau verhungert ist. Sie muß noch lebend in den Brunnen geworfen worden fein, der von den Ver­brechern mit schweren Dohlen wieder zugedeckt wurde, so daß sich die ülnglückliche aus eigener Kraft nicht befreien tonnte. Ihre Hilferufe muß­ten bei der weiten Entfernung zum nächsten Ort ungehört verhallen.

Neues Bergsteigerunglück am Dachstein.

Vorgestern stürzte der 26jährige Bildhauer Dito Blüchner aus Leipzig, der mit seiner Braut und drei Freunden eine Tour zur Dachsteinspitze unter­nommen hatte, beim Ucberqueren einer Rinne, als er seiner Braut, die abgerutscht war, helfen wollte, über eine 200 Meter hohe Felswand tödlich ab. Die Leiche konnte geborgen werden. Sie wird in Hall­stadt beigesetzt werden.

Lin Messer im Magen.

In Geisenheim meldete sich ein auf der Wanderschaft befindlicher Bursche bei der Polizei und gab an, krank zu fein, da ein Mester in feinem Magen ihm große Schmerzen verursache. Eine Röntgenaufnahme im Rüdesheimer Krankenhaus bestätigte tatsächlich seine Angaben, und durch eine Operation wurde dem Messerschlucker das gefähr­liche Instrument aus dem Magen entfernt. Der Bursche befindet sich auf dem Wege der Besserung.

Wettervoraussage.

Bei südlichen bis westlichen Winden meist bewölkt, tagsüber etwas wärmer. Sonst ver­hältnismäßig kühl, strichweise leichter Regen.

Kühlere westliche Luft ist ostwärts vorge­drungen und hat auf ihrem Weg in ganz Deutsch­land Veranlassung zu stärkeren Regenfällen ge­geben, die in der letzten Rächt in Rord-Osk- Deutschland besonders ausgiebig waren. Den

Westen her nachrückender höherer Druck bringt zunächst Verringerung der Riederschläge, doch bleibt bei westlicher Luftzufuhr der Witterungs- charakter unbeständig, zumal über England ein neues Störungsgebiet an Raum gewinnt.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 21,9, Minimum 14,8 Grad Celsius. Riederschläge: 6,8 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 15,6 Grad Celsius.

Am der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 21. Juli 1926.

Von der Einsamkeit.

Don Reinhold Braun.

Zwinge deine Einsamkeit, heilig dir zu dienen, daß sie dir mit heitern Mienen alles schenkt, was dich erfreut

Schöne, selige Gedanken, manche tiefe Köstlichkeit und auf stilles Herzeleid ein paar Rosenramen.

Weite Klarheit deinen^ Sinnen, Ewiges in deine Zeit, daß du magst aus Einsamkeit selber dich gewinnen.

R. D. .Morgenbuch".

Ich kenne eine Frau, eine sehr feine Seele. Mitten aus dem Glücke einer wundervollen Zwei­samkeit wurde ihr der geliebte Mann in der Vollkraft der Jahre durch den Tod entrissen.

Kinder besaßen sie nicht. Das Leben der Frau war von Stunde an eines der gänzlich einsamen. Aber wie wußte sie trotz des großen Schmerzes um den Heimgegangenen sogleich ihre Einsamkeit schöpferisch zu Leben!

Cs war etwas Wurrd er bares um die Ein­samkeit dieser Frau. Sie war ein Beweis von der hohen Lebenskunst der adligen Frauenseele, daß sie Herrin ihrer Einsamkeit von vornherein war und auch blieb. Es gibt eine Einsamkeit, die einer dunklen, kalten Kammer gleicht: es gibt aber auch eine Einsamkeit, die einem kost­baren Rosengarten gleicht, der wie hinter hohen Mauern liegt; aber doch sind in der Höhe der Mauern Altane, die den Blick in die Welt schenken.

Die Einsamkeit ist immer das, was wir aus ihr machen. Wenn wir Menschen vom gestal­tenden Leben und voller Sehnsüchte sind, wird auch unsere Einsamkeit edle Gestalt gewinnen. Wie man in seine Einsamkeit hineinschaut, so ^chauts aus ihr heraus. Und das ist das Selt­same, die Einsamkeit gibt das Dunlle unseres Wesens vervielfacht zurück, aber auch das Licht, Es liegt ganz an uns, wie sich unsere Einsamkeit zu uns verhält. Die dumpfe, unschöpferische Ein­samkeit wird uns nach und nach gänzlich ein­spinnen, unlebendig und welk machen.

Einsamkeit, die ganz Erde ist, kann den Men­schen nach und nach auch begraben. Einsamkeit aber, in der der Himmel noch Macht hat, bleibt die Dienerin der Ewigkeit und damit unsere treueste und ehrlichste Dienerin.

Der Himmel hatte auch Macht in der Ein­samkeit jener feinen Menschenseele, sodaß man jedesmal, wenn man ihr begegnete, sagen muhte: Ist sie nicht noch reifer, feiner, schöner in ihrer Seele geworden?" Sie machte zur Wahrheit, was ich in dem Gedichte am Eingang fordere. Sie lebte ihre Einsamkeit vorbildlich als der schöpferische Mensch. 3a, der Himmel hatte in ihr Macht, die himmlische Siebe und alles Dnaden- tum des Ewigen. And das war der größte Segen dieser schöpferischen Einsamkeit, daß sie den ganzen Menschen mit immer reinerer Liebe und der größeren Inbrunst füllte, anderen Gutes zu tun.

Wie wuchs diese Frau an Seelen- und Geistesllarheit, wie gewann sie bte_ Höhe deS reifen Herzens, wie adelte sie ein gütiges Ver­stehen, wie wurde ihre Menschlichkeit immer leuchtender und beglückender.

Ja, sie gewann ganz wunderbar ihr kostbares Selbst, ihre edle Eigenwüchstgkeit aus ihrer Ein­samkeit. Ihr Wesensgrund war heilige Stille geworden, und die Wurzeln ihres Lebens senkten sich immer tiefer in Göttliches ein.

So segnet Einsamkeit, wenn wir uns von ihr segnen lassen wollen. Selbst den Schmerz schafft sie um in höheres Leben.

Fünf Regeln für Schwimmer.

WSR. 1. Wer nicht mindestens eine Viertel­stunde freischwimmen kann, schwimmen nicht über breite Wasserläufe; man täuscht sich leicht über die Breite, älebe auch in seichtem Wasser das Rückenschwimmen.

2. Schwimme nie mit vollem Magen, nicht nach großer Erhitzung ober Aurchgechter Rächt! Du kannst plötzlich sinken!

3. Große Strecken schwimme nie ohne Be­gleitung eines Rachens ober ohne Kontrolle am Ufer.

4. Wenn sich Anzeichen von Ermüdung zeigen, hebe nie gleichzeitig beide Arme, da man bann sofort sinkt. Wenn du sinkst, reiche dem Retter nur lose die Hand und umllammere ihn nicht. Versuche, dich auf den Rücken zu legen. Rufe jedoch nie scherzweise um Hilfe!

5. Wenn bu unsicher im Schwimmen bist oder an Wabenkrämpfen leidest, schwimme lieber zurück. Zeige keinen falschen Ehrgeiz; es könnte dich das Leben kosten!

Bornotizen.

Tageskalender für Mitrwoch. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Pat und Patachon als Schwiegersöhne".

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Wie schon bekannt- gegeben, wird Ivo Puhonnys berühmtes Baden- Badener Marionetten-Theater am Sonntag, dem 25. Juli, nachmittags 31/- 41hr und abends 8 Uhr, je ein Gastspiel absolvieren. Die Vorstellungen finden bei kleinen und ermäßig­ten Preisen statt und bringen am Rachmittag das MärchenDer Froschprinz", am Abend die GroteskeDie Rache des Ha­kim" undEgon und Emilia". Jede Vor­stellung beschließt das Auftreten der luftigen Solomarionette n", die sich in der Abend­vorstellung im Rahmen etnes Kabaretts produ­zieren werden. Das Baden-Badener Marto- nettentheater gilt als das weitaus künstlerischste und beste seines Genres und hatte z. D. bet früheren Vorstellungen in Dad-Rauheim am dor­tigen Kurtheater ganz außergewöhnlichen Bei- I fall errungen.